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Die Auswirkung von Yoga-Übungen auf die Konzentrationsleistung

Seminararbeit 2004 19 Seiten

Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Aspekte des Yoga
2.1 Herkunft und Begriffsbestimmung des Yoga
2.2 Arten des Yoga
2.3 Aufbau des Yoga

3. Hatha-Yoga
3.1 Allgemeine Wirkungen des Hatha-Yoga
3.2 Wirkungen des Hatha-Yoga auf die Konzentrationsleistung
3.2.1 Stellungnahmen zur Konzentrationsverbesserung durch Hatha-Yoga aus der Literatur
3.2.2 Hatha-Yoga-Übungen zur Förderung der Konzentration
I Körperübungen
II Visualisierungen
3.2.3 Konzentration (dharana) als Vorstufe zur Meditation

4. Empirische Untersuchung zur Konzentrationssteigerung durch Yoga
4.1 Methoden zur empir. Untersuchung bei Meixner (1980)
4.2 Ergebnisse der empir. Untersuchung bei Meixner (1980)
4.3 Methoden zur empir. Untersuchung bei Augenstein (2003)
4.4 Ergebnisse der empir. Untersuchung bei Augenstein (2003)

5. Zusammenfassung

abstract

Literturverzeichnis

1. Einleitung

Die gesamte Wellnessbewegung ist in gewisser Weise die Antwort auf unsere sehr vielschichtige Gesellschaft. Anforderungen, die immer schneller bewältigt werden müssen, bedeuten für immer mehr Menschen täglichen Stress und Druck. Wohlbefinden durch Fitness, Bewegung und Sport war der Anfang, heute geht Wellness in alle Lebensbereiche hinein und entwickelt sich in Richtung eines neuen Körper- und Lebensbewusstseins.

Wir müssen mehr Konflikte aushalten, die Arbeit wird immer anspruchsvoller und dem entgegen gewinnen Schönheit und körperliche Attraktivität an Bedeutung. Dazu kommt der Aspekt der Selbstverantwortlichkeit: das Individuum allein ist für Erfolge in seinen Lebensbereichen verantwortlich. Nur wer an sich arbeitet – an seinen sozialen Kontakten, seinem Körper und Geist – wird Erfolg haben.

Doch der Alltag mit seiner ständigen Reizüberflutung und ungeheuren Lebenskomplexität muss erst einmal bewältigt werden. Stresssituationen, die durch die gehobene Anspruchshaltung der Gesellschaft ausgelöst werden, können nicht oder nur schlecht bewältigt werden und führen immer häufiger zu Nervosität, Konzentrations- und Schlafstörungen. Aus diesem Grund ist in den letzten Jahren die Nachfrage nach (meditativen) Entspannungstechniken rasant gestiegen. Fast täglich lassen sich in den Massenmedien Vorschläge zu einer stressfreien Gestaltung des Alltags finden.

Yoga – der „Klassiker” unter den meditativen Entspannungstechniken – findet nach wie vor großen Andrang, was gut besuchte Kurse in Sportstätten und Fitnesscentern bestätigen. Als Vereinigung von körperlich-vegetativen und geistig-konzentrativen Techniken stellt er für viele Interessierte den besonderen Reiz dar.

Inwiefern sich Yoga auf die allgemeine Befindlichkeit günstig auswirkt, ist anhand vieler Untersuchungen erforscht worden. Die Ergebnisse lassen keine Zweifel mehr aufkommen, sodass Yoga nicht nur in Managerkreisen sondern auch in sämtlichen anderen Bevölkerungsschichten reges Interesse findet.

Ob sich diese Entspannungstechnik bzw. Sportart auch auf die Konzentrationsleistung positiv auswirkt, ist hingegen noch wenig erforscht worden. Dennoch möchte ich einen Versuch wagen und Stellungnahmen aus der Literatur zu diesem Thema zusammentragen. Da dem Begriff Konzentration in der Philosophie des Yoga Bedeutungen beigemessen werden, die der europäischen Bevölkerung wahrscheinlich eher unbekannt sind, halte ich es für wichtig, auch diese noch zu erläutern.

2. Aspekte des Yoga

Bevor ich näher auf genaue Auswirkungen des Yoga eingehe, möchte ich zunächst Informationen über dessen Herkunft sowie eine kurze Begriffsdefinition geben und anschließend einige verschiedenen Formen des Yoga vorstellen.

