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Die Entstehung von Prekarität durch eine chronische Erkrankung

Eine mikroanalytische Arbeit am Beispiel von Herrn H.

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 26 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 VORSTELLUNG DER PERSON HERR H
2.1 Private Biographie
2.2 Darstellung des beruflichen Werdegangs
2.3 Schilderungdergesundheitlichen Situation

3 DISKURSIVE AUSEINANDERSETZUNG MIT MÖGLICHEN URSACHEN DER PREKARITÄT VON HERR H.
3.1 Vorüberlegungen
3.2 Charakterliche Auffälligkeiten und Betrachtung des Habitus
3.3 Umgang mit den folgender Krankheit
3.4 Arbeitsbezogener Ethos

4 ZUSAMMENFASSUNG MIT SCHLUSSFOLGERUNGEN

5 LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS:
5.1 Literaturangaben
5.2 Quellenangaben

6 ANHANG
6.1 Interviewleitfaden
6.1.1 Erstes Interview
6.1.2 Zweites Interview

7 AUSSCHNITT AUS DEM ERSTEN INTERVIEW

1 Einleitung

Wohnt bei Mama, steht nicht sicher auf seinen Beinen und hat gerade gegessen - dies sind meine ersten und wahrscheinlich nicht ganz wertfreien Eindrücke von Herrn H., aber dazu später mehr. Als ich die Aufgabe bekam, eine Person, die Prekarität erfahren hat oder in dieser lebt, zu interviewen, war ich erstmal gänzlich überfordert. Zum einen musste ich eine Person in einer Stadt finden, in der ich erst wenige Zeit lebe, und zum anderen musste diese auch noch offen für ein Interview mit mir, einer fremden Person, sein, in dem vermutlich in den Abgründen des eigenen Lebens herumgestochert wird. Außerdem ist die Verknüpfung zwischen meinem Interviewpartner und Prekarität nicht zwingend sofort ersichtlich auf Grund des Wortes und dessen Definition. Aber auch darauf werde ich später näher eingehen, vor allem mit dem Ansatz bzw. der Frage, ob Herr H. wirklich in einer prekären Lage war oder ist. Dabei Miteinhergehen wird auch eine Selbstreflektion, da ich ehrlicherweise auch meine persönliche Skepsis und Unsicherheit zur empirischen Korrektheit für wichtig erachte. Nun aber zu meinem Interviewpartner Herr H. und der Kontaktaufnahme. Als ich der Mutter meines Freundes, der gebürtiger Eichstätter ist, von meiner Suche erzählte, bot sie mir ihre Hilfe an. Nach kurzem Überlegen, nannte sie mir Herr H. und dass dieser mit der Familienfirma bankrott ging und darüber hinaus an Multiple Sklerose erkrankte. Dieser schien mir eine interessante Person zu sein und somit rief ich ihn, nach einem kleinen Vorgespräch zwischen der Mutter meines Freundes und Herr H., an. Und siehe da: nach einem sehr angenehmen Telefonat hatte ich schon meinen ersten Interviewtermin. Soweit die Vorgeschichte zu meinerArbeit. Im Folgenden werden zuerst biographische, berufliche und besonders die gesundheitlichen Ereignisse im Leben von Herr H. dargestellt. Davon ausgehend werde ich den Fokus auf dessen prekäre bzw. prekäre (?) Situation legen und versuchen, diskursiv der Frage nachzugehen, ob nun bei Herr H. eine Prekarität vorliegt oder nicht und vor allem in welcher Form. Meine Skepsis über die tatsächliche Prekarität von Herr H. wird im Laufe der Arbeit näher erläutert und diskutiert.

2 VorstellungderPersonHerrH.

Nun zu meinem ersten Eindruck von Herr H.: Ich klingelte an seiner Haustür und seine Mutter- eine ältere, aber noch sehr agile Dame - öffnete mir die Tür. Ich wurde nach oben gebeten, wo mich Herr H. in einerseparaten Wohnung empfing. Ertrug ein blaues Hemd, eine Jeans und eine Brille. Herr H. ist 51 Jahre alt. Besonders auffällig war, dass er immer wieder nach Halt an den Wänden suchte, er ist offensichtlich nicht mehr so sicher auf seinen Beinen. Ich trat in eine sehr helle und freundliche Wohnung ein, in der es köstlich nach Essen roch. Wir setzten uns an den Küchentisch, wo mir eine Tätowierung am Arm von Herr H. auffiel. Sie erinnerte mich an das keltische Symbol für Leben. Nach ein wenig Small-Talk und dem Angebot eines Kaffees stiegen wir auch schon direkt in das Interview ein.

