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Migration in der frühen Neuzeit - Bäuerliche Mobilität

Seminararbeit 2005 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die bäuerliche Mobilität in der Frühen Neuzeit
2.1 Wer waren die Bauern in der Frühen Neuzeit?
2.1.1 Webende Bauern in Laichingen
2.1.2 Arbeitsame Bauern in Unterfinning
2.2 Mobilität der Bauern in Laichingen und Unterfinning
2.2.1 Laichingen
2.2.2 Unterfinning

3. Einheitliche bäuerliche Mobilität oder regionale Unterschiede?

4. Schlussbetrachtung - War die bäuerliche Mobilität wirklich eine Art der Migration?

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit soll im Rahmen des Seminarthemas „Migration in der Frühen Neuzeit“ im Besonderen die bäuerliche Mobilität behandeln. Die Arbeit beschränkt sich im Wesentlichen auf die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg und konzentriert sich auf zwei süddeutsche Dörfer, deren Dorfgeschichten relativ gut erforscht sind. Es handelt sich zum einen um das schwäbische Laichingen und zum anderen um Unterfinning, welches in Bayern liegt.

Anhand dieser beiden Dorfgeschichten soll in dieser Hausarbeit ein charakteristisches Migrationsverhalten der Bauern in der Frühen Neuzeit erarbeitet werden. Als Referenz dazu dient Forschungsliteratur, die sich mit der Geschichte von Dörfern in Schwaben und Bayern dieser Zeit beschäftigt. Es wird anhand dieser Referenzliteratur beobachtet werden, ob das Mobilitätsverhalten der Bauern von Ort zu Ort unterschiedlich ist oder ob es Gemeinsamkeiten dafür gibt.

Problematisch bei dieser Aufgabe ist, dass es noch keine bestimmte Literatur gibt, die sich explizit mit dem Thema der bäuerlichen Mobilität auseinandersetzt. Es muss also anhand der vorliegenden Literatur erst einmal in Erfahrung gebracht werden, wie diese Mobilität aussah. Zum Schluss wird die bäuerliche Mobilität kritisch im Hinblick auf den Begriff Migration erörtert.

Für Laichingen wurde in erster Linie die Monographie von Hans Medick[1] und für Unterfinning diejenige von Rainer Beck[2] benutzt. Beide Arbeiten geben einen detaillierten Überblick über die Dorfgeschichte dieser beiden Orte. Als Referenz werden zum einen David Warren Sabeans Monographie[3] über das schwäbische Neckarhausen und Ferdinand Kramers Aufsatz[4] über Untermühlhausen, einem bayrischen Dorf, benutzt. Während Sabeans Arbeit ähnlich ausführlich ist, wie die Monographien von Medick und Beck, ist Kramers Aufsatz ein kurzer Abriss über die Außenbeziehungen eines bayrischen Dorfes, welcher einige Aufschlüsse über die Mobilität der Bauern gibt. Selbstverständlich wird noch weitere Literatur verwendet, auf die aufgrund der vergleichsweise geringen Bedeutung an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll.

Zu Beginn der Arbeit wird zuerst darauf eingegangen, wer die Bauern in der Frühen Neuzeit überhaupt waren. Es soll gezeigt werden, ob die Bauern damals dem heutigen Bild eines Bauern entsprechen oder inwiefern es sich vom heutigen unterscheidet. Dies wird für jeden der beiden näher behandelten Ortschaften einzeln getan, da es je nach Situation des Dorfes Unterschiede geben kann.

Nach dieser Charakterisierung der bäuerlichen Bevölkerungsschicht wird nun näher auf die Mobilität eben dieser Bevölkerungsgruppe eingegangen. Auch diesmal werden die Situationen in den jeweiligen Dörfern einzeln behandelt, um eine gewisse Transparenz des Themas zu erhalten.

Im dritten Hauptteil dieser Hausarbeit kommt es nun zu einem Vergleich zwischen den Mobilitätsarten, die in dem vorhergehenden Part erarbeitet wurden. Nun wird auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede, auch im Hinblick auf andere Dörfer der Frühen Neuzeit, hingewiesen. Dies soll zu der Erkenntnis führen, ob es regionale Unterschiede bei der Mobilität der Bauern gibt oder ob man diese Mobilität für die Schicht der Bauern verallgemeinern kann.

Zum Schluss der Arbeit wird die bäuerliche Mobilität der Migration untergeordnet und kritisch bewertet.

2. Die bäuerliche Mobilität in der Frühen Neuzeit

2.1 Wer waren die Bauern in der Frühen Neuzeit?

Bevor auf die bäuerliche Mobilität eingegangen wird, werden nun zuerst kurz die Bauern der Frühen Neuzeit charakterisiert, denn der heutige Begriff des Bauern unterscheidet sich wesentlich von dem damaligen.

