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Schweden: Integration und Dependenz von schwedischer Bestsellerliteratur im nationalen Ländermarketing

Bachelorarbeit 2017 83 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Relevanz und Hinführung zum Thema
1.2 Stand der Forschung
1.3 Ziele, Thesen und Methodik

2 Management und Marketing einer Tourismusdestination
2.1 Marketing und seine allgemeine Eingliederung
2.2 Tourismus-Marketing
2.3 Destinationsmanagement
2.4 Modell zur Situationsanalyse

3 Film- und Literaturtourismus
3.1 Motive, Erwartungen, Reaktionen und Verhaltensweise
3.2 Ökologische, soziale und ökonomische Effekte
3.3 Chancen und Risiken

4 (Süd-) Schweden: Land und Leute
4.1 Ystad – a perfect place for murder
4.2 Geografische, ökonomische und geschichtliche Darstellung
4.2.1 Henning Mankell – schwedische Krimis par excellence
4.2.2 Der ‘Wallander-Effekt‘: Über die Grenzen hinaus
4.3 Etwas mehr als nur eine Straße und eine Nebenstraße: Vimmerby
4.3.1 Geografische, ökonomische und geschichtliche Darstellung
4.3.2 Astrid Lindgren als Erzieherin ganzer Generationen
4.3.3 Nostalgie als Anziehungspunkt und Attraktivitätsmerkmal

5 Die Situationsanalyse: Vimmerby im Vergleich zu Ystad
5.1 Stärken-Schwächen-Analyse
5.2 Chancen-Risiken-Analyse

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Assoziation Schweden und Astrid Lindgren

Abbildung 2: Assoziation Schweden und Wallander

Abbildung 3: Häufigkeit des Begriffs 'Wallander'

Abbildung 4: Häufigkeit des Begriffs 'Henning Mankell‘

Abbildung 5: Mariagatan - Straße, in der die Wohnung Kurt Wallanders liegt.

Abbildung 6: Abschiedswandtafel der Film-Crew von Wallander

Abbildung 7: Häufigkeit des Begriffs 'Astrid Lindgren'

Abbildung 8: Häufigkeit des Begriffs 'Pippi Langstrumpf'

Abbildung 9: Häufigkeit der Begriffe 'Kindheit/Kindheitserinnerungen'

Abbildung 10: Haus des Nils Karlsson-Däumeling in der Astrid Lindgren Welt in Vimmerby

Abbildung 11: Die 'Villa Kunterbunt' in der Astrid Lindgrens Welt

Abbildung 12: Stärken-Schwächen-Analyse der Destinationen Ystad und Vimmerby

Abbildung 13: Chancen-Risiken-Analyse der Destinationen Ystad und Vimmerby

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Analyse der Frage, inwiefern der Film- und Literaturtourismus bezugnehmend auf Integration und Abhängigkeit eine Destination am Beispiel der schwedischen Städte Ystad (Autor Henning Mankell mit seiner fiktiven Figur Kurt Wallander) und Vimmerby (Autorin Astrid Lindgren und ihren Kinderbüchern und -filmen) beeinflusst, ist als Hauptziel dieser Forschungsarbeit zu verstehen. So wird der Zusammenhang und die Relation zwischen den wissenschaftlichen Kontexten von Marketing, Literatur/Film sowie Tourismus und die daraus resultierende Beeinflussung des öffentlichen Images auf nationaler und internationaler Ebene mit Hilfe zweier quantitativer Umfragen mit Schwerpunkt Assoziationen zwischen Schweden, den o.g. Autoren und ihren Werken als auch anhand qualitativer Methodik durch neun Experteninterviews dokumentiert und ausgewertet.

Auf diese Weise werden die folgenden fünf Hypothesen speziell für die beiden genannten Destinationen widerlegt oder bestätigt: (1.) Es wird eine Verknüpfung zwischen dem Land Schweden und den beiden Autoren Lindgren/Mankell (inklusiver ihrer Werke) hergestellt; (2.) der Film- und Literaturtourismus ist als ein stark wachsendes Tourismussegment anzusehen; (3.) die Vermarktung als eigenständige Tourismusdestination wird durch die starke Abhängigkeit eingeschränkt; (4.) der Tod beider Autoren verringert Nachfrage/ Interesse und (5.) aufgrund neuer Ideologien/Ansprüche an Bücher findet eine potenzielle Verdrängung statt.

Die Bilanz dieser Ausarbeitung zeigt, dass die immense Präsenz Astrid Lindgrens in Vimmerby als starke Abhängigkeit und der Autor Henning Mankell mit seinen Kriminalromanen und -filmen der Wallander-Reihe als Integration Ystads zu werten sind.Die Destination Vimmerby stellt einen Sonderfall dar. Hier steht neben ihren Werken/Filmen auch die Autorin als Mensch (im Gegensatz zu Ystad) im Fokus. Die außerliterarischen Aktivitäten Astrid Lindgrens und ihre internationale Beliebtheit führen dazu, dass die Nachfrage auch langfristig konstant bleibt und die omnipräsente Abhängigkeit kein Risiko darstellt. Die Popularität der Wallander-Krimis ist hingegen nur eine der vielen touristischen Attraktionen in Ystad. Die Destination Ystad integriert die Nachfrage zu Wallander und behält weiterhin neben der Kultfigur Wallanders das Interesse als touristische Urlaubs-Destination.

Bezugnehmend auf das Image und das Marketing Schwedens ergibt die Schlussfolgerung, dass der Film- und Literaturtourismus als Chance und Integration zu sehen ist; zum einen erhöht sich die Bedeutung Schwedens als Urlaubsland zum anderen werden wichtige Themen wie Migration und Innovation im In- und Ausland durch die Autoren porträtiert und dadurch ein weitreichendes Bild Schwedens außerhalb der fiktiven Geschichten erstellt.

1 Einleitung

Es sind zwei Aussagen von Gegebenheiten und Orten im gleichen Land, die unterschiedlicher nicht hätten ausfallen können und den Kontrast zwischen zwei der bekanntesten und nennenswerten Attraktivitätsmerkmale einer skandinavischen Nation einmal mehr deutlich machen.

