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Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit Flüchtlingen im Jugendalter in Deutschland

Hausarbeit 2017 21 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
2.1 Flucht
2.2 Jugendliche auf der Flucht
2.3 Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
2.4 Herausforderungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
2.4.1 Psychische Belas1tungen
2.4.2 Arbeit
2.4.3 Schule

3. Konzept lebensweltorientierte Soziale Arbeit
3.1 Alltag/Lebenswelt
3.2 Rekonstruktion der Lebenswelt
3.3 Strukturmaximen einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit
3.4 Kritik

4. Soziale Arbeit mit Flüchtlingen im Jugendalter
4.1 Aspekte des rechtlichen Umgangs mit minderjährigen Flüchtlingen
4.2 Unterbringung von Flüchtlingen
4.2.1 Erstversorgungseinrichtungen
4.2.2 Pflegefamilien
4.2.3 Adoption
4.2.4 Weitere Unterbringungsmöglichkeiten
4.3 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit minderjährigen Jugendlichen

5. Fazit Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit Flüchtlingen im Jugendalter

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im vergangenen Jahr verzeichnete Deutschland die höchste Zuwanderung seit der Wiedervereinigung: Die Asylerstantragszahl stieg im Vergleich zum Vorjahr um 155 Prozent auf 442.000 (vgl. Dimroth, 2016). Doch wie kann Deutschland den starken Zuwachs integrieren? Für SozialarbeiterInnen ergibt sich daraus ein Arbeitsfeld, welches noch nie von so großer Bedeutung war: Die Integrationsarbeit mit den Geflüchteten. Unter den Asylsuchenden gibt es dabei eine Gruppe, die für die Soziale Arbeit von besonderer Bedeutung ist, denn die Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge fällt unter das Kinder- und Jugendhilfegesetz. Demnach ist das Jugendamt gesetzlich verpflichtet sich um die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zu kümmern. Eine wichtige Rolle im Umgang mit dieser Gruppe könnte die Lebensweltorientierung spielen, denn dieser Ansatz bezieht sich direkt auf die Herausforderungen, denen sich die Klienten im Alltag stellen müssen. Im Fall der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge würde sie sich direkt an ihrer neuen Lebenswelt orientieren und ihnen helfen ihren Alltag zu meistern. Die Arbeit soll zeigen, warum das Konzept der Lebensweltorientierung, mit dem besonderen Blick auf Flüchtlinge im Jugendalter in Deutschland, eine so wichtige Rolle spielt. So geht es um die Frage, wo das Konzept der Lebensweltorientierung bei den Jugendlichen ansetzen kann. Die Problemstellung lautet: Lebensweltorientierte Soziale Arbeit mit unbegleiteten Flüchtlingen im Jugendalter in Deutschland. Dazu werden zunächst die Gründe und Ursachen für eine Flucht erläutert unter besonderer Berücksichtigung von Jugendlichen auf der Flucht. Anschließend wird der Begriff unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) definiert, sowie der Bezug zur Sozialen Arbeit hergestellt, im Hinblick auf die Herausforderungen denen (minderjährige) Flüchtlinge begegnen können, Herausforderungen wie z.B. der Zugang zu Bildung oder die Verarbeitung der Fluchtgeschichte. Als wichtiges Konzept der Sozialen Arbeit für die Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, denen sich derartige Herausforderungen stellen, soll dann das Konzept der Lebensweltorientierung diskutiert werden. Das Konzept wird deshalb zunächst erläutert und anschließend in Verbindung mit Flüchtlingen im Jugendalter gebracht. Dabei geht es um die Aspekte des rechtlichen Umgangs mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, beziehungsweise welche Möglichkeiten die Soziale Arbeit hat, sie zu unterstützen und unterzubringen. Die Verbindung der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit mit Flüchtlingen im Jugendalter spiegelt den Hauptaspekt dieser Arbeit wider und wird im Fazit noch einmal aufgegriffen. Ziel ist es, die Möglichkeiten durch Lebensweltorientierung aufzuzeigen und klarzustellen wie wichtig dieses Konzept in der Arbeit mit minderjährigen Flüchtlingen ist.

2. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Um die Situation beziehungsweise Lebenswelt von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen besser zu verstehen, werden im Folgenden einige Hintergrundinformationen zur Vorgeschichte (Flucht) und der aktuellen Situation gegeben (aktuelle Herausforderungen und Unterstützungsmöglichkeiten durch die Soziale Arbeit).

