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Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf die Personen in Hofmannsthals -Der Schwierige- mit besonderem Augenmerk auf Hans Karl Bühl

Seminararbeit 2002 22 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Vorbemerkung

II. Der Krieg bei Hofmannsthal
1. Hofmannsthal
a. Biographisches, Literarisches Schaffen 1914-1918, Äußerungen in Tagebuch und Briefen
b. Kriegspublizistik
2. Auswirkungen des Krieges auf die Personen des 'Schwierigen'
a. Hans Karl Bühl
b. Die anderen
c. Die "Neuen Menschen"
3. Spuren der Hofmannsthalschen Gedankenwelt aus der Kriegspublizistik im 'Schwierigen'

Anhang:

Verwendete Literatur

Zur Zitierweise bei Hofmannsthalzitaten:

Hofmannsthal wird zitiert nach der Ausgabe: Hofmannsthal, Hugo von: Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden. Herausgegeben von Bernd Schoeller in Beratung mit Rudolf Hirsch. - Frankfurt am Main 1979f. - Die verwendeten Bände sind:

- Dramen IV. Lustspiele.
- Reden und Aufsätze II. 1914-1924
- Reden und Aufsätze III. 1925-1929. Aufzeichnungen

Stellen aus 'Der Schwierige' werden im Text belegt. Die Zahl in der Klammer hinter dem Zitat bedeutet die Seite im Band Dramen IV. Lustspiele.

Zum Titel:

" Es ist draußen viel für mich anders geworden." ist ein Zitat aus dem 'Schwierigen. Hans Karl sagt es zu Antoinette. (392)

I. Vorbemerkung

Martin Stern hat die Frage gestellt: "Wann entstand und spielt 'Der Schwierige'?"[1], wie vor ihm Wolfgang Frühwald[2], dem Stern mit seinem Aufsatz widerspricht. Frühwald datiert die Handlung des Stücks auf den 12. September 1917, d.h. auf einen Zeitpunkt während des Krieges, Stern will hingegen auf einen "mehrfach und bewußt gebrochenen Realitätsbezug[s] der Komödie"[3] aufmerksam machen und legt überzeugend dar, daß Frühwalds These kaum zutrifft, bzw., daß Hofmannsthal den Krieg zur Zeit der Abfassung 1917 prospektiv für abgeschlossen erklärt und dies auch später beim Weiterschreiben (1919/20) beibehält. Für ihn spielt das Stück in einer "[...] Sphäre nicht der Un-, wohl aber der Halbwirklichkeit; es ist kein Niemandsland [das Wien als Handlungsort des Stückes], aber auch nicht die naturalistisch abgeschilderte Realität von 1917."[4] Trotzdem, so Stern, oder gerade deshalb war der Krieg für Hofmannstahl "[...] ein entscheidender, die Arbeit an diesem Werk auslösender Faktor und ging als Motiv in dessen Gestaltung ein."[5] Der Krieg spiele, und das ist entscheidend, eine "[...] zwar für die Individuuen wesentliche, als welthistorisches Ereignis jedoch keine Rolle [...]"[6]. Wolfram Mauser bezeichnet die Komödie als Hofmannsthals "[...] Beitrag zur geistigen Bewältigung der furchtbaren Ereignisse, die über Österreich und Europa hereingebrochen waren."[7] Schon Emil Staiger sagt, daß das Stück den Weltkrieg voraussetze.[8]

Der Krieg aber und seine Einwirkung auf die Individuuen des Stücks, vor allem aber auf Hans Karl Bühl soll nun hier behandelt werden. Zuvor aber soll ein kurzer Überblick über das Hofmannsthalsche Leben und Werk der Jahre 1914-1918 geliefert werden. Abschließend wird kurz noch betrachtet, inwieweit sich Aspekte der Hofmannsthalschen Gedankenwelt, wie sie sich in den Aufsätzen und Reden jener Jahre äußert, im 'Schwierigen' widerspiegeln.

II. Der Krieg bei Hofmannsthal

1. Hofmannsthal

a. Biographisches, Literarisches Schaffen 1914-1918, Äußerungen in Tagebuch und Briefen

Zwei Tage vor der österreichisch-ungarischen Kriegserklärung an Serbien am 28. Juli 1914 wird Hofmannsthal als Landsturmoffzier nach Istrien einberufen. Als sich jedoch Josef Redlich, österreichischer Reichratsabgeordneter und ein Freund Hofmannsthals für ihn verwendet, wird er beurlaubt und dem Kriegsfürsorgeamt zugeteilt.[9] Damit beginnt eine umfangreiche publizistische und rhetorische Tätigkeit, viele Aufsätze, Leserbriefe und Reden entstehen, von kurzen Äußerungen ('[Keine "scherzhaften" Kriegskarten]', 1914)[10] bis zu großen politischen Visionen ('Die Idee Europa'; mit Rudolf Borchardt, 1917)[11]. Er pflegt intensiv Kontakt zu dem einflußreichen Redlich und unternimmt zahlreiche Dienst- und Vortragsreisen, u.a. nach Polen (1915 u. 1916), Skandinavien (1916) und in die Schweiz (1917). In diesen Jahren beginnt Hofmannsthal auch mit der Herausgabe der 'Österreichischen Bibliothek', von der 26 Bändchen erscheinen, Anekdoten, Gedichte und Schriftem aus der österreichisch-ungarischen-deutschen Literatur und Geschichte enthaltend. Außer von den Kriegereignissen ist diese Zeit überschattet von zwei Todesfällen: am 10. XII. 1915 stirbt Hofmannsthal Vater nach langem dem Sohn große Sorgen bereitenden Leiden, am 6. Mai 1918 Eberhard von Bodenhausen, einer der ältesten Freunde Hofmannsthals, und sicherlich der, dem er tiefsten verbunden war. Beides trifft Hofmannsthal schwer.

