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Das Hambacher Fest 1832 - das Volksfest und sein Bezug zur Entwicklung des Nationalismus in Deutschland

Hausarbeit 2003 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Grundlegung
1.1 Problemstellung
1.2 Begriffskennzeichnungen
1.2.1 Das Fest
1.2.2 Nationalismus

2 Das Hambacher Fest
2.1 Der ökonomische und politische Hintergrund des Hambacher Festes
2.2 Die Akteure des Hambacher Festes
2.3 Der Verlauf des Hambacher Festes
2.4 Die Folgen des Hambacher Festes

3 Das Hambacher Fest unter nationalistischen Gesichtspunkten
3.1 Zum nationalen Charakter des Hambacher Festes
3.2 Zum Verhältnis zwischen Nationalismus und Liberalismus

4 Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Grundlegung

1.1 Problemstellung

Das Hambacher Fest von 1832 war eine der größten Massenveranstaltungen des 19. Jahrhunderts, bei der die Bevölkerung ihren Unmut gegenüber dem Bestehenden äußerte.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Überblick zum Hambacher Fest zu geben; es werden die Genese, der Verlauf und die Folgen beleuchtet. Des weiteren soll der Zusammenhang zwischen dem Hambacher Fest und ausgewählten Aspekten des sich in Deutschland entwickelnden Nationalismus diskutiert werden. Dem entsprechend ist der Hauptteil der Arbeit in zwei Bereiche gegliedert. Während der erste die Ereignisgeschichte darlegen soll, wird im zweiten der Bezug zum Nationalismus erörtert.

Literatur zum Hambacher Fest ist häufig zu runden Jubiläen desselben erschienen, wobei die neuere Forschung das Thema eher stiefmütterlich behandelt. Besonders tiefgreifend und daher auch noch heute als Darstellung obligat sind die Werke von Wilhelm Herzberg[1] und Johannes Bühler[2]. Bei der Auswertung dieser Literatur ist jedoch zu beachten, daß Herzberg, ein klassenbewußter Sozialdemokrat, oftmals pro-pfälzisch schreibt, während Bühler, der viele Informationen aus den Akten des bayerischen Staatsministeriums des Inneren bezieht, tendenziell eher die Taten der altbayerischen Behörden und die des Königs verteidigt.

Die wichtigste Quelle zum Thema ist die Festbeschreibung von Johann Georg August Wirth[3], einem der Hauptredner des Hambacher Festes, und seinem Redaktionsausschuß, dem auch Philipp Jakob Siebenpfeiffer, der Initiator des Festes, angehörte. Die Quelle berichtet sehr ausführlich über den Verlauf und die allgemeine Stimmung. Es sind viele der Reden, Gesänge etc. wiedergegeben, jedoch sind auch einige radikalere Reden nicht abgedruckt.

1.2 Begriffskennzeichnungen

1.2.1 Das Fest

Das Fest entspricht einer öffentlichen Versammlung, welche ursprünglich im Einklang mit der kirchlichen oder staatlichen Ordnung stand.

In Zeiten, in denen es Spannungen oder gar Gegensätze zwischen dem gesellschaftlichen Dasein und der rechtlich verfaßten Ordnung gab, erlangten die Versammlungen der oppositionellen Gruppen einen repräsentativen Charakter. Diese oppositionellen Kundgebungen von öffentlichem Rang existieren jedoch erst mit dem Auftreten selbständig gebildeter politischer Gruppen als Vorformen des Parteiwesens und sind in Deutschland bis 1815 unbekannt.

Da politisch-oppositionelle Versammlungen der Gefahr eines Polizeiverbotes ausgesetzt waren, gab man ihnen den Charakter geselliger Unterhaltung. Zwei Typen dieser Zusammenkünfte traten auf: die Honoratioren-Essen, das waren „Festessen“ mit bis zu 400 Teilnehmern, und Volksfeste, die unter freiem Himmel mit unbegrenzter Teilnehmerzahl durchgeführt wurden[4].

