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Eine Einführung in die Phonetik

Ein phonetischer Vergleich von Deutsch und Spanisch

Studienarbeit 2005 31 Seiten

Romanistik - Vergleichende Romanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Eine Einführung in die Phonetik
1.1 Systematische Phonetik
1.1.1 Konsonanten
1.1.2 Vokale
1.2 Die suprasegmentale Struktur
1.2.1 Die intersegmentalen Effekte der Koartikulation
1.2.2 Die Silbe als prosodische Einheit
1.2.3 Phonetik der Äußerung
1.3 Die Sprachen der Welt

2 Ein phonetischer Vergleich von Deutsch und Spanisch
2.1 Die Vokalsysteme
2.1.1 Diphthonge und Triphthonge
2.2 Die Konsonantensysteme

Zusammenfassung

Im ersten Kapitel dieser Arbeit werden die minimalen Beschreibungseinheiten der Phonetik systematisch nach den Vorgaben des IPA beschrieben. Dabei wird auf den artikulatorischen Aspekt bei der Lautbildung und auf die Transkription der Laute eingegangen. Im Abschnitt über die suprasegmentale Struktur wird auf für das Verständnis wesentliche Begriffe wie Intonation oder Tonhöhe näher ein- gegangen.

Nach dem allgemeinen Kapitel über die Sprachen der Welt folgt insbesondere ein phonetischer Vergleich zwischen Deutsch und Spanisch. Es werden die im ersten Kapitel besprochenen systematischen Methoden verwendet, wobei speziell die Vokal- und Konsonantensysteme der beiden Sprachen betrachtet werden.

Kapitel 1 Eine Einführung in die Phonetik

1.1 Systematische Phonetik

Sprachen können auf unterschiedliche Arten systematisch beschrieben werden. Im Gegensatz zur Beschreibung der Vorgänge während des Sprechens auf physikalischer Ebene beim Sprecher und beim Hörer sowie deren meßtechnische Erfassung und Darstellung soll in diesem Kapitel auf die Artikulation und die Transkription von Lautsystemen aus sehr unterschiedlichen Sprachen eingegangen werden. Dabei sollen phonetische Grundstrukturen betrachtet werden, die sehr unterschiedlich zur Vermittlung von Inhalten benutzt werden.[2],[1]

Phonetische Minimalereignisse - Phone und Phoneme

Um phonetische Ereignisse Identifizieren zu können, müssen äquivalente Repro- duktionen erkannt werden. Das sind unterschiedliche phonetische Äußerungen mit gleicher Bedeutung. Durch ’zeitliches Überdehnen der Aussprache’ kann die auditive Analyse soweit fortgesetzt werden, dass phonetische Minimalereignisse überbleiben. Sie werden Phone genannt und bilden in Summe den Lautbestand einer Sprache.

Die Minimalereignisse werden anhand der Art ihrer artikulatorischen Hervorbringung systematisch klassifiziert und sind die Grundlage des Internationalen Phonetischen Alphabets - IPA (’International Phonetic Association’). Das ist ein Symbolsystem, dass angelegt wurde um alle möglichen Laute der Sprachen der Welt darstellen zu können. Es sollen jedoch nicht äquivalente Laute aus verschiedenen Sprache unterschiedlichen Symbolen zugeordnet werden.

Die Nuancierung von Lauten wird durch diakritische Zeichen festgelegt, die zur Kennzeichnung der Länge, der Betonung, der Tonhöhe sowie bei geringfügigen Lautdifferenzen verwendet werden.

Beim Transkriptionssystem der IPA handelt es sich nicht um ein rein phoneti- sches System, es nimmt auch Bezug auf die bedeutungsunterscheidende Funktion der Laute und deren systematischen Bezug zueinander. Der innere systematische Zusammenhang des Systems erschließt sich dabei aus den Bedeutungsunterschieden der Einzellaute aus den Sprachen der Welt.

Die folgenden Erläuterungen beziehen sich auf die einzelnen Laute im Sinne von minimalen phonetischen Ereignissen und wie sie quasi als aufeinander folgende Segmente einer Sequenz eine Äußerung beschreiben. Hier sollten auch die artikulatorischen und akustischen Vorgänge in Betracht gezogen werden, da ja auch das ’naive’ Sprachhören am artikulatorischen Verhalten des Sprechers orientiert ist bzw. am geistigen Nachvollzug des Sprechens.

