Lade Inhalt...

Fremdenfeindlichkeit in Deutschland

Hausarbeit 2000 31 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.Kapitel: Abgrenzung Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit
1.1 Rassismus
1.2 Ausländerfeindlichkeit
1.3 Fremdenfeindlichkeit

2. Kapitel: Die geschichtliche Entwicklung der Darstellungsform des Anderen als Voraussetzung für Fremdenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus
2.1 Die Darstellung des Anderen in Europa während der Kolonialzeit
2.2 Die Wissenschaft als „Begründer“ des Rassismus
2.3 Zusammenfassung

3. Kapitel: Fremdenfeindlichkeit in Deutschland
3.1 Was beinhaltet Fremdenfeindlichkeit?
3.2 Fremdenfeindlichkeit innerhalb der Bevölkerung
3.3 Zusammenhänge zwischen Fremdenfeindlichkeit und anderen Variablen
3.3.1 Fremdenfeindlichkeit: Ost versus West
3.3.2 Geschlecht Alter, Bildung und Fremdenfeindlichkeit
3.3.3 Arbeitslosigkeit und Fremdenfeindlichkeit

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich mich mit der gerade auch in den Medien und der Öffentlichkeit aktuellen Thematik der Fremdenfeindlichkeit bzw. dem Rassismus befassen. In diesen Tagen erleben wir einmal mehr, wie hoch brisant und wichtig die Auseinandersetzung mit diesem Phänomen ist. Gerade in Deutschland ist diese Debatte äußerst sensibel; erinnern wir uns doch noch allzu satrk an die menschenverachtende Verfolgung und Vernichtung der Juden im zweiten Weltkrieg durch die Nationalsozialisten. Hier soll es jedoch keinesfalls um eine Beurteilung der damaligen Betroffenen gehen oder um dieses Ereignis als solches, sondern in dieser Arbeit möchte ich zum einen Differenzierungen im Begriffsreportoire schaffen, zum anderen aber auch Daten aus Erhebungen für sich sprechen lassen. Es soll danach klar werden, was Rassismus bzw. Fremdenfeindlichkeit nun eigentlich ist und wie jeder von uns ihn täglich begegnet.

Gedenkt man der aktuellen Situation , so wird einem klar, dass der Rassismus noch längst nicht beseitigt worden ist, trotz der immer erneuten Aufklärung über das „Dritte Reich“ in den Schulen. Scheinbar finden sich immer noch Menschen, die sich Organisationen der rechten Szene anschließen. So denkt die Regierung um Kanzler Schröder darüber nach, die NPD zu verbieten. Ist das jedoch die Lösung? Ich wage es zu bezweifeln. Denn diese radikale Form des Rassismus, nämlich Menschen durch die Strassen zu hetzen und zu mißhandeln, ist nur eine Form der Fremdenfeindlichkeit, unbestritten die extremste und gefährlichste. Dennoch darf man nicht andere, subtilere Arten dieses Phänomens übergehen. Denn die gedankliche Basis für solche Auswüchse liegt in der gesamten Bevölkerung, d.h. auch bei den Politikern und Medien. Rassismus bzw. Fremdenfeindlichkeit hat verschiedene Nuancen, die eben auf divergente Arten in Erscheinung treten. Die Frage, die sich hier stellt, ist die, ob man erst Rassist ist, wenn man Menschen in der direkten körperlichen oder auch verbalen Form angreift.

So werde ich im ersten Kapitel zunächst einmal die häufigst benutzten Begriffe für das hier bahandelte Thema versuchen voneinander abzugrenzen. Es wird schnell klar werden, inwieweit sich die Begriffe unterscheiden oder aber auch Übereinstimmungen zeigen.

Im folgenden Kapitel möchte ich dann einen historischen Abriss von Fremdenfeindlichkeit bzw. Rassismus geben. Das meint, wie sich diese Erscheinungen im Laufe der Zeit „entwickelt“ haben. Dieses Kapitel ist durchaus interessant in bezug auf das Bewußtwerden, dass die Kulturen Europas, und somit auch die Menschen, diese fremdenfeindliche Haltung geschichtlich bedingt in sich tragen.

