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Wohnformen für eine alternde Gesellschaft. Der demografische Wandel und seine Folgen

Diplomarbeit 2006 125 Seiten

Soziologie - Alter

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Die Bevölkerung in Deutschland
2.1 Der demografische Wandel
2.1.1 Die gegenwärtige Alters- und Bevölkerungsstruktur
2.1.1.1 Fertilität – gestern, heute und morgen
2.1.1.2 Migration – gestern, heute und morgen
2.1.1.3 Lebenserwartung – gestern, heute und morgen
2.1.2 Die zukünftige Alters- und Bevölkerungsstruktur
2.2 Die regionale Differenziertheit der demografischen Entwicklung
2.3 Zusammenfassung

3. Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung als (kommunal-)politische Herausforderung
3.1 Auswirkungen des Bevölkerungswandels auf kommunale Infrastruktur und Kommunalfinanzen
3.2 Bevölkerungswandel, Wohnungsmarkt und Wohnungspolitik
3.2.1 Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Wohnungsmarkt
3.2.2 Wohnungspolitik im demografischen Wandel
3.3 Zusammenfassung

4. Leben im Alter
4.1 Wann ist man alt?
4.2 Gesundheit im Alter
4.2.1 Länger alt und krank?
4.2.2 Demenz
4.2.3 Pflegebedarf der Zukunft
4.3 Die materielle Lage im Alter
4.4 Das Wohnen im Alter
4.4.1 Die Bedeutung des Wohnens im Alter
4.4.2 Theoretische Modelle
4.4.2.1 Das Anforderungs-Kompetenz-Modell von Lawton
4.4.2.2 Kahanas Kongruenz-Modell
4.4.2.3 Das Komplementaritäts-Ähnlichkeits-Modell von Carp & Carp
4.4.3 Wohnzufriedenheit und Wohnbedürfnisse Älterer
4.4.3.1 Wohnzufriedenheit Älterer
4.4.3.2 Wohnbedürfnisse Älterer
4.5 Zusammenfassung

5. Wohnformen und Wohnkonzepte für Ältere
5.1 Etablierte Wohnformen
5.1.1 Die normale Wohnung
5.1.2 Das Altersheim
5.2 Probleme des Wohnens im Alter
5.3 Wohnen mit professioneller Unterstützung
5.3.1 Betreutes Wohnen
5.3.1.1 Wesentliche Merkmale
5.3.1.2 Nutzerstruktur
5.3.1.3 Angebotsentwicklung
5.3.1.4 Geeignete Wohnform für Ältere?
5.4 Wohnen mit technischer Unterstützung
5.4.1 Barrierefreie/Angepasste Wohnung
5.4.1.1 Wesentliche Merkmale
5.4.1.2 Nutzerstruktur
5.4.1.3 Angebotsentwicklung
5.4.1.4 Geeignete Wohnform für Ältere?
5.4.2 Intelligentes Wohnen
5.4.2.1 Wesentliche Merkmale
5.4.2.2 Nutzerstruktur
5.4.2.3 Angebotsentwicklung
5.4.2.4 Geeignete Wohnform für Ältere?
5.5 Wohnen in Gemeinschaft
5.5.1 Sun City
5.5.1.1 Wesentliche Merkmale
5.5.1.2 Nutzerstruktur
5.5.1.3 Angebotsentwicklung
5.5.1.4 Geeignete Wohnform für Ältere?
5.5.2 Wohn- und Hausgemeinschaften für Ältere
5.5.2.1 Wesentliche Merkmale
5.5.2.2 Nutzerstruktur
5.5.2.3 Angebotsentwicklung
5.5.2.4 Geeignete Wohnform für Ältere?
5.5.3 Mehrgenerationenwohnen
5.5.3.1 Wesentliche Merkmale
5.5.3.2 Nutzerstruktur
5.5.3.3 Angebotsentwicklung
5.5.3.4 Geeignete Wohnform für Ältere?
5.6 Zusammenfassung

6. Fallbeispiele
6.1 Haus Wabe
6.1.1 Entstehungshintergrund
6.1.2 Angebot
6.1.3 Bewohner
6.2 Hamelner WOPRO
6.2.1 Entstehungshintergrund
6.2.2 Angebot
6.2.3 Bewohner
6.3 Zusammenfassung

7. Schlussbewertung und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang
9.1 Tabellen und Schaubilder

1. Einführung

Vergreisung, Altersexplosion, Methusalemkomplott, Kinderarmut, Generationenkonflikt – Schlagworte wie diese kennzeichnen eine Entwicklung, die wie keine andere Deutschland verändern wird. Sie sind aber ebenso Kennzeichen dafür, dass die Konsequenzen des demografischen Wandels auch außerhalb des engen Kreises der Bevölkerungswissenschaftler[1] von Politik, Medien und Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Insbesondere die Folgen für die sozialen Sicherungssysteme werden intensiv diskutiert, da man deren Versagen aufgrund der steigenden Altenlast befürchtet. Aber die Herausforderungen sind vielschichtiger. Nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens sind von der Perspektive einer alternden und schließlich schrumpfenden Bevölkerung betroffen. Ostdeutsche Kommunen stehen beispielsweise vor der Herausforderung, wie die öffentliche Infrastruktur bei sinkenden Nutzerzahlen aufrechterhalten werden kann. Steigende Nutzungsbeiträge und ein unvermeidbarer Rückbau werden hier die Folgen sein. Dieses Beispiel ist aber tatsächlich nur ein kleiner Ausschnitt dessen, womit sich Politik, Öffentlichkeit und Wissenschaft heute und in Zukunft beschäftigen müssen.

In der Bundesrepublik Deutschland wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 75 Millionen Menschen sinken. Dabei ist dies noch eine moderate Berechnung des Statistischen Bundesamtes. Andere Berechnungen weisen weitaus größere Bevölkerungsrückgänge aus. Im Gegensatz zu der Entwicklung auf Bundesebene ist der Trend unterhalb dieser Ebene nicht so eindeutig. Hier gibt es Bundesländer, Regionen und Kreise, die weniger stark vom demografischen Wandel betroffen sind, ja sogar eine tendenziell wachsende Bevölkerungszahl aufweisen, während andere Landstriche gänzlich verwaisen. Dies ist größtenteils durch die Binnenwanderung bedingt, die die natürlichen Faktoren der Bevölkerungsentwicklung – Geburtenzahl und Sterbefälle – überdeckt. Während beispielsweise der Kreis Erding wegen Zuwanderung aus der Stadt München bis zum Jahr 2020 um 28 Prozent wachsen wird, werden die alten Kohle- und Stahlstädte Wuppertal, Hagen und Gelsenkirchen aufgrund ihrer niedrigen Geburtenrate und verstärkt durch Abwanderung im selben Zeitraum zwischen 16 und 17 Prozent ihrer Einwohner verlieren.

Im Falle des Bevölkerungsrückgangs bleiben der Gesellschaft nur wenige Handlungsoptionen: Entweder werden fertilitätssteigernde und migrationssteigernde Strategien angewandt, um den Bevölkerungsrückgang aufzuhalten, oder es wird versucht, sich den neuen Bedingungen – ältere und kleinere Bevölkerung – anzupassen.

Wenn man von der Grundthese ausgeht, dass die Alterung der Gesellschaft und der Rückgang der Bevölkerung durch politische Maßnahmen in absehbarer Zeit nicht zu verhindern ist, dann müssen angemessene Reaktionen auf die Herausforderung und Veränderungen des demografischen Wandels gesucht werden.

Eine besonders wichtige Herausforderung des Bevölkerungswandels in Deutschland wird der Umgang mit der steigenden Anzahl Älterer und Hochbetagter sein. Bei einer zu erwartenden Bevölkerungszahl von 75 Millionen im Jahr 2050[2] wird der Anteil der Bevölkerung über 65 nahezu ein Viertel betragen. Zudem wird die Anzahl der in Deutschland lebenden Hochbetagten, also der Menschen, die älter als 80 Jahre alt sind, von heute ungefähr 3,5 Millionen auf mehr als 9 Millionen im Jahr 2050 ansteigen. Dies entspricht einer Zunahme von circa 200 Prozent innerhalb weniger Jahrzehnte. Im Gegensatz dazu wird die Zahl der 20- bis 34-Jährigen um 24 Prozent und die der 35- bis 49-Jährigen innerhalb der nächsten 50 Jahre um 31 Prozent sinken[3].

Altern beziehungsweise das Altsein ist, wie einige Studien und Modelle zeigen[4], in großem Maße durch die Gegebenheiten des Wohnens geprägt. So kann eine Wohnung durch ihre Beschaffenheit ein selbstständiges Leben im Alter fördern, aber ebenso eine gegenteilige Wirkung haben. Auch scheint ein Leben im Altersheim für die meisten älteren Menschen unvorstellbar. Selbst pflege- oder hilfebedürftige Senioren möchten nicht fremdbestimmt in Heimeinrichtungen „verwahrt“ werden, sondern weiterhin selbstbestimmt leben. Darüber hinaus verbringen viele Ältere nahezu ein Viertel ihrer Lebenszeit „relativ fit“ in einer Lebensphase, die nicht von Arbeit, sondern in vielen Fällen von einer so genannten „späten Freiheit“ geprägt ist.

Die gestiegene Lebenserwartung hat den Zeitraum zwischen dem Ausscheiden aus dem Beruf und dem eigentlichen „Altsein“ erheblich ausgeweitet. Ebenso wie man von einer Pluralisierung der Lebensformen spricht, muss man von einer zunehmenden Differenziertheit des Alters ausgehen. Dies wird sich auch in unterschiedlichen Wünschen und Ansprüchen an das Wohnen und Leben im Alter herauskristallisieren.

