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Schulung koordinativer Fähigkeiten am Beispiel Klettern

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 19 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Schulung koordinativer Fähigkeiten
1.1 Gleichgewichtsfähigkeit
1.2 Reaktionsfähigkeit
1.3 Orientierungsfähigkeit
1.4 Rhythmusfähigkeit
1.5 Differenzierungsfähigkeit

2. Klettern in der Schule?!
2.1 gesetzliche Bestimmungen
2.2 Aspekte des Kletterns in der Schule
2.2.1 Gesundheit
2.2.2 Kooperation, Fairness, soziales Verhalten
2.2.3 Leisten, Erleben, Wagen, Körper erfahren
2.2.4 Umwelt
2.3 Didaktisch – methodische Aspekte
2.3.1 Hinführung
2.3.2 Sicherheitsrelevante und klettertechnische Grundlagen
2.4 möglicher Stundenverlauf
2.4.1 Vorbereitung in Form von Bewegungsstationen
2.4.2 Klettern an den Wänden

1. Schulung koordinativer Fähigkeiten

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt

und er spielt nur da wo er ganz Mensch ist!“

(Karl Friedrich Schiller)

Bewegung ist eine der wesentlichen Säulen der Gesundheit. Ausreichend und zielgerichtete Bewegung stellt die Basis für das Funktionieren des Körpers dar und ist somit eine Grundvoraussetzung für Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität.

Kinder haben einen Anspruch auf „optimale Entwicklungsreize“ und eine „zielgerichtete Bildung und Erziehung“ den eigenen Körper betreffend. Man darf es daher nicht dem Zufall überlassen, wie sich ein Kind motorisch entwickelt.

Koordination ist die Basis aller sportlichen Betätigungsfelder und setzt für den sportlichen Bereich des Kindes, ob in der Schule oder Freizeit, folgende Ziele voraus:[1]

- Sportliche Förderung der Kinder im Bereich der allgemeinen koordinativen Leistungsfähigkeit mit besonderem Schwerpunkt in den Bereichen Gleichgewichts-, Reaktions-, Orientierungs-, Differenzierungs- und Rhythmusfähigkeit.
- Durch die Zusammenarbeit von Schule, Verein und Elternhaus soll ein umfassendes Übungsangebot auf unterschiedlichen Ebenen entstehen. Die Berücksichtigung im Unterricht und die gleichzeitige Förderung während der Freizeit im Rahmen des Vereinsangebots sollen für die Kinder optimale Lernprozesse gewährleisten.
- Die Leistungsgrundlagen im Sport sollen durch eine vielseitige und breit angelegte Ausbildung entwickelt werden.
- Talente sollen entdeckt und gefördert werden.
- Die Kinder sollen in Zusammenarbeit mit den Lehrern und Übungsleitern die Sensibilität für die Grundlagen einer gesunden Lebensführung entwickeln und für spätere sportliche Betätigung begeistert werden.

Entwicklungspsychologisch stellt das Grundschulalter den optimalen Zeitpunkt für die Entwicklung der koordinativen Fähigkeiten dar. Allerdings ist diese hohe Lernfähigkeit noch nicht mit dem Vermögen verbunden, die gelernten Bewegungen auch dauerhaft zu behalten. Eine entsprechende Lernvertiefung ist nur über intensives, mehrfach wiederholtes Üben möglich.[2]

Die koordinativen Fähigkeiten befähigen den Menschen, motorische Aktionen sicher und ökonomisch zu beherrschen und sportliche Bewegungen schnell zu erlernen. Daher nimmt die frühzeitige bzw. rechtzeitige Schulung dieser Fähigkeiten einen bedeutungs- und wirkungsvollen Einfluss auf die Persönlichkeitsentfaltung des Kindes ein.

Grundlagen, die im Sport gelegt werden, können leicht auf andere Lebensbereiche übertragen werden. Kinder, die im Sport Gelegenheit haben, ihre Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit zu entwickeln und zu schulen, lernen dadurch etwas sehr Wichtiges für ihr Leben. Mit der Entwicklung der koordinativen Fähigkeiten kann also nicht früh genug begonnen werden. Ein vielseitiges und variationsreiches Üben wirkt sich in vielfacher Weise positiv auf die sportliche Leistungsfähigkeit aus.[3]

Für die Grundschule lassen sich fünf wesentliche koordinative Fähigkeiten unterscheiden:

- Gleichgewichtsfähigkeit
- Reaktionsfähigkeit
- Orientierungsfähigkeit
- Rhythmusfähigkeit
- Differenzierungsfähigkeit

1.1 Gleichgewichtsfähigkeit

Unter Gleichgewichtsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, den eigenen Körper oder Gegenstand gegen den Einfluss der Schwerkraft im Gleichgewicht zu halten[4].