Da ist zum einen Ystad, ein kleiner Ort an der Küste von Skåne gelegen. Am Anfang der internationalen Bestseller-Reihe um den schwedischen Kriminalkommissar Kurt Wallander in den 1980er Jahren sei der Unterschied zwischen Klein- und Großstädten im ganzen Land noch deutlich spürbar und zum Greifen nah gewesen, so Henning Mankell über Ystad (und die Region Österlen) als ein für ihn inspirierender und zugleich faszinierender Ort (Übersetzung des Verfassers, vgl. Ystads kommun, 2014 : 58). Eine Tatsache, die sich ebenso in der Kriminalstatistik Schwedens widerspiegelt. (Übersetzung des Verfassers, vgl. Ystads kommun, 2014 : 58).

„Ich lebte dann genau in der Mitte von dem, was später die ‘Wallander’-Region wurde“ (Übersetzung des Verfassers, Ystads kommun, 2014 : 58).

Dunkelheit, Gefahr und Verbrechen, Stille und Einsamkeit. Es sind genau diese Assoziationen, die mit den Geschichten in der ‘Wallander’-Region einhergehen und das völlige Gegenteil von dem Land in Europa versprechen, welches als Wohlfahrtsstaat und zukunftsweisend deklariert wird.

Und dann ist da Astrid Lindgren, in Näs bei Vimmerby geborene Kinder- und Jugendbuchautorin. Für Menschen aller Generationen stellt sie den Inbegriff von Kindheit und den damit verbundenen Erinnerungen dar. Ein Paradies für Groß und Klein, in dem zusammen mit dem von Lindgren erschaffenen, fiktiven Charakteren in der Nostalgie des eigenen Aufwachsens geschwelgt werden kann. Das ist Astrid Lindgrens Welt. Gelegen in Vimmerby in Mitten der Region Småland, umgeben von der Natur und Weite, die für Skandinavien so typisch ist.

Ein Ort, den die Schwedin selbst als „[...] einzigartige Anlage“ (Schwieder/Schwieder, 2006 : 76) beschreibt, „die Vielen Freude bereitet. Es ist eine sehr gemütliche und schöne Welt, denke ich.“ (Schwieder/Schwieder, 2006 : 76).

Diese Aussagen ließen sich schon eher dem gängigen Image des größten skandinavischen Landes zuordnen. Beschreiben sie doch eine Art Freiheit und Sicherheit während der eigenen Kindheit.

Doch was haben diese beiden Autoren und ihre Aussagen über die, in Südschweden gelegene Gegenden gemeinsam? Auf den ersten Blick bis auf die geografischen Merkmale wahrlich nicht viel. Doch es gibt eine markante Überschneidung.

Beide sind Teil einer immer größer werdenden Tourismus-Nische, dem Film- beziehungsweise Literaturtourismus. Ein Phänomen, was vermutlich dem Kulturtourismus („umfasst alle Reisen von Personen, die ihren Wohnort temporär verlassen, um sich vor-rangig über materielle und/oder nicht-materielle Elemente der Hoch- und Alltagskultur des Zielgebiets zu informieren, sie zu erfahren und/oder zu erleben“ (Steinecke, 2013a : 15 zit. n. Steinecke, 2016 : 38)) entsprang und in der heutigen Zeit vor allem in Orten wie Neuseeland (Herr der Ringe) oder Großbritannien (Harry Potter) wiederzufinden ist.

1.1 Relevanz und Hinführung zum Thema

Sowohl der Literatur- als auch der Filmtourismus verfügen über lange, bis ins 18. Jahr-hundert zurückreichende Verknüpfungen. So war bereits die Szenerie des Romans ‘Die Leiden des jungen Werther’ von Johann Wolfgang von Goethe Schauplatz von Pilgern, Anhängern und Sympathisanten (vgl. Steinecke, 2016 : 39).

Auch in der heutigen Zeit des 21. Jahrhunderts steigt das Interesse, in die fiktiven Welten von Film und Buch einzutauchen. Durch vielseitige, außergewöhnliche Angebote wird versucht, von den internationalen Nachfragen zu profitieren, einen Platz auf dem hart umkämpften, touristischen Markt zu bekommen und die touristische Attraktivität zu erhöhen – ein Alleinstellungsmerkmal für Destinationen ist geboren.

Neben den bekannten Vorreitern im Bereich des Filmtourismus, den Vereinigten Staaten von Amerika, England oder der Karibik, steigt auch in Schweden die Neugier und Aufmerksamkeit an originalen Drehorten und Schauplätzen vieler skandinavischer Autoren.

So ist die Kombination aus nationalen Genre-Charakteren, ein paar sehr erfolgreichen Autoren, einer Underdog -Heldin und dem Image von Schweden als Wohlfahrtsstaat, der auseinander bricht, ein Garant für starkes Interessenwachstum an skandinavischen Kriminalromanen (Übersetzung des Verfassers, vgl. Berglund, 2016 : Anhang 2[1] ). Henning Mankell, Stieg Larsson, Maj Sjöwall oder Per Wahlöö sind Meister im sozialkritischen Erzählen von polizeilichen Ermittlungen in ganz Schweden.

Der aktuelle ‘Crime-Boom’ ist somit ein immer größer und wichtiger werdendes Potenzial für Schweden.

Auch die Identifikation mit der eigenen Kindheit und die damit verbundene, aufkommende Nostalgie sind Gründe für einen Besuch bestimmter Wirkungsstätten von Büchern und Filmen. Und die Nachfrage ist steigend. So hat die Astrid Lindgrens Welt in Vimmerby (der Geburtsstadt von Astrid Lindgren) bereits im Jahr 2014 einen Besucherrekord von einer halben Million Menschen erwirtschaftet (vgl. Reisen exklusiv, 2014 : o.S.). Ebenso löste Astrid Lindgren mit ihrer kindlichen Heldin Pippi Langstrumpf Selma Lagerlöf als Porträt auf dem schwedischen 20-Kronen-Schein ab (vgl. Stocker, 2013 : o.S.). Ein Zeichen, dass das Verlangen nach Attraktionen mit der Kinderbuchautorin nach wie vor anhält und die Schwedin selbst noch 15 Jahre nach ihrem Tod einen immensen Stellenwert in der schwedischen Gesellschaft innehält.

