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Theoretische Reflexion einer Multiproblemfamilie

Hausarbeit 2005 13 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Der Begriff Multiproblemfamilie
2.1 Definition
2.2 Charakteristika

3. Beschreibung der Familiensituation
3.1 Das Wohnumfeld
3.2 Geschichte und Dynamik
3.3 Wirtschaftliche und soziale Situation
3.4 Entwicklungsstand des betreuten Kindes
3.5 Bisherige Hilfen

4. Beschreibung der Einrichtung
4.1 Rechtsgrundlage und Rahmenbedingungen
4.2 Indikationsschwerpunkte
4.3 Pädagogische Ziele und methodische Arbeitsansätze
4.4 Individuelle Zusatzleistungen
4.5 Therapeutische Einzelleistungen

5. Wie passt der Fall in das Angebot der Einrichtung?
5.1 Ziele und Wünsche der Familie und deren Machbarkeit
5.2 Konzeptionelle und personelle Eignung
5.3 Brauchbarkeit für das gesamte Familiensystem

6. Ausblick

7. Literaturliste

1 Einleitung

Der Arbeitsauftrag dieser Hausarbeit stellte mich vor das Problem, die Arbeit einer Einrichtung darzustellen, die sich mit dem Familienverband als Ganzes beschäftigt. Ich selbst arbeite allerdings in einer Tagesgruppe, die sich der Betreuung von Kindern aus Multiproblemfamilien widmet. Nach einigen Vorüberlegungen und nachdem ich mich nochmals mit der konzeptionellen Arbeit der Tagesgruppe beschäftigt habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Einrichtung sowie der ausgewählte Fall für die Aufgabenstellung „Theoretische Reflexion einer Multiproblemfamilie“ geeignet ist. Warum, möchte ich im Folgenden darstellen.

Die Tagesgruppe, die eine Nachmittagsbetreuung für Kinder mit besonderen Bedarfen anbietet (auf das konkrete Angebot werde ich in Punkt 4 eingehen), hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch ein flexibles Steuerungsmodell auch die übrige Familie in ihre Arbeit miteinzubeziehen.

Dazu ein Auszug aus der Konzeption: …“Viele Defizite, die Kinder in der Tagesgruppe zeigen, resultieren aus dysfunktionalen Familiensystemen. Daher ist es wichtig, die Eltern in die Arbeit einzubinden, indem die Entwicklungsprozesse der Kinder, sowie das Erziehungsverhalten der Eltern reflektiert werden. …Die Betreuung setzt auf die Stärkung vorhandener Ressourcen und bindet das Lebensumfeld der zu Betreuenden mit ein. Die Leitung der Einrichtung versteht sich sowohl als Ausführende, als auch als Koordinatorin der Hilfeleistung für das Kind und dessen Familie“…

Natürlich bleibt die Tagesgruppe im Wesentlichen ein Angebot für das Kind. Aber ich denke trotzdem, dass die Unterbringung eines Kindes in einer sozialpädagogischen Tagesgruppe eine deutliche Entlastung der gesamten Familie bedeutet, was wiederum die Möglichkeit schafft, vorhandene Ressourcen zu aktivieren.

Ich werde nun prüfen, ob die Einrichtung der Tagesgruppe für das von mir ausgewählte Kind und dessen Familie geeignet ist. Hauptkriterium soll dabei sein, ob das Leistungsangebot der Tagesgruppe ausreicht, um ein Kind zu betreuen, dessen familiäres Umfeld von der massiven Problematik einer Multiproblemfamilie bestimmt ist.

2 Der Begriff Multiproblemfamilie

2.1 Definitionsversuch

Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Begriff Multiproblemfamilie in seiner Bezeichnung für eine Klientengruppe sehr umstritten ist. Er wird von manchen Sozialleistungserbringern als stigmatisierend und abwertend empfunden. So wird, wie z.B im Handbuch der Sozialarbeit beschrieben, in der sozialpädagogischen Familienhilfe von heute nur noch von armen Familien in gravierenden Unterversorgungslagen gesprochen. (Handbuch Sozialarbeit 2001)

Im Folgenden wird, da dies aus der Aufgabenstellung hervorgeht, dennoch von Multiproblemfamilien die Rede sein.

