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Die Zeit des Bamberger Basketballs in der Kennedy Halle

Seminararbeit 2017 35 Seiten

Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Faszination Basketball in Bamberg

II. Die Zeit des Bamberger Basketballs in der Kennedy Halle
1. Die Kennedy Halle - Nutzung von der Errichtung bis heute
2. Die Anfänge einer in Bamberg neuen Sportart
3. Der Weg des 1. FC Bamberg 01 in die Bundesliga
3.1. Die Gründe für den Umzug in die Kennedy Halle
3.2. Regelungen zur Nutzung der Kennedy Halle von Seiten der US Standortverwaltung
3.3. Die sportliche Leistung des 1. FC Bamberg 01s in der Kennedy Halle
3.4. Wichtige Protagonisten in der Zeit des Bamberger Basketballs in der Kennedy Halle
4. Alltag für den Basketball in der Kennedy Halle
4.1. Spieler und Trainer
4.2. Fans und Zuschauer
4.3. Sport als Faktor für die Entwicklung der Deutsch - Amerikanischen Freundschaft in Bamberg
5. Das Drei-Länder-Turnier in Bamberg 1970
6. Berichterstattung in den heimischen Medien 1968 - 1975

III. Bedeutung der Zeit in der Kennedy Halle für die Entwicklung des Bamberger Basketballs

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis

V. Anlagen
1. Email der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) vom 13.4.2017
2. Bilder der JFK Halle vom 13.4.2017
3. Terminplan für FC Bamberg Saison 1968/69
4. Schreiben des 1. FC Bamberg 01 an die Stadtverwaltung Bamberg
5. Die Aufstiegsmannschaft der Saison 1969/70
6. „Wolfgang Reichmann- Die Amis und der Sport“, Ein Interview von Frau K., Q11
7. Interview mit OB Starke am 18.5.2017
8. Email von der Pressestelle der Stadt Bamberg

VI. Danksagung

I. Faszination Basketball in Bamberg

Die Faszination der Ballsportart Basketball in Bamberg ist groß: neunmaliger Deutscher Meister, fünfmaliger Pokalsieger, fünfmaliger BBL Champions Cup Sieger, dreimaliger Deutscher Vizemeister und dreimaliger Deutscher Vizepokalsieger - das ist die bisherige Bilanz der Bamberger Basketballgeschichte. Seit der Gründung der ersten Basketballabteilung in Bamberg 1955 hat Bamberg Freude an dieser Ballsportart gewonnen und kann sich heute zur europäischen Basketballspitze zählen, nicht zuletzt durch das dreimalige Erreichen der Top 16 in der EuroLeague, der höchsten europäischen Basketballliga[1].

Die Bamberger Basketballhistorie hat viele Höhen, aber auch viele Tiefen erlebt; Meisterfeiern nach vielen Meisterschaft in Folge, aber auch Trauer nach dem Abstieg aus der Bundesliga.

Im Folgenden werde ich eine legendäre Zeit in der Bamberger Basketballvergangenheit erläutern, die Zeit des Bamberger Basketballs in der Kennedy Halle. Ich werde auf verschiedenste Aspekte dieser Zeit eingehen, beispielsweise wie kam der 1. FC Bamberg 01 in die Bundesliga? Wer waren die wichtigsten Protagonisten zu dieser Zeit aus Sport und Politik? Wie sah das Zusammenleben mit den Amerikanern im Sportbereich aus? Welche Bedeutung hatte diese Zeit für die Entwicklung des Basketballs in Bamberg, so wie wir ihn heute kennen?

Parallel zur Entwicklung des Basketballs beim 1. FC Bamberg 01 haben sich auch andere Bamberger Sportvereine, allerdings zeitverzögert, dem Basketballsport gewidmet. Beispielhaft seien dafür genannt: MTV Bamberg und TSV 1860 Bamberg. Im Rahmen dieser Seminararbeit erörtere ich nur die Vergangenheit des Basketballsports beim 1. FC Bamberg 01.

