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Die Aufsplittung und Eingliederung der Tschechoslowakei in das Deutsche Reich

Seminararbeit 2005 16 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Grundbedingungen
2.1 Die Sudetendeutschen
2.2 Frankreich, England und die UdSSR als Garanten der Tschechoslowakei

3 Die Maikrise und das Abkommen von München
3.1 Die Maikrise
3.2 Das Abkommen von München

4 Die Liquidierung der Tschechoslowakei
4.1 Der Einmarsch deutscher Truppen und die „Zerschlagung der Resttschechei“
4.2 Internationale Reaktionen

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Tschechoslowakei spielte in den außenpolitischen Überlegungen Adolf Hitlers eine entscheidende Rolle. Hitlers Konzeption der „Lebensraumpolitik“ zielte eindeutig auf eine Expansion des Deutschen Reiches nach Osten ab. Dadurch war es ihm folglich klar, dass die beiden östlichen Nachbarn, Polen und die Tschechoslowakei, eine unmittelbare Rolle bei der Entfesselung des Krieges einnehmen werden, und sich an einem dieser beiden Länder aller Voraussicht nach der Krieg entzünden werde. In der Auseinandersetzung mit der Tschechoslowakei ging er hierbei etappenweise vor. Immer wieder versuchte er kleinere Krisen zu konstruieren, daraus seinen Vorteil zu ziehen und die Tschechoslowakei Stück für Stück aufzuteilen und in das Deutsche Reich oder dessen Einflussgebiet einzugliedern. Hierbei konnte er auf die innere Zerrissenheit des Vielvölkerstaates setzen und die einzelnen Ethnien zu seinen Gunsten gegeneinander ausspielen.

Im Folgenden möchte ich schildern, wie er zuerst die Sudetendeutschen und dann die Slowaken, Ungarn und Polen zur Aufsplitterung der Tschechoslowakei verwendete. Als wesentliche Etappen auf dem Weg zur Aufsplitterung und Eingliederung der Tschechoslowakei werde ich hierbei das Erstarken der Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei im Jahr 1935, die Maikrise und das Münchener Abkommen vom September 1938, sowie die endgültige Liquidierung der Tschechoslowakei im März 1939 anführen.

Einen Blick möchte ich dabei auch auf das insuffizente Bündnissystem werfen, auf dessen Wirksamkeit die tschechoslowakische Regierung vertraute.

Meinen Augenmerk werde ich auf die Frage richten, wer für den Lauf der Dinge verantwortlich gemacht werden kann: War es die Tschechoslowakei, da sie durch eine fehlgeleitete Politik ihren Staat selbst sprengte? Waren es die Verbündeten der Tschechoslowakei, da sie ihren Pflichten nur ungenügend nachkamen und ihren Bündnispartner dadurch dem Deutschen Reich überließen? Oder hätten sie alle das Ergebnis Hitlers Tschechoslowakei-Politik nicht beeinflussen können, da dieser seine Marschroute gegen jeden äußeren Umstand durchgesetzt hätte?

2 Die Grundbedingungen

2.1 Die Sudetendeutschen

Die Tschechoslowakei wurde bei ihrer Gründung im Jahr 1919 als Vielvölkerstaat konzipiert.[1] Wesentliche Bevölkerungsgruppen waren Tschechen, Slowaken, Deutsche, und Ungarn. Die größte ethnische Gruppe bildeten nach einer Volkszählung von 1921 die Tschechen (50,3%), gefolgt von den Deutschen (22,9%), Slowaken (14,0%) und Ungarn (5,5%). Ruthenen, Ukrainer, Russen, Juden, Polen, Rumänen und weitere stellten nur einen kleineren Teil der Bevölkerung (Abbildung 1).[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1, Quelle: Mípiková/Segert

Eine solche Mischung stellt unweigerlich ein Konfliktpotential dar. Dieses Potential wurde in der Tschechoslowakei, wie der tschechische Historiker Borivoj Celovsky schildert, durch ein falsch ausgerichtetes politisches System noch verstärkt: Der tschechoslowakische Staat fußte nicht auf den verschiedenen Volksstämmen, sondern wurde nach amerikanischem Vorbild von der Parlamentsmehrheit getragen. Die Parteibildung fand in der multiethnischen Tschechoslowakei aber nicht nur entlang den üblichen Konfliktlinien, den so genannten cleavages, statt, sondern war vor allem auch durch die unterschiedlichen Nationalitäten geprägt. Bei der oben genannten Zusammensetzung der Bevölkerung ist es nicht verwunderlich, dass die größte Bevölkerungsgruppe, die Tschechen, im Wesentlichen die Regierung und die Parlamentsmehrheit stellten. Die politische Auseinandersetzung war folglich auch eine Auseinandersetzung der verschiedenen Ethnien, in der sich allen voran Deutsche, Slowaken, Ungarn und Polen in der Oppositionsrolle wieder fanden.[3]