1.2.2 Nationalismus

Nationalismus ist ein inhaltlich vieldeutiger Begriff. Daher gibt es eine Vielzahl verschiedener Definitionen[5]. Oftmals wird Nationalismus als politisches Verhalten verstanden, „das fremde Völker und Nationen als minderwertig einschätzt und behandelt“[6]. In der folgenden Arbeit ist unter Nationalismus, gemäß der Tendenz der neueren internationalen Forschung, „ganz neutral eine Ideologie oder besser ein Wertebezug zu verstehen, der große Gruppen zu integrieren vermag, sich auf [...] den nationalen Staat bezieht und seinen Mitgliedern Selbstbestimmung ermöglicht“[7]. Das heißt, Nationalismus liegt dann vor, wenn in einer gesellschaftlichen Großgruppe die emotionale Bindung des einzelnen an die Nation größer ist als die an andere Bereiche des Lebens, ohne diese Bindung zu werten.

2 Das Hambacher Fest

2.1 Der ökonomische und politische Hintergrund des Hambacher Festes

Die Ruine des Hambacher Schlosses liegt nahe Neustadt in der Pfalz, die zwischen 1797 und 1814 zu Frankreich gehörte. Die französische Eroberung brachte anfangs zwar viel Leid in die Region, bescherte ihr dann jedoch einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Territorium, das zuvor in 44 „Staaten“ gegliedert gewesen war, wurde eine Einheit. Neben den die Wirtschaft fördernden Neuerungen brachte die Einbeziehung in das französische Staatswesen auch rechtliche und politische Veränderungen mit sich[8].

Als die offiziell als Rheinkreis bezeichnete linksrheinische Pfalz 1816 an Bayern ging, mußte der bayerische König Max Joseph die dort bestehenden Rechtsverhältnisse ausdrücklich bestätigen. Somit gab es ein großes Konfliktpotential zwischen dem vom Ancien Régime geprägten Altbayern und dem Rheinkreis mit seinen bürgerlichen Verhältnissen und Institutionen. Ein weiterer mißlicher Zustand war die Steuerpolitik des bayerischen Königs, die die Pfalz mit z.T. wesentlich höheren Steuersätzen belastete. So belief sich beispielsweise die Gewerbesteuer auf das Vierfache, die Grundsteuer auf mehr als das Doppelte und die Familien- oder Personalsteuer auf fast das Vierfache dessen, was in Altbayern gefordert wurde. Auch die von Napoleon eingeführte Kriegssteuer wurde, 16 Friedensjahre hindurch, bis 1831 weiterhin erhoben[9]. Durch die Ende 1829 eingeführten Zölle und die zu entrichtenden Chausseegelder wurden der Kleinhandel und die umfangreiche Tabak- und Weinausfuhr empfindlich gestört, was zu einer regelrechten Verkümmerung des Handels führte[10]. Mißernten, schlechte Weinbauerträge und eine Holzknappheit ließen die Lebenshaltungskosten enorm ansteigen und riefen bei ärmeren Bevölkerungsschichten geradezu Hungersnöte hervor.

Die aufgeführten Mißstände begünstigten eine Unruhe der Gemüter auf breiter Ebene und brachten der liberalen Kammeropposition eine beträchtliche Stärkung, so daß sie bei den Wahlen für den Bayerischen Landtag vom Dezember 1830 eine Mehrheit in der zweiten Kammer erringen konnte. Die Folge war, daß der bayerische König den Landtag ein Jahr später aufhob und statt dessen eine erzkonservative Regierung ernannte[11]. Damit waren die Hoffnungen auf die parlamentarische Opposition zunichte gemacht und an ihre Stelle trat eine außerparlamentarische Protestbewegung. Das geschah nun verstärkt über die Presse[12], die im gesamten Deutschen Bund nirgends so wenig der Zensur unterworfen war wie im Rheinkreis. Aber auch dort wurden, trotz der Unterstützung des Preßvereins[13], die Unterdrückungsmaßnahmen der bayerischen Regierung nach und nach spürbar, so daß sich das politische Fest als Alternative zur Publizistik anbot. Diese Art der Agitation war flexibel, sprach v.a. die unteren Bevölkerungsschichten besser an und gab der Zensur kaum Handhabe. So wurden bereits vor dem Hambacher Fest viele kleinere Feste mit dem Ziel der politischen Meinungsäußerung durchgeführt.