Ich möchte mich hierbei der Definition von Frau Schuster anschließen, wonach eine Multiproblemfamilie charakterisiert ist durch die Häufung psychischer, sozialer, beziehungsmäßiger, biografischer und finanzieller Probleme. (zum Beispiel mangelnder Wohnraum, Arbeitslosigkeit und Schulden) Es sind viele, oftmals sogar alle Familienmitglieder bedürftig. Ressourcen zur Problembewältigung fehlen. (Schuster 2004)

Es geht bei Multiproblemfamilien also um Krisen, die gleichzeitig bestehen und miteinander verknüpft sind und dabei sowohl um psychische und soziale Krisen, als auch um materielle.

2.2 Charakteristika

Wie Frau Schuster weiter anführt, sind reale soziale Benachteiligungen meist Fundament und Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Problemen und Schwierigkeiten, die dann zu einer chronischen Krisenstruktur führen. Es entsteht eine Häufung und Verknüpfung von psychischen und oder körperlichen Problemen. Es herrscht Dauerstress und dadurch ein gereiztes aggressives Familienklima. Zwischen den einzelnen Problembereichen besteht eine starke Interdependenz und Lösungsstrategien schwanken oftmals zwischen Verdrängung, beziehungsweise Resignation und kurzfristig aktionistischem Handeln. Aus Scham versuchen diese Familien dann eine Fassade der Normalität aufrecht zu erhalten. Häufig führt dies zu Isolation und damit auch zum Mangel an außerfamiliären sozialen Beziehungen. (Schuster 2004)

3 Beschreibung der Familiensituation

Um Bedarf und Bedürfnis der Familie Dindic darzustellen, möchte ich die Lebensumstände und Probleme der gesamten Familie vorstellen, mit besonderem Fokus auf Firat, dem in der Einrichtung betreuten Kind.

3.1 Das Wohnumfeld

Die Familie Dindic lebt in einer städtischen Notunterkunftsanlage. Die insgesamt 165 Haushalte sind in 10 Häuserblöcken untergebracht und setzen sich etwa zur Hälfte aus Migranten und zu einem Drittel aus Kinder und Jugendlichen zusammen. Die Wohnungen in Einfachstbauweise entsprechen in etwa dem Standard von Sozialwohnungen. Beim Bau der Anlage war nur eine vorübergehende Unterbringung von obdachlosen Familien durch das Wohnungsamt geplant. Mittlerweile leben Familien in der zweiten und dritten Generation hier, haben aber nach wie vor keine Mietrechte. Allerdings erhielten im Rahmen eines Modells mittlerweile 30 Haushalte vom Wohnungsamt einen Mietvertrag. Hierzu gehört auch die Familie Dindic, die dort in einer 3-Zimmer-Wohnung lebt. Zu den vielen Problemen und Auffälligkeiten der Bewohner/Innen, wie etwa die finanziell bedrückende Situation oder die hohe Gewaltbereitschaft in den Familien, kommt zudem als Faktor die extrem geballte Unterbringung. Sie wirkt wesentlich als zusätzlicher und problemgenerierender Faktor. Wie Die Fachbasis Hochäckerstraße beschreibt, werden hier häufiger Formen der Auseinandersetzungen sichtbar, die an Clanstrukturen mit deren spezifischen Regeln und Machtgefügen erinnern. (Fachbasis Hochäckerstraße 2002)

3.2 Geschichte und Dynamik

Das Ehepaar Dindic hat 1974 geheiratet. Sie haben vier Kinder, drei sind schon erwachsen. Die Familie stammt aus der Türkei und ist muslimisch. Türkische Traditionen sind für die Familie sehr wichtig. Herr Dindic spricht etwas deutsch, seine Frau fast gar nicht. Aufgrund ihrer fehlenden Schulbildung und Sprachkenntnisse kommt Frau Dindic mit vielen Alltagsproblemen nicht zurecht.

Der Vater kam 1972 als erster nach München zum Arbeiten, später kam Frau Dindic nach.

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Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638386555
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40036
Institution / Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Note
1,7
Schlagworte
Theoretische Reflexion Multiproblemfamilie Familienhilfe

Autor

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Titel: Theoretische Reflexion einer Multiproblemfamilie