1.1.1 Konsonanten

In den folgenden Kapiteln wird die Systematik des IPA über ihren Artikulations- modus beschrieben. Als Konsonanten werden die minimalen segmentalen Ein- heiten bezeichnet die sich mit den komplementären Elementen, den Vokalen, zu Wörtern verbinden lassen. Bei der Sprachproduktion von Konsonanten wird (wie bei Kontoiden) im Ansatzrohr ein Verschluss (z.T. nur teilweise) bzw. eine ge- räuschverursachende Enge gebildet, während Vokale mit einem zentral offenen Ansatzrohr gebildet werden.

Das Systematisierungsraster für die Konsonanten wird von folgenden Parametern bestimmt: Artikulationsmodus, artikulierendes Organ und Artikulationsstelle. In Bezug auf den Artikulationsmodus können pulmonale und nicht-pulmonale Konsonanten unterschieden werden. Pulmonale Konsonanten werden mit der aus-strömenden Luft gebildet, während nicht pulmonale durch Bewegungen des Kehl-kopfes oder Zunge und Gaumensegel (z.B.: wie bei Schnalzlauten/’clicks’) gebil-det werden.

Folgenden Konsonanten werden den beiden Gruppen zugeordnet:

- pulmonale Konsonanten: Plosiv, Nasal, Vibrant, Getippt/Geschlagen, Frikativ, Lateral-Frikativ, Approximant, Lateral(-Approximant)
- nicht-pulmonale Konsonanten: Click, Implosiv, Ejektiv

Die Artikulierenden Organe werden wie folgt unterschieden:

labial: Unterlippe

apikal: Zungenspitze

laminal: Zungenblatt

sublaminal: Unterseite des Zungenblatts

koronal: apikal, laminal, sublaminal

prädorsal: vorderer Zungenrücken

postdorsal: hinterer Zungenrücken

uvular: Zäpfchen

radikal/pharyngal: Zungenwurzel/Rachen

epiglottal: Kehldeckel

glottal: Stimmlippen

Artikulationsstellen sind:

labial: Oberlippe

dental: Zähne

alveolar: Zahndamm

postalveolar: zwischen Alveolan und Palatum

palatal: harter Gaumen

velar: weicher Gaumen

uvular: Zäpfchen

pharyngal: hintere Rachenwand

epiglottal: Kehldeckel

glottal: Stimmlippen

Beim IPA werden die pulmonalen Konsonanten zeilenweise nach ihrem Artikulationsmodus geordnet. Die Artikulationsstellen werden über die Spalten systematisiert. Dabei werden links die stimmlosen mit geöffnetem Glottis und rechts die stimmhaften mit schwingenden Stimmlippen aufgelistet.

Plosive

Der Plosiv auch Verschlusslaut genannt wird durch einen zweiteiligen totalen ora- len Verschluss im Bereich zwischen den Stimmlippen [?] (glottal) und den Lip- pen [p/b] gebildet. Das Velum befindet sich in einer neutralen gehobenen Position - der Nasenraum ist also ebenfalls verschlossen. Die charakteristische Formantbewegung entsteht durch den Verschluss des Ansatzrohres nach zB einem vorausgegangen Vokal mit offenem Ansatzrohr. Das Geräusch (’burst’), dass bei der Verschlusslösung für einen Folgevokal auftritt, ist der wichtigste Hinweis für den Hörer zur Identifizierung des Plosivs.

Die folgende Abbildung zeigt die Artikulationsstellen, die zur Bildung von Plosi- ven sowie den folgenden konsonantischen Modi nötig sind. Im Deutschen wie in

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.1: Sagitales Schema der artikulatorischen Konstellationen zur Konsonantenproduktion[2]

anderen Sprachen kommen Plosive bilabial [p/b] artikuliert vor, wären aber auch labiodental möglich. Die Koronallaute, welche mit der Zungenspitze (apikal) oder mit dem Zungenblatt (laminal) gebildet werden und sind zur Bildung von denta- len, alveolaren Plosiven nötig. Bei den meisten Sprachen macht das jedoch keinen Bedeutungsunterschied. Ebenso gehören die mit zurückgebogener Zungenspitze (apikal) bzw. der Unterseite des Zungenblatts (sublaminal) gebildeten retroflexen Plosive zu der Klasse der Koronallaute. Eine Kombination der Artikulationsstellen und des artikulierenden Organs ist möglich und wird mit dem Merkmal Anterio- rität bezeichnet und kann die Werte dental, alveolar und postalveolar annehmen.

