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Leseprobe

Gliederung

I. Fragestellung

II. Value of children studies

III. Wert-Erwartungs-Theorie

IV. Kinder als Zwischengüter in der sozialen Produktionsfunktion ihrer Eltern

V. Interkulturelle Unterschiede des Wertes von Kindern

VI. Der Wert von Kindern in der Türkei

VII. Fazit

VIII. Literatur

I. Fragestellung

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema ’Der Wert von Kindern für ihre Eltern’. Im Vordergrund soll dabei die Frage stehen: ’Warum manche Paare viele Kinder, andere wenige Kinder und wieder andere gar keine Kinder haben?’ Da dieser Sachverhalt nicht nur aus einer individuellen Entscheidung heraus entsteht, sondern auch der Einfluss der jeweiligen Kultur von Bedeutung ist, konzentriere ich mich in dieser Arbeit vor allem auf das Forschungsprojekt ‚values of children in six cultures’, welches 1998-2000 durchgeführt worden ist, und auf die dazugehörige Literatur “Der Wert von Kindern für ihre Eltern“ von Bernhard Nauck. In dieser Hausarbeit soll also der Wert von Kindern im interkulturellen Kontext von Bedeutung sein.

Der erste Abschnitt befasst sich zunächst allgemein mit der Beschreibung der international vergleichenden Untersuchungen, der ‚value of children studies’, wobei u.a. die Vorhaben der Studien dargestellt werden.

Anhand der hier bevorzugten Studie ’values of children in six cultures’ ist erkennbar, dass sich der Wert von Kindern mit der speziellen Handlungstheorie erklären lässt. Bevor ich aber auf diese Theorie näher eingehen werde, möchte ich zu Beginn des 2. Kapitels kurz die Rational Choice Theorie vorstellen, da sie die Grundlage bzw. den Vorgänger der speziellen Handlungstheorie bildet. Im Anschluss daran wird dann die Wert-Erwartungs-Theorie bzw. die spezielle Handlungstheorie beschrieben.

Der dritte Teil der Hausarbeit beschäftigt sich speziell mit der Studie ‚values of children in six cultures’. Hierbei wird nun der Wert von Kindern bzw. die Problematik, wie Kinder als Zwischengüter in die soziale Produktionsfunktion ihrer Eltern eingehen, verdeutlicht.

Da mit Hilfe der Wert-Erwartungs-Theorie das generative Verhalten und die Generations-beziehungen im interkulturellen Kontext deutlich gemacht werden können, möchte ich in hier auch den Wert von Kindern in verschiedenen Kulturen darstellen. So werden im vierten Kapitel die unterschiedlichen Wertvorstellungen der Eltern von Kindern in verschiedenen Gesellschaften veranschaulicht. Um diesen Punkt jedoch noch besser zum Ausdruck zu bringen, habe ich anschließend als Beispiel den Wert von Kindern in der Türkei gewählt.

Zum Schluss soll die Arbeit mit den gesammelten Fakten zusammengefasst und die eingangs erwähnte Fragestellung geklärt werden.

II. Value of children studies

Für die Erklärung des Wertes von Kindern für ihre Eltern in verschiedenen Kulturen, stütze ich mich in dieser Hausarbeit speziell auf die Studie ’values of children in six Cultures’ (1998-2000). Bei dieser Untersuchung handelt es sich um eine Replikationsstudie, die auf der Grundlage der ersten internationalen Studie des ’value of children’ (VOC) Mitte der 70er Jahre basiert. Die Analyse bezieht sich dabei auf die Liste der neun Kategorien des Wertes von Kindern von Hoffmann und Hoffmann aus dem Jahr 1973. Mit Hilfe dieses Variablensets können schon im Voraus Aussagen über den Wunsch nach keinem, einem oder mehreren Kindern gemacht werden. Die neun Einteilungen werden in ein Modell eingefügt, welches zugleich Faktoren wie Anreize, Kosten usw. von Kindern beachtet.

In späteren empirischen Studien erkannte man jedoch, dass die neun Kategorien auf drei Dimensionen zusammengefasst werden konnten: „Erstens einen ökonomisch-utilitaristischen Nutzen durch Beiträge zum Haushaltseinkommen, Hilfe- und Dienstleistungen sowie materielle Unterstützung im Alter; zweitens einen psychischen Nutzen durch primäre Bindungen und Affekte sowie drittens einen sozial-normativen Nutzen durch Statusgewinn...“ (Hill/Kopp 1995, S. 169) Mit diesem ’value of children approach’, sprich mit dieser speziellen Methode, kann nun ein interkultureller Vergleich im Hinblick auf das generative Verhalten und die Eltern-Kind-Beziehungen angestellt werden. Anhand der Ergebnisse können so folgende Hypothesen deutlich gemacht werden: So heißt es, dass der Wert von Kindern mit den Wertvorstellungen einer Gesellschaft eng verbunden ist und sich die Vor- und Nachteile von Kindern daran orientieren. Das generative Verhalten hängt des weiteren mit der Familiensituation zusammen, und die Eltern, die mehr Anreize als Kosten in Kindern sehen, haben mehr Kinder als Paare, bei denen dies nicht zutrifft.

