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Soziales Handeln im Sport und im Leben – Aufgaben des Schulsports

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 28 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Soziales Handeln und Lernen

2. Soziales Handeln im Sport – Theoretische Konzeptionen
2.1. Frühere Konzeptionen
2.2. Neuere Konzeptionen
2.3. Der Leistungsaspekt im Schulsport – Konsequenzen für soziales Handeln

3. Praxisbeispiele zum Erlernen sozialen Handelns an ausgewählten Sportarten
3.1. Fußball
3.2. Kleine Spiele
3.3. Leichtathletik
3.4. Orientierungslauf

Fazit

Anhang

Quellen und verwendete Literatur

Einleitung

Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen...

Dies ist der Wortlaut der fünften pädagogischen Perspektive der neuen Richtlinien in NRW von 1999. Damit verbunden sind vor allem Schlagwörter wie „differenziertes Regelverständnis“, „Regelbewusstsein“, „sozial verträgliche Gestaltung sportlichen Handelns“, „Kompetenz zur Gestaltung von Kooperations- und Konkurrenzsituationen in Bewegungs-, Spiel- und Sportaktivitäten“, „Befähigung zur Übernahme und verantwortlichen Ausübung unterschiedlicher

Funktionen im Sport“, „aufgeschlossener Umgang mit gegenwärtig nicht mehr geläufigen oder

fremden Bewegungskulturen“.

Da diese Perspektive nicht allein steht, sondern mit den fünf übrigen pädagogischen Perspektiven eine Einheit bildet, sollen die oben angeführten Schlagworte inhaltlich in modernen Sportunterricht integriert werden.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, verschiedene Konzepte darzustellen, wie soziales Lernen und Sportunterricht zusammen passen. Auf theoretischer Ebene soll zunächst ein Überblick über die wichtigsten Ideen gegeben werden. In diesem Teil beziehe ich mich hauptsächlich auf die Arbeiten von Gebken[1] und Pühse[2], die mit ihren neueren Publikationen einen guten Überblick liefern.

Im zweiten Teil möchte ich dann versuchen, Beispiele zu geben, wie soziales Handeln im Unterricht auf der Mikroebene gestaltet werden kann, um gerade auch den wichtigen praktischen Aspekt in der Sportlehrerausbildung zu betonen. Insbesondere werde ich hierbei untersuchen, ob genügend und ausreichende Literatur für angehende Sportlehrer zur Verfügung steht, um didaktische Konzepte und Ideale zum sozialen Lernen in den Schulalltag umzusetzen. Hierbei werde ich mich hauptsächlich auf die Arbeit von Ungerer-Röhrich[3] beziehen.

Nicht zuletzt möchte ich mit dieser Arbeit auch einen Beitrag zur Rechtfertigung des Schulfaches Sport liefern, gerade im Hinblick auf eine Erziehung zum sozialen Handeln.

1. Soziales Handeln und Lernen

Definitionen zum sozialen Handeln und sozialen Lernen gibt es viele und verschiedene. Für die vorliegende Arbeit werde ich mich an den Thesen der Wissenschaftler orientieren, die bei den oben angeführten Autoren zu Wort kommen.

Der Begriff des sozialen Lernens ist über den englischen Sprachraum Ende der 60iger Jahre in Deutschland eingeführt worden.[4]

Gruppe/Krüger definieren soziales Lernen als ein Lernen, dass „sich auf das Zusammenleben in einer Gruppe oder allgemein in einer Gesellschaft insgesamt bezieht und sich als Zurechtfinden in einer Gruppe oder Gesellschaft versteht.“[5]

Während soziales Lernen eher ein lebenslanges Einüben von „nicht-aggressivem, kooperativem Sozialverhalten in sozialen Interaktionen“[6] meint, geht es in der Sozialerziehung mehr um die „absichtsvolle Förderung des Individuums“[7] und dies ist für den Schulrahmen intensiver zu beleuchten.

Gebken unterscheidet zwischen „Sozialerziehung“ und „Erziehung zum sozialen Handeln.“ Zur „Sozialerziehung“ meint er:

„Unter Sozialerziehung ist deshalb eine normativ geprägte durch den Lehrer initiierte absichtsvolle Förderung positiver sozialer Verhaltensweisen mit dem Ziel der Persönlichkeitsbildung zu verstehen.“[8]

Und „Erziehung zum sozialen Handeln“ bedeutet:

„Eine Erziehung zum sozialen Handeln sucht nicht nur nach wünschenswertem sozialen Handeln, sondern will das Handeln anregen, damit Schüler ihren sozialen Kontext selbst gestalten.“[9]

Die gesellschaftliche Entwicklung und die Veränderungen der Lebenssituationen von Jugendlichen und Familie fordern nach Gebken gerade dazu auf, soziale Erziehung wieder in den Mittelpunkt der Aufgabe von Schule und Schulsport zu rücken.[10] Er kritisiert, dass diese erzieherischen Probleme des Unterrichtsalltags sich bislang aber lediglich auf die theoretische Diskussion in der Sportpädagogik ausgewirkt haben.[11]

Als wichtigste Erziehung neben der funktionalen und intentionalen sieht Gebken dabei die Selbsterziehung. Hierbei bietet der Sport beste Möglichkeiten, auch in Abgrenzung zu anderen Fächern, um das Zusammenleben langfristig zu verbessern:

„Der Sport bietet dabei durch seine Vielfältigkeit und seine Lebensnähe besondere Handlungschancen. Hier kann konkret soziales Engagement im Sinne einer Erziehung zur Solidarität durch die Schule gefördert werden.“[12]

Soziale Beziehungen werden im Sport intensiver erlebt als in anderen Fächern und Fehlverhalten wird hier schneller und deutlicher sichtbar. Für die Schüler ergibt sich über den Doppelauftrag der Schule ein nicht nur theoretisch-reflexiver Zugang zum sozialen Miteinander, sondern eine leibhaftige Erfahrung als die Basis ihrer Reflexion. Dies geschieht zum einen durch organisieren, durch Übernahme verschiedenster Rollen im Spiel und geregelten Wettkampf, durch Miteinander und Gegeneinander, durch aktive und notwendige Gruppenarbeit, durch Integration von Schwächeren und Akzeptanz von Leistung, sowie durch Koedukation.

