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New Public Management in der deutschen Bundesverwaltung

Seminararbeit 2005 17 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Bürokratiemodell
2.1 Definition
2.2 Defizite des Bürokratiemodells: Notwendigkeit einerVerwaltungsreform

3 New Public Management

4 Bisherige Anwendung des New Public Management in der Bundesverwaltung
4.1 Bis 1998
4.2 Von 1998 Bis heute
4.3 Zusammenfassung

5 Auswirkungen des New Public Management auf die Bundesverwaltung

6 Zusammenfassung

1 Einleitung

Dies soll eine Hausarbeit über das New Public Management (NPM), die Anwendung des NPM in der deutschen Bundesverwaltung und die Auswirkungen des NPM auf die deutsche Bundesverwaltung sein. Ausgangspunkt dieser Hausarbeit sollen zwei Fragen sein, die ich mir im Laufe des Semesters gestellt habe. Zunächst soll es darum gehen, warum das NPM überhaupt gebraucht wird oder anders formuliert ob und wenn ja, warum das klassische Bürokratiemodell versagt? Zudem soll in der Hausarbeit herausarbeitet werden, wo das NPM in der deutschen Bundesverwaltung angewendet wurde bzw. wird und ob sich dadurch wirklich etwas an den Strukturen der Bundesverwaltung geändert hat oder ob es sich nur um „oberflächliche“ Veränderungen handelt.

Dazu möchte ich anfangs kurz das klassische Bürokratiemodell von Max Weber erläutern und seine Schwächen aufzeigen, die das New Public Management erst begründen (Kapitel 2). Darauf aufbauend möchte ich dann das New Public Management bzw. das Neue Steuerungsmodell (NSM) – so der deutsche Name – vorstellen (Kapitel 3). Mit Hilfe der in der Literaturrecherche ermittelten Informationen sollen dann die Anwendungen des NPM in (Kapitel 4) und die dadurch entstandenen Veränderungen in den Strukturen der deutschen Bundesverwaltung ermittelt werden. (Kapitel 5).

Am Schluss werden dann die wichtigsten Ergebnisse dieser Hausarbeit zusammengefasst (Kapitel 6).

2 Das Bürokratiemodell

Jede europäische Verwaltung ist heutzutage als Bürokratie organisiert. Oder anders gesagt: „Einen Staat ohne eine nach bürokratischen Prinzipien aufgebaute Verwaltung können wir uns heute kaum vorstellen“[1]

Daher möchte ich hier zunächst das Bürokratiemodell nach Max Weber kurz vorstellen (Kapitel 2.1) und anschließend seine Grenzen bzw. Schwächen aufzeigen (Kapitel 2.2)

2.1 Definition

„Der reinste Typus der legalen Herrschaft ist diejenige mittelst bureuakratischen Verwaltungsstabs.“ (Max Weber)[2]

Max Weber, der anfangs des 20. Jahrhunderts eine umfangreiche Untersuchung der bürokratischen Verwaltungen durchführte, beschrieb ihre Funktionsweise im Wesentlichen durch folgende Merkmale:[3][4]

Ein Amt wird von hauptberuflichen Beamten ausgeführt, die mit festen Gehältern entlohnt werden. Es gilt das Prinzip der Arbeitsteilung, wobei jeder Beamte bestimmte Kompetenzen und Entscheidungsbefugnisse hat. Jedes Amt setzt Fachqualifikation voraus und erfordert daher eine generell geregelte Ausbildung und Beurteilung des Amtsinhabers (Professionalisierung). Die Beamten durchlaufen eine vorgezeichnete Karrierelaufbahn. Sie haben kein Eigentum an Amts- oder Betriebsmitteln. Jedes Amt ist fest in eine Hierarchie eingebunden, wobei die Rechte und Pflichten der einzelnen Ämter und Amtsinhaber genau umschrieben sind. Die Amtsführung beruht auf dem Grundsatz der Schriftlichkeit und der weitgehenden Trennung von Amtstätigkeit und Privatsphäre des Amtsinhabers. Der Beamte bzw. die Beamtin muss sich bei der Aufgabenerledigung an ein vorgegebenes System von Regeln halten, welche ein geregeltes Verfahren sicherstellen (Formalisierung). Jeder Beamte ist einer einheitlichen Amtsdisziplin und Kontrolle unterworfen.

