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Currency Board System in Argentinien

von Chrysanth Herr (Autor) Christiane Heisterkamp (Autor) Christoph Hehemann (Autor) Toni Hofmann (Autor) Philip Heimbach (Autor)

Hausarbeit 2004 19 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Konstituierende Merkmale des Currency Board Systems
2.2 Vorteile des Currency Board Systems am Beispiel Argentiniens
2.3 Nachteile des Currency Board Systems am Beispiel Argentiniens

3. Der Weg zum Scheitern in Argentinien

4. Erfolgsvoraussetzungen für das Currency Board

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Politikern wird oft vorgeworfen viel zu versprechen, was sie nicht einhalten können. In Argentinien verkauften Ökonomen den Politikern zwei Utopien, die nicht verwirklicht werden konnten. Ihr Versagen stürzte das Land in die schwerste politische und finanzielle Krise der letzten Jahrzehnte, […]“[1].

Die erste Illusion beschreibt Prof. Andres Valesco als „Musterknaben-Illusion“[2]: Argentiniens Fiskalpolitik hielt sich gemäß den Ratschlägen der führenden Ökonomen sklavisch an die Spezifikationen und Richtlinien des Currency Board Systems (CBS). Präsident de la Rua erhöhte in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Steuern, um die strengen Vorgaben des Budgetdefizits zu erfüllen, und verstärkte somit den Abwärtstrend der eigenen Wirtschaft. Die Glaubwürdigkeit der Finanzpolitik im Auge der ausländischen Investoren stand für ihn im Mittelpunkt seiner Erwägungen, die Auswirkungen seiner Politik auf die gesamte Konjunktur ließ er jedoch unberücksichtigt.

Die „Zauberstab-Illusion“[3] bezeichnet die vermeintlich erbaulichen Effekte des Currency Boards (CB). Durch die Einführung des CBS wurde die exzessive Banknotenproduktion unterbunden und damit das Vertrauen ausländischer Investoren in Argentinien gestärkt. Allerdings ging mit dem CBS nicht nur ein neues monetäres System einher, sondern die gesamte Wirtschaft sollte reformiert werden, da in einem CBS das Abwerten der Währung zum Ausgleich der Budgetdefizite nicht mehr möglich war. Diese Misere überforderte das CB, Argentinien sah in dem CBS ein Heilmittel für seine Wirtschaft und konnte aber nur sehr kurzfristig Erfolge verbuchen.

Im Folgenden werden die Eigenschaften eines Currency Board Systems zunächst allgemein vorgestellt. Nachdem die Eigenschaften des Currency Boards verdeutlicht wurden, werden dessen Vor- und Nachteile am Beispiel Argentiniens erläutert und daran aufgezeigt, welche Probleme in Argentinien zu seinem Scheitern geführt haben. Anhand der Analyse kommen wir zu dem Schluss, welche allgemeinen Voraussetzungen für den Erfolg dieses Systems idealer Weise erfüllt sein müssen bzw. unter welchen Bedingungen sich ein Land für ein solches System eignet.

2. Grundlagen

2.1 Konstituierende Merkmale des Currency Board Systems

Heutzutage besitzt in den meisten Ländern eine Zentralbank die monetäre Autorität. Zentralbanken sind von den Finanzministerien unabhängige Institutionen, die nicht daran gebunden sind, einen bestimmten Wechselkurs oder eine bestimmte Inflationsrate einzuhalten.[4]

Neben den Zentralbanken gibt es noch diverse andere monetäre Systeme. Eines von diesen Systemen ist das CBS. Ein CB bringt Banknoten und Münzen in Umlauf, ist dabei aber an bestimmte Vorgaben gebunden. Die konstituierenden Merkmale des CBS sollen im Folgenden erläutert werden.

Beim CBS ist die inländische Währung immer an eine „Ankerwährung“ gebunden. Zwischen heimischer Währung und Ankerwährung besteht ein fixer Wechselkurs, der gesetzlich festgehalten wird.[5] Durch das Anbinden der heimischen Währung an die Ankerwährung ist die Inflation im Land des CB in der Regel auf das Niveau beschränkt, wie es im Land der Ankerwährung herrscht. Es wird also mit Hilfe des CB die Stabilität des Landes der Ankerwährung „importiert“.[6]

Unbegrenzte Umwandelbarkeit der heimischen Währung in die Ankerwährung zeichnet das CBS aus. Es dürfen keine Restriktionen bestehen, die ein Umwandeln in die Ankerwährung beschränken. Der Bevölkerung muss es also jederzeit möglich sein, heimische Währung zum festen Wechselkurs in die Ankerwährung umzutauschen. Unter die unbegrenzte Umwandelbarkeit fällt nicht die Aufgabe, Bankguthaben in die heimische Währung umzuwandeln; dies ist Aufgabe der Geschäftsbanken. Das CB sorgt lediglich für eine Umwandelbarkeit der Banknoten und Münzen, die es in den Umlauf bringt.

