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Die Thomasperikope. Eine Exegese zu Johannes 20, 24-29

Hausarbeit 2017 21 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Textkritik nach Nestle-Aland

2 Arbeitsübersetzung

3 Textarbeit
3.1 Abgrenzung des Textabschnittes:
3.2 Makrokontext
3.3 Mikrokontext
3.4 Innere Gliederung
3.5 Struktur- und Inhaltsvergleich mit den Parallelstellen:
3.5.1 Vergleich mit der zweiten Erscheinung (Johannes 20,19-23):
3.5.2 Vergleich mit der Nathanaelerzählung (Johannes 1,45-51):

4 Quellenkritik

5 Auslegung

6 Zusammenfassung

7 Alphabetisches Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Seminararbeit werde ich Johannes 20, 24-29 nach der Vorgehensweise der historisch kritischen Methode hin untersuchen. Jedoch Messe ich der Schrift eine göttliche Autorität bei. Zu Beginn werde ich synchrone und diachrone Methoden verwenden, deren Ergebnisse dann in der Auslegung zusammengeführt und interpretiert werden.

Das Johannesevangelium nimmt neben den drei synoptischen Evangelien eine gewisse Sonderstellung ein. Die Autorenschaft des Johannesevangeliums ist strittig. Traditionelle Ausleger vermuten als den Verfasser den Apostel Johannes, der in dem Evangelium „der Lieblingsjünger“ genannt wird[1]. Kritischere gehen hier von einem Pseudoepigraf aus.[2] Obwohl ich mir dieser Strittigkeit bewusst bin, werde ich in der folgenden Arbeit, aus Gründen der Einfachheit, den Autoren mit dem Namen Johannes versehen. Vermutete Entstehungszeit des Evangeliums ist der Anfang des 2.Jrh.[3] Somit ist es das jüngste Evangelium des Kanons. Die Empfänger sind wohl überwiegend heidenchristliche Gemeinden, die wohl einige Zeit in Abgeschiedenheit mit den synoptischen existiert haben.[4] Diese waren geprägt von Konflikten mit Juden, Anhängern Johannes des Täufers und doketischen Lehren.[5] Die hier behandelte Textstelle ist eine der Ostererzählungen im Johannesevangelium und wird in der Tradition mit „Der zweifelnde Thomas“ überschrieben. Sie gehört zum johannitischen Sondergut und ist somit in keinem der anderen Evangelien beschrieben. Nirgendwo sonst im Kanon wird so stark auf Thomas eingegangen wie in diesem Text. In dieser Arbeit werde ich nun betrachten, warum Johannes diese Ostergeschichte niederschrieb und was er den Hörern vermitteln wollte.[6]

1 Textkritik nach Nestle-Aland

In der Textkritik geht es darum aus den verschiedenen Handschriften und Überlieferungen die Version des Textes wiederherzustellen, die wahrscheinlich am ursprünglichsten ist. Ich betrachte hierbei äußere Kriterien, das sind Alter, Anzahl und Zuverlässigkeit der Quellen und innere Kriterien. Diese untersuchen vor allem die Qualität des Inhaltes. Ich werde bei folgender Textkritik nur die für die jeweilige Stelle wichtigsten Textzeugen nennen. Manche Varianten des textkritischen Apparates diskutiere ich im folgenden Abschnitt aus Zeit und Platzgründe nicht. Sie alle haben entweder inhaltlich kaum Wert für die Exegese oder sind fast nicht belegt. Alle nicht genannten Varianten habe ich geprüft und bin zum Ergebnis des Nestle-Aland Textes gekommen.

Vers 25

Variante 1:

In Vers 25 gibt es große Verwirrung der Handschriften über die Worte „τόπον“ und „τύπον“. In Variante eins finden sich drei Versionen zu dem „τύπον“. Das „τόπον“ ist nur sehr spärlich, zum Beispiel in der Peschitta oder dem Majuskel N aus dem 6.Jahrhundert, belegt. Höchstwahrscheinlich entstand sie aus Verwechslung der morphologisch ähnlichen Worte und ist zu verwerfen. Die Variante „τους τυπους“ ist durch P 66 (um ca. 200) und 565 sehr beachtlich belegt. Der stärkste Beleg für „τύπον“ hingegen ist P5 aus dem dritten Jahrhundert. Die meisten Handschriften verweisen auf den Singular. Somit bevorzuge ich diesen.

Variante 3:

Auch hier beobachten wir ein ähnliches Phänomen wie bei Variante 1. Das „τύπον“, wie es auch im Nestle Aland Text belegt ist, hat hier jedoch die älteren und mehr Schriftzeugen und ist deshalb zu bevorzugen. Es sei jedoch gesagt, dass es um diese zwei Stellen große Uneinigkeiten bei den Kommentarschreibern gibt.[7] Die Ähnlichkeit von „τύπον“ und „τόπον“ lässt die Ursprungsvariante nicht gänzlich genau bestimmen.

Variante 4:

Die Älteren Majuskeln, so zum Beispiel B und W, belegen „μου την χειρα“ als Reinfolge. Eine Vielzahl an anderen Handschriften jedoch das für das Griechisch üblichere „την χειρα μου“. Nach dem Grundsatz lectio difficilior und nach dem Alter der Textzeugen entscheide ich mich für „μου την χειρα“.

Vers 28

Variante 1:

Manche Handschriften fügen noch ein „και“ vor die Antwort des Thomas. Doch die älteren belegen eine Abwesenheit des „και“. Dies und der Grundsatz lectio brevior belegen, dass das „και“ kein Teil des ursprünglichen Textes war.

