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Alexandria als Besonderheit unter den Städtegründungen Alexanders des Großen

Hausarbeit 2017 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Alexandria als Besonderheit unter den Städtegründungen Alexanders des Großen

II. Alexandria in Ägypten
1. Voraussetzung: Der Weg Alexanders des Großen nach Ägypten
2. Die Gründung Alexandrias
2.1. Berichte ausgewählter antiker Autoren über die Städtegründung
2.2. Mögliche Ziele und Motive des Gründers
3. Alexandria als Hauptstadt des Ptolemäerreiches
3.1. Topographie und Stadtbild
3.2. Bevölkerung Alexandrias
3.3. Die Stadt als Zentrum des Wissens und der Forschung in der Antike

III. Alexandrias Ruhm in der Gegenwart trotz unzureichender archäologischer Spuren

IV. Literaturverzeichnis

I. Alexandria als Besonderheit unter den Städtegründungen Alexanders des Großen

Das im Nildelta gelegene Alexandria ist schon allein wegen der berühmten Bibliothek und dem Leuchtturm, der zu den sieben Weltwundern der Antike zählt, den meisten Menschen ein Begriff. Die einstige Weltmetropole, die heute immer noch eine bedeutende Großstadt ist, unterscheidet sich aufgrund ihrer griechisch-römischen Vergangenheit von anderen ägyptischen Städten und ist so einzigartig.

Schon der Name der Ansiedlung weist auf ihre Ursprünge hin - Alexandria wurde von Alexander dem Großen gegründet. Der König der Makedonen ist dafür bekannt, dass er während seiner Feldzüge einige Städte gründete, deren tatsächliche Anzahl sich jedoch abhängig von der zu Rate gezogenen Quelle stark unterscheidet. Die Alexanderhistoriker erwähnen neun Städte, deren wohl bekannteste das Thema dieser Arbeit darstellt.

Die Städtegründungen sind ein Indiz dafür, dass es Alexanders Ziel war, die griechische Kultur auch außerhalb des Mutterlandes zu verbreiten. Es fällt auf, dass die Städte durchwegs für Ver- kehr und Handel vorteilhaft gelegen waren und der Gründer großes Interesse an ihrer positiven Entwicklung hatte. Sein Hauptaugenmerk lag wohl auf der Sicherung der eroberten Gebiete durch die Griechen, die zusammen mit Einheimischen die neu gegründeten Städte bewohnten.1

Während die meisten anderen Gründungen nach dem Tod Alexanders des Großen an Bedeutung verloren, ereilte Alexandria in Ägypten ein gegenteiliges Schicksal. Als Hauptstadt des Ptolemäerreiches, welches unter anderem durch die Reichtümer Ägyptens und die Fruchtbarkeit, die der Nil brachte, zum mächtigsten der drei Diadochenreiche geworden war, wurde die Stadt zu einer bedeutenden Handelsmetropole; sie wird stellenweise sogar als „größte und bedeutendste Stadt der hellenistischen Welt“2 bezeichnet.

Diese Proseminararbeit hat die Gründung Alexandrias und seinen Werdegang in der ptolemäi- schen Dynastie zum Gegenstand, wobei zunächst die Voraussetzungen für die Städtegründung und ausgewählte Quellen zur Gründungsgeschichte betrachtet werden sollen. Anschließend ist es das Ziel, eine Vorstellung der Stadt in den Jahren 331 v. Chr. bis 30 v. Chr. zu erhalten, wobei Informationen über das Stadtbild, die Bewohner und auch wichtige Einrichtungen be- hilflich sind.

