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Die Rolle der deutsch-französischen Beziehungen in der europäischen Integration

Hausarbeit 2005 16 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil: Rolle der deutsch-französischen Beziehungen in der europäischen Integration
2.1. Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges
2.1.1. Entwicklungen in der Zeit zwischen 1945 und dem Mauerfall
2.1.2. Die deutsch-französischen Beziehungen seit dem Mauerfall
2.2. Zusammenarbeit in der Kultur
2.3. Vorbildcharakter der deutsch-französischen Beziehungen

3. Schluss: Die deutsch-französischen Beziehungen als wichtiger Faktor für die europäische Integration

Weitere Inhalte:
- Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die deutsch-französischen Beziehungen sind eine Thematik, deren Untersuchung sehr viele Fragestellungen aufwirft, da die Verbindungen der beiden Länder zueinander und miteinander schlicht so vielschichtig und vielseitig sind, dass es kaum möglich wird, diese im Ganzen genau zu analysieren. Man kann die Beziehungen zwar anhand verschiedener Aspekte betrachten, darf jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass die einzelnen Aspekte sich auch gegenseitig beeinflussen und eine bestimmte Wirkung aufeinander haben. So wäre es zum Beispiel möglich, nur die politischen bzw. zwischenstaatlichen Gesichtspunkte der Beziehungen zu analysieren. Dies würde wie gesagt nur einen bestimmten Bereich der Beziehungen betreffen und andere Aspekte, wie beispielsweise die gesellschaftlichen, völlig außer Acht lassen. Gerade in den Beziehungen zwischen zwei Ländern sind jedoch sowohl politische als auch gesellschaftliche Aspekte von großer Bedeutung und bei der Untersuchung darf keiner der beiden ignoriert werden, da sonst ein verzerrtes und vor allem unvollständiges Abbild der Beziehungen entstehen würde. Im Endeffekt stellt sich also die Frage, wie man die deutsch-französischen Beziehungen am effektivsten untersuchen kann, um sie „greifbar“ zu machen. Es erscheint sinnvoll, sich für die Fragestellung einen Gesichtspunkt herauszusuchen, welcher auch demonstriert, warum die deutsch-französischen Beziehungen überhaupt ein Thema von grundlegender Signifikanz sind. Ein so gearteter Aspekt der Beziehungen ist zweifelsohne der Einfluss selbiger auf die europäische Integration und deren Fortschreiten. Die Frage nach der europäischen Integration ist natürlich schon alleine angesichts der vielen Auswirkungen, welche die Bürger in den betroffenen Nationen mittlerweile hautnah zu spüren bekommen, höchst interessant. Die Einführung des Euro war zum Beispiel eine der Auswirkungen, die das Alltagsleben des einzelnen Bürgers wirklich fühlbar verändert haben.

Da Deutschland und Frankreich zu den größten und bevölkerungsreichsten Mitgliedern der Europäischen Union gehören, stellt sich die Frage nach der Relevanz der Entwicklung der politischen Beziehungen beider Länder zueinander hinsichtlich der europäischen Integration nahezu von selbst. Auch muss die kulturelle Zusammenarbeit der beiden Nationen betrachtet werden, um herauszufinden wie sich diese auf die europäische Integration auswirkt. Und schließlich muss erörtert werden, inwiefern die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich eine Vorbildfunktion für die Europäische Union haben könnten.

Kurz gesagt stellt sich die Frage nach der Rolle der deutsch-französischen Beziehungen in der europäischen Integration.

2. Hauptteil: Rolle der deutsch-französischen Beziehungen in der europäischen Integration

2.1 Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs

Um die Rolle der deutsch-französischen Beziehungen für die europäische Integration zu verstehen, muss man sich als erstes mit der Entstehung und Entwicklung der Kooperation beider Länder auseinandersetzen.

Besonders die Entwicklung der Beziehungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist in dieser Hinsicht interessant, da sich ja auch erst in dieser Zeit die Frage nach der europäischen Integration stellt.

