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Illegaler Drogenkonsum bei Jugendlichen und Prävention

Hausarbeit 2003 34 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Einleitung, Intention und Aufbau der Arbeit

1. Hinführung zum Thema
1.1 Verbreitung und wachsende Bedeutung illegaler Substanzen
1.2 Beliebtheit einzelner Drogen und Konsummuster bei Jugendlichen
1.3 Drogenkonsum als vorübergehende Phase und Hilfe zur Bewältigung entwicklungsbedingter Aufgaben im Jugendalter
1.4 Merkmale süchtigen Verhaltens
1.5 Klassifikation, Wirkung und Risiken illegalen Drogenkonsums

2. Bedingungsfaktoren der Suchtentstehung
2.1 Personale Faktoren (Persönlichkeit)
2.1.1 biologische Faktoren
2.1.2 Persönlichkeitsfaktoren
2.2 Soziale Faktoren (Umwelt)
2.2.1 Elternhaus
2.2.2 peer-group
2.2.3 Schule
2.3 Gesellschaftliche Einflüsse

3. Prävention
A) Primärprävention:
3.1 Ziele
3.2 Lebenskompetenzprogramme („Life-Skills-Approach“)
B) Sekundärprävention:
3.3 Zielgruppe und Ziele
3.4 Sekundärpräventive Maßnahmen
- Prosoziale Interventionen
- Drogenerzieherische Maßnahmen
- Schulung erwachsener Bezugspersonen
- Schulische Angebote
3.5 Beispiele konkreter Handlungsstrategien
- Safer-use-Kampagnen
- Safer-House-Parties
- Drug-Checking
- Internetberatung
- Drogen-Info-Mobil
3.6 Zur Bedeutung akzeptanzorientierter Maßnahmen
3.7 Drogenpolitische Maßnahmen/Legalisierung verbotener Substanzen
C) Prävention im Elternhaus:
3.8 Elternkompetenztraining zur Selbstreflexion
3.9 Relevante Erziehungsaspekte einer Vorbeugung

Literatur

Einleitung, Intention und Aufbau der Arbeit

Der Konsum von legalen Drogen wie Zigaretten und Alkohol ist fester Bestandteil der Jugendphase. Fast alle Jugendliche probieren diese beiden Substanzen in dieser Umbruchphase einmal aus. Jugendliche befinden sich auf der Suche nach ihrer Identität und müssen eine Vielzahl von Entwicklungsaufgaben verarbeiten und bewältigen. Dazu gehören die demonstrative Abwendung von der Kindheitsrolle und dem Elternhaus und gleichzeitig die Festigung ihrer Position in der Gleichaltrigengruppe. Psychoaktive Substanzen besitzen eine hohe Attraktivität im Leben von Jugendlichen, weil sie subjektiv geeignet erscheinen, den schwierigen Umordnungsprozess mit seinen körperlichen, psychischen und sozialen Unsicherheiten hilfreich zu begleiten. Zudem kommt die als positiv und nützlich erlebte Wirkung, die als Möglichkeit, die eigene Befindlichkeit in eine gewünschte Richtung zu modifizieren, genutzt wird.

In Verbindung mit der Diskussion um die Drogenabhängigkeit bei Jugendlichen geschieht es häufig, dass der Drogenkonsum entweder verteufelt und dramatisiert oder aber verharmlost wird. Die Absicht dieser Arbeit liegt darin, verschiedene Aspekte, die zu diesem Thema relevant erscheinen, weder verharmlosend noch dramatisierend darzustellen, sondern möglichst objektiv und unvoreingenommen an das Thema heranzugehen und Informationen darüber zu sammeln. Wichtig in diesem Zusammenhang erscheinen hierbei u.a. nicht nur die Klassifikation verschiedener Drogen sowie ihre Wirkungen und Risiken, sondern auch die Frage, welche Bedeutung Drogen im Alltag von Jugendlichen einnehmen und welche Funktionen sie bei den Heranwachsenden erfüllen. Dies alles wird im ersten Kapitel dieser Arbeit behandelt.

Im zweiten Kapitel geht es um die Bedingungsfaktoren der Suchtentstehung. Hierbei kommen sowohl personale als auch soziale Faktoren zum Tragen. Zu den personalen Faktoren gehören biologische sowie persönlichkeitsbezogene Faktoren. Soziale Faktoren oder auch Umweltfaktoren ziehen das Elternhaus, die Gleichaltrigengruppe oder peer-group und die Schule mit ein. Am Ende dieses Kapitel werden außerdem gesellschaftliche Einflüsse genannt, die ebenso wie die anderen ihren Beitrag zu einer Suchtentstehung leisten können.

