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EVA- und MVA-Konzept - Darstellung und kritische Würdigung

Seminararbeit 2005 39 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGS- UND SYMBOLVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2 Darstellung des EVA-Konzepts
2.1 Beschreibung des Basiskonzepts
2.2 Berechnung des Economic Value Added
2.3 Konversionen des Accounting Model in ein Economic Model
2.4 Komponenten des Economic Value Added
2.4.1 Ermittlung des NOPAT
2.4.2 Ermittlung des investierten Kapitals
2.4.3 Ermittlung des Kapitalkostensatzes
2.5 Darstellung des MVA-Konzepts
2.6 Anwendungsbereiche des EVA- und MVA-Konzepts
2.6.1 Performancemessung von Unternehmen
2.6.2 Unternehmensbewertung und Beurteilung von Investitionen
2.6.3 Wertorientierte Erfolgsvergütung

3 Kritische Würdigung des EVA- und MVA-Konzepts
3.1 Geringe Komplexität und einfache Kommunizierbarkeit
3.2 Transparenz und Datenaufbereitung
3.3 Einbezug der gesamten Kapitalkosten
3.4 Einbezug von Abschreibungen
3.5 Unberücksichtigung qualitativer Werttreiber
3.6 Prognostizierbarkeit künftiger finanzieller Daten

4 Fazit und Ausblick

ANHANGSVERZEICHNIS

ANHANG

LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Komponenten und Berechnung des Economic Value Added

Abbildung 2: Unternehmensbewertung mittels der MVA-Methode

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Entscheidungsregel für Strategie- und Investitionsbeurteilung

Tabelle 2: Berechnung des NOPAT

Tabelle 3: Berechnung des investierten Kapitals

„Ein jeder gibt den Wert sich selbst.“

Johann Christoph Friedrich von Schiller (1759 - 1805)

deutscher Dichter und Dramatiker

„Wer will den "Wert" des anderen bestimmen können, wenn er nicht mal seinen eigenen Wert kennt und anerkennt.“

Rose von der Au (1953)

deutsche Lyrikerin und Aphoristikerin

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

In Zeiten von Globalisierung, Marktderegulierung und Branchenkonsolidierung gewinnt die wertorientierte Unternehmenssteuerung zunehmend an Bedeutung. Dynamische Entwicklungen auf den internationalen Güter- und Kapitalmärkten, sich immer schneller wandelnde politische und ökonomische Rahmenbedingungen für Unternehmen, intensiverer Wettbewerb sowie komplexere betriebliche Prozesse stellen die Unternehmensführung vor vielfältige Heraus-forderungen.[1] Im Hinblick auf diese Anforderungen sowie auf die Zielsetzung der Marktwertmaximierung, was zahlreiche Unternehmen unter dem Schlagwort Shareholder Value ver-folgen, haben sich neue Bewertungsmodelle entwickelt. Zu diesen neuen Bewertungsmethoden zählt u. a. das Konzept des Economic Value Added[2] (EVA, deutsch: zusätzlicher Mehrwert oder ökonomischer Wertbeitrag), welches zunehmend auch in deutschen Unternehmen zur Unternehmenssteuerung angewendet wird.[3]

EVA basiert auf dem Buch „The Quest for Value“ von der amerikanischen Unternehmensberatung Stern Stewart & Co. und ist ein eingetragenes Warenzeichen dieser Beratungsgesellschaft. Bei einer bedeutenden Anzahl von nationalen wie internationalen Unternehmen kommt diese Kennzahl schon längere Zeit zur Anwendung, wie z. B. bei Siemens, Metro, Coca-Cola, Procter & Gamble oder auch bei der Deutschen Telekom. Daneben dient es als wichtiges Instrument zur Unternehmensanalyse und -bewertung bei großen Investmentbanken, wie beispielsweise Goldman Sachs, Morgan Stanley oder Merrill Lynch.[4]

Das EVA-Konzept wird primär zur periodischen Leistungsmessung eingesetzt. Es kann aber ebenso über den Market Value Added (MVA, deutsch: zusätzlich geschaffener Marktwert) zur Bestimmung des Unternehmenswerts, zur Einschätzung von Investitionsentscheidungen sowie zur wertorientierten Erfolgsvergütung herangezogen werden.[5]

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Zielsetzung dieser Arbeit soll die Darstellung des Economic Value Added und des Market Value Added sein. Dabei liegt der Fokus auf dem EVA-Konzept, da sich aus diesem der MVA ableiten lässt und somit Grundlage für dessen Berechnung ist. Im Anschluss an die Darstellung erfolgt eine kritischen Würdigung, in der die Stärken und Schwächen dieser beiden Kennzahlen untersucht werden sollen.