In der vorliegenden Arbeit soll unter der Forschungsfrage „Welche Wohnformen und Wohnkonzepte sind für eine alternde Bevölkerung geeignet?“ analysiert werden, wie sich die soziodemografische Situation der Senioren darstellt, welche Wohnformen beziehungsweise Wohnkonzepte für Ältere angeboten werden und wie sie den besonderen Lebensumständen entsprechen. Dazu wird zunächst die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland anhand von Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes erläutert. Ausgehend von der gegenwärtigen Altersstruktur soll die zukünftige bis zum Jahr 2050 vorgestellt werden. Hierbei spielen die Faktoren Fertilität, Lebenserwartung und Migration eine besondere Rolle.

Da der demografische Wandel nicht nur ein nationaler, sondern vielmehr ein regionaler ist, wird auch auf die Entwicklung in den Ländern, Regionen und Kreisen Deutschlands eingegangen. Darauf folgend werden die (kommunal-)politischen Herausforderungen des Wohnungsmarktes und der Wohnungspolitik im demografischen Wandel betrachtet. Danach wird die Lebenssituation der Älteren und Hochbetagten beleuchtet, um eine Grundlage für das Verständnis dieser Altersgruppe zu schaffen. Hierbei liegt ein Schwerpunkt der Analyse auf der Bedeutung des Wohnens im Alter.

Schließlich werden, ausgehend von einer grundlegenden Analyse etablierter Wohnformen und den damit verbundenen Problemen, „alternative“ Wohnformen und Wohnkonzepte für Ältere im Sinne von Lösungsmöglichkeiten dargestellt und bewertet. Zur Vertiefung dieser theoretischen Erkenntnisse werden anschließend zwei Fallbeispiele vorgestellt. Hierfür wurden während der Monate März und April 2006 Interviews geführt. Schließen wird die Arbeit mit einem Fazit, welches die Ergebnisse resümiert und einen Ausblick auf eventuell notwendige, weiterführende Untersuchungen geben wird.

2. Die Bevölkerung in Deutschland

2.1 Der demografische Wandel

Unter dem demografischen Wandel versteht man den Übergang von einer jungen Bevölkerung zu einer älteren. Der „Wandel“ vollzieht sich in der Altersstruktur der Bevölkerung: jüngere Altersgruppen werden zahlenmäßig kleiner, ältere werden größer.

In den verschiedensten Bevölkerungsvorausberechnungen der letzten Jahre[5] kamen die Wissenschaftler aufgrund ihrer mannigfachen Annahmen, wie beispielsweise in Bezug auf den Anstieg der Lebenserwartung oder die Höhe der Zuwanderung, zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eines jedoch konnten sie in allen Vorausberechnungen feststellen: Deutschlands Bevölkerung altert rapide und wird schließlich schrumpfen. In diesem Kapitel soll daher, basierend auf den noch zu erläuternden Annahmen der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes, die demografische Entwicklung Deutschlands bis zum Jahr 2050 analysiert werden. Hierbei wird gänzlich auf eine Ursachenforschung verzichtet, da eine Erläuterung der vielen ökonomischen, sozialen und psychologischen Theorien zum Bevölkerungsrückgang[6] den Rahmen dieser Arbeit sprengen und darüber hinaus auch nur von geringer Bedeutung für die Forschungsfrage sein würde.

2.1.1 Die gegenwärtige Alters- und Bevölkerungsstruktur

In Deutschland leben heute (Stichtag: 31. Dezember 2005) ca. 82,45 Millionen Menschen. Davon sind 51 Prozent Frauen und 49 Prozent Männer[7]. 21,6 Millionen (26 Prozent) sind unter 25 Jahre alt. 45,5 Millionen (55 Prozent) befinden sich im erwerbsfähigen Alter von 25 bis unter 65 Jahren und 15,4 Millionen (19 Prozent) sind 65 Jahre und älter[8]. Im Jahr 1900 sah die Altersstruktur noch etwas anders aus: Von den insgesamt 56,4 Millionen Menschen waren rund 44 Prozent jünger als 20 Jahre (24,9 Millionen). Nur 8 Prozent waren älter als 60 Jahre (4,4 Millionen)[9]. In diesen 100 Jahren ist die Anzahl der Wohnbevölkerung in Deutschland also einerseits um 26,4 Millionen gewachsen, andererseits haben sich die Verhältnisse der Altersgruppen verändert: Der Anteil der jüngeren Bevölkerung ist gesunken, während der Anteil der älteren stark gestiegen ist.

Die aktuelle Bevölkerungsstruktur entspricht daher nicht mehr der idealen Vorstellung von einer klassischen Bevölkerungspyramide. Darin stellten Kinder die stärksten Jahrgänge. Die Anzahl der älteren Jahrgänge verringerte sich dann schrittweise aufgrund der Sterblichkeit, sodass die berühmte Pyramidenform entstand. Ein solcher Altersaufbau war vor 100 Jahren erkennbar (siehe auch Abbildung 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland im Jahr 1910, Anhang). Heute gleicht der Bevölkerungsaufbau Deutschlands eher einer „zerzausten Wettertanne“[10], die – geprägt von Weltkriegen und Babyboom – ihre ursprüngliche Pyramidenform mehr und mehr ins Gegenteilige verkehrt (siehe hierzu Abbildung 2: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2000, Anhang).

Um diese Entwicklung nachzuvollziehen, müssen die Faktoren Fertilität, Lebenserwartung und Migration des letzten Jahrhunderts betrachtet werden. Danach werden, basierend auf diesen Grunddaten, die Annahmen für die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2050 dargestellt, wie sie vom Statistischen Bundesamt für dessen Vorausberechnungen festgelegt wurden. Schließlich kann auf dieser Grundlage die Alters- und Bevölkerungsstruktur im Jahr 2050 erläutert werden.

2.1.1.1 Fertilität – gestern, heute und morgen

Die Geburtenhäufigkeit (= Fertilität) wird vorrangig über die Total Fertility Rate (TFR = „zusammengefasste Geburtenziffer“) berechnet. Diese gibt die durchschnittliche Summe der Lebendgeborenen einer Gruppe von 1000 Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren an[11]. In Deutschland ist diese Zahl seit über 100 Jahren rückläufig: Während die zusammengefasste Geburtenziffer 1890 noch bei 4,68 lag, hatte sie sich innerhalb der nächsten 25 Jahre auf 2,92 Geburten je Frau verringert. Danach fand sie, auch aufgrund der beiden Weltkriege, zum Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts ihren vorläufigen Tiefpunkt bei circa 2,1 (siehe dazu und im Folgenden Abbildung 3: Entwicklung der Geburtenzahl in Deutschland, Anhang)[12].

In den darauf folgenden Jahren stieg die zusammengefasste Geburtenziffer wieder auf 2,5 Kinder pro Frau. Dieser Nachkriegs-Babyboom sollte aber, wie der Name schon vermuten lässt, nur ein kurzes Aufbäumen vor einem rapiden Fall sein: In beiden deutschen Staaten sanken die Geburtenzahlen bis 1975 auf 1,45 (BRD) beziehungsweise 1,54 (DDR). Im früheren Bundesgebiet erreichte der Geburtenrückgang mit einer zusammengefassten Geburtenziffer von 1,3 in der Mitte der 1980er Jahre seinen endgültigen Tiefpunkt. Danach stieg die Total Fertility Rate bis 1990 wieder auf 1,45 und schwankt heute um 1,4 Kinder pro Frau. Im Osten Deutschlands wirkten die sozialistischen Machthaber mit massiven Familienförderungsmaßnahmen einem weiteren Geburtenrückgang entgegen. So stieg die zusammengefasste Geburtenziffer 1980 sogar kurzfristig auf 1,94 Kinder pro Frau. Danach sank sie jedoch auch in der DDR wieder und fiel nach der Wende zwischen 1990 und 1994 sogar von 1,52 auf 0,77. Dies war der tiefste jemals in der Welt registrierte Wert. Mittlerweile hat die Geburtenhäufigkeit in Ostdeutschland jedoch wieder geringfügig zugenommen und erreichte im Jahr 2000 einen Wert von 1,21. Dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren aber nicht fort: Im Jahr 2002 sank die zusammengefasste Geburtenziffer sogar wieder auf 1,18[13].

Mit durchschnittlich 1,35 Kindern pro Frau[14] liegt die zusammengefasste Geburtenziffer in Gesamtdeutschland zurzeit circa ein Drittel unterhalb des Niveaus, das für eine langfristig stabile Bevölkerung erforderlich ist. Das so genannte „Bestandserhaltungsniveau“ wird erst mit 2,1 Lebendgeborenen je Frau erreicht[15].

Aus diesen Zahlen lässt sich ein bedeutender Schluss ziehen: Ohne Zuwanderung wäre die Bevölkerungszahl bereits seit dreißig Jahren rückläufig[16].

Das Statistische Bundesamt rechnet aufgrund der historischen Entwicklung der Geburtenziffer zukünftig mit keiner großen Veränderung: Während in den alten Bundesländern eine Geburtenhäufigkeit von 1,4 Kindern pro Frau für den gesamten Berechnungshorizont bis 2050 angenommen wird, sollen Frauen in den neuen Bundesländern bis 2010 ihr derzeit niedrigeres Fertilitätsverhalten an das Westniveau angeglichen haben. Danach soll die zusammengefasste Geburtenziffer in Gesamtdeutschland bis 2050 bei 1,4 bleiben[17].

2.1.1.2 Migration – gestern, heute und morgen

Der Begriff Migration ist gekennzeichnet durch die Vielfalt seiner Definitionen: So versteht man darunter allgemein „jede Ortsveränderung von Personen“[18] beziehungsweise „[jeden] Wechsel des Hauptwohnsitzes einer Person“[19].

