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Pragmatische Grundlagen der Semantik

Hausarbeit 2000 21 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Klärung und Abgrenzung der Begriffe
2.1. Semantik und Pragmatik
2.2. Kommunikative Funktion einer Äußerung

3. Das pragmatische Kommunikationsmodell von Hannappel und Melenk
3.1. Intention
3.2. Situation
3.3. Partnerhypothese
3.4. Strategie
3.5. Das Aufeinanderwirken der Faktoren

4. Schlussbetrachtung

5.Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Der Begriff „Pragmatische Grundlagen der Semantik“ benennt ein umfangreiches Themengebiet, das im Rahmen einer Seminararbeit nicht umfassend und angemessen behandelt werden kann. Deshalb möchte ich mich in meiner Arbeit auf einen Unterpunkt Thematik, auf die kommunikative Funktion einer sprachlichen Äußerung, konzentrieren.

Die kommunikative Funktion einer sprachlichen Äußerung ist es, von der abhängt, ob die Kommunikation gelingt oder nicht. Insofern ist sie nicht nur zentraler Bestandteil des übergeordneten Themas, sondern auch ein Aspekt sprachlicher Äußerungen, dem in der Realität des alltäglichen Lebens eine besondere Bedeutung zukommt. Um diesem Bezug zur Realität des täglichen Lebens auch methodisch Rechnung zu tragen, habe ich mich darum bemüht, die verschiedenen sprachwissenschaftlichen Ansätze, Erklärungen und Definitionen, auf die ich mich beziehe, an konkreten Beispielen zu erläutern.

Die pragmatischen Grundlagen der Semantik wie auch die kommunikative Funktionen sprachlicher Äußerungen sind oft unterschiedlich bewertet und mit den verschiedensten Begriffen bedacht worden. Um Irritationen weitgehend zu vermeiden, beziehe ich mich im Wesentlichen auf das pragmatische Kommunikationsmodell[1], das von Hannappel und Melenk in Alltagsprache [2] dargestellt wird und versuche mit dessen Hilfe und in Abgrenzung zu anderen Modellen (Searle, Wunderlich) zu erläutern, inwiefern die kommunikative Funktion einer sprachlichen Äußerung ein wichtiger Bestandteil der Interaktion ist, und ihr Verstehen die Voraussetzung für eine erfolgreiche Kommunikation ist. Dazu sollen zunächst die Faktoren, die die kommunikative Funktion beeinflussen, analysiert und bewertet werden.

2. Klärung und Abgrenzung der Begriffe

2.1. Semantik und Pragmatik

Semantik und Pragmatik sind gemeinsam mit der Syntaktik Teilbereiche der Semiotik, der Lehre von den sprachlichen Zeichen und deren Gebrauch. Während sich die Syntaktik auf die Grammatik, also auf die Zeichenform und ihre Kombination bezieht, untersuchen Semantik und Pragmatik beide die Beziehung zwischen den Zeichen und dem wofür sie stehen. Insofern ist eine Grenzsetzung schwierig: Beide sind bedeutungstragend, es geht jedoch um unterschiedliche Aspekte von Bedeutung.

So bezieht sich die Semantik auf die wörtliche, kontext-unabhängige Bedeutung von sprachlichen Ausdrücken, also auf den kontextinvarianten Teil der Wahrheitsbedingungen von Propositionen (Proposition: Satzinhalt / Satzbegriff) und Sätzen. Die Äußerung, „ Der Kuchen ist trocken.“, sagt somit auf der semantischen Ebene zunächst nur etwas über die Konsistenz des Kuchens aus. Diese Aussage kann entweder wahr oder falsch sein, sie wird unabhängig von der Situation bewertet. Die wirkliche Bedeutung der Aussage aber, das, was der Sprecher seinem Gegenüber mit dieser Äußerung mitteilen will, ist damit aber noch nicht erfasst. Dazu müssen noch eine Reihe weiterer Faktoren mit berücksichtigt werden, und damit beschäftigt sich die Pragmatik. Sie untersucht die kommunikative Funktion von sprachlichen Äußerungen und die darin zum Ausdruck kommenden Propositionen in Abhängigkeit von ihrer situationsspezifischen Verwendung. Sie erläutert also die Handlungsdimension. Denn die Pragmatik fußt auf der Annahme, dass jede sprachliche Äußerung eine kommunikative Funktion hat und insofern auch Handlung ist. In dem Moment, in dem eine Äußerung laut formuliert wird, findet eine Handlung statt: So ist z.B. ein einfaches „Hallo!“ zwangsläufig ein Gruß, mit „ Vorsicht, da vorne ist Rot! “ sagt man nicht nur etwas über die Situation im Straßenverkehr aus, sondern warnt zugleich vor einer drohenden Gefahr. Und eventuell tadelt man jemanden, indem man sagt: „ Der Kuchen ist trocken.“. Für das o.g. genannte Satzbeispiel: „ Der Kuchen ist trocken.“ ist es demnach notwendig, auch die Situation zu betrachten, in der die Äußerung fällt, da nur sie Aufschluss gibt über die Relation zwischen einer sprachlichen Äußerung und der Handlung, die mit dieser Äußerung vollzogen wird. Um die pragmatische Seite einer Äußerung, ihre kommunikative Funktion, zu verstehen, also zu wissen, welche Handlung hier vollzogen wird, ist es wichtig, zu erkennen, dass eine Aussage je nach situativem Kontext unterschiedlich ausgelegt werden und gemeint sein kann. So kann die o.g. Äußerung: „ Der Kuchen ist trocken.“ je nach Situation als Kritik, dass der Kuchen nicht mehr genießbar ist und dass man einen anderen wünscht, gesehen werden. Sind gerade Gäste zu Besuch, wird hier vielleicht ein Hinweis gegeben, dass dieser Kuchen den Besuchern nicht mehr zugemutet werden kann und daher besser Kekse oder etwas anderes gereicht werden sollten. Andererseits kann er gegenüber einem magenkranken Patienten eine Erklärung sein, dass er diesen Kuchen essen darf.