Zunächst wird am Anfang von Kapitel 2 das Grundkonzept sowie die Berechnungsmethodik des Economic Value Added dargestellt. Für die Berechnung des EVA sind zunächst An-passungen der Jahresabschlussdaten vorzunehmen, die nachfolgend erläutert werden. Im Anschluss wird auf die einzelnen Komponenten des EVA und deren Ermittlung eingegangen. Danach erfolgt die Darstellung des MVA-Konzepts. Am Ende von Kapitel 2 werden die einzelnen Anwendungsbereiche der beiden Steuerungsgrößen vorgestellt. In Kapitel 3 wird dann eine kritische Würdigung vorgenommen. Am Ende der Arbeit wird ein Fazit gezogen sowie ein kurzer Ausblick gegeben. Anhang 3 dient ergänzend zur anschaulichen Berechnung des EVA und in Anhang 4 wird ein Beispiel für die Ermittlung des Unternehmenswerts mittels MVA-Konzept dargestellt.

Weitere Wertsteigerungsmodelle, wie z. B. der Cash Value Added oder der Economic Profit, sind nicht Bestandteil dieser Arbeit.

2 Darstellung des EVA-Konzepts

2.1 Beschreibung des Basiskonzepts

Das sich in den USA anfangs der neunziger Jahre entwickelte EVA-Modell[6] wird zu den Contribution-Modellen gezählt, die seit geraumer Zeit zunehmende Beachtung in Theorie und Praxis finden. Dabei handelt es sich um Über- oder Residualgewinnverfahren, nach denen nur die über den Kapitalkosten liegende Rentabilität zusätzlichen Wert generiert.[7] Übergewinne zeigen somit den Gewinn eines Unternehmens auf, welcher sowohl die Fremd- als auch die Eigenkapitalkosten überschreitet.[8]

Die Grundidee des Economic Value Added besteht darin, Informationen der Unternehmensleitung darüber bereitzustellen, welche Strategien und Investitionen werterhöhend bzw. wertvernichtend sind.[9] Nach dem EVA-Konzept sind diejenigen Strategien und Investitionen wert-steigernd, deren Rendite die Kosten des investierten Kapitals[10] übersteigen. Für die Beurteilung deren Vorteilhaftigkeit muss ein Vergleich mit den relevanten Kapitalkosten erfolgen, um Fehlallokationen zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Damit ausschließlich die betrieblichen Tätig-keiten Berücksichtigung im Economic Value Added finden, ist eine Abgrenzung des betriebsnotwendigen und des nicht betriebsnotwendigen Kapitals erforderlich.[11] Neu an dieser
Steuerungsgröße ist die konsequente Implementierung in sämtliche Prozesse und Bereiche des Unternehmens mit der Maßgabe, das Verhalten der Mitarbeiter auf eine nachhaltige Unternehmenswertsteigerung auszurichten.[12]

Im Unternehmen wird nur ein zusätzlicher Mehrwert geschaffen, wenn über die Ansprüche der Kapitalgeber hinaus – wie z. B. Gläubiger, Mitarbeiter oder Eigentümer – Gewinn erzielt wird. Dieser Mehrwert ist dann den Eigentümern vorbehalten. Der Anspruch der Fremdkapitalgeber besteht darin, auf das von ihnen zur Verfügung gestellte Kapital eine angemessene Verzinsung zu bekommen. Die Mitarbeiter haben den Anspruch, nach Eintritt in den Ruhestand Pensionszahlungen zu erhalten. Daneben kommt noch die Forderung der Eigentümer hinzu, eine risikoadäquate Verzinsung ihres bereit gestellten Kapitals zu erhalten. Diese Ansprüche der Eigenkapitalgeber, welche in der Finanzbuchhaltung keine Berücksichtigung finden, erhöhen die zu erzielende Rendite des investierten Kapitals, die in der Literatur auch als sog. Hurdle Rate bekannt ist. Erst nachdem die Forderungen aller Kapitalgeber befriedigt worden sind, wird ein Übergewinn erzielt und folglich Wert im Unternehmen geschaffen.[13]

2.2 Berechnung des Economic Value Added

Die Berechnung des EVA basiert auf drei Kernelementen: Diese sind die Erfolgsgröße NOPAT (Net Operating Profits After Taxes), das investierte oder betriebsnotwendige Kapital als Vermögensgröße sowie der Kapitalkostensatz WACC (Weighted Average Cost of Capital), der sich aus dem gewogenen Mittel aus Eigen- und Fremdkapitalkostensatz zusammensetzt.[14]

Der Economic Value Added stellt eine absolute, einperiodische Finanzgröße dar und berechnet sich nach der Capital Charge-Formel wie folgt:

EVA = NOPAT – investiertes Kapital × WACC (1)

Hiernach wird der EVA aus der Differenz zwischen NOPAT und den Kapitalkosten bestimmt, die sich aus der Multiplikation des investierten Kapitals mit dem gewogenen Kapitalkostensatz ergeben. Alternativ kann der EVA mit der Value Spread-Formel folgendermaßen ermittelt werden:

EVA = (rc – WACC) × investiertes Kapital (2)