Oder aber formeller

„das Verlassen des bisherigen und das Aufsuchen eines neuen, als dauerhaft angestrebten Wohnortes in einer signifikanten Entfernung.“[20]

Manche Wissenschaftler legen hingegen eine stärkere Betonung auf das gesellschaftliche Ausmaß dieses Vorgangs, wobei Migration dann als „Wechsel der Gruppenzugehörigkeit“[21] oder als „Übergang eines Individuums oder einer Gruppe von einer Gesellschaft zur anderen“[22]

verstanden wird. Trotz ihrer Verschiedenheit sind in all diesen Definitionen Elemente des räumlich-geografischen Wechsels erkennbar.

Für viele gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle und eben auch demografische Entwicklungen sind Wanderungsbewegungen von enormer Bedeutung[23].

In Deutschland gewährleisten Zuwanderungen aus dem Ausland seit über dreißig Jahren das Wachstum der Bevölkerung: Während bis Mitte der 1960er Jahre die Bevölkerungszahl noch hauptsächlich wegen der relativ hohen Geburtenziffer[24] anstieg, sterben seit den 1970er Jahren mehr Menschen als geboren werden. Trotzdem ist die Bevölkerungszahl seitdem weiter gestiegen. Dies liegt daran, dass im Durchschnitt mehr Menschen nach Deutschland kommen als auswandern. Darüber hinaus hat die Zuwanderung auch den Alterungsprozess der Gesellschaft dämpfen können, da das Durchschnittsalter der Migranten unterhalb des Mittelwertes in Deutschland lag[25].

Der größte Teil der Migranten stammt aus den ehemaligen Anwerbeländern für „Gastarbeiter“. So wurden in den 1950er und 1960er Jahren Arbeitskräfte in Italien, Spanien, Griechenland, Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und dem ehemaligen Jugoslawien angeworben. Mit der Zäsur des Anwerbestopps 1973 wurde der Zuzug aus diesen Ländern ausschließlich auf Familiennachzüge reduziert. Obwohl bis heute die Mehrzahl der „Gastarbeiter“ unter anderem durch staatliche Anreize (Rückkehrhilfegesetz 1983) in ihr Heimatland zurückkehrte, weist Deutschland im Durchschnitt einen positiven Wanderungssaldo (Differenz zwischen Ein- und Auswanderung) von 200.000 Personen auf. Man darf bei dieser Durchschnittsbetrachtung aber nicht übersehen, dass es trotzdem zu sehr hohen Schwankungen kommen kann: Während der Zuwanderungsüberschuss im Jahr 1992 insbesondere wegen der starken Migration deutschstämmiger Aussiedler aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion 780.000 Personen zählte, betrug der Wanderungssaldo 1998 bedingt durch die Rückkehr der bosnischen Bürgerkriegsflüchtlinge nur 50.000 Personen. Im Jahr 1999 stieg er jedoch wieder auf rund 200.000 Personen an (siehe hierzu Abbildung 4: Wanderungsbewegungen über Deutschlands Grenzen, Anhang)[26]. Seitdem sank der Zuwanderungsüberschuss allmählich von 167.000 im Jahr 2000 – unterbrochen von einem zwischenzeitlichen Hoch in den Jahren 2001 und 2002 (273.000 beziehungsweise 219.000 Personen) – auf 143.000 Personen im Jahr 2003. Im Jahr 2004 betrug er schließlich 83.000 Personen[27]. Diese Entwicklung kann aber jederzeit durch Krisen, Kriege und ethnische Verfolgungen in anderen Ländern verändert werden.

Die bisher beschriebene internationale Migration muss von der Binnenmigration, also der Wanderung zwischen Bundesländern oder Landkreisen, unterschieden werden. Binnenmigration ist vielfach dafür verantwortlich, dass Bundesländer, Regionen oder Landkreise eine unterschiedliche Bevölkerungsentwicklung vorweisen können. Auffälligstes Beispiel dieser Art war die starke Abwanderung Ostdeutscher nach Westdeutschland im Zuge der Wiedervereinigung der beiden deutschen Teilstaaten im Jahr 1990. Ebenso deutlich wird dies beispielsweise durch die Wanderung der Menschen aus ländlichen Gegenden Sachsens in die Umkreise großer sächsischer Städte[28].

Für seine Vorausberechnungen bis zum Jahr 2050 unterscheidet das Statistische Bundesamt die internationale Migration deutscher und ausländischer Staatsbürger[29].

Aufgrund der schwierigen Vorhersehbarkeit des Wanderungsverhaltens ausländischer Personen berechnen die Forscher des Statistischen Bundesamtes die zukünftige Bevölkerungsentwicklung anhand dreier Annahmen: In den ersten beiden Annahmen gehen sie von einem jährlichen Wanderungssaldo von 100.000 (W1) beziehungsweise 200.000 (W2) Migranten aus. Mit einer dritten Annahme (W3) räumen sie die Möglichkeit ein, dass es entgegen dem langjährigen Durchschnitt zu höheren Wanderungsüberschüssen kommen könnte. Daher gehen sie in dieser Annahme von einem Anstieg des Wanderungssaldos von 200.000 auf 300.000 Personen beginnend mit dem Jahr 2011 aus. Begründet in den unterschiedlichen Annahmen beträgt die Gesamtzahl der bis 2050 zuwandernden Personen 5,7 Millionen (W1), 10,5 Millionen (W2) oder 14,5 Millionen (W3) Menschen[30].

Bei dem Wanderungssaldo deutscher Staatsbürger geht das Statistische Bundesamt wegen der sinkenden Zuwanderung der Aussiedler aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion von einer weiteren Verringerung aus. So soll sich der derzeit bei 80.000 Personen liegende Saldo bis zum Jahr 2040 ausgleichen[31].

2.1.1.3 Lebenserwartung – gestern, heute und morgen

Die durchschnittliche Lebenserwartung wird, basierend auf den von Alter und Geschlecht abhängigen Sterbeziffern, für die rund 100 gleichzeitig lebenden Jahrgänge eines bestimmten Kalenderjahres berechnet[32]. In Deutschland ist diese Lebenserwartung in den letzten 100 Jahren um über 30 Jahre gestiegen und beträgt heute bei einem neugeborenen Jungen etwa 76 Jahre (Ostdeutschland: 75 Jahre) beziehungsweise bei einem Mädchen 82 Jahre (Ostdeutschland: 81 Jahre)[33]. Im Jahr 1900 hatte ein seinerzeit geborenes Mädchen eine durchschnittliche Lebenserwartung von nur 48 Jahren, ein neugeborener Junge von rund 45 Jahren[34]. Vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stieg die Lebenserwartung rasant an: Von 1910 bis 1932 erhöhte sie sich bei neugeborenen Jungen um 13 Jahre, bei Mädchen um 12 Jahre. Zwischen 1950 und 1970 nahm sie nur noch um 3 Jahre (Jungen), bei Mädchen um 5 Jahre zu (siehe auch Abbildung 5: Lebenserwartung in Deutschland, Anhang). In den folgenden Jahren stieg die Lebenserwartung in Deutschland weiterhin stetig an, wenn auch nicht mehr so rapide wie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts[35].

Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung war nicht etwa die Ausdehnung der maximalen Lebensspanne der Menschen – diese hat sich in den letzten tausend Jahren kaum verändert –, sondern vielmehr der markante Rückgang der Säuglingssterblichkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Anstoß hierfür waren die Fortschritte in Gesundheitswesen, Hygiene und Ernährung. Darüber hinaus gelang es der Medizin immer besser, Kreislauf- und Herzkrankheiten sowie Krebserkrankungen zu behandeln, wodurch die Überlebenschancen der Patienten anstiegen. Gemeinsam mit den verbesserten Arbeitsbedingungen und dem gestiegenen materiellen Wohlstand konnte somit auch die fernere Lebenserwartung der älteren Menschen erhöht werden[36].

Heute beträgt die durchschnittlich zu erwartende weitere Lebenszeit der 60-Jährigen immerhin 20 Jahre (Männer) beziehungsweise 24 Jahre (Frauen). Selbst bei 80-Jährigen beträgt sie heute noch 7 Jahre für Männern und fast 9 Jahre für Frauen[37]. An dieser Stelle soll bereits erwähnt werden, dass diese Entwicklung nicht nur eine Erhöhung der Lebenserwartung ohne Rücksicht auf die Lebensqualität war, sondern ebenso begleitet wurde von einer Verlängerung der gesunden Lebensjahre[38].

Mit dieser hohen Lebenserwartung liegt Deutschland aber keinesfalls an der Spitze im internationalen Vergleich: Für neugeborene Jungen ist die Lebenserwartung in Island, Japan, Schweden und der Schweiz um rund 2 Jahre höher. Für neugeborene Mädchen ist sie in Japan (3,4 Jahre), Frankreich (2,2 Jahre), Italien (2,1 Jahre), Spanien (2,1 Jahre) und in der Schweiz (2,0 Jahre) höher als in Deutschland. Damit wird deutlich, dass die Lebenserwartung durchaus weiter ansteigen könnte. Auch Verbesserungen in der medizinischen Versorgung und eine gesundheitsbewusstere Lebensführung könnten künftig zu einem weiteren Anstieg der Lebenserwartung führen. Daher hat das Statistische Bundesamt in seiner 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung drei Annahmen für die weitere Entwicklung der Lebenserwartung bis zum Jahr 2050 getroffen. In allen Annahmen wird sich die Lebenserwartung im Osten Deutschlands bis zum Jahr 2020 an das Niveau im Westen angleichen[39].

In der ersten Annahme (L1) gehen die Bevölkerungsstatistiker aus Wiesbaden davon aus, dass die bereits heute erreichten, international niedrigsten Sterbewahrscheinlichkeiten bis zum Jahr 2035 auch in Deutschland erzielt werden. Der sich daraus abzeichnende Trend soll sich dann in etwas schwächerer Form bis zum Jahr 2050 fortentwickeln. Nach dieser Annahme würde ein neugeborener Junge im Jahr 2050 eine Lebenserwartung von 79,1, ein neugeborenes Mädchen von 85,6 Jahren haben[40].