2.1 Flucht

Die Frage, die sich zu Beginn stellt, ist was Menschen dazu bewegt aus ihren Ländern zu fliehen und in fremden Ländern Asyl zu suchen. Die Menschen sind bereit ihren Besitz in der Heimat zu verlassen und sich auf weite und gefährliche Reisen zu begeben. Um dies zu klären, benötigt man zunächst die häufigsten Herkunftsländer. Die folgende Statistik von Eurostat zeigt, dass mehr als die Hälfte aller unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge innerhalb der EU aus Afghanistan stammen. Dahinter folgen Syrien (16 Prozent) und Eritrea (6 Prozent).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Eurostat, 2016)

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist nach wie vor kritisch und viele Menschen sehen dies als Grund zu fliehen. Auch in Syrien steht die Zivilbevölkerung zwischen mehreren Fronten massiv unter Beschuss. Eritrea werden starke Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Viele Menschen fliehen vor der Militärdiktatur um nicht ins Militär eingezogen zu werden. Die Vereinten Nationen bestätigen willkürliche Tötungen, Folter und Verhaftungen, sowie verschwundene Menschen. Außerdem ist das Land gegen Meinungs-, Religions- und Versammlungsfreiheit. Aber auch andere Krisen, die mit Krieg korrelieren, können Fluchtursachen sein, wie z.B. hohe Arbeitslosigkeit , Armut und Hunger (vgl. Gödecke, 2015). Die Fluchtursachen können sehr unterschiedlich sein, aber alle haben dasselbe Ziel: Ein besseres oder sicheres Leben in einem anderen Land.

2.2 Jugendliche auf der Flucht

Flüchtlinge im Jugendalter haben oft ähnliche Fluchtursachen. Dennoch haben sie auch einige alterskorrelierte Gründe für eine Flucht, die im Folgenden, nach einer kurzen Einleitung, erläutert werden.

Minderjährige Flüchtlinge stellen europaweit etwa 23 Prozent aller Flüchtlinge dar. Auf der ganzen Welt sind es sogar knapp 50 Prozent. 88 265 Asylanträge von unbegleiteten Minderjährigen wurden in 2015 gezählt. Davon waren 91 Prozent männlich. In Deutschland beträgt die Anzahl der unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlinge im Jahr 2015 nur 9,7 Prozent (vgl. Eurostat, 2016). Die Gründe für die Flucht sind vielfältig. Ein auffälliges Phänomen ist dabei: Immer mehr Jugendliche fliehen alleine, getrennt von ihren Familien. 2014 verdoppelte sich die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge und im Jahr 2015 stieg die Zahl noch einmal fast um ein vierfaches (vgl. Eurostat, 2016). Viele junge Menschen fliehen vor Bürgerkrieg und Angst, als Kindersoldaten rekrutiert zu werden, oder vor körperlicher und sexueller Ausbeutung. Manche Jugendliche werden wegen der politischen Einstellungen ihrer Eltern als Geiseln festgehalten und gefoltert. Andere müssen fliehen wegen Verfolgung aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Mädchen fliehen häufig aufgrund familiärer Gewalt, Genitalverstümmelung oder Zwangsheirat. Manchmal sind auch Angst vor Repressionen wegen einer anderen Ausrichtung oder anderen Einstellungen (z.B. sexuelle Ausrichtung) ein Grund seine Umgebung zu verlassen (vgl. Rieger, 2010, S.21-26). Ein weiteres Problem sind die eingeschränkten Bildungsmöglichkeiten. Viele Kinder müssen die Schule abbrechen, um eine Arbeit aufzunehmen. Sie müssen ihre Familie unterstützen und können, trotz kostenfreier Bildung (z.B. im Libanon), kaum anwesend sein. In Jordanien muss sogar jedes fünfte Kind die Schule abbrechen. In Syrien gibt es regional kaum Zugang zu tertiärer Bildung, um höhere Berufspositionen zu erreichen. Somit verlieren auch hier viele Jugendliche die Hoffnung für ihre Zukunft (vgl. Sabrowski, 2015).

2.3 Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Laut Kampelmann (2004) versteht man unter unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen Kinder, die ohne einen Personensorgeberechtigten in ein anderes Land flüchten. Sie werden meist FluchthelferInnen anvertraut beziehungsweise älteren Geschwistern, um dann zusammen zu flüchten. In vielen Fällen versuchen Jugendliche auch alleine ein Fluchtland zu erreichen (vgl. Kampelmann, 2004). Der Begriff „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ kann in drei Charakteristiken unterteilt werden.

Der Begriff unbegleitet bedeutet, dass die Personen von ihren Eltern oder Personensorgeberechtigten lokal getrennt sind. Minderjährig beschreibt laut Duden grundsätzlich jeden Menschen unter 18 Jahren beziehungsweise eine Person, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Mit unbegleiteten Minderjährigen sind demnach Personen gemeint, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, die keinem EU Mitgliedstaat angehören und sich ohne Begleitung von für sie verantwortlichen Erwachsenen im Bundesgebiet aufhalten.

Verbleibend ist der dritte Begriff: Flüchtling. Ein Flüchtling ist laut UNHRC eine Person, die "(...) aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will." (UNO: Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) bzw. Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge, Genf, 1951). Der Begriff Flüchtling ist abzugrenzen von Migranten. Flüchtlinge werden zur Flucht gezwungen, ohne Schutz ihres Heimatlandes. Migranten fliehen aus wirtschaftlichen Interesse und können nach Rückkehr immer noch unter dem Schutz ihres Heimatlandes leben (vgl. UNHCR, 2006).

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Details

Seiten
21
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668638341
ISBN (Buch)
9783668638358
Dateigröße
641 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v412592
Institution / Hochschule
Fachhochschule Bielefeld
Note
2,0
Schlagworte
lebensweltorientierte soziale arbeit flüchtlingen jugendalter deutschland

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