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Die Bedeutung einer Digitalen Agenda für den Standort Deutschland

Hausarbeit 2017 22 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Die digitale Revolution
2.1 Digitalisierung - Begriffliche Definition
2.2 Herausforderungen

3. Die Digitale Agenda
3.1 Inhalte im Überblick
3.2 Bewertung

4. Handlungsempfehlungen zur Digitalpolitik

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Digitalisierung in Unternehmen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht der sieben Handlungsfelder der Digitalen Agenda

1. Einleitung

Das Thema Digitalisierung ist zu einem festen Bestandteil der Wirtschaftsnachrichtensowie öffentlicher und unternehmensinterner Diskussionen geworden. Schlagwörter wieIndustrie 4.0, Big Data, Blockchain, Digitale Transformation oder Internet of Thingsdurchziehen die Medienlandschaft täglich. Wir befinden uns dank des technologischenFortschritts inmitten einer disruptiven Veränderung. Sie hat Einfluss auf unsere Kommu-nikation, unsere Wirtschaft, unsere Arbeitswelten und unser Miteinander.1 Die Lebens-und Arbeitsweise des Menschen wird auf eine digitale Ebene übertragen.2 „Alles, wasdigitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Und alles, was vernetzt werden kann, wirdauch vernetzt.“3

Diese Entwicklung und ihre Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft haben auch dieEuropäische Union und die Deutsche Bundesregierung erkannt. Bereits im Jahr 2010stellte die EU ihre Strategie zur Digitalisierung in Form der Digital Agenda for Europe -Driving European growth digitally vor.4 Im August 2014 folgte dem Deutschland, indemdie Bundesregierung die Digitale Agenda 2014 - 2017 veröffentlicht hat.5 Das Papier ent-hält Absichtserklärungen zu netzpolitischen Fragen, welche zuerst im Koalitionsvertrag2013 enthalten waren.6

Ziel dieser Arbeit ist es, die Ergebnisse der DigA kritisch zu betrachten und Handlungs-empfehlungen für zukünftige Bundesregierungen zum Umgang mit der Digitalisierungzu geben. Hierfür wird zunächst in Kapitel 2 und 3 eine theoretische Grundlage zumThema Digitale Revolution und der Digitalen Agenda gebildet, um später die Ergebnisseunter 3.2 anhand ihrer Umsetzung zu bewerten. Zusätzlich werden in Kapitel 4 Hand-lungsempfehlungen zur zukünftigen Digitalpolitik Deutschlands gegeben.

2. Die digitale Revolution

In den letzten Jahrhunderten entwickelte sich die Menschheit so schnell wie nie zuvor.Vor ungefähr 260 Jahren begann die 1. Industrielle Revolution durch den Einsatz vonDampfmaschinen und Mechanik. Es kam zu tiefgreifenden und dauerhaften Veränderun-gen der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse, der Lebensumstände und der Arbeits-bedingungen. Um 1870 führten diese Entwicklungen zur 2. Industriellen Revolution. Esbegann die Zeit des Wohlstandes durch arbeitsteilige Massenproduktion mit Hilfe elektri-scher Energie. Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts ging es dann mit der 3.Industriellen Revolution weiter. Sie wurde durch die Nutzung der von Elektronik undInformationstechnologie ermöglichten Serienproduktion erreicht.7

Heute stehen wir, dank einer rasanten Entwicklung technischer Rahmenbedingungen, voreiner massiven Transformation entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der Indust-rie, im Handel und in der Verwaltung.8 „Deutschland, Europa und die Welt stehen mitder Industrie 4.0 am Anfang eines tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichenUmbruchs.“9 In der Industrie 4.0 kommt es zu einer Verzahnung von Produktion mit mo-dernster Informations- und Kommunikationstechnik. „Alles wird miteinander vernetzt.Jede Maschine, jedes Produkt bekommt eine Adresse im und eine Verbindung zum Inter-net.“10 Es entstehen intelligente Fabriken. Die treibende Kraft hierfür sind intelligente,digital vernetzte Systeme, welche für größtenteils selbstorganisierte Produktion sorgen.11