Das Zusammenspiel von dem Tourismus des größten skandinavischen Landes und zwei der größten schwedischen Autoren (laut der UNESCO gehört Schweden international zu den zehn Ländern mit den meisten, veröffentlichten Büchern; Astrid Lindgren und Henning Mankell stehen an der Spitze der erfolgreichsten schwedischen Autoren (vgl. UNESCO, 2016 : o.S.) ) stellt deshalb ein interessantes und fachübergreifendes Thema dar.

Es gilt den „Einfluss des ‘Wallander-Effekts’ in Ystad und des ‘Nostalgie-Effekts’ in Vimmerby als Anziehungspunkt und Attraktionsmerkmal im Film- und Literaturtourismus auf das Destinationsmarketing“ (vgl. Schröder, 2016 : 3) zu untersuchen, diesen Stellen-wert für das nationale Ländermarketing Schwedens festzulegen und klarzustellen, welche Auswirkungen Angebot sowie Nachfrage für kleinere, urbane Städte haben.

1.2 Stand der Forschung

Der „Film- und Literaturtourismus stellt als eigenständige Tourismusform ein Nischenprodukt dar“ (Schröder, 2016 : 4) und kann übergeordnet in die Bereiche des Destinationsmanagements und des (Tourismus-) Marketing eingeordnet werden.

In Deutschland ist der aktuelle wissenschaftliche Stand über Skandinavien und das touristische Alleinstellungsmerkmal des Film- und Literaturtourismus eine noch nicht beschriebene Materie. Doch in Schweden selber stellen die Bestsellerlektüren rund um Lindgren, Mankell, Larsson oder Läckberg bereits ein wichtiges Instrument der Marketing-Strategie dar.

In dem durch die ‘Södermalm Regional Council’, der ‘Filmregion Stockholm-Mälardalen’, der ‘Stockholm Business Region Development’ sowie der ‘Municipality of Nyköping and Film i Sörmland’ im Jahr 2011 in Auftrag gegebenen Millennium-Report ging es beispielsweise um die „wirtschaftlichen Auswirkungen und den steigenden Wert für die Region Stockholm auf Grund der schwedischen Millennium-Trilogie des Autors Stieg Larsson.“ (Übersetzung des Verfassers, vgl. Cloudberry Communication AB, 2011 : 4 ff.). Und auch Ystad (bekannt aus den Wallander-Romanen) erhob bereits 2012 eine qualitative Medien Analyse, um die Darstellung der (Film-) Stadt Ystad und der Region Österlen in englischen und schwedischen Berichten mit dem Fokus auf Film- und Serienproduktionen auswerten zu können (Übersetzung des Verfassers, vgl. Ystads kommun, 2012 : 2). Die Entwicklung eines Master-Programms mit der renommierten Lund Universität in Südschweden im Bereich Film (vgl. Freitag, 2016 : Anhang 4) und ein „Inventarisierungsprojekt von Events in Abhängigkeit von Film und Literatur, Produkten und Orten in Ystad und Österlen“ (Ystads kommun, 2014 : 5 ff. zit. n. Schröder, 2016 : 3) stellen zwei weitere Forschungs- und Umfragearbeiten der Kommune Ystad dar.

Nichtsdestotrotz stellt die Bearbeitung von Fragestellungen zu dem (zusammen-hängenden) Thema Schweden und seine Autoren auch fachübergreifend ein außer- gewöhnliches Forschungsgebiet dar. Neben der Rolle der emanzipierten Kommissarin in den schwedischen Kriminalromanen im Fachbereich der Sozialwissenschaften wurden ebenso bereits die Bilder von Schweden und deren Einfluss auf Rezensionen anhand schwedischer Krimis untersucht. Und auch Astrid Lindgren und ihre Werke sind oftmals Bestandteil von Forschungen über Kinderrechte und anderen kulturellen Erhebungen.

Das Interesse von mehreren Seiten an der Erforschung dieses (weitläufigen) Themas hebt eindrucksvoll dessen aktuelle Relevanz hervor.

1.3 Ziele, Thesen und Methodik

Das allgemeine Untersuchungsziel der Forschungsarbeit basiert auf der Leitfrage, ob die Bekanntheit der Spiel- und Drehorte Segen oder Fluch, Integration oder Abhängigkeit für die bestimmten Städte in Schweden sind.

Um einen differenzierten Vergleich herstellen zu können, liegt der Fokus auf Ystad (Genre der Kriminalromane um Kurt Wallander von Henning Mankell) und Vimmerby (Heimat vieler Kinderbuchhelden von Astrid Lindgren). Beide Orte liegen in Südschweden, beherbergen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte und Zielgruppen. Sind die Auswirkungen abhängig vom Standort, der Zielgruppe oder der Grenze zur Realität? Wie verhalten sich Nachfrage und Angebot?

Zwischen den Bereichen des Marketing, der Literatur beziehungsweise dem Film und dem Tourismus als übergeordnetes Themengebiet wird wissenschaftlich der Zusammenhang und die Abhängigkeit dargestellt. Mögliche Beeinflussungen werden identifiziert, analysiert und gegebenenfalls bearbeitet, um ein deutliches Bild der aktuellen Situation zu erschaffen. Des Weiteren werden die Beeinflussung des öffentlichen Bildes (Image) von Schweden und die steigende nationale Bedeutung vom Film- und Literaturtourismus verdeutlicht. Durch qualitative und quantitative Untersuchungen wird die Wahrheit zwischen literarischer Fiktion und anzunehmender Realität in Schweden analysiert und dargestellt.

Um einen ersten Zusammenhang zwischen Schweden und den genannten Autoren herzustellen, wurde bereits zu Beginn des Forschungsvorhabens eine allgemeine Kurzumfrage erstellt. Neben der Bekanntheit bestimmter Bücher, deren Verbindung mit den Autoren und den entsprechenden Ländern ging es hierbei ebenso um allgemeine Präferenzen bezüglich der Bücherauswahl, der Urlaubsorte sowie um die Wichtigkeit landestypischer Destinationsmerkmale (siehe Anhang 10). So wurde das bekannteste Werk Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf vollständig dem Land Schweden zugeordnet. Henning Mankell und seine Romanfigur Wallander wurden als Buch und Film ebenso fast immer mit Schweden assoziiert. Die Attraktivität der skandinavischen Länder (insbesondere Schweden) als Urlaubsdestination und die landestypischen Merkmale wie Landschaft und der Kultur lassen darauf schließen, dass zwischen den Autoren allgemein beziehungsweise den Werken und Schweden ein Zusammenhang gezogen wird und die Wichtigkeit der eben genannten landestypischen Merkmale ein Grund für einen Besuch in Schweden darstellen können.