In dieser Arbeit geht es gemäß dem Titel Illegaler Drogenkonsum bei Jugendlichen und Prävention vorrangig um die Präventionsmöglichkeiten bei jugendlichem Drogenkonsum. Entsprechend dazu wird dem dritten Kapitel besonders viel Platz im Rahmen dieser Arbeit eingeräumt. Der Schwerpunkt wird in diesem Abschnitt auf Möglichkeiten der Sekundärprävention angesetzt, da diese besonders wichtig im Zusammenhang mit dem Drogenkonsum bei Jugendlichen erscheinen. Zunächst werden verschiedene Maßnahmen beschrieben, und darauf werden konkrete Handlungsbeispiele gegeben. Der letzte Teil dieses Kapitels befasst sich mit präventiven Maßnahmen im Elternhaus.

1. Hinführung zum Thema

1.1 Verbreitung und wachsende Bedeutung illegaler Substanzen

Das Angebot psychoaktiver Substanzen hat sich in den letzten drei bis vier Jahrzehnten erheblich erweitert. Viele von den neu hinzugekommenen Stoffen sind ursprünglich einmal als Arzneimittel auf der Basis von künstlich hergestellten oder natürlichen Rohstoffen entwickelt worden. Fast alle dieser Substanzen sind von der Gesetzgebung als illegal eingestuft worden und dürfen somit nicht wie die legalen Drogen hergestellt, gehandelt, erworben oder besessen werden (vgl. Freitag 1999, S. 45ff).[1]

Eine besonders starke Verbreitung haben zusammen mit der Techno-Bewegung Anfang der 90er Jahre vor allem die Produkte auf der Basis von Cannabis (Haschisch und Marihuana) und auf der Basis von Amphetaminen (Ecstasy und Speed) erreicht, aber auch Halluzinogene (LSD und Pilze) sowie Kokain und Heroin sind innerhalb der Szene sehr vertreten. Während Heroin bei Jugendlichen keine bedeutende Rolle einnimmt, sind Cannabisprodukte, Ecstasy, Speed, LSD (und in geringerem Ausmaß Kokain[2]) bei Jugendlichen sehr beliebt geworden. Diese Substanzen werden von so vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen konsumiert, dass man sie fast schon als die neuen Alltagsdrogen bezeichnen könnte. Die Existenz, Bekanntheit und Nutzung dieser Stoffe ist für Jugendliche in ihrem täglichen Verhalten und insbesondere in ihrer Auseinandersetzung mit alterstypischen Entwicklungsaufgaben selbstverständlich. Die illegalen Drogen stellen eine Erweiterung und Bereicherung zum legalen Angebot dar, mit deren Hilfe die Konsumenten ihre Persönlichkeit zum Ausdruck bringen und ihre psychische und physische Befindlichkeit manipulieren können (ebd.).

In der Regel handelt es sich beim Drogenkonsum von Jugendlichen um einen vorübergehenden gelegentlichen Probierkonsum. Einstiegsmotive sind meistens Neugier, Experimentierfreude, die Suche nach Grenzerfahrungen, der Wunsch nach Geselligkeit und die Integration, sich von anderen abgrenzen, Spaß und Entspannung. Bei Jugendlichen überwiegt der episodische Konsum illegaler Drogen. Im Erwachsenenalter mit der Übernahme von mehr Verantwortung durch berufliche Pflichten und Familiengründung stellen sie den Konsum meistens wieder ein. Für einen geringen Teil der Jugendlichen sind die gemachten Erfahrungen allerdings von so großer Bedeutung, dass diese Substanzen intensiver genutzt werden und der regelmäßige Konsum sich habitualisiert und die Jugendlichen so nach und nach Gefahr laufen, in eine Abhängigkeit zu geraten (ebd.).