Im dritten Kapitel werde ich dann auf einige Studien eingehen und die dazugehörigen Resultate erläutern. Hier soll klar gemacht werden, ob und wie bestimmte Merkmale wie z.B. Arbeitslosigkeit und Rassismus zusammenhängen. Bezüglich der aktuellen Diskussion ein sehr interessanter und wichtiger Aspekt, da immer wieder Verbindungen zwischen Rassismus bzw. Fremdenfeindlichkeit und anderen Merkmalen hergestellt werden. Wir werden sehen, ob diese wirklich haltbar sind.

Dieses letzte Kapitel wird zeigen, ob die Ansatzpunkte, die derzeit vorgeschlagen werden, der Lösung dieses Problems wirklich entsprechen oder ob sie nur zur „politischen Lösung“ dienen, nämlich die Bevölkerung zu beruhigen, dass Fremdenfeindlichkeit und Rassismus „beseitigt“ werden kann, indem bestimmte Dinge abgestellt werden.

1. Kapitel
Abgrenzung: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit

Wie in der Einleitung bereits angesprochen, werden im Alltag in der Regel Begriffe wie Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in „einen Topf“ geworfen. Diese Vorgehensweise ist jedoch für eine wissenschaftliche Arbeit nicht ergiebig. Deshalb ist es das Anliegen des ersten Kapitels diese Begriffe zu definieren.

1.1 Rassismus

Die Arbeitsgruppe -SOS - Rassismus der Uni - Marburg hat eine treffende Definition für den Begriff Rassismus gefunden: „Rassismus liegt immer dann vor, wenn bestimmte Merkmale (z.B. Hautfarbe, Asylbewerber zu sein, Geschlecht usw.) mit bestimmten Eigenschaften gekoppelt werden (z.B. wenn von der Hautfarbe oder Herkunft auf die geistige, kriminelle oder sexuelle Energie o.ae. geschlossen wird) und durch diese Konstruktion eine Bewertung entsteht.“[1]

Rassismus beinhaltet demnach drei entscheidende Momente. Zuerst muss ein spezielles Merkmal vorliegen. So waren die Juden für den Nationalsozialisten unter anderem angeblich an der Nase und der Kopfform zu erkennen. Diese Merkmale wurden dann in bezug auf bestimmte Eigenschaften gesetzt. Die Juden wurden zu jener Zeit als gierig bezeichnet. Sie sollten arglistig und gemein sein. Die abschliessende Bewertung fiel demnach natürlich nicht positiv aus. Es manifestierte sich das Bild des Blutsaugers.

Beim Rassismus geht es um die Interpretation der Unterschiede unter gleichzeitiger Verwendung dieser zum eigenen Gunsten: „Nicht die Wahrnehmung eines Unterschiedes ist also entscheidend, sondern der Gebrauch des Unterschieds zum eigenen Vorteil und als Waffe gegen das Opfer.“[2]

1.2 Ausländerfeindlichkeit

Der Begriff der Ausländerfeindlichkeit wird im Alltag ebenfalls sehr häufig benutzt. Es treten dabei oft keine Unterschiede zum Begriff des Rassismus auf. Bei näherer Betrachtung bestehen aber durchaus Unterschiede: „Auch wenn in der BRD oft von Ausländerfeindlichkeit gesprochen wird, geht es um Rassismus. Der Begriff Ausländerfeindlichkeit meint, dass eine Feindschaft gegenüber Auslaendern gegeben sei - übersehen wird aber, dass gleichzeitig eine deutliche Trennung zwischen z.b. Schweden, Franzosen, Hollaendern usw. einerseits und z.B. Tuerken, Kanaken, Afrikanern usw. andrereseits vollzogen wird.“[3]

