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Panem et Circensis - Caligulas Beziehungen zu Volk und Militär

Hausarbeit 2000 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

I. Der Beginn des Principats (37)
1. Die Erwartungen des Volkes und Militärs gegenüber Caligula
2. Maßnahmen Caligulas zu Beginn seiner Regierungszeit

II. Brot und Spiele fürs Volk (37/38)

III. Refinanzierungsmaßnahmen und Ende des Principats (39-41)

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Caligula? War das nicht der, der sein Pferd zum Konsul machen wollte?“. Diese oder ähnliche Antworten würde man wohl bekommen, wenn man in der Bevölkerung nach Assoziationen zu dem römischen Herrscher des 1. Jahrhunderts fragt. Gaius Iulius Caesar Germanicus, Caligula genannt[1], ging als der verrückteste Herrscher Roms in die Geschichte ein. Wenn er heutzutage überhaupt einmal ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wird, was aufgrund seiner kurzen Regierung von nicht einmal vier Jahren[2] nicht sehr oft passiert, wird im allgemeinen nur auf die berühmten Skurilitäten verwiesen.

Dieses Phänomen wird nicht zuletzt durch die antiken Quellen gespeist. Die Quellenlage ist zum einen davon bestimmt, daß nicht sehr viele antike Quellen über die Regierung des Caligula existieren (so sind z.B. die Bücher der Taccitus Annalen über diese Zeitepoche verlorengegangen) und zum anderen davon, daß die existierenden Quellen, hier wären vornehmlich Cassius Dio, Sueton, Philo und Flavius Josephus zu nennen, sich in einem nicht unerheblichen Maß chronologisch und inhaltlich widersprechen. All diesen Quellen ist indes gemeinsam, daß sie der Person des Caligula sehr kritisch gegenüber stehen.

Die historische Forschung hat an dem Thema Caligula bisher relativ wenig Interesse gezeigt. Häufig wird Caligula im Zusammenhang mit Augustus am Rande behandelt. Die oben skizzierte problematische Quellenlage mag ein Grund hierfür sein. Die Forschung zeichnet insgesamt ein sehr uneinheitliches Bild von Caligula. Die Bewertung geht , ausgehend von der problematischen Quellenlage, von einer völlig unreflektierten Übernahme der Quellen (z.B. Ferrill[3]) bis zu einem radikalen Quellenrevisionismus (z.B. Willrich[4]).

Wenn man bedenkt, daß die antiken Quellen weitestgehend auf Berichte von Senatoren zurückgehen, ist es nicht schwer festzustellen, daß zwischen Caligula und dem Senat zum Ende hin große Spannungen bestanden, die sich in den Quellen Bahn brechen. Auf diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach den Beziehungen zwischen Caligula und dem Volk bzw. Militär an Bedeutung. War Caligulas Verhalten gegenüber diesen beiden gesellschaftlichen Gruppen wirklich so irrational, wie es die Quellen teilweise nahelegen oder sind die Darstellungen durch den oben genannten Konflikt Caligulas mit dem Adel verzerrt? Und war er am Ende seiner Regentschaft wirklich auch beim Volk und Militär verhaßt[5] ?

Diese Fragen zu beantworten soll im Folgenden versucht werden.

Bei der Untersuchung von Caligulas Verhältnis zum Militär soll der Schwerpunkt auf die Prätorianer und die germanische Leibwache gelegt werden, da diese Einheiten, in Rom stationiert, vor allem einen entscheidenden Einfluß auf die Stellung des Kaisers in Rom hatten[6].

Beim Militär muß man zwischen den hohen Offizieren, die aus dem Adel (die Befehlshabern waren meist Senatoren) stammten, und den einfachen Soldaten und niedrigen Offiziersrängen, die sich aus der römischen und provinzialen Bürgerschaft rekrutierten, unterscheiden[7]. Ausschließlich auf die zweite Gruppe hingegen ist z.B. das Auftreten des Kaisers, die Behandlung bzw. Aufmerksamkeit, die der Kaiser bei öffentlichen Anlässen den Soldaten schenkte, zu untersuchen.

