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Westintegration Deutschlands. Zufall oder Adenauers Kalkül?

Seminararbeit 2005 18 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die neuen Weltmächte und deren Einfluss und Ziele

Erste Westdeutsche Orientierungsversuche nach dem Krieg

Schritte in die Westintegration und Adenauers Geschick

Schlussbetrachtung

Literaturquellenverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Einleitung

Eine Hausarbeit über die Außenpolitik Adenauers zu schreiben birgt nicht das Problem der Literaturbeschaffung, sondern das Problem der Eingrenzung des umfassenden Themas. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich daher lediglich auf den Zeitraum von 1945 bis 1955. Dabei wird im ersten Teil die Ausgangsposition des besiegten Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg dargestellt, die für die Außenpolitik der späteren Jahre entscheidend war. Wichtig ist hierbei noch zu bemerken, dass das Regieren der Alliierten über das geteilte Deutschland ebenfalls wie Außenpolitik betrachtet werden kann. Die Entscheidungen hatten durchweg verbindlichen Charakter und formten die noch zu gründende Republik. Der nächste Abschnitt behandelt die Orientierungen Westdeutscher Politiker in den Außenbeziehungen unmittelbar nach dem Krieg. Es werden die Positionen zur Außenpolitik herausragender deutscher Politiker kurz skizziert. Der letzte Teil behandelt sodann die Schritte Westdeutschlands unter der Führung Konrad Adenauers in die Westintegration. Entscheidend für die Hausarbeit ist lediglich die Politik der Westalliierten und westdeutscher Regierung. Die Opposition, die Sowjetische Besatzungszone sowie die Außenpolitikbestrebungen der UdSSR werden nur am Rande behandelt. Es gilt der Versuch herauszuarbeiten, ob der Westkurs Adenauers ein Zufall war oder gar der Erfüllungspolitik entsprach. Ferner gilt es zu durchleuchten, ob die Schritte Adenauers in die Westeuropäische Integration opportunistisch waren oder mit Kalkül und Zuversicht erfolgten.

Die neuen Weltmächte und deren Einfluss und Ziele

„Im Anfang waren die Alliierten – und nicht Adenauer […].“[1], so entgegnet die Berliner Politikwissenschaftlerin Helga Haftendorn der allbekannten Feststellung Arnulf Barings „´Im Anfang war Adenauer - so lässt sich der Beginn der Bundesrepublik kurz kennzeichnen.´“[2] Tatsächlich hatten lediglich die Alliierten bis zur offiziellen Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949, die oberste Regierungsgewalt innerhalb der Besatzungszonen inne. „Die Jahre von 1945 bis 1949 bilden die Inkubationsphase der neuen Weltpolitik“[3] Die beiden neuen Weltmächte bestimmten ihre nationalen Interessen und lernten den Umgang miteinander und mit den anderen Teilnehmern der internationalen Politik. Hervorzuheben ist die Dominanz der US-Politik in Bezug auf die westdeutsche Staatsbildung. „Das Konzert der europäischen Großmächte war zu Ende.“[4], beschrieb Waldemar Besson die neue weltpolitische Lage. Trotz der Teilhabe am Sieg über Hitler, waren Großbritannien und Frankreich keine Sieger, sie mussten sich langfristig dem amerikanischen Europa-Konzept unterordnen. Frankreich, gezeichnet von den Überfällen Deutschlands in den beiden Weltkriegen und im Deutsch-Französischen Krieg, wollte ein Wiedererstarken Deutschlands um jeden Preis verhindern.[5] Ebenso wie Frankreich hegte auch Großbritannien starke Bedenken in der Deutschlandpolitik und versuchte durch Demontagen an der übrig gebliebenen deutschen Schwerindustrie eine erneute deutsche Dominanz in Europa zu unterbinden.[6] Insbesondere die wirtschaftliche Abhängigkeit von Washington hat die Führung Frankreichs und Großbritanniens dazu bewegt, den ersten Rang der internationalen Politik zu verlassen und eigene Interessen den US-Absichten unterzuordnen. Die Folgen waren erst die Zusammenlegung der amerikanischen und der britischen Zone zu der Bizone und schließlich die Bildung einer Trizone aus allen westdeutschen Sektoren. Frankreich hat mit dem Ausscheiden der Kommunisten aus der Regierung seine „Schaukelpolitik“[7] zwischen den USA und der UdSSR beendet und hat die Bestimmung der Deutschlandpolitik fortan in die US-Obhut gegeben.[8] Zunächst verfolgten die USA das Ziel eines „karthagischen Friedens“[9] in Deutschland und somit „eine autoritäre und damit aggressive Disposition des deutschen Volkes.“[10] Die Bevormundung der Deutschen und die lange Besatzungszeit sollten jedweder deutscher Gefahr vorbeugen und zusammen mit den Sowjets ein friedliches und sicheres Europa garantieren. Eine völlig andere Vorstellung hatte die so genannte realpolitische Schule. Diese konnte sich auch im Zuge der sich herauskristallisierenden Konflikte zwischen den beiden Supermächten rasch durchsetzen. Die Absicht der realpolitischen Schule war nicht die Vernichtung des deutschen Potenzials, sondern eher die Nutzung dieses Potenzials für eigene Zwecke im sich anbahnenden Ost-West-Gegensatz.[11] Die Anhänger der Realpolitik konnten sich nach der Moskauer Konferenz im Frühjahr 1947 vollends durchsetzen, denn dort wurden die Interessensgegensätze der beiden Weltmächte USA und UdSSR deutlich.[12] „Washington hielt jetzt eine zumindest vorläufige Teilung Deutschlands für unvermeidlich.“[13] Ein Journalist des Wall Street Journal hat die US-Motive für den deutschen Weststaat präzise zusammengefasst:

