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Medienanalyse. Exemplarische Filmanalyse anhand von "Thelma & Louise"

Hausarbeit 2017 16 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie
2.1 Definition Roadmovie
2.2 Mise en Scène
2.3 Bild
2.4 Ton

3. Thelma Louise - eine exemplarische Analyse
3.1 Der Film
3.2 Geschlechterrollen
3.3 Charakterisierung der Hauptdarstellerinnen
3.3.1 Thelma
3.3.2 Louise
3.4 Bild- und Tonanalyse
3.4.1 Anfangsszene (0:00-3:50)
3.4.2 Reiseszene(n)
3.4.3 Schlussszene

4. Fazit

1. Einleitung

Diese Hausarbeit wird geschrieben im Rahmen des Seminars „Einführung in die Medienanalyse - C, Roadmovie) im Sommersemester 2017. Das allgemeine Thema „Roadmovie“ wurde in jeder Seminarsitzung von einer anderen Perspektive aus beleuchtet. So wurden die folgenden Themen behandelt:

- Letzte Aufbrüche - Roadmovie und Alter
- Roadmovies als Coming of Age Filme
- Roadmovies und Selbstfindung/Identität
- Lovers on the Run
- Roadmovie und Gender
- Roadmovies als Landes- und Mediengeschichte
- Roadmovies als Archivierungsversuch eines verschwundenen Zeitalters

Anhand ausgewählter Filme wurden sowohl Inhalt als auch Aspekte der Filmanalyse, z.B. Kameraführung, Musik und weitere, beleuchtet. Besonders interessant schien mir das Teilthema „Roadmovie und Gender“ und der dazugehörige Film „Thelma ; Louise“. Den Film kannte ich bereits im Vorfeld und fand die darin enthaltenen Figurenkonstellationen und Gegenüberstellung der Gender sehr gut gelungen.

Bis zu dem Seminar habe ich mich noch nicht mit dem Genre „Roadmovie“ beschäftigt und hatte kein Vorwissen, jedoch Interesse an dem Thema.

Diese Hausarbeit ist aufgeteilt in zwei Teile: Die Einleitung mit der Begriffserklärung und die exemplarische Analyse des Films „Thelma ; Louise“. Im zweiten Teil möchte ich den Film knapp vorstellen, genauer auf die Geschlechterrolle und die Charaktere mitsamt ihrer Entwicklung sowie einige Aspekte der Filmanalyse eingehen.

2. Theorie

2.1 Definition Roadmovie

„Roadmovie“ ist die Bezeichnung für ein Filmgenre, welches sich in den 1960er Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika entwickelt hat. Beim Roadmovie ist das Vorhandensein eines Autos und die Bewegung zwischen zwei Orten maßgeblich, so ist die Reise auch die eigentliche Handlung. Die Reise muss nicht zielgerichtet sein und es geht nicht darum, am Ziel anzukommen. Im Vordergrund steht das Entfliehen aus der Gesellschaft in die Freiheit und die Suche nach sich selbst. So enthalten die meisten Filme dieses Genres die ;Metapher ;für die Selbstfindung der Protagonisten. Die Protagonisten sind überwiegend männliche Personen, die auf ihrer Reise auf Highways und Landstraßen aus ihrer gewohnten Umgebung verschwinden, z.B. um Abenteuer zu erleben oder vor dem Gesetz zu flüchten. In diesem Fall werden sie Protagonisten als „Outlaws“ ;bezeichnet, da sie außerhalb des Gesetzes stehen. Roadmovies enden oft mit dem Tod der Hauptfiguren (Grob 2006). Die Straßen und die Reisesequenzen in den Filmen verfügen oft über die Funktion eines Bindegliedes oder Lückenfüllers zwischen zwei Handlungen.

„Die Unbestimmtheit des endgültigen Reiseziels, die Durchbrechung einer chronologischen Erzählweise, der Hang zur Mythenbildung im Erleben einer grenzenlos erscheinenden Freiheit und schließlich das ernüchternde, häufig brutale oder niederschmetternde Ende, das nie ein 'Happy end', bestenfalls in europäischen Filmen noch ein 'Open End' ist.“ (Strübel 1996, zitiert nach Ralf Thür, 2003)

Vorbilder für die Geschichten über das Unterwegssein reichen bis zu Homers ;„Odyssee. zurück, welcher der Ansicht war, dass man nicht reise um anzukommen, sondern um zu reisen (kinofenster.de 2017). Als Vorgänger kann Charlie Chaplins Film „The Tramp“ (vom Englischen „Landstreicher“ oder „umherziehender Gelegenheitsarbeiter“, Duden 2009) gesehen werden. Das neue Genre hat das vorige, die Western oder Spätwesternfilme, abgelöst. Als Ursprung des Roadmovies kann den Film „Easy Rider“ aus dem Jahr 1969 gesehen werden. In diesem Film waren zuerst alle Motive des Roadmovies, wie er heute definiert wird, vorhanden (Bertelsen, 1991).

