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Fachdidaktische Analyse des Märchens Fundevogel

Hausarbeit 2004 9 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Fundevogel
a) Sachanalyse
b) Didaktische Analyse
c) Lernziele

2. Literaturverzeichnis

Als Anhang: Gebrüder Grimm: „ Fundevogel

1.) „Fundevogel“

a) Sachanalyse

Das Märchen Fundevogel handelt von einem Findelkind mit besagtem Namen, das von einem Förster eines Tages weinend auf einem Baum gefunden wird, auf den es von einem Raubvogel getragen wurde. Der Förster nimmt es mit und zieht das Kind neben seinem Töchterchen Lenchen wie ein eigenes Kind auf. Die beiden verstehen sich sehr gut und pflegen einen äußerst vertrauten Umgang, als wären sie richtige Geschwister.

Eines Tages vertraut die Köchin, die alte Sanne, Tochter Lenchen an, dass sie Fundevogel zu kochen beabsichtigt. Nachdem Lenchen den Fundevogel von der Absicht der Köchin unterrichtet hat, beschließen die Beiden zu fliehen. Die Köchin lässt sie von den Knechten suchen, aber Lenchen und Fundevogel entgehen den Männern durch drei Verwandlungen. Zuerst verwandeln sie sich in einen Rosenstock mit einem Röschen, anschließend in eine Kirche und eine Krone. Nachdem die Männer zweimal ohne Ergebnis nach Hause gekommen waren, macht sich die Köchin Sanne beim letzten Mal auf die Suche. Die Kinder verwandeln sich dieses Mal in einen Teich und eine Ente. Beim Versuch den Teich auszutrinken, wird die Köchin von der Ente ins Wasser gezogen und ertrinkt, woraufhin die Kinder erleichtert den Heimweg antreten.

Der Fundevogel (aufgeschrieben von den Brüdern Jakob und Wilhelm Grimm) ist durch die typischen Merkmale der Gattung Märchen zuzuordnen. Folgende märchentypische Kennzeichen finden sich im Fundevogel:

Zunächst beginnt das Märchen mit den Worten „es war einmal“[1], ist also in keiner Form zeitlich festgesetzt. Ebenso findet sich keine genaue Ortsangabe, es werden lediglich der Wald und das Haus des Försters[2] als Orte der Handlung genannt. Diese zeitliche und örtliche Ungebundenheit ist ein typisches Merkmal für Märchen, wenn nicht das Merkmal von Märchen schlechthin.

Zu Beginn der Geschichte findet sich ein Raubvogel[3], der einer schlafenden Mutter das Kind wegnimmt und es auf einen hohen Baum setzt. Auch hierbei handelt es sich um ein typisches Merkmal, nach dem Tiere als überdurchschnittlich stark dargestellt werden.

Neben dem dreigliedrigen Aufbau lässt sich im Mittelstück des Märchens noch eine dreigliedrige Episode von Verwandlungen ausmachen, die in die für Märchen typische Motivik passen und durch die Wiederholung eines formelhaften Spruchs („verlässt du mich nicht, so verlass ich dich auch nicht“—„nun und nimmermehr“[4] ), ja fast eines Versprechens, von Lenchen und ihrem „Bruder“ Fundevogel unterstrichen werden. Diese Dreigliedrigkeit im Mittelteil bedingt sich durch die häufige Verwendung sog. magischer Zahlen in Märchen.

Da wir über den Charakter nur anhand von Handlungen entscheiden können (die Köchin will Fundevogel kochen[5] - daraus ist zu erschließen, dass die Köchin böse ist) haben wir auch hier ein für Märchen typisches Phänomen, woraus sich die Unterscheidung in gute und böse Charaktere ergibt, die für Märchen ebenfalls charakteristisch ist. Auch in diesem Märchen siegt am Ende das Gute, so dass sich auch hier- wie in allen anderen Märchen- ein Happy end findet.

Der Fundevogel endet, wie Märchen gewöhnlich enden, nämlich mit den Worten: „und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch“[6], so dass dieses Märchen neben einer Anfangs- auch eine Schlussformel aufweist.