2.1 Private Biographie

Herr H. nennt sich selbst einen „absoluten Aborigine“. Er ist der Erste aus seiner Familie, der in Eichstätt geboren wurde. Seine Mutter, die ursprünglich aus einem Nachbardorfvon Eichstätt kam, heiratet 1964 Herr H.s Vater, der mit seinen Eltern und zwei Brüdern in den 20er/30er Jahren aus dem Osten nach Eichstätt kam. 1965 kam dann Herr H. zur Welt. Seitdem lebt er in Eichstätt. Der erste Auszug von zu Hause folgte in den 80er Jahren, wobei er nach dem Schicksalsschlag des Selbstmordes seines Bruders wieder zu Hause als Unterstützung einzog. Dersiebzehnjährige Bruder vergaste sich im derWerkstatt des Familienbetriebs aus Liebeskummer. Dies war auch der erste Auslöser, der Herr H. zu einem Psychologen brachte. Nach einem weiteren Umzug zog er dann 1988 in das Haus der Großeltern mit ein. Auch dort war er 1997 wieder mit einem Todesfall konfrontiert, als er selbst seine Großmutter in der Früh tot auffand. Danach zogen die Eltern in das Haus ein. Neun Jahre später folgte der Tod des Vaters an Leukämie. Es begann eine schwierige Phase durch die Bedürftigkeit der Mutter, bis diese in der Nachbarschaft einen neuen Partner fand. In derZwischenzeiterlitt HerrH. im April 1999 seinen ersten Schub der Multiple Sklerose (MS), dazu in 2.3. mehr. Herr H. hatte einige mehrjährige Beziehungen, seine längst dauerte sieben Jahre an, von denen er drei Jahre verheiratet war. Seine ehemalige Ehefrau trennte sich, da sie trotz vorherigen Wissens mit der schweren Krankheit nicht zurechtkam. Besonders bei diesen vielen Schicksalsschlägen war es Herr H. sehr wichtig eigene „Seelenhygiene“ zu betreiben, weshalb erseit zwanzig Jahren in regelmäßigertherapeutischer Behandlung ist. Darüber hinaus ist auch seine beste Freundin und Ex-Partnerin Psychologin. Zu ihr pflegt er noch aktuell eine besonders enge Beziehung, denn mit ihren zwei Kindern bildet sie eine Art Ersatzfamilie für ihn. Denn er selbst möchte keine feste Beziehung mehr eingehen und ist auch froh, keine Kinder zu haben auf Grund der erblichen Gefahren der Krankheit. Nach der Scheidung suchte er des Öfteren käufliche Frauen in Ingolstadt auf und führt derzeit eine „Freundschaft-Plus“-Beziehung. Als nächstes wird Herr H. in die neu erbaute Spitalstadt im Herzen von Eichstätt ziehen, da er dort eine behindertengerechte Wohnung beziehen kann, wo es darüber hinaus die Möglichkeit gibt, einen ambulanten Pflegedienst zu buchen. Seinen Freundeskreis betont er als sehr wichtig in seinem Leben. Das enge Netz von zuverlässigen und hilfsbereiten Freunden unterstützt ihn in jeder Lebenslage und lässt ihn mit mehr Kraft durch die schwierige Krankheit gehen.

2.2 Darstellung des beruflichen Werdegangs

In den 1980er Jahren begann Herr H. eine Ausbildung bei Audi in Ingolstadt als Kfz- Schlosser. Dabei lernte er drei Jahre Automechaniker und ein Jahr zusätzlich das Schmieden, Drehen, Fräsen und Schleifen von Metall, mit dem Ziel die Fertigkeit zu erhalten, selbstständig Ersatzteile herstellen zu können. Danach meldete ersich freiwillig bei der Bundeswehr, da man bei Audi damals erst nach dem abgeleisteten Bundeswehrdienst Aufstiegsmöglichkeiten besaß. Erwurde als Zeitsoldat bei den Pionieren in einer Kfz- Werkstatt in Ingolstadt stationiert. Nachdem er dort und in Neuburg seine Gesellenzeit absolviert hatte, machte er seinen Meisterkurs in Ingolstadt und München. 1990 stieg er dann in den Familienbetrieb in Eichstätt ein. In den dreißigerJahren hatte der Großvater eine Tankstelle im Westen von Eichstätt eröffnet, diese übernahm der Vater in den sechziger Jahren und gründete eine Kfz-Werkstatt. Herr H. leitete bis zur Schließung 1996 die Firma mit seinem Vater zusammen und baute auch weiter aus.

