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Das synthetische Urteil a priori und das Ding an sich in Kants Kritik der reinen Vernunft

Seminararbeit 2005 19 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kants Kritik der reinen Vernunft
2.1 Zum Titel
2.2 Kants Anliegen in der Kritik der reinen Vernunft
2.3 Voraussetzung für die Kritik der reinen Vernunft
2.4 Rezeption der Kritik der reinen Vernunft
2.5 Die Einleitung der Kritik der reinen Vernunft
2.5.1 Reine vs. Empirische Erkenntnis
2.5.2 Erkenntnisse a Priori
2.5.3 Analytische vs. synthetische Urteile a priori
2.6 Synthetische Urteile a priori
2.7 Konsequenz aus der Erkenntnis der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori

3. Das Ding an sich bei Kant

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Immanuel Kants „Kritik der reinen Vernunft“ von 1781 wird im Allgemeinen als eines der kompliziertesten und zugleich anspruchsvollsten Werke der Weltliteratur angesehen. Viel wichtiger ist jedoch, dass Kant mit seiner Kritik der reinen Vernunft die gesamte bisherige Philosophie und deren mitunter fragwürdigen Wahrheitsanspruch ins Zentrum der Kritik rückt, indem er nach der Möglichkeit von Metaphysik zu fragen wagt und somit das Zeitalter der kritischen Philosophie einleitet[1]. Die folgende Arbeit beschäftigt sich in einem einleitenden Teil zunächst mit Kants Kritik der reinen Vernunft unter historischen Gesichtspunkten. Hierbei ist von Interesse, was die geistigen und historischen Voraussetzungen für diesen Text sind, worum es Kant in der Zusammenfassung geht und wie der Text nach seinem Erscheinen von der Öffentlichkeit rezipiert wird.

Der Hauptteil der Arbeit wird sich im Wesentlichen mit Inhalten der Einleitung zu dem genannten Text auseinandersetzen. Dabei soll, unter Zuhilfenahme der kantischen Prolegomena, untersucht werden, welchen Sinn und Bedeutung die von Kant vorgestellten Urteile a priori und a posteriori haben, warum er synthetische und analytische Urteile unterscheidet und wie er schließlich darauf kommt, die zunächst widersprüchlich erscheinende Existenz synthetischer Urteile a priori zu begründen. Des Weiteren soll in der Hausarbeit darauf eingegangen werden, welche Bedeutung die in der Einleitung vorgestellten Unterscheidungen für den eigentlichen Haupttext der Kritik der reinen Vernunft haben. Weiterführend wird das Problem des Dings an sich bei Kant vorgestellt.

2. Kants Kritik der reinen Vernunft

Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft erscheint 1781 zum ersten Mal, eine zweite überarbeitetet Form wird 1787 herausgegeben. Obwohl es zunächst in seiner Bedeutung verkannt wird, weil es für die Mehrheit der Leser so schwer verständlich ist, gilt das Werk bis heute als eines der wichtigsten Grundbücher moderner Philosophie. Für Kant ist die Kritik der reinen Vernunft sein kritisches Hauptwerk, es hat für alle theoretischen und praktischen Bereiche unseres Wissens Maßstäbe gesetzt und ist bis heute in seinem Kern nicht überholt[2]. In den folgenden Kapiteln werden Anliegen, Voraussetzung und Rezeption der kantischen Kritik der reinen Vernunft vorgestellt, um das Werk in einen Gesamtzusammenhang zu setzten.

2.1 Zum Titel

Schon hinter dem Titel steckt eine umfassende Bedeutung, denn Kant bezieht sich, wie hier deutlich wird, nicht auf irgendeine Vernunfterkenntnis, welche anhand von und mit Begriffen geschieht, sondern auf reine Vernunft. Stammen die Begriffe aus der Erfahrung, so sind sie empirisch, entspringen sie jedoch dem Vernunftvermögen selbst, so nennt Kant sie rein[3]. Für die Kritik der reinen Vernunft bedeutet dies, dass sie sich mit der Kritik all der sinnlichen Begriffe und den daraus gebildeten Urteilen, welche als Quelle die Erfahrung und nicht die Vernunft haben, beschäftigt[4].

Der Begriff der „Kritik“, welcher unten noch genauere Erläuterung erfährt, ist hier als genaue Prüfung, Untersuchung und Bewertung eines Sachverhaltes zu verstehen. Im Fall der Kritik der reinen Vernunft wird geprüft, untersucht und bewertet, ob die Begriffe der reinen Vernunft Erkenntnisbedeutung besitzen und wir somit mit ihrer Hilfe erkennen können und erkennen dürfen[5].