2.2 Mise en Scène

Der Begriff „Mise en Scène“ kommt aus dem Französischen und bedeutet „etwas in Szene setzen“. ;Er bezeichnet auf der Bildebene den gesamten Bildinhalt. In Filmen zählt dazu die Gesamtheit der Gestaltungselemente, die vor und mit der Kamera inszeniert werden können. Solche Gestaltungselemente sind z.B. Requisiten, Personen, Größenverhältnisse, Beleuchtung, Farben und Umgebung. Die Inszenierung eines Filmbildes kann in unterschiedlichen Formen erfolgen, in der geschlossenen und in der offenen Form. Die offene Form bedeutet, dass durch die Kamera nur ein geringer Ausschnitt einer größeren Wirklichkeit/Realität eingefangen wird. Bei der geschlossenen Form sind alle Aspekte so angeordnet, dass sie einen klaren Inhalt wiedergeben, die Verhältnisse, Beziehungen und Personen wirken aneinander angepasst (Kamp ; Rüsel 1998).

2.3 Bild

Bild ist in der Filmsprache ein Oberbegriff, welcher sich unterteilt in Einstellung, Beleuchtung und Farbe. Unter Einstellung oder Shot versteht man die kleinste filmische Einheit, also den Zeitraum von einem Schnitt zu dem nächsten. Je höher die Schnittfrequenz, desto höher das Erzähltempo. Sind die Schnitte langsamer gesetzt, ist das Erzähltempo des Filmes langsamer.

Verschiedene Einstellungsgrößen werden verwendet, um unterschiedliche Wirkungen auf den Zuschauer zu erzielen. Es werden acht Einstellungsgrößen unterschieden: Panorama/Weit (Landschaftsaufnahme), Totale (eine oder mehrere Personen, die gegenüber der Umgebung klein wirken), Halbtotale (ausgewogenes Verhältnis zwischen Personen und Umgebung), Halbnah (Fokus auf einen Teil der Personen, nicht komplett zu sehen), Amerikanisch (an den Westernfilmen orientiert, Person vom Gürtel aufwärts zu sehen), Nah (Fokus auf die Gestik und Mimik der Personen), Groß (Gesichtsaufnahme, nur Mimik) und Detailaufnahme (nur Teile des Gesichts oder eines Gegenstands sichtbar, stellvertretend für das Gesamtbild).

Des Weiteren sind wichtig die Kameraperspektiven und die Kamerabewegungen, denn auch diese erzeugen verschiedene Wirkungen. Die Kameraperspektive wird unterteilt in Normalsicht (auf Augenhöhe des Protagonisten), Untersicht, Aufsicht (auch genannt Obersicht oder Vogelperspektive) und die Schrägsicht.

Kamerabewegungen und Kameraschwenks sind dazu da, einen größeren Bildraum einzufangen. So werden z.B. Panoramaschwenks häufig in Westernfilmen und Roadmovies verwendet, um die Größe der Landschaft zu zeigen und damit ein Gefühl der Grenzenlosigkeit zu vermitteln (Kamp ; Rüsel1998). Fahrtaufnahmen oder auch „travelling shots“ werden z.B. mithilfe von befahrbaren Schienen oder auch Autos in Fahrt aufgenommen.

2.4 Ton

Die akustischen Informationen eines Films lassen einen Hörraum entstehen. Dieser ergibt zusammen mit den visuellen Informationen eine Einheit (Hickethier 2001). Der Ton innerhalb eines Films wird in drei Kategorien gegliedert, in Geräusche, Sprache und Musik. In allen drei Kategorien wird unterschieden, ob der Ursprung/die Quelle des Tons innerhalb des Bildes sichtbar ist oder nicht (On-Ton und Off-Ton). Zu Geräuschen werden alle Hintergrundtöne gezählt, also die gesamten Geräusche der Umwelt wie vorbeifahrende Autos, Tiere, Technik usw. Diese beeinflussen die Atmosphäre einer jeden Szene und verleihen ihr eine Nähe zur Realität. Genauso kann das Fehlen von Hintergrundgeräuschen eine gegensätzliche Wirkung erzielen.

