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Esskultur. USA vs. Deutschland

Eine kontrastive Untersuchung

von Anja Borchmann (Autor) Corinna Kämpfer (Autor)

Bachelorarbeit 2005 200 Seiten

Amerikanistik - Kultur und Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Amerikanische und Deutsche Küche – regionale Vielfalt
1.1 Die US-Küche
1.1.1 Die Anfänge der amerikanischen Esskultur
1.1.2 Englischer Einfluss
1.1.3 Afrikanischer Einfluss
1.1.4 Deutscher Einfluss
1.1.5 Italienischer Einfluss
1.1.6 Französischer Einfluss
1.1.7 Asiatischer Einfluss
1.1.8 Fast Food – Amerikas Esskultur?
1.2 Die Deutsche Küche
1.2.1 Schleswig-Holstein und Hamburg
1.2.2 Mecklenburg-Vorpommern
1.2.3 Bremen und Niedersachsen
1.2.4 Berlin und Brandenburg
1.2.5 Nordrhein-Westfalen
1.2.6 Sachsen und Sachsen-Anhalt
1.2.7 Thüringen
1.2.8 Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland
1.2.9 Baden-Württemberg
1.2.10 Bayern

2. Mahlzeiten
2.1 Frühstück versus Breakfast
2.2 Brunch
2.3 Mittagessen versus Lunch
2.4 Abendessen versus Dinner
2.5 Zwischenmahlzeiten
2.6 Süßigkeiten

3. Feiertagsmenü
3.1 Gemeinsamkeiten
3.1.1 Ostern
3.1.2 Weihnachten
3.1.3 Silvester
3.2 Amerikanische Feiertage
3.2.1 Independence Day
3.2.2 St. Patrick’s Day
3.2.3 Thanksgiving
3.3 Deutsche Feste
3.3.1Oktoberfest
3.3.2 Karneval

4. Trinkgewohnheiten
4.1 Nichtalkoholische Getränke
4.1.1 Die Kaffeekultur
4.1.2 Exkurs: Becherhalter – eine typisch amerikanische Erfindung
4.2 Alkoholische Getränke
4.2.1 Rechtslage in den USA
4.2.2 Rechtslage in Deutschland
4.2.3 Besonderheiten

5. Restaurantbesuch
5.1 Restaurants in Amerika
5.1.1 Diner
5.1.2 Restaurantketten
5.1.3 Delis
5.2 Besonderheiten
5.3 Exkurs: Messer und Gabel oder Finger?
5.3.1 Die Geschichte des Essbestecks
5.3.2 Gebrauch des Essbestecks in Amerika
5.3.3 Finger Food

6. Fast Food
6.1 Fast Food – wie es dazu kam
6.2 Fast Food in America versus Fast Food in Deutschland
6.3 Drive-In, Drive-Thru, Drive-Up
6.4 Fast Food – die Nachteile
6.5 Gegeninitiativen

7. Gesundheit
7.1 Übergewicht – die Fakten
7.2 Politische Maßnahmen
7.3 Diät
7.4 Ernährungsrichtlinien
7.5 Sport

Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Anhang
A: Anschreiben
B: Fragebögen
C: Statistische Auswertung

Selbstständigkeitserklärung

Einleitung

Im Jahr 2004 behauptete sich der Amerikaner Morgan Spurlock mit seinem Dokumentarfilm „Super Size Me“ wochenlang an den Kinokassen auf der ganzen Welt. Spurlock geht der Frage nach: „Warum sind Amerikaner so fett?“

Er dokumentiert einen Selbstversuch: 30 Tage lang kein anderes Essen als Fast Food von einer der berühmtesten Fast-Food-Ketten der Welt. Die Folgen sind erschreckend: eine Gewichtszunahme von 25 Pfund, steigende Cholesterinwerte, Leberprobleme sowie fatale Blutwerte.

Wir haben die Oscar-nominierte Film-Dokumentation „Super Size Me“ als Anregung genommen, eine Arbeit über das allgegenwärtige Thema „Essen und Trinken“ zu verfassen.

Es soll versucht werden, die amerikanische und deutsche Esskultur aus einem kulturvergleichenden Blickwinkel zu betrachten, Unterschiede aufzuzeigen und somit etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen.

Gerade die amerikanischen Essgewohnheiten, wie sie in den Medien dargestellt werden, bewirken häufig „kulinarische Stereotype“: Sind Amerikaner wirklich alle übergewichtig und ernähren sich Deutsche tatsächlich gesünder? Was ist Fast Food eigentlich genau und warum wird es gegessen? Was ist charakteristisch für die deutsche und die amerikanische Küche und in wie weit beeinflussen sich die amerikanischen und deutschen Ess- und Trinkgewohnheiten gegenseitig?

Mit den Antworten zu diesen und weiteren Fragen richten wir uns in der vorliegenden Arbeit in erster Linie an Personen, die einen Aufenthalt in den USA planen und sich auf die dortige Kultur vorbereiten möchten.

Gerade in der heutigen Zeit ist ein Auslandsaufenthalt von grundlegender Bedeutung. Viele Jugendliche und Studenten nehmen die Chance wahr, für einige Zeit ins Ausland zu gehen, sei es für einen Schüleraustausch oder einen Studienaufenthalt, für ein Aupair-Jahr oder ein Praktikum.

Diese Arbeit gilt aber auch als kultureller Leitfaden für Interessenten jeder Altersstufe, die sich mit den Lebensweisen und Eigenarten beider Nationen in Bezug auf Ernährung auseinandersetzen und einen ersten Eindruck gewinnen möchten.

Der Vergleich von deutschen und US-amerikanischen Ess- und Trinkgewohnheiten soll an Hand einer Befragung von Deutschen im Alter von 16 - 30 Jahren geschehen. Hierbei legen wir uns auf zwei Zielgruppen fest: Einerseits werden Personen befragt, die bereits für eine längere Zeit in einer Gastfamilie in den USA gelebt haben und so deren „typisch amerikanische“ Gewohnheiten beobachten konnten und andererseits - um die „typisch deutschen“ Essgewohnheiten und kulinarischen Gegensätze zu den USA herauszufinden - werden Personen befragt, die Interesse für einen längeren USA-Aufenthalt zeigen, bisher aber noch nie dort waren.

So sollen mit dieser Arbeit zum einen die Ernährungsgewohnheiten der befragten Personen betrachtet und vorgestellt werden und zum anderen soll versucht werden, generelle Parallelen und Unterschiede der Ess- und Trinkgewohnheiten in den USA und Deutschland aufzuzeigen.

Anmerkungen

Wir stützen uns in dieser Arbeit größtenteils auf persönliche Meinungen und interessante Erfahrungsberichte von Deutschen, die einige Zeit in den USA gelebt haben, belegen dies allerdings auch meist mit Meinungen und Darlegungen von Spezialisten. Um Hintergrundinformationen zum Thema liefern zu können, haben wir des Weiteren vorwiegend Internetquellen auf Grund ihrer Aktualität verwendet.

Zudem bringen wir unsere eigenen Beobachtungen und Erfahrungen mit ein, da wir die US-amerikanische Esskultur durch die Teilnahme an einem Aupair-Programm selber erleben und kennen lernen durften - was uns letztendlich auch dazu bewog, einen Vergleich über die USA und Deutschland zu schreiben.

Der vorgegebene Umfang dieser Bachelor-Arbeit ermöglichte es uns leider nicht, bei einigen Themen weiter ins Detail zu gehen. Wir haben uns bemüht, einen Großteil der wesentlichen Bereiche zum Thema „Essen und Trinken in den USA und Deutschland“ abzudecken und auf diese Weise eine möglichst weite Bandbreite von Informationen zu vermitteln.

Des Weiteren ist anzumerken, dass aus Gründen der Vereinfachung die Begriffe „Amerikaner“, „amerikanisch“ und „Amerika“ gewählt werden, wenn es sich um „US-Amerikaner“, „US-amerikanisch“ und „USA“ handelt. Mit den „Vereinigten Staaten“ sind die „Vereinigten Staaten von Amerika“ gemeint.

Die maskuline Form der Personenbezeichnung wird ebenfalls zur Vereinfachung verwendet. Demnach ist mit der Bezeichnung „Amerikaner“ ebenfalls die „Amerikanerin“ gemeint sowie bei „Besucher“ die „Besucherin“, etc.

Wir beziehen uns in dieser Arbeit auf den „Durchschnitts-Amerikaner“, beziehungsweise den „Durchschnitts-Deutschen“, was aber gleichzeitig bedeutet, dass wir nicht generalisieren möchten. Es gibt immer und überall Ausnahmen. Die USA und Deutschland sind sehr vielseitig, was Land und Leute und deren Gebräuche betreffen.

Da es sich bei dieser Arbeit um eine Gemeinschaftsarbeit handelt, haben wir die einzelnen Themen untereinander aufgeteilt.

So ist Anja Borchmann hauptverantwortlich für die Kapitel 1.1, 3, 4.1 und 7. Corinna Kämpfer bearbeitete die Kapitel 1.2, 2, 4.2, 5 und 6.

1. Amerikanische und Deutsche Küche – regionale Vielfalt

Zu Beginn dieser Arbeit sollen regionale Unterschiede und Besonderheiten der amerikanischen und deutschen Küche näher beschrieben werden, um dem Leser einen ersten Einblick in die Vielfalt der beiden Küchen zu vermitteln.

Am Anfang steht die US-Küche, die von vielen Völkern aus aller Welt geprägt wurde. Beginnend bei der Entdeckung Amerikas bis in die heutige Zeit werden die verschiedenen Einflüsse fremder Kulturen auf die amerikanische Küche aufgeführt. Daraufhin wird die deutsche Küche mit ihren traditionellen Gerichten beschrieben, wobei vorwiegend auf die regionalen Unterschiede im Land eingegangen wird.

1.1 Die US-Küche

Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert war Amerika ein Zufluchtsort für Verfolgte aus aller Welt. Englische, französische, deutsche, holländische, skandinavische, irische, chinesische und später puertoricanische und mexikanische Einwanderer flüchteten vor religiöser und politischer Verfolgung oder vor der wirtschaftlichen Not in ihrer Heimat. Sie alle brachten Rezepte sowie Samen und Setzlinge von zu Hause mit und übten so Einfluss auf die kulinarische Entwicklung Amerikas aus.

