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Inwiefern kann der "Chinese Pakistan Economic Corridor" dazu beitragen, die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu beeinflussen?

Kosten und Nutzen des CPEC für Pakistan

Hausarbeit 2018 14 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Politische Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Relevanz
1.2 CPEC und OBOR

2. Beschreibung von CPEC

3. Pakistanisch-chinesische Beziehungen

4. Kosten-Nutzen-Analyse des Projekts für Pakistan
4.1 Herausforderungen für Pakistan
4.2 Chancen für Pakistan

5. Diskussion der Forschungsfrage

6. Fazit/ Ausblick

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Karte von CPEC und seinen wichtigsten Projekten in Pakistan..

Abb.2: CPEC in Pakistan

1. Einleitung

1.1 Relevanz

„Long live China Pakistan Friendship!“ – Mit diesen Worten beschloss Chinas Premier Minister Li Keqiang seine Rede am 23. Mai 2013 vor dem pakistanischen Senat in Islamabad, in der er zuvor mit der Idee für einen ökonomischen Korridor zwischen beiden Ländern das größte bilaterale Wirtschaftsprojekt in der Geschichte der beteiligten Staaten angestoßen hatte (china.org.cn) (Sial 2014). Der Chinese Pakistan Economic Corridor (CPEC) - im April 2015 offiziell initiiert - soll die chinesische Stadt Kashgar in Chinas autonomer uighurischer Provinz im äußersten Westen seines Landes mit dem Hafen Gwadar in der südwestlich gelegenen Region Belutschistan in Pakistan verbinden (Tiezzi 2014). China möchte durch CPEC neben der Stärkung eines strategisch wichtigen und langjährigen Partners, die eigene Energieversorgung sichern und effizienter gestalten, in dem es plant, nach Fertigstellung des Projekts ein Großteil der Energielieferungen aus dem Nahen Osten auf diesem Weg zu importieren (Abid & Asfaq 2015 142ff.). China hat die geopolitisch wichtige Lage Pakistans als „Verbindungsstück“ zwischen den Ländern des Nahen Ostens mit ihren großen Energiereserven und ihrem eigenen Territorium erkannt und versucht mit Hilfe Pakistans eigene Ziele zu verfolgen. „ It [Pakistan] is situated at the juncture of energy proficient to the energy deficient countries.” (Hussain & Hussain 2017 S.3).

Die Vorteile, die China aus dieser Kooperation ziehen kann liegen klar auf der Hand, doch auch Pakistan erhofft sich durch die Intensivierung der Zusammenarbeit die eigene wirtschaftliche Lage zu verbessern. So wird erwartet, dass sich durch CPEC die Wirtschaftsleistung Pakistans um über 15% des Bruttoinlandsprodukts steigern wird (Abid & Asfaq 2015, S. 159), in dem eine effizientere Energieversorgung sowie bessere Möglichkeiten Handel zu treiben, geschaffen werden. Nicht selten wird hier im Zusammenhang mit diesem Projekt sogar von einem „Game Changer“ (Iqbal 2017) für Pakistans Wirtschaft gesprochen (Abid & Asfaq 2015 S. 148).

Während die politischen und militärischen Beziehungen beider Länder schon seit vielen Jahren relativ ausgeprägt sind (siehe Abschnitt 3), waren die wirtschaftlichen Verbindungen auch durch mangelnde Infrastruktur relativ begrenzt. Der CPEC hat das Potential, dies maßgeblich zu ändern (Akhtar 2014, S. 81) und kann so auch Auswirkungen auf alle Ebenen der bilateralen Beziehung haben. Aufgrund des überschaubaren Umfangs dieser Hausarbeit steht bei der Beantwortung der Forschungsfrage Pakistans Rolle bei den bilateralen Beziehungen im Mittelpunkt. Sie soll anhand einer historischen Darstellung der Partnerschaft sowie einer Kosten-Nutzen-Analyse für Pakistan diskutiert werden. Chinesische Motivationen und Erwartungen werden lediglich am Rande angesprochen.

