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Die Zukunft der Tageszeitungen - Auswirkungen des Internet auf die Printmedien

von MMag. Philipp Kaufmann (Autor) Angelika Obermayr (Autor)

Hausarbeit 1998 31 Seiten

Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung und Problemstellung

3. Tageszeitungen im Allgemeinen

4. Internet
4.1. Allgemeine Darstellung
4.2. Exkurs: Geld im Internet Bedeutung und Möglichkeiten bei Printmedien

5. Tageszeitungen im Internet
5.1. Derzeitige Situation vonösterreichischen Tageszeitungen im Internet
5.2. Strategieen der Tageszeitungen
5.3. Internet als Experimentierfeld von Tageszeitungen
5.4. Imagefaktor Internet

6. Zusammenfassung

7. Quellenverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang A
9.1. Übersichtüber „Suchmaschinen“ B
9.2. Fachwörter C

1. Vorwort

Diese Arbeit wurde im Rahmen der Übung 1.2. erarbeitet, die von Frau Mag. Petra Herczeg im Sommersemester 1998 gehalten wurde. Die Aufgabenstellung war, eine wissenschaftliche Abhandlung einer selbstgewählten, kommunikationswissenschaftlichen Problemstellung zu verfassen. Diese Herausforderung haben wir in Gruppenarbeit zu zweit gelöst, indem wir ein für uns selbst überaus interessantes Thema, das uns zwei auch in unserer Freizeit beschäftigt, ausgewählt haben.

2. Einleitung und Problemstellung

Als Beginn dieser Arbeit und zugleich als Problemstellung versetzen wir uns in folgende Situation:

Es ist Montag Morgen im Jahr 20xy. Die Bahn ist wieüblichüberfüllt. Gedr ä nge, müde Gesichter - ein leises elektronisches Surren liegt in der Luft. Diejenigen, die einen Sitzplatz ergattert haben, starren konzentriert auf den Bildschirm ihres Minilaptops, der Ihnen mittels Handyanschlusses die aktuelle Internetausgabe der Tageszeitung liefert. Das einst so typische Rascheln hauchdünnen Zeitungspapiers in U-Bahnen, Kaffeeh ä usern und an Frühstückstischen gibt es nicht mehr - die Tageszeitung, wie wir sie kennen und lieben gerlernt haben, gehört der Vergangenheit an.

Wir haben uns anhand dieser kleinen Geschichte gefragt, ob dies ein reelles Zukunftsszenario oder einfach nur ein schlechter Science-Fiction Traum ist. Um dem auf den Grund zu gehen, haben wir folgende Frage zur Beantwortung formuliert, die zugleich auch den Titel dieser Arbeit darstellt:

Die Zukunft von Tageszeitungen - die Auswirkungen von Internet auf die Printmedien

Wir haben diese allgemeine Frage einerseits eingeschränkt, indem wir uns auf Österreich im wesentlichen beschränken, und andererseits auf „kleinere“ Fragestellungen heruntergebrochen, die im Vorfeld zu beantworten sind.

Das Internet - elektronische Ablöse der Printmedien?

Was wird derzeit im Bereich Internet-Auftritte von Tageszeitungen geboten? Wie sehen Medienmacher die Zukunft ihrer Bl ä tter?

Wie sieht die mögliche Aufgabenteilung zwischen Internet und Printmedien aus?

Die Vorgehensweise war zuerst eine intensive Literraturrecherche und im Anschluß, Persönlichkeiten, die bei den einzelnen Medien dafür verantwortlich zeichnen, zu befragen, um deren Sichtweise zu erfahren. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Interviewpartnern recht herzlich für deren Zeit und Engagement bedanken, ohne deren Hilfe diese Arbeit nicht möglich gewesen wäre.