Den Deutschen ist beispielsweise das Geheimnis der Braukunst und der Käseherstellung zu verdanken. Die Spanier prägten vor allem die mexikanische Küche, die sich vom Südwesten aus in fast jeden Teil der USA ausbreitete.

Aus Italien stammen eine Menge Gerichte, die fast jeder Amerikaner als ursprünglich amerikanisch bezeichnen würde, so zum Beispiel Pizza und verschiedenste Pastavariationen. Auch trugen einst die Sklaven aus Afrika sowie verschiedene religiöse Gruppen wie die Quäker oder Amish People ihren Teil zur heute bestehenden Vielfalt der amerikanischen Küche bei (vgl. Nowatzki, M. und Vorhauer, M. 2000).

Im Folgenden werden nun die regionalen Unterschiede der US-Küche näher beschrieben. Dazu werden die unterschiedlichen Einflüsse von den Völkern der Welt auf die Amerikanische Küche näher erläutert (siehe dazu auch: Nowatzki, M. und Vorhauer, M. 2000).

1.1.1 Die Anfänge der amerikanischen Esskultur

Die Geschichte des amerikanischen Essens begann wohl, nachdem Christopher Kolumbus 1492 einen Kontinent entdeckte, von dem er glaubte, dass es Indien sei. Die spanischen Konquistadoren fanden dort allerdings die Völker Amerikas vor und mit ihnen auch deren Essen, das aus Tomaten, Kartoffeln, Chilis, Mais, Bohnen und vielen anderen Gemüse- und Obstsorten bestand. Was man heute unter mexikanischer Küche versteht, ist ursprünglich ein Mix aus spanischen und indianischen Gerichten. Dieses „Zusammenführen“ zweier verschiedener Kulturen resultierte aus alten Rezepten der Eingeborenen und einer neuen Art und Weise, Fleisch zuzubereiten, wozu vor allem das Braten und Kochen mit Fett gehörte. Durch diese Vermischung entstanden beispielsweise Tacos, Burritos, Enchiladas und Tortillas (vgl. Nowatzki, M. und Vorhauer, M. 2000).

1.1.2 Englischer Einfluss

Anfang des 17. Jahrhunderts errichteten die Engländer ihre ersten Siedlungen in Virginia. Sie brachten Essen aus ihrer Heimat mit und vermischten dieses mit lokalen Zutaten, wie zum Beispiel Truthahn, Muscheln, Hummer und fast immer mit Mais. So entstanden Gerichte wie beispielsweise Indian Pudding, Clamchowder und Maine Boiled Lobster, die heutzutage immer noch den Charme der Küche Neu Englands ausmachen.

Die indianischen Ureinwohner Amerikas halfen den englischen Siedlern über den Winter, indem sie ihnen zeigten, wie man die örtliche Flora und Fauna bestmöglich nutzte. Dies führte schließlich zu einem der amerikanischsten Feste überhaupt – Thanksgiving (siehe auch Kapitel 3.2.3). Gefeiert wird es seit 1621, und das Essen, das seither jedes Jahr am letzten Donnerstag im November die Tische der Amerikaner bedeckt, ist ein Ergebnis des Einflusses indianischer Kochkunst auf die englische Küche (vgl. Nowatzki, M. und Vorhauer, M. 2000).

1.1.3 Afrikanischer Einfluss

Im Süden Amerikas profitierten die Menschen von einem milderen Klima, was ihnen erlaubte, eine größere Vielfalt an Gemüsesorten anzubauen. Im Grunde war das Essen englisch, aber es zeichnete sich durch eine spezielle Weise des Würzens und des Kochens aus.

Afrikaner, die als Sklaven unfreiwillig nach Amerika kamen, führten unter anderem das Barbecue, Fettgebackenes und Blattgemüse ein. Beispielsweise geht auch der vielfältige Gebrauch von Erdnüssen auf ihren Einfluss zurück. Sie brachten bedeutende Techniken mit, so zum Beispiel Fleisch zu räuchern, Gemüse zu braten und würzige Soßen zuzubereiten. Und gerade, weil sie diejenigen waren, die in den Küchen des Südens arbeiteten, spielten sie eine der wichtigsten Rollen bei der Verbindung von englischer, indianischer und afrikanischer Kochkunst, die heute bekannt ist als „Südstaatenküche“ (vgl. Nowatzki, M. und Vorhauer M. 2000).

1.1.4 Deutscher Einfluss

Was wäre Amerika ohne Hot Dogs? Den „Original Hot Dog“ sowie unzählige Arten der Zubereitung von Wurst brachten die Deutschen mit in ihre neue Heimat. Sie ließen sich hauptsächlich im Mittleren Westen nieder, weshalb Milwaukee heute die Stadt mit den meisten Brauereien ist, denn auch die Kunst des Bierbrauens brachten die deutschen Einwanderer mit nach Amerika. Abb. 1: Hot Dog

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Interessant ist, dass die Mehrzahl der aus dem Deutschen ins amerikanische Englisch übernommenen Wörter mit Essen und Trinken zu tun haben, so zum Beispiel „Bratwurst“, „Sauerkraut“, „Hamburger“, „Schnitzel“, „Schnapps“ oder „Zwieback“ (vgl. Wikipedia, 2005).

1.1.5 Italienischer Einfluss

Die Italiener, die im späten 19. Jahrhundert einwanderten, haben Amerika nicht nur die Grundlage für berühmte Mafiafilme geliefert, sondern auch unzählige Rezepte für Pizza und Pasta. In der Italienischen Küche wird häufig die Tomate verwendet, um Gerichte zu würzen und zu ergänzen. Und auch der Ketchup, der vorher eine asiatische Würzsoße war, verdankt seine rote Farbe bekanntermaßen diesem Gemüse (vgl. Nowatzki, M. und Vorhauer, M. 2000).

1.1.6 Französischer Einfluss

Die französischen Einwanderer ließen sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts in der Region Akadien, an der Ostküste ober- und unterhalb der Grenze zwischen den USA und Kanada, nieder. Nachdem sie 1755 von den Briten aus dieser Gegend, dem heutigen Neuschottland, vertrieben wurden, gingen sie in den Süden und fanden schließlich in Louisiana Zuflucht. Die Engländer bildeten aus „Acadia“ das Wort „Cajun“, der heutige Name einer Kochweise, wie sie typisch für Lousiana ist und folgendermaßen entstand: Die Franzosen behielten ihre Kochkunst bei und fügten Zutaten wie Wild, Shrimps und Krebse hinzu. Man verwendet nur wenige Kräuter. Das Essen wird in einem Kessel gekocht und mit scharfer Soße gewürzt.

Im südlichen Louisiana kann man außerdem noch Beispiele kreolischer Küche finden. Sowohl in der cajunischen als auch kreolischen Küche verwendet man vorwiegend Reis, viele Meeresfrüchte und starke Gewürze. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass die kreolische Kochweise in der frühesten Kolonialgeschichte begann, als die französischen Siedler sich im Südosten der heutigen USA niederließen und lange vor dem Louisiana Purchase (1803) mit Spanien um dieses Gebiet rangen. Ihre französische Art zu kochen wurde also schnell von spanischer, afrikanischer und karibischer Küche beeinflusst. Afroamerikanische Hausangestellte kochten damals für ihre weißen Arbeitgeber kreolisch.

Außerdem tauchen in der kreolischen Küche mehr Desserts und Süßigkeiten auf als in der cajunischen Küche – unter anderem Flan und Pecan Pie (vgl. Nowatzki M. und Vorhauer, M. 2000).

1.1.7 Asiatischer Einfluss

Im späten 19. Jahrhundert kamen viele asiatische Einwanderer nach Amerika. Gründe hierfür waren unter anderem der erste Opiumkrieg, mehrere Überschwemmungen und Missernten. Der westliche Bundesstaat Kalifornien war auf Grund seiner geographischen Lage gerade dazu prädestiniert, ein Zentrum für asiatische Einwanderer zu werden. Diese „neuen Amerikaner“ vermischten ihre Essgewohnheiten mit der dortigen Küche, die vorwiegend mexikanisch geprägt war. So entstanden Gerichte wie zum Beispiel Tacos mit asiatischer Gemüsefüllung und asiatisches Chili. Chop Suey hat seinen Ursprung in San Francisco, wo ein Gast zu später Stunde noch etwas zu essen verlangte und der Koch ihm ein Gericht aus Küchenresten zubereitete (vgl. Nowatzki M. und Vorhauer, M. 2000).

1.1.8 Fast Food – Amerikas Esskultur?

Weltweit wird Fast Food, also Speisen wie Hamburger, Pizza und Pommes Frites als typisch amerikanisch angesehen. Dabei geht der Ursprung auf einen weit entfernten Ort zurück. Wie man bei Ausgrabungen in Pompeji, Italien, feststellte, gab es schon bei den Römern Imbiss-Stände. Und auch die mittelalterlichen deutschen Brückenarbeiter am Rhein haben etwas erfunden – die „Würstlbude“ (vgl. Frankemölle, G. 2005). Doch erst die Amerikaner machten ein Geschäft daraus und durch all die bekannten Fast-Food-Ketten ist amerikanisches Essen in seiner schnellsten Form weltweit bekannt geworden (siehe auch Kapitel 6.1).

Die meisten dieser Restaurants verwenden die verschiedensten Kochstile in ihrer ganzen Vielfalt - vom mexikanischen Essen zum klassischen Hamburger, vom Fisch zum frittierten Hähnchen, von Pizza zu Pasta.

Aber Amerika is(s)t eben nicht nur Fast Food, sondern hat im Laufe der Geschichte die verschiedensten Gewürze, Geschmäcker, Kulturen und deren Kochweisen aufgesaugt und so seine eigene Kochkultur entwickelt, wie bereits in den vorangegangenen Kapiteln beschrieben.

1.2 Die Deutsche Küche

Zunächst mag man mit der deutschen Küche schwere und deftige Gerichte, Eintöpfe, Kartoffeln sowie viel Fleisch und Wurst assoziieren. Fragt man einen Ausländer, was er sich unter „typisch deutsch“ vorstellt, so bekommt man sicherlich „Sauerkraut“ als Antwort, denn weltweit ist es wohl das berühmteste deutsche Nationalgericht überhaupt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Den Begriff „Deutsche Küche“ genauestens zu definieren, ist nicht besonders einfach. Genauso viel- Abb. 2: Kasseler mit Sauerkraut

fältig und facettenreich wie sich die deutschen Landschaften, Menschen und Dialekte präsentieren, so unterschiedlich wird auch gekocht und gegessen. Ob Fisch oder Fleisch, Obst oder Wein – dies bestimmen Klima, Boden und Traditionen. So hat jede Region in Deutschland ihre eigenen Spezialitäten anzubieten. Von Nord nach Süd haben sich Vorlieben für bestimmte Zutaten, Geschmacksrichtungen und Zubereitungsarten entwickelt.