2.1 Digitalisierung - Begriffliche Definition

Die in Kapitel 2 angesprochene Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren disruptiveVeränderungen in einem bislang nicht gekannten Tempo vorangetrieben. Der Begriff hatmehrere Bedeutungen. Technisch gesehen ist Digitalisierung die Umwandlung analogerin digitaler Darstellung von Informationen, also die Erstellung digitaler Repräsentationen von physischen Objekten, Ereignissen oder analoger Medien. Digitale Daten sind platz-sparender und qualitativ besser als analoge. Zudem bringen sie den Vorteil mit, dass dieWiedergabe und Bearbeitung durch Datenbearbeitungssysteme schneller ist und dass siesich vervielfältigen und durchsuchen lassen.12 „Big Data ist dabei nur ein Schlagwort, einSammelbegriff für den nie gekannten Datenreichtum unserer Zeit: Immer mehr, immerfeinere Aspekte unseres Alltags lassen sich in Daten ausdrücken.“13 Die Digitalisierungsorgt dafür, dass eine informationsbasierte hochproduktive und hochvernetzte Welt ge-schaffen wird.14

Darüber hinaus "...geht es um die Übertragung des Menschen und seiner Lebens- sowieArbeitswelten auf eine digitale Ebene."15 Die Menschen begeistern sich für Technik, nut-zen immer mehr digitale Geräte. Jeder vierte Erdbewohner ist Nutzer des weltweit größ-ten sozialen Netzwerks Facebook.16 In Deutschland ist sogar über die Hälfte der Bevöl-kerung aktiver Nutzer von sozialen Netzwerken.17 Das bedeutet, dass die Menschen heut-zutage einen großen Teil ihrer Zeit im World Wide Web verbringen. Schaut man sich dieBeliebtheit des Suchbegriffs Digitalisierung auf der Suchmaschine Google in den letzten 5 Jahren an, so ist eine deutliche Steigerung zu sehen. Die Thematik ist somit längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.18

2.2 Herausforderungen

Die Digitale Transformation, also die massive Veränderung von Geschäftsmodellen, Be-triebsabläufen und Märkten durch die Digitalisierung, wird nahezu tagtäglich in den Me-dien gespielt. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) wählte den Begriff "Digitale Trans-formation" 2016 zu seinem Schwerpunktthema.19 Der digitale Wandel bringt eine Reihean Herausforderungen für die Wirtschaft und die Gesellschaft mit sich. Anders als früher,dauern die Veränderungsprozesse und die Entwicklung digitaler Innovationen zum marktreifen Massenprodukt keine Jahrzehnte mehr, sondern offenbaren ihr volles Aus-maß bereits innerhalb einiger Jahre oder gar Monate.20 Daraus folgt, dass die Digitalisie-rung viele Unternehmen grundlegend verändert und ganz neue Branchen geschaffen aberauch zur Verdrängung etablierter Geschäftsmodelle geführt hat. „Digitalisierung istlängst die wesentliche Basis für Wachstum im Unternehmen. Mehr noch: Europas zu-künftiger Wohlstand hängt vom Erfolg der Digitalisierung ab.“21 Laut einer Statistik ausdem Jahre 2014, mit dem Titel "Wie wirkt sich die zunehmende Digitalisierung auf dieAnzahl der Mitarbeiter aus?", rechnen über alle Branchen hinweg die Unternehmen miteinem Zuwachs von 8% an benötigten Mitarbeitern. In Branchen wie der Information undKommunikation (+ 16%) und dem Gastgewerbe (+ 18%) steigt der Bedarf besonders.22 Grund hierfür ist, laut einer weiteren Statistik, die Entstehung neuer Tätigkeitsfelder.23 Wird in diesen Feldern nicht ausreichend in Aus- und Weiterbildungen investiert, kannes zu einem Fachkräftemangel kommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Digitalisierung in Unternehmen, entnommen aus Ap-Verlag.de (2016), o. S.

In Abbildung 1 kann man gut erkennen, dass knapp die Hälfte der kleineren Unternehmen aus dem deutschen IT-Markt sich noch nicht mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt haben. Unternehmen, große wie auch kleine, die sich diesem Umstand nicht stellen, laufen Gefahr, Kunden zu verlieren oder ganz vom Wettbewerb verdrängt zu werden. Um die in Kapitel 2.1 bereits beschriebenen Datenmengen und -strömen zu bewältigen, müssen flächendeckend die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen werden. Dafür erfordert es zunehmend leistungsfähigere Netze.24