„´Wenn die Siegreichen Mächte Deutschland als eine Kolonie behandeln, dann ist nichts anderes von den Deutschen zu erwarten, als Indifferenz und Sabotage. […] Die kolonialen Methoden würden nur in die Hände der kommunistischen Propaganda spielen und zur Katastrophe führen. Aber wenn man Deutschland in ein vereintes Europa auf der Basis der Gleichberechtigung bringt, […] würde [Deutschland, Ergänzung des Verfassers] dann seine mittelalterliche Rolle wiedergewinnen und die östliche Grenze der europäischen Zivilisation sein. […].´“[14]

Somit war die Idee eines neutralisierten deutschen Pufferstaates verworfen. Die US-Administration bereitete vorsichtig die Gründung der Bundesrepublik vor, hatte aber immer noch die Zuversicht demonstriert mit den Sowjets einen Kompromiss zur Viermächteverantwortung im neutralisierten Deutschland zu schließen.[15] Mit der Verkündung der Truman-Doktrin am 11. März 1947 erklärte aber der US-Präsident Truman, dass die Welt sich in einer ideologischen und politischen Auseinandersetzung befindet und zwar zwischen der freien Welt und dem totalitären Lager. Somit wurde die defensive Eindämmungsstrategie nun offensiv angewandt und ist somit zur außenpolitischen Handlungsmaxime der Vereinigten Staaten von Amerika in den Beziehungen zur Sowjetunion und ihrem Einflussgebiet geworden.[16]

Einen weiteren Auftrieb zur Westbindung der westlichen Besatzungszonen gab der Marshall-Plan. Mit seiner Hilfe sollte eine wirtschaftlich verursachte politische Destabilisierung Westeuropas verhindert werden. Die für alle europäischen Staaten angebotene Hilfe wurde von den sowjetisch beeinflussten Ländern abgelehnt, mit der Folge, dass die westlichen Besatzungszonen noch enger an die USA gebunden wurden.[17] Wenn der Marshall-Plan langfristig greifen sollte, war es notwendig, die Stabilität der Währung im Wirtschaftsraum zu gewähren. Aus diesem Grund führten die westlichen Besatzungszonen im Juni 1948 die Deutsche Mark als neue Währung ein. Die Währungsreform trug jedoch zur weiteren Spaltung Deutschlands bei. Die Sowjets nahmen diese zum Anlass, die Westberliner Sektoren am 24. Juni 1948 einer Blockade zu unterwerfen und diese bis zum 12. Mai 1949 aufrecht zu erhalten. Ziel der sowjetischen Führung war eine Verschiebung der Gründung eines westdeutschen Staates und Hoffnung auf Abzug der Westalliierten aus West-Berlin. Diese Taktik beschleunigte aber eher die Spaltung, weil die Westmächte nun keinen Glauben an eine alliierte Vereinbarung zur Wiederherstellung der Einheit Deutschlands schenkten. Das Missvertrauen der Westalliierten der sowjetischen Führung gegenüber führte im Juni 1948 zur Entscheidung über die Gründung der Bundesrepublik Deutschland.[18] Die Folgen der Berlin-Blockade waren bei der Entscheidung beträchtlich. Die Luftbrücke, eingerichtet um die Folgen der Blockade zu lindern und die Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen, brachte die Deutschen und die Westbesatzer enger zusammen. „Nicht nur rückten West-Berliner und Westdeutsche sowie Westalliierte auf Dauer eng zusammen, vielmehr half diese Luftbrücke den Deutschen auch, sich relativ rasch mit dem Gedanken einer Teilstaatsgründung abzufinden […].“[19]

[...]


[1] s. Helga Haftendorn; Deutsche Außenpolitik zwischen Selbstbeschränkung und Selbstbehauptung; Stuttgart, München 2001; S. 17.

[2] s. Manfred Görtemaker; Kleine Geschichte der Bundesrepublik Deutschland; München 2002; S. 39.

[3] s. Waldemar Besson; Die Außenpolitik der Bundesrepublik. Erfahrungen und Maßstäbe; München 1970; S. 22.

[4] s. ebd.; S. 21.

[5] vgl. Gregor Schöllgen; Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart; München 1999; S. 23.

[6] vgl. Helga Haftendorn; S. 35.

[7] s. Waldemar Besson; S. 30.

[8] vgl. ebd.; S. 27-30.

[9] s. ebd.; S.27.

[10] ebd.

[11] vgl. ebd.; S. 27f..

[12] vgl. Reinhard Elze/Konrad Repgen (Hrsg.); Studienbuch Geschichte. Eine europäische Weltgeschichte. Band 2; Stuttgart 1947; S. 612f.

[13] s. Waldemar Besson; S. 29.

[14] ebd.; S. 30.

[15] vgl. Waldemar Besson; S. 29.

[16] vgl. Helga Haftendorn; S. 20.

[17] vgl. Reinhard Elze/Konrad Repgen (Hrsg.); S. 613-616.

[18] vgl. Helga Haftendorn; S. 22f.

[19] s. Gregor Schöllgen; S. 19.

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638389396
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40424
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Politische Wissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Westintegration Deutschlands Zufall Adenauers Kalkül Internatioinale Beziehungen

Autor

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