Die Grenzen dieser kulinarischen Regionen sind jedoch fließend. In Süddeutschland gibt es viele Gerichte, deren Verbreitung sogar bis nach Österreich und in die Schweiz reicht und in den östlichen Regionen findet man einen Einfluss der Osteuropäischen Küche vor, während man im Westen Deutschlands viele von der Französischen Küche beeinflussten Gerichte genießen kann.

Im Folgenden sollen nun einige regionale Unterschiede und Spezialitäten der deutschen Küche, mit all ihren Eigenheiten und unverwechselbaren Details, aber auch mit den gemeinsamen Wurzeln und Vorlieben, etwas näher beschrieben werden (siehe dazu auch: Sälzer S. und Ruschitzka G. 2004).

1.2.1 Schleswig-Holstein und Hamburg

Die Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten im hohen Norden ist nicht zu übertreffen. Schleswig-Holstein ist neben Rum bekannt für seine Kühe, die mit ihrer Milch feinste Butter und Käse liefern.

In der Region Dithmarschen gibt es Kohl und Sauerkraut sowie den Mehlbeutel, ein traditionelles Gericht der norddeutschen Küche. Weitere typische Gerichte sind auch Labskaus, Lübecker National, „Gröner Hein“ (Birnen, Bohnen und Speck) und Matjesgerichte aller Art. Eine Hamburger Spezialität ist die berühmte Aalsuppe, in der allerdings kein Aal zu finden ist, sondern Gemüse, Gewürze, Backobst und Schinken.

Für die Region typische Süßspeisen und Desserts sind beispielsweise Marzipan aus Lübeck, Rote Grütze und Braune Kuchen (vgl. Wikipedia, 2005).

1.2.2 Mecklenburg-Vorpommern

Die Küche an der Ostsee ist vom Fischreichtum geprägt und die zahlreichen Seen der Mecklenburgischen Seenplatte steuern edle Süßwasserfische bei. Neben sauer eingelegtem oder frisch gebratenem „Grünen Aal“ ist vor allem Räucheraal bei Jung und Alt beliebt. Im Landesinnern wird großflächig Getreide angebaut und Viehzucht betrieben, doch ganz besonders die Kartoffel ist als Alltagskost selbstverständlich.

Wie im gesamten Norden ist die Kombination fruchtiger Süße mit herzhaft Gewürztem besonders typisch für die Region. So verwendet man Pflaumen, Trauben, Äpfel und Birnen als süßlich gewürzte Beilagen zum Braten (vgl. Sälzer S. und Ruschitzka G. 2004: 222 ff.).

1.2.3 Bremen und Niedersachsen

Besonders charakteristisch für die Waterkant ist der Fischfang in der Nordsee. Hier gibt es Krabben, Muscheln, Austern und Krustentiere. Auch die Aalräuchereien haben in dieser Region eine lange Tradition.

Das norddeutsche Traditionsgericht ist „Grünkohl mit Pinkel“ und auch sonst isst man gerne Würste aller Art sowie Schinken und Speck. In der Lüneburger Heide genießt man köstliches Lammfleisch und von dort stammt auch die Wacholderbeere.

An der Küste liegt fruchtbares Marschland, wo Milchkühe grasen, die für die Grundlagen der heimischen Butter- und Käseproduktion sorgen. Neben der begehrten Buttermilch ist Tee das beliebteste Getränk, vor allem in Ostfriesland (vgl. Sälzer S. und Ruschitzka G. 2004: 200 ff.).

1.2.4 Berlin und Brandenburg

Der Spreewald liefert reichlich Leinöl und Gemüse wie beispielsweise die berühmten Spreewaldgurken und Sauerkraut - die obligatorischen Beilagen für Buletten und Eisbein. Typisch für die Region sind ebenfalls Teltower Rübchen und Werdersche Kirschen, Äpfel und Aprikosen. Aus Berlin stammt das Kasseler und die Currywurst. Hinzu kommen auch traditionelle Fischgerichte wie Hecht, Zander und Forelle aus brandenburgischen Seen. Brandenburg ist ebenfalls berühmt für seine Torten und Kuchen wie Plinsen, Eierkuchen, Windbeutel und Klemmkuchen.

Daneben sind Gerichte aus Ost- und Südosteuropäischer Küche wie beispielsweise „Letscho“ und „Soljanka“ sehr populär und auch die Königsberger Klopse, die ihren Ursprung in Ostpreußen haben, sind inzwischen aus der gesamtdeutschen Küche nicht mehr wegzudenken (vgl. Sälzer S. und Ruschitzka G. 2004: 174 ff.).

1.2.5 Nordrhein-Westfalen

Viele ausländische Besucher haben an den Ufern des Rheins erstmals die „Deutsche Küche“ gekostet: Schweinefleisch aller Art und dazu Sauerkraut. Doch die rheinländische Küche hat weit mehr an Köstlichkeiten zu bieten. Reibekuchen aus frischen Kartoffeln werden mit Rübensirup oder Apfelmus bestrichen. Genauso beliebt ist der Rheinische Sauerbraten in sämiger Soße sowie Miesmuschelgerichte von der entfernten Nordseeküste. Typisch sind auch der Westfälische Schinken, Endiviensalat, feinster Spargel, Bohneneintopf mit Speck sowie rheinisches Karnevalsgebäck und die Bergische Kaffeetafel mit Waffeln und Milchreis. Im Rheinland sorgt Getreideanbau für den Betrieb zahlreicher Bierbrauereien und Kornbrennereien (vgl. Sälzer S. und Ruschitzka G. 2004: 148 ff.).

1.2.6 Sachsen und Sachsenanhalt

Pfefferkuchen, Baumkuchen, Streusel- und Blechkuchen aller Art – diese beiden Regionen sind für ihre Backkünste bekannt. Der Sächsische Weihnachtsstollen ist sogar weltberühmt geworden. Auf den ertragreichen Ackerböden wachsen Getreide, Kohl und Kartoffeln, aber auch Spargel und Obst werden hier angebaut. Das bekannteste Gemüsegericht ist wohl das „Leipziger Allerlei“. Fisch und Wild kommen vorwiegend aus der Altmark und im Harz werden zahlreiche Käse- und Wurstsorten produziert und entlang der Elbe liegen die nördlichsten Anbaugebiete für deutschen Wein (vgl. Sälzer S. und Ruschitzka G. 2004: 120 ff.).

1.2.7 Thüringen

Das Bauern- und Gartenland im Herzen Deutschlands ist von dichtem Wald durchzogen. Fruchtbare Böden und teilweise raue klimatische Bedingungen sind die Grundlage der traditionellen Thüringer Küche. Klöße aller Art sind das gastronomische Symbol dieser Gegend und ihre Zubereitung ist ein allsonntägliches Ritual, zusammen mit einem fetten Braten und reichlich Soße.

In Thüringen genießt man auch selbstgemachtes Brot und gute Kuchen und nicht zu vergessen sind die Würste, wie beispielsweise die echte Thüringer Rostbratwurst - lang und schlank, hausgemacht und aus bestem Schweinefleisch (vgl. Sälzer S. und Ruschitzka G. 2004: 90 ff.).

1.2.8 Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland

In Hessen und in der Pfalz lassen sich äußerst kontrastreiche Landesküchen entdecken. Feine Forellen, Wildschwein und Rotwild sind ebenso typisch für den Speiseplan wie sparsame, derbe Eintöpfe. Doch was man überall antrifft, sind Kartoffeln in jeglicher Form - ob als Füllung im Saumagen, gebraten als Puffer, püriert oder in Suppe und Salat. Unkomplizierte, bäuerliche Kost wie beispielsweise üppige Platten mit Sauerkraut und Frankfurter Rippchen oder Würstchen, Kohlrouladen, „Handkäse mit Musik“, Zwiebelkuchen sowie Frankfurter „Grüne Soße“ sind typisch für diese Region. Auf den zahlreichen Weinfesten, die ab Mitte September jede Menge Besucher ins „Weinland“ locken, kann man die unterschiedlichsten Weine, ob aus Trauben oder Äpfeln gepresst, genießen (vgl. Sälzer S. und Ruschitzka G. 2004: 64 ff.).

1.2.9 Baden-Württemberg

Der milde Südwesten nutzt die klimatischen Vorteile intensiv aus. Es wachsen Reben für gehaltvolle Weine und Obst und Beeren für die berühmten Obstbrände. Wild, fangfrische Forellen, Suppen, deftige Eintöpfe und Flammkuchen stehen auf der badischen Speisekarte und der kulinarische Austausch mit dem Elsass ist deutlich spürbar.

Die Schwaben lieben Teigwaren wie die berühmten Spätzle und köstlich gefüllten Maultaschen. Auch Schupfnudeln mit Sauerkraut sind typisch und die Schwarzwälder Kirschtorte hat hier ihren Ursprung (vgl. Sälzer S. und Ruschitzka G. 2004: 38 ff.).

1.2.10 Bayern

Süßer Senf zur weißen Wurst, Leberkäse, eine Brezel und eine Maß Bier dazu – dieses kulinarische Erlebnis der bayrischen Brotzeit sollte man sich nicht entgehen lassen. Hopfen und Getreide gedeihen in Bayern reichlich und bilden die Grundlagen für das Bier und köstliche Mehlspeisen, welche besonders charakteristisch für die Bayrische Küche sind: Fingernudeln, Dampfnudeln, Strudel, Brotsuppe – um nur einiges zu nennen. Und auch die schlichte Semmel wird nicht nur zum Frühstück gegessen, sondern ist Grundlage für Germ-, Zwetschgen- und Leberknödel, Schmarrn und Füllungen im Bayrischen Krustenbraten und Geflügel (vgl. Wikipedia, 2004).

