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Drogenkonsum im Jugendalter

Seminararbeit 2003 23 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG

II. DEFINITIONEN
2.1 Was ist Jugend?
2.2 Legale Drogen
2.3 Illegale Drogen
2.4 Was ist Sucht?

III. WARUM GREIFEN JUGENDLICHE ZU ILLEGALEN DROGEN?
3.1 Geschlechtsspezifische Gründe für Drogenkonsum
3.2 Drogenkonsum als Bewältigungsverhalten
3.3 Drogenkonsum als Flucht
3.4 Drogenkonsum und Gruppenzwang
3.5 Auf der Suche nach Grenzerfahrung
3.6 Drogenkonsum, um Stress abzubauen
3.7 Drogenkonsum als Stärkung des Selbstwertes
3.8 Drogenerleben

IV. EINFLUSS VON SOZIALISATIONSINSTANZEN AUF DEN DROGENKONSUM VON JUGENDLICHEN
4.1 Sozialisation in der Familie
4.2 Sozialisation in Peer- Groups
4.3 Sozialisation in der Schule

V. INTERVIEW

VI. RESUMÉE

VII. LITERATURVERZEICHNIS

VIII. ANHANG

Sucht kommt nicht von Drogen,

sondern von betäubten Träumen,

verdrängten Sehnsüchten,

verschluckten Tränen

und erfrorenen Gefühlen…

I. EINLEITUNG

Eine Studie der Universität Bielefeld erprobte erstmals einen Fragebogen, um suchtgefährdete Jugendliche und junge Erwachsene zu identifizieren. In verschiedenen Jugendtreffs wurden insgesamt 567 Personen, die sich zu Alkoholkonsum oder Verwendung illegaler Drogen bekannten, 75 Fragen vorgelegt. Diese Fragen befassten sich mit Angaben zur Person, zum Freizeitverhalten, zu persönlichen Schwierigkeiten, zur Familiensituation und zum Konsumverhalten. Die Auswertung ergab, dass jeder Fünfte stark suchtgefährdet und immerhin 55 % gefährdet sind.

92 % der Teilnehmer hatten in den vorausgegangenen drei Monaten Alkohol getrunken, 62 % Cannabis geraucht und 16 % Ecstasy genommen.

Die Hälfte der Jugendlichen in der Party- Szene haben nach der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Erfahrungen mit illegalen Drogen wie Ecstasy, LSD und Amphetaminen.

Eine Nürnberger- Studie zeigt, dass auf fast jedem deutschen Euro- Schein Kokain- Spuren zu finden sind. Waren es im Januar 2002 noch 2 von 70 Scheinen, so waren es im August 2002 bereits 9 von 10.

Auch liegt das Durchschnittsalter, in dem viele Jugendliche mit dem Rauchen anfangen mittlerweile bei 12 ½.[1] Die Tendenz zum Drogenkonsum ist also steigend.

Aber wieso greifen so viele Jugendliche zu Drogen? Was sind die Gründe, wieso immer jüngere Mädchen und Jungen auf der Suche nach dem Kick sind und illegale Drogen konsumieren? Gibt es gesellschaftsspezifische Gründe für Drogenkonsum? Gibt es Zusammenhänge zwischen der Herkunftsfamilie eines Jugendlichen und dessen Drogenkonsum? Ist es so, wie die Worte am Anfang meiner Studienarbeit sagen, kommt Sucht nicht von Drogen?

Das sind die Fragen, die mich aufgrund meiner Arbeit im Heim beschäftigen und interessieren. Ich arbeite im vollstationären Bereich des Hohberghauses in Bretten auf einer Gruppe, in der neun jugendliche Mädchen im Alter von 13 bis 18 wohnen, die durch ihre Vorgeschichte zum Teil Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Bei allen Mädchen gibt es

Probleme in der Familie, manchmal sexueller Missbrauch, oft auch Drogensucht der Eltern, wobei es sich hier meist um Alkoholmissbrauch handelt.

Und trotz der Alkoholprobleme in der Familie ist es meist so, dass die Jugendlichen selbst Alkohol oft auch Drogen konsumieren. Gibt es also einen Zusammenhang zwischen Familie und dem Drogenkonsum der Jugendlichen?

Meine Erfahrungen im Heim haben mir gezeigt, dass selbst 13- jährige heutzutage schon Haschisch probiert haben, und dass die Toleranzschwelle zu härteren Drogen wie Ecstasy recht gering ist.

Diese Erfahrung hat mich zum Teil geschockt und zum anderen hilflos gemacht. Ich möchte mehr über dieses Thema wissen, um zu verstehen, wieso diese Mädchen zu Drogen greifen, obwohl sie die Gefahren kennen.