„4.800 Quadratmeter und die ganzen Häuser, das Haus war des Elternhaus, die Firma, die Ausstellungshalle, Des hab ich mit meinem Geld Anfang der Neunzigergebaut mit nem Meisterdarlehen.“

Auf Grund von unzumutbaren Forderungen seitens der Hersteller VW und Audi und der Banken entschied sich Herr H. den Betrieb zu schließen. Übrig blieben nach sechs Jahren, gefüllt von siebzig-Stunden-Wochen, vier Millionen Euro Schulden. Im folgenden Jahr gönnte er sich dann fünf Urlaubsfahrten. Es folgte eine zweijährige Anstellung beim ADAC als Bergemeister und Auslieferervon Fertigelementen aus Zement in ganz Bayern. Als die Pfändung aufs Existenzminimum durchgeführt werden sollte, ging er einen Deal mit der Bank ein: „Ich habe kein Insolvenzverfahren eingeleitet, sondern ich habe Ihnen Vorschläge gemacht. Es waren 16 Gläubiger an derZahlinsgesamt, sie kriegen von miraufIhre jeweilige Forderung zehn Prozent. Also von den zwei Millionen Euro kriegen sie 200.000, die wiederum mir die Sparkasse zurVerfügung stellt, wenn ich Ihnen des günstig verkaufe da dort. ..., sondern ich hab quasi mit denen einen Vertrag geschlossen und ab diesem Zeitpunkt waren zwar noch Pfändungen aufrechterhalten, also die Rechte, es wurde aber nichts mehrdurchgeführt. Und die Sparkasse hat mirdie Möglichkeit gegeben mit 200.000 Euro zu einem sehr guten Zinssatz aus der Sache rauszukommen. Als des klar war, hab ich sofort den ADAC verlassen und bin in die Audi gegangen, weil ich da Connections hatte reinzukommen überhaupt wieder., ich hatte eine Vereinbarung mit denen, dass ich zujeder ZeitinjederHöhe tilgen kann. ... Ursprünglich wardes ganze Darlehen aufzwölfJahre angelegt, diese 200.000 bei vier Prozent. Fertig warich nach fünfeinhalb Jahren.“

Im Februar 1999 ging Herr H. dann zu Audi ans Band und bekam im folgenden April seinen ersten Schub der MS. Nach einem längeren Ausfall kam es zu einer Wiedereingliederungsmaßnahme. Durch eine Ärztin aufseiner REHA, die von Audi zur

Hälfte finanziert wird, kam er an einen „tollen Job“. Erwurde Fahrer bei der Fahrprüfung, stieg auf in die Nachtschicht, wo er über längere Zeit auch eine sechs-Tage-Woche hatte. Besonderer Bonus ist eine vierzig prozentige Erhöhung des Lohns in der Nachtschicht.

2008 wurde sein Potenzial durch seinen Abteilungsleiter erkannt und es folgte nach einem Assessment Center die Beförderung zum Meister der Fahrprüfung in der Nachtschicht von Audi. Zum Stand des ersten Interviews war Herr H. dann Projektleiter, da er dort nicht immer anwesend sein muss, was bei gesundheitlichen Problemen von Vorteil ist. Denn mittlerweile arbeitet er nur noch halbtags und vierTage in der Woche. Zur Hälfte finanziert er sich durch eine Erwerbsminderungsrente. Sicherheit besitzt er durch seine Unkündbarkeit auf Grund des Status einer siebzigprozentigen Schwerbehinderung. Wegen steuerlicher Erleichterungen und Zuschüsse schafft Audi Platz für Menschen mit Behinderung. Die damalige Position schuf Herr H. selbst. Es ging dabei um die Festlegung von Standards bei der Fahrprüfung, wie sie nun auch in den Audi-Werken in Gör und Mexiko praktiziert werden. Bei unserem zweiten Interview hatte sich aberseine Position wieder verändert, da das Projekt abgeschlossen war. Mittlerweile kann Herr H. laut seiner Aussage frei entscheiden, was er macht. Er unterliegt einem Vorgesetzten im Bereich der Qualitätssicherung, sucht sich aber selbstständig Aufgaben, die er kräftemäßig stemmen kann. Derzeit beschäftigt er sich erfolgreich mit finanziellen Einsparungen. Er sagt selbst: „Also ich will keine hundert Prozent, ich möchte so lange arbeiten, wies irgendwie geht, weil des bringt Strukturins Leben, es bringt Geld ins Leben und und und.“

