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Mithraskult und Christentum. Wettstreit zweier Religionen

Hausarbeit 2002 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Vorstellung der Religionen
2.1. Mithraskult in Persien und im Römischen Reich
2.2. Christentum

3. Vergleich zwischen Christentum und Mithraskult
3.1. Eintritt der Religionen ins Römische Reich
3.2. Parallelen und Gemeinsamkeiten der beiden Glaubensgemeinschaften
3.3. Unterscheidungsmerkmale

4. Konkurrenzdenken – Ein Nachweis anhand von Quellen

5. Abschließende Zusammenfassung

6. Verwendete Literatur

7. Anhang

1. Einleitung

Jede Religion beinhaltet ein Streben danach, dem Menschen, der sich ihr zugehörig fühlt, auf einen gerechten Lebensweg zu helfen und ihm in wichtigen Entscheidungen beizustehen. Daher existieren und existierten in allen Religionen moralische Lehren, die für das Eindämmen egoistischer Züge und die Begrenzung des Strebens nach eigenen Vorteilen eintraten und eintreten.

Besagte moralischen Lehren sind sowohl im Christentum als auch im Mithraskult wieder zu finden, zwei Religionen, die im Römischen Imperium großen Ruhm erlangten. Dabei verstand sich das Christentum als Religion der Rücksichtnahme auf andere. Der Begriff des „Nächsten“, der genauso akzeptiert werden sollte, wie er war, bildete einen zentralen Punkt, der einen Teil der enormen Anziehungskraft der Christen-Religion erklären könnte. Auch der Mithraskult war eine Religion fester gegenseitiger Beziehungen und Loyalität und bezog den Einzelnen in seine Moral ein. Dennoch stellte sie nicht das Individuum in den Mittelpunkt, sondern hielt an einer archaischen Vorstellung von Gruppe und Bund[1] [2] fest.

Die Ähnlichkeit der Religionen beschränkte sich jedoch nicht nur auf die Integrierung des Einzelnen in die Gruppe. Viele Rituale und Zeremonien wurden von beiden Glaubensgemeinschaften in gleicher oder ähnlicher Weise zelebriert, was im Römischen Reich einen Religionswettstreit auslöste, der mit der Unsicherheit wirtschaftlicher, politischer und sozialer Verhältnisse wuchs. Dies wiederum kann darauf zurückgeführt werden, dass tief greifende Veränderungen, wie z.B. auch der Fall des Limes auslöste, dazu führten dass weite Teile der mittleren und unteren Bevölkerungsschichten sich entwurzelt fühlten. Auf der Suche nach persönlichem Heil wandten sie sich neuen Religionen zu.

Auf diese Art wuchsen Mithraskult und Christentum derart an, dass die Ähnlichkeiten zwischen ihnen kaum verborgen bleiben konnten. Gegenseitige Vorwürfe der Nachahmung, auf die im weiteren noch näher eingegangen werden soll, wurden laut. Da die Quellenlage jedoch recht spärlich ist, kann bis heute die Frage danach, welcher Kult vom anderen kopiert hat, nicht eindeutig beantwortet werden.[3] Trotzdem soll mit dieser Hausarbeit der Versuch einer vergleichenden Darstellung beider Religionen in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden vorgenommen werden.

Dazu ist es zunächst erforderlich, sich einen Überblick über die Entstehung bzw. Entwicklung beider Religionen zu verschaffen. Dazu geeignet ist z.B. der „Neue Pauly“[4]. Auf den dort zu findenden Grundlageninformationen aufbauend liefert F. Cumonts Werk „Die Mysterien des Mithra[5] “ Auskünfte über die Netwicklung der Religionen im Römischen Reich, ihre Wirkungskreise und stellt Ähnlichkeiten sowie Unterschiedsmerkmale heraus. Mit Rücksichtnahme auf das Erscheinungsjahr 1923 der „Mysterien des Mithra“ sollte natürlich auch Bezug zum aktuelleren Forschungsstand genommen werden. Reinhold Merkelbachs „Mithras Ein persisch – römischer Gott[6] “ oder auch das Internet[7] liefern zusätzliche Erkenntnisse und Hinweise auf Quellen[8]. Allerdings ist bei der Internetrecherche zu beachten, dass nicht jede Information einer Internetseite ohne Hinterfragung hingenommen werden kann.

