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Verhaltenssteuerung von Bankmitarbeitern mit RAPM- Kennzahlen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 26 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung und Bewertung einiger ausgewählter Performancemaße zur Banksteuerung
2.1 Traditionelle Performancemaße
2.2 Risikoadjustierte Performancemaße
2.2.1 Aufbau und Ziel eines risikoadjustierten Kennzahlensystems
2.2.2 Kurzvorstellung des Value at Risk, der Standardabweichung sowie des Lower Partial Moment One als Methoden zur Quantifizierung von Risiken
2.2.3 Einzelne auserwählte Kennzahlen

3. Beurteilung der Eignung von RAPM- Kennzahlen zur Verhaltenssteuerung und Überprüfung der von ihnen ausgehenden Wirkung
3.1 Notwendigkeit von Anreizsystemen und Anforderungen an ein Anreizsystem
3.2 Investitionsentscheidungen risikoaverser Eigentümer
3.3 RAPM- Kennzahlen als Bestandteil eines leistungsorientierten Gehaltssystems und kritische Würdigung
3.3.1 Die asymmetrische Entlohnungsfunktion und ihre Wirkung
3.3.2 Investitionsentscheidung der Mitarbeiter bei Einbezug verschiedener Kennzahlen
3.3.3 Konfliktpotentiale und Probleme
3.3.4 Schlussfolgerungen

4. Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Beispiel 1 zur Anwendung des Mean Preserving Spread

Tabelle 2 RAROC- Werte des Beispiels 1

Tabelle 3 RAROSTD- Werte des Beispiels 1

Tabelle 4 Beispiel 2 zur Anwendung des Mean Preserving Spread

Tabelle 5 RAROSTD- Werte des Beispiels 2

Tabelle 6 RAROLPM1 –Werte des Beispiels 1

Tabelle 7 RAROLPM1 –Werte des Beispiels 2

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Einleitung

In dieser Seminararbeit geht es darum, die Verhaltenssteuerung von Mitarbeitern anhand von RAPM- Kennzahlen zu analysieren und zu beurteilen.

Zunächst wird in der Einleitung die Notwendigkeit einer risikoadjustierten Performancemessung umrissen, um dann im zweiten Kapitel auf einige ausgewählte Performancemaße zur Banksteuerung näher einzugehen. Im dritten Kapitel soll

die Verbindung der RAPM- Kennzahlen mit der Verhaltenssteuerung erfolgen.

Es soll analysiert werden, ob durch den Einsatz der risikoadjustierten Performancemaße die Entscheidungen der Mitarbeiter mit den Vorstellungen der Eigentümer in Übereinstimmung gebracht werden können. Aufgrund des vorgegebenen Rahmens ist eine umfassende Betrachtung nicht möglich.

Der Einfluss von Risiken auf die Geschäftssteuerung in Banken hat in der jüngeren Vergangenheit zugenommen. Insbesondere in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs treten auf Grund vermehrter Unternehmensinsolvenzen erhöhte Kreditverluste auf und belasten das Eigenkapital. Auch bringt eine zunehmend globale Verflechtung der Kapitalmärkte einen verstärkten internationalen Wettbewerb um Investoren mit sich. In diesem Zuge nehmen sehr viele Unternehmen eine „Shareholder Value– Orientierung“ vor. Aktienanleger verlangen einen marktgerechten Ertrag für ihr investiertes Kapital. Dabei gilt das Eigenkapital der Bank als begrenzt vorhandene Ressource und muss demnach effizient eingesetzt werden. Bankvorstände sind also gehalten ihre Institute ertrags- und risikoorientiert zu führen. Auch eine volatilere Bewertung von traditionellen Sicherheiten erfordert ein Umdenken, bessere Möglichkeiten zum aktiven Management von Kreditrisiken durch neuartige Instrumente ermöglichen dieses. Außerdem hat sich das Bankgeschäft enorm verändert. Gute Unternehmen finanzieren sich heute sehr oft direkt über den Kapitalmarkt, schlechte Unternehmen finanzieren sich weiterhin über Bankkredite. Dies führt natürlich zu schlechteren Kreditportfolios der Banken. Außerdem hat sich ein erhöhtes Preis-Leistungsbewusstsein der Kundschaft herausgebildet. Des weiteren verteilen Kunden ihre Geschäfte heute auf mehrere Institute. Alle diese Faktoren führen zu einem verschärften Wettbewerb und zu sinkenden Erträgen, was durch die Globalisierung verstärkt wird.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Rentabilitätsmessung und –steuerung auf Gesamtbankebene ohne Integration eines Risikomaßes nicht mehr darstellbar ist, denn Kreditinstitute sind nicht nur Finanz- intermediäre, vielmehr ist auch die Übernahme von Risiken wesentlicher Bestandteil des Bankgeschäftes. Verknüpfung von Risiko- und Ertragssteuerung ist also

unabdingbar um eine Bankinsolvenz oder eine Übernahme zu vermeiden.

Die immer leistungsfähigeren EDV- Systeme haben wesentlich dazu beigetragen dies zu ermöglichen.

