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Privatsphäre und die gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse. Der Wert des Privaten und die feministische Kritik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 12 Seiten

Kulturwissenschaften - Empirische Kulturwissenschaften

Leseprobe

Inhalt

A. Einleitung

B. Annäherung an die feministische Theorie

C. Der Wert des Privaten

D. Hierarchische Geschlechterverhältnisse

E. Die Feministische Theorie und der Wert

F. Fazit

G. Bibliographie

A. Einleitung

»Der Mann als Herrscher versagt der Frau die Ehre, sie zu individuieren. Die einzelne ist gesellschaftlich Beispiel der Gattung, Vertreterin ihrer Geschlechts und darum, als von der männlichen Logik ganz Erfaßte, steht sie für Natur, das Substratum nie endender Subsumption in der Idee, nie endender Unterwerfung in der Wirklichkeit. Das Weib als vorgebliches Naturwesen ist Produkt der Geschichte, die es denaturiert«[1]

Die gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse gestalten sich als ein Themenkomplex, welcher sich in der wissenschaftlichen Betrachtung über alle Bereiche der Geisteswissenschaft erstreckt: Soziale, kulturelle, psychologische, politische und auch materielle Faktoren determinieren die historische Genese, den gegenwärtigen Zustand sowie die möglichen Entwicklungen der Geschlechterverhältnisse. Im Bereich der Privatsphäre, im Sinne einer lokalen Privatheit, die sich insbesondere auf die Sphäre der Familie bezieht, ist ein Spannungsverhältnis zwischen dieser konzipierten Privatheit und der für beide Geschlechter differente Realität dieses geschützten Rückzugsorts zu attestieren. Die vorliegende Ausarbeitung steht daher im Zeichen, eine möglichst facettenreiche Anschauung zu erbringen. Insbesondere soll dabei der normative gesellschaftliche Diskurs dargestellt und die ihm einhergehenden sozial-kulturellen sowie materiellen Implikationen veranschaulicht werden. Die Deskription der feministischen Theorie soll als Ausgangspunkt dienen, um die Problematik der hierarchischen Geschlechterverhältnisse darstellen zu können und daraus abgeleitet das Spannungsverhältnis zwischen diesen und der liberalen Konzeption der lokalen Privatheit veranschaulichen.

Anhand des Essays von Virginia Woolf »Ein Zimmer für sich allein« soll die Entwicklung der Geschlechterverhältnisse in der Vormoderne und Moderne veranschaulicht und eine Annäherung an die feministische Theorie erbracht werden. Mittels der Betrachtung der Konzeption der lokalen Privatheit von Beate Rössler soll das skizzierte Spannungsverhältnis weiter ausgearbeitet und ferner die zu kurz gefasste liberale Darstellung der Problematik veranschaulicht werden. Die hierarchischen Geschlechterverhältnisse werden im Einklang damit im Weiteren auf der Grundlage von Martha Nussbaum und Marilyn Strathern porträtiert. Schlussendlich soll anhand von Roswitha Scholz und der von ihr vertretenen These der »Wert-Abspaltung« ein theoretisches Gerüst zugrunde gelegt werden, welches die sozialen, kulturellen, psychologischen und materiellen Aspekte der Thematik aufgreifen kann.

B. Annäherung an die feministische Theorie

In dem vorliegenden Kapitel soll anhand des Essays »Ein Zimmer für sich allein« von Virginia Woolf eine Hinführung zur feministischen Theorie erbracht und damit verbunden skizzenhaft die Historie der hierarchischen Geschlechterverhältnisse dargestellt werden. Ebenso soll die Aktualität des Werks anhand von Bezügen zu zeitgenössischen gesellschaftlichen Phänomenen aufgezeigt werden.

Virginia Woolf: Ein Zimmer für sich allein

Das Essay »Ein Zimmer für sich allein« basiert auf Vorträgen, die Woolf am Newham und Girton College der Universität Cambridge gehalten hat, welche beide ausschließlich für Frauen eigerichtet wurden. Das Werk kann als skizzenhafte Hinleitung zur Thematik der Autonomie und Privatheit in der feministischen Theorie betrachtet werden. Anhand der Anschauung und Analyse der gesellschaftlichen Ungleichheit der Geschlechter in der Mitte des 20. Jahrhunderts sowie der historischen Betrachtung der Entwicklung dieser ergibt sich ein klareres Bild der zeitgenössischen Problematik der hierarchischen Geschlechterverhältnisse. Woolf versucht hierbei die augenscheinlichen Missstände der Geschlechterverhältnisse aufzuzeigen und einhergehend damit diese gesellschaftlich präsent zu machen. Ihre Ausarbeitung entstand ohne das Gedankenfundament einer feministischen Theorie, basiert daher auf der reinen Beobachtung sowie der Einordnung gesellschaftlicher Phänomene. Die Prägung hierarchischer Geschlechterverhältnisse durch den normativen gesellschaftlichen Diskurs kann anhand Woolfs Betrachtung des Wandels bzw. der partiellen Emanzipation der Frau im Bereich der Literatur veranschaulicht werden und kann somit für das Verständnis des zeitgenössischen Diskurses förderlich sein. Von Interesse ist hierbei ferner, dass diese in mancher Hinsicht erlangte Emanzipation weniger direkt von gesellschaftlichen Diskurs ausgegangen ist, sondern viel mehr von sich verändernden ökonomischen Verhältnissen geprägt wurde.[2]