Im Wein- und Gemüseland Franken ist die Küche etwas leichter und frischer. In diesem nördlichen Teil des „Bierlandes“ lässt man sich herzhafte Nürnberger Würstchen und Kartoffelklöße schmecken – genauso wie bei den Nachbarn in Thüringen (vgl. Sälzer S. und Ruschitzka G. 2004: 12 ff.).

Sowohl in Deutschland als auch in den USA sind die Küchen sehr vielseitig und regional geprägt. Jedoch haben sich in beiden Ländern die Lebensumstände und Gewohnheiten gewandelt. Die Fast-Food-Welle boomt: Gekocht und gegessen wird an wechselnden Orten und zu flexiblen Zeiten, aus der Hand, auf die Schnelle und mit internationaler Bandbreite.

2. Mahlzeiten

In diesem Kapitel sollen die Mahlzeiten, die Amerikaner und Deutsche täglich zu sich nehmen, näher beschrieben werden. Vorwiegend wird darauf eingegangen, welche Speisen und Gerichte für bestimmte Mahlzeiten typisch sind und welche Vorlieben und Neigungen Deutsche und Amerikaner haben.

Wir stützen uns in diesem Kapitel hauptsächlich auf die Ergebnisse von Frage 1 des Fragebogens (siehe Anlage) sowie auf eigene Recherchen, Beobachtungen und Erfahrungen in Bezug auf die täglichen Essgewohnheiten von Amerikanern und Deutschen.

2.1 Frühstück versus Breakfast

Das Frühstück ist die erste Mahlzeit des Tages, die normalerweise am Morgen eingenommen wird. Man unterscheidet in Deutschland zwischen dem ersten und dem zweiten Frühstück - eine Zwischenmahlzeit am Vormittag.

Der englische Begriff „Breakfast“, könnte wörtlich als „Fastenbrechen“ übersetzt werden (vgl. Wikipedia, 2005). Während der Nacht nimmt man keine Nahrung zu sich - man fastet. Durch die Mahlzeit am Morgen wird das Fasten schließlich gebrochen („to break the fast“).

Wie auch in Deutschland fällt das amerikanische Frühstück sehr individuell aus. Der eine frühstückt gern ausgedehnt und üppig mit warmen Speisen, der andere trinkt einfach nur eine Tasse Kaffee. Gerade in Familien wird unter der Woche häufig getrennt gefrühstückt, weil man zu unterschiedlichen Zeiten aufsteht und oft in Eile ist. Viele verlassen das Haus am Morgen aus Zeitmangel sogar ganz mit leerem Magen oder essen unterwegs auf dem Weg zur Arbeit. Sowohl in Deutschland als auch in den USA gibt es jedoch eine Tendenz zum gemeinsamen, späten, ausgedehnten Frühstück am Wochenende, was bereits auch als Brunch bezeichnet werden kann.

Um dem deutschen USA-Besucher einen Eindruck zu vermitteln, was ihn bei einem typisch amerikanischen Frühstück alles erwarten könnte und auf was er sich einstellen muss, werden im Folgenden einige Besonderheiten sowie Unterschiede zwischen dem „typisch amerikanischen“ und dem „typisch deutschen“ Frühstück näher aufgeführt.

Das traditionelle „American Breakfast“ ist warm, herzhaft, üppig, ziemlich fettig und kalorienreich. Es ist neben dem abendlichen Dinner ebenfalls eine Hauptmahlzeit. Während bei einem typisch deutschen Frühstück das je nach Belieben weich oder hart gekochte Frühstücksei nicht fehlen darf, gibt es in Amerika meist eine riesige Auswahl an verschieden Eierspeisen (vgl. USA Mediengesellschaft für Internet-Marketing mbH, 2004) wie zum Beispiel Omelettes, Bacon oder Ham & Eggs, Scrambled Eggs (Rühreier), Sunny Side Up (Spiegelei), Over Easy (Spiegelei auf beiden Seiten gebacken), Poached Eggs (pochiert) und so fort. Typisch sind auch Sausages, eine Art Minibratwürstchen, sowie Bratkartoffeln oder Hash Browns.

Laut unserer Umfrage (siehe Anlage) nehmen die meisten Amerikaner nur am Wochenende oder zu besonderen Anlässen ein solch großes, gehaltvolles Frühstück zu sich.

Man frühstückt sonst eher nach europäischer Art: Toast mit Marmelade, Orangensaft, Obst und Kaffee – auch „Continental Breakfast“ genannt (Tylor Herbst, S. 1995).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zu einem typisch amerikanischen Frühstück gehören auch Pancakes. Diese werden meist mit Hilfe einer Backmischung zubereitet, was Zeit spart und praktisch ist. Wie auch die Bagels, auf die später noch näher eingegangen wird, lassen sich Pancakes in allen denkbaren Varianten abwandeln. So kann man dem Teig beispielsweise Nüsse, Abb. 3: Pancakes mit Ahornsirup

Blaubeeren, Apfelstückchen oder Zimt hinzufügen. Dazu isst man Ahornsirup und für diejenigen, die es herzhaft mögen, gibt es Käse oder Schinken. In Deutschland sind Pfannkuchen eher als Hauptspeise zum Mittagessen oder zum Sonntagskaffee bekannt.

Zu einem typisch deutschen Frühstück gehören unbedingt Brötchen – vorzugsweise verschiedene Sorten wie zum Beispiel Vollkorn-, Sesam- oder Mohnbrötchen sowie unterschiedliche Sorten Toast und Brot. Die Mehrzahl der Personen, die unseren Fragebogen ausgefüllt haben (siehe Anlage), berichteten, dass sie vor allem deutsches Brot während ihres Amerika-Aufenthaltes vermisst haben, denn dort gibt es hauptsächlich Weißbrot oder Toast, welches viel weicher als das deutsche Brot ist. In Deutschland beschmiert man Frühstücksbrötchen oder –brot je nach Belieben entweder süß mit unterschiedlichen Sorten Marmelade, Honig, Pflaumenmus, Nussnougatcreme oder Quark oder man belegt es deftig mit vielen verschiedenen Wurst- und Käsesorten. In Amerika hingegen wird Toast vorwiegend mit (Erdnuss-)Butter und Marmelade beschmiert, wobei anzumerken ist, dass amerikanische Butter oder Margarine meistens gesalzen ist, was Europäer eher gewöhnungsbedürftig finden. Amerikaner essen morgens aber auch Croissants, English Muffins sowie Coffee Cake, ein festes Mürbeteiggebäck, Biscuits - vergleichbar mit Zwieback oder Keksen - und verschiedene Rolls - eine Art Brötchen, in unterschiedlichen Sorten wie beispielsweise Zimt, Karamell oder auch mit Zwiebeln. Besonders beliebt zum Frühstück oder für Zwischendurch sind in den USA auch die sogenannten Bagels, eine Art Hefeteigkringel, die ihren Ursprung in der jüdischen Küche haben (vgl. Trowbridge, P. 2005). Vor dem Backen werden die Kringel in kochendes Wasser getaucht, wodurch sie außen eine dünne Kruste bilden und innen locker und weich bleiben. Wie auch bei deutschen Brötchen gibt es verschiedene Sorten. Zum Teig werden so beispielsweise unterschiedliche Getreidesorten, Körner, Gewürze, Kräuter oder sogar Gemüse und Trockenfrüchte hinzugefügt. Auch der Belag ist entweder süß oder herzhaft. Den klassischen Bagel bestreicht man mit Cream Cheese, einem in unterschiedlichen Sorten erhältlichen Frischkäse. Bagels sind sicherlich eine gute Alternative zum Sandwich geworden und gerade viele Europäer betrachten sie als eine gelungene Abwechslung zum amerikanischen Weißbrot (vgl. Frankemölle, G. 2005).

In Amerika gibt es eine riesige Auswahl an Donuts, die inzwischen neben den vielen Gebäcksorten auch in Deutschland großen Anklang gefunden haben. Muffins sind hier zu Lande ebenfalls kaum noch wegzudenken und nicht nur zum Frühstück sondern auch als Dessert äußerst beliebt. Diese kleinen Kuchen gibt es in den unterschiedlichsten Varianten. Zum Frühstück mögen Amerikaner auch gerne French Toast, die amerikanischen Armen Ritter sowie Waffeln mit Butter oder Ahornsirup.

Unserer Umfrage (siehe Anlage) zufolge essen Amerikaner häufiger Cornflakes zum Frühstück als Deutsche. Die Auswahl dieser sogenannten „Cereals“ ist riesig: Fruit Loops, Cheerios, Lucky Charms, Rice Puffs – um nur einige zu nennen – haben meistens einen hohen Zucker- und Farbstoffgehalt, weshalb sie gerade bei Kindern besonders beliebt sind. Auch Haferflocken, genannt „Oat Meal“, gibt es in den verschiedensten Geschmacksrichtungen (Apfel, Zimt, Ahornzucker, etc.) Es wird einfach mit Wasser aufgerührt und erwärmt. Viele Deutsche bevorzugen hingegen eher naturbelassenes Müsli mit Körnern, Nüssen und Trockenobst zusammen mit Milch oder Joghurt.

Zu einem typisch deutschen Frühstück gibt es als Getränk neben Kaffee, Tee, Milch oder Kakao auch meistens verschiedene Sorten Fruchtsaft. Für viele Deutsche gehört zum morgendlichen Kaffee auch, dass man in Ruhe die Tageszeitung lesen kann. Viele Amerikaner trinken morgens ein Glas Orangensaft oder Milch, aber das typische Frühstücksgetränk ist auch hier der Kaffee. Diesen füllen Amerikaner gerne in große Becher, die sie dann nicht zu Hause trinken sondern mit auf die Fahrt zur Arbeit nehmen (siehe auch Kapitel 4.1.2). Frühstückt man auswärts, bekommt man in den USA den Kaffee unbegrenzt nachgefüllt (siehe auch Kapitel 5.2).

2.2 Brunch

Das Brunch ist eine nordamerikanische Erfindung. „Brunch“ ist das englische Kurzwort aus Br eakfast „Frühstück“ und L unch „Mittagessen“. Es handelt sich hierbei um ein spätes, ausgedehntes und reichhaltiges Frühstück oder ein vorgezogenes Mittagessen.

Auch das Mitbringen von Speisen und Getränken und das gesellige Zusammensein wird häufig als Brunch verstanden. Sowohl in den USA als auch in Deutschland ist das Brunch besonders an Sonntagen meist in Form eines Buffets sehr beliebt.

