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Zur Lebenslage von Kindern in Ein-Elternteil-Familien

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 20 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursachen für die Ein-Elternteil-Situation

3. Kinder in Ein-Elternteil-Familien
3.1 Die Trennungssituation und die Folgen für die Kinder
3.1.1 Die negativen Folgen
3.1.2 Die positiven Folgen
3.2 Die ökonomische Situation der Kinder
3.3 Die Wohnsituation der Kinder
3.4 Soziale Netzwerke, Freunde, beste Freunde
3.5 Die Bedeutung der Schule
3.6 Die Freizeitsituation

4. Die Beziehungen innerhalb der Familie
4.1 Zu den Eltern
4.1.1 Zum verlorenen Elternteil
4.1.2 Zum erhalten gebliebenen Elternteil
4.1.3 Zu Stiefeltern
4.2 Die Bedeutung der Geschwister

5. Ein-Elternteil-Familien aus der Sicht betroffener Kinder

6. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Allgemeinen wird unter dem Begriff ‚Familie’ eine soziale Einheit verstanden, bestehend aus Mann, Frau und Kind(ern), die Kernfamilie. Abgesehen von dieser Form der Familie gibt es aber noch weitere Formen, wie die Ein-Elternteil-Familie, die Thema dieser Arbeit ist.

Eine Ein-Elternteil-Familie besteht, wie die Bezeichnung schon aussagt, aus einem Elternteil, Vater oder Mutter und einem oder mehreren Kindern, die zusammen in einem Haushalt leben.

Alleinerziehende Eltern sind keineswegs ein Phänomen des 20. Jahrhunderts. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass es schon in der Vergangenheit zu der Situation kam, dass sich Vater oder Mutter alleine um die Erziehung der Kinder kümmern musste.

In der heutigen Zeit sind die Gründe dafür wahrscheinlich andere als in vergangenen Jahrhunderten, jedoch das Resultat ist dasselbe geblieben: Kindern in der Ein-Elternteil-Situation fehlt der zweite Elternteil. Sei es Mutter oder Vater, der andere Elternteil kann diesen Verlust nur schwer ausgleichen und schon gar nicht ersetzen.

Doch welche Auswirkungen hat diese Situation auf die Entwicklung der Kinder in einer solchen Ein-Elternteil-Familie? Diese Arbeit versucht, diese Auswirkungen, seien sie positiv oder negativ, darzustellen.

Zunächst werden die Gründe für das Entstehen einer Ein-Elternteil-Familie aufgezeigt.

Anschließend erfolgt eine Darstellung eben dieser Familiensituation. Dabei werden neben den Folgen der Trennungssituation für die Kinder auch die ökonomische Situation, die Wohnsituation, die sozialen Netzwerke, die Bedeutung der Schule und die Freizeitsituation der Kinder zum Thema.

In einem nächsten Kapitel werden die Beziehungen innerhalb einer solchen Ein-Elternteil-Familie näher beleuchtet: Die Beziehung zu den Eltern (sowohl dem erhalten gebliebenen Elternteil, als auch dem verlorenen Elternteil), zu Stiefeltern und zu eventuell vorhandenen leiblichen Geschwistern und Stiefgeschwistern.

Außerdem präsentiert diese Arbeit in einem weiteren Punkt die Situation der Ein-Elternteil-Familie aus der Sicht der Kinder.

2. Ursachen für die Ein-Elternteil-Situation

Wie bereits erläutert, ist die Familienform der Ein-Elternteil-Familie keine neue Erscheinung des 20. Jahrhunderts und schon längst keine seltene Erscheinung mehr. Doch wie kommt es zu eben dieser Familienkonstellation mit nur einem Elternteil, welches sich um die Erziehung des Kindes/ der Kinder kümmert? Welche Gründe gibt es für die Entstehung?

Die Analyse von Familiensituationen zeigt deutlich, dass immer mehr Kinder in Ein-Elternteil-Familien aufwachsen. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es 22.414.000 Familienhaushalte, davon sind 2.647.000 Ein-Elternteil-Familien (Stand: statistisches Jahrbuch 1998,) (vgl. Braches-Chyrek 2002: 73).

„Während die heutige Generation der Großmütter noch vielfach ihren Mann im 2. Weltkrieg verloren hat, liegen gegenwärtig die unterschiedlichsten Ursachen für das Alleinerziehen vor“ (Braches-Chyrek 2002: 116).

Der häufigste Grund für die Entstehung von Ein-Elternteil-Familien ist die Scheidung der Eltern. Die Scheidungszahlen in der Bundesrepublik Deutschland befinden sich seit Jahren auf einem hohen Niveau und das über alle Generationen hinweg (vgl. Braches-Chyrek 2002: 78). Im Jahr 1998 wurden 192.416 Ehen geschieden, ein Höchststand seit der Erfassung der Daten im Jahr 1950. Dabei waren 159.298 Kinder von der Trennung ihrer Eltern betroffen (vgl. Nave-Herz 1998: 305f.; Braches-Chyrek 2002: 73). Die Gründe für die Scheidung von Ehen sind unterschiedlich. Jedoch der häufigste Trennungsgrund, sowohl für Väter, als auch für Mütter, ist der Mangel an Gemeinsamkeiten innerhalb der Partnerschaft (vgl. Napp-Peters 1985: 97).