Man unterscheidet dabei zwischen dem

- statischen Gleichgewicht (auf einem Bein stehen),
- dynamischen Gleichgewicht (über eine Langbank balancieren)
- und die Erhaltung des Objektgleichgewichts (Balancieren eines Stabes auf der Handfläche).

Eine gut ausgeprägte Gleichgewichtsfähigkeit ist sowohl Voraussetzung für alle motorischen Handlungen (Beruf, Alltag, Sport) als auch Grundlage des psychisch-emotionalen Gleichgewichts und somit des Wohlbefindens.

In unserer natürlichen Umgebung bieten sich unzählige Möglichkeiten zur Gleichgewichtsschulung an. Künstliche Gerätearrangements, in der Schule oder in Sportvereinen, erweitern dieses Angebot noch zusätzlich.

Für die Schulung in der Schule werden Übungen auf stabiler bzw. labiler Unterlage empfohlen. Gute und erfolgreiche Möglichkeiten der Gleichgewichtsschulung, bei der die Schüler auch ihre eigenen Ideen in den Unterricht einbringen können, bieten sich vor allem an verschiedenen „Probierstationen“: Die Schüler sollen hier in Kleingruppen unter Vorgabe bestimmter Geräte (z.B. Bank, großer Kasten, Reckstangen, Matten, Reifen, Ball) ihre „Balancierkunststücke“ selbst ausprobieren können. Bevor die Schüler mit den Übungen beginnen, muss sich der Lehrer jedoch von dem sicheren Aufbau der Stationen überzeugen. Auf das Sichern bei hohen Geräten darf nicht vergessen werden!

Folgende Übungen eignen sich zur Schulung des Gleichgewichts:

- Balancieren auf Bänken, umgedrehten Bänken oder Tauen.
- Balancieren auf Bänken bergauf und bergab (Die Bänke werden auf den Kastendeckel gelegt).
- Balancieren in unterschiedlichen Höhen (z.B. auf verschieden hohen Reckstangen, die so angeordnet sind, dass man ohne Unterbrechung über sie balancieren kann).
- Über eine Bank balancieren und einen Ball auf den Boden prellen oder in die Luft werfen und wieder fangen.
- Die Bank als Wippe benützen und darüber balancieren (die Bank wird auf eine andere Bank gelegt).
- Auf einer Bank, die auf einer Weichbodenmatte liegt, balancieren.
- Balancieren auf Pedalos oder Walzen verschiedener Art.

Im Sportunterricht können ganze Balancierparcours aufgestellt werden, die alle möglichen Übungen mit einschließen. Wichtig ist beim Trainieren darauf zu achten, dass die Schüler nur im ausgeruhtem Zustand trainieren, bei Ermüdungserscheinungen das Training abgebrochen wird, abwechslungsreiche Übungen zusammengestellt werden und vom Einfachsten zum Schwersten trainiert wird.

1.2 Reaktionsfähigkeit

„Bereits sein, wenn´s darauf ankommt!“

Reaktion ist die Fähigkeit auf verschiedene Signale möglichst schnell motorische Aktionen auszuführen[5].

Die Unterrichtsanregungen zur Verbesserung der Reaktionsfähigkeit beschränken sich in diesem Abschnitt auf zwei Themenbereiche:

- Lauf- und Fangspiele
- Reaktionsspiele mit dem Ball

Einige der Lauf- und Fangspiele verbessern nicht nur die Reaktionsfähigkeit, sondern auch die Orientierungsfähigkeit der Schüler.

So lernen die Schüler während des Spiels:

- Schnell anzutreten und eine kurze Laufstrecke mit hohem Tempo zu bewältigen,
- das Lauftempo zu variieren: schnell und langsam zu laufen, abzustoppen oder die Laufrichtung zu ändern,
- auf Überraschungen zu reagieren, aber auch
- die Fänger zu beobachten, um eventuell schnell zu reagieren und sich in Sicherheit zu bringen,
- so zu laufen, dass es zu keinen Zusammenstößen kommt,
- auf ihre Mitspieler zu achten
- und Hindernisse zu erkennen und ihnen auszuweichen.