Auf Grundlage dieser Umfrage beruht die erste Hypothese (1) dieser Forschungsarbeit auf der Annahme, dass eine Assoziation zwischen dem Land Schweden, der Literatur und den Filmen von den Autoren Astrid Lindgren und Henning Mankell besteht. Durch das steigende Interesse an Schauplätzen und Drehorten rund um Vimmerby und Ystadt besagt die zweite Hypothese (2), dass der Film- und Literaturtourismus als ein immer stärker wachsendes Segment im Tourismus (-marketing) angesehen werden kann. Eine starke Abhängigkeit von der Literatur und den Filmen schränkt (gerade in Kleinstädten) die Vermarktung als eigenständige Tourismusdestination ein (3). Daraus resultierend bezieht sich die vierte Hypothese (4) auf die drastische Verringerung der Nachfrage aufgrund des Todes beider Autoren (und dem damit verbundenen Interessennachlass). Durch verändernde Bedürfnisse, Wünsche und Ansprüche von Generation zu Generation besagt die fünfte Hypothese (5) die potenzielle Verdrängung durch neue Ideologien und Ansprüche an Kinderbücher und Kriminalromane.

Angesichts des geografischen Standorts und der aktuellen Lage spielen bei dieser Forschungsarbeit insbesondere die qualitativen und quantitativen Methoden eine immense Rolle. Neben den Erhebungsmethoden rund um die Recherche und Dokumentenanalyse (Sekundäranalyse) (vgl. Hug/Poscheschnik, 2015 : 83) als Grundlage für die Bearbeitung des späteren Forschungsvorhabens sollen mit der quantitativen Methodik anhand von Umfragen an die Allgemeinheit und an Reiseveranstalter mit dem Fokus auf schwedische Reisen „Aussage über eine Grundgesamtheit von Personen [gemacht werden, d. Verf.], ohne alle diese Personen untersuchen zu müssen“ (dies., 2015 : 74). So soll die standarisierte Umfrage mit 21 deutschen Reiseveranstalter mit dem Schwerpunkt des Buchungsverhaltens und der Angebote/Nachfrage als richtungsgebend für das allgemeine Buchungsverhalten in Deutschland in Bezug auf Schweden gewertet werden, umso die Attraktivität und den Stellenwert des Landes als Urlaubsdestination aus deutscher Sicht darstellen zu können. Der Einfluss der Autoren Lindgren und Mankell und die Relevanz des Film- und Literaturtourismus in Schweden bei Reiseveranstaltern sind objektive Fakten, die als Grundgerüst für diese Forschungsarbeit dienen.

Neben den Reiseveranstaltern geht es bei der weiteren quantitativen Umfrage mit der Öffentlichkeit um die Verknüpfung bestimmter Merkmale und Faktoren, um so den allgemeinen Zusammenhang deutlich zu machen.

Die qualitativen Experteninterviews mit „Personen, die sich durch eine besondere Ex-pertise über den Forschungsgegenstand auszeichnen.“ (Hug/Poscheschnik, 2015 : 101) dienen dieser Forschungsarbeit dahingehend, um subjektive Einschätzungen über das allgemeine Image von Schweden, Angebot und Nachfrage in den Regionen Ystad und Vimmerby, den aktuellen ‘Crime-Boom’, die Beurteilung der Situation aus verlags-technischer Sicht und dem Bild Schwedens in Deutschland zu bekommen. Die Interviews wurden anschließend teilweise „transkribiert, selektiert und strukturiert“ (dies., 2015 : 84). Die Entscheidung für ein schriftliches Experteninterview im Falle dieser Forschungsarbeit bot dem Experten die Möglichkeit, intensiver und länger über die zu beantworteten Fragen nachzudenken; die Merkmale und das Verhalten seitens des Interviewers haben so keinen Einfluss gehabt (vgl. Diekmann, 2011 : 514).[2]

2 Management und Marketing einer Tourismusdestination

Walt Disney pflegte einmal zu sagen: „If you can dream it, you can do it.“ (Esch/Hermann/Sattler, 2013 : 21). Unabhängig dessen, welchen tieferen Sinn seine Aussage hatte, beschreibt sie doch so treffend die vielschichtige, faszinierende Welt des Marketing, mit der langfristige, zukünftige Ziele auf unternehmerischer Sicht geplant, umgesetzt und analysiert werden. Ganz getreu dem Motto: Wo ein Ziel ist, ist auch ein Weg.

2.1 Marketing und seine allgemeine Eingliederung

Der Begriff des Marketing bezieht sich im Allgemeinen auf die vollständige, einheitliche Ausrichtung (und Umsetzung) eines Unternehmens auf die Symbiose der Angebote und der Nachfrage eines Marktes (vgl. Bruhn, 2014 : 13).

Marketing (mit seinen „Eckpfeilern der Mittel- und Langfristigkeit, Orientierung an Kundenwünschen, Schlüsselerstellung der Marktforschung, Innovationsorientierung, Marktsegmentierung, Verhaltensorientierung, Gebrauch von Marken und Marketing-Instrumenten“ (Kuß/Kleinaltenkamp, 2011 : 12 zit. n. Wöhe, 2013 : 373)) selbst kann als sogenannte Schnittstelle zwischen der volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Betrachtung gesehen werden (vgl. Freyer, 2011 : 11). Während sich die Volkswirtschafts-lehre (kurz: VWL) mit der wirtschaftlichen Gesamtheit und ihren voneinander abhängigen Subjekten (vgl. Bannuscher, 2013 : 2) beschäftigt, dient die Betriebswirtschaftslehre (kurz: BWL) als Bearbeitungswerkzeug für die Steuerung und Organisation einzelne Betriebe, in denen die betriebsinternen Prozesse erklärt, analysiert und bearbeitet werden. Professor Dr. Walter Freyer vom Lehrstuhl der Tourismuswirtschaft der Technischen Universität Dresden und seinerzeit im Fach anerkannter Forscher bezeichnet aus volkswirtschaftlicher Sicht das „Zusammenwirken verschiedener Anbieter und Nachfrager am Markt und die sich dort entwickelnden Anpassungsprozesse [...] [sowie, d. Verf.] die Betrachtung von Teil- und Partialmärkten“ (Freyer, 2011 : 11) als drei der zentralen marketingrelevanten Aufgaben. Bildlich lässt sich dies ebenso gut durch einen Kreislauf erklären, in dem sich die Auswirkungen und Folgen ein jeder wirtschaftlichen, marktbasierten Entscheidung in allen Bereichen des Betriebsprozesses widerspiegeln und diese somit einem kontinuierlichen Wandel unterlegen sind. Der Markt, seine Veränderungen und die Anpassung an diese (unabhängig von Produkt, Dienstleistung oder ähnlichem) sind somit als Band zwischen der volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Marketinglehre zu verstehen.