Vers 29

Variante 3:

Unter anderem fügen f13 und א* ein „με“ in Vers 29 an. א ist einer der älteren Majuskeln. Jedoch sprechen andere alte Majuskeln wir B gegen das „με“. Lectio brevior und die anderen Textzeugen machen für mich die Abwesenheit des „με“ im Ursprungsevangelium deutlich.

2 Arbeitsübersetzung

Aus der Textkritik ergibt sich folgende Arbeitsübersetzung:

24 Thomas aber, einer von den Zwölf, welcher Didymus genannt wird, war nicht mit ihnen als Jesus kam.

25. Da sagten ihm die anderen Jünger: „Wir haben den Herrn gesehen.“ Er aber sagte zu ihnen: „Wenn ich nicht in seinen Händen das Mal der Nägel sehe und ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel lege und ich meine Hand nicht in seine Seite lege, werde ich niemals glauben.“

26. Und nach 8 Tagen waren seine Jünger wieder drinnen und Thomas mit ihnen. Jesus kam, während die Türen verschlossen waren, und stellte sich in die Mitte und sprach: „Friede euch“[8]

27. Darauf sprach er zu Thomas: „Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände und reiche deine Hand und lege (sie) in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“

28. Thomas antwortete und sprach zu ihm: „Mein Herr und mein Gott!“

29. Jesus sprach zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind die, die nicht sehen und doch glauben.“[9]

3 Textarbeit

3.1 Abgrenzung des Textabschnittes:

Zwar bilden die Verse 19-23 mit den von mir bearbeiteten Versen 24-29 eine zusammenhängende Geschichte, ist es doch sinnvoll sich diesen Abschnitt gesondert anzuschauen, da beide Teile der Geschichte jeweils andere Schwerpunkte haben und so der zweite Teil eine besondere Funktion in den Auferstehungsbegegnungen hat. Getrennt werden diese durch jedoch ganz praktisch durch die Einführung eines neuen Charakters und die Beschreibung der Situation in Vers 24. Dort wird nicht einfach narrativ weitererzählt. Der Text legt durch diese Exposition einen Grundstein für einen neuen Abschnitt der Erzählung. Wie oben beschrieben ist dies nur eine kleine Trennung, weswegen die Verse 19-23 nicht gänzlich außer Acht gelassen werden dürfen.

Nach dem Abschnitt (V30-31) erfolgt ein Einschub des Narrators über den Zweck des Evangeliums, was die Geschichte klar nach hinten abgrenzt. Obwohl dieser Einschub durch die Thematik der Zeichen und des Glaubens mit der Geschichte inhaltlich verbunden ist.

3.2 Makrokontext

Das Johannesevangelium lässt sich je nach Schwerpunkt verschieden Gliedern. Anhand der immer göttlicher werdenden Selbstoffenbarung und Erkenntnis über Jesu ist eine Gliederung nach diesem Gesichtspunkt jedoch gut möglich und für die Thomasperikope hilfreich. Passend hierzu erscheint mir die thematische Strukturierung nach Jaroš.

1. Prolog (1,1-1,18)

I. Die Offenbarung des menschgewordenen Logos (1,19-12,50)

a. Jesus offenbart sich als Stifter einer neuen Heilslehre, die der alten überlegen ist. (1,19-4,42)
b. Jesus offenbart seine Gemeinschaft mit dem Vater und stößt auf den Unglauben vieler Zeitgenossen. (4,43–5,47)
c. Jesus offenbart sich als Brot des Lebens; eine wesentliche Entscheidungssituation für die Jünger. (6)
d. Jesus offenbart sich als Licht und Leben der Welt. Die Feindseligkeit der Juden steigert sich; Todesbeschluss durch das Synedrion. (7-12)

II. Höhepunkt der Offenbarung in Passion und Verherrlichung (13-21)

a. Die Abschiedsreden im Engsten Jüngerkreis (13-17)
b. Die Passion (18-19)
c. Die Auferstehung (20-21)[10]

Kapitel 20 stellte den ursprünglichen Schluss des Johannesevangeliums dar. Darüber herrscht weitgehende Einigkeit bei den Auslegern.[11] So steht die Thomasperikope am Ende des Buches und ist der ursprünglich letzte geplante Narrative Teil des Evangeliums, dem nur noch die Verse 30 und 31 als Epilog folgen.

[...]


[1] Vgl. (Jaroš, 2008) S.120

[2] Vgl. (Ebner, 2008) S.218

[3] Vgl. (Schnelle, 2013) S.557

[4] Vgl. (Ebner, 2008) S. 219

[5] Vgl. (Schnelle, 2013) S. 558

[6] Für die Erstellung dieser Textkritik wurde (Nestle, Aland, Karavidopoulos, Martini, & Metzger, 2012) verwendet.

[7] Z.B. (Schnelle, 2009) und (Schnackenburg, 1977) sehen hier ein „τόπον“, während z.B. (Zumstein, 2016) und (Becker, 1984) hier ein „τύπον“ vermuten

[8] Verben stehen hier und im Folgenden im narrativen Präsens. Siehe auch (Jaroš, 2008) S. 111

[9] Johannes benutz hier einen in die Zukunft gerichteten Aoristen, Vgl. (Schnackenburg, 1977) S.399

[10] Nach (Jaroš, 2008) S.103f.

[11] Vgl. (Schnelle, 2009) S.339

Details

Seiten
21
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668629097
ISBN (Buch)
9783668629103
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v388277
Institution / Hochschule
Theologische Hochschule Friedensau
Note
1,7
Schlagworte
Exegese Neues Testament Johannesevangelium Thomas

Autor

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Titel: Die Thomasperikope. Eine Exegese zu Johannes 20, 24-29