2.1.1 Webende Bauern in Laichingen

Stellt man sich im Allgemeinen den Bauern als eine Person vor, die sich Tag für Tag auf Äckern und Feldern an die Arbeit begibt, so war zumindest der Bauer im schwäbischen Laichingen nicht nur mit dieser Arbeit beschäftigt.

Dazu muss erwähnt werden, dass der durchschnittliche Laichinger Bauer (50 Prozent der Einwohner) weniger als ein Prozent der Gesamtfläche des Dorfes besaß, während sich die reichsten 10 Prozent der Laichinger 40 Prozent der Fläche teilten.[5]

Dieser minimale Grundbesitz wurde im Laufe der Zeit noch drastischer, so teilten sich 1821, rund 60 Jahre nach Erhebung der vorher genannten Zahlen, 204 Haushalte die gleiche Fläche wie früher 137 Haushalte.[6] Der geringe Landbesitz und die geographische Lage Laichingens machten es für den Bauern notwendig, sich ein Zubrot zu verdienen, da er sich und seine Familie nicht alleine durch die Landwirtschaft ernähren konnte. Dies führte zu einer hausindustriell-landwirtschaftlichen Verflechtung innerhalb dieser Haushalte.[7] Der Lebensunterhalt wurde meist durch parallele Ausübung der Landwirtschaft und des Leinenwebergewerbes gesichert.[8] Der durchschnittliche Bauer in Laichingen war also sowohl Bauer als auch Leinenweber.

2.1.2 Arbeitsame Bauern in Unterfinning

Im Gegensatz zu Laichingen kann man die Bauern in Unterfinning als reine Bauern bezeichnen, die nur von der Landwirtschaft lebten. Diese Landwirtschaft bestand aus dem Getreideanbau und der Viehwirtschaft.[9]

Die landwirtschaftliche Arbeit dauerte das ganze Jahr über an, doch besonders bei der Getreideernte waren die Unterfinninger Bauern sehr arbeitsam und gaben sich stets die Mühe, den Ertrag so groß wie möglich zu gestalten. Dies äußerte sich in ihrer Arbeitsweise beim Schneiden des Getreides. Während man im Norden Deutschlands mit der Sense das Getreide abhaute, wurde es in Unterfinning und, wenn man Peter Assion[10] glauben schenken darf, in ganz Süddeutschland behutsam mit der Sichel geschnitten. Dies bedeutete einen höheren Zeitaufwand, aber auch einen höheren Ertrag, der den höheren Zeitaufwand rechtfertigte.[11] Der Unterfinninger Bauer kann bedenkenlos als fleißiger Land- und Viehwirt bezeichnet werden, dessen mühsame, aber effektive Arbeit es nicht zwingend notwendig machte, seinen Lebensunterhalt durch andere Tätigkeiten sichern zu müssen.

[...]


[1] Medick, Hans: Weben und Überleben in Laichingen. 1650-1900, Göttingen 1997.

[2] Beck, Rainer: Unterfinning. Ländliche Welt vor Anbruch der Moderne, München 1993.

[3] Sabean, David Warren: Kinship in Neckarhausen, 1700-1870, Cambridge 1998.

[4] Kramer, Ferdinand: Außenbeziehungen und Einzugsgebiet eines Dorfes im der Frühen Neuzeit. Untermühlhausen: Erfahrbare Welt von Dorbewohnern und die Verbreitungsmöglichkeit geistiger Strömungen in einer ländlichen Region, in: Fassl, Peter u.a. (Hgg.): Aus Schwaben und Altbayern. Festschrift für Pankraz Fried zum 60. Geburtstag (Augsburger Beiträge zur Landesgeschichte Bayerisch-Schwabens 5), Sigmaringen 1991, S. 133-155.

[5] Medick, Weben und Überleben, S. 183.

[6] Medick, Weben und Überleben, S. 185.

[7] Ebd., S. 153.

[8] Ebd., S. 198.

[9] Beck, Ländliche Welt, S. 97.

[10] Assion, Peter : Nord-Süd-Unterschiede in der ländlichen Arbeits- und Gerätekultur, in: Wiegelmann, Günter (Hg.): Nord-Süd-Unterschied in der städtischen und ländlichen Kultur Mitteleuropas, Münster 1985, S. 251-263.

[11] Beck, Ländliche Welt, S. 132.

Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638392938
ISBN (Buch)
9783640970643
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40894
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Historisches Institut / Abteilung Neuere Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
Migration Bäuerliche Mobilität Proseminar Frühe Neuzeit Neuere Geschichte

Autor

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Titel: Migration in der frühen Neuzeit - Bäuerliche Mobilität