Das Brunch umfasst die jeweils landestypischen Frühstücksspeisen sowie Suppen, Salate, Käse-, Fleisch- und Fischplatten, Gemüse und häufig auch ein Dessertbuffet.

2.3 Mittagessen versus Lunch

In Amerika isst man zum Mittag meist nur eine Kleinigkeit. Durch unsere Umfragen (siehe Anlage) haben wir herausgefunden, dass gerade in Familien mit Kindern Maccaroni & Cheese offensichtlich das beliebteste Gericht zum Mittagessen sind. Einfach Nudeln kochen und das fertige Käsepulver mit Wasser, Milch und Butter dazu anrühren - fertig.

Viele Amerikaner essen zum Mittag auch einfach nur einen Bagel oder ein Sandwich, oft mit Schinken und Käse und anstatt mit Butter häufiger mit Senf, Majonäse oder Ketchup. Eine Tüte Chips, Kräcker oder Salzstangen gehören des Öfteren auch noch dazu, was Deutsche als eher ungewöhnlich empfinden. Wer es süß zu Mittag mag, kommt in Amerika wohl nicht an einem typisch amerikanischen PB&J-Sandwich (Peanutbutter and Jelly) vorbei. Diejenigen, die etwas mehr Zeit am Mittag haben, bereiten sich beispielsweise ein Mikrowellengericht, Suppe aus der Dose, „Grilled Cheese“, Pommes Frites, Chicken Wings aus dem Tiefkühlfach oder Salat dazu.

Grundsätzlich essen viele Amerikaner zum Lunch jedoch auch auswärts. Berufstätige stürmen um diese Zeit die zahlreichen Delis, Coffee Shops und Fast-Food-Ketten (siehe auch Kapitel 5.1.3, Kapitel 4.1.1 und Kapitel 6), wo man einen schnellen Snack zu sich nehmen kann. Möchte man ausgiebiger speisen, geht man in ein Restaurant, wo es mittags meistens sogenannte „Lunch Specials“ gibt. Es handelt sich hierbei um dasselbe Angebot wie abends, meist allerdings etwas günstiger.

Das Mittagessen in Deutschland besteht in der Regel aus einer warmen Mahlzeit. Im Gegensatz zum amerikanischen Lunch fällt es verhältnismäßig üppig aus, da es normalerweise die Hauptmahlzeit des Tages ist. Das typisch deutsche Mittagessen besteht meistens aus Fleisch oder Fisch mit Kartoffeln, Reis oder Nudeln sowie Gemüse und Salat. Gerne isst man auch eine Vorsuppe und Nachtisch. Normalerweise nimmt man sich Zeit zum Kochen und Essen und hält, wenn möglich, danach sogar noch einen Mittagsschlaf. Gerade unter jungen Leuten kann man jedoch beobachten, dass die warme, ausgedehnte Mahlzeit meistens erst am Abend nachgeholt wird. In diesem Fall mag man von einer Amerikanisierung der deutschen Esskultur sprechen. Mittags ist man häufig unterwegs und alles muss schnell gehen. Hat man also nur eine kurze Pause und keine Zeit, in der Kantine, Cafeteria oder Mensa eine große Mahlzeit zu sich zu nehmen, begnügt man sich auch einfach mit einem Brötchen auf die Hand oder Fast Food (siehe auch Kapitel 6).

2.4 Abendessen versus Dinner

In Deutschland ist das Abendessen eher eine kalte Mahlzeit. Wenn man tagsüber jedoch unterwegs ist, so dass keine Zeit oder Möglichkeit besteht, eine warme Mahlzeit zum Mittag einzunehmen, holt man das Kochen, wie bereits erwähnt, gern am Abend nach. Ein typisch deutsches Abendessen besteht jedoch aus Brot mit herzhaftem Belag, wie zum Beispiel unterschiedliche Wurst- und Käsesorten. Viele essen auch gerne noch einen Salat, Obst oder Joghurt dazu.

Während in Deutschland das Mittagessen die Hauptmahlzeit ist, so ist es in den USA das Dinner. Es gibt eine warme, meist sehr reichhaltige, üppige Mahlzeit und in vielen amerikanischen Familien wird Wert darauf gelegt, dass das Dinner gemeinsam eingenommen wird. Wie bereits in Kapitel 1.1 erwähnt, gibt es in Amerika nicht immer nur Fast Food wie Hamburger, Pizza, Pommes Frites, Hot Dogs oder Fertiggerichte wie beispielsweise die sogenannten „TV-Dinner“, die man einfach nur in der Mikrowelle aufwärmt. Häufig wird abends in Amerika gut gekocht und viele Deutsche, die über einen längeren Zeitraum hinweg in den USA gelebt haben, waren der Meinung, dass der Grund für ihre Gewichtszunahme darin lag, dass abends eine zu große kalorienreiche Mahlzeit eingenommen wird. Des Weiteren wurde beobachtet, dass die wenigsten Amerikaner zum Kochen wirklich frische Nahrungsmittel verwenden, wie man es normalerweise in Deutschland gewohnt ist. In Amerika kommt Gemüse meist aus der Tiefkühltruhe oder aus der Dose und häufig enthält es viele Farb- und Zusatzstoffe. Auch der Salat muss nicht erst gewaschen und gezupft werden, sondern ist servierfertig eingetütet. Während man in Deutschland das Dressing normalerweise selbst anrührt, kann man in Amerika viele verschiedene Salatsoßen wie beispielsweise „French“, „Ranch“, Essig-Öl oder Joghurt aus der Flasche serviert bekommen.

Zum Dinner gibt es in den USA auch meistens Fleisch. Besonders beliebt ist Geflügel: Turkey oder Chicken Breast, Chicken Wings, Chicken Fingers, Chicken Nuggets - um nur einige Varianten zu nennen. Daneben grillen Amerikaner auch sehr gerne und nicht selten veranstaltet man sogar mitten im Winter ein Barbecue auf dem Elektrogrill mit Steak und „Brats“, die aber nicht wirklich mit den deutschen Bratwürsten zu vergleichen sind. Und was wäre ein typisch amerikanisches Dinner ohne Mashed Potatos, Gravy, Brokkoli und Corn the cob ? Äußerst beliebt sind in Amerika aber auch Aufläufe und Pasta aller Art. Zum Nachtisch isst man gerne Brownies mit Vanilleeis und Sahne oder Apple Pie.

Viele Amerikaner gehen abends auch auswärts essen oder man bestellt den Lieferservice vom Chinesen oder Mexikaner. In vielen Familien hat sich freitags der „Pizza-Day“ etabliert – so gibt es Pizza entweder aus der Tiefkühltruhe oder vom Pizzaservice direkt ins Haus geliefert.

2.5 Zwischenmahlzeiten

Zusätzlich zur Speisenfolge, morgens, mittags und abends je eine Hauptmahlzeit zu sich zu nehmen, kommen die Zwischenmahlzeiten. Kinder nehmen davon normalerweise vormittags und nachmittags je eine zu sich, Erwachsene halten es unterschiedlich. Dr. Dörflinger von der Diagnoseklinik München (2003) rät, ca. 20% des täglichen Kalorienbedarfs durch Zwischenmahlzeiten abzudecken. Ohne diese riskiere man Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Nervosität.

In Deutschland legt man meist Wert auf gesunde Zwischenmahlzeiten. In der Umfrage (siehe Anlage) wurde deutlich, dass Obst, Joghurt und Zerealien an erster Stelle stehen, gefolgt von Süßigkeiten. Kuchen und Gebäck spielen als Zwischenmahlzeit ebenfalls eine wesentliche Rolle, da man in Deutschland nachmittags „Kaffee trinkt“. Man setzt sich mit der Familie oder mit Freunden zusammen, trinkt Kaffee, Tee oder Kakao, und meist gibt es Kuchen oder Torte dazu. Heutzutage hat man dazu oft keine Zeit und daher wird vorwiegend nur noch an Sonn-, Feier- und Geburtstagen Kaffee getrunken.

Viele Menschen wirken mit einem Kaffee zwischen 15.00 und 16.00 Uhr auch einem Nachmittagstief entgegen, denn wie bereits erwähnt, verliert man an Energie, wenn man länger nichts gegessen hat und der Zuckerspiegel sinkt. Eine Zwischenmahlzeit sollte nachmittags auf dem Programm stehen, um die Leistungskurve wieder nach oben zu treiben.

Auffallend bei den Personen, die uns ihre Erfahrungen während des USA-Aufenthaltes mitgeteilt hatten (siehe Anlage), war, dass selten Obst auf dem Snack-Plan der amerikanischen Familien stand. Kekse, Chips und Kräcker stehen hier an erster Stelle, gefolgt von Kuchen, Bagels (siehe Kapitel 2.1) und Brezeln (Anmerkung: Salzstangen in Form einer kleinen Brezel - in den USA als „Pretzels“ bekannt).

2.6 Süßigkeiten

Auf die Frage, was Personen, die längere Zeit in den USA verbrachten, dort besonders vermisst haben, antworteten die meisten neben „deutschem Brot“ auch „Schokolade“ (siehe Anlage). Die Schokoladenkultur ist in der Tat deutschlandweit verbreitet. Dies ist auf unser Nachbarland, die Schweiz, zurückzuführen. Dort eröffnete François-Louis Cailler 1819 eine der ersten Schokoladenmanufakturen und zu Beginn des 20. Jahrhunderts eroberten die Schweizer Schokoladenproduzenten dann endgültig den Weltmarkt. Den guten Ruf in aller Welt erhielten sie allerdings nicht durch die exportierte Menge, sondern vor allem dank der Qualität, die sie über die Masse der in andern Ländern produzierten Schokolade hinaushob (vgl. Chocosuisse, 2005).

In den Nachbarländern tat man es den Schweizern gleich und so entstand eine Schokoladenkultur in vielen Ländern Europas, die es so in den USA nicht gibt. In Amerika gibt es zwar einen Schokoladenhersteller mit Monopolstellung, die Hershey Foods Corporation (vgl. Hershey Foods Corp. 2004), allerdings sind die Produkte sehr süß und für die meisten Europäer nicht vergleichbar mit Produkten aus Deutschland (siehe Anlage).