2.2 Kants Anliegen in der Kritik der reinen Vernunft

Zusammenfassend ist zu Kants Kritik der reinen Vernunft zu sagen, dass hier die Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Vernunft thematisiert sowie die Grundlagen unseres Erfahrungs-wissens und der wissenschaftlichen Erkenntnis entwickelt werden[6].

Im Wesentlichen geht es in Kants Kritik der reinen Vernunft um das zu erörternde Problem der Möglichkeit von Metaphysik. Die Antwort auf diese Frage hat im Prinzip bis heute Gültigkeit. Die Metaphysik ist eine Wissenschaft, welche sich mit Themen beschäftigt, die über (griech.: meta) die Natur (griech.: physis) hinausreichen. In der Metaphysik werden demnach die ersten Prinzipien des Seienden untersucht. Das bedeutet, dass es hier um den Grund für alles, was ist, geht. Diese Wissenschaft hat sich deshalb entwickelt, weil der Mensch alles Seiende nicht einfach beobachtet, sondern ein Bedürfnis hat, zu erfahren, warum es diese Dinge, die er beobachten kann, überhaupt gibt. Man kann sagen, dass Metaphysik die klassische Grundform der abendländischen Philosophie ist[7].

Der Mensch hat nach Kant eine Naturanlage (KdrV, B 21) dafür, sich bestimmte Orientierungsfragen zu stellen, auf welche nur eine Metaphysik die Antwort geben kann[8]. Hierbei geht es nicht darum, physikalische Gesetzmäßigkeiten zu erfassen. Es ist vielmehr von Interesse, was noch über diesen Gesetzmäßigkeiten das übergeordnete Prinzip aller existierender Phänomene sei. Ludwig fasst die grundlegende Frage hinsichtlich der Metaphysik wie folgt zusammen:

„Steckt nicht nur hinter dem Seienden, sondern auch hinter dem Sein, Denken und Erkennen des Seienden eine Gesetzmäßigkeit, ein innerer Zusammenhang?“[9]

In der Kritik der reinen Vernunft will Kant zunächst zeigen, dass klassische Metaphysik, wie sie von den alten Schulmetaphysikern vertreten wird und vor allem wurde, nicht möglich ist[10]. Er begründet dies folgendermaßen: „Metaphysik ist nicht möglich, eben weil sie Metaphysik sein will.[11] “ Die Schulmetaphysik war der Auffassung, dass es möglich sei, jenseits der Erfahrung in ähnlicher Weise eine nicht-erfahrbare, metaphysische Welt aus transzendenten Gegenständen zu erkennen, wie es innerhalb der Erfahrung eine Welt empirischer Gegenstände gäbe[12]. Die empirische Welt geht dabei mit erfahrungs immanentem Wissen um, die metaphysische mit erfahrungs- transzendentem Wissen. Kant sieht also das Problem darin, dass Metaphysik mit Wissen umgeht, welches fern von unserem Erkenntnisvermögen liegt, da es hier um etwas geht, was über das Physische hinausgeht. Sein Ziel ist es, das Scheitern der zu seiner Zeit bereits veralteten Schulmetaphysik zu erklären, der Metaphysik eine neue, aus der Vernunft resultierende Grundlage zu verschaffen und somit eine künftige Metaphysik vorzubereiten[13]. Dennoch ist er, wie bereits erwähnt, der Ansicht, dass der Mensch ein natürliches Bedürfnis nach Metaphysik und der Beantwortung metaphysischer Fragen hat. Kants Ziel ist es zu klären, ob diese „natürliche“ Metaphysik sich bis zur Wissenschaft erheben lässt und als solche möglich ist[14].

2.3 Voraussetzung für die Kritik der reinen Vernunft

Indem Kant die Frage nach der Möglichkeit von Metaphysik stellt, ist er gleichzeitig auch der erste Philosoph, welcher philosophische Denkrichtungen solcher Art mit einem allgemeinen Titel („Metaphysik“) belegt und darunter subsumiert[15]. Dennoch ist er nicht der erste, der sich in Metaphysikkritik übt, denn diese ist so alt wie die Metaphysik selbst.

