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Die Freimaurer und das Theater im Nationalsozialismus

Seminararbeit 2002 22 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhalt

1. Das Theater im Nationalsozialismus
1.1. Organisation
1.2. Personalpolitik
1.3. Spielplanpolitik

2. Die Freimaurerei im Nationalsozialismus
2.1. Vorgeschichte: Antifreimaurerpropaganda vor 1933
2.1.1. Alfred Rosenberg
2.1.2. Erich Ludendorff und Mathilde Kemnitz-Ludendorff
2.2. Lage und Zustand der deutschen Freimauerei vor 1933
2.2.1. Mitgliederentwickulung
2.2.2. Politische Ausrichtung
2.2.3. Uneinigkeit und Zersplitterung
2.3. Die Vernichtung der deutschen Freimaurerei nach 1933
2.3.1. Die Anfänge
2.3.2. Die Koordinierung des Antifreimaurerkampfes durch den SD
2.3.3. Das Ende der Logen
2.3.3.1. Schottische Logen und die Symbolische Großloge
2.3.3.2. Humanitäre Logen
2.3.3.3. Altpreußische Großlogen
2.3.4. Weitere Behandlung der Freimaurerei im "Dritten Reich"

3. Auswirkungen der Antifreimaurerpolitik auf das Theater im "Dritten Reich"

1. Das Theater im Nationalsozialismus

Das Theater, als eines der zentralen Massenmedien der Zeiten vor dem Fernseher, hatte im Systhem der nationalsozialistischen "Volksaufklärung", die in den Händen Joseph Goebbels lag, einen hohen Stellenwert. Man kann bei der Einvernahme des Theaters durch die Nationalsozialisten zwei ineinander verwobene Stränge wahrnehmen, zum einen die Gleichschaltung der Organisationen, zum anderen die ideologische Ausrichtung der Inhalte.[1]

1.1. Organisation

Schon am 22. 9. 1933 wird mit dem Reichskulturkammergesetz im eben angebrochenen "Dritten Reich" die Totalisierung und Zentralisierung des Kulturbetriebs und somit seine totale Kontrolle ermöglicht. In diese Kontrolle sind auch alle Kulturschaffenden eingebunden, denn die Berufsausübung war mit der Mitgliedschaft verbunden. Teil der Reichskulturkammer war die Reichstheaterkammer (RTK), in der die Fäden des reichsdeutschen Theaterbetriebs in den Fäden des Präsidenten zusammenliefen, der wiederum nur eine Marionette Goebbels' war. Die ehemaligen berufsständischen Vertretungen werden abgeschafft und die Berufsgruppen in "Fachschaften" unterteilt und der RTK subordiniert. Mit dem Reichstheatergesetz vom 15. Mai 1934 gelangt die Kontrolle des Theaterwesens in allen Bereichen vollendes in die Hand der Machthaber, namentlich den im Gesetz bezeichneten "zuständigen Minister", der das Recht auf Betreibung eines Theaters erteilt[2], der Besetzung der oberen Positionen in den Theatern zustimmen muß[3] und einzelne Aufführungen untersagen oder verlangen (!) kann, "wenn er es zur Erfüllung der Kulturaufgabe des Theaters für notwendig hält"[4], außerdem wird der Theaterleiter dazu verpflichtet seine "Aufgabe nach bester künstlerischer und sittlicher Überzeugung im Bewußtsein nationaler Verantwortung zu erfüllen."[5]

1.2. Personalpolitik

Für die Erfassung der Theaterschaffenden ins nationalsozialistische System verfolgte man zwei Strategien, zum einen die Künstler durch für sie positive Maßnahmen zu blenden, so daß sie am Ende mit allem einverstanden waren und sich nur noch mit ihrem künstlerischen Bereich beschäftigten, nicht aber mit Politik. Zum anderen wurden durch Bespitzelung und durch die überall wirksame rassische Ausgrenzung die unliebsamen Künstler entfernt. Die Theaterleute hatten wie alle Künstler nur wenige Möglichkeiten. Entweder sie emigrierten und zeigten damit offen, daß sie den Nationalsozialismus ablehnten, oder sie blieben und sagten trotzdem ihre Meinung, was sie auf jeden Fall den Beruf, wenn nicht gar Freiheit und Leben kostete, oder sie passten sich an. Den letzteren Weg schritten die meisten ein, teil zähneknirschend, teil begeistert. Das Regime sorgte durch verschiedenste "Anreize" für ein zahlreiches Verbleiben der Künstler im "gleichgeschalteten" Theater. Die Gagen wurden erhöht, die auch im Theaterbereich zahlreichen Arbeitslosen bekamen neue Stellen, zum Teil durch neue Arbeitsfelder wie Freilichtspiele, Festspiele und die sog. "Thingspiele" indem das sog. "deutsche Wesen" und das "Germanentum" Triumphe feierten. MIt diesen Mitteln konnte auch eine intensive Nachwuchsförderung betrieben werden. Der verheerende Zustand des Versicherungsschutz der Theaterleute und die mangelnde Altersversorgung wurden wesentlich verbessert. Das alles geschah natürlich nur zu dem Zweck die Menschen ans System zu binden und ihnen die Scheuklappen zu verpassen, die nötig waren, um alle bei der Stange zu halten. Ferner wurde recht bald für die Völlige Ausgrenzung der Unerwünschten gesorgt. Die Unangepassten, die sog. "Nichtarier" und auch die "weltanschaulichen Gegner" wurden aus dem Theaterwesen ebenso entfernt wie aus allen anderen Bereichen des Lebens.