Bei der vorliegenden Arbeit haben wir zuerst auf der einen Seite Printmedien kurz dargestellt (Kapitel 3) sowie auf der anderen Seite das Internet und seine Auswirkungen definiert (Kapitel 4). Als Synthese wird die Auswirkung des Internet auf die Printmedien in Kapitel 5 beschrieben. Im Anhang haben wir die wesentlichen Fachwörter kurz erklärt, da dem Normalsterblichen in diesem neuen Gebiet eine Unzahl fremdartiger Wörter begegnen.

3. Tageszeitungen im Allgemeinen

Die österreichischen Tageszeitungen sind in den letzten Jahren von Konzentrations- tendenzen und enormen Anstrenungen, die Blätter profitabel zu machen und somit in ihrer wirtschaftlichen Existenz abzusichern, gekennzeichnet. Ein wesentlicher Aspekt ist die Zugehörigkeit zu nationalen bzw. internationalen (Medien-)konzernen bzw. Interessens- gruppen. Bis auf die Kronenzeitung, welche die uneingeschränkte Nummer eins ist, sowie die regionalen Zeitungen haben alle nationalen Zeitungen erhebliche Schwierigkeiten, diese Herausforderung wahrzunehmen. Zu erwähnen sind hier „Der Standard“, für den sein Herausgeber ehestbald einen potenten Partner brauchen wird, „Die Presse“, die vom Styria Verlag und den Anteilseignern nur mehr mit einer einmaligen finanziellen Unterstützung ausgestattet wurde, und der „Kurier“, dessen Hälfte-Eigentümer Raiffeisen derzeit ungeduldig seine Medienengagements neu zu regeln scheint. Für diese Arbeit sind diese Faktoren nur insofern von Bedeutung, da die finanzielle Ausstattung, die langfristige Strategie sowie die Bereitschaft zur Implementierung der festgelegten Strategie auch Investitionen wahrzu- nehmen, entscheidenden Einfluß gerade im Bereich von Internet hat. Zur allgemeinen Situation in Österreich der Printmedien bzw. deren Charakteristika und Definition sei hier auf die zahlreiche Literatur verwiesen.1

4. Internet

Das Internet2 ist sicherlich die Innovation des ausgehenden 20. Jahrhunderts und wird unser gesamtes Leben stark beeinflussen. Viele Autoren gehen sogar soweit, das Internet als einen ebensolchen Wendepunkt, wie die Erfindung der Dampfmaschine als Beginn der

Industrialisierung anzusehen. Abgesehen von dieser wissenschaftlichen Diskussion, wird das Internet seinen eingeschlagenen Erfolgsweg weiter beschreiten, denn Wörter wie „virtuell“ (siehe auch Werbung von IBM unten auf dieser Seite in Abb. 1, wie diese „key“-Wörter derzeit in der Werbung eingesetzt werden), „Multimedia“ und „interaktiv“ sind aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken.

An dieser Stelle sei auch nur kurz der Exkurs gewagt, daß durch das Internet derzeit (neue) Unternehmen in einem noch nie dagewesen Tempo wachsen und entstehen. Ent- wicklungen, die früher Generationen oder zumindest Jahrzehnte benötigten, werden dank Internet heute in Jahren überwunden. Heute ist das virtuelle Buchgeschäft „Amazon“ das größte seiner Branch in Amerika oder Yahoo das Unternehmen mit der gleichen Marktkapitalisierung wie General Motors, jedoch um hundert Jahre jünger. Diese Aufzählung könnte noch lange fortgesetzt werden, denn dies sind nur einige Beispiele, sie sollen aber die gesamtwirtschaftliche Bedeutung und Entwicklung verdeutlichen.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Vier Möglichkeitsbereiche der Nutzung von Internet

Diese große Bedeutung, die sich auch in der allgegenwärtigen Diskussion über diese neue Errungenschaft dokumentiert, war bis vor kurzem noch undenkbar. Denn was als Netz für das Militär und später für die Forschung begonnen hat, unterliegt einer unglaublichen Entwicklung. Im folgenden folgt eine kurze, allgemeine Darstellung als Einführung und im Anschluß die wesentlichen Aspekte in Bezug auf Tageszeitungen.

