Lade Inhalt...

Ein Überblick in die Geschichte der Hermeneutik

Seminararbeit 2004 20 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

- Einleitung

- Die griechische überlieferte Bedeutung der Hermeneutik

- Die ‚moderne’ Bedeutung der Hermeneutik

- Der hermeneutische Logos in der Filmanalyse: Interpretation

- Grundmethode der erkenntnistheoretische Analyse

- Schlusswort

- Literaturverzeichnis

Einleitung

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit dem Terminus der Hermeneutik in der literarischen Überlieferung, dessen Herkunft und Einfluss in der Medien- und Kommunikationswissenschaft beschäftigen.

Diese Arbeit sollte die Quellen und Verständnisse des heutigen Begriffs der Hermeneutik nachgehen, um eine kritische Zusammenstellung zu erschaffen. Dafür werde ich mich mit literaturwissenschaftlichen Sachwörterbüchern, mit philosophischen Texten, und mit medien- und kommunikationswissenschaftlichen Standpunkten auseinandersetzen. Doch, es bleibt immerhin der philosophische Bezug im Hintergrund, der in der Thematik der Hermeneutik Zugrunde liegt.

Ich nehme das Arbeitsbuch von Knut Hickethier als Basis für die medien- und kommunikationswissenschaftlichen Ansätze, die in der Diskussion der Hermeneutik als Methode auslegungshilfreich ist.

Ich verwende auch das Buch Martin Heideggers ‚Sein und Zeit’, das mir scheint, als einer der Grundtexte in dem hermeneutischen ‚Gedankengang’ für die systemische Auslegung der, vor allem, ‚menschlichen Herstellungsphänomenen’. Ich meine Herstellungsformen des künstlichen Geistes und deren Interaktion miteinander, auch bekannt als Kunstwerke, hier mediale Kunstwerke.

Mein Ziel ist einen Überblick aus der Geschichte der Hermeneutik zu entnehmen und eine Zusammenfassung in dem methodischen, modernen Gebrauch derselbe zu verschaffen.

Die griechische überlieferte Bedeutung der Hermeneutik

Der Begriff der Hermeneutik und seine Geschichte ist bis in die Antike zurückzufolgen. Aus dem Griechischen wurde hermeneuein (als Verb): Auslegen, erklären, dolmetschen, und übersetzen; und hermeneia (als Substantiv) als Sprache, Rede, Auslegung, und Erklärung verstanden. Nach Hermes als Vermittler zwischen Göttern und Menschen: (lat. Mercurius), Sohn der Maia und des Zeus, Götterbote, Seelengeleiter, Gott der Kaufleute und Diebe (Langenscheidt 1993). Daher stammte später die deutsche Wortbedeutung der Hermeneutik.

Also, ursprünglich ist die Hermeneutik benannt, als die Kunst des sinngemäßen Verstehens und Auslegens: Deutung, Interpretation, Exegese eines Schriftwerkes, insbesondere, allegorischer Texte (Wilpert 2001), der Dichtungen Homers, der Schriften des Aristoteles und v. a. der Bibel (Meid 1999). In diesem Zusammenhang wurde der Begriff der Hermeneutik als eine Methode, bzw. Theorie zur Auslegung von Texten überliefert und somit übernommen. Aber ihr Anwendungsbereich umgreift nicht nur sprachliche Texte, sondern auch nichtsprachliche Äußerungen und Strukturen (Gesten, Handlungen, Kunst, Musik, Institutionen, historische Verläufe, u. a.). Ihre traditionelle Domäne ist jedoch das Verstehen von schriftlichen Texte, (Meid 1999). „Dabei wurden neben streng auf den Wortlaut bezogenen grammatischen Methoden auch Verfahrensweise entwickelt, die auf eine hinter dem vordergründigen Wortsinn verborgene Bedeutung zielten“ (Meid 1999, S. 226). Es geht hier darum, eine Theorie der Auslegung, eine Reflexion über der Bedingungen des Verstehens und seiner Wiedergabe zu gewinnen.

In der mittelalterlichen Epoche bleibt diese griechische hermeneutische Verständigung weiter zu den Väter der Kirche gebunden, und wurde erst durch die reformatorische Orientierung in Frage gestellt (Meid 1999). Sie konzentriert sich vor allem auf die Bibelexegese im Hinblick auf die Lehre vom mehrfachen Schriftsinne, z. B eines allegorischen, verborgenen zweiten Sinnes, der sich durch Allegorese erschließen lässt (Wilpert 2001). Aus diesem Kontext sollte der ‚moderne Begriff’ der Hermeneutik entstehen. Er wird nicht mehr nur als eine Methode, als eine ‚Kunst der Textauslegung’ verstanden, sondern damit auch der Subjets-, bzw. Autors- und Rezipientenauslegung, und deren kulturellen, hermeneutischen „... Gewinnung der Seinsstrukturen des im Ansprechen und Besprechen Seienden.“ (Heidegger 1993).