2. Vorstellung der Religionen

2.1. Mithraskult in Persien und im Römischen Reich

Der Mithraskult ist eine Religion mit persischen Ursprüngen. Nachweislich tauchte er erstmals im 14. Jahrhundert vor Christus auf. In den ältesten literarischen Zeugnissen wurde Mithras als Gott der Aufrechterhaltung der kosmischen Ordnung angesehen. Er sollte vielfältige soziale Beziehungen , wie z.B. Freundschaft, Ehe oder Blutsverwandtschaft lenken, Richter und Verteidiger des Rechts sein und war für das Wachstum von Pflanzen und Tieren verantwortlich.

Ein ihm zu Ehren abgehaltenes Hauptfest fand zur herbstlichen Tag- und Nachtgleiche Statt und wurde aufwendig zelebriert. Im Laufe der Zeit wurde Mithras immer häufiger mit der Sonne identifiziert[9]. Auch das Stieropfer, dass im Mithraskult des Römischen Reiches einen zentralen Punkt bildete, tauchte bereits in Persien bei zwei kurdischen Sekten auf.

Seit dem frühen zweiten Jahrhundert nach Christus verbreitete sich dank der Ausdehnung des Römischen Reiches der Mithraskult auch im lateinisch - sprachigen Teil desselben. Dieser Kult bot anders als die öffentlichen Religionen antiker Stadtstaaten die Möglichkeit zu einer persönlichen religiösen Identität, worin – wie bereits angeklungen – eine Ähnlichkeit zum frühen Christentum gesehen werden kann.

Mithraische Funde wurden in der gesamten römischen Welt gemacht[10], Schwerpunkte lagen jedoch in Mittelitalien, Norddalmatien und den rheinisch – danuvischen Provinzen. Die frühesten dokumentierten Anhänger waren römische Legionsoffiziere-, Soldaten und Sklaven in privilegierten Positionen. Sie gehörten bereits um 100 – 150 nach Christus Mithras an. Später, als sich der Kult weiter verbreitet hatte, kamen die Anhänger hauptsächlich aus dem Freigelassenenmilieu in den Städten. Auch in der Römischen Armee war eine kontinuierliche Präsenz Mithras’ zu verzeichnen[11]. Die römische Elite hingegen ignorierte den Mithraskult bis ins späte 3.Jahrhundert hinein. Mit der Krise des 3. Jahrhunderts kam es sogar zur Aufgabe oder sogar Schließung zahlreicher Mithraskirchen (Mithräen). Teilweise wurden die „Kirchen“ auch gewaltsam von Christen zerstört.

Im Mittelpunkt des Mithrasglaubens stand eine Art „Erlösung“, die durch die Tötung eines Stiers erreicht werden sollte. Der Tod des Stiers etablierte die neue kosmische Ordnung. Sie sollte den Abstand zwischen Mensch und Gott schließen. Eine weitere Zentrale Rolle spielten rituelle Mahlzeiten. Insgesamt unterlag das rituelle Leben, das in sieben hierarchische Stufen unterteilt war, strikten Anforderungen und auch Angst und Erniedrigung spielten eine Rolle. Aus heutiger Sicht sind die Grundlagen des Kults immer für Neuinterpretationen offen.

2.2. Christentum

Das Christentum ist ebenso wie der Mithraskult ein monotheistisches religiöses System. Es löste sich bis in die 30er Jahre des 1. Jahrhunderts nach Christus als Sekte aus dem Judentum heraus und machte das Leben und die Mission Jesus’ zu seinem Kernstück. Jesus wurde hierbei als ein Messias[12] angesehen, der am göttlichen Wesen teil hatte.

Wie bereits zu dieser Zeit aus schriftlichen Zeugnissen hervor ging, war das Christentum ein sehr verhasster Kult, was eventuell darauf zurückzuführen ist, dass diese Religion keine Ansprüche anderer religiöser Kulte anerkannte, sonder nur die christliche Trinität[13].