1.2 Beliebtheit einzelner Drogen und Konsummuster

Cannabis

Allen Untersuchungen zufolge, ist Cannabis die in Deutschland am häufigsten konsumierte illegale Droge bei Jugendlichen (und auch bei allen anderen Altersgruppen). Das gilt für die Besucher der Techno-Szene als auch für Jugendliche der Gesamtbevölkerung.[3]

Ecstasy

Ecstasy ist nach Cannabis die am zweithäufigsten konsumierte Droge von Jugendlichen in Deutschland. Ein Drittel aller Jugendlichen gehören zu den Konsumenten von Ecstasy. Der Einstieg in den Ecstasy Konsum erfolgt in der Regel bereits vor dem 16.Lebensjahr. Typischerweise wird Ecstasy (nach Schuster und Wittchen 1996) 1-3mal im Monat genommen (60% aller Konsumenten fallen in diese Kategorie). Ectasy wird überwiegend an Wochenenden oder speziellen Veranstaltungen genommen. Konsumorte sind Technoparties, Discos, private Parties mit Freunden oder auch das Zuhause der Jugendlichen. Je jünger die Konsumenten sind, desto mehr Probierer finden sich in der Gruppe, die nur mal aus Neugier eine Glückspille getestet haben.

Innerhalb der Techno-Szene ist der Ecstasy-Konsum stärker verbreitet als in der Gesamtbevölkerung. Etwas über 1/3 konsumiert Ecstasy. Aber das gängige Klischee passt nicht: Ecstasy-Konsum kommt nicht nur in der Szene vor und auch nicht alle Besucher von Clubs und Veranstaltungen konsumieren Ecstasy. Der überwiegende Teil kommt auch ohne den Konsum von Ecstasy aus. Ecstasy wird, wenn auch in geringerem Ausmaß, auch außerhalb der Szene konsumiert.

Speed

Auch der Konsum von Speed ist in der Techno-Szene höher als in der Gesamtbevölkerung, wobei Speed meist von denen konsumiert wird, die auch Ecstasy nehmen.

LSD

Seltener werden in der Gesamtbevölkerung von den Jugendlichen LSD oder andere Halluzinogene wie Pilze konsumiert. Die Techno-Szene konsumiert deutlich höher LSD. Diejenigen, die in der Techno-Szene Ecstasy konsumieren, konsumieren meist auch LSD.

Kokain

Ähnlich verhält es sich mit Kokain. Kokain scheint für die Jugendlichen der Gesamtbevölkerung eine untergeordnete Rolle zu spielen. In der Techno-Szene ist er etwa gleich verbreitet und beliebt wie LSD.

Multipler Drogenkonsum in der Techno-Szene

Die Studien zeigen, dass der ausschließliche Konsum von Ecstasy ein eher seltenes Phänomen ist (ca. 6% aller Besucher). Die meisten der Techno-Szene sind reine Cannabis-Konsumenten. Die zweitgrößte Gruppe sind Konsumenten von Cannabis, Ecstasy und Speed. Die nächst größte Gruppe nimmt zusätzlich LSD. Und wiederum die nächste zusätzlich Kokain (nach der Ecstasy Studie von Tossmann 1998).

Eine andere Studie aus der Techno-Szene (nach Krögel, Künzel&Bühringer 1998) zeigt, dass die Verbindung aller fünf illegalen Drogen Cannabis-Ecstasy-Speed-LSD-Kokain die am häufigste genannte Kombination ist, abgesehen vom ausschließlichen Konsum von Cannabis.

Wenn auch die Kombinationen je nach Studie etwas verschieden ausfallen, so belegen alle Studien den Mehrfachkonsum illegaler Drogen. Wenn illegale Drogen konsumiert werden, dann gleich mehrere. Diese Aussage trifft insbesondere für den Konsum von Ectasy zu (und weniger für Cannabis-Konsum). In manchen Fällen werden die Substanzen miteinander kombiniert und gleichzeitig eingenommen (was ein erhöhtes Gesundheitsrisiko und eine erhöhte Suchtgefahr mit sich bringt), andere Konsumenten beginnen den Abend erst mit Ecstasy, nehmen im weiteren Verlauf des Abends bei den ersten Ermüdungserscheinungen Speed, um wieder „wach zu werden und weiter abzutanzen“ und beenden die Nacht oder vielmehr den Morgen mit Cannabis, um „runterzukommen“. Die Konsumenten scheinen eine ausgefeilte Konzeption für die Steuerung ihrer Befindlichkeit im Rauschzustand entwickelt zu haben.

1.3 Drogenkonsum als vorübergehende Phase und Hilfe zur Bewältigung entwicklungsbedingter Aufgaben im Jugendalter

Fast alle legalen und illegalen Drogen werden zum ersten Mal im Jugendalter probiert. Diese Phase scheint prädestiniert zu sein für den Erwerb von Erfahrungen und Kompetenzen im Umgang mit Drogen und bei einigen auch für die Beibehaltung des einmal erworbenen Konsummusters.

