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Vergleich der Transition zwischen Südafrika, Namibia und Mosambik, anhand des theoretischen Konstrukts der Humanentwicklung von Christian Welzel

von Silke Lachnit (Autor) Marcus Schaumburg-Müller (Autor)

Hausarbeit 2004 50 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Analyseeinheit
- Fallauswahl
- zeitliche Eingrenzung
- allgemeine Problembearbeitung

Analyseeinheit
- Humanentwicklungskonstrukt von Christian Welzel und die nach Datenlage bestmögliche - Operationalisierung speziell für diesen Sachverhalt

Analyseeinheit
- Darstellung der kulturellen, historischen und soziökonomischen Eigenarten der Länder der vierten Demokratisierungswelle allgemein
- Spezifizierung Mosambik
- Historische Einordnung
- Liberalisierungsphase
- Transitionsphase
- Spezifizierung Namibia
- Historische Einordnung
- Liberalisierungsphase
- Transitionsphase
- Spezifizierung Südafrika
- Historische Einordnung
- Liberalisierungsphase
- Transitionsphase
- Empirischer Vergleich der Konsolidierung anhand
- des HDI
- den Zusatzindices des HDI zur Geschlechterdiversifikation
- den Auswertungen des Index von Freedom House

Erarbeitung begünstigender Demokratiefaktoren, sowie Prognosen zur weiteren Entwicklung

Literaturverzeichnis S.41-42

Abstract / Zusammenfassung S.43-44

Methodenanhang S.45-50

Vergleich der Transition zwischen Südafrika, Namibia und Mosambik, anhand des theoretischen Konstrukts zur Humanentwicklung von

Christian Welzel

Silke Lachnit und Marcus Schaumburg-Müller

Einleitung

Die vorliegende, gemeinsame Hausarbeit vergleicht im Rahmen des Proseminars „empirische Demokratieforschung und -messung“ unter der Leitung von Susanne Pickel die demokratische Transition zu freiheitlich demokratischen Regimen im südlichen Afrika,1 anhand dreier, nach dem most different system design, ausgesuchter Fallbeispiele- Mosambik, Namibia und Südafrika. Ziel dieser Untersuchung soll es sein, die Gemeinsamkeiten, die zu Transitionen geführt haben herauszuarbeiten und die unterschiedlichen Konsolidierungsvorgänge in den jeweiligen Ländern, anhand des, von uns selbst operationalisierten, Humanentwicklungskonstrukts von Christian Welzel aufzuschlüsseln, um auf die Besonderheiten der Demokratiewerdung in Afrika eingehen zu können und letztendlich Prognosen für weitere Entwicklungen abzuleiten.

Die Transitionstheorie beruht dabei auf der Idee der dreistufigen, idealtypischen Sequenz von Liberalisierung, Transitionsphase und Konsolidierung (Nohlen 1988: 310).Demokratische Transition wird hierbei als ein Prozess begriffen, der sich durch das anfängliche Ereignis einer kompetetiven Gründerwahl mit Massenstimmrecht für die wichtigsten politischen Ämter im Land definiert und somit eine Umwälzung von antidemokratischen Regeln, in demokratische einleitet (Merkel/ Sandschneider/ Segert1996:131). Die Ursachen, die zu Transitionen führen und als Liberalisierungsphase begriffen werden, sind vielfältigster Natur und stark von der Art des vorhergehenden, nicht-demokratischen Regimes abhängig, so dass man sie auf die einzelnen Regionen spezifisch anwenden muss (Nohlen 1988: 310). Der auf die Transitionsphase folgende, fließend überlaufende Prozess, ist die Konsolidierung demokratischer Strukturen. Er beinhaltet die Frage nach der demokratischen Stabilität und Qualität des neuen Regimes.

Demokratische Stabilität befasst sich mit der Erhaltung und der Dauer der neuen Demokratie. Hierbei wird auf die Institutionalisierung demokratischer Regeln, das gesellschaftliche Bewusstsein zur Demokratie und die intermediären und interdependenten Strukturen innerhalb des Staates eingegangen (Merkel 1996: 310). Demokratische Qualität bezeichnet den Bereich der tatsächlichen politischen Ausübung (O’Donnel 1999: 146) im schumpeterschen Sinne, also dem Prozedual klaren politischen Wettbewerbs der konkurrierenden Eliten und deren Ergebnis. Der Prozess der Konsolidierung ist mit den Mitteln der Demokratiemessung wesentlich besser empirisch zu erfassen, als die Liberalisierung und die Transition, da man hierbei von demokratischen Minimalbedingungen ausgehen kann, die Demokratie deutlich und langfristig von Autokratie unterscheiden. Diese finden ihre Anwendung in den meisten Demokratieindices.2 Sind diese nicht vorhanden, ist weder Stabilität im räumlich-zeitlichen Sinne, noch Qualität, welches die Ausprägung des demokratischen Typus beschreibt, im neuen demokratischen Regime gegeben. Dieser empirisch erfassbaren Zweiteilung wird auch in unserer Hausarbeit Rechnung getragen, indem die Liberalisierung und die Transition eher deskriptiv, die Konsolidierung dagegen empirisch erfasst wird.