Am Anfang der kantischen Überlegungen zur Metaphysik steht zunächst die Frage danach, ob die Grenzen der menschlichen Erkenntnis von der Erfahrung oder von der Weite des jeweiligen Verstandes abgesteckt werden, es geht darum, ob Erkenntnis allein durch aus Beobachtung und Experimenten gewonnener Erfahrung, oder allein durch Vernunft und deren Begriffe möglich sei. Die erste der beiden Annahmen wird als empiristisch die zweite als rationalistisch bezeichnet. Die Auseinandersetzung zwischen Empirismus und Rationalismus stellt den Mittelpunkt der philosophischen Entwicklung seit der Neubegründung der Philosophie durch Descartes dar.

Den Rationalismus gibt es bereits seit Plato und Aristoteles[16]. Es wir angenommen, dass nur das wahr ist, was die Vernunft uns über die Welt sagt, nicht jedoch, was unsere Sinneserfahrungen uns sagen. Der rationalistische Ansatz besagt also, dass das Wesen der Dinge nicht durch sinnliche Erfahrung, sondern nur durch die Erkenntnis, also durch aus der Vernunft entsprungene Begriffe, erfasst werden kann. Für den Rationalismus ist auch das, was wir als sinnliche Erfahrung zu haben glauben, eine Vernunfterkenntnis; Sinnlichkeit ist hier ein gemindertes Vernunftvermögen[17]. Geht es nach den Rationalisten, ist Metaphysik als Bestätigung der Vernunft möglich[18].

Der Empirismus sieht das genau umgekehrt. In der Tradition der antiken Skepsis, des Epikurismus und Stoizismus ist er fasziniert vom Aufschwung der Naturwissenschaften und ihrem empirisch-experimentellen Charakter[19]. Geht es nach den Empiristen, so ist allein die Erfahrung die Ursache und gleichzeitig die Grenze des Erkennens. Alles, was also im Verstand ist, muss zunächst mit den Sinnen wahrgenommen worden sein. Alles, was wir reflektieren und wovon wir uns Begriffe bilden, ist hier nur bedeutsam, sofern es sich auf sinnliches Material bezieht. Baumgartner sagt hierzu folgendes:

„Die Vernunft ist also im Empirismus kein eigenständiges Vermögen, welches Ideen und Begriffe aus sich selbst heraus hervorbringen kann, Vernunft ist lediglich ein passives Vermögen der Rezeptivität, das als einzigen Inhalt jene Vorstellungen und Begriffe besitzt, die aus der sinnlichen Wahrnehmung, aus der Welt der Empfindungen, stammen und ihm von dort her zugeliefert werden.“[20]

[...]


[1] Vgl. GRODIN, Jean: Kant zur Einführung. 3. Auflage. Hamburg: Junius Verlag GmbH, 1994, S. 7, (SIGLE: GRODIN, Kant)

[2] Vgl. BAUMGARTNER, Michael: Kants „Kritik der reinen Vernunft“. Anleitung zur Lektüre. 4. Auflage. Freiburg – München: Verlag Karl Alber, 1996, S. 11, (SIGLE: BAUMGARTNER, Kritik)

[3] Vgl. BAUMGARTNER, Kritik, S. 12

[4] Vgl. BAUMGARTNER, Kritik, S. 12

[5] Vgl. BAUMGARTNER, Kritik, S. 12

[6] Vgl. BAUMGARTNER, Kritik, S. 11

[7] Vgl. LUDWIG, Anfänger, S. 13

[8] Vgl. GRODIN, Kant, S. 13

[9] LUDWIG, Ralf: Kant für Anfänger. Die Kritik der reinen Vernunft. 3 Auflage. München: DTV, 1996, S 15 (SIGLE: LUDWIG, Anfänger)

[10] Vgl. GRODIN, Kant, S. 8

[11] GRODIN, Kant, S. 8

[12] Vgl. ANZENBACHER, Einführung, S. 107

[13] Vgl. GRODIN, Kant, S. 12, 14

[14] Vgl. GRODIN, Kant, S. 14

[15] Vgl. GRODIN, Kant, S. 8

[16] Vgl. LUDWIG, Anfänger, S. 16

[17] Vgl. BAUMGARTNER, Kritik, S. 17

[18] Vgl. LUDWIG, Anfänger, S. 16

[19] Vgl. LUDWIG, Anfänger, S. 16

[20] BAUMGARTNER, Kritik, S. 17

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638394628
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41129
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,5
Schlagworte
Urteil Ding Kants Kritik Vernunft Böse Natur

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