II. Alexandria in Ägypten

1. Voraussetzung: Der Weg Alexanders des Großen nach Ägypten

Nach Dareios‘ Flucht und dem damit verbundenen Sieg in der Schlacht bei Issos 333 v. Chr. entschied sich Alexander gegen eine Verfolgung des Perserkönigs und stattdessen dafür die phönikischen Küstenstädte zu erobern3. Die strategisch wichtige Hafenstadt Tyros unterwarf sich ihm nicht freiwillig und so kam es zu einer Belagerung, die sieben Monate dauerte und am Ende erfolgreich war. Die Einnahme der Stadt war eine sehr schwierige und aufwendige Un- ternehmung, da es sich bei Tyros um eine Hafenstadt handelte, die schwer zu erobern war und da die Bevölkerung erbitterten Widerstand leistete, wofür sie von Alexander im Folgenden mit Härte und Gnadenlosigkeit bestraft wurde. Als dieser mit seinem Heer weiter Richtung Süden zog, zeigte sich die Festung Gaza, welche kurz vor der Grenze Ägyptens lag, ebenfalls nicht bereit, sich ihm zu unterwerfen. So kam es auch hier zur Belagerung und anschließend zur Eroberung, was, wie auch in Tyros, bewirkte, dass die Stadt in Alexanders Einflusssphäre ein- gegliedert wurde.

Es folgte der Einmarsch nach Ägypten, eine persische Satrapie, der strategisch wahrscheinlich nicht zwingend notwendig gewesen wäre4, wohl aber den Vorteil mit sich brachte, dass es dem Feldherrn dadurch möglich wurde, seinen geplanten Feldzug in den Osten durch die Kontrolle über dieses Land abzusichern5. Dies war Alexander wichtiger, als Dareios sogleich zu verfol- gen. Es könnten auch nicht-militärische Motive eine Rolle gespielt haben, wie beispielsweise der Wunsch, das Ammonorakel in der Oase Siwah zu besuchen, oder allgemein die Faszination, die von Ägypten wegen dessen Geschichte, Religion und Bauten, die schon bei den Menschen der damaligen Zeit große Bewunderung fanden6, ausging. Weiterhin ist auch von den Ressour- cen Ägyptens die Rede, die demjenigen, der das Land regierte, einige Vorteile und Annehm- lichkeiten einbringen konnten7. Bei seinem Einzug in Ägypten wurde Alexander der Große anders als in Tyros und Gaza als Befreier willkommen geheißen, was wahrscheinlich dadurch zu erklären ist, dass er die Kultur und den Glauben der Ägypter anerkannte, traditionelle Opfer brachte und sich in die Nachfolge der Pharaonen stellte8, indem er sich in Memphis zum Pharao krönen ließ. Danach zog er den Nil hinunter Richtung Küste und gründete 331 v. Chr. die im Nildelta gelegene Hafenstadt Alexandria, die als erste seiner zahlreichen Gründungen seinen Namen trug und dies auch heute noch tut.

2. Die Gründung Alexandrias

2.1. Berichte ausgewählter antiker Autoren über die Städtegründung

Bei diversen antiken Autoren können Details über die Gründung Alexandrias gefunden werden, darunter in Arrians Anabasis Alexandrou. Außerdem gibt es Erzählungen über die Gründung Alexandrias bei Plutarch9, Quintus Curtius Rufus10 und Diodor von Sizilien11. Arrian zählt zur historischen Überlieferung und gilt daher als besonders glaubwürdig, während die beiden letzt- genannten Autoren in der Vulgatatradition überliefern, daher sind ihre Darstellungen oft zu übertrieben und damit kritisch zu betrachten. Plutarch nimmt eine Art Zwischenstellung ein, da er Quellen aus beiden Bereichen verwendet. Außerdem ist hinzuzufügen, dass Alexandria wahrscheinlich nicht an einem unbebauten Platz errichtet wurde, sondern dort, wo sich schon vorher das Fischerdorf Rhakotis befand12, nach dem später ein Stadtteil benannt wurde.

