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Bernhard von Clairvaux und die Entstehung des Templerordens

Hausarbeit 2004 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
Die “Bernhardinische Epoche“

II. Hauptteil
1. Die Gründung des Templerordens – Die Zeit vor dem Konzil von Troyes
2. Das Konzil von Troyes 1129 und die Regel des Templerordens
3. De laude novae militiae

III. Schlussbetrachtung
Bernhards Motivationsgedanken und die Auswirkungen seines Engagements auf den Templerorden

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die “Bernhardinische Epoche“

Bernhard von Clairvaux. Man kann ihn wohl als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Mittelalters bezeichnen. Wie kaum ein anderer prägte er seine Zeit, die von 1090 bis 1153 reichte, durch theologische, politische und mystische Schriften. Durch seine Leidenschaftlichkeit, sein besonderes Charisma und die Fähigkeit, seine körperliche Hülle in mystischer Meditation verlassen und sich so einen Einblick auf das göttliche Schaffen erhaschen zu können, muss er wohl viele Menschen in seinen Bann gezogen haben. Nicht umsonst wurde er bereits im Jahre 1174 von Papst Alexander III. heilig gesprochen und galt ab 1830 als “Doctor ecclesiae“, als Papst Pius VIII. ihm diesen Titel verlieh.[1]

In dem Begriff, “Bernhardinische Epoche“[2], den Dinzelbacher verwendete, um die Zeitspanne von Bernhards Wirken zu kennzeichnen, spiegelt sich wohl am besten, wie bedeutend sich die Person und das Schaffen des Abtes von Clairvaux auf das Hochmittelalter ausgewirkt haben muss.

Das Hochmittelalter war dann auch eine Zeit des politischen, theologischen, militärischen und sozio- und ideologischen Umbruchs. In dieser Arbeit jedoch soll der soziologische Aspekt aufgrund der geringen Relevanz im Hinblick auf das Thema nicht weiter in Betracht gezogen werden. Die drei vorangegangenen Gesichtspunkte aber sollen in dieser Einleitung näher beleuchtet werden, um den historischen Kontext besser eingrenzen zu können. Umschreiben und illustrieren lassen sie sich mit Ereignissen des 11. und 12. Jahrhunderts, wie dem Ende des Investiturstreits 1122, wobei Papst und Kaiser im Wormser Konkordat versöhnt wurden, die cluniazensische Reformbewegung[3], die die monastischen Lebensformen erneuern und ihren ursprünglichen, streng asketischen Charakter wieder herstellen sollte, und das Papstschisma von 1130 zwischen Anaklet und Innozenz II. Darüber hinaus war jener, von beträchtlichen Veränderungen gezeichneter, Zeitabschnitt auch maßgebend für das Aufkommen von häretischen Gruppierungen, wie beispielsweise den Waldensern, Albigensern oder Katharern, und später ebenfalls für die verheerenden Kreuzzüge gegen jene Irrgläubigen.

Um dieser heiklen Angelegenheit entgegen zu wirken, sah man sich von Seiten der Kirche verpflichtet, den Kampf gegen die Andersgläubigen, die jedoch im Vorhinein Christen gewesen waren und lediglich in ihrer Unwissenheit Irrlehren anheim gefallen waren, zu legitimieren. Doch schon etliche Jahre zuvor, beim 1. Kreuzzug 1096, hatten die Kirchengelehrten den Krieg gegen die “Ungläubigen“ durch die Bibeltexte des heiligen Paulus[4] zu rechtfertigen versucht.

Die Polemik, die seit der Gründung des Templerordens, des ersten geistlichen Ordens, der sowohl mönchische Lebensformen vertrat, als auch das Waffenhandwerk ausübte und somit zwei unvereinbare, strikt getrennte Stände des Mittelalters - den der Betenden und den der Kämpfenden – in einer Symbiose zu vereinen suchte, wieder aufkam, schien zu bestätigen, dass die Verwirklichung der allegorischen Gestalt des miles christianus [5] noch nicht als konkrete Form ausgereift war[6] und einer Legitimierung, ja, man könnte sogar von einer Art Doktrin sprechen, bedurfte. Hierzu trat nun Bernhard von Clairvaux auf, der in seiner Schrift Ad milites Templi. De laude novae militiae den jungen Orden mit allen Künsten der Rhetorik gegen die Zweifler und Kritiker der Gemeinschaft verteidigte.