Da die beschriebenen Entwicklungen oftmals positiven Einfluss auf die Lebensart derKonsumenten haben, werden sie in der Regel recht gut aufgenommen. Sei es höhererKomfort, schnellere Kaufabwicklung oder geringere Preise. Mit Veränderungen gehenjedoch auch Sorgen und Ängste einher. Sie können sich negativ auf die Privatsphäre oderden Datenschutz auswirken. Cyberangriffe auf Wirtschaft und Politik oder Datendieb-stähle sind möglich.25 Gleichzeitig muss darauf geachtet werden, dass der Wandel in derMitte der Gesellschaft verankert und von allen gesellschaftlichen Gruppen angenommenund aktiv mitgestaltet wird. Denn nur so wird sich die positive Wirkung der Digitalisie-rung voll entfalten können.26 Dazu zählt beispielsweise die Anpassung des Bildungssys-tems im gleichen Tempo und Lehren von neuem Wissen und neuen Methoden, um einenFachkräftemangel vorzubeugen oder entgegenzuwirken.

3. Die Digitale Agenda

„Der digitale Wandel bietet große Chancen, unseren Wohlstand und die Lebensqualitätzu steigern und Deutschlands Zukunftsfähigkeit zu sichern.“27 So schreibt es die Deut-sche Bundesregierung im August 2014 in ihrer Digitalen Agenda 2014 - 2017 fürDeutschland, welche die Grundlagen für die Digitalpolitik der Bundesregierung festlegt.Das politische Programm beinhaltet Absichtserklärungen zu netzpolitischen Fragen, dieim Koalitionsvertrag mit dem Titel "Deutschlands Zukunft gestalten" der Parteien CDU, CSU und SPD aus dem Jahre 2013 enthalten waren.28 Herausgeber der DigA sind dieBundesministerien für Wirtschaft und Energie (BMWi), Inneres (BMI) und Verkehr unddigitale Infrastruktur (BMVI). Aufgrund der Komplexität des Themas sind zudem nahezualle anderen Ministerien bei der Erarbeitung, Koordination und Umsetzung der DigA miteingebunden.29 Mit der Durchführung der Digitalen Agenda möchte die Bundesregierungdie Chancen der Digitalisierung nutzen und Deutschlands Rolle als leistungsstarke undinnovative Volkswirtschaft innerhalb der Europäischen Union und der Welt ausbauen.Zudem soll die DigA Rahmenbedingungen für das Leben, Lernen, Arbeiten und Wirt-schaften in der digitalen Welt setzen. Neue Entwicklungen sollen nicht behindert, gegenFehlentwicklungen andererseits gegengesteuert werden. Ein besonderes Augenmerk liegthier auf Fragen des Datenschutzes, den Schutz des geistigen Eigentums, den Jugendme-dienschutz und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Gleichermaßen soll einunverfälschter Wettbewerb zwischen Unternehmen gewährt und Marktzutrittsschrankenweiter reduziert werden.30

3.1 Inhalte im Überblick

In der Digitalen Agenda 2014 - 2017 setzte sich die Bundesregierung drei Kernziele. Alserstes sind Wachstum und Beschäftigung genannt. Dahinter verbirgt sich das Bestreben,die guten Chancen innerhalb der Industrie 4.0 durch intelligente Dienste zu erhöhen undsomit für dauerhaftes Wachstum und anhaltend hoher Beschäftigungsquote zu sorgen.Hierfür müsse das Innovationspotential Deutschlands, insbesondere im Mittelstand,durch gute Bildung und Mut, Ideen an den Markt zu bringen, erschlossen werden. Daszweite Kernziel heißt Zugang und Teilhabe. Voraussetzung für gleichwertige Lebensver-hältnisse und die Möglichkeit aller Menschen, an den Chancen der Digitalisierung teilzu-haben, ist ein offenes Internet und ein flächendeckend verfügbares Breitbandnetz. Zudemsoll die Basis für den selbstbestimmten Umgang mit den digitalen Technologien in Formvon Medien- und Technologiekompetenz bereits in der Ausbildung der Kinder aufgebaut werden. "Mit der Digitalen Agenda verstärken wir unsere Anstrengungen, die bestehen-den Defizite zu beseitigen."31 Als drittes Kernziel der DigA wird Vertrauen und Sicher-heit genannt. Die Informationstechnologie soll einfach, transparent und sicher zu nutzensein, da ohne Vertrauen in die Sicherheit der digitalen Welt es nicht möglich ist, die Vor-teile des digitalen Wandels zu erschließen. Die Digitale Agenda soll einen wesentlichenBeitrag dazu leisten, dass Deutschland einer der sichersten digitalen Standorte weltweitbleibt.

