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Der Erstspracherwerb

Hausarbeit 2005 25 Seiten

Didaktik - Deutsch - Grammatik, Stil, Arbeitstechnik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vor dem ersten Wort
2.1 Die Phasen des Erstspracherwerbs
2.2 Die Habituationstechnik
2.3 Zusammenfassung

3. Das erste Wort

4. Nach dem ersten Wort

5. Der Baby Talk

6. Die Entwicklung des Satzes
6.1 Der Hauptsatz
6.2 Der Nebensatz

7. Die Entwicklung von Gestik und Mimik

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kinder werden in eine Gemeinschaft hereingeboren, in der das Hauptkommunikationsmittel die Sprache ist und mit der das Neugeborene schon vor der eigentlichen Geburt konfrontiert wird. Es wird dem Kleinkind keine andere Wahl gelassen, als die Sprache, die dann die Muttersprache wird, zu lernen. Der Säugling erlernt nicht nur die Sprache, sondern er lernt auch sehr viel über die Sprache.

Für die Erwachsenen ist es alltäglich und ganz normal geworden sich mit Freunden, Verwandten und mit jedem Mitbürger in einer Sprache zu unterhalten. Selten wird an den schwierigen Erwerb der eigenen Sprache gedacht und daran, was für ein langwieriger Prozess der Erstspracherwerb ist, denn

„ zwar beherrscht schon ein Kind im Grundschulalter seine Sprache im allgemeinen recht gut, aber viele Strukturen werden erst später gelernt [...], und die sprachlichen Aufgaben, die es zu lösen hat, sind relativ eingeschränkt Dies zeigt, daß der [Erstspracherwerb] keinesfalls besonders schnell und leicht ist.“[1]

Wie erlernt das Kind nun die Sprache? Lernt es durch Nachahmung oder kommen die Wörter irgendwann von alleine? Diese Fragen und der Lernprozess ist das Thema dieser Hausarbeit. Im ersten Teil geht es um die ersten Worte und Laute, die ein Kind produziert. Es werden die einzelnen Phasen des Erstspracherwerbs vorgestellt. Von den Phasen gehe ich über zu dem ersten Wort, dass ein Kleinkind produziert und zu dem Prozess, der sich „nach dem ersten Wort“ nennt. Ein Phänomen, dass man bei Erwachsenen beobachten kann, wenn sie mit kleinen Kindern sprechen ist, dass sie ihre Stimme verändern. Auf dieses Phänomen des „ Baby Talks“ gehe ich dann im nächsten Punkt ein, der zur Entwicklung des Satzes führt.

Da zur Sprache ebenfalls die Körpersprache zählt, hat der letzte Punkt die Entwicklung der Gestik und der Mimik zum Thema.

Ich habe bewusst die verschiedenen Theorien nicht zum Bestandteil der Arbeit gemacht, weil ich die Praxis in den Vordergrund stellen wollte und so auch den Umfang der Arbeit, wie vorgegeben, halten konnte.

2. Vor dem ersten Wort

2.1 Die Phasen des Erstspracherwerbs

Phase 1: Im Mutterleib

Bereits im Mutterleib ist der Fötus soweit entwickelt, dass er ab dem sechsten Monat akustische Informationen wahrnehmen kann. Die Stimme der eigenen Mutter und ihr Herzschlag sind die beiden Dinge, die der Fötus am intensivsten wahrnimmt Deshalb verfügt das Kind bei der Geburt bereits über die Fähigkeit der auditiven Diskriminierung, die ihm ermöglicht, die Stimme der eigenen Mutter bereits nach wenigen Tagen von anderen Stimmen zu unterscheiden[2]. Des weiteren verfügt ein Säugling über die Fähigkeiten verschiedene Informationsmuster zu differenzieren. Er besitzt eine hohe Sensivität für Wort- und Satzgrenzen und für Tonhöhen, Tonlängen und den Rhythmus. Der Rhythmus ist besonders wichtig für den Spracherwerb des Kindes[3]. „Die Sensibilität für psychoakustische Kategorien führt zur Bildung phonologischer Kategorien“[4].