Bei der zweiten und dritten Annahme (L2 und L3) wird die Abnahme der Sterbewahrscheinlichkeit der letzten dreißig Jahre in Deutschland als Grundlage für die Berechnung herangezogen. Während man daher bei der zweiten Annahme (L2) davon ausgeht, dass sich der Anstieg in den kommenden Jahren abschwächt, wird in der dritten Annahme mit einer nahezu gleich bleibenden Entwicklung gerechnet. Resultat der zweiten Annahme (L2) wäre ein Anstieg der Lebenserwartung bis 2050 auf 81,1 (Jungen) beziehungsweise 86,6 Jahre (Mädchen). Mit der dritten Annahme (L3) erreicht die Lebenserwartung im Jahr 2050 ihren Höchststand bei 82,6 Jahren bei neugeborenen Jungen und 88,1 Jahren bei neugeborenen Mädchen[41].

2.1.2 Die zukünftige Alters- und Bevölkerungsstruktur

Aufgrund der verschiedenen Annahmen hat das Statistische Bundesamt insgesamt neun unterschiedliche Szenarien bis zum Jahr 2050 vorausberechnet. Dabei bilden die Variante 1, welche die niedrigste Annahme für Zuwanderung (W1) und Lebenserwartung (L1) hat, und die Variante 9, die entsprechend die höchste Annahme für Zuwanderung (W3) und Lebenserwartung (L3) hat, die maximal mögliche Spannbreite der vorausberechneten Bevölkerungszahl im Jahr 2050[42].

Alle neun Varianten machen deutlich, dass langfristig mit keinem weiteren Bevölkerungswachstum zu rechnen ist, sondern im Gegenteil mit einem Rückgang. Auf 67 Millionen Einwohner würde die Bevölkerung im Jahr 2050 sinken, wenn die Annahmen mit niedrigster Zuwanderung und Lebenserwartung (W1 und L1) Bestand hätten. Bei mittlerer Zuwanderung (W2) und mittlerer Lebenserwartung (L2) würde die Bevölkerung trotzdem noch auf 75 Millionen sinken (siehe Abbildung 6: Bevölkerungsstruktur 2050 bei mittleren Annahmen, Anhang). Einzig bei dem Szenario mit den höchsten Annahmen für Zuwanderung und Lebenserwartung (W3 und L3) könnte eine in etwa gleiche Bevölkerungszahl wie heute mit 81 Millionen Menschen erreicht werden (siehe hierzu Abbildung 7: Die Bevölkerungszahl Deutschlands 2050, Anhang)[43].

Ein entscheidender Grund für diese Entwicklung ist der Verlauf der Geburtenzahlen und der Sterbefälle. In Deutschland öffnet sich die „Schere“ zwischen Neugeborenen- und Gestorbenenzahl immer mehr: Das Geburtendefizit vergrößert sich kontinuierlich (siehe dazu Abbildung 8: Das Geburtendefizit, Anhang). Dies ist einerseits durch die in allen Szenarien feststellbare Verminderung der Anzahl gebärfähiger Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren und der damit verbundenen Senkung der absoluten Geburtenhäufigkeiten bedingt – in der mittleren Variante geht der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe beispielsweise von heute etwa 20 Millionen auf knapp 14 Millionen im Jahr 2050 zurück. Eine immer kleiner werdende Müttergeneration kann eben bei gleich bleibender Geburtenziffer insgesamt nur weniger Kinder zur Welt bringen als die vorherige. Andererseits wird sich auch die Anzahl der Sterbefälle erhöhen, da die stark besetzten Jahrgänge der heute etwa 30- bis 40-jährigen „Baby-Boomer“ während des Berechnungszeitraums in hohe Altersgruppen wechseln, in denen die Sterbewahrscheinlichkeiten entsprechend höher sind[44].

Eine wichtige Erkenntnis ist, insbesondere im Hinblick auf die vorliegende Arbeit, dass die Altersstruktur der nächsten Jahrzehnte durch die aktuelle Altersverteilung im Wesentlichen schon heute vorgezeichnet ist: Starke und schwache Jahrgänge rücken in höhere Altersgruppen vor. Die bereits angesprochenen geburtenstarken Jahrgänge der „Babyboomer“ werden ebenso in höhere Altersgruppen aufsteigen wie die geburtenschwächeren, nachfolgenden Jahrgänge. Dies bedeutet, dass die deutsche Bevölkerungspyramide ab dem Jahr 2020 immer kopflastiger wird und die ältesten Jahrgänge zahlenmäßig große Bedeutung erlangen werden. So steigt der Anteil der Menschen über 65 Jahre von heute rund 13 Millionen auf 17 Millionen im Jahr 2020. Im Jahr 2050 wird er schließlich mehr als 21 Millionen betragen. Entsprechend der zunehmenden Lebenserwartung wird speziell die Altersgruppe der Hochbetagten, also die Zahl der mindestens 80-Jährigen, erheblich ansteigen. Im mittleren Szenario des Statistischen Bundesamtes wird ihr Anteil an der Bevölkerung von heute 3,2 Millionen (4 Prozent) auf etwa 9,1 Millionen (12 Prozent) ansteigen. Um deutlich zu werden: Die Anzahl der Hochbetagten wird sich verdreifachen beziehungsweise um fast 200 Prozent ansteigen (siehe Abbildung 9: Entwicklung der Zahl der Älteren und Hochbetagten in Deutschland, Anhang). Im Gegensatz dazu wird sich die Anzahl der Bevölkerung unter 20 Jahre von heute etwa 17 Millionen auf dann 12 Millionen vermindern. Ebenso wird die Gruppe der 20- bis 35-Jährigen innerhalb der Berechnungsperiode um 24 Prozent schrumpfen, ähnlich wie die Bevölkerungsgruppe der 35- bis 49-Jährigen, zu der dann 31 Prozent weniger Menschen gehören werden[45].

Offensichtlich wird sich also das zahlenmäßige Verhältnis der erwerbsfähigen Bevölkerung zu der Altersgruppe der Senioren, der so genannte Altenquotient[46], stark verändern. Dieser Quotient ist zudem abhängig von dem jeweiligen Rentenzugangsalter. Wenn das durchschnittliche Rentenzugangsalter (unter anderem durch Frühverrentung) bei 60 Jahren bestehen bliebe, könnte sich der heute bei 41 liegende Altenquotient bei mittleren Zuwanderungs- und Lebenserwartungsannahmen bis zum Jahr 2050 auf 77,8 Prozent nahezu verdoppeln. Würde aber ein tatsächliches Rentenzugangsalter von 65 Jahren realisiert, wie von staatlicher Seite vorgesehen, dann würde der Altenquotient „nur“ auf 54,5 Prozent ansteigen[47]. Entsprechend niedriger würde er ausfallen, wenn das Rentenzugangsalter bis 2030, wie von der Bundesregierung angekündigt, auf ein Rentenzugangsalter von 67 Jahren ansteigen würde[48].

Zuwanderung, so die Feststellung der Vorausberechnungen, kann die Alterung der Bevölkerung nicht mehr aufhalten, allenfalls dämpfen: Bei mittlerer Lebenserwartung und niedriger Zuwanderung würde der Altenquotient bei einem Rentenzugangsalter von 65 Jahren auf 59 Prozent ansteigen, in der mittleren Variante auf – wie bereits angemerkt – 54,5 und bei einer hohen Zuwanderung von etwa 300.000 Personen auf 51 Prozent[49].

In einer Modellrechnung der Population Division der Vereinten Nationen zu „Replacement Migration“ (Bestandserhaltungsmigration) zeigten die New Yorker Bevölkerungsstatistiker, dass jährlich 3,4 Millionen Menschen nach Deutschland einwandern müssten, damit die heutige Relation von Erwerbsfähigen zu Senioren konstant bliebe. Die Folge wäre, dass bis zum Jahr 2050 rund 170 Millionen Menschen nach Deutschland kämen[50].

2.2 Die regionale Differenziertheit der demografischen Entwicklung

Aus der bisherigen Darstellung der Bevölkerungsentwicklung könnte man schließen, dass die demografische Entwicklung generell einem linearen Trend abwärts folgt. Dass dies jedoch ein Fehlschluss ist, erkennt man, wenn man die nationale Ebene verlässt und die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern oder gar noch detaillierter die Entwicklung der einzelnen Kreise innerhalb der Länder betrachtet.

So ist zunächst einmal festzustellen, dass Geburtenhäufigkeit und Lebenserwartung bereits zwischen den einzelnen Bundesländern differieren: Während Niedersachsen mit 1,44 Kindern je Frau die heute höchste Geburtenhäufigkeit Deutschlands aufweist, findet man die geringste Geburtenhäufigkeit derzeit sowohl in den neuen Ländern (zusammen 1,2) als auch in Berlin und Hamburg (je 1,15). Hinsichtlich der Lebenserwartung werden die Neugeborenen mit 76,3 Jahren (Jungen) und 81,9 Jahren (Mädchen) in Baden-Württemberg am ältesten, wohingegen die neugeborenen Jungen in Mecklenburg-Vorpommern mit 72,6 Jahren sowie die neugeborenen Mädchen im Saarland und Sachsen-Anhalt (je 80,1 Jahre) die niedrigste Lebenserwartung Deutschlands haben[51].

