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Massenmedien und Öffentlichkeit - die mediale Wirkung auf öffentliche Meinung

Seminararbeit 2003 19 Seiten

Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Öffentliche Meinung
2.1 Ein schwieriger Begriff
2.2 Elitekonzept
2.3 Integrationskonzept

3. Massenmedien - der Journalismus in der Bundesrepublik Deutschland
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Rechtliche Grundlagen
3.3 Funktion der Massenmedien
3.4 Journalistisches Selbstverständnis
3.5 Grundregeln journalistischer Arbeit

4. Das Verhältnis von öffentlicher Meinung und Massenmedien
4.1 Agenda-Setting
4.2 Konzept der selektiven Wahrnehmung
4.3 Meinungsführer und Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation
4.4 Theorie der Schweigespirale

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei der Untersuchung des Wandlungsprozesses von Medien, Politik und Öffentlichkeit stößt man unweigerlich auf den Begriff der öffentlichen Meinung. „[D]ie öffentliche Meinung [stellt] eine zentrale Kategorie in der politischen Ideengeschichte, der Kommunikations- und Politikwissenschaft dar. Sie bildet insbesondere einen Schlüsselbegriff, um die Legitimität demokratischer Herrschaftssysteme zu erörtern.“[1] Nun existiert die öffentliche Meinung nicht unabhängig in Politik, Öffentlichkeit und Medien. Es besteht die Annahme, dass durch die Massenmedien Themen politischer Couleur in die Öffentlichkeit transportiert werden, was zur Bildung von öffentlicher Meinung führt. Welche Wirkung üben dabei die Massenmedien auf die Bildung der öffentlichen Meinung aus?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, erscheint es sinnvoll, sich zunächst den Begriffen öffentliche Meinung und Massenmedien zu nähern. Die Wirkungsforschung der Massenmedien hat unzählige Ansätze erarbeitet. Anschließend werden einige Ansätze diskutiert.

Im ersten Kapitel erfolgt eine Erläuterung des Begriffs öffentliche Meinung, wobei zu bemerken ist, dass es in der Wissenschaft keine allgemeingültige Definition gibt. Aber die Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann fasst die bisher bestehenden Auffassungen von öffentlicher Meinung in zwei Entwürfen zusammen: zum einen das Elitekonzept und zum anderen das Integrationskonzept.[2] Beide Konzeptionen werden hier vorgestellt.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Massenmedien in der Bundesrepublik Deutschland. Der Betrachtungszeitraum erstreckt sich von der Gründung der Republik bis in die Gegenwart. Im Fokus steht hierbei der Journalismus als Handlungsfeld der Massenmedien. Um den Begriff Massenmedien nutzen zu können, ist es zunächst nötig, sich mit ihm vertraut zu machen. Die Bundesrepublik Deutschland ist bekanntlich ein Rechtsstaat. Daher ist es notwendig, die rechtlichen Grundlagen der Massenmedien darzustellen. Daraus resultieren die Funktionen und Leistungen, die den Massenmedien zugeschrieben werden. Zum Verständnis der Funktionsweise ist es angebracht, sich das journalistische Selbstverständnis sowie allgemeine Grundregeln journalistischer Arbeit vor Augen zu führen.

Das dritte Kapitel steht im Zeichen der Wirkungsforschung. Es werden vier mögliche Forschungsansätze zur Medienwirkung erläutert. Dabei stellt sich heraus, dass sich, bis auf das Agenda-Setting, die Ansätze von selektiver Wahrnehmung, Meinungsführer und Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation sowie Schweigespirale mit dem sozialpsychologischen Integrationskonzept der öffentlichen Meinung in Verbindung setzen lassen.

2. Öffentliche Meinung

2.1 Ein schwieriger Begriff

Bei der öffentlichen Meinung handelt es sich um einen Begriff, bei dem sich die Wissenschaft, im Versuch eine allgemeingültige Definition zu finden, die Zähne auszubeißen scheint. Bereits seit der Antike sind die Wörter öffentlich und Meinung in offensichtlichen Zusammenhängen im Umlauf. Dabei kam dem Begriff öffentliche Meinung ursprünglich die Bedeutung von sozialer Kontrolle zu. Mit dem Zeitalter der Aufklärung Ende des 18. Jahrhunderts wandelte sich die Bedeutung des Begriffs.

Bereits 1904 erkannte Hermann Oncken die Ambivalenz in der Betrachtungsweise der öffentlichen Meinung.[3] Allerdings gelang es Onken noch nicht, diese Erkenntnisse entsprechenden Konzepten zuzuordnen und somit greifbar zu machen.