Nicht selten ist es vorgekommen, dass Banken, getrieben von steigendem Wettbewerbsdruck, die Grenzen ihrer Risikoabsorptionsfähigkeit überschritten haben.

War in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei Kreditinstituten Wachstum um jeden Preis oberstes Ziel, setzte ab Ende der 80er Jahre der radikale Umdenkprozess ein. Die Banken bemühten sich darum, Ergebnisinformations-

systeme aufzubauen, mit deren Hilfe sie die Ergebnisbeiträge von Kunden und v.a. ihrer Profitcenter kalkulieren konnten. RAPM- Kennzahlen sind also eine Antwort auf die immer komplexer werdende Unternehmensumwelt.

Bei der Performancemessung in Banken gibt es im Vergleich zu Industrieunternehmen einige Besonderheiten. So gilt es z.B. das systematische als auch das unsystematische Risiko zu steuern, denn ein bankrun kann zum Zusammenbruch einer ganzen Wirtschaft führen. Außerdem unterliegt die Bankenlandschaft, verglichen zu den Industrieunter- nehmen, bestimmten Regulierungsvorschriften. Die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an das Risikomanagement der Banken wachsen deutlich. Eine Risikoadjustierung ist unbedingte Voraussetzung für eine zielorientierte Steuerung, nur auf diese Weise kann neben der Quantität auch die Qualität und Stabilität der Erträge in Entscheidungen über die Allokation von Kapital und anderer Ressourcen eingehen1.

2. Vorstellung und Bewertung einiger ausgewählter Performancemaße zur Banksteuerung

2.1 Traditionelle Performancemaße

Bei diesen Kennziffern betrachtet man das Ergebnis pro eingesetzter Kapitaleinheit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten2

Diese Kennzahl gibt die Gesamtkapitalrendite an.

Vorteile

- Geeignet zum Vergleich zwischen Banken
- Werte aus Bilanz ermittelbar

Nachteile

- Risiko als entscheidende Größe fehlt, mit welcher Wahrscheinlichkeit und unter welchem Risiko ein Erlös erwirtschaftet wird fließt nicht einÞ es entsteht ein trügerisches Bild, das Controlling kommt seiner Aufgabe, aussagekräftige Informationen bereitzustellen nicht nach Þ Fehlentscheidungen
- Problem sich an bilanziellen Größen zu orientieren, denn außerbilanzielle Geschäfte spielen auch eine nicht untergeordnete Rolle
- Es kann zu falscher Bepreisung einzelner Kreditengagements kommen
- Es kann zu suboptimaler Allokation des knappen Gutes Eigenkapital kommen und somit effizientes Bankmanagement nahezu unmöglich machen Þ ggf. Wertvernichtung der von den Kapitalgebern überlassenen Vermögenswerte
- Einperiodigkeit, Zukunft wird zu wenig berücksichtigt, vergangenheitsorientiert
- Die Zuteilung des Kapitals auf Bereiche oder Geschäfte ist schwierig
- Baut auf den Zahlen des Jahresabschlusses auf (mangelnde Korrelation zur

Unternehmensentwicklung; Bewertungsspielräume; Vergangenheitsorientierung)

- Buchhalterische Rendite ¹ der von Aktionären geforderten Mindestrendite
- Kapitalkosten finden in Kennzahl keine Anwendung
- Berücksichtigt keinen zeitlichen Anfall von Zahlungen
- Portfolioeffekte bleiben außen vor
- Kein Vergleich zwischen Investitionen mit verschiedenem Risiko möglich

Der ROE ist eine klassische ROC- Kennzahl. Er gibt die Rendite des Eigenkapitals an.

Vorteile

- Die meisten Vorteile des ROC gelten auch hier
- Für Anleger Determinante des Anlageerfolges

Nachteile

- Die meisten Nachteile des ROC gelten auch hier

Vorteile

- Für Vergleiche zwischen Banken geeignet
- Extern vorgegeben und daher intern nur schwer in Zweifel zu ziehen3
- Zuordnung einfach, da extern vorgegeben
- Beziehung zwischen Kapital und Risiko hergestellt Nachteile
- Ökonomisch notwendiges Risikokapital differiert mit dem aus aufsichtsrechtlicher Sicht
- Bereich, der nur für Passiva zuständig ist, erwirtschaftet hohe Rendite
- Einperiodige Größe, vergangenheitsorientiert
- Nichtbilanzwirksame Tätigkeiten bleiben außen vor
- Keine Berücksichtigung von Portfolioeffekten
- Gibt falsche Steuerungsimpulse und führt zu Ineffizienzen

2.2 Risikoadjustierte Performancemaße

Das traditionelle Gebäude der rentabilitätsorientierten Banksteuerung wurde aufgrund der oben dargelegten Nachteile und der gegebenen Notwendigkeit erweitert um dem Risiko angepasste Performance-Kennzahlen. RAPM- Kennzahlen versuchen, die Zielsetzung der Maximierung des erzielten Ergebnisses in Bezug auf das gebundene Kapital mit Erkenntnissen der Portfoliotheorie bzw. des CAPM bezüglich des Risk- Return-Zusammenhangs zu verbinden4.