Neben der Scheidung der Eltern gibt es noch weitere Gründe für die Ein-Elternteil-Familiensituation. So gehört auch die Verwitwung eines der beiden Elternteile zu den Gründen. Laut Statistik sind heute allerdings nur noch 1,4% aller Kinder bis zur Volljährigkeit von dieser Situation betroffen (vgl. Nauck 1991: zit. nach Nave-Herz 1998: 106).

Es besteht ein Unterschied zwischen Eltern-Trennung durch Tod und die durch Scheidung. Er liegt in der Endgültigkeit dieser Situation, in der Hoffnungslosigkeit auf die Rückkehr des Elternteils oder auf eine Wiederherstellung der früheren Beziehung zwischen Vater und Mutter, in ähnlicher oder in veränderter Form. Und gerade die Kinder hegen häufig bei Scheidung die Hoffnung auf eine Versöhnung der Eltern (vgl. Nave-Herz 1994: 107).

Es gibt auch Mütter, die sich bewusst dafür entscheiden, ihr Kind ohne einen Vater aufzuziehen. Die Zahl dieser Mütter hat in den letzten Jahren, ebenso wie die Scheidungsrate einen Anstieg erfahren (vgl. Braches-Chyrek 2002: 73). Ledige Mütter gehören in der Bundesrepublik Deutschland auch heute zu den gesellschaftlich Unterprivilegierten (vgl. Nave-Herz 1994: 97).

Obwohl die Zahl der Familienhaushalte mit zwei Eltern abnimmt, wächst die Mehrzahl aller Kinder dauerhaft in einer Familie auf (Vgl. Braches-Chyrek 2002, S. 74).

3. Kinder in Ein-Elternteil-Familien

3.1 Die Trennungssituation und die Folgen für die Kinder

Im Laufe der Entwicklung eines Kindes in einer Ein-Elternteil-Familie gibt es eine Menge anderer Veränderungen, außer der Trennung von einem Elternteil. Nach fünf oder mehr Jahren haben die meisten Kinder die Trennung der Eltern verwunden und es findet eine Konzentration auf neue Lebensereignisse statt (vgl. Braches-Chyrek 2002: 115).

Aber natürlich bleiben die Trennung der Eltern und der Verlust eines Elternteils nicht ohne Folgen für ein Kind. Grundsätzlich gilt: Die Auswirkungen des Verlustes eines Elternteils sind abhängig von dem Grund und der Länge der Trennung von einem Elternteil, dem Alter und dem Geschlecht des Kindes, der Zahl und dem Geschlecht der Geschwister, der eigenen Stellung in der Geschwisterreihe, dem Vorhandensein von Großeltern und ihrem Verhältnis zu den Kindern usw. Die schlechtere sozioökonomische Lage, die bei den meisten Ein-Elternteil-Familien vorherrscht, muss ebenfalls berücksichtigt werden, denn sie kann problemverstärkend wirken (vgl. Nave-Herz 1994: 93).

Welche Folgen die Trennung von einem Elternteil für Kinder haben kann, wird im Folgenden gezeigt.

3.1.1 Die negativen Folgen

Die Ein-Elternteil-Familienkonstellation hat, was sicherlich allen Eltern bewusst ist, mehr negative Auswirkungen als positive, aber eben nicht nur negative. Die gängigsten Folgen stellt dieses Unterkapitel dar.

So ist es möglich, dass bei Mutter- oder Vaterverlust bei einem Kind spezifische Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen auftreten. Es wurde festgestellt, dass vater- bzw. mutterlos aufgewachsene Kinder zu Verhaltensschwierigkeiten im Kindesalter neigen. Ebenfalls wurde festgestellt, dass Zusammenhänge bestehen zwischen dem Verlust eines Elternteils und der sexuellen Entwicklung, kriminellen Karrieren, Anpassungsschwierigkeiten, verzögerter persönlicher Reifung, Beeinträchtigung im Selbstkonzept, Beeinflussung in kognitiven Bereich, schlechten Schulnoten u. v. m. (vgl. Nave-Herz 1994: 92f.).

Bei Alleinerziehenden kommt es häufiger zu Erziehungsproblemen. Alleinstehende Mütter und Väter suchen eher, schneller, und öfter eine Beratungsstelle auf, als Eltern aus Zwei-Elternteil-Familien. (vgl. Ewert 1988: 268, zit. nach Nave-Herz 1994: 92). Dabei sind nicht immer unbedingt nur Erziehungsprobleme Gründe für ein solches Gespräch, sondern auch Unsicherheit des Alleinerziehenden und der Wunsch nach positiver Zustimmung auf das angewandte elterliche Erziehungsverhalten (vgl. Nave-Herz 1994: 92).

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Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638396332
ISBN (Buch)
9783638762922
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41354
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Institut für Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Lebenslage Kindern Ein-Elternteil-Familien Hauptseminar Theorien Sozialisation Kindheit Scheidung Scheidungskinder Familien Familiensoziologie

Autor

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Titel: Zur Lebenslage von Kindern in Ein-Elternteil-Familien