Dabei ist es die Aufgabe des Lehrers, diesen Prozess durch entsprechende Rahmenbedingungen, Impulse und Anregungen zu gestalten. Gebken spricht beim Erzieher von seiner „sozialen Unterstützungsfunktion“, er wirkt als Initiator.[13]

2. Soziales Handeln im Sport – Theoretische Konzeptionen

In Anlehnung an die Auflistung bei Gebken[14] werde ich in den folgenden zwei Kapiteln einige ältere und neuere Konzepte zum Erlernen sozialen Handelns im Sportunterricht beleuchten.

Unter anderem untersuchte Gebken die Vorstellungen der Autoren auf den Stellenwert des Schulsports, das Ausmaß der sozialen Perspektive, die Bedeutung und Funktion der Sozialerziehung im Sportunterricht und auf deren Wirkung.[15] Im Anhang dieser Arbeit befindet sich eine einfache Übersicht, die die wichtigsten Elemente der einzelnen Konzepte in Form einer Tabelle zur einfacheren Übersicht darstellt.

Es ist auffällig, dass die meisten Autoren die Bedeutung und die Chancen betonen, die durch den Sportunterricht gegeben sind, um die Interaktions- und Kommunikationsstrukturen in der Schule zu humanisieren. Leider aber ordnen sich bei fast allen Plänen die Person des Schülers und die Praxis didaktisch-methodischen Betrachtungen unter.[16]

Die Einteilung in neuere und ältere Konzeptionen orientiert sich ausschließlich an meinem subjektivem Empfinden und den entsprechenden frühesten Veröffentlichungen der einzelnen Autoren.

2.1. Frühere Konzeptionen

Maßgeblich für die stärkere Berücksichtigung von sozialerzieherischen Aspekten hat sich Dieter Brodtmann bereits Mitte der 80iger Jahre in der Sportpädagogik eingesetzt. Er hat sich frühzeitig für eine neue Rolle des Lehrers, ganz im Sinne eines Beraters sowie für mehr Selbst- und Mitbestimmung bei den Schülern und für eine Intensivierung der Kleingruppenarbeit eingesetzt:

„Die Dominanz des Überbietens, die in der Gesellschaft und explizit im Sport steckt, wird in Frage gestellt und sollte durch die Freude am gemeinsamen Sporttreiben ersetzt werden.“[17]

Brodtmann fordert die Sportlehrer auf, sich nicht mit den restriktiven Rahmenbedingungen (Unterrichtsausfall etc.) des Schulsports abzufinden, sondern zusammen mit den Schülern neue Handlungsräume und Alternativen zur Verbesserung des Schulsports anzugehen.[18]

Außerdem stellt der Autor die positiven Aspekte der Wirksamkeit einer Gesundheitsförderung durch Sport in der Schule in Frage und wendet sich damit, zur Freude Gebkens, ab von so genannten modernen „kurzschlüssigem, biomedizinisch begründetem Gesundheitsaktionismus“.[19]

Gebken kritisiert bei Brodtmann, das dieser keine Strategien und konkreten Vorschläge bringt, die über den Ruf nach Aufstockung staatlicher Hilfen hinausgehen.[20]

Auch bei Pühse ist zu lesen, dass Brodtmanns Vorstellungen zum sozialen Lernen als Mittelpunkt des Schulsports „praxisfremd“ seien. Sie seien ferner nicht durch empirische Untersuchungen belegt.[21]

[...]


[1] Gebken, Ulf. „Erziehung zum sozialen Handeln im Schulsport“, Oldenburg 2002

[2] Pühse, Uwe. „Kindliche Entwicklung und soziales Handeln im Sport“, Schorndorf 2004

[3] Ungerer-Röhrich, Ulrike u.a. „Praxis sozialen Lernens im Sportunterricht“, Dortmund 1990

[4] vgl. Gebken. S.155

[5] Grupe/Krüger in Gebken. S.156

[6] Gebken. S.157

[7] ebd.

[8] ebd.

[9] ebd.

[10] vgl. Gebken. S.158

[11] vgl. Gebken. S.151

[12] Gebken. S.154

[13] vgl. Gebken. S.154

[14] vgl. Gebken. S.162

[15] vgl. Gebken. S.161

[16] vgl. Gebken. S.159

[17] Gebken. S.163

[18] vgl. Gebken. S.164

[19] Gebken. S.165

[20] vgl. Gebken. S.164

[21] vgl. Gebken. S.166

Details

Seiten
28
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638390170
ISBN (Buch)
9783638655576
Dateigröße
715 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40521
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Sportwissenschaftliches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Soziales Handeln Sport Leben Aufgaben Schulsports Neuere Konzeptionen Schulsport

Autor

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