[...]


[1] Herzberg, Wilhelm: Das Hambacher Fest. Geschichte der revolutionären Bestrebungen in Rheinbayern um das Jahr 1832, Nachdruck Köln 1982 (=Ludwigshafen 1908), neu hrsg. u. mit e. Einl. vers. von Heinrich Werner.

[2] Bühler, Johannes: Das Hambacher Fest. Deutsche Sehnsucht vor hundert Jahren, Ludwigshafen a. Rh. 1932.

[3] Wirth, Johann Georg August: Das Nationalfest der Deutschen zu Hambach, Nachdruck Neustadt 1981 (=1832), mit e. Einl. vers. von Claus-Peter Westrich.

[4] Vgl. Huber, Ernst Rudolf: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Bd.2. Der Kampf um Einheit und Freiheit 1830-1850, Stuttgart31988, S.134-135.

[5] Eine sehr ausführliche Begriffsdiskussion bei: Langewiesche, Dieter: Nation, Nationalismus, Nationalstaat in der europäischen Geschichte seit dem Mittelalter. Versuch einer Bilanz, in: Langewiesche, Dieter/ Schmidt, Georg (Hrsg.): Föderative Nation. Deutschlandkonzepte von der Reformation bis zum ersten Weltkrieg, München 2000, S.9-30.

[6] Dann, Otto: Nation und Nationalismus in Deutschland. 1770-1990, München 1993, S.17.

[7] Hardtwig, Wolfgang: Nationalismus und Bürgerkultur in Deutschland 1500-1914, Göttingen 1994, S.35.

[8] Neben der Aufhebung des Binnenzolls und der Abschaffung des Zunftzwangs wurden die Gewerbe- sowie die Vereins- und Pressefreiheit eingeführt. Außerdem wurde die Rechtsprechung von der Verwaltung getrennt, was eine gewisse Rechtssicherheit und die Gleichheit vor dem Gesetz garantierte. Ausführlich dazu: Bühler, Johannes (wie Anm. 2), S.28-29; Herzberg, Wilhelm (wie Anm. 1), S.8-10.

[9] Vgl. Willms, Johannes: Politische Walpurgisnacht. Das Hambacher Fest von 1832, in: Schultz, Uwe (Hrsg.): Das Fest. Eine Kulturgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart, München 1988, S. 286.

[10] Vgl. Asmus, Helmut: Das Hambacher Fest, (=Illustrierte Historische Hefte, Nr.37), Berlin 1985, S.5.

[11] Vgl. Willms (wie Anm. 9), S.287.

[12] Die wichtigsten liberalen Zeitungen waren Siebenpfeiffers „Westbote“ und Wirths „Deutsche Tribüne“. Ausführlich dazu: Asmus (wie Anm. 10), S.7-9.

[13] Der Deutsche Preß- und Vaterlandsverein war eine im Januar 1832 gegründete Organisation, die bundesweit u.a. für die Pressefreiheit kämpfte. Er stellte den Prototyp einer Parteiorganisation dar. Ausführlich: Foerster, Cornelia: Der Preß- und Vaterlandsverein von 1832/33. Sozialstruktur und Organisationsformen der bürgerlichen Bewegung in der Zeit des Hambacher Festes, (=Trierer historische Schriften, Bd.3), Diss. Trier 1982.

Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638377898
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v38836
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
gut
Schlagworte
Hambacher Fest Volksfest Bezug Entwicklung Nationalismus Deutschland

Autor

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