2.3 Schilderung der gesundheitlichen Situation

Bevor ich auf die konkrete Situation meines Interviewpartners eingehe, möchte ich einen Einblick in dessen Krankheit anhand eines Artikels aus dem Brockhaus geben.

„multiple Sklerose, Abkürzung MS, Encephalomyelitis disseminata, Erkrankung des Zentralnervensystems, von der in Deutschland schätzungsweise rd. 120 000 Menschen betroffen sind (eventuell deutlich mehr); In Gehirn oder Rückenmark bilden sich verstreut entzündliche Krankheitsherde durch Zerfall der Markscheiden und nachfolgende Gewebeverhärtung (Sklerose).

Verlauf: Die Krankheit tritt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf und verläuft entweder in Schüben oder langsam, zum Teil aber auch rasch fortschreitend. Mitunter kommt es zum Stillstand des Prozesses. ...

Die Ursache für die Erkrankung ist bisher nicht geklärt. Man weiß nur, dass die Markscheiden von fehlgesteuerten Abwehrzellen (T-Lymphozyten) des körpereigenen Immunsystems angegriffen werden. Auch hat sich gezeigt, dass es in gewissem Maß eine genetische Disposition gibt, auch wenn Multiple Sklerose keine Erbkrankheit ist.“[1]

Herr H. war Zeit seines Lebens ein sehr sportlicher Mann. Besonders Sportarten im Freien wie Mountainbiking und Wandern in den Bergen waren ein wichtiger Ausgleich vom beruflichen Alltag, den er besonders mit seiner ehemaligen Ehefrau genoss. Als im April 1999 unerwartet der erste Schub ihn überraschte, konnte er von einem auf den anderen Tag vom zweiten Halswirbel abwärts nichts mehr spüren. Es dauerte ganze neun Monate, bis seine Körperfunktionen wieder vollständig zurückgekehrt waren. Da noch nicht alle sogenannten Marker der Krankheit betroffen waren, konnte erst ein vorläufiger Verdacht geäußert werden. Es folgte eine REHA-Maßnahme in Füssen in Hopfen am See, wo er nach dem Hamburger Modell behandelt wurde. Das heißt, dass er eine Ärztin an die Seite gestellt bekam, die zu gleichen Teilen von Audi und von seiner Krankenkasse bezahlt wurde. Er ist nach wie vor überaus glücklich, auf diese Ärztin getroffen zu sein, da er durch sie an eine wesentlich bessere Position bei Audi kam. Sie begleitete ihn auch bei der Wiedereingliederung bei Audi. Weiterhin besuchte er ein ambulantes REHA-Programm in Kipfenberg. Nachdem er einige Jahre ohne Beschwerden lebte, wieder sportlich aktiv war und somit nicht an die Erkrankung glaubte, erlitt er2005/06 eine neue Verschlechterung. Er konnte nicht mehr schnell rennen. 2007 folgte dann der erste Treppensturz, da die Rückmeldung der linken Körperseite nicht mehr funktionierte. Nach wie vor besitzt diese Seite eine Nervenleitgeschwindigkeit von lediglich 20 bis 25 Prozent. Zum einen muss Herr H. daher immerzu seine Schritte visuell kontrollieren und zum anderen baut erstetig Muskelmasse ab, da der Reiz auf den Muskel fehlt. Mittlerweile hat er alle Schübe hinter sich und es folgt nun die schleichende stetige Verschlimmerung seiner MS-Symptomatik. Letztes Jahr erlitt Herr H. einen weiteren heftigen Rückschlag, da er nicht mehr gehen konnte. Auf Grund einer genetischen Disposition hat er aber das Glück, ein Diabetes-Medikament zu vertragen, das nur bei jeden fünften MS-Patienten wirkt. Dieses Medikament gibt ihm derzeit die Fähigkeit zurück, gehen zu können. Im Vergleich zu anderen verläuft bei Herr H. die Krankheit eher moderat, da er im Gegensatz zu anderen Betroffenen noch frei agieren kann und lediglich zum Beispiel eine Gehstütze benötigt. Andere sitzen mittlerweile schon im Rollstuhl. Dennoch muss er eine Vielzahl an Medikamenten schlucken, die er stundengenau mit bestimmten Abständen zueinander und zum Essen einnehmen muss, ansonsten folgt eine direkte Verschlechterung und er kann zum Beispiel wieder nicht mehr gehen. Das bedeutet einen festen Tagesrhythmus vom Aufstehen bis zum Zu-Bett-gehen. Ergänzend ernährt er sich nach der ayurvedischen Lehre, die besonders bei seiner Krankheit sehr begünstigend auf den Körper einwirkt. Auch einen TCM-Arzt besucht er in regelmäßigen Abständen. Besonders diese Heilform wirkt wahre Wunder bei Herr H.. Selbst meinte er, sie helfe ihm manchmal mehr als die Schulmedizin. Außerdem geht er alle zwei bis drei Jahre auf REHA oder Kur. Kurz nach unserem ersten Interview stand eine dreitägige Cortison­Anwendung im Krankenhaus bevor, die aber nach seinen Ausführungen beim zweiten Gespräch nicht sehr erfolgreich verlief und mehr eine quälende Tortur für ihn darstellte.