Die vorliegende Hausarbeit gliedert sich daher grob in drei Analyseeinheiten.

Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit den nötigen Vorbetrachtungen. Zu ihnen zählt die Darlegung der Fallauswahl. Durch sie wird die Thematik in ihrer Bandbreite eröffnet und gleichzeitig beschränkt, so dass von Anfang an deutlich wird, in welchem Rahmen wir uns bewegen. Es wird zudem auf die Methode der Fallauswahl eingegangen, um sicherzustellen, dass die ausgesuchten Objekte repräsentativ für den Forschungsgegenstand sind und Vergleichbarkeit gewährleisten. Ein weiterer Unterpunkt liegt in der zeitlichen Eingrenzung des Themas. Wir beschäftigen uns mit drei Beispielländern der, nach von Beyme, vierten Demokratisierungswelle von 1989 bis Ende 1999 (von Beyme 1994: 464). Diese haben wir bewusst im südlichen Afrika lokalisiert, um den Besonderheiten afrikanischer Historie und Kultur Rechnung zu tragen,. da Afrikas Besonderheiten exemplarisch für die übergeordneten Merkmale der vierten Demokratisierungswelle sind Daher zählt zu den Vorbetrachtungen auch ein allgemeiner Überblick über die historischen Hintergründe, die kulturellen Divergenzen und eine kurze Darstellung über die Probleme, die es mit sich bringt, aus westlich idealisierter Sicht und Herangehensweise, Transitionen im südlichen Afrika analysieren, beurteilen und bewerten zu wollen.

Die zweite Analyseeinheit geht genauer auf das Humanentwicklungskonzept von Christian Welzel ein. Es soll dargestellt werden, warum wir eben diese Methode zur Veranschaulichung unseres Sachverhaltes heranziehen und wie und warum wir diese mit Hilfe des vom UNDP erstellten HDI und einigen ausgesuchten Zusatzindices, sowie des Freedom- House Index selbst operationalisieren.

Der dritte Abschnitt soll der spezifischen Analyse der drei Beispielländer gewidmet sein. Nach einem allgemeinen Einblick wird jeweils auf nationale Besonderheiten eingegangen. Die in den jeweiligen Fällen zutreffende Historie, Liberalisierungs- und Transitionsphase wird für alle drei Länder deskriptiv erläutert. Die Konsolidierungsvorgänge der einzelnen Herrschaftsformen werden gesondert beleuchtet und auf ihren demokratischen Gehalt empirisch überprüft. Dies geschieht nach dem Theoriekonstrukt der Humanentwicklung von Christian Welzel, welches durch den HDI, ausgesuchte Indices zur Geschlechterungleichheit und dem Index von Freedom- House skizziert und unterlegt wird.3 Zudem widmet sich der dritte Abschnitt den Ergebnissen der detaillierten deskriptiven und empirischen Falluntersuchungen Dabei wird genauer geschaut, welche Transitionsumstände speziell für das südliche Afrika als begünstigend gelten können und welche Faktoren zu einer demokratischen Konsolidierung führen und welche sich auf diese negativ auswirken. In letzter Instanz wird versucht Prognosen für die weitere demokratische Entwicklung im südlichen Afrika, ausgehend von den Beispielländern, zu geben.

Analyseeinheit 1

- Fallauswahl

Die Fallbeispiele sind Mosambik, Namibia und Südafrika. Um eine Anfangskategorisierung aufzustellen, gehen wir von dem selbem Ausgangspunkt aus, den auch die Transitionsforschung benutzt. Wir legen das Minimalkriterium für Demokratie auf die Ausübung freier und fairer Wahlen in einem Land fest. Alle drei Fallbeispiele können somit als Transitionsländer angesehen und eingestuft werden. Ihre gemeinsame Basis besteht in der Gewährleistung von einmaligen kompetetiven Wahlen als Minimalkriterium, was sie nach Aurel Croissant erst mal zu „elektoralen“ Demokratien4 macht (Croissant 1974: 12).