2.1.1 Entwicklungen in der Zeit zwischen 1945 und dem Mauerfall

Als erstes muss man sich die unterschiedlichen Positionen der beiden Staaten bezüglich Europa am Ende der 40er Jahre ansehen. Die Europakonzeptionen die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich und Deutschland herauskristallisiert haben, spielten auch in der späteren Integrationspolitik der beiden Nationen eine wichtige Rolle.[1] Während für Frankreich hinsichtlich der internationalen Politik hauptsächlich der Gedanke des gestaltenden Staates im Mittelpunkt stand und die nationale Souveränität groß geschrieben wurde, setzte Deutschland auf Integration als Mittel zur (Wieder-) Findung der eigenen Identität.[2] Die Westintegration war für Deutschland das wichtigste Ziel in der Zeit zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Wiedervereinigung.[3] Frankreichs Europapolitik konzentrierte sich – zumindest zu Beginn dieser Zeit – in erster Linie darauf, Deutschland zu kontrollieren und zu verhindern, dass Deutschland wieder zum wichtigsten und stärksten Land in Europa avanciert.[4] Dies sollte dadurch geschehen, dass man sich durch Integration band und so den Einfluss auf Deutschland wahrte.[5] Das zweite französische Ziel war ein handlungsfähiges Europa welches unter französischer Führung agieren sollte.[6]

Der Grundstein für die Institutionalisierung der deutsch-französischen Beziehungen wurde mit dem Elysée-Vertrag gelegt. Dort vereinbarten die beiden Nachbarländer eine gemeinsame Absprache in Wirtschafts-, Verteidigungs- und Außenpolitik sowie in kulturellen Fragen.[7] Diese sollte durch ständige, formalisierte Konsultationen erfolgen und diente dem Zweck, eine möglichst große Übereinstimmung in Interessen und Standpunkten zu erlangen.[8]

Man muss in diesem Zusammenhang erwähnen, dass der Elysée-Vertrag aus unterschiedlichen Motivationen beider Vertragspartner heraus abgeschlossen wurde. So besteht der Kontext der französischen Unterschrift im Streben des Staatspräsidenten de Gaulle, Frankreich wieder in den Kreis der großen Mächte zu befördern.[9] Für de Gaulle hatte die Zusammenarbeit mit Deutschland hauptsächlich den Sinn, den übermächtigen USA im Falle des Falles Paroli bieten zu können und er akzentuierte daher vor allem die Kooperation in Außen- und Verteidigungspolitik.[10] Für Deutschland stand dieser Aspekt nicht im Mittelpunkt. Vielmehr sah der deutsche Kanzler Konrad Adenauer den Vertrag als ein Symbol für die deutsch-französische Aussöhnung nach dem zweiten Weltkrieg.[11] Die Diskrepanz zwischen diesen beiden unterschiedlichen Auffassungen der Vertragspartner wird auch darin deutlich, dass der deutsche Bundestag die europäische Integration und die Partnerschaft mit den USA auf der Liste der Prioritäten höher einstufte als den Elysée-Vertrag.[12] Bis zum Ende der Regierung de Gaulle war die Wirkung des Abkommens also eher marginal.[13] Jedoch hat der Elysée-Vertrag bis heute durchaus einen wichtigen Teil zur deutsch-französischen Freundschaft beigetragen.

Auch während der Amtszeit des nächsten französischen Präsidenten, Georges Pompidou, verbesserten sich die deutsch-französischen Beziehungen kaum. Die neue deutsche Ostpolitik des Kanzlers Brandt, welche auf Hinnahme der Realitäten und menschliche Erleichterungen für DDR-Bürger basierte, stieß trotz formeller Zustimmung auf ein inneres Misstrauen bei Pompidou.[14]

[...]


[1] Vgl.: Woyke, Wichard, 2000. In: Deutsch-französische Beziehungen seit der Wiedervereinigung, S. 15

[2] Vgl. Woyke, Wichard (Anm. 1), S.16f.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Vgl.: Müller-Brandeck-Bocquet, Gisela; Moreau, Patrick, 2000. In: Frankreich – eine politische Landeskunde, S.161

[8] Ebd.

[9] Vgl.: Müller-Brandeck-Bocquet, Gisela; Moreau, Patrick. (Anm. 7), S.162

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Vgl.: Schubert, Klaus, 1996. In: Freundschaft auf dem Prüfstand? Deutsch-französische Beziehungen nach dem Ende der Teilung Deutschlands und Europas, S.11

[13] Ebd.

[14] Vgl.: Weisenfeld, Ernst, 2002. De Gaulles Konzept für Partnerschaft und Ostkonflikt. In: Deutsch – Französische Beziehungen 1945-2000. Aus: http://geogate.geographie.uni-marburg.de/parser/parser.php?file=/deuframat/deutsch/3/3_2/weisenfeld/kap_3.htm (06.04.2005)

Details

Seiten
16
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638385213
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39851
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,7
Schlagworte
Rolle Beziehungen Integration

Autor

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