Die ‚moderne’ Bedeutung der Hermeneutik

Mit ‚moderner Zeit’ meine ich den ‚bürgerlichen Realismus’ und ‚Industrialisierungsperiode’, d. h. das Ende, oder die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es ist eine intellektuelle Periode, in der der Begriff der Hermeneutik sich weiter definieren lässt, und, obwohl mit Luther schon anfing, könnte man sagen, dass die Hermeneutik ihren nächstwichtigsten Punkt ihrer Definition erlangte.

Damit sind unvermeidlich zwei Namen, als Begründer der hermeneutischen Methode, einzubeziehen: Der eine ist Friedrich Schleiermacher und der andere Wilhelm Dilthey. Schleiermacher betrachtete die Hermeneutik, als eine systematische „Reproduktion des Produktionsprozesses“ (Wilpert 2001, S. 337), d. h. als „die Kunst, die Rede eines andern, vornehmlich die schriftliche, richtig zu verstehen“ (Meid 1999, S. 226) und sie zu reproduzieren, bzw. wiedergeben. Dabei bezog er sich auf die ‚sprachlichen’ Äußerungen in der Sprache überhaupt, sowie in den individuellen Rednern, bzw. Denkern oder Verfassern (ebd.). Für ihn erschien die Hermeneutik als nachahmende ‚Konstruktion’ sowohl der „grammatikalischen“, als auch der „psychologischen“ (Meid 1999, S. 226) Faktoren im Verstehen eines Phänomens. Für Dilthey, der die schleiermacherische Verständigung des Begriffs der Hermeneutik weiterentwickelte und das hermeneutische Verstehen zur grundlegenden Methode der Geisteswissenschaft erklärte und sie so von den Naturwissenschaften abgrenzte (ebd.), war die Hermeneutik die „Kunstlehre des Verstehens schriftlich fixierter Lebensäußerungen“ (Wilpert 2001, S. 337).

In der hermeneutischen Tradition wurde diese geisteswissenschaftliche Hermeneutik aus einer gründlicheren, auslegenden Ebene des hermeneutischen Diskurses erneut verstanden, bzw. interpretiert, und zwar in einer an dem Dasein orientierten, existentialistischen Hermeneutik der Seinsfrage: In der Frage nach dem Sein steckt implizit schon die Grundfrage des Verstehens, die Schleiermacher und Dilthey vorzogen: „... - die Seinserfahrung gibt das Vorwissen, das als Grundlage des Verstehens immer erforderlich ist- ...“ (Meid 1999, S. 227). Zwei Hermeneutiker sind hier zu erwähnen: Einerseits, Martin Heidegger; anderseits, sein Schüler Hans-Georg Gadamer. Heidegger ist der Auffassung, dass Schleiermacher und Dilthey die gesuchte Reflexion über das Verstehen nicht die gründlichste Frage ist, und unter dieser Voraussetzung entwickelte er diesen Stanpunkt in einem „apophantischen Logos“ (eine zeigende Sprache, Rede) als ein „ ... Sehenlassen von den Sachen her“ (Heidegger 2001, S. 23), d. h. als ‚Nicht in der Sprache verankerten Ausdrücke’, die durch Wörter unzureichend bleiben, und durch Wörter nicht mitgeteilt werden können, d. h. nicht um eine Reflexion über die Bedingungen des Verstehens und seiner Wiedergabe zu gewinnen, sondern um eine Reflexion aus der Seinsfrage selbst zu vernehmen, die die Phänomene und die Redenden in einer medialen Verbindung stellen könnte, in der der ‚apophantischer Logos’ das gerade zeigt, wovon die Rede ist. Er (der Logos) ist weder ein Urteilender Logos, noch ein propositioneller Logos. Er ist ein deskriptiver, zeigender Logos. Sein und Denken werden identifiziert. Deswegen ist dieser Schritt eine Überwindung des Begriffs des ‚Verstehens’.

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638393690
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41006
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – FB Literatur
Note
2,3
Schlagworte
Geschichte Hermeneutik Methoden Analyse Medienprodukten

Autor

Zurück

Titel: Ein Überblick in die Geschichte der Hermeneutik