Auf meine Frage hin, ob er Zusammenhänge zwischen seiner beruflichen und privaten Biographie und der Krankheit sieht, antwortete erfolgendermaßen:

„Angeblich nicht. Die Wissenschaft sagt, dass Stress damit nichts zu tun hat. ...Ich glaube sehrwohl, dass es dadurch ausgelöst wurde. Ähmjeder, derStress hat, weiß, wie sehrdes auf'n Körper geht. Und dann denk ich ma, hey, wo sollte es denn sonst herkommen. Des is aba des Problem, die Wissenschaft hatja noch keine Ahnung, es gibtja Hunderttausende von Menschen, es gibt a in Deutschland über 150.000 MS Patienten und es gibt diese MS nur auf einem Streifen rund um die Erde, darüber gibts es net, daruntergibts es net. Es gibt es nurzwischen bestimmten Breitengraden. ...Und Britisch Columbia zum Beispiel hat die höchsten Anzahl an MS Patienten. Japan liegt aberauf dem gleichen Bereich, die ernähren sich aber komplett anders und da gibts das so gut wie nicht. Also es hat irgendwas mit unserer Ernährung, unserer Lebensweise, dem Licht, keine Ahnung. Wenn jemand von darüberoderdarunterin diesen Gürtel reinzieht, kann ers kriegn. ...Es is irre.“

3 Diskursive Auseinandersetzung mit möglichen Ursachen der Prekarität von Herr H.

3.1 Vorüberlegungen

Mit Prekarität wird eine existenzbedrohende Situation im Zusammenhang mit beruflichen Ereignissen bezeichnet. Die meiste Forschungsliteratur beschäftigt sich daher mit beruflichen Auslösern für Prekarität. Im Duden[2]existieren zwei Bedeutungen: „1. Gesamtheit der Arbeitsprozesse ohne soziale Absicherung.“ Damit wäre meine vorangestellte Definition bestätigt. Des Weiteren wird aber auch definiert: „2. schwierige Lage, problematische soziale Situation.“ Damit komme ich schon zu meinem Interviewpartner. Dieser lebt in den Jahren der Pfändung und Abzahlung in schwierigen finanziellen Verhältnissen, dennoch hatte er Glück im Unglück. Sein Geld war zwar komplett weg, doch seine gesamte restliche Familie war nicht betroffen.

[...]


[1]Die Brockhaus Enzyklopädie online. Stichwort: multiple Sklerose. https://eichstaett- ub.brockhaus.de/enzyklopaedie/multiple-sklerose-1 (13.03.2017)

[2]Duden Online: Stichwort: Prekarität. http://www.duden.de/rechtschreibung/Prekaritaet (17.03.17)

Details

Seiten
26
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668629707
ISBN (Buch)
9783668629714
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v388902
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,3
Schlagworte
Multiple Sklerose Prekäre Arbeit Prekarität MS Chronische Erkrankung Mikroanalyse

Autor

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Titel: Die Entstehung von Prekarität durch eine chronische Erkrankung