Die Komplexität, die hier deutlich wird, soll im Folgenden weiter vertieft untersucht werden.

2.2. Kommunikative Funktion einer Äußerung

Wie in der Einleitung erwähnt, beschreibt der Begriff „ kommunikative Funktion “ einen wichtigen Aspekt der Pragmatik. Dieser ist auch Ausgangspunkt für das im weiteren Verlauf der Arbeit erklärte Kommunikationsmodell von Hannappel und Melenk.

Die Auseinandersetzung mit der kommunikativen Funktion sprachlicher Äußerungen wird dadurch erschwert, dass dieser Aspekt der Kommunikation vielfach behandelt und unterschiedlich benannt wurde. Ich versuche nun die kommunikative Funktion einer Äußerung genauer zu erläutern und weiteren Termini gegenüberzustellen:

Eine sprachliche Äußerung lässt sich in zwei Bereiche unterteilen. Da sind auf der einen Seite die Zeichen (Wörter und Buchstaben), aus denen sie zusammengesetzt ist, die Form (Kasus, Tempus, Satzbau, etc), in der diese Zeichen zusammengesetzt sind und die Proposition, die Aussage über die Welt (wahr oder falsch), die diese Äußerung enthält. Diese Seite der sprachlichen Äußerung lässt sich mit Hilfe von Wörterbuch und Grammatik entschlüsseln. Auf der anderen Seite enthält eine sprachliche Äußerung auch immer einen Zweck, den der Sprecher mit seiner Äußerung verfolgt. Er vollzieht nicht nur selbst eine Handlung, sondern will auch den Hörer zu einer Handlung führen. Mit Handlung ist hier und im Folgenden jegliche Art von Reaktionen gemeint, nicht nur die physische (z.B. das Backen eines neuen Kuchens), sondern auch die mentale (z.B. der Ärger darüber, dass man seinen Gästen nun nichts anbieten kann, oder darüber, dass man wegen des als missglückt erkannten Kuchens als schlechte Hausfrau erscheint). Die Aufgabe des Hörers ist es, diese Aussage auf ihren Handlungsgehalt hin zu analysieren, denn erst, wenn er entsprechend des vom Sprecher intendierten Handlungszuges reagiert, war die Äußerung erfolgreich. Insofern haben sprachliche Äußerungen eine kommunikative Funktion. Hannappel und Melenk[3] beziehen sich mit diesem Begriff auf die Sprechakttheorie, konkret auf Beiträge von Dieter Wunderlich, Zur Konventionalität von Sprechhandlungen, und John. R. Searle, Sprechakte, der hierfür den Begriff „ illokutionärer Akt “ verwendet.

Demnach sagt Sprache nicht nur etwas über die Welt aus, sondern ist mit einer Äußerung immer auch ein Zweck verbunden. Es wird verbal gehandelt, indem durch die Äußerung eine Botschaft vermittelt wird. Wunderlich unterscheidet hier zwischen Fragesätzen (Sätzen in Interrogativform) oder Auforderungssätzen (Sätzen in Imperativform) einerseits, und Fragen und Aufforderungen andererseits. So seien Interrogativ und Imperativ grammatische Modi von Sätzen, Frage und Aufforderung hingegen aber bestimmte Sprechhandlungstypen[4]. Mit der kommunikativen Funktion im Sinne Wunderlichs ist gemeint, welcher Typ von Handlung mit einer Äußerung ausführbar ist[5]. So hat z.B. die Äußerung „ Haben Sie meine Hausarbeit schon gelesen? “ die grammatikalische Form einer Frage, die jedoch als Aufforderung an den Dozenten gemeint und verstanden wird, eine erste Beurteilung abzugeben. Und das in der grammatischen Form einer Aussage vorgebrachte „ Hier versteht man ja sein eigenes Wort nicht mehr.“ von Seiten der das Zimmer betretenden Mutter wird die Tochter als Aufforderung verstehen, die Musik etwas leiser zu drehen. Dies zeigt, dass die grammatische Form allein die kommunikative Funktion einer Äußerung noch nicht deutlich macht.

[...]


[1] s. Anhang A

[2] Hannappel/Melenk: Alltagssprache. (1979)

[3] Hannappel/Melenk: S.324

[4] Wunderlich: Linguistische Pragmatik. (1972). S.13

[5] Hannappel/Melenk: S.324

Details

Seiten
21
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638389624
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40452
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Seminar für Deutsche Sprache und ihre Didaktik
Note
2
Schlagworte
Pragmatische Grundlagen Semantik Werkstatt Linguistik

Autor

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