Betrachtet man die Kinderzahl pro Frau in Deutschlands Landkreisen, so werden die meisten Kinder im niedersächsischen Cloppenburg (1,92) geboren, die wenigsten dagegen nicht – wie man zunächst vermuten könnte – im Osten Deutschlands, sondern in Heidelberg (0,88 Kinder je Frau). In allen Kreisen Deutschlands wird aber ebenso wenig wie in den Bundesländern das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Kindern je Frau erreicht, sodass ohne Zuwanderung die Bevölkerung schon jetzt sinken würde[52].

Die beschriebenen natürlichen demografischen Faktoren – Geburtenziffer und Lebenserwartung – werden vielfach überlagert durch Migrationsgewinne aus dem In- und Ausland. Während beispielsweise die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten Sachsens zusätzlich zu dem dort bereits vorhandenen Geburtendefizit zu einer starken Schrumpfung der Bevölkerungszahl führt, steigt die Bewohnerzahl der Umlandkreise Leipzigs trotz deren niedrigen Geburtenraten. Ursache hierfür ist die Zuwanderung, die den Geburtenmangel ausgleicht oder sogar überkompensiert[53].

Betrachtet man die Entwicklung in den Bundesländern bis zum Jahr 2050[54], so zeigt sich, dass die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen ihre derzeitige Bevölkerungszahl bis 2020 halten können, anschließend aber mit Rückgängen rechnen müssen. Dagegen verlieren die fünf neuen Länder, etwas schwächer auch das Saarland, kontinuierlich bis 2050 an Einwohnern. Sachsen zum Beispiel wird bis 2050 ungefähr eine Million Einwohner verlieren, um dann mit 3,1 Millionen nur noch so viele Einwohner zu haben wie Berlin heute. Bremen dagegen ist das einzige Land, das seine Bevölkerungszahl bis 2050 konstant halten kann. Zu den „Gewinnern“ des demografischen Wandels werden in den nächsten zwei Jahrzehnten Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg (bis 2030) und Schleswig-Holstein zählen: Bis zum Jahr 2020 (Hamburg bis 2030) können diese Bundesländer Bevölkerungszuwächse verzeichnen. Danach müssen auch sie mit einer sinkenden Einwohnerzahl rechnen[55].

Die für diese Ausarbeitung besonders relevante Bevölkerungsgruppe der über 60-Jährigen wird in allen Bundesländern ansteigen – aber mit unterschiedlicher Ausprägung. In Bremen wird sie bis 2020 etwa 5 Prozent betragen. In Hamburg, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Sachsen-Anhalt steigt der Anteil der über 60-Jährigen auf 10 bis 17 Prozent. In den anderen Ländern wird sie mindestens 20 Prozent der jeweiligen Gesamtbevölkerung ausmachen. Herausragend sind dabei die Verhältnisse in Brandenburg (+ 37 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (+ 32 Prozent) und Baden-Württemberg (+ 28 Prozent). Ab 2030, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der „Babyboomer“ über 60 Jahre alt sind, werden nochmals höhere Zahlen zu verzeichnen sein: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein werden dann 40 Prozent mehr alte Menschen haben als heute. Danach wird die Zahl der Menschen über 60 Jahre zwar in den meisten Ländern rückläufig sein, dennoch ergeben sich für 2050 in Berlin und Hamburg 64 Prozent mehr Ältere, in Baden-Württemberg und Bayern sogar 55 bis 60 Prozent. In den anderen Bundesländern wird es dagegen 30 bis 40 Prozent mehr Personen geben, die älter als 60 Jahre sind. Einzig das kleine Saarland wird im Jahr 2050 nur 14 Prozent mehr Alte verzeichnen als heute[56].

2.3 Zusammenfassung

Deutschlands Bevölkerungsentwicklung der kommenden Jahrzehnte ist deutlich vorgezeichnet: Zunächst werden jüngere Altersgruppen zahlenmäßig schrumpfen und ältere Bevölkerungsgruppen in ihrer Zahl immer bedeutender. Schließlich wird Deutschland – im Gegensatz zu den letzten hundert Jahren – von einem merklichen Bevölkerungsrückgang erfasst. Diese Entwicklung ist kurzfristig nicht umkehrbar, da erstens Zuwanderung diesen Rückgang nur mehr dämpfen kann, zweitens nichts dafür spricht, dass die zusammengefasste Geburtenziffer in den nächsten Jahren merklich ansteigen wird und drittens, weil die heute noch breite Bevölkerungsgruppe mittleren Alters (Babyboomer) in wenigen Jahren die Gruppe der über 60-Jährigen bilden wird.

Da diese Entwicklung in den Bundesländern und Landreisen unterschiedlich verläuft, sind insbesondere die dort politisch Verantwortlichen (Landesregierungen, Landräte, Bürgermeister etc.) gefordert: Wie will man mit dieser neuen Situation umgehen? Welche Schlussfolgerungen für Infrastrukturausbau, Dorf-, Stadt- und Landentwicklung können gezogen werden? Wie reagiert man angemessen auf einen steigenden Altenanteil in der Gesellschaft?

Entscheidend ist, Strategien zu entwickeln, mit denen man den Veränderungen und Herausforderungen des demografischen Wandels begegnen kann. Dabei scheint es wenig sinnvoll, knappe finanzielle Ressourcen in bevölkerungspolitische Maßnahmen zu investieren, da die Alterung der Bevölkerung und ihr Rückgang in absehbarer Zeit selbst durch höhere Geburtenraten nicht mehr verhindert werden kann. Vielmehr müssen die Folgen des demografischen Wandels erkannt und entsprechende Maßnahmen vollzogen werden.

Eine besondere Rolle dabei spielt die zahlenmäßig größer werdende Bevölkerungsgruppe der Älteren und Hochbetagten. Wenn ein Teil der Bevölkerung in solchem Ausmaß an Bedeutung gewinnt, gilt es herauszufinden, welche Eigenschaften diese Gruppe hat, in welcher Situation sie lebt und welche Bedürfnisse sie hat. Daher soll nach einer kurzen Analyse der (kommunal-)politischen Herausforderungen der demografischen Entwicklung das Leben im Alter näher betrachtet werden.

3. Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung als (kommunal-)politische Herausforderung

Schrumpft die Bevölkerung bis 2050 den Prognosen entsprechend, dann wird dies über die bundespolitischen Herausforderungen der unter anderem demografisch in Schräglage geratenen Sozialversicherungssysteme hinaus gravierende Auswirkungen auf viele gesellschaftspolitische Bereiche haben. So könnte man annehmen, dass weniger Menschen weniger Wohnraum benötigen. Ebenso ist denkbar, dass aufgrund der gesunkenen Kinderzahlen weniger Schulen und Kindergärten benötigt werden, wohingegen mehr Altersheime gebraucht würden, da die Bevölkerungsgruppe der Älteren immer größer wird. Hier stehen also insbesondere die Länder und Kommunen vor gravierenden demografischen Veränderungen, die ihrerseits spezifische Lösungsansätze erfordern. Daher soll an dieser Stelle auf die infrastrukturellen und wohnungspolitischen Herausforderungen des demografischen Wandels eingegangen werden. Hinzugefügt werden muss aber, dass diese Thematik, trotz ihrer besonderen Bedeutung für das Verständnis der vorliegenden Arbeit, nur grundlegend erfasst werden kann. Denn für sich genommen liefert sie genügend Material für eine eigene Studie[57].

3.1 Auswirkungen des Bevölkerungswandels auf kommunale Infrastruktur und Kommunalfinanzen

Im Jahr 2004 ging durch das Bundesland Sachsen und Teile der deutschen Öffentlichkeit ein Aufschrei des Entsetzens: Sachsen schloss in nennenswerter Zahl Schulen. In der darauf folgenden Diskussion über die bildungspolitischen Folgen wurde meist übersehen, dass das Land einem merklichen demografischen Anpassungsdruck ausgesetzt ist. Bereits heute schrumpft und altert Sachsen wegen des dramatischen Geburteneinbruchs Anfang der 1990er Jahre. Daher gilt es dort, wo ganze Gebiete entvölkert sind oder in einigen Jahren dieser Zustand erreicht wird, die vorhandene Infrastruktur anzupassen[58].

Aber nicht nur Bundesländer sind gefordert, auch Kommunen müssen beim Betrieb und Erhalt von Infrastruktur über neue Nutzungsformen, wie zum Beispiel interkommunale Kooperation bei der Nutzung einzelner Einrichtungen, nachdenken und entsprechend vorausschauend handeln. Nachfragerückgang aufgrund der Einwohnerverluste und Nachfrageverschiebung wegen der Änderung der Altersstruktur sind Folgen für sämtliche Infrastruktureinrichtungen im Zuge des demografischen Wandels. So werden öffentliche Einrichtungen für Kinder und Jugendliche deutlich weniger nachgefragt werden, während die steigende Anzahl älterer Menschen einen zusätzlichen Bedarf an altersgerechten Einrichtungen sowie Betreuungs- und Altenpflegeeinrichtungen hervorbringen wird[59].

Über diese Herausforderungen der sozialen Infrastruktur hinaus sind auch Bereiche der technischen Infrastruktur betroffen. Eine dauerhafte Unterauslastung von öffentlich-technischen Einrichtungen ist folgenreich: Werden beispielsweise bestimmte Mindestnutzungszahlen in der Wasserversorgung unterschritten, dann ist der gegenwärtige technisch-hygienische Standard aufgrund von zu geringen Durchflussmengen nicht mehr aufrechtzuerhalten. Das Wasser steht zu lange in den Leitungen und verkeimt auf dem Weg zum Nutzer. Grundsätzlich führt eine Unterauslastung von Infrastruktur zu massiven Finanzproblemen, da gleich bleibende Kosten von einer schrumpfenden Nutzerzahl getragen werden müssen. Diese Kostenremanenz bedeutet höhere Nutzungsgebühren für den Endverbraucher oder – falls die Kosten für den Verbraucher gleich bleiben sollen – steigende Subventionsausgaben für die Kommunen[60].