1.3. Spielplanpolitik

Den Spielplan gestalteten die Nationalsozialisten ebenfalls nach ihren Vorstellungen. Die eindeutig nationalsozilistisch zu nennenden Autoren, wobei vor allem Dietrich Eckart, Hanns Johst und E.W. Möller zu nennen sind, hatten auf den normalen Spielplänen relativ geringe Präsenz, unter normalen Umständen wären sie allerdings wohl überhaupt nicht gespielt worden. Im Thingspiel waren sie natürlich die einzigen Autoren.

Eifrig gespielt wurden die Klassiker. Besonders beliebt waren "deutsche" Themen, oder solche, die sich dahingehend ausschlachten liesen, so z.B. Kleists 'Prinz von Homburg', Grabbes 'Hermannsschlacht' oder Hebbels 'Nibelungen'. Auch Goethe, als der deutsche Paradeschriftsteller wurde weiterhin gespielt. Auch Shakespeare, der als "blutsverwandt" galt, erfreute sich Beliebtheit. Im komödiantischen Bereich wurden vor allem seichte Boulevardstücke gespielt, die den gleichen Zweck wie die Musik- und Lustspielfilme der UVA erfüllten: Ablenkung und Ruhigstellung der Leute, teilweise auch Klassiker wie Moliere und Shakespeare, aber auch Lessings 'Minna Barnhelm', die sich wunerbar für nationalsozialistische Zwecke herrichten ließ.

Ausländische Stücke waren größtenteils verboten, erlaubt waren solche aus den verbündeten faschistischen Regimen in Italien und Spanien, die des schon erwähnten Shakespeare, dessen Königsdramen allerdings im Krieg verboten wurden, und die der sog. "nordischen" Autoren wie Hamsun oder Holberg.

"Jüdische" Stücke wie 'Nathan der Weise' oder 'Die Jüdin von Toledo' wurden verboten, ebenso jüdische Autoren, wie beispielsweise Wedekind oder Hofmannsthal, dessen Opernlibretti der Reichsmusikkammerpräsident Richard Strauss nach seiner Amtseinführung keinesfalls aus seinen erfolgreichen Opern verbannte. Persönliche Vorlieben der Machthaber konnten bei Verbot oder Zulassung von Stücken allerdings die vorgegebenen Leitlinien durchbrechen, wie das Beispiel der 'Zauberflöte' noch zeigen wird.

2. Die Freimaurerei im Nationalsozialismus

2.1. Vorgeschichte: Antifreimaurerpropaganda vor 1933

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem damit verbundenen Zusammenbruch des deutschen Kaiserreichs beginnt in der neuen Republik eine Bewegung zu erstarken, die sich primär gegen diese Republik wendet und ihre Gründer als "Novemberverbrecher" bezeichnet. Ihre Politik ist eine revanchistische, ist geprägt von Menschenverachtung und Überheblichkeit. Die verquasten Rassentheorien des ausgehenden neunzehnten und beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts werden von dieser "völkisch" genannten Bewegung aufgegriffen und zur ideologischen Rechtfertigung ihres grundlegenden Antisemitismus verwendet. Diese Bewegung, die in viele, teils untereinander verfeindete Gruppen und Parteien aufgesplittert war, sollte später die Grundlage für die nationalsozialistische Katastrophe sein. Neben der Republik und den Juden sind die Hauptfeinde der "Völkischen" die Kommunisten und die Freimaurer. Zwei entscheidende Propagandisten der Antifreimaurerehaltung des völkischen Spektrums sind Alfred Rosenberg und das Ehepaar Ludendorff.[6]

[...]


[1] Die Darstellung stützt sich im wesentlichen auf die Mitschrift des Verfassers bei der Vorlesung von Dr. Schälzky, Lehrbeauftragter am Institut für Theaterwissenschaft der Universität München: "Theater des Faschismus und der Emigration" im Rahmen der Ringvorlesung "Grundzüge der europäischen Theatergeschichte II" im Sommersemester 1995, ferner auf BOGUSLAW DREWNIAK, Das Theater im NS-Staat. Szenarium deutscher Zeitgeschichte 1933-1945, Düsseldorf 1983; KONRAD DUSSEL, Ein neues, ein heroisches Theater?. Nationalsozialistische Theaterpolitik und ihre Auswirkungen in der Provinz, Bonn 1988 (= Literatur und Wirklichkeit, Bd. 26), zugleich: Heidelberg: Diss. 1987, sowie WOLF-EBERHARD AUGUST, Die Stellung der Schauspieler im Dritten Reich. Versuch einer darstellung der Kuns- und Gesellschaftspolitik in einem totalitären Staat am Beispiel des "Berufsschauspielers", München: Diss. 1973.

[2] Vgl. Theatergesetz, Reichsgesetzblatt 1934/I, Nr. 56, Ausgegeben zu Berlin, den 19. Mai 1934, S. 411, § 3.

[3] Ebd. S. 412, § 4.

[4] Ebd. S. 412, § 5.

[5] Ebd. S.411, § 2.

[6] Die Darstellung folgt im wesentlichen: HELMUT NEUBERGER, Freimaurerei und Nationalsozialismus. Die Verfolgung der deutschen Freimaurerei durch völkische Bewegung und nationalsozialismus 1918-1945, 2.Bd., Bd. 1: Der völkische Propagandakampf und die deutsche Freimaurerei bis 1933, Bd. 2: Das Ende der deutschen Freimaurerei, Hamburg 198O, zugleich. München: Diss. 1977.

Details

Seiten
22
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638124768
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3978
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Theaterwissenschaft
Schlagworte
Freimaurer Theater Nationalsozialismus

Autor

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Titel: Die Freimaurer und das Theater im Nationalsozialismus