Phase 2: Schreien (Geburt bis sechs bis acht Wochen)

Das Schreien ist die erste Fähigkeit, die ein Säugling zur „vokalen Signalgebung“[5] einsetzen kann. Jeder Säugling schreit, wenn er geboren wird, weil er sich an die neue Umwelt gewöhnt und daran, dass er seine Lunge zum Atmen einsetzten muss. Der Schrei ist eine Art Überlebenssicherung und hilft dem Säugling sich auf eine bestimmte Weise zu äußern. Das Schreinen nutzt der Säugling ebenfalls, um seine Stimme zu trainieren und die Lungenkapazität zu erweitern. Ab der zweiten Woche differenziert sich das Klangmuster je nachdem, welche Zustände das Kind aufweist. Der Säugling produziert ebenfalls einige ruhige Grundlaute, die sich in den weiteren Wochen des langsamen Heranwachsens ausbilden zu Anklängen von Vokalen und weichen Gaumenlauten. Bereits nach 20 bis 30 Tagen kann der Säugling die Stimme seiner Mutter erkennen und er hört Stimmen lieber als andere Geräusche.[6] Der Säugling benutzt die prosodischen Merkmale seiner Muttersprache und die weiteren spezifischen Merkmale der Sprache um sie zu lernen. Laute und Lautverbindungen, die der Muttersprache immer ähnlicher werden, werden gebildet.[7] So kann der Säugling schon bald Kontrast erkennen wie „ba“ und „pa“, oder „ba“ und „ga“. Das Schreinen verändert sich ebenfalls. Die Eintönigkeit des Schreines verändert sich so, dass man nach etwa fünf Wochen das Schreien nach Hunger von dem der Verdauungsstörungen unterscheiden kann. Jedoch sind die Schreilaute, wenn sie auch schon akustisch ausdifferenziert sind, trotzdem noch reine Reflexlaute, die noch keine Intention haben. Sie erfüllen aber ihren Zweck, denn wenn ein Kind schreit, weiss die Mutter meistens instinktiv, was dem Kind fehlt.[8]

2.2 Die Habituationstechnik:

Woher weiß man nun, dass Säuglinge die Fähigkeit zur auditiven Diskriminierung haben? Hier wird die Habituationstechnik angewandt: Dem Säugling wird ein bestimmter Lautstimulus dargeboten und mit Hilfe eines Schnullers, in dem ein Messgeräte eingebaut ist, wird die Saugrate des Säuglings gemessen. Wenn der Säugling sich an den Lautstimulus gewöhnt hat, sinkt die Saugrate auf ein normales Niveau. Folgt nun ein neuer Laut, der sich vom ersten unterscheidet, steigt die Saugrate des Säugling wieder an. Mit der Habituationstechnik wird deutlich gemacht, dass der Säugling verschiedene Reize unterscheiden kann.[9]

Phase 3: Gurren ( zweiter bis sechster Monat)

Die Phase des Gurrens ist die Phase der „stimmlichen Expansion“[10]. In dieser Phase testet der Säugling seine Stimme. Das gesamte Potential des Stimmapparates wird ausprobiert, außerdem wird die Modulation von Melodik und die Intensität und Klangfarbe der Stimme entwickelt. In dieser Zeit fängt das Kind auch mit Lautnachahmungsspielen an, wobei nicht- sprachliche Laute keine Nachahmung auslösen. Die Säuglinge lernen immer mehr Laute, produzieren aber mehr Vokale als Konsonanten. So kann der Säugling bereits die vokalartigen Laute / e/, / I/, /^/ die ca. 80 % an der Gesamtvokalproduktion ausmachen. Die konsonantenähnlichen Laute beziehen sich auf /h/, / /, /k/ und / g/.

Phase 4: Babbeln, Lallen ( sechster Monat)

In dieser Phase fängt das Kind an Verschlusslaute und Vokale in Silbenketten zu kombinieren. Dieses Lallen deutet darauf hin, dass sich der Säugling zufrieden fühlt. Wichtig hierbei ist, dass der Unterschied zwischen diesem Lallen und den expressiven Behagenslauten erkannt wird. Der Säugling vermittelt den Eindruck, dass er die Laute nur ihrer selbst willen produziert und es er schon Befriedigung aus den bloßen Äußerungen gewinnt und mit den Lauten spielt.[11] Unabhängig von der jeweiligen Sprachumgebung des Kindes weisen alle deutliche Gemeinsamkeiten auf. „Das Feedback- Verhalten der Interaktionspartner nimmt entscheidenden Einfluss für den Spracherwerb.“[12] Die ersten Konsonanten werden produziert und so übt das Kind Laute, die nicht nur zur Muttersprache gehören, aber die dann endgültig die Sprachlaute der Muttersprache bilden.