Dem Glauben wurde durch verschiedene Rituale und Bräuche gehuldigt, wobei jedoch noch keine rituelle Reinheit des Priesters gefordert wurde, was bedeutete, dass dieser sich nicht abstinent verhalten musste und auch zu Toten „Kontakt“ haben durfte. In die Religionsgemeinschaft aufgenommen wurde man mittels einer Taufe, bei der der Kopf unter Wasser getaucht, oder aber mit Wasser begossen wurde. Gleichzeitig wurde die Trinitätsformel ausgesprochen. Zentral waren daneben Lesungen aus der Heiligen Schrift, der Bibel, und das Sammeln von Almosen. Aber auch Wallfahrten zu Heiligtümern und der Kult von Märtyrerreliquien spielten eine Rolle. Zur Ausbreitung der christlichen Religion gibt es noch keine abschließenden Studien. Klar ist, dass ihr Ursprung in griechischen Städten östlich der Mittelmeerküste zu finden ist und dass die Glaubensgemeinschaft auch in großen Teilen der ausländischen Bevölkerung Roms sowie bei Handwerkern, Sklaven, Freigelassenen und der städtischen Armee Fuß fassen konnte.[14] Man erkennt damit deutlich, dass sich die oberen Schichten der römischen Gesellschaft auch dieser Religion nicht zuwandten. Vielmehr kam es zu zahlreichen Verfolgungen christlich Gläubiger durch verschiedene Kaiser. Erst Kaiser Konstantin beendete diese 312 nach Christus mit Hilfe eines Toleranzedikts und verschaffte den Christen einen privilegierten Status, der es ermöglichte, dass das Christentum mehr und mehr zur „offiziellen“ Religion des Römischen Imperiums werden konnte.

[...]


[1] Man weiß heute, dass sich hinter dem Begriff „Mithras“ der Sinn „Bund“ oder „Vertrag“ verbirgt. Der Gott trägt also einen redenden Namen, der die hierarchischen Beziehungen innerhalb der Glaubensgemeinschaft widerspiegelt.

[2] vgl. auch Merkelbach, Reinhold: Mithras. Ein persisch – römischer Mysterienkult. Wiesbaden 1998, S. 4-5.

[3] ebenda, S. 146.

[4] Cancik, Hubert u. Helmuth Schneider (Hg.): Der Neue Pauly: Enzyklopädie der Antike. Stuttgart, Weimar 2000.

[5] Cumont, Franz: Die Mysterien des Mithra. Ein Beitrag zur Religionsgeschichte der Römischen Kaiserzeit. Fünfte Auflage Darmstadt 1981

[6] Merkelbach, Mithras.

[7] http://www.brgzell.salzburg.at/lainer/mythlex/mithras.htm

[8] Tertullians sämtliche Schriften. Aus dem Lateinischen übersetzt von Dr. Karl A. H. Kellner. 2. Bd: Die dogmatischen und polemischen Schriften. Köln 1882

[9] Auf vielen iranischen Reliefs wurde Mithras mit einem Strahlenkranz abgebildet.

[10] vgl. auch Merklebach. Mithras, S. 148 – 150.

[11] Die Ausbreitung lässt sich hauptsächlich aufgrund von Inschriften nachvollziehen.

[12] Der Begriff leitet sich aus dem hebräischen „Maschiach“ ab, was „der Gesandte“ bedeutet. Ursprünglich wurde die Bezeichnung für Könige oder Hohepriester verwendet, später ausschließlich für Jesus Christus

[13] Die Trinität oder Dreifaltigkeit bezieht sich auf die Dreiteilung Gottes in Vater, Sohn und Heiligen Geist. Sie ist ein Christliches Zentraldogma

[14] nähere Angaben hierzu liefert: Harnack, A. von: Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten Jahrhunderten, Leipzig 1924.

Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638379168
ISBN (Buch)
9783638778855
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39013
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2
Schlagworte
Mithraskult Christentum Wettstreit Religionen

Autor

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Titel: Mithraskult und Christentum. Wettstreit zweier Religionen