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Flick-Flack. Sachanalyse, organisatorische Rahmenbedingungen und Lernziele

Hausarbeit 2001 16 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1 Sachanalyse
1.1 Bedeutung des Flick-Flack im Kunstturnen
1.2 Bewegungsbeschreibung
1.3 Spezielle Leistungsvoraussetzungen
Bemerkung

2 Organisatorische Rahmenbedingungen, Lerngruppe
2.1 Halle
2.2 Unterrichtszeit
2.3 Lerngruppe
2.4 Gerätebedarf

3 Lernziele
3.1 Lernziele bei der Einführung des Flick-Flack im Kunstturnen
3.2 Lernziele bei der Einführung des Flick-Flack in der Schule

4 Methodische Lehrreihe

5 Geplanter Stundenverlauf

6 Abkürzungen

7 Literaturangaben

1 Sachanalyse

Auch wenn das Ziel einer Einführung des Flick-Flack in der Schule sicherlich nicht eine optimale Bewegungsfertigkeit dieses Elementes als Vorbereitung auf sich anschließende Sprünge ist, so bin ich trotzdem der Auffassung, dass im Zuge einer Sachanalyse auf die eigentliche Funktion dieses Elementes eingegangen werden sollte.

1.1 Bedeutung des Flick-Flack im Kunstturnen

Der Handstütz-Überschlag rückwärts, so die genaue Bezeichnung des Flick-Flack, ist ein Element, das im Kunstturnen von entscheidender Bedeutung ist. Neben den immer besser werdenden Böden ist die Optimierung des Flick-Flack als Tempomacher entscheidend für die rasante Entwicklung der akrobatischen Sprünge am Boden, die in den letzten zwei Jahrzehnten zu beobachten war. Mit den Böden musste sich zwangsläufig auch der Flick-Flack weiterentwickeln, da nur so die veränderten Bodenverhältnisse, d.h. die bessere Federung optimal genutzt werden kann.

Die Aufgabe des Flick-Flack ist es, zusammen mit dem Handstütz-Überschlag seitwärts mit ¼ Drehung – in der Turnliteratur als Radwende bzw. Rondat bezeichnet – und dem Anlauf, einen möglichst großen Energiebetrag für das sich anschließende Element bereitzustellen.

Eine akrobatische Reihe ist verlaufsorientiert; die einzelnen Teilziele müssen jeweils als eigenständige Bewegung betrachtet werden. Nur wenn jede dieser Bewegungen optimal ausgeführt wird, somit die maximal mögliche Energie bereitgestellt wird, kann das Zielelement in Optimalform ausgeführt werden.

Die Funktion des Anlaufes ist es, auf begrenzter Strecke eine optimale horizontale Geschwindigkeit zu erzeugen. Es ist das Ziel des Rondat, die Rückwärtsbewegung einzuleiten, ohne dass dabei Horizontalgeschwindigkeit verloren geht; ein möglichst großer Drehimpuls soll erzeugt werden. Mit dem Flick-Flack soll dieser Drehimpuls und die Horizontalgeschwindigkeit in Vertikalgeschwindigkeit umgesetzt werden unter Beibehaltung eines notwendigen Drehimpulses, der je nach Folgeelement verschieden groß sein muss (vergl. auch 1.2).

1.2 Bewegungsbeschreibung

Beschrieben wird die Hauptfunktionsphase der Bewegung mit dem sich anschließenden Absprung. Auf die Vorbereitungsphase(n), bzw. die Hilfsfunktionsphasen, so die in der Turnliteratur übliche Terminologie, werde ich nur ganz grob eingehen.

Betrachtet man eine akrobatische Reihe, so gehört der Flick-Flack genaugenommen selbst zur Vorbereitungsphase, bzw. ist selbst ein vorbereitendes Element, da er, wie auch der Anlauf und der Rondat, dazu dient, optimale Voraussetzungen für den Absprung zum sich anschließenden Element zu schaffen. Der Flick-Flack müsste also als Hilfsfunktionsphase, bzw. Hilfselement, 1. Ordnung bezeichnet werden. Da das im Folgenden zu betrachtende Element jedoch der Flick-Flack ist und nicht das sich anschließenden Element, wird dieser als Hauptelement angesehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Die Hauptfunktionsphase setzt zusammen aus erstens dem Armschwung mit Kopfsteuerung und dem Absprung in die Aktivüberstreckung und zweitens dem Kurbet (s. u.). Kurt Knirsch[1] beschränkt die Hauptfunktionsphase auf den Armschwung mit Kopfsteuerung sowie den Absprung in die Aktivüberstreckung und ordnet den Kurbet der Übergangsfunktionsphase zu, was ich anders sehe, da der Kurbet ein ganz entscheidender Teil des Flick-Flack ist, weshalb ich ihn zur Hauptfunktionsphase zähle.