Ein triftiger Grund für die Nutzung psychoaktiver Substanzen hängt zweifelsohne mit den Entwicklungsaufgaben in der Jugendphase zusammen. Zahlreiche Anforderungen müssen bearbeitet und bewältigt werden (vgl. Freitag/Hurrelmann 1999):

- die Ablösung von den Eltern;
- und gleichzeitig die Hinwendung zu den Gleichaltrigen;
- der Aufbau von sexuellen Beziehungen;
- der Aufbau eines eigenen Werte- und Orientierungssystems;
- Identitätsfindung;
- Entwickeln von beruflichen Interessen und Zukunftsperspektiven usw. (S. 10ff)

Dieses gleichzeitige Auftreten von einer Vielzahl von zu bewältigenden Aufgaben und erst recht aber das Scheitern an diesen Aufgaben können verschiedene Beeinträchtigungen zur Folge haben:

- Konflikte mit den Eltern
- Enttäuschende Liebesbeziehungen
- Sinn- und Orientierungskrisen
- Versagenserlebnisse in der Schule
- Perspektivlosigkeit
- Frustrierende Erlebnisse durch Nichtanerkennung bei Gleichaltrigen
- Verunsicherungen usw. (ebd.)

Der Übergang ins Erwachsenenalter ist eine schwierige kritische Phase, in der es leicht zu Überforderungen in Hinsicht auf die Lebensbewältigung kommen kann. Sowohl legale als auch illegale Drogen sind in dieser Zeit ein verlockendes Angebot. Drogen erfüllen in dieser Zeit die verschiedensten Funktionen:

- sie bauen Stress bei Belastungen ab und entspannen
- helfen bei der Verarbeitung oder Verdrängung nicht negativer Gefühle
- ermöglichen ein Ausklinken aus dem stressigen Alltag
- sie bieten einen Zufluchtort
- kompensieren Versagenserlebnisse
- vermitteln Gefühle des Erwachsenseins und stehen als Signal für die Ablösung von den Eltern
- erfüllen die Funktion der Integration in die Gleichaltrigengruppe
- führen zu Anerkennung und Bewunderung
- bauen Hemmungen und Verunsicherungen ab
- steigern die Kommunikations- und Kontaktbereitschaft
- helfen, eine erwünschte Stimmung zu erreichen bzw. eine unerwünschte Stimmung zu unterdrücken usw. (ebd.)

Drogen – legale wie illegale – gehören zur Jugend dazu. Sie stellen für Jugendliche eine attraktive Freizeitbeschäftigung dar, die mit Spaß, Abenteuer und Entspannung zu tun haben und erfüllen darüber hinaus noch viele weitere Funktionen, wodurch Jugendliche die entwicklungsbedingten Anforderungen besser bewältigen können. Der Häufigkeit nach ist Drogenkonsum im Jugendalter schon fast ein ganz normales vorübergehendes Phänomen. Durch die vermehrte Übernahme von Verantwortung im beruflichen und familiären Bereich im Erwachsenenalter und die dadurch bedingte größere soziale Kontrolle des eigenen Verhaltens durch andere kommt es zu einem deutlichen Rückgang des Konsums dieser Substanzen (ab Alter von 25Jahren, wie mehrere Studien feststellen) (ebd.).

Riskant wird der Konsum allerdings dann, wenn er in Missbrauch ausartet und er als primäre Bewältigungsstrategie für Belastungen genutzt wird.

[...]


[1] Studien und Kenntnisse über die Verbreitung sind wichtig für die Prävention, denn nur wenn bekannt ist, welche Bevölkerungsgruppe in welchem Alter welche Substanzen konsumiert, können entsprechende zielgruppenorientierte und altersspezifische Programme entwickelt und implementiert werden.

[2] Dies hängt vermutlich mit dem teuren Preis dieser Droge zusammen.

[3] Die Ausführungen in diesem Abschnitt zur Beliebtheit einzelner Drogen und Konsummuster sind aus: Freitag: Wie verbreitet sind illegale psychoaktive Substanzen? In: Freitag/Hurrelmann (1999): Illegale Alltagsdrogen, S. 49ff

Details

Seiten
34
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638389013
ISBN (Buch)
9783638655460
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40376
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
sehr gut (1,0)
Schlagworte
Illegaler Drogenkonsum Jugendlichen Prävention

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Titel: Illegaler Drogenkonsum bei Jugendlichen und Prävention