2.1 Herkunft und Begriffsbestimmung des Yoga

Der Yoga – eine jahrtausende alte philosophische Schule mit Wurzeln in der indischen Kultur. Diese verbindet den Yoga und seine Lebensweise eng mit der Samkhya -Philosophie; beide beinhalten im Prinzip das gleiche Gedankengut, jedoch wird im Samkhya Schwerpunkt auf das rationale, theoretische Erfassen der Problematik gelegt, wohingegen man sich im Yoga mit dem zu praktizierenden Weg auseinandersetzt, der einem zur Selbsterkenntnis verhelfen soll (EBERT, 1988).

Dem Sanskrit[1] -Wort Yoga schreibt MAC GILVERY (1994,S.172) die Bedeutung „Joch” zu. YESUDIAN (nach KÖCK,1996,S.7) meint zudem, es „weist darauf hin, daß der Mensch irgend etwas unter das Joch seines Willens zwingt, das heißt, über etwas Macht gewinnt.”

Dem hingegen finden sich auch Deutungsformen wie sie beispielsweise VIVEKANANDA (nach KÖCK,1996,S.7) angibt: „Yoga, das heißt Vereinigung.”

So ist also einerseits mit „Vereinigung” (von Seele und Persönlichkeit) das Ziel des Yoga gemeint, andererseits mit „Joch” eine Methode, mit welcher das angestrebte Ziel erreicht werden soll (vgl. dazu MEIXNER,1980).

2.2 Arten des Yoga

Über die verschiedenen Arten des Yoga und den jeweils betreffenden Intellekt bzw. Gegenstand ist bei EBERT (1988) die folgende Aufstellung in Tab. 1 zu finden.

Im Laufe der Jahrhunderte haben die verschiedenen Yoga-Schulen unterschiedliche Aspekte stärker betont, doch ist allen Richtungen eine Basis gemein, nämlich die Suche nach der Vervollkommnung (MAC GILVERY,1994).

Tab.1: Einige bekannte Yogaformen (nach EBERT,1988,S.13)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Aufbau des Yoga

Der sogenannte achtgliedrige Pfad nach PATAÑJALI wird als das Grundgerüst des klassischen Yoga verstanden und beinhaltet dessen Aufbau sowie die daraus resultierende Differenzierung in den geistigen und körperlichen Yoga. Die einzelnen Glieder, von welchen alle als gleich wichtig angesehen werden, beinhalten folgende Aspekte (MAC GILVERY, 1994).

1. Glied: Yama (Zucht, Gebot): 5 Gebote für einen ”bessere” Welt
2. Glied: Niyama (Selbstzucht, Askese): 5 persönliche Disziplinen
3. Glied: Asana (Körperhaltung/en): Praktische Übungen zur Körperschulung
4. Glied: Pranayama (Atemregulierung): Kontrolle des Atems
5. Glied: Pratyahara (Einbezug der Sinne): Distanzierung von der Welt
6. Glied: Dharana (Konzentration): Einfluss auf die Gedankenströme
7. Glied: Dhyana (Meditation): Zustand der konzentrierten Entspannung
8. Glied: Samadhi (Grenzerfahrung): Zustand in Trance / Glückseligkeit

Zum achtgliedrigen Pfad des klassischen Yoga ist bei EBERT (1988) noch erwähnt, dass die ersten fünf Glieder als das praktische, Kriya-Yoga, die Glieder 6, 7 und 8 hingegen als das königliche (meditative), Raja-Yoga, bezeichnet werden.

Der in Europa populär gewordene Hatha-Yoga ist als eine „intensive Verfeinerung der Stufen drei und vier” (EBERT,1988,S.14), also als körperlicher Yoga zu verstehen.

Bei BÖGLE (nach BENINI,2003,S.20) findet sich allerdings eine Aufteilung des Hatha-Yoga in sechs Elemente, von denen vier (sog. „Übungsteile”) jeweils die Glieder 3, 4, 5, 6 und zwei (sog. „Ergebnisse”) die Glieder 7 und 8 des Yoga-Pfades darstellen.

Nach meinen Recherchen werden in der Philosophie des Yoga keine wirklich festen Grenzen zwischen den einzelnen Elementen des achtgliedrigen Pfades gesehen, da sie sich gegenseitig bedingen oder ineinander übergehen (TRÖKES, in BDY,1994). Zudem wird eigentlich nur in Ländern außerhalb Indiens der Hatha - Yoga fernab von der restlichen Yoga-Philosophie und -Lebensweise praktiziert.