Es hat sich noch kein Standardmaß herausbilden können, denn es liegen noch sehr wenige Erfahrungswerte vor und es darf nicht vernachlässigt werden, dass durch Veröffentlichung wichtige interne Informationen publik gemacht werden.

Somit befindet sich die Implementierung noch in einem Anfangsstadium.

2.2.1 Ziel und Aufbau eines risikoadjustierten Kennzahlensystems

Mit Hilfe der risikoadjustierten Verzinsung können einzelne risikobehaftete Bankgeschäfte verglichen werden, sie messen den Beitrag zum Erfolg von

Bankgeschäften, die mit Risiko behaftetet sind. Somit können diese Kennziffern auch

zu einer optimalen Risikoallokation auf Gesamtbankebene beitragen. Risikokapital wird als knappe Ressource betrachtet und kann aufgrund der Kennziffern auf die effi- zientesten Geschäfte und Geschäftsbereiche aufgeteilt werden. Das verfügbare

Risikokapital soll grundsätzlich nur dort eingesetzt werden, wo mindestens die vom Kapitalmarkt geforderte Risikoprämie erwirtschaftet werden kann. Anhand derartiger Kennzahlen besteht die Möglichkeit aufzuzeigen, ob das Eigenkapital risikoadäquat und gleichzeitig unternehmenswertsteigernd eingesetzt ist.

Charakteristisch für alle RAPM- Größen ist die simultane Betrachtung des Ergebnisses

in Relation zu den damit eingegangenen Risiken. Es erfolgt die Division einer absoluten Ergebnisgröße durch eine absolute Kapitalgröße unter expliziter Berücksichtigung von Risikoaspekten. Eine Risikoadjustierung ist dabei sowohl bei der Erfolgsgröße im Zäh-

ler als auch bei dem Kapital als dessen Bezugsgröße im Nenner möglich. Des weiteren können verschiedene Methoden zur Quantifizierung der Risiken herangezogen werden. Auf diese Weise erhält man verschiedene RAPM- Varianten als mögliche Risk- Return- Kennzahlen als Instrument des Risikomanagements in Kreditinstituten. Nicht selten ist es nahezu unmöglich, das erbrachte Ergebnis und das von dem Bereich einge-

gangene Risiko exakt zu messen.

2.2.2 Kurzvorstellung des Value at Risk, der Standardabweichung sowie des Lower Partial Moment One als Methoden zur Quantifizierung von Risiken

Die Quantifizierung von Risiken in der Bankpraxis hat im Laufe der vergangenen Jahre mit der Anwendung mathematisch-statistischer Methoden eine neue Qualität bekommen. Dies betrifft sowohl die Messung von Einzelrisiken als auch und v.a. die Messung von Portfoliorisiken. Bei den drei folgenden Methoden wird Risiko unterschiedlich definiert.

Value at Risk:

Der VaR gibt den höchstmöglichen finanziellen Verlust in einer Halteperiode auf der

Basis eines gegebenen Konfidenzniveaus an. Das Konfidenzniveau besagt, mit welcher Wahrscheinlichkeit der berechnete VaR zum vorgegebenen Prognosehorizont nicht überschritten wird. Bei einem Konfidenzniveau von 99% wird der VaR also höchstens mit einer Wahrscheinlichkeit von 1% überschritten. Es werden bei diesem Risikomaß nur Verluste betrachtet. Der VaR bietet die Möglichkeit, Risiken in unterschiedlichen Bereichen eines Betriebes einheitlich zu messen, ebenso bankweit. Somit kann die Kapitalallokation effizienter gestaltet werden. Aus der Berechnung kann der Eigenkapitalbedarf für das Unternehmen entnommen werden, der erforderlich ist, um die ermittelten Risiken zu tragen. Das VaR- Konzept kann ebenfalls Verbund- wirkungen zwischen den Einzelrisiken und den damit verbundenen Diversifikations- wirkungen quantifizieren. Mit diesem Konzept soll also für die Gesamtbanksteuerung die aus der Portfoliotheorie für Wertpapieranlagen gewonnene Erkenntnis genutzt werden, dass das Risiko eines Anlageportfolios dann geringer ist als die Summe aller Einzelrisiken, wenn letztere nicht vollständig, d.h. mit einem Wert von weniger als +1 miteinander korreliert sind.

[...]


1 vgl. Lehar/ Welt/ Wiesmayr/ Zechner (1998), S.857

2 wobei Kapital = Eigenkapital, da der Reingewinn den Abzug der Fremdkapitalkosten impliziert

3 vgl. Lehar/ Welt/ Wiesmayr / Zechner (1998), S. 952

4 vgl. Bessis (1998), S.261

Details

Seiten
26
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638378406
ISBN (Buch)
9783656571421
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v38907
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Schlagworte
Verhaltenssteuerung Bankmitarbeitern RAPM- Kennzahlen

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Titel: Verhaltenssteuerung von Bankmitarbeitern mit RAPM- Kennzahlen