Den Höhepunkt der Begriffsverwirrung erreichte die 1965 von Harwood Childs veröffentlichte Zusammenstellung fünfzig verschiedener Definitionen von öffentlicher Meinung in seinem Buch Public Opinion. Schließlich wagte die deutsche Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann, alle bisherigen Definitionen und Ansätze zur Wesensbestimmung von öffentlicher Meinung in zwei grundlegende Konzepte einzuordnen. Demnach sieht sie einerseits „Öffentliche Meinung als Rationalität mit Funktionen für Meinungsbildung und Entscheidung in der Demokratie [und andererseits] Öffentliche Meinung als soziale Kontrolle mit der Funktion der Integration der Gesellschaft und Sicherung eines für Handeln und Entscheiden ausreichenden Grades von Konsens.“[4]

2.2 Elitekonzept

Die Ansicht, dass Rationalität die öffentliche Meinung charakterisiere, entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts und ist noch heute in der Politikwissenschaft weit verbreitet. „Unter Rationalität wird dabei verstanden: die bewusste Erkenntnis von Sachverhalten und Zusammenhängen mit den Mitteln des Verstandes und die logische und begründete Ableitung von Urteilen aus diesen Erkenntnissen. [...] Die Beschäftigung mit solchen Gegenstandsbereichen ist dadurch von Logik, Kausalität und Widerspruchsfreiheit geprägt. Die Ergebnisse rationalen Denkens sind einleuchtend, vernünftig und intersubjektiv nachvollziehbar.“[5]

Bedingt durch dieses rationale Denken erfolgt eine Zerlegung des Begriffs öffentliche Meinung in die Bestandteile öffentlich und Meinung. Die Bedeutung von öffentlich wird auf politische Inhalte zurückgeführt. Die nunmehr einzelnen Gegenstandsbereiche werden zueinander in Beziehung gesetzt. Als Ergebnis entstehen die Betrachtungspaare Meinung – Öffentlichkeit, Öffentlichkeit – Regierung und Meinung – Regierung. Bei der Bestimmung der Träger der öffentlichen Meinung bedient man sich ebenfalls einer rationalen Sichtweise. Es herrscht die Auffassung vor, dass nur ein kleiner Teil der Bürger an der öffentlichen Meinung beteiligt ist. Diese Bürger, so ist die Vorstellung, sind vernünftig, rational argumentierend, gut informiert und urteilsfähig. Diese Attribute gelten als Voraussetzungen, um durch eine rationale Entscheidung öffentliche Meinung zu bilden.[6]

2.3 Integrationskonzept

„Anders als das Elitekonzept fällt die sozialpsychologische Theorie öffentlicher Meinung kein Urteil über Qualität der Inhalte öffentlicher Meinung oder über die Befähigung ihrer Träger.“[7] Wenn man öffentliche Meinung als soziale Kontrolle begreift, muss man sich vor Augen führen, dass niemand ausgeschlossen ist, sondern alle Mitglieder der Gesellschaft betroffen sind. Damit liegt das Augenmerk auf der Integrationsleistung einer Gesellschaft. Das heißt, Integration ist als empfundene Übereinstimmung in Stimmungen, Werten und Zielen zu begreifen. Das Ziel ist, ein Zusammengehörigkeitsgefühl in einer Gesellschaft zu erreichen – einen Konsens der die Gesellschaft zusammenhält.

Der Grundgedanke dieses Ansatzes geht davon aus, dass jeder Mensch eine soziale Natur besitzt. Mit anderen Worten neigt der Mensch zu Isolationsfurcht oder zur Betrachtung der Öffentlichkeit als eine Bedrohung. Diese Angst, isoliert dazustehen, resultiert aus dem Verständnis, öffentlich im Sinne von in aller Öffentlichkeit zu begreifen. Der Mensch hat Angst davor, in seinem Handeln und in seinen Äußerungen gesehen zu werden, bis hin beurteilt und verurteilt zu werden. Daher entwickelt der Mensch ein wachsames Bewusstsein für die Öffentlichkeit.[8]

Eine mögliche Definition von öffentlicher Meinung nach dem sozialpsychologischen Integrationskonzept liefert Elisabeth Noelle-Neumann: „Unter öffentlicher Meinung versteht man wertgeladene, insbesondere moralisch aufgeladene Meinungen und Verhaltensweisen, die man – wo es sich um festgewordene Übereinstimmung handelt, zum Beispiel Sitte, Dogma – öffentlich zeigen muss, wenn man sich nicht isolieren will; oder bei im Wandel begriffenem ‚flüssigen’ [...] Zustand öffentlich zeigen kann, ohne sich zu isolieren.“[9]

[...]


[1] Gallus, Alexander/Marion Lühe: Öffentliche Meinung und Demoskopie, Berlin 1998, S.11.

[2] Vgl. ebd., S.11.

[3] Oncken, Hermann: Politik, Geschichtsschreibung und öffentliche Meinung, in: ders.: Historisch-politische Aufsätze und Reden, Bd. 1, München und Berlin 1914, S. 236.

[4] Noelle-Neumann, Elisabeth: Öffentliche Meinung. Die Entdeckung der Schweigespirale, 4. Aufl., Frankfurt am Main und Berlin 1996, S.323 f.

[5] Ebd., S.325.

[6] Vgl., ebd., S.325-333.

[7] Ebd., S.354.

[8] Vgl., dies.: Öffentliche Meinung, in Otfried Jarren/Ulrich Sarcinelli/Ulrich Saxer (Hrsg.): Politische Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. Ein Handbuch mit Lexikonteil, Opladen und Wiesbaden 1998, S.84 ff.

[9] Dies.: Öffentliche Meinung. Die Entdeckung der Schweigespirale, 4. Aufl., Frankfurt am Main und Berlin 1996, S.343 f.

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638377447
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v38775
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
2,3
Schlagworte
Massenmedien Wirkung Meinung Medien Politik Wandel

Autor

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