Auch die Dinge, die Lüthi[7] bezüglich des Handlungsablaufs, des Personals und des Stils schreibt, finden sich im Fundevogel wieder:

Es geht auch hier um ein Problem und seine Bewältigung, also dem Vorhaben der Köchin, den Fundevogel zu kochen[8] und die daraus resultierende Problembewältigung, die erst in der dritten Verwandlung ihre Lösung findet, wenn die Ente die Köchin ins Wasser zieht und diese ertrinkt.[9] Mit der Bewältigung des Problems ergibt sich das Happy end.

Da sich das Problem durch die Handlungsabsicht eines anderen Menschen, hier: der Köchin, ergibt, haben wir bezüglich des Personals das nach Lüthi[10] märchentypische Phänomen der bereits erwähnten Zweiteilung in Kontrastgestalten (gute Seite/ schlechte Seite).

Hinsichtlich des Stils ist auch im Märchen Fundevogel genau das zu finden, was Lüthi darlegt: die Handlungsträger werden kurz und knapp eingeführt, eine Beschreibung des Innenlebens der Personen gibt es nicht. Deutlich wird dies, als Lenchen Fundevogel von der Absicht der Köchin erzählt.[11] Es wird nicht dargelegt, dass Fundevogel Angst hat. Diese kann man nur aus der folgenden Flucht erschließen.

Auf den ersten Blick weist dieses Märchen Ähnlichkeit mit vielen anderen Märchen auf. Die Flucht vor der bösen Stiefmutter findet sich in „Brüderchen und Schwesterchen“, das Motiv der Verwandlung – sei es nun von Tier bzw. Gegenstand zu Mensch oder von Mensch zu Tier bzw. Gegenstand- findet sich in zahlreichen Märchen, so beispielsweise dem Froschkönig. Auch die Flucht und das Finale in Form der Vernichtung der „Hexe“ finden sich in vielen anderen Märchen, beispielsweise „Hänsel und Gretel“.

Das Märchen weist also insgesamt ähnliche Strukturen wie die meisten bekannten Märchen auf.

Andererseits liefert es aber auch spezifische Details: Die Köchin Sanne hat zwar keine Angst den Fundevogel zu kochen, fürchtet wohl aber die Reaktion des Försters auf die Flucht der Kinder.

Sonderbar ist, dass Lenchens Mutter, also des Försters Frau mit keinem Wort erwähnt wird. In diesem Zusammenhang mutet es nicht nur merkwürdig an, dass die alte Sanne, der es als Hauswirtin kaum entgangen sein dürfte, dass die beiden „Geschwister“ ein mehr als vertrautes Verhältnis aufgebaut haben, Lenchen mit ihrem Vorhaben ins Vertrauen zieht, sondern viel sonderbarer ist noch, dass das Kind nicht ihren eigenen Vater um Hilfe bittet. Leider sind Versuche, solche Feststellungen zu erklären, zum Scheitern verurteilt.

Viel wichtiger ist hingegen, dass die Kinder in der bedrohlichen Situation zusammenhalten und sich gemeinsam auf die Flucht begeben. Ihr gegenseitiges Vertrauen bekräftigen sie, wie bereits erwähnt, dreimal, nämlich vor jeder Verwandlung.[12] Hieran lässt sich die magische Kraft der Freundschaft erkennen, welcher einer der zentralen inhaltlichen Aspekte ist. Durch die magische Kraft der Freundschaft und die dadurch entstandene Einheit von Lenchen und Fundevogel, die sich deutlich darin zeigt, dass sie bei der Bekräftigung ihres Vertrauens einander die Hände fassen, gelingt es den Kindern das Böse zu besiegen.

[...]


[1] vgl. Fundevoge l. Deutschstunden 5. Cornelsen-Verlag. S.236

[2] vgl. Fundevogel S.236

[3] vgl. Fundevogel S.236

[4] vgl. Fundevogel S 237

[5] vgl. Fundevogel S.237

[6] vgl. Fundevogel S. 238

[7] vgl Lüthi, Max: Märchen. Metzler. Stuttgart 1990. S.25 ff.

[8] vgl. Fundevogel S.237

[9] vgl. Fundevogel S.238

[10] vgl Lüthi S. 27

[11] vgl. Fundevogel S.237

[12] vgl. Fundevogel S.237

Details

Seiten
9
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638395380
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41240
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Neuere Deutsche Literatur
Note
2,0
Schlagworte
Fachdidaktische Analyse Märchens Fundevogel

Autor

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Titel: Fachdidaktische Analyse des Märchens Fundevogel