Besonders schmerzhaft für die kommunalen Haushalte werden die rückläufigen Einnahmen sein. Im System des kommunalen Finanzausgleichs[61] werden die Kommunen zu einem bestimmten Satz an den Einkommens-, Körperschafts-, Umsatz- und Grunderwerbssteuereinnahmen des jeweiligen Bundeslandes beteiligt. Außerdem führen finanzstarke Kommunen im innerkommunalen Ausgleich Mittel an finanzschwächere Kommunen ab. Das demografisch bedingte Problem entsteht, weil ein großer Teil dieser Zuwendungen einwohnerbezogen ist: Bevölkerungsreiche Kommunen bekommen mehr, bevölkerungsarme Kommunen weniger Anteile. Dadurch werden diejenigen Gemeinden mit rückläufiger Bevölkerungszahl zusätzlich benachteiligt[62].

3.2 Bevölkerungswandel, Wohnungsmarkt und Wohnungspolitik

Im Bereich der kommunalen Daseinsvorsorge ist der Wohnungsmarkt eines der wichtigsten Aufgabenfelder für Städte und Gemeinden. Denn Angelegenheiten des Wohnungswesens sind klassische Selbstverwaltungsaufgaben. Ziel kommunaler Wohnungspolitik ist es, allen Einwohnern eine angemessene Wohnungsversorgung zu ermöglichen. Darunter ist explizit auch die Versorgung älterer Bürger mit angemessenem Wohnraum zu verstehen. Daher werden im Folgenden die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Wohnungsmarkt skizziert, um dann Akteure und Instrumente der Wohnungspolitik im Kontext des demografischen Wandels zu betrachten.

3.2.1 Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Wohnungsmarkt

Die amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Gregory Mankiw und David Weil stellten in ihren Berechnungen aus dem Jahr 1989 die Prognose auf, dass der Übergang von hohen zu deutlich niedrigeren Geburtenraten einen Preisverfall von fast 50 Prozent für Immobilien zur Folge haben wird[63].

Doch diese Schlussfolgerung ist in dieser vereinfachten Form unzulässig: Einerseits verläuft die Preisentwicklung auf dem amerikanischen Immobilienmarkt entgegen den Prognosen der beiden Wissenschaftler (siehe Abbildung 10: Entwicklung der Hauspreise in den USA, Anhang). Andererseits muss man feststellen, dass sie Querschnittsdaten über den durchschnittlichen Wohnflächenverbrauch je Alter nutzten. Solche Querschnittsdaten, wie sie für Deutschland in Abbildung 11 (Abbildung 11: Durchschnittlicher Wohnflächenkonsum, Anhang) aus dem Sozioökonomischen Panel (SOEP) dargestellt sind, zeigen zwar, dass der Wohnflächenkonsum mit höherem Alter sinkt, die generelle Schlussfolgerung, je älter, desto geringer der Wohnflächenkonsum, ist aber falsch. Hier liegt das in der empirischen Sozialforschung bekannte „Storchenproblem“[64] vor. Bei der scheinbaren Korrelation von Alter und Wohnfläche ist daher zu prüfen, welche Ursachen hinter diesem Phänomen stehen. Dabei spielt der so genannte Kohorteneffekt eine Rolle. Eine Kohorte ist der Geburtsjahrgang, eines bestimmten Jahres. Haushalte, die, wie in der Abbildung 11 (Abbildung 11: Durchschnittlicher Wohnflächenkonsum, Anhang) dargestellt, älter als 60 Jahre sind, haben ihre Wohnung in einer anderen Zeit als jüngere Jahrgänge gemietet oder erworben. Das heißt also, dass Personen, die heute über 60 Jahre alt sind, deshalb in kleineren Wohnungen leben als Jüngere, weil sie zum Zeitpunkt des Wohnungsbezugs über geringere finanzielle Möglichkeiten verfügten. Darüber hinaus ist in Abbildung 12 (Abbildung 12: Entwicklung des Wohnflächenkonsums, Anhang) erkennbar, dass der Wohnkonsum zwischen 1984 und 2001 deutlich gestiegen ist. Daher werden die heute 40- bis 50-Jährigen, die derzeit die höchste durchschnittliche Wohnfläche bewohnen, in 20 Jahren voraussichtlich immer noch in sehr großen Wohnungen leben, wenn man davon ausgeht, dass sie im höheren Alter nicht mehr in kleinere Wohnungen umziehen. Ursache für die Korrelation von Alter und Wohnfläche ist also der Kohorteneffekt[65].

Entscheidend ist auch, dass am Wohnungsmarkt nicht Einzelpersonen, sondern Haushalte als Nachfrager auftreten. Dies ist insofern bedeutsam, als die Entwicklung der Haushalte nicht direkt mit der Entwicklung der Bevölkerung korreliert: Während die Bevölkerung ab 2012 abnimmt, wird die Zahl der Haushalte in Deutschland noch geringfügig weiter ansteigen (siehe Abbildungen 13a: Bevölkerungsentwicklung, Anhang und 13b: Haushaltsentwicklung, Anhang). Dies liegt daran, dass in einer Gesellschaft mit sinkenden Kinderzahlen und einer steigenden Anzahl an Älteren die durchschnittliche Haushaltsgröße, definiert als die Zahl der Personen pro Haushalt, kleiner wird, während die Anzahl der Haushalte unverändert bleibt oder nur geringfügig sinkt[66].

Hierdurch wird die Formel „weniger Menschen brauchen weniger Wohnraum“ in dieser einfachen Form als unzulässig verdeutlicht. Es wird jedoch zu einer demografisch bedingten Nachfrageverschiebung kommen: Während die Nachfrage nach altersgerechten Wohnungen spürbar zunehmen wird, werden Wohnungen für junge Familien mit Kindern weniger nachgefragt werden.

Die bisherige Darstellung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade im Hinblick auf die ostdeutsche Immobilienmarktsituation sehr wohl Leerstände durch massiven lokalen Bevölkerungsrückgang in Verbindung mit wirtschaftlichen Problemen entstehen können.

3.2.2 Wohnungspolitik im demografischen Wandel

Die Wohnungspolitik in Deutschland ist geprägt von der Vielfalt ihrer Akteure: Neben Bund, Ländern und Kommunen nehmen kirchliche Siedlungswerke, Träger der sozialen Arbeit, Wohnungsgenossenschaften, Kapitalgesellschaften, private Wohneigentümer und nicht zuletzt die von vielen Städten und Gemeinden gegründeten kommunalen Wohnungsunternehmen Einfluss auf dieses Politikfeld[67]. Dabei schafft der Bund mit Baurecht, Mietrecht und Steuerrecht die wesentlichen Rahmenbedingungen[68].

Das Wohnungsbaurecht mit dem 2002 novellierten Gesetz über die soziale Wohnraumförderung (WoFG) stellt das bedeutendste wohnungspolitische Steuerungsinstrument der Bundesrepublik dar. Ziel dieses Instrumentes ist es, Haushalte, „die sich am Markt nicht angemessen mit Wohnraum versorgen können“[69],

zu unterstützen. Darunter fallen insbesondere Haushalte mit geringem Einkommen, Familien mit Kindern, Alleinerziehende, Schwangere, Behinderte, Wohnungslose, sonstige Hilfebedürftige und ältere Menschen. Der Neubau von Wohnraum, die Modernisierung von Wohnungen, der Erwerb von Belegungsrechten für Wohnungen und der Erwerb von bestehendem Wohnraum wird gefördert, wenn dadurch bedürftige Haushalte mit Belegungs- und Mietbindungen unterstützt werden. Der Bund stellt seit dem Haushaltsjahr 2005 jährlich 202,4 Millionen Euro für die soziale Wohnraumförderung zur Verfügung. Die Umsetzung dieser so genannten Objektförderung erfolgt durch die Bundesländer in eigener Zuständigkeit, wobei sie die wohnungswirtschaftlichen Belange der Kommunen berücksichtigen müssen.[70]

Ein weiteres bundespolitisches Instrument des Wohnungsbaus ist das Wohngeld. Im Gegensatz zu dem Gesetz über die soziale Wohnraumförderung wird diese Förderung gemäß dem Wohngeldgesetz als Subjektförderung ausgezahlt. Dies bedeutet, dass bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze Mietzuschüsse direkt an den Bedürftigen geleistet werden, damit diesem ein angemessenes Wohnen ermöglicht wird[71].

Im Gefüge der deutschen Wohnungspolitik kommt den Kommunen oftmals eine Implementationsrolle zu. So vergeben Städte und Kreise die bereits angesprochenen Mittel des Bundes für den sozialen Wohnungsbau, zahlen das Wohngeld aus und setzen die Landesbauprogramme der jeweiligen Bundesländer um[72]. Darüber hinaus begleiten und lenken sie die Prozesse des Wohnungsmarktes. Hierbei sind insbesondere die Ausweisung neuer Flächen für den Wohnungsbau und die Vergabe zusätzlicher Darlehen für den Bauträger als klassische Instrumente der kommunalen Wohnungspolitik zu betrachten[73].

Gerade mit diesen Instrumenten haben Kommunen die Möglichkeit, dem veränderten Altersaufbau der Gesellschaft gerecht zu werden. So ist es durchaus vorstellbar, dass Bebauungspläne mit der Auflage versehen werden, eine bestimmte Anzahl an altersgerechten Wohnungen zu errichten[74].

Ein anderer Ansatz kommunaler Wohnungspolitik im demografischen Wandel ist das Umzugsmanagement. Ziel hierbei ist es, ältere Menschen, die häufig in zu großen und nicht barrierefreien Wohnungen[75] leben, zu einem Umzug in eine kleinere, barrierearme oder barrierefreie Wohnung zu bewegen. Damit wird einerseits die Chance Älterer erhöht, länger selbstständig leben zu können, andererseits wird finanzierbarer Wohnraum für Familien frei. Umzüge dieser Art werden von einigen Kommunen durch Prämien und organisatorische Hilfen gefördert[76].