1.2 CPEC und OBOR

Dieser Plan ist als „ flagship-project “ (Esteban 2016, S. 63) der chinesischen „One Belt, one Road“ Initiative (OBOR) (z.B.: Godehardt 2016) - oft auch „Belt and Road Initiaive“ (BRI) genannt (z.B.: Li 2015) - anzusehen, die sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, Länder und Regionen in Europa, Asien und Afrika mit einem Netz aus Handelswegen und integrierten Freihandelszonen, wirtschaftlich enger miteinander zu verbinden (siehe Abb. 1). Bestehend aus zwei Hauptverbindungsachsen, dem „Silk Road Economic Corridor“ auf der Eurasischen Landmasse und der „Maritime Silk Road“ zu Wasser, sollen Regionen mit insgesamt 63% der Weltbevölkerung mit 21% der globalen Wirtschaftsleistung abgedeckt werden (Abid & Ashfaq 2015 S. 144). Jedoch handelt es sich bei diesem Vorhaben nicht um ein in sich abgeschlossenes Projekt mit strikt vorgegeben Zielen. Der Term „OBOR“ fungiert vielmehr als Überbegriff, der bestehende und zukünftige Pläne der wirtschaftlichen Verzahnung des Eurasischen Kontinents und wichtiger maritimer Handelswege, die von China ausgehen, zusammenzufasst. CPEC soll als Basis für regionale Kooperationen dienen, die zu Wirtschaftswachstum und Handelsdiversifizierung zwischen den betroffenen Staaten maßgeblich beitragen sollen (Hussain & Hussain 2017 S.2). China erhofft sich durch die Implementierung dieses Plans neben höheren Exporten auch eine Diversifizierung der eigenen Energieimportoptionen (Ritzinger 2015). Zudem soll er die eigenen geopolitischen Ansprüche unterstützen (Markey & West 2017; Hussain & Hussain, S. 6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Chinas OBOR-Plan, Markey et al. 2016

2. Beschreibung von CPEC

Wie bereits in der Einleitung angesprochen, handelt es sich beim CPEC um ein von China und Pakistan gemeinsam initiiertes Infrastruktur- und Entwicklungsprojekt, um beide Länder verkehrstechnisch und damit auch ökonomisch effektiver miteinander zu verbinden. Die offizielle Initiierung dieses Projekts fand im April 2015 statt, als Chinas Premier Li Keqiang bei einem Besuch in Islamabad ein Investitionsprogramm in Pakistan mit einem Gesamtvolumen von 46 Mrd. US-Dollar, ausgelegt bis 2030, ankündigte (Markey & West 2016). Konkret geht es um eine Verbindung zwischen der chinesischen Stadt Kashgar, in der autonomen uighurischen Provinz im Westen des Landes und des Hafens von Gwadar in der südwestlichen pakistanischen Region Belutschistan (Hussain & Hussain 2017 S. 3; Sial 2014). Den CPEC sollte man dennoch nicht als starres Konstrukt ansehen, sondern vielmehr als Rahmenplan zur Verbesserung der regionalen Konnektivität, welcher neben der Schaffung von Verkehrswegen, auch die Intensivierung sozialer Kontakte zwischen den involvierten Gruppen als Ziel vorgibt. (cpec.gov.). Der circa 3000 km lange Korridor (Singh & Magray 2017, S.6; Ahmar 2014, S. 37) beinhaltet neben einem Aus- und Neubau von Straßen- und Schienenwege sowie dem Bau einer Pipeline und einem Glasfaserkabel-Netzwerk, weitere lokale Projekte in Pakistan wie dem Bau von Kraftwerken und Sonderwirtschaftszonen (SEZ). Bei diesem „Economic Corridor“ steht anders als bei einem Transitkorridor die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Regionen, durch die er verläuft, im Mittelpunkt (Esteban 2016, S. 69).

Der Zeitplan zur Verwirklichung ist in drei Abschnitte unterteilt. Die erste Phase, der „Early-Harvest“ Projekte soll bereits 2018 abgeschlossen werden. „Short-Term“ und „Middle-Term“ Projekte sollen bis 2020 und 2025 fertig gestellt werden (Ministry of Finance).