Nach A. Silbermann und F. Hüsers handelt es sich bei dem Begriff Ausländerfeindlichkeit um einen durch die Politik hervorgebrachten. Der Grund dafür sei,so die Autoren, dass der Begriff des Rassismus zu eindeutig auf die Zeit der Faschisten verweist, während der Begriff der Ausländerfeindlichkeit weniger verfänglich ist. Silbermann und Hüsers sagen aber auch, dass der Begriff verharmlosend und verhüllend ist, da er auch rassistische Handlungen und Einstellungen kaschiert. Er beinhaltet nach der Definition jeden ausländischen Menschen, d.h. eben auch Amerikaner und Westeuropäer, während die Realität aber ganz anders aussieht.

Betroffen sind meist aber Juden, Sinti und Roma, Afrikaner und Orientalen. Es findet also eine Art Selektion statt. Nicht jeder Ausländer ist gleich. Es scheint hier eine deutliche Rangfolge zu geben.

1.3 Fremdenfeindlichkeit

Der Begriff der Fremdenfeindlichkeit nun ist sehr weitreichend und allgemein. In der Alltagssprache ist damit das ablehnende Verhalten gegenüber bestimmten ausländischen Mitbürgern gemeint. Er wird dem Begriff des Rassismus und der Ausländerfeindlichkeit oft gleichgestellt, bzw. synonym verwendet.

Da es mir daran liegt die Begriffe inhaltlich zu differenzieren, folge ich Silbermanns und Hüsers Vorstellung, dass Rassismus und Ausländerfeindlichkeit mit dem Begriff der Fremdenfeindlichkeit miteingeschlossen wird: „Nehmen wir uns noch einmal die drei angeführten Begriffe `Fremdenfeindlichkeit´ , `Rassismus´ und `Ausländerfeindlichkeit´ vor, dann können wir (...) zu deren grober Bestimmung und Verwendbarkeit sagen, daß Fremdenfeindlichkeit der am weitesten greifende, Rassismus demgegenüber der am engsten absteckende Begriff ist und Ausländerfeindlichkeit mit dem tagespolitischen Vorstellungen irgendwo dazwischen liegt.“[4]

Fremdenfeindlichkeit ist demnach als ein übergeordnerter Begriff zu verstehen, der sich von Rassismus dahingehend unterscheidet, dass diesem keine Ideologie zugrunde liegen muss.

Die Abgrenzung vom Begriff der Ausländerfeindlichkeit fällt da schon schwerer, da sich die Begriffe vom Inhalt her fast gleichen, nur dass Ausländerfeindlichkeit im strengen Sinn, Menschen einschließt, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Also wären hier geborene Türken nicht als Ausländer zu bezeichnen.

Fremdenfeindlichkeit hingegen deutet eher auf Menschen hin, die irgendein Merkmal haben, das dem der eigenen Herkunft fremd ist, so z.B. das Aussehen oder andere Sitten usf.

2. Kapitel
Die geschichtliche Entwicklung der Darstellungsform des Anderen als Voraussetzung für Fremdenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus

Dieses Kapitel soll zeigen, welche wichtigen geschichtlichen Faktoren die heutigen vorurteilsbeladenen Denkweisen gegenüber Anderen bzw. Fremden haben entstehen lassen. Das Kapitel erhebt keinen Anspruch auf vollständige Darstellung, es soll lediglich Einblick in die Entwicklungsgeschichte dieses Phänomens geben. Ich möchte in der Zeit ansetzen, wo Menschen begannen andere Kontinente, d.h. präziser, als Europa begann andere Kontinente, z.B. Afrika und Asien, zu entdecken und zu besetzen. Die Konfrontation mit Menschen anderen Aussehens, gilt als der mit entscheidende Faktor bei der Entstehung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausländerfeindlichkeit. Dazu im folgenden mehr.