Im Anschluss an diese Einleitung werden in den folgenden Abschnitten die Entstehung des Templerordens, das Konzil von Troyes und die bernhardinische Schrift, Ad milites Templi. De laude novae militiae, auf der das Hauptgewicht dieser Arbeit liegen soll, näher betrachtet werden. Abschließend, im letzten Punkt, soll versucht werden zu beleuchten, aus welchen Gründen der Abt von Clairvaux den Orden verteidigte, wie sein plötzlicher Seitenwechsel, vom ehemaligen Antimilitaristen zum Verfechter des Gotteskriegers und im Nachhinein sogar zum leidenschaftlichen Kreuzzugsprediger, zu erklären ist und welche Auswirkungen seine Schriften im Nachhinein auf den Orden haben sollten.

II. Hauptteil

1. Die Gründung des Templerordens – Die Zeit vor dem Konzil von Troyes

Im Jahre 1099, am 15. Juli, wurde Jerusalem von den Kreuzrittern des 1. Kreuzzuges eingenommen. Auch nach der Unterwerfung der Stadt und der damit angründenden Herrschaft der Christen im Orient, versiegte die Zahl der Übergriffe der Sarazenen auf Pilger und Reisende aus dem Abendland nicht. Nein, die Überfälle vermehrten sich sogar, da die Pilgerfahrten ins Heilige Land nach der Eroberung Jerusalems stetig an Zuwachs fanden. Die Menschen wähnten sich in Sicherheit, es schien ihnen nun endlich möglich, die ehemals durch die Heiden besetzten heiligen Stätten besuchen zu können[7]. Bis auf einige befestigte Städte im Heiligen Land wurde den Einreisenden aus dem Westen jedoch auf den Landstraßen keinerlei Schutz geboten. Mehrmals kam es daher zu Überfällen, bei denen die Christen nicht selten den Tod fanden. Dazu muss man auch beifügen, dass die Ritter des ersten Kreuzzuges nach Einlösung ihres Schwures, Jerusalem aus heidnischer Hand zu befreien und die christlichen Kultstätten zu sehen, wieder nach Europa zu ihren Familien und Besitztümern zurückkehrten. Dem Heiligen Land fehlte es dadurch natürlich an Verteidigern. Der stets drohenden Gefahr daher musste entgegen gesetzt werden.

Aus diesem Grund, um 1120, trafen einige Ritter den Entschluss, die Pilgerwege unter Waffengebrauch zu beschützen und zu sichern. Eine Art Brüderschaft entstand, deren Initiator und erstes Oberhaupt Hugo von Payens (Hugues de Payens, Hugo de Paganis) aus der Champagne war. Die Legende will, dass es neun Gründungsmitglieder gewesen sein sollen. Jedoch handelt es sich hierbei wohl mehr um eine mystische, idealisierte, denn eine wahre, historisch zutreffende Zahl.

Die Motivation, den Pilgern Geleitschutz zu bieten, wurde, wie es für ähnliche Verbindungen im Mittelalter üblich war, mit einer religiösen Lebensart verbunden. Die Ritter schworen dem Patriarchen von Jerusalem das Einhalten der drei Mönchsgelübde: Armut, Gehorsam und Keuschheit. Balduin II., der Herrscher über das Königreich Jerusalem, versicherte ihnen daraufhin Grundbesitz, Einkünfte im Land und einen Teil der Al Acqsa-Moschee im Tempelbezirk Jerusalems, wo einst der Tempel Salomos gestanden hatte. Aus diesem primären Sitz des Templerordens ging später auch ihr Name hervor[8].

Eigentlich war das Vorhaben der Templer für fromme Ritter recht vorbildlich. Nun geschah es aber, dass erste Kritiken an dem neuen Orden nicht ausblieben. Wie schon seit jeher im eher konservativ geneigten Mittelalter Innovationen zunächst mit Skepsis oder Missbilligung betrachtet wurden, so mussten auch die Templer zuerst einmal Einwände, zumeist von Seiten der Geistlichen, über sich ergehen lassen: wie konnte man zwei unterschiedliche Stände, den der Betenden und den der Kämpfenden, miteinander verbinden? War dies nicht eine Anmaßung? Konnte dieser Männerbund, der zwar monastische Formen annahm, aber auch militärisch auftreten wollte, überhaupt als kirchliche Institution angesehen werden? Wie sollte man erklären, dass nun auch Geistliche zu den Waffen griffen[9] ?