Demnach zeigt Bild 1-5 der Abbildung 1 die Hauptfunktions- und folglich Bild 6 und 7 die Übergangsfunktionsphase.

Beschrieben wir hier ein Flick-Flack dem eine Radwende vorausgeht, da ein Flick-Flack aus dem Stand nur ein Teilziel der methodischen Lehrreihe darstellt.

Zu Beginn der Hauptfunktionsphase ist der Oberkörper in einer aufrechten Position, die Arme sind über der Waagerechten, die Knie leicht gebeugt und die Muskulatur der unteren Extremitäten somit vorgespannt. Gleichzeitig mit der schnellkräftigen Absprungstreckung der Beine, die bereits kurz vor dem ersten Bodenkontakt erfolgt, wird der ARW energisch geöffnet (Armschwung), der Kopf leicht nach hinten genommen und der Oberkörper aktiv überstreckt. Durch die Antizipation des Absprungs, d. h. den Beginn der Absprungstreckung noch kurz vor dem Bodenkontakt, wird die Amortisationsphase minimiert, der KSP bleibt nahezu auf einer Höhe, es findet also kaum vertikale Translation statt, so dass ein optimaler Drehimpuls und eine maximale horizontale Translation gewährleistet ist. Der gesamte Körper befindet sich in einer Bogenspannung (Aktivüberstreckung der vorderen Muskelschlingen), die Muskulatur ist vorgespannt und die folgende Kurbetbewegung kann – nach den biomechanischen Prinzipien der maximalen Anfangskraft und des optimalen Beschleunigungsweges – schnellkräftiger durchgeführt werden.

Es folgt eine flache Flugphase.

Bei Stützaufnahme der Hände (B 3) befindet sich der Körper in einer handstandnahen, aktiv überstreckten Position. Die KLA Linie ist gering vor der Stützpunktvertikalen (siehe B 3). Die Arme sind annähernd gestreckt und die Hände leicht einwärts gedreht, die Armstreck- und ARW Streckmuskulatur ist vorgespannt. Die Schultern befinden sich etwas vor der Stützpunktvertikalen, es ist also ein leichter Schulterwinkel zu beobachten, der aus dem Schließen des BRW resultiert, das bereits kurz vor Bodenkontakt der Hände beginnt (biomechanisches Prinzip der Gegendrehung).

Es folgt der Kurbet (B 3-5): Kurz vor der ersten Bodenberührung beginnt das schnellkräftige Schließen des BRW. Etwas oberhalb der Horizontalen erfolgt das energische Abbremsen der Beine, es findet eine Impulsübertragung statt, wodurch sich der Oberkörper, gleichzeitig mit der kräftigen Abdruckstreckung aus Schulter-, Ellbogen- und Handgelenken, aufrichtet.

1.3 Spezielle Leistungsvoraussetzungen

- allgemein gute Beweglichkeit sowie eine gut ausgebildete Grundspannung und Grundkraft
- aktive Überstreckung des ARW und der Wirbelsäule
- schnellkräftiges Öffnen des ARW
- schnellkräftiges Schließen des BRW
- gut ausgebildete Stützkraft der oberen Extremitäten (Schultergürtel, Arme und Handgelenke) v. A. in handstandnahen Positionen
- gut ausgebildete Sprungkraft (v. A. für sich an den Flick-Flack anschließenden Saltobewegungen)
- Für die letzten Schritte der methodischen Reihe muss der Rondat beherrscht werden

[...]


[1] Kurt Knirsch 1991: Lehrbuch des Gerät- und Kunstturnens; Band 1, S.89

Details

Seiten
16
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638124577
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3952
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Sportwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Flick-Flack Turnen

Autor

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