2.1 Die Darstellung des Anderen in Europa während der Kolonialzeit

Die „Grundvoraussetzung“, weshalb Menschen überhaupt damit konfrontiert wurden, sich ein Bild über andersaussehende Menschen zu machen war: „Seit Jahrtausenden sind die durch Produktion, Handel und Kriegsführung determinierten Migrationsbewegungen die Vorbedingung für das Zusammentreffen von Individuen und Gruppen gewesen.Im Verlauf dieser Austauschbeziehungen haben alle Beteiligten Bilder, Vorstellungen und Bewertungen des Anderen hervorgebracht und reproduziert, um Erscheinung und Verhalten derjenigen zu erklären, mit denen sie in Kontakt getreten waren, und um Interaktions- und Reaktionsstrategien zu entwerfen.“[5]

Eine Tatsache, die nicht weiter verwundert, da auch wir heute noch solche Interaktions- und Reaktionsstrategien entwerfen, um den Alltag mit unseren Mitmenschen zu bestreiten.

Hier nun soll es aber um den Prozess gehen, der ein bestimmtes Bild anderer Bevölkerungen aus europäischer Sicht ermöglichte.

In Europa waren die Sitten und Gebräuche weitgehend bekannt und auch ähnlich. Jedenfalls in den heutigen Industrieländern des westlichen Europas. Deshalb traten in den gegenseitigen Zuschreibungen nicht so negative Bewertungen statt, wie das bei den Kulturen anderer Kontinente der Fall war.

Ansetzten möchte ich in der Kolonialzeit, als europäische Länder sich in andere Teile der Welt vorwagten. Robert Miles gibt hier zu bedenken, dass diese Kaufleute nicht ohne Vorstellungen über den Anderen losfuhren, sondern bereits bestimmte Erwartungen hatten: „ Wenn die europäischen Entdecker und Kaufleute des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts sich auf die Reid´se begaben, so hegten sie bereits gewissen Erwartungen hinsichtlich der Charakterzüge der Völker, denen sie begegnen würden.“[6]

Diese Vorstellungen gingen auf frühere Zeiten zurück, die vor allem durch die Ausdehnung des gräkoromanischen Reiches etabliert wurden. Diese Darstellungsformen des Anderen stützte sich vor allem auf die Begegnung der Menschen in Nordafrika. Zunächst ein mal bleibt zu erwähnen, dass bei aller Unterschiedlichkeit die Menschen doch gleich sind. Dennoch wurde schon in der Antike eine Art Rangordnung konstruiert: „Zunächst wurden Afrikaner aufgrund bestimmter physischer Merkmale, vor allem der Hautfarbe, Haarstruktur und Nasenform, identifiziert(...). Die antike Kultur besaß einen festgelegten Farbsymbolismus, in dem das Weiße positiv, das Schwarze aber negativ gewertet wurde, weil man es mit dem Tod und der Vorstellung einer Unterwelt assoziierte (...).“[7]

Es entstand natürlich die Neugierde und Erklärungsnot, warum es diese unterschiedlichen „phänotypischen und kulturellen Unterschiede“ gab. Wobei die Erklärung, dass die Unterschiede durch die Umwelteinflüsse, sprich dem anderen Klima, bedingt sind, vorherrschte: „So glaubte man zum Beispiel, die afrikanischen Menschen verdankten ihre Hautfarbe und die Beschaffenheit ihres Haares dem unablässigen Einfluß des heißen Sonnenlichts (...).“[8]

[...]


[1] Info-Zentrum für Rassismusforschung

[2] ebenda

[3] ebenda

[4] A. Silbermann/F.Hüsers: Seite 6

[5] Robert Miles: Seite 19

[6] ebenda: Seite 21

[7] ebenda: Seite 23

[8] ebenda: Seite 24

Details

Seiten
31
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638125352
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4096
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Fachbereich 3
Note
2,0
Schlagworte
Fremdenfeindlichkeit Deutschland Umfeld Kindern

Autor

Zurück

Titel: Fremdenfeindlichkeit in Deutschland