Lauf- und Fangspiele sind in der Regel sehr belastungsintensiv. Kinder können sich für einen bestimmten Zeitraum sehr hoch belasten, um dann nach einer kurzen Erholungsphase wieder voll leistungsfähig zu sein.

Folgende Spiele eignen sich für den Unterricht:

- Bänderfangen (Lauf- und Fangspiel)

Jeder Hase steckt sich ein Parteiband so in den Hosenbund, dass es zur Hälfte heraushängt. Ein Jäger trägt sein Parteiband um die Schulter gelegt und versucht, den Hasen die Bänder wegzunehmen. Gelingt ihm das, so wird aus dem Hasen ein Jäger. Wer behält sein Band bis zuletzt?

- Brückenwächter (Lauf- und Fangspiel)

Die Schüler versuchen, über eine Brücke aus Matten auf die gegenüberliegende Hallenseite zu laufen. Ein Brückenwächter bewacht die Brücke. Wem gelingt es, ohne abgeschlagen zu werden, auf die gegenüberliegende Seite zu gelangen? Abgeschlagene Schüler werden zu Wächtern.

- Prellen auf Kommando (Reaktionsspiel mit dem Ball)

Durcheinandergehen (-laufen), dabei den Ball prellen. Beim ersten Pfiff „wie vom Blitz getroffen“ stehen bleiben und den Ball festhalten und zweimaligen Pfeifen weiterprellen.

- Zuspiel zum Partner (Reaktionsspiel mit dem Ball)

Zwei Schüler versuchen, sich zwei Bälle so schnell wie möglich immer wieder zuzuspielen.

1.3 Orientierungsfähigkeit

Eine gut ausgeprägte Orientierungsfähigkeit ermöglicht es, uns im Raum zu orientieren, indem wir befähigt sind, unsere Position und unsere Lage im Raum richtig wahrzunehmen[6]. In Situationen mit geringer Variation der verschiedenen Körperlagen (Bauchlage, Rückenlage, Stand, Hang, etc.) wie z.B. beim Boden- und Geräteturnen ist diese Fähigkeit ebenso von Bedeutung wie in Situationen mit großer Variation der äußeren Bedingungen, wozu alle Mannschaftsspiele zu zählen sind. Das Wissen über die eigene Position am Spielfeld und die Position der Mitspieler und Gegenspieler ist für das rasche Erfassen der Spielsituation von großer Bedeutung und somit eine maßgebliche Erfolgsvariable.

Dementsprechend aufgegliedert ist das Übungsangebot, bei dem es einerseits um das Bewegen in verschieden großen Räumen, das Einhalten von Abständen, das Wahrnehmen von Hindernissen und Begrenzungen sowie das Vermeiden von Zusammenstößen geht, andererseits um die Wahrnehmung unterschiedlicher Körperlagen in Form variantenreichen Rollens um die Körperlängs- und Körperquerachse.

Gerade im Grundschulbereich fordert die unüberschaubare ständig wechselnde Spielsituation die Schüler dazu auf, die Orientierung nicht zu verlieren. Sie müssen lernen, Partner und Gegner zu erkennen, Freiräume zu sehen und sich im Spielfeld zu orientieren. Die kleinen Ballspiele eröffnen im Vergleich mit den großen Ballspielen die Möglichkeiten, Partner und Gegner räumlich zu trennen, den Ball in variable Ziele zu befördern, etc. Neben der schnellen Erfassung einer Spielsituation lernen die Schüler ebenfalls, schnell zu reagieren, um zum Beispiel den Ball zu erobern.

[...]


[1] http://www.lo-net.de/home/sportunterricht/6_Koordination.pdf

[2] http://www.lo-net.de/home/sportunterricht/6_Koordination.pdf

[3] http://www.lo-net.de/home/sportunterricht/6_Koordination.pdf

[4] vgl. Kosel Andreas 1994, S.36-44

[5] vgl. Kosel Andreas 1994, S.25-35

[6] vgl. Kosel Andreas 1994, S.13-24

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638390040
ISBN (Buch)
9783656248460
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40505
Institution / Hochschule
Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz
Note
1
Schlagworte
Schulung Fähigkeiten Beispiel Klettern

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Titel: Schulung koordinativer Fähigkeiten am Beispiel Klettern