Bei Arrian verließ Alexander der Große auf seinem Weg von Memphis in Richtung Meer das Schiff dort, wo sich heute Alexandria befindet, da ihm dieser Ort für die Errichtung einer Stadt geeignet erschien und gute Voraussetzungen für die Zukunft derselben mit sich brachte. Der Geschichtsschreiber spricht sogar von einem „Drang“13 Alexanders, sogleich mit dem Bau der Stadt zu beginnen. Auch die anderen Autoren gehen davon aus, dass es der Wunsch des Königs war, eine Stadt zu gründen. Die Wahl für den Platz fällt bei Plutarch aufgrund eines Traumes des Königs auf die Insel Pharos, was jedoch nicht realisiert werden konnte, da sich die Insel für Alexanders Pläne als zu klein erwies. Diese These unterstützt auch Quintus Curtius Rufus, der noch hinzufügt, dass Alexander nach diesem Rückschlag die gesamte Fläche zwischen dem Mareotischen See und dem Meer für seine Städtegründung in Besitz nahm. Diodor erwähnt das Vorhaben Alexanders, in Ägypten eine große Stadt an der Stelle, an der sich Alexandria befin- det, zu gründen und geht in besonderem Maße auf die hervorragende Eignung des Geländes als Platz für eine neue, aufstrebende Stadt ein, da ein Hafen vorhanden sei und weil aufgrund von Winden des Meeres eine permanent günstige Temperatur herrsche. Ein weiterer Vorteil sei es gewesen, dass Alexandria aufgrund seiner Lage vom Land aus nur über zwei Wege zugänglich war, die aber beide leicht versperrt werden konnten. Durch diese Aussage erfahren wir, dass Alexandria leicht zu verteidigen war.

Während Curtius Rufus und Plutarch lediglich davon berichten, dass Alexander einen Plan in Auftrag gegeben und seine Leute mit dem Befehl, die Stadt nach diesem zu erbauen, zurückge- lassen habe, erfahren wir von Arrian und Diodor offenbar von einer regen Beteiligung des Herr- schers am Planungsprozess der Stadt. So spricht Arrian davon, dass er die Stellen für den Markt- platz, die Stadtmauern und Heiligtümer festlegte, Diodor erzählt, dass er das Straßennetz ge- plant habe.

Arrian, Plutarch und Curtius Rufus beschreiben einer Anekdote, nach der Alexander nach makedonischem Brauch den Umriss der zukünftigen Stadtmauern für die Baumeister markieren wollte. Laut Curtius Rufus sei es ein makedonischer Brauch, die Mauern einer neuen Stadt mit Gerstengraupen zu kennzeichnen. Die Markierung Alexanders sei daraufhin von Vögeln gefressen worden, was zunächst als schlechtes Omen interpretiert wurde, dann aber von den Wahrsagern so umgedeutet wurde, dass die Stadt vielen Menschen aus unterschiedlichen Ländern Nahrung bringen werde. Es ist zu betonen, dass Arrian diese Geschichte zwar erzählt, jedoch sogleich hinzufügt, dass er sie nicht für wahr halte.

Nach Curtius Rufus vergrößerte sich die Stadt rasant, da Alexander den Bewohnern der umlie- genden Städte befahl, dorthin überzusiedeln. Diodor geht noch auf die Form der Stadt, die wohl einem traditionellen Mantel ähnelte und ihren Aufbau ein. Er spricht von einer prachtvollen und großen Allee, die sie in der Mitte teile und Gebäuden von außergewöhnlicher Schönheit. Er geht sogar so weit, die Stadt als erste zivilisierte Stadt zu bezeichnen und unterstreicht die enorme Bedeutung Alexandrias, das alle anderen Städte an Einwohnerzahl, Größe und Reich- tum übertroffen habe.

Die möglichen Motive für die Stadtgründung sollen in diesem Kapitel noch dahingestellt sein. Zusammenfassend kann man jedoch vermuten, dass der König durchaus das Ziel verfolgte, eine bedeutende Stadt zu errichten, die ihm im Vergleich zu seinen anderen Gründungen offenbar mehr am Herzen lag. Darüber, ob er wirklich so tief in die Planung integriert war, wie manche Geschichtsschreiber behaupten, können wir jedoch nur mutmaßen.