Die in Umlauf gebrachten inländischen Banknoten und Münzen müssen zu mindestens 100 Prozent durch die Ankerwährung gedeckt werden. Eine Geldschöpfung kann nur geschehen, wenn die neu emittierten Banknoten und Münzen vollständig durch die Ankerwährung gedeckt sind. Meistens ist es der Fall, dass die heimische Währung zu mehr als 100 Prozent, meist 105 – 110 Prozent, durch die Ankerwährung gedeckt ist. Damit will man die vollständige Deckung im Falle einer Abwertung der Ankerwährung sicherstellen. Ankerwährungen sind meist sehr stabile Währungen, wie zum Beispiel der Dollar oder der Euro. Es ist jedoch nicht Voraussetzung für das Currency Board, dass die Ankerwährung von einer Zentralbank verwaltet wird. So kann beispielsweise auch Gold als Ankerwährung verwendet werden.

Weiterhin müssen beim Currency Board gesetzliche Regelungen getroffen werden, die für ein Festhalten am CBS sorgen. Dies kann entweder per Gesetz oder in der Verfassung des jeweiligen Landes geschehen. Gesetzlich geregelt werden müssen ein Verzicht auf eine diskretionäre Geldpolitik und ein Verbot der Finanzierung staatlicher Budgetdefizite.[7] Für den jeweiligen Staat bedeutet das ein Verlust der Souveränität hinsichtlich einer eigenständigen Geldpolitik. Dies muss jedoch auch als Chance gesehen werden durch den Stabilitätsimport des Landes der Ankerwährung zu profitieren.

Das Currency Board erwirtschaftet durch das Anbieten von heimischer Währung direkt keine Gewinne, weil die Nutzer der Banknoten und Münzen keine Zinsen zahlen. Die einzige Möglichkeit für das Currency Board, Geld zu verdienen, sind die Zinsen für die Ankerwährung. Der Gewinn des Currency Boards sind demnach die Zinsen für die Ankerwährung abzüglich der Ausgaben für das Anbieten der heimischen Währung. Im Umfang dieses Gewinnes wird die Deckung der heimischen Währung mit der Ankerwährung erhöht und die heimische Geldmenge kann ausgedehnt werden.

Der Austausch von heimischer Währung und Ankerwährung ist die einzige Funktion des Currency Boards. Wie schon erwähnt darf es nicht für geld- und fiskalpolitische Zwecke verwendet werden. Somit kann eine Regierung ihre Ausgaben nur durch Steuern oder das Leihen von Geld finanzieren, nicht jedoch durch das Drucken von zusätzlichen Banknoten, wodurch Inflation entsteht. Dies ergibt sich auch dadurch, dass die heimische Währung vollständig durch die Ankerwährung gedeckt sein muss. Bei Kreditgewährung des Currency Boards gegenüber inländischen Kreditnehmern wäre dies höchstwahrscheinlich nicht mehr gegeben.[8]

Für Banken und dem Fiskus besteht im CBS nicht die Möglichkeit sich bei Zahlungsschwierigkeiten Geld zu leihen. Dies versteht man unter der „lender-of-last-resort“-Funktion, die im CB gesetzlich verboten ist. Die monetäre Basis M0 ist zu mindestens 100 Prozent durch die Ankerwährung gedeckt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Geldmengen M1 und M2 zu 100 Prozent durch die Ankerwährung gedeckt sein müssen.[9] Das folgt daraus, dass die Reserven der Banken gesetzlich nur einen Teil ihrer Forderungen ausmachen müssen.