4.1. Allgemeine Darstellung

Beim Thema „Internet“ ist die erste Frage von Menschen, die mit diesem Medium nicht vertraut sind, für was man „das“ überhaupt verwenden kann. Wir haben versucht, dies in der unteren Grafik Abb. 2 zu verdeutlichen. Wesentlich sind die vier Determinanten (Arbeitswelt,

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Werbung von IBM, Mitte

Unterhaltung, private Kommunikation und Information), welche die vier Möglichkeitsbereiche von Internet darstellen und unserer Meinung nach das Internet prägen. Wir haben noch danach unterschieden, ob die einzelnen Möglichkeiten als Standard bzw. noch wenig genutzt werden oder derzeit technisch noch nicht ausgereift genug sind. Diese Übersicht zeigt, daß das Internet Eingang in alle Bereiche menschlichen Lebens nehmen wird und somit unser Leben entscheident verändern wird. Denn das Internet erfüllt nicht nur unterschiedliche Aufgaben, es verändert diese auch: Heute ein Originalbuch in Englisch zu kaufen, ist keine Hexerei mehr - dies kann bequem von zu Hause aus erledigt werden. Durch solche Möglichkeiten des Internets werden sowohl Einkaufsgewohnheiten als auch ganze Wirtschafts- und Gesellschafts- strukturen verändert.

Was zeichnet das Internet nun aus? Die wesentlichen Vorteile dieser Neuerung sind: Grenzenlose Offenheit, weltweiter Wachstumsboom, herausragende Benutzerfreundlichkeit des World Wide Web (WWW)4 sowie für Web-Seiten-Anbieter der leichte Eintritt. Internet hat aber nicht nur Vorteile, zu den wesentlichen Nachteilen zählen: Stau auf der Infoautobahn5, fehlende zentrale Kontrollinstanz6, unkontrolliertes Wachstum und teilweise Sicherheits- defizite (Verschlüsselung und Authentifizierung). Durch die Professionalisierung wird gerade versucht die Nachteile zu beseitigen, es werden jedoch sicherlich auch wieder neue hinzu- kommen.

Obwohl das Internet in aller Munde ist, wird es derzeit nur von einer geringen Zahl der Bevölkerung aktiv genutzt. Ein Indiz dafür sind Zugänge zum Internet. Derzeit gibt es lediglich 100.000 solcher Zugänge in Österreich. Dies ist enorm wenig verglichen mit den USA, die in dieser Entwicklung um Meilen voraus sind, denn dort gibt es derzeit knapp 45 Mio Zugänge.7 Trotz der derzeit noch geringen Zugangsmöglichkeiten, unterliegt diese einer enormen Steigerungsrate. Hier ist vor allem die Möglichkeit, vom Arbeitsplatz ins Internet zu kommen, von entscheidender Bedeutung.

Das Internet ist (leider) eine Domäne von männlichen Studenten, denn derzeit sind 93 Prozent der Nutzer männlich. Bei Frage nach Beruf und Ausbildung dominieren Studenten mit knapp 50 Prozent vor Angstellten mit 32,6 Prozent und Selbstständigen mit 8,7 Prozent. Dies ist vor allem damit erklärbar, daß ungefähr 59 Prozent der Zugänge über die Uni erfolgen und weitere 23 Prozent beim Arbeitsplatz.8

Das Internet ist derzeit eine sehr heterogene Konglomeration von unterschiedlichen Standards, Techniken und wissenschaftlichem Fortschritt. Die Kämpfe der einzelnen Firmen um ihre jeweiligen Produkte werden erbittert geführt. Für den Konsumenten sind die Ent- wicklungen insbesondere im Bereich von Allianzen und Kooperationen sowie der neuesten Entwicklung sehr uneinsichtig. Dies sei am Beispiel des Browser-Krieges in Abb. 3 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Situation am Markt für Browser (Stand Anfang 1997)

[...]