Dies ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf dessen Basis nun Vergleichbarkeit vorliegt. Um als zweiten Schritt die Bandbreite unserer Untersuchung festzulegen, werden auf der gemeinsamen Grundlage des elektoralen Moments der Demokratie, drei grobe Kategorien nach dem most different system design eröffnet- ein liberaler Demokratietypus, ein semiliberaler und ein illiberaler Demokratietyp. Die Termini werden hierbei von Freedom House übernommen. Aurel Croissant bewertet Südafrika als liberal, Namibia als semiliberal und Mosambik als illiberal.5 Somit besetzt jedes Land eine der drei Kategorien, in die es durch dieselben Faktoren wie die beiden anderen Länder eingestuft wird. Dies macht von Anfang an eine grundlegende Vergleichbarkeit, bezogen auf alle Kategorien möglich, da sowohl eine gemeinsame Grundvorrausetzung für Demokratie vorliegt, als auch die grundlegenden Kriterien einem gemeinsamen Muster folgen. Aufgrund der unterschiedlichen Einordnung der Länder in verschiedene Regimetypen ergeben sich automatisch verschiedene Konsolidierungstypen, diese wiederum spiegeln die verschieden liberalisierungs- und transitionstypischen Eigenheiten der einzelnen Länder wieder. Somit bewegen wir uns in einem Rahmen, der es zulässt Transitionen und Konsolidierungen zu betrachten, die sich in drei wesentliche Richtungen, von lediglich formalem Bestand demokratischer Regeln, über einen Mischtypus, der weiter fortgeschritten, aber immer noch mangelhaft ist, bis hin zur Ausprägung liberaler demokratischer Ordnungen, bewegen, ohne mögliche Fälle unbetrachtet zu lassen und den Rahmen durch zu viele Spezifikas und Einzelheiten zu sprengen.

- Zeitliche Einordnung

Die drei Länder sind nach von Beyme Transitionsregime der vierten Demokratisierungswelle. Mosambik ist seit 1974 unabhängig, gilt aber erst seit 1994 als formal demokratisches Transitionsland.6 Namibia ist seit 1989 ein Transitionsregime und Südafrika ebenfalls seit 1994. Allgemein deutet im südlichen Afrika seit Anfang der Neunzigerjahre der generelle Trend auf eine deutliche Verbesserung der demokratischen Situation hin (Erdmann 2002: 327). Das macht eine vergleichende Studie, in der auch die historischen Rahmenbedingungen beachtet werden können und müssen erst möglich.

Um die Transition von der Konsolidierungsphase in den einzelnen Ländern zu trennen, müssen mehrere Messzeitpunkte veranschlagt werden. Der erste Messzeitpunkt bezieht sich auf das Jahr in der die Gründungswahlen stattgefunden haben. Für Namibia ist das 1989 und für Mosambik und Südafrika 1994. Den zweiten Messzeitpunkt legen wir nach den ersten kompetetiven Wahlen innerhalb des neuen Regimes an. Der Wahlturnus ist in allen drei Ländern auf 5 Jahre festgelegt, also für Namibia 1994, für Mosambik und Südafrika 1999.

Das macht folgendermaßen Sinn: freie, faire und allgemeine Wahlen sind eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung für eine minimalistische Grundausstattung von Demokratie. Sie bezeichnen den transitorischen Wendepunkt, aber über dies hinaus keine Entwicklung (Rüb 2002: 96). Gerade Gründerwahlen werden ohne viel demokratische Erfahrung aller Beteiligten abgehalten.

Infolgedessen ist die Qualität der zweiten Wahl und aller Weiteren ein zentrales Merkmal, das über den demokratischen Charakter einer Gesellschaft entscheidet, weil diese Wahlen bereits institutionalisiert7 sind und gerade das in den Bereich der Konsolidierung fällt. Somit erfassen wir mit der ersten Messung den Stand der Transition und mit der zweiten Messung (und theoretisch aller darauf folgender) den Stand der Konsolidierung.