2.2 Vorteile des Currency Board Systems am Beispiel Argentiniens

Das CBS wurde in Argentinien im April des Jahres 1991 auf Betreiben des Präsidenten Menem und seines Finanzministers Domingo Cavallo eingeführt. Zu dieser Zeit befand sich Argentinien in einer großen wirtschaftlichen Krise und dementsprechend versprach man sich von dem CBS sehr viel. Die Hauptaufgaben des CBS waren die Bekämpfung der hohen Inflation und die Senkung des Zinsdifferenzials gegenüber dem US-Dollar. In Verbindung mit der Einführung des CBS wurde ein Konvertibilitäts-Plan umgesetzt, der zur geldpolitischen Disziplin zwang und eine Finanzierung des Staatsbudgets durch Geldschöpfung der Zentralbank verbot.[10] Das Umtauschverhältnis des Pesos zum US-Dollar wurde gesetzlich auf 1:1 fixiert, so dass jener fest an diesen gebunden war. Die Einführung des CBS wurde begleitet durch ein sehr erfolgreiches Stabilisierungsprogramm. Die öffentlichen Ausgaben sanken von 36% des BIP in 1989 auf 30% in 1990. Noch drastischer fiel das Staatsdefizit von 7,6% auf nur 2,3% im gleichen Zeitraum.[11] Die Liberalisierungsmaßnahmen der Regierung hatten auch den gewünschten Effekt auf die Inflationsrate – sie sank von 5.000% auf 3,9% von 1990 bis 1994[12]. Ebenso konnte das abnehmende BIP wieder gestärkt werden, so dass es in den Jahren 1992 – 1994 im Durchschnitt mit 7% stieg[13]. Allein die hohe Arbeitslosenquote bereitete weiterhin Sorgen.

Diese positive Entwicklung ist primär den Vorteilen des CBS zu verdanken. Argentinien kaufte sich durch das CBS und die Anbindung an den US-Dollar das geldpolitische Managementwissen der USA ein, da die geldpolitische Verantwortung für den argentinischen Peso über das CBS auf die USA übertragen werden konnte.

Ein weiterer Vorteil des CBS für Argentinien waren auch die im Vergleich zu einer eigenständigen Geldpolitik niedrigen Zinsen für Auslandskredite durch die Reduzierung des Wechselkursrisikos und der Risikoprämie. Im Vergleich mit den USA musste Argentinien jedoch noch 1998 eine Risikoprämie in Höhe von 5% bezahlen.[14] Der Grund dafür liegt zum einen darin, dass die Finanzmärkte nicht von der Dauerhaftigkeit des CBS in Argentinien überzeugt waren, und zum anderen, dass ein CBS keine lender-of-last-resort-Funktion hat. Die Herstellung kurzfristiger Liquidität im Falle einer Bankenkrise ist in einem CBS nicht möglich, bzw. nur möglich, wenn über die gesetzlich vorgeschriebene Mindestreserve noch Devisen vorhanden sind, was aber in Argentinien nicht der Fall war. Das Argentinische Bankensystem war somit deutlich gefährdeter als das System in dem Land der Leitwährung, den USA. Das Risiko der Abwertung der eigenen Währung konnte Argentinien jedoch ebenfalls durch das CBS begrenzen, weil sich bei einem CBS die Geldmenge vermindert, wenn ein Leistungsbilanzdefizit vorliegt und dadurch wirkt die Geldmengenverminderung der Abwertungstendenz entgegen. Zusätzlich verringerte Argentinien die Gefahr eines abnehmenden Leistungsbilanzdefizits, da dem CBS der Erwerb von inländischen Aktiva nicht gestattet war.[15]

[...]


[1] Velasco, Hochfliegende Illusionen, S. 1

[2] Velasco, Hochfliegende Illusionen, S. 2

[3] Velasco, Hochfliegende Illusionen, S. 1

[4] Vgl.: Schuler, Introduction to Currency Boards, S. 2

[5] Vgl.: Bofinger, Geldpolitik, Ziele, Institutionen, Strategien und Instrumente, S. 126

[6] Vgl.: Caspers, Zahlungsbilanz und Wechselkurse, S. 145

[7] Vgl.: Caspers, Zahlungsbilanz und Wechselkurse, S. 146

[8] Vgl.: Bofinger, Geldpolitik, Ziele, Institutionen, Strategien und Instrumente, S. 125f

[9] Vgl.: Aschinger, Währungskrise in Argentinien trotz „Currency Board“ S. 244

[10] Aischinger, Währungskrise in Argentinien trotz „Currency Board“, S. 243

[11] Lachmann, Währungskrise in Argentinien, S. 2

[12] Aischinger, Währungskrise in Argentinien trotz „Currency Board“, S. 244

[13] Lachmann, Währungskrise in Argentinien S. 2

[14] Vgl.: Horn, Argentinien in der Krise, S. 5

[15] Vgl.: Caspers, Zahlungsbilanz und Wechselkurse S. 146

Details

Seiten
19
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638378567
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v38928
Institution / Hochschule
European Business School - Internationale Universität Schloß Reichartshausen Oestrich-Winkel
Note
1,7
Schlagworte
Currency Board System Argentinien Zahlungsbilanz Wechselkurssysteme

Autoren

  • Autor: Chrysanth Herr

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    7 Titel veröffentlicht

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