3. Hatha-Yoga

Dem in unseren Breiten am häufigsten praktizierten Hatha-Yoga sind zwei Bedeutungen zuzumessen. Eine Übersetzung von Hatha lautet „Gewalt”, womit die gewaltsame / intensive Beherrschung des Körpers gemeint ist (TRÖKES, in BDY,1994). Die geläufigere Übersetzung, die sich auch bei CRISAND / LYON (1991) finden lässt, unterteilt das Wort Hatha in

Ha (Sonne, männlich, Tatkraft) und

Tha (Mond, weiblich, Intuition).

Es ist in der indischen Geisteswelt keine Seltenheit, dass mit derartigen Dualismen der wechselseitige Einfluss von Energieströmungen auf den menschlichen Körper (inkl. Psyche und Geist) umschrieben wird.

3.1 Allgemeine Wirkungen des Hatha-Yoga

Wie bereits erwähnt, ist auch in der westlichen Medizin der positive Effekt von Yoga-Übungen anerkannt und bestätigt worden (vgl. dazu EBERT,1988 und SCHMIDT,1988). Die Aussagen stützen sich dabei auf die außerhalb Indiens am meisten praktizierte Yoga-Form, den Hatha-Yoga; ihm werden vielseitige Einflüsse auf sämtliche Funktionen des Organismus zugeschrieben.

Die Asanas (Körperübungen) „…trainieren den Körper und halten ihn geschmeidig” (MAC GILVERY,1994,S.171), erzielen „eine hohe koordinative Leistungsfähigkeit mit dem sensorischen und motorischen Nervensystem” (SCHMIDT,1988,S.13), verursachen eine „Steigerung des Energieumsatzes” (EBERT,1988,S.43) und DWORKIS (1996,S. 6) meint: Yoga „lockert Spannungen und baut Streß ab.”

3.2 Wirkungen des Hatha-Yoga auf die Konzentrationsleistung

In der Literatur habe ich zudem Hinweise finden können, dass einige Hatha-Yoga -Formen auch auf die Konzentrationsleistung Einfluss haben. Diese Aussagen sind jedoch – abgesehen von zwei empirischen Untersuchungen, die mir zur Verfügung standen – entweder sehr allgemein gehalten oder vertiefen sich in dem Aspekt der passiven Konzentration (dharana), die im Yoga als „keine Muskelübung” sondern als „rein geistiger Prozeß” (SIVANANDA) angesehen wird. Da dieser Form im Yoga aber große Bedeutung beigemessen wird und es zudem für die allg. Konzentrationsfähigkeit wichtig zu sein scheint, möchte ich es ebenso erläutern.

3.2.1 Stellungnahmen zur Konzentrationsverbesserung durch Hatha-Yoga aus der Literatur

Das regelmäßige Ausüben von bestimmten Körperhaltungen (Asansas) – kombiniert mit yogischer Atemtechnik (Pranayamas) – muss langsam und „mit einer bewussten gedanklichen Konzentration erfolgen” (EBERT,1988, S.14).

Also muss sich der Übende – um Erfolg zu haben – nicht nur körperlich dem Yoga widmen, sondern auch den Geist beeinflussen indem er seine Gedanken sortiert bzw. sammelt.

Die Asanas bewirken somit eine „Konzentrationsschulung”, wie EBERT (1988,S.119) anführt.

Auch MAC GILVERY (1994,S.171) gibt an, dass Yoga „die Konzentrationsfähigkeit fördert”.

Ebenso findet sich bei SCHMIDT (1988,S.13) als Resultat der Wirkungen von Yoga-Übungen auf die Muskulatur „eine sehr gute Konzentrations- (…) fähigkeit” und auch DWORKIS (1996,S.17) schreibt der Trainingsform Yoga zu, dass „durch die körperliche und seelische Fitness in jeder Hinsicht – Kraft, (...) und Konzentration – verbessert werden”.

Nicht nur den Körperübungen (Asanas), sondern auch den Atemübungen (Pranayamas) des Hatha - Yogas werden positive Wirkungen auf das Konzentrationsvermögen nachgesagt (TRÖKES,in BDY, 1994).

[...]


[1] Sanskrita = geschliffen, vollkommen; eine der ältesten indogermanischen Sprachen

Details

Seiten
19
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638391689
ISBN (Buch)
9783656562122
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40718
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Institut für Sportwissenschaften Innsbruck
Note
sehr gut
Schlagworte
Auswirkung Yoga-Übungen Konzentrationsleistung Proseminar Einführung Sportwissenschaften

Autor

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