- Vorbetrachtende Problemanalyse

Die Staatshistorie Afrikas ist gekennzeichnet durch ihre Kolonialherrschaft. Während sich annähernd der Rest der Welt, vor allen Dingen die westlichen industriellen Großstaaten in der ersten und zweiten Demokratisierungswelle, aber auch die Länder Lateinamerikas, Südeuropas und Ostasiens in der dritten Welle erfolgreich demokratisieren konnten, blieben die Länder Afrikas aufgrund ihrer kolonialen Besetzung hinter diesen Errungenschaften zurück.8 Erst zu Beginn der neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, nach dem Ende der Kolonialzeit, dem Fall des „eisernen Vorhangs“ und dem Zerfall der Sowjetunion waren die Bedingungen gegeben, dass es auch in Afrika zu Demokratiebestrebungen kommen konnte (Schmidt 2000: 464).

Die vierte Demokratisierungswelle ist sowohl territorial, als auch in Bezug auf die Vorbedingungen der Transitionsländer sehr heterogen. Sie umfasst Länder in Mittel- und Osteuropa, aber auch außereuropäische Staaten in Südostasien, der Karibik und großenteils Afrika (Schmidt 2000: 465). Sie erfasste sowohl arme wie auch relativ begüterte Staaten, daher ist es noch schwerer die Gründe für Transitionen zu lokalisieren, als dies ohnehin schon der Fall ist. Seit Anfang der neunziger Jahre kann man in Afrika von einem „Transitionsboom“ reden. Insgesamt 48 Länder der vierten Demokratisierungswelle haben sich formal demokratisiert, doch nur bei fünf Ländern lassen sich reale Konsolidierungen erkennen (Meyns 2000:159).

Im Vordergrund steht vielmehr die Orientierung der Transitionsprozesse, die inzwischen als ausgedehnte Transitionen zu sehen sind. Die meisten dieser Transitionsregime verharren in einer Art verfestigtem Schwebezustand, zwischen eingeführten, verfassungsrechtlich festgehalten, demokratischen Regeln und Unterhöhlung dieser durch die eigenen Machtträger (Erdmann2000: 324). Dadurch entstehen langfristig Hybridsysteme, die weder in eine autoritäre Richtung, noch in die andere, demokratische Richtung charakterisierbar sind.

Dieser Hybridtyp hat mit Demokratie gemeinsam, dass die Wahlen frei erfolgen, die den Herrschaftszugang und die Herrschaftslegitimation gewährleisten, die übrigen bürgerlichen und politischen Menschenrechte werden aber nicht immer, und gleich bleibend beachtet, aber auch nicht schwer oder systematisch verletzt (Rüb 2002: 106). Für die wenigen erfolgreichen Transitionen und die zahlreichen Hybridsysteme ist nach Gero Erdmann die neopatrimoniale politische Praxis vieler afrikanischer Länder verantwortlich, die auch weitreichende Folgen für die weitergehende Konsolidierung und das Ansehen Afrikas in der westlichen Welt hat (Erdmann 2002: 324).9 Richard Snyder stellte im Rahmen seiner Revolutionsforschung fest, dass aus neopatrimonialen Systemen ein direkter Wechsel zur Demokratie selten, und unter erschwerten Bedingungen, als aus anderen Regimetypen stattfindet. (Snyder 1999: 328).10 Im Neopatrimonialismus existieren keine korporatistischen Strukturen wie in anderen Diktaturen. Es ist die moderne Form eines traditionellen Herrschaftstyps, des Weberschen Patrimonialismus (Weber 1980: 124ff., 625ff.). Hierbei sind alle Herrschaftsbeziehungen - politische, wie administrative - persönliche Beziehungen. Eine Unterscheidung zwischen Privatem und Öffentlichen existiert nicht. Im Neopatrimonialismus existieren Elemente patrimonialer und rational-bürokratischer Herrschaft nebeneinander und sind ineinander verwoben.

Zur genaueren Definition: 1.Gründerwahlen haben stattgefunden, 2.Flukturieren zwischen Anerkennung der formalen Regeln, politischer und bürgerlicher Menschenrechte und Verletzung dieser ohne Systematik. 3. Rechtsstaatlichkeit ist nicht gesichert. 4. unkonsolidierte, schwache staatliche Strukturen. 5. schwach entwickelte, und/oder ethnisch heterogene Zivilgesellschaft. 6.schwache Parteien und Parlamente gegenüber dem Klientelismus. 7. ausgeprägte finanzielle Außenabhängigkeit. 8. Schwächen gegenüber dem internationalen Umfeld (Erdmann 2002: 324)

Somit existiert die Trennung zwischen Privatem und Öffentlichem rein formal und man kann auf sie Bezug nehmen, aber ohne dass die Ansprüche an eine modern-rational-legale Staatlichkeit gesichert wären.