Die Entwicklungsphase des Marketing gibt Aufschluss über den Fokuswandel und verdeutlicht die jahrzehntelange Neuorientierung der zu bedienenden Knotenpunkte. Die Wurzeln lassen sich bis in die 1950er Jahre zurückverfolgen. Während dieser Zeit – nach Ende des Zweiten Weltkrieges – eröffnete sich erstmals das Problem eines hohen Nachfrageüberhangs, weshalb die Hauptaufgabe darin bestand, den Prozess der Güterproduktion zu gewährleisten und den Sektor der Produktion zu erweitern (vgl. Bruhn, 2014 : 15). In den kommenden Jahrzehnten verlagerten sich die Schwerpunkte von einem anbieter- zu einem abnehmerorientierten Markt (vgl. ders., 2014 : 16). Die Veränderung der Marktorientierung zugunsten der Käufer, der Aufbau und die Behauptung voraus-schauender und vorteilhafter Wettbewerbsvorteile gegenüber Mitbewerbern zog sich bis ins Jahr 1990 hin (ebd.). Anschließend forderten neue Ansprüche an „Nachhaltigkeit, Bewusstseinszunahme einer Stammkundenorientierung und Betreibung eines systema-tischen Relationship Marketing für stabile Kundenbeziehungen“ (Bruhn, 2014 : 17) seinen Tribut und führten schlussendlich zum Inkludieren neuer, innovativer Technologien (heute auch unter dem Namen Social Media Marketing bekannt).

Dieser Einblick in die geschichtliche Timeline des Marketing zeigt einmal mehr, wie wichtig die Anpassung und immer wieder geforderte Neuausrichtung an aktuelle Bedürfnisse, Wünsche und generelle Veränderungen auf dem Absatzmarkt ist, um auch weiterhin eine entsprechend gute Wettbewerbsposition innehalten zu können.

Die verschiedenen Ebenen des Marketing zeigen die unterschiedlich starke (und gewollte) Beeinflussung des menschlichen Handelns (Stichwort Verhaltensorientierung, wie bereits in diesem Kapitel kurz erwähnt).

Wichtig für diese Forschungsarbeit hierbei ist der Faktor des sogenannten Neuro-marketing. Hierbei wird davon ausgegangen, „das Entscheidungen [...] stark emotional geprägt sind und nur sehr begrenzt bewusst getroffen werden“ (Wala, 2012 : 122). Die emotionale Assoziation und Verbindung zu einem Ereignis kann auch im touristischen Bereich als Grundlage für Marketing genutzt werden. Der Wissenschaftler Hans-Georg Häusel vom Nymphenburg Consult entwickelte auf Basis der neusten Forschung aus der Neurologie und Neuropsychologie drei Motiv- und Emotionssysteme, die als Grundstein für die affektiven Entscheidungen des Menschen zu sehen sind (vgl. ders., 2012 : 126) Das Balance-System dient dem „Wunsch nach Sicherheit, [und dem, d. Verf.] Streben nach Stabilität und Harmonie“ (Wala, 2012 : 127) während das zweite System – das Stimulanz-System – sich nach dem „Wunsch nach Erlebnis/Neuem und Individualität [und der, d. Verf.] Neugier auf Innovationen/spannendende Erfahrungen“ (vgl. ebd.) richtet.

Das dritte Dominanz-System hat als Merkmal den „Wunsch nach Macht, Statusüberlegenheit [und, d. Verf.] gegenüber anderen“ (Wala, 2012 : 127). Häusel betont, dass sich alle drei Systeme untereinander kombinieren lassen und zusammenhängend Gründe für das Treffen von Entscheidungen sein können (vgl. Wala, 2012 : 127).

Das emotionale Marketing ist als Möglichkeit anzusehen, „die Marke mit positiven Emotionen aufzuladen. Das betrifft nicht nur das Produkt selbst, sondern alle Kontaktpunkte zum Kunden“ (Wala, 2012 : 136).

Wenn auch sich diese Aussage mehr einem materiellen Produkt und der damit verbundenen Kaufentscheidung inklusive des Kaufprozesses annimmt, so lässt sie sich auch gut auf andere unterbewusste Aktionen wie beispielsweise einem Buchungsprozess oder bei der Auswahl einer Urlaubsdestination im touristischen Segment anwenden.

2.2 Tourismus-Marketing

Für „Konsumgüter-, Industriegüter- und Dienstleistungsmarketing können [] erhebliche Schnittmengen aufgezeigt werden“ (Meffert/Bruhn, 2012 : 3). Und trotzdem gibt auch gerade wegen der „starken Konsumgutorientierung des traditionellen Marketing und aufgrund der Besonderheiten von Dienstleistungen“ (ebd.) gravierende Unterschiede in der Handhabung und Umsetzung.

Da die Ziele des Marketing, mit Hilfe von „zielgesteuerten Marketingstrategie- und Maßnahmenauswahl [...] angestrebte Sollzustände“ (Bruhn, 2004 : 529) zu erreichen, auch fachübergreifend und nicht unbedingt unternehmensabhängig (im herkömmlichen Sinne) ebenso als Teil dieser Forschungsarbeit im touristischen Segment anzuwenden sind, soll im Folgenden dem Verständnis halber der Unterschied zwischen dem traditionellen Marketing und dem touristischen beziehungsweise dienstleistungs-orientiertem Marketing kurz erläutert werden.