Nach diesem Berechnungsschema wird das investierte Kapital mit der betrieblichen Überrendite multipliziert, die wiederum als Saldo aus der Vermögensrendite rc und dem Kapitalkostensatz WACC resultiert. Die Vermögensrendite rc setzt sich aus der Relation von NOPAT zu investiertem Kapital zusammen, woran leicht erkennbar ist, dass sich die Capital Charge-Formel problemlos in die Value Spread-Formel überführen lässt und somit zu gleichen Ergebnissen führt.[15]

EVA = Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

= NOPAT – WACC × investiertes Kapital (3)

Die Value Spread-Formel besitzt den Vorteil, dass der Kontext zwischen Vermögensrendite, Kapitalkosten und Wertsteigerung respektive Wertverminderung sofort deutlich wird. Es wird nur dann ein ökonomischer Mehrwert geschaffen, wenn die Vermögensrendite den Kapitalkostensatz übersteigt. Strategien und Investitionen werden anhand folgender Entscheidungsregel beurteilt:[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 : Entscheidungsregel für Strategie- und Investitionsbeurteilung

Quelle: In Anlehnung an Böcking, H.-J. / Nowak, K. (1999), S. 283.

Der EVA als Absolutbetrag gibt die Höhe des Wertes an, welcher innerhalb einer Periode durch unternehmerisches Handeln geschaffen bzw. vernichtet wurde. Dies verdeutlicht die Bedeutung des Economic Value Added als Erfolgskennzahl.[17]

Betrachtet man die obigen Formeln, erkennt man, dass ein Unternehmen den EVA steigert, wenn

- die Effizienz erhöht wird, d. h. die operativen Gewinne (= NOPAT) bei gleichem
Kapitaleinsatz gesteigert werden,
- zusätzliches Kapital in die Prozesse investiert wird, deren Rendite höher als das dafür benötigte Kapital ist,
- die Höhe des eingesetzten Kapitals verringert wird oder aber unrentable Geschäfte
- Geschäfte, welche die Kapitalkosten nicht verdienen - desinvestiert werden.[18]

Abschließend werden in der folgenden Abbildung nochmals die einzelnen Komponenten des Economic Value Added zusammengefasst:

[...]


[1] Vgl. Lösch, S. (2004), S. 1.

[2] Als weitere neuere Wertsteigerungsmodelle sind das Konzept des Cash Value Added der Boston Consulting Group, das Konzept des Economic Profit der Unternehmensberatung McKinsey & Co. und das Konzept des Added Value der London Business School aufzuführen. Vgl. Böcking, H.-J. / Nowak, K. (1999), S. 281.

[3] Vgl. Küting, K. / Eidel, U. (1999), S. 829.

[4] Vgl. Behringer, S. / Ottersbach, J. H. (2001), S. 98.

[5] Vgl. Keller, B. / Plack, A. (2001), S. 347.

[6] Vgl. Helbling, C. (1998), S. 143.

[7] Die auf Übergewinnen basierende Unternehmensbewertung beschreibt kein neues Bewertungsmodell. Dieser Gedanke wurde bereits im Jahre 1912 von Alfred Marshall aufgenommen und dargestellt. Vgl. Küting, K. / Eidel, U. (1999), S. 832.

[8] Vgl. Eidel, U. (1999), S. 69.

[9] Vgl. Leysinger, M. (1997), S. 246, zitiert nach Böcking, H.-J. / Nowak, K. (1999), S. 282.

[10] Da in der herrschenden Literatur zum Economic Value Added der Begriff des investierten Kapitals sehr unpräzise abgegrenzt wird, soll in dieser Arbeit investiertes, betriebsnotwendiges und eingesetztes Kapital synonym verwendet werden.

[11] Vgl. Böcking, H. J. / Nowak, K. (1999), S. 282.

[12] Vgl. Förster, H. H. / Ruß, O. (2002), S. 2664.

[13] Vgl. Behringer, S. / Ottersbach, J. H. (2001), S. 99.

[14] Vgl. Keller, B. / Plack, A. (2001), S. 347 und Behringer, S. / Ottersbach, J. H. (2001), S. 99.

[15] Vgl. Hostettler, S. (1997), S. 53 f. und Böcking, H.-J. / Nowak, K. (1999), S. 283.

[16] Vgl. Böcking, H.-J. / Nowak, K. (1999), S. 283. Um ein Beispiel aus der Praxis zu geben, ist in Anhang 1 der EVA ausgewählter deutscher DAX-Unternehmen dargestellt.

[17] Vgl. Behringer, S. / Ottersbach, J. H. (2001), S. 101.

[18] Vgl. Hostettler, S. (1995), S. 313.

Details

Seiten
39
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638391788
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40731
Institution / Hochschule
Hochschule Pforzheim – Fachbereich Controlling, Finanz- und Rechnungswesen
Note
1,7
Schlagworte
EVA- MVA-Konzept Darstellung Würdigung Strategisches Controlling

Autor

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