Die Idee des Zimmers für sich allein, ein Rückzugsraum, in welchem ohne Störungen jeglicher Art den eigenen Gedanken nachgegangen werden kann, wird von Woolf stetig aufgegriffen und mit weiterem Inhalt angereichert:[3] Der Ort der Privatheit, der noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts keiner Frau zugestanden wurde. In dieser Betrachtung kommt der Rückzugsort der Familie eine negative Bedeutung zu, da zu dieser Zeit die Familie noch viel weniger, als dies heute der Fall ist, einen privaten Rückzugsort für Frauen darstellte. Anknüpfend an die moderne Kognitions- und Sprachforschung legt bereits Woolf die Bedeutung des gesellschaftlichen Werte-Diskurses dar:[4] Wahrnehmung der Welt sowie der individuellen Entscheidungen sind nicht allein durch Fakten geprägt, sondern ebenso durch den sprachlichen Deutungsrahmen, in dem sie vermittelt werden.[5] Die gesellschaftlichen Werte und Normen des 18. bis zum 21. Jahrhundert sind mehrheitlich männliche Werte.[6] Sie haben Deutungshoheit, prägen bewusst-unbewusst die Wahrnehmung der Welt, das Abweichen von ihnen wird indes direkt negativ betrachtet und mit Repressionen sanktioniert.[7] Die ökonomische Abhängigkeit der Frau von ihrem Vater oder Ehemann war absolut und lies, neben der generellen Stilisierung der Frau als dem Mann unterlegenen, eine faktische Unterlegenheit und Abhängigkeit entstehen.[8] Die voranschreitende Industrialisierung bzw. der sich in allen Bereichen und in allen Regionen ausdehnende Kapitalismus sowie die mit dieser /diesem einhergehenden Wandel der Erwerbsstruktur bedingte eine partielle Aufweichung des verhärteten Geschlechterverhältnisses. Dies ist gleichzusetzen mit der heute steigenden Bereitschaft der weiblichen Erwirtschaftung des Haupteinkommens und des männlichen Ausübens der Reproduktionstätigkeit: Auch hierbei liegt der kapitalistische Druck sowie ein ökonomischer Pragmatismus zugrunde.[9]

C. Der Wert des Privaten

Anhand der von Rössler aufgebauten Theorie des Wertes des Privaten soll im folgenden Kapitel die Problematik der Ungleichheit der Geschlechter in Bezug auf die Konzeption der lokalen Privatheit aufgezeigt werden sowie eine erste Kritik der liberalen Konzeption des Privaten mit Hinblick auf diese Ungleichheit erfolgen.

Liberale Konzeption des Privaten

In ihrem Werk »Der Wert des Privaten« begründet Rössler eine normative Idee des Privaten, der Schutz des Privaten wird in dieser funktional auf die Möglichkeit des Lebens eines autonomen Lebens bezogen. Hierbei etabliert sie verschiedene Sphären des Privaten: die dezisionale Privatheit individueller Lebensweisen, die informationelle Privatheit als Kontrolle über das Wissen, das andere von der eigenen Person haben sowie die lokale Privatheit geschützter Räume. Von Interesse ist im Kontext dieser Ausarbeitung das Spannungsverhältnis zwischen der konzipierten dritten Sphäre und den vorherrschenden hierarchischen Geschlechterverhältnissen moderner Gesellschaften. Generell ist sowohl ihre Konzeption von Privatheit und Autonomie als auch ihre Konzeption des Feminismus bzw. die Darstellung der feministischen Kritik liberal-demokratisch einzuordnen. Rössler bietet lediglich einen kurzen Überblick der feministischen Theorien der Privatheit sowie der feministischen Kritik an liberalen Privatheitstheorien, ohne diese vollständig einzuordnen. Im Zentrum ihrer Ausarbeitung stehen insbesondere Begriffsanalysen- und -definitionen.