Da die patrimoniale Praxis die bürokratische Ebene durchdringt deformiert sie seine Funktionslogik und Wirkung. Der integrale Teil der patrimonialen Seite ist daher der Klientelismus, der sich in ausgedehnten und teilweise wechselnden Klientelnetzen entfaltet. Für den afrikanischen Kontext ist hierbei vor allem von Bedeutung, dass Klientelbeziehungen gegenüber staatlich- bürokratischen Strukturen vergleichsweise instabil sind (Erdmann 2002: 331). Alle administrativen Beziehung werden über persönliche Beziehungen aufgebaut und untermauert, um der anhaltenden Unsicherheit im staatlich gesellschaftlichen Kontext, die aufgrund der nicht berechenbaren staatlichen Institutionen beziehungsweise staatlicher Politik existiert, entgegenzuwirken.

Doch reproduziert Klientelismus wiederum Unsicherheit. Dadurch ergeben sich weitreichende wirtschaftliche und entwicklungsrelevante Probleme, die gegen eine demokratische Konsolidierung der neuen Strukturen arbeiten. Im Allgemeinen lassen sich Probleme, wie die Diskreditierung des Ansehens staatlicher Strukturen, Legimitätsmängel der politischen Führung, Schwächung der öffentlichen Institutionen sowie Abnahme sozialer staatlicher Leistungen, auf die Strukturen des Neopatrimonialismus zurückführen.

Wenn Gesetze und Verordnungen von der Elite missachtet und bewusst missbraucht werden, die dieses Land demokratisieren sollen, dann krankt die Entwicklung schon im Keim und es ist verständlich warum es nicht zu Konsolidierungen kommen kann.

Zudem ist für den afrikanischen Kontext ein weiterer Fakt von zentraler Bedeutung. Da, wie bereits festgestellt demokratische Regeln ad acta existieren, diese aber nicht normgerecht umgesetzt werden, kann die afrikanische Demokratiewerdung nicht allein aus der institutionellen Dimension betrachtet werden.

Wir betrachten sehr junge Demokratien, die aus schwierigen Situationen heraus „geboren“ wurden.

Viele Demokratieindices der vergleichenden Demokratiemessung gehen allerdings ausgehend von Dahls Minimalkatalog für Demokratie lediglich auf die institutionelle Ebene ein, erfassen Demokratie nur auf ihrer statischen Basis und gehen von einer idealisierten Demokratiesicht aus.11

Diesen Ansprüchen kann Afrika aufgrund seiner Historie und in so kurzer Zeit nicht gerecht werden. Will man den Besonderheiten afrikanischer Demokratien dagegen Rechnung tragen und auch verstehen, braucht man Indices, die fähig sind geringfügige qualitative Unterschiede graduell zu erfassen und muss wirtschaftliche, soziale und kulturelle Faktoren mit einbeziehen, um die Bandbreite der Qualität von Demokratie zu reflektieren. Diese Faktoren sind unabdingbar, wenn man Konsolidierungchancen erfassen will, da diese mit der Politisierung und Demokratisierung der Gesellschaft einhergehen.

Diese Möglichkeit eröffnet das Humanentwicklungskonstrukt von Christian Welzel, welches in der folgenden Analyseeinheit näher vorgestellt wird.

[...]


[1] Zum südlichen Afrika werden dabei folgende Länder gezählt: Angola, Botswana ,Malawi, Lesotho, Mosambik, Namibia, Südafrika, Swaziland, Sambia und Simbabwe

[2] Dahls Minimalkatalog geht von Partizipation und Wettbewerb aus und findet sich repräsentativ in fast allen modernen Demokratieindices wieder. So auch in Freedom House, den wir als institutionellen Index im Humanentwicklungskonzept von Welzel verwenden, um die Stabilität und Qualität von Demokratie zu erfassen.

[3] Das United- Nations- Development- Program (UNDP) erstellt jährlich einen Index zur Erfassung der ökonomischen Situation in Ländern auf der ganzen Welt mittels eines Expertenteams vor Ort. Das Expertenteam von Freedom House arbeitet mit einer Checkliste über civil liberties und political rights im Bereich der demokratischen Institutionalisierung. Die Eigenschaften der beiden Indices werden hier erstmal nur in Bezug auf die Kategorien des Humanentwicklungskonstrukts von Welzel gesehen.