2.2. Mögliche Ziele und Motive des Gründers

Die antiken Autoren berichten von einem Drang Alexanders, in Ägypten eine Großstadt zu gründen, was die Frage aufwirft, welche Ziele er mit der Gründung Alexandrias verfolgte. Da- rauf geht Holger Sonnabend in seinem Aufsatz zur Gründung von Alexandria genauer ein14. Zuerst führt er militärische Gründe an, wie beispielsweise die schon eingangs erwähnte grund- sätzliche Absicht Alexanders, durch die Städte das in Besitz genommene Gebiet zu sichern und zu befrieden. Auffällig ist jedoch, dass Alexandria sich in seiner Anlage stark von anderen Städten, die teilweise nur den Charakter einer „Militärsiedlung“15 haben, unterscheidet, wohin- gegen diese neue Stadt detailliert geplant war und offensichtlich auch ein Anspruch des Grün- ders bestand, eine schöne Stadt entstehen zu lassen. So kann man davon ausgehen, dass der militärische Aspekt nicht der einzig ausschlaggebende für die Gründung Alexandrias war, ob- wohl natürlich eine Sicherung der Stadt durch Stadtmauern obligatorisch war.

Weiterhin werden wirtschaftliche Gründe genannt, die auch durch die Quellen zur Stadtgrün- dung bestätigt werden können. Arrian berichtet von Alexanders Wunsch, dass die Stadt in Zu- kunft reich sein solle16. Auch die günstigen geographischen Bedingungen und die Häfen Ale- xandrias als Voraussetzungen für Handel und Wirtschaft müssen Beachtung finden. An der tatsächlichen Relevanz dieses Gesichtspunktes bestehen allerdings Zweifel, da es im Nildelta bereits etablierte Handelsstandorte wie Kanopos gab, die Alexander auch für sich nutzen hätte können.

Auch bevölkerungspolitische Gründe mögen bei der Gründung Alexandrias eine Rolle gespielt haben. Das Bild des Alexanders, der Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander verbin- den will, ist bekannt und wird unter anderem durch die Massenhochzeit von Susa besonders deutlich17. Es erscheint jedoch als sehr unwahrscheinlich, dass er das friedliche Zusammenle- ben verschiedener Völker in Alexandria realisieren wollte und nur deswegen eine neue Stadt gründete, da die „kosmopolitische Zusammensetzung Alexandrias“18 erst unter den Ptolemäern wirklich erkennbar wurde.

[...]


1 Vgl WIEMER, Hans-Ulrich: Alexander der Große, München 2005, S. 174.

2 WIEMERr, S. 175.

3 Vgl. LAUFFER, Siegfried: Alexander der Große, München 1978, S. 81.

4 Vgl. BARCELÓ, Pedro: Alexander der Große, Darmstadt 2007, S. 127.

5 Vgl. LAUFFER 1978, S. 86.

6 Vgl. BARCELÓ 2007, S. 129.

7 Vgl. BARCELÓ 2007, S. 131.

8 Vgl. LAUFFER 1978, S. 87

9 Bíoi parálleloi.

10 Historiae Alexandri Magni.

11 Historica Bibliotheca.

12 Vgl. FRASER, Peter M.: Ptolemaic Alexandria, Oxford 1972, S. 5.

13 Arr. Anab. III,1,1.

14 Vgl. SONNABEND, Holger: Zur Gründung von Alexandria, in: OLSHAUSEN, Eckart/ SONNABEND, Holger: Stuttgarter Kolloquium zur Historischen Geogra-phie des Altertums, 3, Bonn 1991, S. 522-528.

15 SONNABEND in Olshausen/ Sonnabend 1991, S. 523.

16 Arr. Anab. III,1,5.

17 Vgl. LAUFFER 1978, S. 169f.

18 SONNABEND in Olshausen/ Sonnabend 1991, 525.

Details

Seiten
16
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668644724
ISBN (Buch)
9783668644731
Dateigröße
701 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v413307
Note
Schlagworte
alexandria besonderheit städtegründungen alexanders großen

Autor

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