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Der Freiheitsbegriff von Tocqueville

Seminararbeit 2000 10 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist Freiheit
2.1 Allgemeine Freiheitsdefinitionen
2.2 Die liberale Freiheitsbegriff

3. Der Freiheitsbegriff von Tocqueville

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung

Alexis de Tocqueville’s zweibändiges Werk „Über die Demokratie von Amerika“, das er Mitte des 19. Jahrhunderts veröffentlichte, analysiert das Verfassungssystem der Vereinigten Staaten. Ein zentraler Begriff, den er bei dieser Analyse sehr stark in den Vordergrund stellt, ist die „Freiheit“. Er schrieb über sein Verhältnis zur Freiheit: „Ich glaube, ich würde die Freiheit in allen Zeiten geliebt haben; in der Zeit aber, in der wir leben, fühle ich mich geneigt, sie anzubeten.“[1] In einem Brief an Louis de Vergarlay schrieb Tocqueville, daß er die Freiheit für das höchste Gut halte.[2]

Er sah aber auch die Gefahren, die von der Freiheit ausgehen können, und verwies bei seiner Betrachtung der amerikanischen Demokratie auf regulative Elemente, die diese Gefahren bannen können.

In der vorliegenden Arbeit werde ich zu erst den Begriff „Freiheit“ definieren mit einem Schwerpunkt auf dem liberalen Freiheitsbegriff. Die liberale Freiheitsdefinition bietet sich als Ausgangspunkt für eine Analyse bei Tocquevilles Werk an, da das amerikanische Verfassungssystem, was er untersucht hat, stark durch den Liberalismus geprägt ist, und er selbst zum liberalen Lager gezählt wird. Anhand dieser Definition werde ich die Freiheitsdefinition von Tocqueville untersuchen. Unter Freiheitsdefinition verstehe ich nur die Formulierung der Idee. Darüber hinaus werde ich in Hinblick auf die Untersuchung des Freiheitsverständnisses Tocquevilles, die von ihm aufgeführten Schutzmechanismen der Freiheit und die Bewertung der individuellen, politischen Freiheiten unter der Fragestellung beleuchten, inwieweit sie für die Freiheitsidee ein Hindernis darstellen und mit den Überlegungen des Liberalismus vergleichen. Bei der Untersuchung werde ich, soweit es notwendig ist, politische und historische Hintergründe andeuten.

2. Was ist Freiheit?

2.1 Allgemeine Freiheitsdefinitionen

Das Lexikon der Politik definiert Freiheit als „die Selbstbestimmung des Menschen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft“.[3] Weiterhin heißt es: „Losgelöst von diesem umfassenden Umfeld hat die Frage nach der Freiheit keinen Sinn, weil menschliche Existenz ausschließlich in diesen sozialen Bezügen denkbar und möglich ist.“

Allgemein definiert die Brockhaus-Enzyklopädie den Begriff als „Grundbegriff der praktischen Philosophie und der Politik. [...] 1) Freiheit kann verstanden werden als Abwesenheit äußerer Zwänge und Bindungen. [...] 2) Freiheit kann auch als die Fähigkeit aufgefaßt werden, seinem eigenen Wollen eine Richtung geben zu können.“ Über die Freiheit im religiösen Sinne heißt es: „Das auf Luther zurückgehende reformatorische Freiheitsverständnis, das die Freiheit eines Christenmenschen im christlichen Glauben und dem in diesem Glauben gebundenen Gewissen begründet, wurde zu einer der Wurzeln der neuzeitlichen Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit.“

Immanuel Kant unterschied zwei Arten. Die „Freiheit im positiven Verstande“ bildet einen Anknüpfungspunkt für den im späteren Teil noch ausgeführten liberalen Freiheitsgedanken. Er sah in ihr die „‘Autonomie der reinen, praktischen Vernuft‘, d.h. als Vermögen der Vernunft, ‚ursprünglich gesetzgebend‘ und somit Bestimmungsgrund des - dann freien - Willens zu sein.“[4]

2.2 Der liberale Freiheitsbegriff

Für die liberalen Denker Thomas Hobbes und John Locke war Freiheit ein Naturrecht.[5] Naturrecht ist definiert als „Das Recht oder Gesetz, das unabhängig von positiven Satzungen, menschlichen Übereinkünften und traditionellen Ordnungen gilt und in der Natur seinen Ursprung hat.“[6] Hobbes begreift die Freiheit als: „ihrer Bedeutung nach die Abwesenheit aller äußeren Hindernisse in sich.“[7] Der englische Liberale John Locke schrieb über die Freiheit: „Die natürliche Freiheit des Menschen bedeutet, daß er frei ist von jeder höheren Gewalt auf Erden und nicht dem Willen oder der gesetzgebenden Gewalt eines Menschen untersteht, sondern allein das Gesetz der Natur zu seinem Rechtsgrundsatz erhebt.“[8] Weiterhin heißt es: „Wenn wir betrachten, in welchem Zustand sich die Menschen von Natur befinden, so sehen wir: dies ist ein Zustand völliger Freiheit.“[9] Grundsätzlich ist im Liberalismus die Freiheit eine ungebundene Freiheit, die nur die Rechte der anderen Individuen beschränkt ist. Aus der Tradition des Rationalismus kommend proklamiert der Liberalismus den Ausspruch Kants in dieser Hinsicht: „Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte“. Großer Wert wird auf die individuellen Freiheiten gelegt. Begrenzt ist die durch die Freiheit des anderen. Die Aufgabe des Staates ist es, diese Freiheit zu beschützen und zu gewährleisten. Zwang wird daher auf ein Minimum reduziert.

Die individuellen Freiheiten sind von jedem Menschen gleich. Hobbes schreibt über die Gleichheit: „Das neunte natürliche Gesetz lautet so: alle Menschen sind von Natur untereinander gleich.“[10] Gleichzeitig sieht der Liberalismus sieht der Liberalismus unbewußt in der Freiheit und Gleichheit einen unbewußten Gegensatz.[11]

Allgemein läßt sich feststellen, daß der Freiheitsgedanke des Liberalismus von individueller Freiheit ausgeht. Die Brockhaus Enzyklopädie faßt den Liberalismus folgendermaßen zusammen: „Bezeichnung für eine Staats-, Wirtschafts- und Gesellschaftsauffassung, die die Freiheit des Individuums als grundlegende, naturgemäße Norm menschlichen Zusammenlebens.“

[...]


[1] Tocqueville, Amerika, S. 348.

[2] Vgl. Hereth: Tocqueville, S. 13.

[3] in: Drechsler, Hillingen, Neumann: Gesellschaft und Staat – Lexikon der Politik, 9., neubearbeitete Auflage, München,1995.

[4] Brockhausenzyklopäde, S. 662.

[5] vgl.: Hobbes, Leviathan, S. 118.

[6] in: Landshut / Gaebler: Politisches Wörterbuch.

[7] ebenda. S. 118.

[8] Locke, Über die Regierung, S. 19.

[9] zitiert nach: Informationen zur politischen Bildung: Politische Ideologien, S. 2.

[10] ebenda. S. 138.

[11] Gall, S. 125.

Details

Seiten
10
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638379694
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39087
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Otto-Suhr-Institut
Note
gut
Schlagworte
Freiheitsbegriff Tocqueville Einführung Theorie Tocqueville

Autor

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