Rössler benennt die Ungleichheit der Geschlechter und stellt diese in ein Verhältnis zur liberalen Theorie der Privatheit. Das gesellschaftliche Leben in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft wird in eine vorpolitische und eine politische Sphäre getrennt: Stilisierung des häuslichen Bereichs als der Bereich der Privatheit und Sicherheit, welcher im Unterschied zur Öffentlichkeit steht, welche von der Konkurrenz, dem Gewinnstreben und der Politik beherrscht wird.[10] Der Bereich des Privaten wird dem der Öffentlichkeit untergeordnet und ebenso in einer Kategorisierung als der Bereich des Weiblichen angesehen: Reproduktionsarbeit anstatt einer Partizipation im Öffentlichen.[11] Der Bereich des Hauses wird dem Privaten gelichgesetzt und ist jedoch gleichzeitig von Repressionen und gesellschaftlichen Macht- und Dominanzstrukturen geprägt. » […]: ein Recht auf Privatheit als ein Recht, in Ruhe gelassen zu werden, als ein Recht auf den Schutz der Persönlichkeit ist geschlechterspezifisch offenbar so kodiert, dass in Konfliktfällen Männern ungleich großzügiger ein Schutz des Privaten zugestanden wird als Frauen.«[12]

Generell scheint die Problematik der dargestellten liberalen Theorie im Postulat der Gleichheit aller Menschen und der Sicherung gleicher subjektiver Freiheitsrechte, bei gleichzeitiger Beschränkung dieser Rechte auf Männer, zu liegen. (FN Kapitel zu liberalen Theorien) Rösslers Konzeption sieht eine Bewahrung des liberalen Kerns der Privatheit vor, ohne dessen geschlechterhierarchische Konnotation zu erhalten. Rössler fasst die »Gleichheit der Geschlechter« als eine Gleichheit der Rechte und Freiheiten auf,[13] folglich wird lediglich eine liberal-rechtliche Ebene betrachtet. Die Aufhebung der in dieser immanenten geschlechterspezifischen Ungleichheit, somit die Schaffung gleicher Freiheiten bzw. Freiheitsräume, soll durch eine Neuinterpretation des liberalen Privatheitsbegriffs erreicht werden. Bereiche, die für das Leben individueller Autonomie unabdingbar scheinen, sollen mit dem Privaten geschützt werden. Der Ort der Privatheit bzw. des Privaten ist jedoch nach der liberalen Theorie das Häusliche, in welchem hierarchische Geschlechterverhältnisse herrschen und dieser somit für Frauen nicht als ein geschützter Bereich anzusehen ist.

D. Hierarchische Geschlechterverhältnisse

Die Problematik der Ungleichheit der Geschlechter sowie das damit einhergehende Spannungsverhältnis zwischen dieser und der liberalen Konzeption der lokalen Privatheit in Gestalt der Familie erscheint vielschichtiger, als die bisherige Betrachtung es darzustellen vermochte. Daher soll im nachfolgenden Kapitel eine facettenreichere Erörterung der gesellschaftlichen Sphäre der Thematik erbracht werden.