Am weichen Gaumen (velar) werden mit dem Zungenrücken die dorso-velaren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.2: Die Plosive und ihre Transkriptionszeichen[2]

Plosive [k,g] gebildet. Mit dem muskulären Zäpfchenfortsatz werden die uvularen Plosive [q,G] gebildet. Der epiglotale Plosiv wird tiefer im Ansatzrohr gebildet. Der Kehlkopfverschlusslaut wird über die glottale Artikulationsstelle gebildet, die zwar nicht im Deutschen, aber in vielen anderen Sprachen einen distinktiven Laut darstellt.

Der Stimmbeteiligungsparameter kann grundsätzlich stimmlos und stimmhaft sein. Es gibt jedoch noch weitere Feinabstimmungen, die sich durch den Zeitpunkt der Verschlussbildung in Bezug zur Glottisöffnungsbewegung unterscheiden. Dabei wird zwischen einfachen stimmlosen - und stimmlos aspirierten- Plosiven unter- schieden. Bei letzterem fällt der Zeitpunkt der maximalen Glottisöffnung mit dem Zeitpunkt der oralen Verschlusslösung zusammen. Des weiteren gibt es noch 2 Kategorien, nämlich die präaspirierten Plosive, bei denen der glottale Öffnungs- grad, der die Stimmlippenschwingung verhindern soll, schon vor der oralen Ver- schlussbildung erreicht wird. Zweitens gibt es die stimmhaft aspirierten (bzw. ’be- hauchten’) Plosive, bei denen der Folgevokal behaucht wird.

Nasale

Wie bei den Plosiven ist bei den Nasalen der totale orale Verschluss charakte- ristisch. Allerdings wird über die Absenkung des Gaumensegels noch der Na- senraum als Resonanzraum genutzt. Diese Absenkung des Velums ist im For- mantspektrum als klar abgegrenzte Phase mit niederen Frequenzkomponenten zu erkennen. Durch die Anhebung des Velums beim Verschluss des Nasenraums kommt es am Ende des Nasals zu einer relativ abrupten Änderung des akustischen Signals.

Im Deutschen sind die Nasale mit bilabialer, alveolarer und velarer sowie bei

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.3: Die Nasale und ihre Transkriptionszeichen[2]

fließender Rede auch mit labiodentalen Artikulationsstellen verbreitet. Im Französischen und Italienischen gibt es auch den palatalen Nasal und im Margani, einer australischen Sprache, gibt es retroflexive Nasale. Im Japanischen kommen zusätzlich uvulare Nasale vor.

In den meisten Sprachen sind Nasale stimmhaft. Ausnahmen werden durch einen Punkt gekennzeichnet.

Vibranten

Vibranten (’Trills’) sind gerollte Laute und werden durch kurze, aufeinanderfol- gende, unterbrochene orale Verschlüsse gebildet. Der Nasenraum ist dabei ge- schlossen. Durch die komplizierte Bildungsart (nämlich eine Wechselwirkung zwi- schen einem elastischem Artikulator und dem pulmonalen Luftstrom) sind die Artikulatorkonstellationen sehr eingeschränkt. Außer in einigen Papua-Sprachen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.4: Die Vibranten und ihre Transkriptionszeichen[2]

kommt der bilabiale Trill kaum vor, außer bei Realisationsvarianten wie zum Beispiel dem „brr“ eines Kutschers. Der alveolare Trill ist am ehesten aus der deutschen Bühnensprache bekannt. Als letzten gerollten Laut gibt es noch den uvularen Trill, der durch das gerollte Zäpfchen gebildet wird.

Die seltenen stimmlosen Varianten der Vibranten werden wie bei den Nasalen durch Subskrition bzw. Superskription gekennzeichnet.

Getippte und Geschlagene (’Taps’/’Flaps’)

Die Artikulation der getippten und geschlagenen Laute wird wie bei den Nasalen durch einen totalen oralen Verschluss bei gleichzeitigem Verschluss des Nasen- raums gebildet, wobei der orale Verschluss von extrem kurzer Dauer ist und durch Antippen der Zungenspitze an die Artikulationsstelle (eine schlagförmige Bewe- gung) der Laut erzeugt wird. Sie treten meist alveolar oder retroflexiv auf und sind dabei häufig Realisationsvarianten der entsprechenden homorganen Plosive oder Trills.