[4] Croissant verwendet hier den Terminus „elektoral“, um zu kennzeichnen, dass es über das Kriterium der Wahl hinaus weitere Funktionsvorrausetzungen für Demokratie gibt. Wir benutzen hier ebenfalls den Terminus, um in unserem Konzept gesamtheitlich stimmig zu bleiben. Die Anfangskategorisierung folgt somit derselben Logik, wie die Transition, das Konstrukt von Welzel und die Einteilung in liberalen, semiliberalen und illiberalen Demokratietypus nach Freedom House spiegelt dagegen die Konsolidierung wieder.

[5] Es wird hierbei nur die checklist of „civil liberties“ berücksichtigt. Auf der Skala von 1-7 sind Demokratien mit den Werten 1und 2 „liberal“, Demokratien mit dem Wert 3 „semiliberal“ und ab dem Skalenwert 4 „illiberal“. Kriterium für das Vorliegen einer „elektoralen“ Demokratie (liberaler, semiliberaler und illiberaler Natur) ist die Abhaltung von hinreichend freien Wahlen. Zu beachten ist dabei, dass ein höherer Indexwert eine geringere Wirksamkeit der erfassten Bürgerrechte indiziert.

[6] Ausschlaggebend für die Einstufung als Transitionsland ist das Abhalten von kompetetiven Gründerwahlen und diese fanden in Mosambik erst 1994 statt

[7] zur Institutionalisierung von Wahlen gehört über den Gang zur Wahl hinaus: eine unabhängige Wahlkommission, gleicher Zugang zu den Medien, Transparenz der Finanzierung des Wahlkampfes, unabhängige Wahladministration, die eine effektive Umsetzung des Wahlrechtsbestandes sichert, Regeln für einen „sauberen Wahlkampf“, öffentliche Darlegung der Finanzierungsquellen der öffentlichen Parteien usw. (Nohlen 2000/Eklit 1997/Eklit 1999: 96).

[8] Meyns stellt in seiner Analyse fest, dass durch den teils jahrhunderte langem Zustand der Besetzung, nicht nur keine positiven Ausstrahlungseffekte von den bereits demokratisierten Besatzungsregimen ausgegangen sind, sondern, dass sie gerade durch Sie bewusst verhindert wurden, weil man die Kolonie als Absatzmarkt und Rekrutierer billiger Arbeitskräfte brauchte und somit missbrauchte und damit gegen ihre eigenständige Entwicklung arbeitete (Meyns 2000:

[9] Neopatrimonialismus wird als neue, speziell auf Afrika zutreffende Begrifflichkeit für Hybridsysteme verstanden, die weder demokratisch, noch autoritär ist.

[10] Die Gründe für diese Auffassung liegen in dem Kern begründet, dass das Staats und Menschenbild in diesen Kulturen keinen eigenständigen Wandel unterworfen war und daher die Lernphase zu einem modernen Menschen- und Staatsbild, das für die Demokratie notwendig ist, erst mit der Transition zusammentrifft.

[11] Dahls Demokratiebild, obgleich Leitbild und Ausgangspunkt der universellen Demokratiebewegung, berücksichtigt nicht die Bedeutungsvielfalt der regionalen Kontexte, die für Afrika substanziell sind. Es geht von der westlichen Demokratisierung aus und sieht Afrika mit den Begrifflichkeiten und Klassifizierungen der westlichen Demokratietheorie. Sie konzentriert sich überwiegend auf die Dimension der Partizipation und des politischen Wettbewerbs. Diese Sicht müssen wir für die afrikanische Demokratiebildung verwerfen, da das Konzept für unseren Kontext die falschen empirischen Fragen stellt, da Demokratiewerdung in Afrika vor ganz anderen Voraussetzungen und in einem ganz anderen Kontext steht. Dahls Konzept betont die statische Betrachtungsweise von Demokratie, die auf Prozesse schwerlich anwendbar ist. Da in Afrika jedoch die informelle Politik wesentlich stärker etabliert ist als die formelle, die durch Dahls Konzept erfasst wird, scheint die Aufrechterhaltung der Perspektive auf den Prozess der Demokratisierung eher für wesentlich.

Details

Seiten
50
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638388610
ISBN (Buch)
9783638706254
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40322
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Politikinstitut
Note
2,0
Schlagworte
Vergleich Transition Südafrika Namibia Mosambik Konstrukts Humanentwicklung Christian Welzel

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Titel: Vergleich der Transition zwischen Südafrika, Namibia und Mosambik, anhand des theoretischen Konstrukts der Humanentwicklung von Christian Welzel