Die sozial-kulturelle Sphäre

Die staatliche Distribution bzw. das Ziel von politischer Planung liegt in der Schaffung von Voraussetzungen, die es dem Menschen ermöglicht, ein gutes Leben zu wählen und zu führen. Die distributive Aufgabe ist nicht lediglich auf die ökonomische Sphäre bezogen, sondern soll den Menschen befähigen, bestimmte menschliche Tätigkeiten auszuführen. Nach Aristoteles zielt die distributive Konzeption auf die Schaffung von Umständen, die es den Menschen ermöglichen, ein tugendhaftes Leben zu wählen.[14] Ergo sollten sich die distributiven Aufgaben des Staates an alle Staatssubjekte gleichermaßen, ungeachtet ihres Geschlechts oder anderer Unterscheidungsmerkmale, richten. Wie bereits im Vorfeld angesprochen, ist insbesondere der normative gesellschaftliche Diskurs prägend für die faktische soziale Stellung sowie für die gedankliche Anschauung der Geschlechter. Abwertung und Stigmatisierung des Weiblichen sind jedoch hierbei erkennbar. Gefühle und gefühlsbetonte Entscheidungen werden stereotyp dem Weiblichen zugeschrieben und zudem negativ konnotiert. Diese Stilisierung stellt ein Mittel dar, Frauen die vollwertige bzw. gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft vorzuenthalten. Ebenso wird mittels dieser eine als negativ zu betrachtende männliche Erziehung, die sich als Abkehr von weiblichen emozionsbeeinflussten Handlungen versteht, gerechtfertigten.[15] Das »System der Zweigeschlechtlichkeit« entstand erst im Laufe des 18. Jahrhunderts. Die Zuschreibung von geschlechtsspezifischen Eigenschaften, Werten und Tätigkeitsfeldern ist nicht als überhistorische Gegebenheit zu betrachten, sondern als eine Entwicklung vom »Ein-Geschlecht-Modells«, welches das Weibliche als eine andere Variante des Männlichen betrachtet. Die vormoderne Vorrangstellung des Männlichen war symbolischer Natur: »Frauen wurden noch nicht ausschließlich als Hausfrau und Mutter definiert, wie dies ab dem 18. Jahrhundert komplementär zu den Zuschreibungen der Männer der Fall war, die nun für die neu herausgebildete hypertrophe Form von Öffentlichkeit zuständig sein sollte.«[16] Allgemein ist eine Gleichsetzung der Begriffe der Familie, des Familienlebens und dem Bereich des Hauses bzw. des Haushalts festzuhalten. Dem Mann wird in einer von »klassischen« hierarchischen Geschlechterverhältnissen geprägten Familie ein gewisser Grad der Autonomie zuteil, welcher aus seiner Ausübung der Erwerbstätigkeit resultiert.[17] Das männliche Leben ist, im Unterschied zu dem der Frau, nicht rein auf die Familie fokussiert, sondern entfaltet sich im Bereich des Öffentlichen.

»They are enchantresses who snare men, or piant beings begging for mastery. It is these attributes that become symbols by which the nature of womankind is described.«[18] Die stereotype Rollenverteilung in einer Familie teilt sich in abhängiges und ein unabhängiges Familienmitglied. Dem Mann wird die unabhängige Rolle zu eigen, der einhergehend damit den ökonomischen Bereich abdeckt und so die Familie versorgt. Wohingegen der Frau eine abhängige Rolle als Hausfrau zugeschrieben wird, welche von ökonomischer Abhängigkeit und der Ausübung der Reproduktionstätigkeiten bestimmt ist. Diese stereotype Darstellung konstituiert sich aus dem normativen gesellschaftlichen Diskurs.[19] Begrifflich wird die Familie mit einem privaten Bereich abseits der Gesellschaft gleichgesetzt, die Frau wird einhergehend damit ebenso die Teilhabe an dem Bereich des öffentlichen Lebens entzogen. Der Rationalitätsbegriff des ökonomischen Utilitarismus etabliert einen Gegensatz zwischen der Vernunft und den Gefühlen: Dem Weiblichen wird die Fähigkeit des rationalen Denkens abgesprochen. Einhergehend damit wird die Unfähigkeit verschiedene gesellschaftliche Tätigkeiten auszuüben, die Rationalität erfordern würden, attestiert.[20] Im Umkehrschluss wird die gefühlsbetonte weibliche »Natur« instrumentalisiert, um Frauen als für die Ausübung der Reproduktionstätigkeit sowie Versorgung des (Ehe-) Mannes besonders befähigt darzustellen.[21] Gefühle sind als soziale Konstrukte zu denken, die über die Erziehung sowie normative gesellschaftliche Diskurse konstruiert und erlernt werden.[22] »So wird die Frage der Gefühle zu einem Teil der allgemeinen Frage nach den menschlichen Fähigkeiten und der menschlichen Lebensgestaltung. Denn wenn man fragt welche Gefühle gut sind und welche Gefühle zu einem wirklich rationalen Urteil gehören, fragt man eigentlich, welche Formen der Abhängigkeit und der Bindung an beständige Dinge außerhalb unserer selbst für ein menschliches Leben gut sind.«[23]

Die »Ungleichheit der Geschlechter« ist sowohl gesellschaftlich als auch psychologisch fest verwurzelt, ihre Implikationen kommen direkt oder indirekt zum Ausdruck, sie gestalten sich als eine gesellschaftliche Norm, die bewusst und unbewusst von der Gesellschaft getragen und reproduziert wird. Die Geschlechtergleichheit und die Familie sind als ein Spannungsfeld in der liberalen Theorie festzuhalten: Auf der einen Seite wird die Familie als der Bereich angesehen, in dem Privatheit herrscht, die Möglichkeit zur Entfaltung der personalen Autonomie gegeben ist und in diesem die Möglichkeit des Strebens nach der eigenen Konzeption des guten Lebens postuliert wird. Auf der anderen Seite ist die Wahlmöglichkeit der eigenen Familie begrenzt, ist die Familie bzw. das Private Ort von hierarchischen Geschlechterverhältnissen und Negation gleicher Entfaltungsmöglichkeiten geprägt.[24] Trotz der liberalen Grundsätze der Gleichheit und Freiheit aller Menschen, der Chancengleichheit und der Selbstachtung wird der Bereich der Familie, in welchem diese Grundsätze in der Regel Frauen nicht zuteilwerden, von rechtlichen Eingriffen ausgenommen, da die Familie als der Bereich des Privaten von staatlicher Intervention ausgenommen ist.[25] Der Schutz der Privatheit verkommt zu einem Schutz der männlichen Privatheit.