Frikative

Um Frikative zu produzieren, wird in der Mitte des Ansatzrohres artikulatorisch eine Enge gebildet, wodurch ein hoher Luftstrom eine Turbulenz bildet und damit zum charakteristischen Geräusch führt. Die Länge und die Form des restlichen Ansatzrohres bis zu den Lippen bestimmen die Tonhöhe der untersten Frequenz im Spektrum des Schallsignals. Werden zum Beispiel die Spektren der im oralen Raum gebildeten Frikative des Deutschen (alveolar, alveopalatal, palatal, velar und uvular) betrachtet, so hat der alveolare Frikativ die höchste unterste Frequenz und der velar/uvulare Frikativ die tiefste.

Da Frikative artikulatorisch die größte Ausdifferenzierung haben, werden sie in

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.5: Die Frikative und ihre Transkriptionszeichen[2]

den meisten Sprachen der Welt für bedeutungsunterscheidende Oppositionen benutzt. Eine Ausnahme bilden das Hawaiianische und viele Aborigines-Sprachen Australiens, die keine Frikative enthalten.

Der bilabiale stimmlose Frikativ [Φ] und der stimmhafte Frikativ [β ] kommen im Deutschen nicht vor, außer der letztere intervokalisch als Variante des stimm- haften Plosivs [b], z.B. in „aber“. Die labiodental gebildeten Frikative [f] und [v] kommen im Deutschen beispielsweise bei „Fisch“ (stimmlos) und „wisch“ (stimmhaft) vor. Der dentale Frikativ (nichtlabial) ist im Englischen sowohl stimm- los [θ ] als auch stimmhaft [ð] als „th“, sowie im Spanischen z.B. bei „dedo“ (auf dem zentralen d) vertreten.

Die apikal und laminal gebildeten Koronallaute werden wieder wie bei den Plosiven nach dem artikulierenden Organ und der Artikulationsstelle und nach dem akustisch, auditiven Merkmals ’sibilant’ unterschieden. Die meisten Sprachen verwenden einen koronalen Frikativ mit meist [s/z] oder zwei koronale Frikative mit meist [s/z] und die postalveolaren (zB „Garage“).

Zu der Gruppe der Sibilanten gehören die vorher erwähnten alveolaren, postal- veolar und retroflexen Frikative sowie die alveolopalatelen Frikative [ç,z], die mit längs gerillter Zunge produziert werden. Der palatale stimmlose Frikativ wird im Deutschen auch der „Ich“-Laut genannt, wogegen die stimmhafte Variante zB im Schwedischen vorkommt.

Die velaren [x] und uvularen [χ] Frikative sind aus dem Deutschen von z.B. „Ach“-Laut bekannt. Die stimmhaften Varianten der beiden Frikative sind in Margi (eine afro-asiatische Sprache) für ersteren und der norddeutschen Aussprache von ’r’ (z.B. Ruhe) für den zweiten bekannt.

Die pharyngal, epiglottalen und glottalen Frikative kommen in einem Dialekt des Hebräischen, in einer daghestanischen Kaukasussprache und letzterer zur Produktion von Turbulenzgeräuschen vor.

Laterale Frikative

Bei Lateralen Frikativen wird die geräuschverursachende Enge nicht im Längszentrum des Ansatzrohres gebildet, sondern seitlich bei zentralem Verschluss. In der IPA-Tabelle gibt es nur die alveolaren Frikative an, obwohl diese Frikative auch an anderen Stellen des Ansatzrohres gebildet werden könnten. Die stimmloses- [l] und stimmhafte Ausprägung dieses Frikativs sind vor allem in afrikanischen Sprachen bedeutungsunterscheidend.

Approximanten

Approximanten gehören zu der Klasse der Vokoide, da sie vokalähnliche Eigen- schaften haben, nämlich die durchgängige Stimmhaftigkeit.

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Details

Seiten
31
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638383776
ISBN (Buch)
9783638706025
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39658
Institution / Hochschule
Universität Salzburg – Fachbereich Linguistik
Note
1
Schlagworte
Vergleich Deutsch Spanisch Sprachen Welt

Autor

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Titel: Eine Einführung in die Phonetik