Unter „Volk“ ist im weiteren Verlauf der Untersuchung die plebs Romana zu verstehen, also nicht die Provinzbevölkerung.

Dem Umstand, daß die antiken Quellen gegen Caligula voreingenommen berichten, soll Rechnung getragen werden, indem sie kritisch und vor allem vergleichend gelesen werden und im Zweifel derjenigen gefolgt wird, die von einem rationalen Verhalten Caligulas berichtet.

I. Der Beginn des Principats (37)

1. Die Erwartungen des Volkes und Militärs gegenüber Caligula

Als Caligula am 18. März 37 zum Imperator ernannt wurde[8], war über ihn im Volk kaum etwas bekannt. Dies lag vor allem daran, daß Caligula durch seinen Aufenthalt auf Capri kaum Gelegenheit hatte, sich bekannt zu machen. Caligula konnte, was die Einstellung bei Volk und Militär zu ihm anging, von dem guten Ruf seines Vaters Germanicus, der vor allem bedeutsam war, wenn man bedenkt, wie wichtig für die Römer die Familienehre war, profitieren. Zusätzlich erleichterte Caligula der Haß des Volkes auf seinen Vorgänger Tiberius den Start seiner Regierung. Da Caligula Mitglied einer Familie war, die bekannterweise ebenfalls mit Tiberius verfeindet war, wurde ihm schon dies positiv angerechnet. Außerdem verschaffte ihm die Freude des Volkes, Tiberius los zu sein, einen Kredit für den Regierungsstart.

Da Germanicus auch bei den Soldaten ein hohes Ansehen genoß, verhalf ihm dieser Umstand auch beim Militär zu einem gewissen Sympathievorschuß. Weiter konnte er davon profitieren, daß er aus seiner Kindheit, die er größtenteils in Soldatenlagern verbrachte, bei den Soldaten noch immer beliebt war. Entschiedenster Ausdruck dieser Beliebtheit war sein Spitzname Gruppe bezieht sich die nachfolgende Erörterung.

Die Beziehungen Caligulas zu Volk und Militär können dabei auf zwei Ebenen analysiert werden: der materiellen und der informellen.

Auf der materiellen Ebene sind dabei z.B. die frumentationes[9], congiaria[10], Steuersetzung etc. (Volk), beim Militär vor allem die Vergabe der donative[11] und Höhe des stipendiums[12] zu beachten. Auf der informellen Ebene „Caligula“(Soldatenstiefelchen), den ihm damals die Soldaten gaben, weil er im Soldatenlager gekleidet wie ein Soldat herumlief[13].

[...]


[1] Im Text zuckünftig Caligula genannt.

[2] Linnert, U., Beiträge zur Geschichte Caligulas, Jena 1908, Seite 89-99.

[3] Yavetz, Zvi, Caligula. Imperial Madness and Modern Historiography, in: Klio 78 (1996), Seite 113.

[4] Yavetz, Caligula, Seite 108.

[5] Dio 59, 30, 1a.

[6] Campbell, J.B., The Emperor and the Roman Army, 31BC-AD235, Oxford, London, Glasgow u.a., 1984, Seite 71

[7] Flaig, Den Kaiser herausfordern: Die Usurpation im Römischen Reich, Frankfurt/Main, New York, 1992, Seite 146ff., 154, 506f..

[8] Linnert, Geschichte Caligulas, Jena 1908, Seite 89.

[9] Gilbert, Rolf, Die Beziehungen zwischen Princeps und stadtrömischer Plebs im frühen Principat, Inauguraldiss., Bochum 1973, Seite 50 – 58.

[10] Gilbert, Princeps und stadtrömische Plebs, Seite 59 – 63.

[11] Flaig, Den Kaiser herausfordern, Seite 451 – 461.

[12] Flaig, Den Kaiser herausfordern, Seite 160.

[13] Suet. Cal. 13.

Details

Seiten
17
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638124652
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3962
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Fakultät für Geschichtswissenschaft und Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
Panem Circensis Caligulas Beziehungen Volk Militär Grundkurs Politik Gesellschaft Zeit Kaisers Caligula

Autor

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