Generell ist „Candy“ in den Vereinigten Staaten sehr viel süßer als in Deutschland und für unseren Geschmack zu künstlich. Das kommt sicher daher,

dass es in Deutschland sehr strenge Lebensmittelvorschriften gibt und sich deshalb in deutschen Süßigkeiten nicht so viele künstliche Zusatzstoffe finden lassen wie in amerikanischen Produkten. US-Süßigkeiten leuchten in allen erdenklichen, meist grellen Farben und ziehen durch besondere Formen die Aufmerksamkeit auf sich. In Deutschland achtet man generell eher darauf, dass die Produkte so wenig Farb- und Konservierungsstoffe wie möglich beinhalten.

Kuchen, wie wir sie kennen, sind in den USA ebenfalls eher untypisch. Die amerikanische Geburtstagstorte besteht typischerweise aus süßem Schokoladen- oder Vanilleteig mit sehr viel buntem „Icing“ (ein dickflüssiger, reichhaltiger Zuckerguss) und, gerade wenn es ein Kind ist, das Geburtstag feiert, gibt es meist noch ein Motiv mit Figuren aus der Lieblings-TV-Serie „on top“.

Deutsche Kuchen und Torten sind nicht so süß wie amerikanische. Zudem gibt es eine derartige Produktvielfalt, wie man sie in Amerika nicht kennt. Daher gibt es bei uns auch an jeder Ecke Bäckereien, während man in den Vereinigten Staaten lange suchen muss, bevor man einen „Pastry Shop“ – der auch eher eine Konditorei entspricht – findet. Bäckereien wie in Deutschland sind in Amerika nicht verbreitet, man kauft Brot, Bagels und Donuts meist abgepackt im Supermarkt oder im Coffee Shop (siehe auch Kapitel 4.1.1).

Neben Schokolade in vielen Variationen naschen die Deutschen am liebsten Gummibärchen, Kekse, Chips, Salzstangen und Eis. Interessant ist, wenn man die Umfrage (siehe Anlage) betrachtet, dass bei den Deutschen Chips, Kekse und Salzstangen unter Süßigkeiten genannt werden, bei den amerikanischen Gastfamilien diese Nahrungsmittel aber eher zu den Zwischenmahlzeiten gezählt werden. Diejenigen, die schon längere Zeit in den USA verbracht haben, nannten unter Süßigkeiten größtenteils Eis, Lollies, Weingummi und Bonbons. Schokolade wurde auch genannt, allerdings gab es einige negative Kommentare hinsichtlich der Qualität. Auch wurde des Öfteren auf Farbstoffe und künstliche Zusatzstoffe in amerikanischen Süßigkeiten hingewiesen, was viele als negativ empfanden. Als positiv stellte sich die Produktvielfalt heraus. So gibt es wohl in den USA nichts, was man nicht bekommen kann - oder aber alles, was man sich vorstellen kann.

3. Feiertagsmenü

Dieses Kapitel soll einen kulinarischen Einblick in das Festtagsmenü amerikanischer und deutscher Feiertage vermitteln. Zunächst wird auf diejenigen Festtage eingegangen, die in beiden Ländern gefeiert werden, deren Speisepläne sich jedoch zu unterscheiden. Danach werden zum einen typisch amerikanische und schließlich typisch deutsche Feier- und Festtage mit ihren kulinarischen Spezialitäten näher beschrieben.

3.1 Gemeinsamkeiten

3.1.1 Ostern

Man findet sowohl in Deutschland als auch in den USA die gleichen Ostersymbole: Eier, Häschen, Lämmchen und Küken. Sie gehen aus christlichen und heidnischen Traditionen hervor. Die Symbole sind Zeichen von Wiedergeburt. Das Lamm war von jeher ein religiöses Opfertier und die Ei-Symbolik zeugt von den alten Ägyptern, Persern, Phöniziern und Hindus. Sie alle glaubten, die Welt entstand aus einem riesengroßen Ei, dem Sinnbild neuen Lebens (vgl. Frankemölle, G. 2005).

Heute kommt zu diesem festlichen Anlass meist Osterlamm auf den Tisch, in den USA auch „Glazed Ham“ (Schinken). Auf beiden Seiten des „großen Teiches“ gibt es die Tradition, hartgekochte Eier bunt zu färben und auch die Süßwarenindustrie profitiert von Ostern. So gibt es unter anderem Häschen aus Schokolade und Eier aus Nougat oder Weingummi. Dies alles wird für die Kinder im Garten oder im Haus versteckt, um sie im Glauben zu lassen, der „Osterhase“ sei da gewesen. Die Eiersuche – oder auch „Easter Egg Hunt“ - ist alljährlich ein Spaß für Groß und Klein.

3.1.2 Weihnachten

Essen und Trinken war zu Weihnachten schon immer von zentraler Bedeutung, sowohl in Deutschland als auch in Amerika. Einige traditionelle Weihnachtsgerichte sind Zeugen einer Zeit, in der getrocknete Nüsse, Früchte und Gewürze aus fernen Ländern Luxus waren und für besondere Anlässe aufbewahrt wurden. In Deutschland sind die mit Nüssen und Äpfeln gefüllte Weihnachtsgans und der traditionelle Karpfen typisch für das Festessen am Abend des 24. Dezember. In den USA kommt meist ein Truthahn-Braten wie an Thanksgiving (siehe Kapitel 3.2.3) auf den Tisch.

In der Adventszeit, die man in den USA so nicht kennt, werden Plätzchen gebacken, die meist mit den für Weihnachten typische Gewürze wie Zimt, Nelken, Nüsse und Lebkuchengewürz verfeinert werden. Spekulatius, Printen und Zimtsterne sind in Deutschland verbreiteter, in den USA hingegen haben „Gingerbread Men“ (Lebkuchenmänner) eine langjährige Tradition.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Gingerbread Man

Auch an Weihnachten darf die Süßwarenindustrie wieder kräftig profitieren, mit Weihnachtsmännern aus Schokolade, Marzipan in allen Variationen, Blätterkrokant und Nougat in weihnachtlichen Formen. In den USA sind „Candy Canes“ - Zuckerstangen, die wie Spazierstöcke geformt sind - eine beliebte Nascherei und Dekoration für den Weihnachtsbaum. Abb. 5: Candy Canes

Das Getränk zu den Feiertagen ist Eggnog, ein besonders cremiger Eierlikör. Ursprünglich aus Großbritannien ist es eine Mischung aus rohen Eiern, Sahne, Gewürzen und einem Schuss Alkohol. Hier zu Lande hingegen trinkt man in der Weihnachtszeit Punsch, Glühwein oder Feuerzangenbowle.

3.1.3 Silvester

Ein altes Sprichwort aus den Südstaaten besagt: "Eat poor on New Year’s, eat fat the rest of the year."

Das traditionelle Silvester-Essen in den USA ist herzhaft und einfach: Schinken, Bohnen, Reis, Maisbrot und Blattkohl (Collard Greens), welcher wegen seiner Farbe an grüne Dollarnoten erinnert. Die Schwarzaugenbohnen (Black-eyed Peas) hingegen verheißen Wohlstand, weil sie kleinen Münzen ähneln (vgl. Frankemölle, G. 2005).

In Deutschland gibt es regionale Varietäten bezüglich des Essens an Silvester.

In den nördlichen Bundesländern gibt es oft Fisch, meist Heringssalat oder Karpfen. Der Geschichte nach ist der Fisch ein Glückssymbol – und er schwimmt stetig vorwärts. Bei Geflügel, so heißt es, fliege das Glück davon.

An keinem Abend im Jahr neigt man wohl mehr zum Aberglauben als an Silvester. Es ist wichtig, das Abendessen zu Silvester mit seiner Familie oder mit Freunden zu genießen, denn "die Gruppe beschützt jeden Einzelnen". Das Essen im Kreise seiner Nächsten symbolisiert den Schutz vor Dämonen, die diesen Kreis nicht zerstören können, weshalb man oft Fondue oder Raclette macht, ein Essen, bei dem man den ganzen Abend in geselliger Runde beisammen is(s)t.

Es sollten unbedingt Reste des Silvesteressens bis zum Neujahrstag übrig bleiben, was verheißt, dass man das ganze nächste Jahr genug zu essen hat.
Aber auch die oben genannte Symbolik aus den USA ist in Deutschland sehr verbreitet. An Silvester sollten Erbsenbrei oder Erbsensuppe gegessen werden, so wird im nächsten Jahr Reichtum und Wohlstand einkehren. Beliebt sind auch Kartoffel- oder Nudelsalat mit Würstchen oder Frikadellen als „einfaches Essen“ (vgl. Kirchenweb, 2005)

3.2 Amerikanische Feiertage

Obwohl der Begriff "holiday" wörtlich "Holy Day" (heiliger Tag) bedeutet, sind die meisten amerikanischen Feiertage nicht religiöser Natur, sondern erinnern an ein historisches Ereignis oder haben einen ethnischen Ursprung. Da die amerikanische Nation mit einer reichen ethnischen Vielfalt gesegnet ist, lassen sich amerikanische Feiertage auf die verschiedensten kulturellen Ursprünge und Traditionen zurückverfolgen, aber alle Feiertage haben einen „typisch amerikanischen Touch“ bekommen. In den Vereinigten Staaten ist Feiertag auch immer gleichbedeutend mit "Fest“ (vgl. USA Mediengesellschaft für Internet-Marketing GmbH, 2005).

Hier seien nur einige der für Amerika charakteristischen und wichtigsten Feiertage genannt. G. Frankemölle (2005) hat die kulinarischen Seiten folgendermaßen festgehalten:

3.2.1 Independence Day

Zum „Independence Day“, dem Tag, an dem der Unabhängigkeitserklärung von 1776 gedacht wird, sagen die Amerikaner kurz „4th of July“. Diesen Tag feiert man mit Picknicks, Grillfesten und Feuerwerk. Das warme Wetter eignet sich besonders gut für Open-Air-Veranstaltungen. Am Independence Day sind Potluck Parties sehr beliebt. Jeder Gast bringt ein Gericht mit, so dass ein gemischtes Buffet entsteht. Zu einem typischen Independence-Day-Picknick gehören Pasta- oder Kartoffelsalat, kaltes Hühnchen oder Meatloaf, sowie Sandwiches, gefüllte Eier oder Gemüsestücke mit Dips.

Das typische Barbecue, das bei den Amerikanern das ganze Jahr über stattfindet, besteht meist aus Hot Dogs, Hamburgern, Ribs, Chicken Wings und Maiskolben (vgl. Frankemölle, G. 2005).