Die Templer selbst zweifelten ebenfalls hinsichtlich ihrer wahren Bestimmung. Konnten sie überhaupt die beiden eigentlich widersprüchlichen Dienste des Geistliche und des Ritters miteinander vereinen, ohne den einen oder den anderen zu vernachlässigen? Hatten sie Gottes Segen und Beihilfe für ihr Obliegen? War die spirituelle Qualität ihres Engagements gesichert?

Hugo de Payens sollte aus diesen Gründen die von ihm in den Grundzügen entwickelte Ordensregel, die wohl praktische Anweisungen aus der Erfahrung der ersten Jahre des Ordens in Jerusalem beinhaltete[10], von Papst Honorius II. bestätigen lassen. Auch sollten damit Organisationsprobleme, die bei der Ausdehnung des Ordens auftreten würden, wie beispielsweise der logistische Aufbau von Unterstützungen (Kommenden) im Abendland, um Unternehmungen des Ordens finanzieren zu können, beseitigt werden[11].

Die Reise Hugos mit einigen Gefährten[12] in den Okzident fand um etwa 1127 statt und begann zunächst auf Anweisung Balduins II. mit der Werbung neuer Mitglieder[13] für den noch jungen Orden in Frankreich, Flandern, England und womöglich auch in Schottland[14]. Der Herrscher versprach sich durch diese Maßnahme neue Streitkräfte im Heiligen Land, denn christliche Streitkräfte waren zu jenem Zeitpunkt rar. Bei Hugos Reisen wurden außerdem Schenkungen entgegengenommen. Doch die Anzahl dieser Schenkungen und der neu geworbenen Ordensmitglieder war im Vergleich zu derjenigen der folgenden Jahre, nach dem Konzil von Troyes und Bernhard von Clairvaux' Schreiben De laude novae militiae, gering.

[...]


[1] Bautz, Friedrich W., Bernhard von Clairvaux, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 1, Hamm 1990, S. 532.

[2] Dinzelbacher, Peter, Die “Bernhardinische Epoche“ als Achsenzeit der europäischen Geschichte, in: Bauer, Dieter R., Fuchs, Gotthard (Hrsg.), Bernhard von Clairvaux und der Beginn der Moderne, Innsbruck, Wien 1996, S. 9.

[3] Vertreten durch den Cluniazenser-, Zisterzienser- und Prämonstratenserorden.

[4] Eph 6,1-7; 2Tim 2,1-13.

[5] Der Begriff wurde zu der Zeit lediglich im Mönchtum im übertragenen Sinn gebraucht.

[6] Auch die treuga und die Pax Dei, die die Kleriker dem profanen Rittertum zur Minderung ihrer Kampfeslust entgegengesetzt hatten, hatten nicht den gewünschten Erfolg erzielen können.

[7] Vgl. Bulst-Thiele, Marie L., Die Anfänge des Templerordens. Bernhard von Clairvaux. Cîteaux., in: ZKG 104 (1993), S. 312.

[8] Vgl. Dinzelbacher, Bernhard, S. 114-115.

[9] Im Mittelalter soll es tatsächlich in Ausnahmeerscheinungen kämpfende Mönche gegeben haben, doch waren diese im Allgemeinen verpönt gewesen. Dinzelbacher, Bernhard, S. 118.

[10] Dinzelbacher, Bernhard, S. 116.

[11] Demurger, Alain, Die Templer, Aufstieg und Niedergang, deutsche Ausgabe, München 1997, S.37-38.

[12] Es sollen fünf gewesen sein, siehe: Demurger, Die Templer, S.25 u. S. 37.

[13] Demurger, Die Templer, S.38; Bulst-Thiele, Anfänge des Templerordens, S. 314.

[14] Vgl. Dinzelbacher, Bernhard, S. 115; Hiestand, Rudolf, Kardinalbischof Matthäus von Albano, das Konzil von Troyes und die Entstehung des Templerordens, in: ZKG 99 (1988), S. 309.

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638383684
ISBN (Buch)
9783638782142
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39649
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,3 (Sehr gut)
Schlagworte
Bernhard Clairvaux Entstehung Templerordens Zeit

Autor

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Titel: Bernhard von Clairvaux und die Entstehung des Templerordens