Die Sprache hat ein besonderes Verhältnis zu dem Bild, denn sie müssen synchron sein. Ist die sprechende Person sichtbar, so ist es ein On-Ton, wird aber die Kamera vom Sprecher weggedreht und auf etwas Anderes gerichtet, so ist dies ein Off-Ton und wird auch asynchron genannt. In einigen Filmen gibt es den Off-Erzähler, der nichts mit der Handlung des Films zu tun hat, sondern nur einige Informationen weitergibt.

Zuletzt gibt es die Musik. Die Filmmusik beeinflusst ebenso in einem starken Maß die Atmosphäre einer Szene und unterstützt die Handlung. Oft wird dem Zuschauer durch die Musik vorgegeben, was er fühlen soll, da die Musik Stimmungen erzeugen kann (Kamp ; Rüsel1998). Hier wird unterschieden zwischen Musik, die drohende Gefahr oder Angst repräsentieren soll und mit Crescendi und „Alarm-Instrumenten“ hervorgerufen wird, Musik, die glückliche Gefühle hervorrufen soll, z.B. in Liebesszenen durch ruhige Streichmusik und Musik, die Träume und Halluzinationen unterstreichen soll durch Instrumente wie Triangel, Glockenspiel usw. (Hickethier 2001).

Die Musik kann einfach eine unterstützende Konstante im Hintergrund, laut eigeblendet sein oder sogar die Filmgeschichte erzählen. Die Titelmusik hat die Funktion, vor der eigentlichen Handlung bereits auf den Film vorzubereiten. In der Handlung selbst wird Musik verwendet, um Akzente zu setzen (Kamp ; Rüsel1998).

3. Thelma ; Louise - eine exemplarische Analyse

3.1 Der Film

Der Film „Thelma ; Louise“ vom Regisseur Ridley Scott ist ein Spielfilm aus dem Jahr 1991. Die Protagonistinnen werden gespielt von Susan Sarandon (Louise) und Geena Davis (Thelma). Der Film wurde für 38 Auszeichnungen nominiert und gewann 19 davon, unter anderem den Academy Award (1992) und den Golden Globe (1992). Die beiden Schauspielerinnen gewannen die Auszeichnung für die beste Darstellerin in der Hauptrolle (imdb.com).

Der Film handelt von zwei Freundinnen, Thelma Dickinson und Louise Sawyer, die in einer Kleinstadt leben. Thelma ist eine Hausfrau, die mit ihrem Leben mit ihrem Ehemann Darryl unglücklich ist, da sie von ihm immer unterdrückt und respektlos behandelt wird und Louise ist arbeitet als Angestellte in einem Café. Die Freundinnen planen einen Wochenendausflug in die Berge, Thelma nimmt sich vor, ihren Mann um Erlaubnis zu fragen, reist nach einer wiederholten Respektlosigkeit einfach mit Louise ab und nimmt Darryls Waffe mit. Am ersten Abend ihres gemeinsamen Ausflugs halten sie in einer Bar an, wo Thelma ihrer Ausgelassenheit ihren Lauf lässt, sich betrinkt und mit einem fremden Mann tanzt. Der Abend entwickelt sich zum Wendepunkt, denn als er versucht, Thelma zu vergewaltigen, erschießt Louise ihn und die beiden sind gezwungen, zu flüchten. Die Frauen vermuten, dass ihnen keiner glauben wird und beschließen, nach Mexico zu fahren. Unterwegs werden sie von J. D. angesprochen, der sie bittet, ihn bis ;Oklahoma City ;mitzunehmen. Er gibt sich als Student aus, doch tatsächlich ist er selbst auch meist auf der Flucht, da ihm mehrere Raubüberfälle zur Last gelegt werden. Dort angekommen halten die Freundinnen in einem Motel an, um dort zu übernachten.

Louise erwartet in Oklahoma eine Geldüberweisung von ihrem Freund Jimmy Lennox, dieser ist aber selbst angereist und macht ihr einen Heiratsantrag. Thelma ist in dieser Zeit allein im Zimmer und bekommt Besuch von J.D. In der Nacht entwickelt sich eine kurze Affäre zwischen den beiden und er beichtet ihr, dass er unter Bewährung sei wegen seiner Überfälle. Am nächsten Morgen ist J.D. zusammen mit dem Geld von Jimmy verschwunden. Louise, die bisher das Kommando über die Reise übernommen hatte, weiß nicht, wie sie weiter vorgehen sollen, weil sie nun wieder kein Geld für die weitere Flucht haben. Kurzerhand raubt Thelma nach dem Vorbild von J.D. einen videoüberwachten Laden aus. Die Polizei erfährt schnell davon und nimmt die Verfolgung auf.