3.2.2 St. Patrick’s Day

Wenn viele grün gekleidete Menschen unterwegs sind und man überall Kleebätter sieht, steht St. Patrick’s Day bevor. St. Patrick, ein irischer Schutzpatron, dem eine Reihe von Wundern zugeschrieben werden, verstarb am 17. März 461. Da etwa ein Fünftel der US-Bürger von irischen Vorfahren abstammt, feiert man so von Jahr zu Jahr vielerorts den St. Patrick’s Day Während das Fest in Irland eher einen religiösen Charakter hat, so ist es in den USA ein Volksfest, bei dem man sich kräftig betrinkt, selbst wenn man nicht Ire ist (vgl. Frankemölle G. 2005).

Das Bier wird in den Lokalen grün gefärbt, da Grün die Natur Irlands symbolisiert und auch die herzhafte, bodenständige irische Küche mit ihren Grundzutaten Kartoffeln, Kohl und Lammfleisch hat ihre Spuren hinterlassen. Am St. Patrick’s Day wird meist ein Irish Stew serviert, das eben aus diesen Zutaten besteht. Beilagen sind beispielsweise Potato Pancakes oder Cabbage and Ham Hash.

Nicht selten gibt es zum Nachtisch Irish Coffee in allen Varianten, ob als Ice Cream, Cheese Cake oder als Getränk. Irish Coffee setzt sich zusammen aus Kaffee, Whisky, braunem Zucker und Sahne (vgl. Better Homes and Gardens, 2005).

3.2.3 Thanksgiving

Traditionell kommt an Thanksgiving ein Truthahn auf den Tisch. Die Auswahl der Beilagen und Nachspeisen orientiert sich an dem, was im Spätherbst Saison hat: Kürbis, Karotten, Süßkartoffeln, Äpfel und Nüsse. Gefeiert wird Thanksgiving immer am vierten Donnerstag im November, also viel später als das deutsche Erntedankfest.

Thanksgiving ist in den USA ein staatlicher Feiertag. Viele Amerikaner nehmen sich auch den darauffolgenden Freitag frei und fahren für dieses lange Wochenende oft sehr weite Strecken, um zu Hause bei Familie und Freunden zu feiern.

Der Thanksgiving Day spielt in Amerika eine besonders große Rolle, da man ihn bis in die Zeit der Pilgerväter zurückverfolgen kann. Nach einem ersten harten Winter in der Neuen Welt wandten sie sich an die benachbarten Indianerstämme, die ihnen zeigten, wie man Mais und andere einheimische Pflanzen anbaute. Die reiche Ernte des nächsten Herbstes veranlasste die Pilger, zusammen mit den Indianern ein Erntedankfest zu feiern (vgl. Frankemölle, G. 2005).

Ein „typisches“ Thanksgiving-Menü könnte folgendermaßen aussehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Thanksgiving Menü

3.3 Deutsche Feste

In Deutschland beschränkt man sich bei einem Festtagsmenü eher auf Weihnachten und Ostern. An speziellen Feiertagen wie beispielsweise dem Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Allerheiligen oder dem Tag der Deutschen Einheit und dem 1. Mai gibt es eher keine typischen Essgewohnheiten. Die meisten erfreuen sich lediglich daran, dass sie nicht arbeiten müssen und sich entspannen können (siehe hierzu auch Kapitel 7.5). So möchte man diesen Tag nicht unbedingt in der Küche am Herd verbringen.

An bestimmten Zeiten im Jahr gibt es allerdings spezielle kulinarische Besonderheiten, die wir hier näher beschreiben möchten:

3.3.1 Oktoberfest

Das Oktoberfest zählt nicht ganz zu den Feiertagen, trotzdem ist es - kulinarisch gesehen - eine Reise wert. Mit über 6 Millionen Besuchern ist es jährlich das größte Volksfest der Welt und rund um den Globus bekannt. Neben vielen Besuchern aus aller Welt feiern jährlich vor allem die Amerikaner auf der „Wiesn“ - dem Münchener Ausdruck für die Theresienwiese (vgl. Oktoberfest.de, 2005).

Nach Informationen der Fremdenverkehrs-Chefin und Leiterin des Oktoberfestes, Dr. Gabriele Weishäupl (2004), ging der Trend beim Oktoberfest 2004 zum Rustikal Bodenständigen: Hendl, Haxn, Schweinsbraten und Ente mit Spätzle und Bratkartoffeln. Nicht entgehen lassen sollte man sich das typische bayrische Nationalgericht (siehe auch Kapitel 1.2.10): Weißwurst, bestehend aus Kalbs- und Schweinefleisch mit Petersilie und Zwiebeln, zusammen mit Senf und einer Laugenbrezel. Mit diesen deftigen Speisen schafft man sich eine Grundlage für das Bier. Man bestellt hier eine Maß, was einem Liter entspricht.

Jährlich werden davon auf dem Oktoberfest etwa 5 bis 6 Millionen verkauft (vgl. Wikipedia, 2005).

3.3.2 Karneval

Der Karneval geht auf heidnische Ursprünge zurück. Die Germanen vertrieben im Frühling die bösen Geister des Winters mit Fratzen und viel Lärm. Auch heute noch ist der Karneval fester Bestandteil des christlichen Kirchenjahres. So beginnt am Aschermittwoch die Fastenzeit – 40 Tage bis Ostern.

Im süddeutschen Raum feiert man vor allem in Hessen und Rheinland-Pfalz die Fastnacht oder „Fassenacht“. Die größten Umzüge gibt es in Köln und Düsseldorf.

An Karneval wird meist viel Alkohol getrunken – so sind das Kölsch in Köln und das Altbier in Düsseldorf mit der Maß Bier am Oktoberfest vergleichbar.

Durch den hohen Alkoholkonsum in der Karnevalszeit ist es wichtig, viel zu essen. Meist werden deftige Eintöpfe serviert, aber auch Eisbein, Schnitzel und Pommes Frites gehören ins Karnevals-Repertoire.

Das traditionellste Gebäck an Karneval ist der Krapfen, welcher schon damals vor der Fastenzeit gebacken wurde. Der Grund dafür war der „schlechte Ernährungszustand des einfachen Volkes. Geistliche und Mönche rieten damals vor Beginn des Fastens kräftige und nährstoffreiche Nahrung zu sich zu nehmen“ (vgl. Backmittelinstitut, 2003). So wurden anstatt Brote die wesentlich energiereicheren Krapfen zur Stärkung gebacken.

4. Trinkgewohnheiten

Dieses Kapitel basiert zum Teil auf Frage 4 des Fragebogens (siehe Anlage). Zum einen haben wir Deutsche zu ihren persönlichen Trinkgewohnheiten befragt, zum anderen stützen wir uns auf die Informationen von Deutschen, die längere Zeit in den USA verbracht haben, und so die Trinkgewohnheiten der Amerikaner im Alltag beobachten konnten.

Der erste Teil dieses Kapitels handelt von nichtalkoholischen Getränken, wobei ein Schwerpunkt auf die „Kaffeekultur“ in Deutschland und in den USA gelegt wird. Im zweiten Teil geht es um alkoholische Getränke und darum, wie in den jeweiligen Ländern damit umgegangen wird.

Doch zunächst einige grundlegende Informationen:

Jeder Mensch braucht täglich eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit, vorzugsweise Wasser. Weder Kaffee, Tee, noch Erfrischungsgetränke sind jedoch lebensnotwendig. Alkoholika sind überflüssig und im Übermaß schaden sie dem menschlichen Körper.

Der Körper besteht zu etwa zwei Dritteln aus Wasser, welches den ganzen Körper, die Körperzellen, die Zellzwischenräume, die Blutbahn, die Gallen- und Harnblase und das Gehirn durchströmt. Es transportiert auf Grund seiner chemischen Eigenschaften Nährstoffe bis in die kleinsten Einheiten des Körpers.

Wasser ist also einer der lebenswichtigsten Bestandteile unserer Ernährung, aber viele Menschen glauben, dass es nur wenig oder gar keinen Wert hat (vgl. Forum Ernährung heute, 2004). Zahlreiche Studien haben ergeben, dass die meisten Menschen zu wenig Wasser zu sich nehmen (vgl. Batmanghelidj, Dr. F. 2002). Welche Arten von Flüssigkeiten nehmen wir also täglich zu uns?

4.1 Nichtalkoholische Getränke

Mit dem Frühstück beginnend kann man sagen, dass die erste Mahlzeit des Tages in den USA meist von Orangensaft oder Milch begleitet wird. Oft wurde in den Fragebögen (siehe Anlage) auch erwähnt, dass die amerikanischen Gasteltern lediglich Kaffee zu sich nehmen. In Deutschland trinkt man morgens ebenfalls meist Kaffee. In den Fragebögen kam dies allerdings nicht sehr häufig vor, was wohl damit zu erklären ist, dass die Befragten vorwiegend jünger waren (Anmerkung: Auf den Kaffeekonsum wird in Kapitel 4.1.1 näher eingegangen.).

Die morgendlichen Trinkgewohnheiten der Deutschen bestehen neben Kaffee größtenteils aus Milch, Kakao, löslichem Cappuccino oder Tee. Die Vorlieben bei der Milch sind sowohl in Deutschland als auch in den USA unterschiedlich. Während Amerikaner häufig fettarme beziehungsweise völlig entrahmte Milch, die sogenannte „Skim Milk“ bevorzugen, setzt sich in Deutschland die Halbfett- oder Magermilch erst in der letzten Zeit allmählich durch, denn hier zu Lande bevorzugen viele noch die fast unbehandelte Vollmilch. In Amerika wird Milch meistens kalt und nicht nur zum Frühstück sondern auch oft zum Abendessen getrunken, während es in Deutschland fast ausschließlich ein Frühstücksgetränk ist.

Tee wird von vielen Deutschen verhältnismäßig oft, heiß oder kalt, über den ganzen Tag verteilt konsumiert. In Amerika taucht Tee jedoch nur als „Iced Tea“ auf - also Eistee, meist mit viel Zucker angereichert oder als „Light“-Version mit Süßstoff. „Light“- beziehungsweise in den USA als „Diet“- bezeichnete Getränke sind in Amerika besonders bei Frauen sehr populär. Der Zuckeranteil wird dabei durch Süßstoff ersetzt.