Der Bau von Straßenverbindungen ist ein zentraler Bestandteil des CPEC Projekts. Diese sind aufgeteilt in eine westliche-, östliche-, und zentrale Route, welche alle in Gwadar und Kashgar ihre Endpunkte haben. Diese verlaufen parallel durch Pakistan und nutzen Teilweise dieselben Verbindungen. Den nördlichen Teil aller Stränge bildet der schon bestehende Karakorum Highway, welcher am Khunjerab-Pass im Pamir Gebirge die Grenze beider Länder überwindet und anschließend nach Kashgar führt. Durch die Aufteilung in Stränge soll der wirtschaftliche und infrastrukturelle Anschluss möglichst vieler Regionen Pakistans ermöglicht werden. Die Gesamtkosten für die Verwirklichung der Infrastruktur sollen ca. 12 Mrd. US-Dollar betragen (Shoukat et al. 2015, S. 2). Neben diesen physischen Verbindungen sollen ebenfalls 27 Sonderwirtschaftszonen entstehen, um wirtschaftliche Kooperationen mit chinesischen Firmen zu fördern (Esteban 2016, S.70f.).

Ein weiterer wichtiger Bestandteil dieses Projekts ist, wie bereits angedeutet, die Sicherstellung der lokalen Energieversorgung, was durch den Bau von Kraftwerken unterschiedlicher Art gewährleistet werden soll. Geplant sind laut aktuellem Pakistan Economic Survey (Ministry of Finance) insgesamt 22 Bauvorhaben mit erwarteten Gesamtkosten von ca. 34 Mrd. US-Dollar (Shoukat et al. 2015, S. 2).

Das „Kronjuwel“ (Rakisits 2015, S.68) und Endstück in Pakistan des CPEC Plans und bildet der Ausbau des schon mehrfach erwähnten Hafens in Gwadar, welcher seit 2013 unter chinesischer Kontrolle steht (Sial 2014). Neben der Errichtung von diversen Bauwerken, welche für den Hafenbetrieb nötig sind, ist ebenfalls die Implementierung einer Freihandelszone sowie der Bau eines internationalen Flughafens vorgesehen (cpec.gov).

Durch seine geographische Lage an der Straße von Hormuz, durch die 45% der weltweiten Öllieferungen transportiert werden, soll der Hafen Chinas und Pakistans Ziel der Diversifizierung und Sicherung von Energieimporten aus dem Nahen Osten ermöglichen. Für Chinas gesamtes „OBOR“ oder „BRI“ Projekt, nimmt er ebenfalls eine Schlüsselrolle ein, da hier die beiden Stränge des Projekts, die „Maritime Silk Road“ sowie der „Silk Road Economic Corridor“ miteinander verbunden werden (Esteban 2016 S. 67). Da der Hafen ebenfalls die Möglichkeit bietet, militärisch genutzt zu werden, ermöglicht er China sich in dieser geopolitisch wichtigen Region gut zu positionieren (Ritzinger 2015; Abid & Asfaq 2015, S. 144).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Karte von CPEC und seinen wichtigsten Projekten in Pakistan (Markey et al. 2016)

3. Pakistanisch-chinesische Beziehungen

Die pakistanischen-chinesisch bilateralen Beziehungen reichen bereits bis ins Jahr 1951 zurück, als beide Länder begannen, diplomatische Beziehungen aufzubauen. Anfang der 1960er Jahre brachten die aufkommende chinesisch-indische Feindschaft in Kombination mit der Unzufriedenheit Pakistans hinsichtlich des Verhaltens seiner Alliierten, insbesondere den USA, die beiden Länder näher zusammen. In Folge dessen fand man 1963 zu einer Einigung über die gemeinsamen Grenzziehungen, die als Basis für die sich bis heute weiter intensivierenden politischen Beziehungen gilt. Der Konflikt mit Indien um die Kaschmir-Region 1965, bei der Pakistan für ihre Ansprüche zu wenig militärische Unterstützung von seinen West-Alliierten bekam, war der Anreiz sich auch im Anbetracht einer militärischen Partnerschaft stärker China zuzuwenden (Akhtar 2014, S.69ff.).

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Details

Seiten
14
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668643192
ISBN (Buch)
9783668643208
Dateigröße
853 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v412876
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für geographische Wissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
CPEC Pakistan Bilaterale Beziehungen OBOR China Globalisierung

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