Während es sich im Marketing wie bereits in Kapitel 2.1 näher beschrieben, um einen „eindeutig identifizierbaren Prozess der Willensbildung und Willensdurchsetzung“ (Meffert/ Burmann/Kirchgeorg, 2015 : 20) im Rahmen des Unternehmensleitbildes und der Unternehmensphilosophie handelt und oftmals mit materiellen Gegenständen/Produkten in Verbindung gebracht wird, agiert das Tourismusmarketing zwar durch den gleichen Prozess; allerdings mit der Besonderheit, dass es sich um immaterielle und nicht vergängliche ‘Gegenstände’ handelt.

Wie wird Tourismus definiert?

Die Definition der Welttourismusorganisation (kurz: UNWTO) besagt, dass Tourismus „alle Aktivitäten von Personen, die an Orten außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten“ (UNWTO, 1993 zit. n. Freyer, 2015 : 2) umfasst. Zusammenfassend sind also mehrere Multiplikatoren von Bedeutung: „Ortswechsel, Aufenthalt [und, d. Verf.] Motive“ (Freyer, 2015 : 3), allesamt Teil der sogenannten „konstitutiven Elemente des Tourismus“ (ebd.). Laut Freyer ist das Verlassen des bisherigen, dauerhaften Aufenthaltsortes für eine Zeitspanne von mindestens einem Tag und längstens einem Jahr als touristische Reiseart anzusehen (vgl. Freyer, 2011 : 3 ff.). Dennoch wird auch hier wieder klar differenziert: Gelten die gängigen Urlaubsreisen (vorzüglich in der Ferienzeit) und Kurzreisen wie Städteurlaube als Teil der Tourismuswirtschaft, müssen Dienstreisen (mit und ohne Übernachtung), Aufenthalte während der Montage und der dauerhafte Wohn- beziehungsweise Arbeitsplatzwechsel klar von ihr abgegrenzt werden – trotz der vorher genannten Kriterien Aufenthaltsdauer und Aufenthaltsortswechsel (vgl. Freyer, 2011 : 4). Maßgeblich entscheidend, ob es sich um Reisearten im Rahmen der Tourismuslehre handelt, sind die Motive der Reisenden (3. konstitutives Element). Diese lassen sich bis in die Antike und das Mittelalter zurückverfolgen (vgl. Freyer, 2011 : 4). Mit dem Ziel, Neues zu entdecken (Stichwort Abenteuerreisen) fand schon damals eine touristisch motivierte Form des Reisens statt; wenn auch deren heute bekannte ‘moderne’ Form erst vor rund zwei Jahrhunderten in Erscheinung getreten ist (ebd.).

Heutzutage sind die herkömmlichen und weit verbreiteten Motive, durch die eine klare Abgrenzung zu anderen Reisearten zu sehen ist, das Bedürfnis nach Aktivitäten in der Freizeit und die damit verbundenen Vergnügungen (vgl. Freyer, 2011 : 4).

Kurz zusammengefasst umfasst das „weitere Verständnis des Tourismus alle vorübergehenden Ortsveränderungen [als, d. Verf.] Teil der Tourismuswirtschaft/ touristischem Marketing“ (Freyer, 2011 : 5), während im „engeren Verständnis nur einige Märkte für jeweilige Marketingträger betrachtet werden“ (ebd.). Hierbei sei zu erwähnen, dass sich zum zweiten Punkt auch die touristischen Teilmärkte wie Geschäftsreisen und Tagesausflüge hinzuzählen lassen (im Gegensatz zu den drei konstitutiven Elementen des Tourismus) (vgl. Freyer, 2011 : 5).

Wie bereits dargestellt, ist der allgemeine und vorübergehende Wechsel des Ortes der Mittelpunkt der touristischen Betrachtung. Auch aus wirtschaftlicher Sicht werden die Auswirkungen und Aspekte im Rahmen sowohl der Volks- als auch der Betriebswirtschaft genauer eingehend analysiert.

„Für beide stellt die Marktanalyse im Rahmen der Mikroökonomie eine wichtige Schnittstelle dar.“ (Freyer, 2011 : 6). Diese „untersucht, wie Haushalte und Unternehmen Entscheidungen treffen und wie diese auf den Märkten zusammenwirken.“ (Bannuscher, 2013 : 3). Die Betriebswirtslehre im Tourismus wiederum beschäftigt sich im Allgemeinen mit der Analyse, Beschreibung und Dokumentation der bei einer Leistungserstellung eines touristischen Angebots involvierten Partner (Reiseveranstalter, Tourismusdestinationen oder auch anderweitige touristische Verbände) (vgl. Freyer, 2011 : 6). Des Weiteren kann noch eine weitere Differenzierung der touristischen BWL vorgenommen werden: die funktionalen und institutionellen Betriebswirtschaftslehren des Tourismus (ebd.). Die Aufgabengebiete Ersterer fokussieren sich auf die „organisatorischen Zuordnungen der Funktionsbereiche sowie [auf, d. Verf.] die normative, strategische und operative Ausgestaltung“ (Freyer, 2011 : 6) von Bereichen wie „Tourismus-Management, Personalwesen im Tourismus [oder, d. Verf.] touristisches Marketing“ (ebd.). Dem gegenüber steht der institutionelle Teil, bei dem „die institutionellen Besonderheiten (und Gemeinsamkeiten) einzelner Arten von Tourismus-betrieben genauer dargestellt werden“ (Freyer, 2011 : 7).

Die Ergänzung und Kombination beider Felder der touristischen Betriebswirtschaftslehre ist gerade dann von Vorteil, wenn durch gemeinsame Analysen und Dokumentationen eine noch differenzierte Aussage über Bereiche wie das „Personalmanagement in Hotelbetrieben“ (ebd.) gemacht werden sollen oder müssen.

Aber um Aspekte wie die Auswirkungen auf Märkte oder genaue Marktpositionierung überhaupt analysieren beziehungsweise durchführen zu können, sind in aller erster Linie Kenntnisse über die unterschiedlichen Einflussfaktoren auf die touristische Nachfrage und ihr Angebot immens wichtig. Bestimmen sie doch den Erfolg des Produkts/der Dienst-leistung, allgemeine Trends sowie die generellen Gegebenheiten und Möglichkeiten im touristischen Segment.