Im folgenden Kapitel möchte ich zunächst die für den Verlauf der Arbeit relevanten Begriffe klären, dann einige mögliche Gründe für den Drogenkonsum Jugendlicher nennen und danach die Einflüsse der drei wichtigsten Sozialisationsinstanzen eines Jugendlichen beleuchten. Zuletzt folgt ein kleines Interview, das ich selbst durchgeführt habe, um eine eigene kleine Stichprobe zu haben, anhand der ich überprüfen kann, ob meine Annahmen zum Thema der Wahrheit entsprechen.

II. DEFINITIONEN

2.1 Was ist Jugend?

Jugend ist der Übergang zwischen dem Kind- sein und dem Erwachsenenalter. Es gibt keinen klar definierten Anfang und kein Ende. Die Jugend ist eine wilde Lebensphase - die Sturm und Drang Zeit - die durch starke Stimmungsschwankungen und innere Zerrissenheit gekennzeichnet ist. Zimbardo zitiert hierzu Anna Freud, die Tochter von Sigmund

Freud: „ … während der Adoleszenz entspricht anormales Verhalten der Norm.“ (Philip Zimbardo und Richard Gerring, 1999, Seite 493).

Die wichtigste Aufgabe während der Adoleszenz ist die eigene Identität zu finden, damit verbunden ist das Erproben von sozialen Rollen und Verhaltensweisen.[2]

Das Bertelsmann Lexikon der Psychologie definiert im Gegensatz dazu das Jugendalter in einem zeitlichen Rahmen, nämlich mit dem Einsetzen der Pubertät bis zum Ablösen aus der Herkunftsfamilie.[3]

Noch genauer jedoch grenzt Lothar Böhnisch die Jugend ein. Für ihn gibt es drei Entwicklungsphasen Jugendlicher:

(1) das jüngere Jugendalter von 9- 11 bis 13- 14 Jahre
(2) das mittlere Jugendalter von 14- 15 bis 18- 19 Jahre
(3) und die jungen Erwachsenen von 18- 25 Jahre

Auch Böhnisch ist der Ansicht, dass die Übergänge der einzelnen Phasen fließend sind, also nicht klar abgrenzbar. Sie entsprechen einem individuellen Prozess. Es wird hierbei noch mal unterschieden zwischen psycho- physischem Entwicklungsstadium und Jugend als gesellschaftlich eingerichtete Lebensphase. Das psycho- physische Entwicklungsstadium ist gekennzeichnet durch die körperlich- sexuelle Reifung und durch Integration im Erwachsenenalter. Die Entwicklung ist hier geprägt durch die Pubertät, die Ablösung vom Elternhaus, die Beziehung unter Gleichaltrigen (die sogenannte Peer- Group), die Distanz zu Erwachsenen und die soziale Orientierung.

Jugend als gesellschaftlich eingerichtete Lebensphase hingegen ist eine Konstruktion unserer modernen Gesellschaft. Die heutige Konsumgesellschaft ermöglicht Jugendlichen einen Schon- oder Schutzraum, um zu lernen und sich für die Arbeit zu qualifizieren.

Jugendliche müssen das Jugendstadium also doppelt bewältigen: zum einen die hochemotionale Pubertät und zum anderen den Druck, den Erwartungen der Erwachsenen gerecht zu werden. Ich werde später noch darauf eingehen, dass diese Bewältigungsproblematik eine Ursache für Suchtverhalten sein kann.

In der Pubertät sind Jugendliche oft realitätsfremd und zeigen abweichendes Verhalten auf. Sie wollen experimentieren, ihre eigenen Möglichkeiten spüren und Grenzen testen. Auch Neugier und Bereitschaft sind mögliche Ursachen des Drogenkonsums.

Zudem sind Beziehungen zu Gleichaltrigen (Peers) wichtig, um eigene Rollen und Normen kennen zu lernen und einen sozialen Status zu finden. Hier ist es der Gruppenzwang, das dazu- gehören- wollen, das zum Drogenkonsum führen kann.[4]

[...]


[1] Vgl. www.aerztlichepraxis.de, 2003

[2] Vgl. Zimbardo und Gerring, 1999, Seite 492f

[3] Vgl. Bertelsmann Lexikon Psychologie, 1995, Seite 208ff

[4] Vgl. Schille, 2002, Seite 108ff

Details

Seiten
23
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638395243
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41224
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart
Note
2,4
Schlagworte
Drogenkonsum Jugendalter

Autor

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Titel: Drogenkonsum im Jugendalter