Nach Max Weber ist die Bürokratie durch den Prozess der Rationalisierung auf der Ebene der Institutionen hervorgebracht worden. Bürokratie ist bei Max Weber eine Form der legalen Herrschaft.[5] Weber sieht in der Bürokratie eine den anderen deutlich überlegene Form der Verwaltung. Diese Überlegenheit wird mit den Stärken der Bürokratie begründet. Neben der Stabilität sind dies „Präzision, Schnelligkeit, Eindeutigkeit, Aktenkundigkeit, Kontinuierlichkeit, Diskretion, Einheitlichkeit, straffe Unterordnung, Ersparnisse an Reibungen, sachlichen und persönlichen Kosten.“[6]

Das bedeutet also, dass unter Bürokratien insbesondere staatliche Organisationen und Organisationsformen verstanden werden, deren Strukturen sich nicht am Markt orientieren, sondern den von Max Weber identifizierten Merkmalen folgen.

2.2 Defizite des Bürokratiemodells: Notwendigkeit einer Verwaltungsreform

Eine öffentliche Verwaltung, die nach den Prinzipien des Bürokratiemodells aufgebaut ist, stößt allerdings in der heutigen Zeit an ihre Grenzen.

Das Bürokratiemodell entstand in einer Zeit, in der sich die Verwaltung einer relativ stabilen Umwelt gegenüber sah und nur beschränkte öffentliche Aufgaben zu erfüllen hatte. Seine zentrale Funktion bestand in der rationalen Ausübung legaler Herrschaft an Stelle personengebundener, patriarchischer Macht und subjektiver Willkür. Die hierfür zur Verfügung stehenden Budgets waren zudem relativ klein. Demgegenüber hat sich die Situation der Verwaltung heute grundlegend geändert. Die Aufgaben des Staates, besonders im wohlfahrtsstaatlichen Bereich, sind stark angestiegen.[7]

Zudem ist die Einschätzung falsch ist, dass hochgradige Regelgebundenheit, starre hierarchische Unterordnung und strikte Kompetenzeingrenzung, wie sie das Bürokratiemodell vorsieht, Voraussetzungen einer leistungsfähigen Organisation sind. Stabilität, wie sie die Webersche Bürokratie bewusst erreichen und erhalten wollte, in ihrer Bedeutung für die Qualität der Verwaltung abgenommen: Inflexibilität gegenüber einer dynamischen sich verändernden Umwelt, desinteressierte und bürokratische Verhaltensweisen der MitarbeiterInnen, Entmenschlichung der Organisation vor allem in den unteren Hierarchiestufen wirken sich negativ auf die Leistungsfähigkeit der Verwaltung aus.[8] Hinzu kommt, dass die Verwaltungen aufgrund wachsender Aufgaben und einer dadurch ausgelösten Eigendynamik zu stark angewachsen sind und dabei stark an Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit eingebüßt haben.[9]

[...]


[1] A. Kieser: Max Webers Analyse der Bürokratie, in: A. Kieser (Hrsg.), Organisationstheorien, 3. Auflage Stuttgart/Berlin/Köln 1999, S. 39-64, hier S. 39

[2] M. Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie, 5. Aufl., Tübingen 1972, S. 126

[3] vgl. ebda., S. 125ff., S. 551f., S. 559ff.

[4] vgl. Kieser, a.a.O.., S. 46-51

[5] vgl. A. Kieser; P. Walgenbach: Organisation, 4. Aufl., Stuttgart 2003, S. 38

[6] Weber, a.a.O., S. 561f.

[7] D. Budäus; S. Finger: Stand der Perspektiven der Verwaltungsreform in Deutschland, in: Verwaltung, Jg. 32 (1999), S. 313-343, hier S. 314f.

[8] vgl. H.-E. Frey: Agonie des Bürokratiemodells? Wo fehlt der politische Wille, wo hemmen Vorschriften die Reform des öffentlichen (kommunalen) Sektors?, in: U. Steger, Lean Administration. Die Krise der öffentlichen Verwaltung als Chance, Frankfurt 1994, S. 23-48, hier S. 25

[9] vgl. H.-J. Sperling: Verwaltungsmodernisierung und Partizipation. Trendreport Partizipation und Organisation III, Marburg 1999, S. 12

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638383943
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39679
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
Public Management Bundesverwaltung

Autor

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