Umzüge in andere Wohnungen werden jedoch von vielen älteren Menschen abgelehnt. Oftmals liegt dies daran, dass sie nicht genügend über Möglichkeiten und Alternativen zu ihrem bisherigen Wohnen informiert sind. In einer Gesellschaft, die immer mehr von der Bevölkerungsgruppe der Älteren geprägt sein wird, müssen daher kommunale Wohnberatungsstellen eingerichtet werden, die Betroffene und Interessierte zu Fragen des altersgerechten Wohnens und Bauens beraten. Die Bundesländer Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben solche Beratungsstellen bereits seit den 1990er Jahren flächendeckend eingerichtet. 2002 begannen auch Bayern, Hessen und Niedersachsen mit dem Aufbau eines landesweiten Netzes von Wohnberatungsstellen. Neben der Aufklärungsarbeit zum altersgerechten Wohnen sind das Erkennen von Wohnungsproblemen und das Finden von Lösungsmöglichkeiten sowie die Gewährleistung von Hilfe bei der Planung, die Durchführung von Anpassungs-, Umzugs- und Neubaumaßnahmen sowie die Koordination der wohnungspolitischen Akteure zentrale Aufgaben dieser Stellen. Aufgrund der Vielfalt der Aufgaben ist die personelle Organisation der Beratungsstellen höchst interdisziplinär. Neben Architekten werden Soziologen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter und Verwaltungsfachleute benötigt[77].

Viele Gemeinden und Kommunen gehen heute aber noch einen anderen Weg. Im Sinne einer Offensivstrategie versuchen sie, die Bevölkerungszahl innerhalb ihres Einflussbereiches zu steigern und wanderungswillige Personen, durchaus in Konkurrenz zu Nachbargemeinden, anzuwerben. Daher investieren sie in Kindergärten und weisen Neubauflächen für Familien aus. Zu bedenken ist jedoch, dass durch dieses Handeln die ältere Bevölkerungsgruppe vernachlässigt wird, obwohl deren Anteil zukünftig enorm ansteigen wird und obgleich sie spezielle Bedürfnisse, gerade hinsichtlich ihrer Umwelt hat[78].

3.3 Zusammenfassung

Deutschland, seine Länder und Kommunen, steht einer demografischen Veränderung gegenüber, die so tiefgreifend ist, dass sie nahezu alle Lebensbereiche betreffen wird. Doch es gilt, diese Veränderung als Herausforderung zu sehen. Gerade im Bereich des Wohnungsmarktes entstehen sogar Chancen, indem neue Marktpotenziale erschlossen werden können. Denn eine ältere Gesellschaft wird andere Immobilien nachfragen als eine jüngere. Klar scheint auch, dass es Einschnitte geben wird, wenn in einigen Gebieten Deutschlands kritische Untergrenzen in der Auslastung von öffentlichen Infrastruktureinrichtungen erreicht werden. Bestehen keine anderen Lösungsmöglichkeiten wie zum Beispiel interkommunale Kooperation, dann müssen Infrastruktureinrichtungen aus ökonomischen Gründen zurückgebaut oder sogar geschlossen werden. Der Markt hat diese Entwicklung auch aus Gründen des Bevölkerungsrückgangs schon vorgezeichnet: In vielen Dörfern gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. Post, Banken und Sparkassen schließen unrentable Einrichtungen[79].

Die mit diesen Veränderungen verbundene Gefahr für einzelne Gemeinden ist offen-sichtlich: Es entsteht eine Abwärtsspirale aus Infrastrukturabbau, sinkender Attraktivität und damit verstärktem Abwanderungsdruck für Bürger und Unternehmen[80]. Manche Wissenschaftler sehen in der Verwaisung ganzer Landstriche aber eine Chance für die betroffene Region: Die Renaturierung der Region kann langfristig zu einer steigenden Attraktivität für den Tourismus führen. So ist es durchaus nicht zynisch zu verstehen, wenn hierbei von „passiver Sanierung“ gesprochen wird[81].

Für die vorliegende Arbeit ist die bereits benannte Nachfrageverschiebung auf dem Immobilienmarkt entscheidend. Bevor aber auf die Wohnformen und Wohnkonzepte für Ältere eingegangen werden kann, muss zunächst geklärt werden, wie das Leben im Alter charakterisiert werden kann. Zugleich soll die Lebenssituation der Älteren in Deutschland betrachtet werden.

4. Leben im Alter

„Ursprünglich wurden dem Menschen vom Schöpfer dreißig Lebensjahre zugestanden. Mit dieser kurzen Spanne war der Mensch aber unzufrieden, und so nahm der Herrgott dem Esel, dem Hund und dem Affen einige Jahre ab und gab sie dem Menschen. Demgemäß hat nun der Mensch die ersten dreißig Jahre seines Lebens zu eigen, die nächsten achtzehn Jahre muß[82] er sich placken wie ein Esel. Zwischen dem achtundvierzigsten und sechzigsten Lebensjahr liegt er dann in der Ecke, knurrend und zahnlos wie ein alter Hund, und wenn es hochkommt, sind ihm noch weitere zehn Jahre beschieden, in denen er närrisch wird wie ein Affe.“[83]

[...]


[1] Anm. d. Verf.: Der Text verwendet vielfach die männliche Schreibform (beispielsweise Bevölkerungswissenschaftler), wo ebenso gut die weibliche Form stehen könnte. Aus Gründen der Lesbarkeit und Kürze wird auf die Schreibweise „…-Innen“ oder Verdoppelungen wie „Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen“ verzichtet. Der Verfasser bittet, hieran keinen Anstoß zu nehmen.

[2] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerung Deutschlands bis 2050 – 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Statistisches Bundesamtes, Wiesbaden 2003.

[3] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerung Deutschlands bis 2050 – 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2003.

[4] Vgl. bspw. Lawton, M.P.: Environment and aging. Brooks&Cole, Monterey 1980; Kahana, E.: A congruence model of person environment interaction. In: Windley, P.G./Byerts, T./Ernst, E.G.(Hrsg.): Theoretical development in environments and aging. Gerontological Society, Washington 1975, S. 127-141; Carp, F.M./Carp, A.: Person-environment congruence and sociability. Research on Aging, Nr. 2, S. 395-415; Kremer-Preiß, Ursula/Stolarz, Holger: Neue Wohnkonzepte für das Alter und praktische Erfahrungen bei der Umsetzung – eine Bestandsanalyse – Zwischenbericht im Rahmen des Projektes „Leben und Wohnen im Alter“ der Bertelsmann Stiftung und des Kuratoriums Deutsche Altershilfe. Kuratorium Deutsche Altershilfe, Köln 2003; Wahl, Hans-Werner: Das Lebensumfeld als Ressource des Alters. In: Pohlmann, Stefan (Hrsg.): Das Altern der Gesellschaft als globale Herausforderung – Deutsche Impulse. Kohlhammer. Stuttgart 2001, S. 172-211; Deutscher Bundestag (Hrsg.): Zweiter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland: Wohnen im Alter. Drucksache 13/9750 vom 17. Juli 1997, Bonn.

[5] Vgl. bspw. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): 8. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Wiesbaden 1994; Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerungsentwicklung Deutschlands bis zum Jahr 2050. Ergebnisse der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung. Wiesbaden 2000; Statistisches Bundesamt (2003); Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (Hrsg.): DIW-Wochenbericht 03/1999, Berlin 1999.

[6] Anm. d. Verf.: Eine gute Einführung hierzu bietet dem geneigten Leser François Höpflinger: Bevölkerungssoziologie – Eine Einführung in bevölkerungssoziologische Ansätze und demographische Prozesse. Juventa Verlag, Weinheim/München 1997.

[7] Vgl. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2006/p0320021.htm; 30.01.2006, 10:36 Uhr.

[8] Vgl. http://www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab5.php; 03.01.2006, 18:14 Uhr.

[9] Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Dritter Bericht zur Lage der älteren Generation. Berlin 2001, S.14 ff.

[10] Ausdruck von Paul Flaskämper, zitiert nach: Statistisches Bundesamt (2003), S. 28.

[11] Vgl. Birg, Herwig: Die demographische Zeitenwende – Der Bevölkerungsrückgang in Deutschland und Europa. C.H. Beck oHG, München 2001, S. 92-93.

[12] Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hrsg.): Bevölkerung. Fakten – Trends – Ursachen – Erwartungen – Die wichtigsten Fragen. Sonderheft der Schriftenreihe des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Wiesbaden 2004, S. 19.

[13] Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2004), S. 22.

[14] Vgl. http://www.destatis.de/download/d/bevoe/bevoe_1946_2004.xls; 04.01.2005, 14:46 Uhr.

[15] Vgl. Kröhnert, Stefan/van Olst, Nienke/Klingholz, Reiner: Deutschland 2020. Die demografische Zukunft der Nation. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, Berlin 2005, S. 12.

[16] Vgl. Deutsche Bank Research (Hrsg.): Demografie lässt Immobilien wackeln. Aktuelle Themen Nr. 283. Frankfurt am Main 2003, S. 2.

[17] Vgl. Statistisches Bundesamt (2003), S. 5.

[18] Hoffmann-Nowotny, Hans-Joachim: Migration – Ein Beitrag zu einer soziologischen Erklärung. Enke, Stuttgart 1970, S. 107.

[19] Wagner, Michael: Räumliche Mobilität im Lebenslauf. Eine empirische Untersuchung sozialer Bedingungen der Migration. Enke, Stuttgart 1989, S. 26.