1 vgl. einzelne Artikel in der Studienreihe zur PKW, u.a.

2 vgl. Bollmann, Stefan (Hsg.): Kursbuch neue Medien. Trends in Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Kultur. 2. Aufl., Mannheim, 1996. Faulstich, Werner (Hsg.): Grundwissen Medien. 2. verb. Aufl., München, 1995. Flichy, P.: Tele. Geschichte der modernen Kommunikation. Frankfurt/NewYork/Paris: 1994. Godwin, M.: Ein neues Grenzgebiet der Meinungsfreiheit. In: Faßler, M./Halbach, W. R. (Hsg.): Cyberspace. Gemeinschaften, virtuelle Kolonien, Öffentlichkeiten. München, 1994. Harasim, L. M.: Networlds: Networks as Social Space. In: Harasim, L. M. (ed.): Global Networks. Computers and International Communication. Cambridge, MA, London, 1993. Hoffmann-Riem, Wolfgang; Vesting, Thomas: Ende der Massenkommunikation? Zum Strukturwandel der technischen Medien. In Hoffmann-Riem, Wolfgang; Vesting, Thomas (Hsg.): Perspektiven der Informationsgesellschaft, Baden-Baden, 1995. S 11 (21f.). Höflich, Joachim: Vom dispersen Publikum zu „elektronischen Gemeinschaften“. Plädoyer für einen erweiterten kommunikationswissenschaftlichen Blickwinkel. S. 518-537. In: Rundfunk und Fernsehen, 43. Jg., Heft 4. 1995. Krotz, F.: Handlungsrollen und Fernsehnutzung. Umriß eines theoretischen und empirischen Konzepts. In: Rundfunk und Fernsehen, 1992/40. Nahrada, Franz; Stockinger, Maria; Kühn, Christian (Hsg.): Wohnen und arbeiten im Global Village. Durch Telematik zu neuen Lebensräumen? (Soziale Innovation + Neue Soziologie, Bd.

4). Wien, 1995. Riehm, Ulrich; Wingert, Bernd: Multimedia: Mythen, Chancen und Herausforderungen. 2. Aufl., Mannheim, 1996. Rheingold, H. S.: A Slice of Life in My Virtual Community. Elektronische Publikation, Internet: hlr@well.sf.ca.us., June, 1992. Saxer, Ulrich: Medien- und Gesellschaftswandel als publizistikwissenschaftlicher Forschungsgegenstand. In: Jarren, Otfried (Hsg.): Medienwandel - Gesellschaftswandel, Berlin, 1994. S. 331 ff.

Schneider, H.-D.: Kleingruppenforschung. Stuttgart, 1985. Simmel, G.: Grungfragen der Soziologie. 3. Aufl., Berlin, 1970. u.a.

3 vlg. Berichterstattung in den Medien, vor allem „Der Standard“ und „The Economist“.

4 Dies vor allem seitdem Internet auch für die Firma Microsoft interessant geworden ist und in deren bestehende Produkte integriert hat. Dadurch ist die gewohnte Benutzerfreundlichkeit von Windows im WWW möglich.

5 Da diese Entwicklung nicht vorhergesehen wurde und sich das Internet eigentlich als möglichst freie Computer- Gemeinschaft entwickelt hat, entstehen sehr oft Überlastungen. Hinzu kommt die Problematik der Geschwindigkeit der „letzten Meter“, d.h. die meist extrem langsame Verbindung über Modem und Telefonleitung zum Provider.

6 Hier sei nur auf die Verurteilung von Compure-Managern in Deutschland verwiesen bzw. die Bilder von Neonazis und Kinderpornografie im Internet.

7 Forrester Research.

8 Frauenhofer-Institut, W3B Hamburg. Diese Daten gelten für Deutschland sind aber auf Österreich übertragbar.

Details

Seiten
31
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638124997
Dateigröße
796 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4015
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften
Note
Sehr Gut
Schlagworte
Printmedien Tageszeitungen Internet Auswirkungen

Autoren

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