Die Konzeption des Menschen und des guten menschlichen Lebens soll als Ausgangspunkt für eine feministische Betrachtung sowie als Ausbruch aus diesen bestehenden Verhältnissen fungieren.[26] »Ich vertrete eine offene universalistische und »essentialistische« Konzeption. Diese Konzeption fordert uns auf, unser Augenmerk auf die Gemeinsamkeiten und nicht auf die Unterschiede zu richten […] und einige Fähigkeiten und Tätigkeiten als wichtiger und zentraler für das menschliche Leben anzunehmen als andere.«[27]

E. Die Feministische Theorie und der Wert

Die bisherige Darstellung der Problematik sowie die damit einhergehenden Ansätze einer Aufhebung dieser hat versucht, die Vielschichtigkeit der Thematik der hierarchischen Geschlechterverhältnisse zu porträtieren. Im Folgenden soll darauf aufbauend ein theoretisches Gerüst zugrunde gelegt werden, welches zum einen die kulturelle, die soziale, die psychologische und auch die materielle Ebene der Thematik darstellen kann und auf diesem aufbauend neue Perspektiven eröffnen soll. Im Zentrum der Betrachtung steht hierbei »Das Geschlecht des Kapitalismus« von Roswitha Scholz.

Wert, »Wert-Abspaltung« und die hierarchischen Geschlechterverhältnisse

[...]


[1] Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften, Bd. 5: »Dialektik der Aufklärung« und Schriften 1940 – 1950, Frankfurt a. M.1987, S.135.

[2] Vgl. Woolf, Virginia: Ein Zimmer für sich allein, Berlin 1978, S. 59.

[3] Vgl. ebd., S. 48 und S. 85.

[4] Vgl. Wehling, Elisabeth: It’s a man’s world. Beim Thema Sexismus verschlägt es den Deutschen die Sprache, in: konkret 6/16, 2016, S. 45f.

[5] Ebd., S. 45.

[6] Vgl. Woolf, S 36.

[7] Vgl. Woolf, S. 66.

[8] Vgl. ebd., S. 98.

[9] Vgl. Henning, Fabian: Gebärfreudig und hetero. Das konservative Frauenbild kommt wieder in Mode, in: Jungle World, URL: [http://jungle-world.com/artikel/2016/51/55429.html] (26.04.2017).

[10] Rössler, Beate: Der Wert des Privaten, Frankfurt a.M. 2001, S. 42.

[11] Ebd., S. 42.

[12] Ebd., S. 79.

[13] Vgl. ebd., S. 77.

[14] Nussbaum, Martha: Gerechtigkeit oder das gute Leben, Frankfurt a.M. 1999, S. 88.

[15] Vgl. ebd., S. 132.

[16] Scholz, Roswitha: Das Geschlecht des Kapitalismus. Feministische Theorien und die postmoderne Metamorphose des Patriachats, Bonn 2000, S. 118.

[17] Vgl. Strathern, Marilyn: Before and after Gender. Sexual mythologies of everyday life, Chicago 2016, S. 84.

[18] Ebd., S. 65.

[19] Vgl.Strathern, S. 69.

[20] Vgl. Nussbaum, Gerechtigkeit, S. 134.

[21] Vgl. ebd., S. 135.

[22] Vgl. Nussbaum, Gerechtigkeit, S. 166.

[23] Ebd., S. 174.

[24] Vgl. Nussbaum, Martha: The Future of Feminist Liberalism, in: Proceedings and Addresses of the American Philosophical Association Band 74 Nr. 2, 2000, S. 59.

[25] Vgl Nussbaum, The Future, S. 59.

[26] Vgl. Nussbaum, Gerechtigkeit, S. 177.

[27] Ebd., S. 178.

Details

Seiten
12
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668642058
ISBN (Buch)
9783668642065
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v412768
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Philosophisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Privatsphäre Geschlechterverhältnisse Feminismus Virginia Woolf Beate Rössler Roswitha Scholz

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Titel: Privatsphäre und die gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse. Der Wert des Privaten und die feministische Kritik