Die Maßnahmen, um die drei Kernziele zu erreichen, sind auf sieben zentrale Handlungs-felder verteilt. Sie lauten: I. Digitale Infrastrukturen, II. Digitale Wirtschaft und digitalesArbeiten, III. Innovativer Staat, IV. Digitale Lebenswelten in der Gesellschaft gestalten, V. Bildung, Forschung, Wissenschaft, Kultur und Medien, VI. Sicherheit, Schutz undVertrauen für Gesellschaft und Wirtschaft und VII. Europäische und internationale Di-mension der Digitalen Agenda. In Tabelle 1 werden die sieben Handlungsfelder mit De-tails aufgelistet.32

Einzelmaßnahmen sind unter anderem die Schaffung von optimalen Anreizen für denAusbau einer Breitbandinfrastruktur durch den Markt. So soll bis 2018 eine flächende-ckende Downloadgeschwindigkeit von mind. 50 Mbit/s entstehen.33 Damit Deutschlanddigitales Wachstumsland Nr. 1 in Europa wird, sollen insbesondere kleine und mittlereUnternehmen unterstützt werden. Ihre Innovationsfähigkeit durch die Anwendung undEntwicklung neuer digitaler Technologien als auch der Optimierung ihrer Geschäftspro-zesse soll erhöht werden. Zudem sollen durch die Stärkung des Gründergeistes inDeutschland und der Verbesserung der Finanzierungsbedingungen für Startups durch in-ternational wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für Wagniskapital die Zahl derknapp 10.000 jährlichen Gründungen kontinuierlich auf knapp 15.000 steigen.34

[...]


1 Vgl. BMWi (Hg.), (2016), S. 6.

2 Vgl. Hamidian, K., Kraijo, C. (2013), S. 5.

3 Höttges, T. (2016), S. 5.

4 Vgl. Eur-Lex.Europa.eu (2010), o. S

5 Vgl. BMWi / BMI / BMVI (Hg.), (2014), o. S.

6 Vgl. CDU / CSU / SPD (Hg.), (2013), S. 97ff.

7 Vgl. Bauernhansl, T. (2014), S. 5ff.

8 Vgl. Samulat, P. (2017), S. 2.

9 Becker, T./Reynolds, R./Knop, C. (2015), S. 1.

10 Becker, T./Reynolds, R./Knop, C. (2015), S. 1.

11 Vgl. Samulat, P. (2017), S. 3.

12 Vgl. Hamidian, K., Kraijo, C. (2013), S. 5f.

13 BMWi (Hg.), (2016), S. 6.

14 Vgl. BMWi (Hg.), (2016), S. 6.

15 Hamidian, K., Kraijo, C. (2013), S. 5.

16 Vgl. Investor.fb.com (2017), o. S.

17 Vgl. De.Statista.com (2016), o. S.

18 Vgl. Trends.Google.de (2017), o. S.

19 Vgl. Vdi.de (o. J.), o. S.

20 Vgl. BMWi (Hg.), (2016), S. 6.

21 Höttges, T. (2016), S. 5.

22 Vgl. De.Statista.com (2014), o. S.

23 Vgl. De.Statista.com (2017), o. S.

24 Vgl. BMWi / BMI / BMVI (Hg.), (2014), S. 4.

25 Vgl. Becker, T./Reynolds, R./Knop, C. (2015), S. 7.

26 Vgl. BMWi / BMI / BMVI (Hg.), (2014), S. 2.

27 BMWi / BMI / BMVI (Hg.), (2014), S. 2.

28 Vgl. CDU / CSU / SPD (Hg.), (2013), S. 97ff.

29 Vgl. BMWi / BMI / BMVI (Hg.), (2017), S. 52ff.

30 Vgl. BMWi / BMI / BMVI (Hg.), (2014), S. 2ff.

31 BMWi / BMI / BMVI (Hg.), (2014), S. 3.

32 Vgl. BMWi / BMI / BMVI (Hg.), (2014), S. 2ff.

33 Vgl. BMWi / BMI / BMVI (Hg.), (2014), S. 9.

34 Vgl. BMWi / BMI / BMVI (Hg.), (2014), S. 14.

Details

Seiten
22
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668635708
ISBN (Buch)
9783668635715
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v412336
Institution / Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie, Berlin
Note
1,3

Autor

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