Die sudetendeutsche Minderheit wurde durch die „Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei“ (DNSAP) und die „Deutsche Nationalpartei“ (DNP) vertreten.[4] Beide Parteien bekundeten öffentlich ihre Sympathie für den deutschen Nationalsozialismus[5] und traten für die Angliederung des Sudentenlandes an das Deutsche Reich ein.[6] Aus diesen Gründen wurden beide sudetendeutschen Parteien im Oktober 1933 verboten und nach ihrer freiwilligen Liquidierung am 11. November 1993 offiziell für aufgelöst erklärt. Bei ihrer Auflösung empfahlen die Parteien ihren Mitgliedern allerdings den Beitritt in die vom Turnlehrer Konrad Henlein geführte „Sudetendeutsche Heimatfront“ (SHF).[7] Zur Parlamentswahl am 19. Mai 1935 wurde die SHF unter dem Titel „Sudetendeutsche Partei“ (SdP) schließlich als Partei formiert und zur Wahl zugelassen. Ihr Wahlkampf und die laufenden Ausgaben wurden mit Wissen Hitlers vom Deutschen Reich finanziert.[8] Aus den Wahlen ging Henleins SdP als stärkste deutsche Partei hervor, welche für sich 44 von 66 deutschen Sitzen im Parlament beanspruchen konnte.[9] Nach der tschechischen Agrarpartei (45 Sitze) war die SdP zweitstärkste Partei im Parlament, welches sich insgesamt aus 291 Abgeordneten aus 13 Parteien zusammensetzte.[10]

Spätestens ab diesem Zeitpunkt erkannte Hitler den Nutzen, den die SdP für seine Lebensraumpolitik besaß.[11] Durch die wachsende enge Verknüpfung der SdP mit den deutschen Nationalsozialisten hatte er starke Einflussmöglichkeiten auf innenpolitische Prozesse der Tschechoslowakei und in Henleins Partei ein bestens geeignetes Instrument um die Aufspaltung und Liquidierung der Tschechoslowakei zu forcieren.

2.2 Frankreich, England und die UdSSR als Garanten der Tschechoslowakei

Unter Staatspräsident Tomáš Garrigue Masaryk und Außenminister Eduard Benes hatte es die Tschechoslowakei geschafft, in das französische Bündnissystem integriert zu werden. In den 20-er Jahren entstand eine wirtschaftliche und militärische Verknüpfung beider Länder, was sich z. B. im gegenseitigen Austausch von Militärberatern oder der Hilfe Frankreichs beim Ausbau des tschechoslowakischen Festungsgürtels an der Grenze zum Deutschen Reich äußerte. Ebenso sicherten sich beide Länder gegenseitigen militärischen Beistand zu. Vertraglich festgelegt wurde diese Zusammenarbeit am 25. Januar 1924 und nach den Locarno-Verträgen nochmals erneuert. Die französische Zuwendung war zum großen Teil durch die tschechoslowakische Unterstützung der französischen Politik im Völkerbund begründet.[12]

[...]


[1] vgl. Erdmann, Karl Dietrich: Deutschland unter der Herrschaft des Nationalsozialismus 1933-1939 (Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte: Band 20), Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 199911, S. 247f.

[2] vgl. Mípiková Alena/Segert Dieter: Republik unter Druck, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung: Tschechien (Heft 276), Bonn 2002. Online-Ausgabe: http://www.bpb.de/publikationen/T80IHC,0,0,Republik_unter_Druck.html, Stand: 20.02.05, 15:53 Uhr.

[3] vgl. Erdmann, S. 248.

[4] vgl. ebd.

[5] vgl. Hoensch, Jörg K.: Geschichte der Tschechoslowakischen Republik, Kohlhammer, Stuttgart 19782, S. 57.

[6] vgl. Erdmann, S. 48.

[7] vgl. Hoensch, S. 57ff.

[8] vgl. Hoensch, S. 60f.

[9] vgl. Erdmann, S. 249.

[10] vgl. Mípiková/Segert.

[11] vgl. Hoensch, S. 70.

[12] vgl. Hoensch, S. 45ff.

Details

Seiten
16
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638377546
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v38787
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Aufsplittung Eingliederung Tschechoslowakei Deutsche Reich Proseminar

Autor

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