So ist die individuelle und von Land zu Land (Stadt zu Stadt) und der Kultur ein jeder Nation unterschiedliche Nachfrage nach touristischen Produkten unter anderem abhängig von „individuellen [Faktoren wie, d. Verf.] Neugier, Aktivitäten, Vergnügen [und dem allgemeinen, d. Verf.] Grundbedürfnis“ (Freyer, 2015 : 75). Auch die gesellschaftlichen Aspekte wie „Werte/Normen, Mobilität [und, d. Verf.] Sozialstruktur“ (ebd.) sind maßgebend dafür, wie sich die Nachfrage verhält. Ökologische Einflüsse wie das Klima oder die landschaftlichen Gegebenheiten sowie ökonomische Elemente der gesamtwirtschaftlichen Situation eines Landes/einer Stadt spielen ebenso bei den Auswirkungen eine Rolle (vgl. Freyer, 2015 : 75). Die Distributions-, Preis, Kommunikations- und Produktpolitik der Anbieter und die gerade in der heutigen Zeit im Fokus stehenden politischen Beziehungen und Gesetzestexte sowie Vorgaben zur Einfuhr und Versteuerung von Produkten sind weitere, wichtige Gründe (vgl. ebd.).

Dem gegenüber stehen die Einflussfaktoren auf das touristische Angebot. Denn nicht immer kann der Nachfrage aufgrund von anderen, teilweise nicht zu beeinflussenden Faktoren stattgegeben werden. So steuern sozio-kulturellen Verankerungen wie das kulturelle, historische Angebot, die Traditionen oder auch die soziale Struktur die angebotenen Attraktionen erheblich (vgl. Freyer, 2015 : 145). Neben den von der Nachfrage her bereits bekannten Einflussfaktoren wie die wirtschaftlichen und ökonomischen Umstände prägen zudem „Motive, Geschmack, Mode [und die, d. Verf.] Höhe der internationalen Reiseanfragen“ (Freyer, 2015 : 145) das gesamte Bild. Die internen, betriebsabhängigen Faktoren wie „Arbeitskräfteangebot [...] [und, d. Verf.] Produktionskosten“ (ebd.) stehen für den Handlungsspielraum des Unternehmens, mit dem die Nachfrage im Unterschied zu den externen Elementen eigenverantwortlich mitgelenkt werden kann.

Wie im vorherigen Teil des Kapitels bereits erwähnt, führen veränderte Bedürfnisse und Wünsche seitens der Gäste zu neuen Nachfragen. Daraus resultierend entstehen Trends, die den Weg (und gegebenenfalls auch einen Wandel) des touristischen Produktes formen und somit auf Angebot und Nachfrage einwirken können. Durch den stetigen Umbruch der eben genannten Einflussfaktoren können Trends sowohl lang- als auch sehr kurzfristig stattfinden und von Erfolg gekrönt sein. Es gilt, die Globalisierung und ihren Verlauf stets im Blick zu haben, um die Produkte/Dienstleistungen und deren Vertrieb anpassen und somit eine gute Marktposition auch weiterhin innehalten zu können.

Die Welttourismusorganisation veröffentlichte Anfang des 21. Jahrhunderts eine Liste möglicher Megatrends für die kommenden Jahre. Dabei sind vier von ihnen für diese Forschungsarbeit von großem Interesse:

1. Das stärkere Fokussieren auf das Image einer Destination, welches einen immer höheren Stellenwert in der Marketingstrategie bekommt. Denn „[...] nur so wie sie von den (Reise-) Kunden wahrgenommen werden, können sie ihre Angebote und Attraktionen ausbauen und differenzieren“ (UNWTO, 2000 : 25 ff. zit. n. Freyer, 2011 : 141).
2. Die Verknüpfung zwischen Komfort, Abenteuer und Bildung. Die Nachfrage nach einem Kombinationsurlaub, bei dem sowohl das Bedürfnis nach Erholung /Wohlfühlen als auch das nach geistiger Aktivität und Nervenkitzel befriedigt werden, wird steigen, worauf sich Tourismusregionen aber auch Reise-veranstalter einstellen müssen (vgl. ebd.).
3. Die Destination als Accessoire, welches stark durch den eigenen Lifestyle und eigene Attraktivitätsvorstellungen geprägt ist (vgl. UNWTO, 2000 : 25 ff. zit. n. Freyer, 2011 : 141).
4. Eine gezielte Marktentwicklung anhand der drei E’S: „Entertainment, Excitement, Education“ (UNWTO, 2000 : 25 ff. zit. n. Freyer, 2011 : 141); zu Deutsch: Unterhaltung, Aufregung, Bildung. So soll eine Ausrichtung durch diese Kriterien die dem Wandel unterlegenden Bedürfnisse und Wünsche der Touristen erfüllen.

Diese vier Beispiele der von der UNWTO veröffentlichen Megatrends zeigen eine deutliche Tendenz zur mehrheitlichen Kombination verschiedener Faktoren auf.

Daraus lässt sich schließen, dass die Nachfragen anspruchsvoller werden, was wiederum besseres und schnelleres Handeln zu Folge hat, um eine gewinnbringende Marktposition halten zu können. Ein Alleinstellungsmerkmal wird somit in den kommenden Jahren von noch größerer Bedeutung sein, um sich von den Mitbewerbern abgrenzen zu können, da die Angebote ähnlicher ausfallen werden, um den gestiegenen Bedürfnisansprüchen und Wünschen gerecht zu werden.

Um einen lukrativen Umsatz und ein vorzeigbares Image zu gewährleisten, muss auch im Tourismus das Marketing gezielt ausgerichtet werden. Zwar ist dies „weitgehend identisch mit den Erkenntnissen des allgemeinen Marketing“ (Freyer, 2011 : 59 „und erfordert lediglich eine – relativ unproblematische – Übertragung dieser allgemeinen Erkenntnisse und Methoden auf den wirtschaftlichen Teil der Tourismuswirtschaft“ (ebd.); doch sehen auf der anderen Seite viele Experten das Tourismusmarketing als eigenständige Marketing-Disziplin und keinesfalls als eine leichte Spezifizierung der allgemeinen Marketinglehre (vgl. Freyer, 2011 : 59). Die Begründung, das „die verschiedenen Eigenarten und Besonderheiten des Tourismus und seiner Betriebe [dort, d. Verf.] nicht ausreichend behandelt werden“ (Freyer, 2011 : 59) stützt sich auch darauf, dass sich das traditionelle Marketing von dem der Dienstleistungen, der Konsumgüter und der Investitionsgüter unterscheiden lässt (vgl. ders., 2011 : 60). Da das touristische Marketing Parallelen zu allen dreien aufweist und deren unterschiedliche Besonderheiten vereint, wird es auch als „Querschnitts-Marketing“ (Freyer, 2011 : 60) bezeichnet.