Auf der weiteren Reise begegnen die Frauen mehrfach einem Lastwagenfahrer, der ihnen jedes Mal obszöne Kommentare zuschreit. Da Louise ihren Wagen zu schnell fährt, werden sie von einem Polizisten wegen Geschwindigkeitsüberschreitung angehalten. Als dieser Louise verhaften will, hält Thelma ihm die Waffe an den Kopf und sperrt ihn in den Kofferraum seines eigenen Wagens ein. Nach einer Zeit begegnen die Freundinnen wieder dem Lastwagenfahrer und halten ihn an. Nach einer kurzen Moralpredigt schießt Thelma mehrmals in den Lastwagen, bis dieser explodiert.

Währenddessen wird eine Großaktion bei der Polizei geplant. Etliche Polizisten holen den Wagen von Louise ein und umzingeln diesen. Kurz scheint es, als könnten Thelma und Louis flüchten, dann finden sich die beiden am Rand des Grand Canyon wieder. Den beiden Frauen ist es lieber zu sterben, als verhaftet zu werden und sie wisse. dass es für sie keine Rückkehr in das normale Alltagsleben geben wird. So beschließen sie, lieber in den Abgrund zu fahren (Thelma ; Louise, 1991).

3.2 Geschlechterrollen

Im Rahmen des Seminars wurde anhand von mehreren Beispielfilmen besprochen, dass das Genre des Roadmovies vorherrschend männliche Hauptdarsteller hat. Die ersten Roadmovies erschienen in den 1960er Jahren, in einem Zeitraum, in dem Frauen noch nicht stark emanzipiert waren. Die Aufgabe der Frauen bestand darin, zuhause zu sein und für den Haushalt oder die Kinder zu sorgen. Die Männer hingegen konnten es sich erlauben, einen Roadtrip zu machen und einfach mit einem Freund oder jemandem anderen für Tage wegzufahren. Der Film „Thelma ; Louise“ wurde zwar erst in den 1990er Jahren gedreht, allerdings lässt die Handlung darauf schließen, dass der Zeitraum im Film länger zurückliegt, eventuell in den 1950-1960er Jahren. Dies ist z.B. daraus zu entnehmen, wie selbstverständlich Thelmas Hausfrauendasein von ihrem Mann Darryl wahrgenommen wird und wie respektlos er sich ihr gegenüber verhält. Er behandelt seine Frau wie ein Kind, welches er zurechtweisen muss (Thelma ; Louise, 3:50-4:20) und auch anschreien kann. Auch auf freundliche Gesten von der Seite seiner Frau reagiert Darryl unhöflich und weist ihr Angebot, etwas für ihn zu kochen, mit den Worten „[...] interessiert mich einen Dreck, was es zu Abend gibt [...].“ (Thelma ; Louise, 4:32-4:39). Statt dieser Frage wollte Thelma ihren Mann um Erlaubnis bitten, mit Louise über das Wochenende in die Berge zu fahren, hat sich im letzten Moment nicht getraut. Nach diesem erniedrigenden Verhalten von Darryls Seite fährt sie mit Louise ohne Erlaubnis weg. Das kann als erste Widersetzung ihrerseits gesehen werden. Durch ihren Ausbruch von Zuhause zeigen Thelma und Louise auf metaphorischer Ebene einen Ausbruch aus der Gesellschaft und verstoßen gegen alle vorhandenen Gesellschaftsregeln, die Frauen zu befolgen hatten. Gewissermaßen kann dies als eine der ersten Emanzipationshandlungen gesehen werden. Das Rollenklischee in dieser Szene wirkt sehr dick aufgetragen, stellt aber sehr eindeutig dar, wie Frauen in dieser Zeit behandelt wurden und wie schlecht in diesem Fall die Beziehung von Thelma und Daryll ist.

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668629479
ISBN (Buch)
9783668629486
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v389020
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
Schlagworte
medienanalyse exemplarische filmanalyse thelma louise

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Titel: Medienanalyse. Exemplarische Filmanalyse anhand von "Thelma & Louise"