Die Umfrage (siehe Anlage) zeigte, dass Amerikaner viele Erfrischungsgetränke aus der Dose, die sogenannten „Softdrinks“ oder „Soda Pops“ zu sich nehmen. Dazu zählen beispielsweise Coca Cola, Pepsi, Sprite, Mountain Dew, Dr. Pepper, Root Beer, 7Up und viele andere.

Der Konsum von Softdrinks in Deutschland ist deutlich geringer. Man trinkt diese eher zu besonderen Anlässen oder wenn man Besuch empfängt. Auch werden diese Getränke hier zu Lande eher als „Limonade“ oder „Brause“ bezeichnet, wohingegen die amerikanische Lemonade aus einem Gemisch aus Pulver und Leitungswasser besteht.

Aus den Fragebögen geht weiter hervor, dass Säfte in den USA meist süßer als in Deutschland sind, und dass man des öfteren gefrorenes Fruchtsaftkonzentrat je nach Belieben mit viel oder wenig Wasser aufgießt. Deutschland bleibt beim Fruchtsaftverbrauch jedoch weltweit führend. Am beliebtesten sind hier Apfel- und Orangensaft, gefolgt von Multivitamin- und Traubensaft. Deutsche trinken auch gerne und oft Saftschorlen, ein Gemisch aus Saft und Mineralwasser, welche in den verschiedensten Sorten erhältlich sind.

Generell ist hier zu Lande der Konsum von kohlesäurehaltigem Mineralwasser beliebter als in den USA. In den letzten Jahren hat eine praktische Erfindung mit Erfolg Einzug in Deutschlands Küchen gehalten: der Trinkwassersprudler zur Wasseraufbereitung. Mit Hilfe dieses Geräts, in dem ein Kohlensäure-Zylinder integriert ist, wandelt man Leitungswasser in Sprudelwasser um.

In amerikanischen Supermärkten findet man eher selten Wasser, das mit Kohlensäure versetzt ist, dafür aber eine beachtliche Auswahl an stillem Wasser in Flaschen abgefüllt. Neben „Bottled Water“ trinkt man auch gerne Leitungswasser.

Getränke in den USA werden fast immer mit Eiswürfeln konsumiert. Im Restaurant ist ein „No ice, please“ Pflicht, wenn man sein Getränk nicht automatisch mit Eiswürfeln serviert bekommen möchte. Auch gibt es in amerikanischen Restaurants den sogenannten „Free Refill“ – sobald man ausgetrunken hat, bekommt man gratis nachgeschenkt (siehe auch Kapitel 5.2.)

Ein weiterer wesentlicher Unterschied im Getränkebereich ist das Pfandsystem, das in Deutschland seit einigen Jahren verstärkt Einzug gehalten hat. Einer neuesten Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes nach, gilt Pfandpflicht für “Einweg-Getränkeverpackungen in den Bereichen Bier, Mineralwasser und Erfrischungsgetränke mit Kohlensäure (…) für im Inland abgefüllte Getränke wie auch importierte Getränke“ (Dezember 2004). Das Pfand beträgt in der Regel zwischen 15 und 50 Cent pro Flasche. In den USA hingegen ist dieses System gänzlich unbekannt.

4.1.1 Die Kaffeekultur

Dem Kaffeekonsum soll in dieser Arbeit ebenfalls besondere Aufmerksamkeit beigesetzt werden, da er einen wesentlichen Bestandteil sowohl im Leben der Amerikaner als auch der Deutschen darstellt.

Den größten Gesamtverbrauch an Kaffee hat die USA. 1998 betrug er schätzungsweise 1.148.000 Tonnen. Umgerechnet auf den einzelnen Bewohner entsprechen diese Zahlen 4,2 Kilogramm beziehungsweise 646 Tassen pro Jahr oder 1,8 Tassen pro Tag.

Im Durchschnitt trinkt jeder Deutsche 4 Tassen Kaffee am Tag, was 160 Liter beziehungsweise 6,7 Kilogramm pro Jahr entspricht. Damit ist Kaffee noch vor Bier das beliebteste Getränk der Deutschen (vgl. Wikipedia, 2005).

Zur Geschichte

Über die Herkunft des Wortes „Kaffee“ streiten sich die Experten. Der Ursprung kann sowohl im arabischen Wort „qahwa“ als auch im türkischen „kahveh“ (zu deutsch: „anregendes Getränk, auch: Wein“) liegen. Auch kommt die Heimatprovinz Kaffa in Äthiopien als Namensgeber in Frage (vgl. Heisch, A. 1998: 6).

Eine Anekdote besagt, dass sich im 8. Jahrhundert ein Hirte in Abessinien, dem heutigen Äthiopien, über das auffällige Verhalten seiner Ziegen wunderte. Die Tiere weideten besonders gern an den Plätzen, an denen Büsche mit kleinen roten, kirschenähnlichen Früchten wuchsen und waren nach dem Verzehr stets besonders munter. Der Hirte erzählte die Geschichte einem Mönch und bat ihn um Rat. Dieser zerstampfte, röstete und kochte die unbekannten Früchte kurzerhand und empfahl den Sud nach der ersten Kostprobe auch anderen Mönchen zum Genuss – das Kaffeegetränk war entdeckt (vgl. World of Beans, 2004).

Von Afrika aus gelangte der Kaffee nach Arabien. Handelszentrum war die jemenitische Hafenstadt Mocha, auch Mokka genannt. Mit dem Aufstieg des Osmanischen Reiches wurde das Getränk immer beliebter und so entstand das erste Kaffeehaus in Persien. 1645 wurde ein solches zum ersten Mal in Europa eröffnet, und zwar in Venedig. Wien folgte 1683 und wurde zur klassischen Kaffeehausstadt. Kaffeehäuser entwickelten sich zu wichtigen Zentren des gesellschaftlichen Lebens und der Kultur – Literaten, Maler und Musiker gingen dort ein und aus.

In Deutschland entstand das erste Kaffeehaus 1679 in Hamburg - ein beliebter Treffpunkt für Kaufleute und bis heute ist Hamburg neben Bremen das Zentrum des deutschen Kaffeehandels (vgl. Heisch, A. 1998: 4 f. Klein, S. 2001: 26 ff. Kaffee- und Tee-Verband, 2004).

Kaffeehäuser versus Coffee Shops

In Amerika gehören Coffee Shops zum Alltag. Hier trifft man sich zum Frühstück oder nimmt sich auf dem Weg zur Arbeit rasch einen Coffee to go mit. Heute gibt es diese Kaffeebars an jeder Straßenecke, in Warenhäusern und Supermärkten, Flughäfen und Bahnhöfen, sogar in Museen,

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Coffee to go

Kinos und Theatern. Mal bieten sie lediglich Stehtische und Kaffeegetränke, dann wieder begleiten Muffins und Bagels den Kaffee in gemütlicher Wohnzimmer-Atmosphäre.

Das Outfit der Coffee Shops hat sich im Laufe der Jahrhunderte und insbesondere der letzten Jahrzehnte mehrmals gewandelt: Überlieferungen zufolge wurde das erste Kaffeehaus auf amerikanischem Boden im heutigen New York City im Jahre 1696 eröffnet. Man traf sich dort auf eine Tasse Kaffee, um Neuigkeiten auszutauschen. Später entwickelten sich Coffee Shops zu einer eher praktisch orientierten als gemütlichen Angelegenheit. Anwälte, Angestellte und Arbeiter stärkten sich mit Eiern, Speck und Toast für den Arbeitstag. Meist wurde dort nur heißes Wasser über Löskaffee gegossen oder man bot den klassisch amerikanischen Refill an, zwar in unbegrenzter Menge, dafür aber recht geschmacklos.

Die Ära der heutigen Coffee-Shop-Kultur begann im Jahre 1971, als Starbucks den ersten Coffee Shop am Pike Place Market in Seattle im US-Bundesstaat Washington eröffnete (vgl. Starbucks, 2005). Etwa zur gleichen Zeit kamen die Brüder Jim und Dave Stewart ebenfalls in die Metropole und eröffneten unter dem Namen „Stewart Brothers Coffee“ mehrere Coffee Shops, die seit 1991 als SBC (Seattle’s Best Coffee) als eine der bekanntesten Coffee-Shop-Ketten im ganzen Land gilt.

Neben klassischen, hochwertigen Kaffeebohnen bieten Coffee Shops außergewöhnliche Kaffee-Mixgetränke – mit Eis, Sirup oder aufgeschäumter Milch - und Kleinigkeiten gegen den Hunger an, wie zum Beispiel Bagels und Croissants, Muffins, Brownies und Sandwiches.

Während die Qualität der Bohnen den in Europa angebotenen Sorten in nichts nachsteht, gibt es dennoch erhebliche Unterschiede zur europäischen Kaffeekultur. Bis vor wenigen Jahren galt der Ruf des Kaffees in Deutschland als „eingemufft“. Es gab das Kaffeekränzchen am Sonntag und in Cafés wurde Kännchenkaffee mit einem Stück Sahnetorte serviert. Neben dem Haushaltskonsum und der klassischen Gastronomie nimmt der Außerhauskonsum von Kaffee in den letzten Jahren auch in Deutschland immer mehr zu. Ähnlich wie bei gutem Wein sind die Konsumenten heutzutage sehr aufgeschlossen und möchten verstehen, woher der Kaffee kommt und wie er optimal zubereitet wird. Besonders jüngere Verbraucher bevorzugen aromatisierte Kaffees und Kaffeespezialitäten, wie sie in Coffee Shops angeboten werden.

Im Jahr 1991 kam das Coffee-Shop-Feeling nach Deutschland. Damals wurde die erste italienische Espressobar im süddeutschen Raum getestet und 1997 wurde der erste Coffee Shop nach amerikanischem Vorbild in Frankfurt eröffnet. Heute gibt es in etwa 400 Coffee Shops auf deutschem Boden und der Trend zu weiteren Neueröffnungen ist ungebrochen (vgl. Deutscher Kaffeeverband e.V. 2003). Im Gegensatz dazu ist zu erwähnen, dass in Chicago im Jahr 2002 das erste Wiener Kaffeehaus, welches sich durch die spezielle Wiener Röstung sowie die Zubereitung und das richtige Servieren des breiten Wiener Kaffeeangebots auszeichnet.

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Details

Seiten
200
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638383202
ISBN (Buch)
9783638883283
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39589
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Angewandte Sprachwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Essen Trinken Deutschland Untersuchung

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Titel: Esskultur. USA vs. Deutschland