Die Studie ’values of children in six cultures’ hat nun die Daten der VOC- Studie aus den 70er Jahren wieder aufgenommen und versucht neue empirische Analysen durchzuführen. Dabei „kam es zu einer theoretischen Neukonzeptualisierung des 'value-of-children' Ansatzes im Kontext der Theorie sozialer Produktionsfunktionen. Daneben wurde das Erklärungsmodell auf Eltern-Kind-Beziehungen im Lebenslauf sowie die Betrachtung von sozialem Wandel erweitert. (http://www.tu-chemnitz.de/phil/soziologie/nauck/f/values2.htm) Entsprechend der speziellen Handlungstheorie stellen „Kinder strategische Zwischengüter zur Befriedigung der Grundbedürfnisse von (potenziellen) Eltern“ (Nauck 2001a, S. 407) dar. Einflussfaktoren dabei sind z.B. individuelle Merkmale der Eltern, kulturell unterschiedliche institutionelle Regelungen familiärer Beziehungen, Besonderheiten der untersuchten Gesellschaften u.a.

III. Wert-Erwartungs-Theorie

Die spezielle Handlungstheorie, die zur Erklärung des ’value of children’ verwendet wird, hat sich aus der allgemeinen Handlungstheorie bzw. der Rational Choice Theorie heraus entwickelt. Diese Theorie sieht das menschliche Handeln als rationale Auswahl aus Alternativen, wobei aber die Entscheidungen der Individuen durch zwei Elemente beeinflusst werden - durch die Präferenzen und Restriktionen. Bei den Präferenzen handelt es sich um die Wertvorstellungen des Individuums. Die Restriktionen hingegen stellen den begrenzten Handlungsspielraum in Situationen dar. „Es wird eine Verbindung, eine >Brücke< zwischen den speziellen sozialen (und >historischen<) Bedingungen und der allgemeinen Erklärung (des Handelns von Menschen) erforderlich.“ (Esser 1991, S. 42) D.h. die Handlungstheorie verknüpft die Mikro- mit der Makroebene, und ein Individuum kann demzufolge nach seinen Vorstellungen und Absichten, sprich den Präferenzen, handeln, muss sich aber vergewissern, dass z.B. die Gesellschaft, die die Restriktionen bestimmt, diese Handlung zulässt. Die Rational Choice Theorie geht des weiteren von einem nutzenorientiert handelnden Menschen aus, dem ’homo oeconomicus’. Dieser handelt rational und zielgerichtet, und entscheidet sich stets für die Möglichkeit, die den höchsten Nutzen verspricht.

Um nun den Wert von Kindern für ihre Eltern zu beschreiben, wird die Wert-Erwartungs-Theorie verwendet. Diese spezielle Handlungstheorie ist aus der Rational Choice Theorie hervorgegangen. Hierfür hat Lindenberg 1985 das Menschenbild des RREEMM-Modell mit den Charakteristika „resourceful, restricted, expecting, evaluating and maximazing“ vorgeschlagen. „Darin sind auch die wichtigsten Einzelkomponenten der Theorie der rationalen Wahl benannt: Restriktionen, Erwartungen, Bewertungen und die (allgemeine) Selektionsregel der Maximierung. Die Eigenschaft >resourceful< - >Findigkeit< - soll andeuten, daß Akteure innerhalb dieser Bedingungen auch >neue< Wege gehen können ...“ (Esser 1991, S. 52) Das bedeutet, dass ein Individuum nicht nur vorhandenen Normen, sondern auch eigenen Absichten folgt und stets versucht den Nutzen aus jeder Handlung zu steigern. Die Grundidee der Wert-Erwartungs-Theorie heißt demzufolge: „Personen wählen aus einem set überhaupt verfügbarer oder möglicher Handlungsalternativen diejenige, die am ehesten angesichts der vorgefundenen Situationsumstände bestimmte Ziele zu realisieren verspricht.“ (Esser 1991, S. 54) Dabei wird der Handlungsprozess in drei Schritte geteilt: in die Kognition, Evaluation und Selektion. Im ersten Schritt – der Kognition – werden die Situationen wahrgenommen, wobei das Individuum Erinnerungen, Assoziationen u.ä. vernimmt. Bei der Evaluation wird die Situation vor dem Hintergrund der eigenen Präferenzen bewertet, wodurch die Konsequenzen der Handlungen bewusst gemacht werden. Im letzten Schritt - der Selektion - wird nun die Alternative gewählt, die den höchsten Wert der subjektiven Nutzenerwartung für den Menschen aufweist. Zusammenfassend kann man die Wert-Erwartungs-Theorie beschreiben, als dass Akteure die Handlung wählen, die im Vergleich zu vorstellbaren Alternativen den relativ höchsten Nutzen bzw. die niedrigsten Kosten vorhersehen lassen.

Im Hinblick auf das Eltern-Kind-Verhältnis bezieht sich die Erklärung auf die Eltern mit ihren Präferenzen, Erwartungen und Handlungsalternativen. Hierbei werden jedoch auch die Interdependenzen in der Familie berücksichtigt. Diese wechselseitige Abhängigkeit der Familienmitglieder stellt sozusagen eine Restriktion bei der Handlungswahl des Eltern dar. Die ausgeführten Handlungen sind das Ergebnis rationaler Entscheidungen.

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Details

Seiten
17
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638387217
ISBN (Buch)
9783638817981
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40131
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,7
Schlagworte
Wert Kindern Eltern Familientheorien
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Titel: Der Wert von Kindern für ihre Eltern