[20] Schrader, Achim: Migration. In: Endruweit, Günter/Trommsdorff, Gisela (Hrsg.): Wörterbuch der Soziologie. Enke, Stuttgart 1989, S. 436.

[21] Elias, Scotson: Etablierte und Außenseiter. Suhrkamp, Frankfurt 1990, S. 248.

[22] Eisenstadt, Shmuel N.: Absorption of Immigrants. A comparative study based on the Jewish community in Palestine and the State of Israel. London 1954, S. 1.

[23] Vgl. Höpflinger, François: Bevölkerungssoziologie – Eine Einführung in bevölkerungssoziologische Ansätze und demographische Prozesse. Juventa Verlag, Weinheim/München 1997, S. 98.

[24] Vgl. Kapitel 2.1.1.1 Fertilität.

[25] Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2004), S. 56.

[26] Vgl. Statistisches Bundesamt (2003), S. 20-22.

[27] Vgl. http://www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab6.php; 04.01.2006, 13:12 Uhr.

[28] Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2004), S. 47 und Kröhnert, Stefan/van Olst, Nienke/Klingholz, Reiner (2005), S. 46ff.

[29] Vgl. Statistisches Bundesamt (2003), S. 6.

[30] Vgl. ebd., S. 6 u. S. 22-23.

[31] Vgl. ebd. S. 22.

[32] Vgl. Birg (2001), S. 94ff.

[33] Vgl. http://www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab3.php; 04.01.2006, 14:50 Uhr.

[34] Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2001), S. 14.

[35] Vgl. Statistisches Bundesamt (2003), S. 14.

[36] Vgl. Höpflinger, François (1997), S. 145ff.

[37] Vgl. http://www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab3.php; 04.01.2006, 14:50 Uhr.

[38] Vgl. Höpflinger, François (1997), S. 158ff.; Anm. d. Verf.: Diese Thematik wird in unter Kapitel 3.2 Gesundheit im Alter vertieft.

[39] Vgl. Statistisches Bundesamt (2003), S. 17-19.

[40] Vgl. ebd., S. 19.

[41] Vgl. ebd., S. 19-20.

[42] Vgl. Statistisches Bundesamt (2003), S. 25.

[43] Vgl. ebd., S. 27.

[44] Vgl. Statistisches Bundesamt (2003), S. 28.

[45] Vgl.ebd., S. 28-31.

[46] Anm. d. Verf.: Verhältnis der 60-Jährigen (65-Jährigen) und älteren je 100 Personen im Alter von 20 bis 59 (64) Jahren.

[47] Vgl. Statistisches Bundesamt (2003), S. 31-34.

[48] Anm. d. Verf.: Zu dessen Auswirkungen lagen zum Zeitpunkt der Erstellung der Diplomarbeit keine Berechnungen vor.

[49] Vgl. Statistisches Bundesamt (2003), S. 7ff.

[50] Vgl. UN Population Division: Replacement Migration: Is it a Solution to Declining and Ageing Populations? United Nations 2000, S. 38.

[51] Vgl. Sommer, Bettina: Die Bevölkerungsentwicklung in den Bundesländern bis zum Jahr 2050. In: Birg, Herwig: Auswirkungen der demographischen Alterung und der Bevölkerungsschrumpfung auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Lit Verlag, Münster 2005, S. 93-95.

[52] Vgl. Kröhnert, Stefan/van Olst, Nienke/Klingholz, Reiner (2005), S. 6.

[53] Vgl. Kröhnert, Stefan/van Olst, Nienke/Klingholz, Reiner (2005), S. 46-48.

[54] Anm. d. Verf.: Grundlage für die folgende Betrachtung ist die mittlere Variante der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes.

[55] Vgl. Sommer, Bettina (2005), S. 99-100.

[56] Vgl. Sommer, Bettina (2005), S. 106-108.

[57] Weiterführende Literatur: Hübler, Karl-Hermann/Winkler-Kühlken, Bärbel/Thrun, Thomas: Anpassungsstrategien für ländliche/periphere Regionen mit starkem Bevölkerungsrückgang in den neuen Ländern – Modellvorhaben der Raumordnung. Institut für Stadtforschung und Strukturpolitik, Berlin 2003; Seitz, Helmut: Demographischer Wandel in Sachsen: Teilprojekt: Analyse der Auswirkungen des Bevölkerungsrückgangs auf die Ausgaben und Einnahmen des Freistaates Sachsen und seiner Kommunen. EUV, Frankfurt/Oder 2004; von Loeffelholz, Hans Dietrich/Rappen, Hermann: Bevölkerungsentwicklung und Kommunalfinanzen im Ruhrgebiet – Ein Problemaufriss. Projekt Ruhr, Essen 2002 und die Studien rund um Johanngeorgenstadt: http://www.ioer.de/johanngeorgenstadt/frame.htm; 23.02.2006, 21:20 Uhr.

[58] Vgl. Milbradt, Georg: Für eine demographische Politik. In: Milbradt, Georg/Meier, Johannes (Hrsg.): Die demographische Herausforderung – Sachsens Zukunft gestalten. Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2004. S. 9-12.

[59] Vgl. Gürtler, Martin: Demographischer Wandel – Herausforderung für die Kommunen – Auswirkungen auf Infrastruktur und Kommunalfinanzen. Taurus, Trier 2004, S. 3-5.

[60] Vgl. Gürtler, Martin (2004), S. 9-20.

[61] Anm. d. Verf.: Die Einnahmen aus dem kommunalen Finanzausgleich betragen über ein Drittel der Gesamteinnahmen.

[62] Vgl. Gürtler, Martin (2004), S. 26-28.

[63] Vgl. Mankiw, Gregory/Weil, David: The baby boom, the baby bust and the housing market. In: Regional Science and Urban Economics, Nr. 19, 1989, S. 235-258.

[64] Anm. d. Verf.: Je mehr Störche in einem Dorf leben, desto mehr Kinder werden dort geboren. Diese Beobachtung stimmt zwar, beweist aber nicht, dass der Storch die Kinder bringt. Die wirkliche Ursache dieses Phänomens liegt daran, dass einerseits in größeren Dörfern mehr Familien mit Kindern wohnen und andererseits mehr Nistmöglichkeiten für Störche gegeben sind.

[65] Vgl. Börsch-Supan, Axel/Ludwig, Alexander/Sommer, Matthias: Demographie und Kapitalmärkte – Die Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf Aktien-, Renten- und Immobilienvermögen. Deutsches Institut für Altersvorsorge, Köln 2003, S. 73-77.

[66] Vgl. Deutsche Bank Research (Hrsg.): Demografie lässt Immobilien wackeln. Aktuelle Themen Nr. 283, Frankfurt am Main 2003, S. 6.

[67] Vgl. Hintzsche, Burkhard: Kommunale Wohnungspolitik. In: Wollmann, Hellmut/Roth, Roland (Hrsg.): Kommunalpolitik. Politisches Handeln in den Gemeinden. Leske und Budrich, Opladen 1998, S. 808-810.

[68] Vgl. Naßmacher, Hiltrud/Naßmacher, Karl-Heinz: Kommunalpolitik in Deutschland. Leske und Budrich, Opladen 1999, S. 427.

[69] § 1 Nr. 2 WoFG.

[70] Vgl. §§ 1, 2, 3, 38 WoFG.

[71] Vgl. Egner, Björn/Georgakis, Nikolaos/Heinelt, Hubert/Bartholomäi, Reinhart C.: Wohnungspolitik in Deutschland – Positionen. Akteure. Instrumente. Schader Stiftung, Darmstadt 2004, S. 72.

[72] Vgl. Naßmacher, Hiltrud/Naßmacher, Karl-Heinz (1999), S. 424-425.

[73] Vgl. ebd., S. 427.

[74] Vgl. Heinze, Rolf G./Eichener, Volker/Naegele, Gerhard/Bucksteeg, Mathias/Schauerte, Martin: Neue Wohnung auch im Alter – Folgerungen aus dem demographischen Wandel für Wohnungspolitik und Wohnungswirtschaft. Schader Stiftung, Darmstadt 1997, S. 107.

[75] Anm. d. Verf.: Der Begriff der Barrierefreiheit wird unter 5.3.2 Barrierefreie/Angepasste Wohnung erläutert.

[76] Vgl. Hintzsche, Burkhard: Kommunale Wohnungspolitik. In: Wollmann, Hellmut/Roth, Roland (Hrsg.): Kommunalpolitik. Politisches Handeln in den Gemeinden. Leske und Budrich, Opladen 1998, S. 810-817.

[77] Vgl. Kremer-Preiß, Ursula/Stolarz, Holger (2003), S. 43-45.

[78] Vgl. Gürtler, Martin (2004), S. 35 ff.

[79] Vgl. Milbradt, Georg (2004), S. 11.

[80] Vgl. Gürtler, Martin (2004), S. 4.

[81] Vgl. Ragnitz, Michael: Demographischer Wandel in Sachsen: Implikationen für die Wirtschaftsförderung und den Infrastrukturaufbau. In: Milbradt, Georg/Meier, Johannes (Hrsg.): Die demographische Herausforderung – Sachsens Zukunft gestalten. Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2004. S. 55-57.

[82] Anm. d. Verf.: Zitate und Literaturangaben wurden nicht in die neue deutsche Rechtschreibung transferiert.

[83] Äsop, zitiert nach Prahl, Hans-Werner/Schröeter, Klaus R.: Soziologie des Alterns. Schöningh. Paderborn; München; Wien; Zürich 1996. S. 79-80.

Details

Seiten
125
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783668644687
ISBN (Buch)
9783668644694
Dateigröße
7.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v413380
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,0
Schlagworte
wohnformen gesellschaft wandel folgen

Autor

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Titel: Wohnformen für eine alternde Gesellschaft. Der demografische Wandel und seine Folgen