Die literarische Produktion dieser Zeit ist geprägt von den politischen Arbeiten, aber auch die Oper 'Die Frau ohne Schatten wird vollendet und 1918 die gleichnamige Erzählung begonnen, Moliere wird frei bearbeitet ('Die Lästigen', 1916; 'Der Bürger als Edelmann', 1917), am Andreas-Roman wird weitergearbeitet und 'Ad me ipsum' wird begonnen. Systhematisch beginnt Hofmannsthal Calderon zu lesen, daraus entspringt 'Dame Kobold' (1918). Sehr intensiv widmet er sich dem Lustspiel. Er arbeitet weiter an 'Silvia im "Stern"', an 'Lucidor' und schließlich wird mit 'Der Schwierige' begonnen, welches sein größtes Lustspiel werden wird.

Spärlich sind die Äußerungen Hofmannsthals zu den Kriegereignissen in seinen nachgelassenen Aufzeichnungen, allerdings schreibt er am 12.X.14 von der "[...] furchtbare[n] Gewalt der Lüge, wie sie sich in diesem Krieg offenbart - bis zum Nicht-mehr-aufkommen-können der Wahrheit."[12] und unter dem 2.XI. 14 gibt er gar einen kurzen Bericht über die momentane Kriegslage[13], schreibt aber auch, er habe seit dem 26. Juli (dem Tag seiner Einberufung) nicht mehr geträumt.[14] Ansonsten finden wir in den Aufzeichnungen von 1914-18 neben den üblichen Lektüreeindrücken, Plänen und literarischen Überlegungen, etliche politisch-kulturelle Äußerungen, wie sie sich dann in den Aufsätzen und Reden jener Jahre wiederfinden.

[...]


[1] Stern, Martin: Wann enstand und spielt "Der Schwierige"? - Zuerst in: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft XXIII (1979). - Stuttgart 1979. - S. 350-365. - Jetzt in: ders./Pestalozzi, Karl: Basler Hofmannsthal-Beiträge.- Würzburg 1991.- S. 203-215. - Nach letzterem im folgenden zitiert als Stern (1979).

[2] Frühwald, Wolfgang: Die sprechende Zahl. Datensymbolismus in Hugo von Hofmannsthals Lustspiel "Der Schwierige".- In: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft XXII (1978).- Stuttgart 1978. - S. 572-588. - [Im folgenden: Frühwald (1978)].

[3] S. Stern (1979), a.a.O., S. 209.

[4] S. ebd., a.a.O., S. 208.

[5] S. ebd., a.a.O., S. 212.

[6] S. ebd., a.a.O., S. 209.

[7] S. Mauser, Wolfram: Hugo von Hofmannsthal. Konfliktbewältigung und Werkstruktur. Eine psycho-soziologische Interpretation.- München 1977.- [Im folgenden: Mauser (1977)].- Hier: S. 152.

[8] Vgl. Staiger, Emil: Hofmannsthal: Der Schwierige. - In: ders.: Meisterwerke deutscher Sprache aus dem neunzehnten Jahrhundert.- Zürich 41961, S. 223-256. - Hier: S. 224.

[9] Karl Kraus karikiert in einer Szene seines Monumentaldramas (I.Akt, 19. Szene) über den ersten Weltkrieg 'Die letzten Tage der Menschheit' Hofmannsthal "Tätigkeit" dort bezeihungsweise die Haltung verschiedener Teile des ehemaligen Griensteidl-Kreises zu diesem Krieg. - Vgl. Kraus, Karl: Die letzten Tage der Menschheit. Tragödie in fünf Akten mit Vorspiel und Epilog. - Frankfurt am Main 1986. - S. 146ff. (Bd. 10 der von Christian Wagenknecht herausgegebenen 'Schriften' von Kraus).

[10] S. Reden und Aufsätze II. 1914-1924, a.a.O., S. 496f.

[11] S. ebd., a.a.O. S. 43ff.

[12] Reden und Aufsätze III. 1925-1929. Aufzeichnungen, a.a.O., S. 522f.

[13] Vgl. ebd., a.a.O., S. 523.

[14] Vgl. ebd.

Details

Seiten
22
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638124713
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3970
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für deutsche Philologie
Note
2-3
Schlagworte
Auswirkungen Ersten Weltkrieges Personen Hofmannsthals Schwierige- Augenmerk Hans Karl Bühl

Autor

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