Ob Vermittlungen und Beherbergungen von Dienstleistungen, der lokale Vertrieb von Souvenir-Artikeln (Konsumgüter) oder die Lebensmittel für den Kost- und Logis-Aufenthalt (Investitionsgüter); sie alle sind Teil des Tourismus-Marketing. Die Forderungen nach einem eigenständigen Marketing basieren auch auf den vielen Besonderheiten, die der Tourismus in dieser Hinsicht mit sich bringt: So geht es bei der Nachfrage und Erstellung um ein gesamtes, touristisches Produkt, in dem mehr als zwei Leistungsträger involviert sind (vgl. Freyer, 2011 : 60). Dies „fordert [ein, d. Verf.] eigenständiges Marketing, welches durch gemeinsames Marketing (Makro-Marketing) und Dienstleistungs-orientierung geprägt ist“ (ders. , 2011 : 60).

Da bis heute dem Tourismus-Marketing noch kein eigenständiges Fachgebiet zugesprochen wurde, lässt es sich nun nur als ‚Querschnitts-Marketing’ mit vier verschiedenen Aufgaben und Zielen unterteilen. Zum einen ist das Tourismus-Marketing ein Dienstleistungs-Marketing. Die „veränderten Ansätze gegenüber Sachgüter-Marketing“ (Freyer, 2011 : 60) und die Besonderheiten einer Dienstleistung – u.a. vorwiegend immateriell, einmalig und persönlich erbracht (vgl. Fergen, 2014 : 7) – benötigen ein „eigenständiges, dienstleistungsorientiertes Marketing“ (Freyer, 2011 : 60). Aufgrund mehrerer, am Prozess des touristischen Produkts beteiligter Parteien empfiehlt sich eine „weitere Unterteilung entlang der verschiedenen touristischen Träger wie [der, d. Verf.] Fremdenverkehrsorte [oder der, d. Verf.] touristischen Destinationen“ (Freyer, 2011 : 61). Wie bereits beschrieben, ist Tourismus-Marketing auch als „einzel- oder über-betriebliches Marketing“ (ebd.) im Rahmen der touristischen BWL/VWL (weitere Unterteilungen sind auch als „Mikro- und Makro-Marketing des Tourismus bezeichnet“ (Freyer, 2011 : 61) ) zu sehen. Als Querschnittsdisziplin verschiedener Marketingansätze erfordert das Tourismus-Marketing „neben ökonomischer Betrachtung die Berücksichtigung zahlreicher nicht-ökonomischer Bereiche“ (ebd.) und hat als vierte Untergliederung als „gesellschaftliches oder ganzheitliches Marketing“ (Freyer, 2011 : 61) das Ziel, das touristische Produkt über die verschiedenen Bereiche der traditionellen Marketinglehre auf dem Markt präsentieren zu können.

2.3 Destinationsmanagement

Eine genaue Definition des Tourismus ist schwierig, da es „aus Marketingsicht [...] eine Vielzahl von Tourismus (vielschichtiges Phänomen von Erscheinungsformen)“ (Bieger/ Beritelli, 2013 : 4) gibt. Kulturtourismus, Sporttourismus oder Abenteuertourismus, sie alle stehen im stetigen Wandel der Bedürfnisansprüche und haben doch eines gemeinsam: der Wechsel des Aufenthaltsortes an einen neuen Ort; einer Destination.

Der Begriff leitete sich aus dem „lateinischen ‚destinatum’ (bestimmtes Ziel, Vorsatz, Entschluss) bzw. ‚destinato’ (Bestimmung) [ab, d. Verf.] und bedeutet Reiseziel“ (Wiesner, 2008 :15).

Während das Statistische Bundesamt nüchtern von einem „geografischen Raum“ (vgl. Wiesner, 2008 : 15) spricht, ist die Veranschaulichung durch Bieger und Beritelli schon weitaus aufschlussreicher:

Ein „geographischer Raum (Ort, Region, Weiler), den der jeweilige Gast (oder ein Gästesegment) als Reiseziel auswählt. Sie enthält sämtliche für einen Aufenthalt notwendigen Einrichtungen für Beherbergung, Verpflegung, Unterhalten/Beschäftigung. Sie ist damit die Wettbewerbseinheit im Incoming Tourismus, die als strategische Geschäftseinheit geführt wird.“

(Bieger, 2008 : 56 zit. n. Steinecke, 2013 : 14).

Eine Destination wird deshalb auch als „homogene Leistung (Produkt) einer Marke“ (Wiesner, 2008 :19) bezeichnet, die mit ihrem touristischen Raum als eigenständige Wettbewerbseinheit angesehen wird und dessen Maxime mit denen der privatwirtschaftlichen Unternehmen übereinstimmt (vgl. Steinecke, 2013 : 16).

Da das Destinationsmanagement ebenfalls eine untergeordnete Komponente des touristischen Marketing ist, gelten hier ebenfalls die bereits kurz erwähnten Besonderheiten, wenn es um Werbung/Positionierung/Vertrieb der Leistung beziehungs-weise der Marke geht. Dazu gehören der große Einfluss externer Faktoren wie Politik, Wirtschaft und Umwelt sowie die Abhängigkeit von weiteren Leistungspartnern wie lokal ansässige Unternehmen und regionale Gegebenheiten, Infrastruktur und der Agrikultur (vgl. Bieger/Beritelli, 2013 : 14).

[...]


[1] Anhänge 1 - 10 der Arbeit sind in der Kaufversion nicht enthalten.

[2] „Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht“ (Drews, 2016 : 16).

Details

Seiten
83
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668644168
ISBN (Buch)
9783668644175
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v413400
Institution / Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,0
Schlagworte
schweden integration dependenz bestsellerliteratur ländermarketing

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Titel: Schweden: Integration und Dependenz von schwedischer Bestsellerliteratur im nationalen Ländermarketing