In dieser Phase entwickelt sich der Vokaltrakt des Säugling zu dem eines Erwachsenen. Bis zum dritten Monat entspricht der Vokaltrakt dem eines nicht- humanen Primaten, denn der Kehlkopf des Kindes ist so angehoben, dass die Epiglottis beinahe das Velum berührt, der Rachenraum ist sehr kurz und die Mundhöhle breiter. Die Zunge des Säuglings füllt den Mundraum fasst völlig aus und ist noch nicht ganz unter muskulärer Kontrolle, die Mundhöhle ist im Vergleich zu einem Erwachsenen flacher. Das Lallen ist für die Säuglinge sehr wichtig. Denn erstens ist der Spaß am Erzeugen von Geräuschen und dies auch zu hören, ein kindliches Vergnügen, das die Wurzel für die spätere Freude an geschriebener und gesprochener Literatur ist und zweitens lernen Kinder durch wiederholte Anwendung das Hervorbringen von Lauten, genauso, wie sie durch andere Spielformen ansatzweise Fertigkeiten in anderen Bereichen erlernen.[13]

Phase 5: Repetitives Silbenplappern ( siebter bis zehnter Monat)

Das Kind befindet sich jetzt in einer Phase, in der es täglich mehr Konsonanten in den Wortschatz aufnimmt. Besonders häufig werden die Konsonanten / d/, /m/ und /b/ festgestellt. Die Silben bestehen in den Paarungen der verschiedenen Konsonanten und Vokalen, die erst einzeln und dann doppelt produziert werden. Formen wie „dada“, „mama“ oder „gaga“ sind am häufigsten festzustellen. Diese Doppelungsformen werden „reduplicated babbling“[14] genannt und bilden die Grundlage für die gebräuchlichsten Wörter der Babysprache. Das Kind beginnt damit Laute auf bestimmte Objekte zu beziehen. Zusammen mit der Gestik und Mimik bringt das Kind seine Bedürfnisse und Gefühle zum Ausdruck. In dieser Phase fangen die Kinder auch an die Geräusche ihrer Umgebung nachzuahmen. Die optische Wahrnehmung spielt zuerst eine größere Rolle als die akustische. Der Säugling guckt sozusagen bei der Mutter die Laute ab. So ist zum Beispiel zu beobachten, dass blindgeborene Kinder länger stumm bleiben, obwohl sie hören können. Von den Gesichtsausdrücken des jeweiligen Kommunikationspartners bekommt das sehende Kind Impulse, die seine Sprechmotorik anregen. Damit die Nachahmung auch gelingt ist ein kompliziertes Zusammenspiel verschiedener Komponenten nötig. Die Genauigkeit der akustischen Wahrnehmung muss mit der optischen Absehbarkeit der Laute und einer gewissen motorischen Sprechgeschicklichkeit zusammenspielen.[15]

[...]


[1] Zitiert nach Klann- Delius 1999, S. 22

[2] vgl. Rickheit et al 2002, S. 116

[3] vgl. Müller 2002, S. 286

[4] ebd. , S. 268

[5] Klann- Delius 1999, S. 22

[6] vgl. Klann- Delius, 1999, S.22f

[7] vgl. Rickheit et al 2002, S. 116

[8] vgl. Kainz 1970, S. 1ff

[9] vgl. Rickheit et al 2002, S. 116

[10] Klann- Delius 1999, S. 23

[11] vgl. Lewis 1973, S. 23

[12] Müller 2002, S. 269

[13] vgl. Lewis 1973, S. 25f

[14] ebd., S. 24

[15] vgl. Kainz 1970, S. 8ff

Details

Seiten
25
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638385916
ISBN (Buch)
9783638655231
Dateigröße
679 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39950
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Schlagworte
Erstspracherwerb Spracherwerb Kind sprechen

Autor

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Titel: Der Erstspracherwerb