Zunächst werde ich aber die Kennedy Halle an sich und deren Nutzung zusammenfassen.[2]

II. Die Zeit des Bamberger Basketballs in der Kennedy Halle

1. Die Kennedy Halle - Nutzung von der Errichtung bis heute

Die Kennedy Halle befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen US Stützpunkts in Bamberg. Die Errichtung dieser Halle wurde durch die Amerikaner beauftragt. Nach Abzug dieser in Bamberg im Dezember 2014 wurde das Gebiet an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) zur Verwaltung übergeben. Aktuell wird dieses Gebäude und das Gelände seit 2016 als Ausbildungszentrum der Bundespolizei benutzt.

Die Kennedy Halle verfügt über eine Grundfläche von 1.928,00 m², das Baujahr der Halle ist nicht exakt bekannt.

Sie ist ein rechteckiges Gebäude mit Satteldach in Fertigteil-/ Massivbauweise. Die Sporthalle ist heute teilweise zweigeschossig, beheizt und die Belichtung erfolgt überwiegend durch Glasbausteine. Sie ist mit sporthallenüblichen Einbauten wie Tribünen, Kontrollraum, Schwingboden, Trinkbrunnen, größeren WC-Anlagen und einer kleinen Küche ausgestattet. Die Kennedy Halle verfügt über einen Eingangsbereich, Halle, Nebenräume, Büros, Toiletten, Küche, behindertengerechtes WC und einen Technikraum. Zu dem Objekt werden ein kleiner Anbau, ein Technik-/Versorgungsgebäude sowie zwei Fahrradständer mit Überdachung gezählt[3]. Die Halle wurde in den letzten 50 Jahren mehrfach modernisiert[4].

Die Nutzungsart des Gebäudes erfolgte sowohl bei der US Armee als auch heute bei der Bundespolizei als Mehrzweckhalle. Allerdings wird aktuell die Kennedy Halle von den angehenden Bundespolizisten nur sehr selten belegt, weil auf dem Gelände eine relativ neue, hochmoderne Halle für die sportliche Ausbildung zur Verfügung steht .

2. Die Anfänge einer in Bamberg neuen Sportart

Nachdem der im Mai 2014 verstorbene Bert Peßler im Jahr 1955 an die Bamberger Oberrealschule kam, legten er (auf Schulebene) und sein Freund Winfried Potrykus (auf Vereinsebene) das Fundament für die bis heute andauernde Basketballbegeisterung. Im Frühjahr 1955 veranstaltete der damalige Sportlehrer Peßler einen Informations-Nachmittag für alle Interessierten, in die damals noch recht unbekannte Sportart. Seitdem er im Herbst 1955 an die damalige Oberrealschule (seit 1965 Clavius-Gymnasium) versetzt wurde, ging es mit der Entwicklung der Ballsportart in Bamberg stetig aufwärts, unter anderem, weil sein Bruder „Joff“ Peßler am Deutschen Gymnasium (seit 1965/1966 E.T.A. Hoffmann-Gymnasium) diese Sportart ebenfalls bekannter machte.

Infolgedessen gab es die Gründung einer Basketballabteilung des 1. FC Bamberg 01. Maßgeblich vorangetrieben wurde diese von Winfried Potrykus, dessen Antrag auf Gründung einer Basketballabteilung dem Vereinsausschuss des 1. FC Bamberg 01 im September 1955 vorlag und dem nur mit einer einzigen Gegenstimme entsprochen wurde. Potrykus wurde am 28.3.1956 als Abteilungsleiter vom Verein bestätigt und in den Ausschuss aufgenommen. In der Saison 1956/57 nahmen eine Männer- und eine Jugendmannschaft an den Verbandsspielen in Oberfranken teil: Die Männer belegten einen guten 2. Platz und strebte nach mehr. Dies erreichte man auch in der darauffolgenden Saison, als der Aufstieg in die Nordbayrische Landesliga erreicht wurde. Die Jugendmannschaft wurde Nordbayrischer Meister. In der Saison 1969/70 wurde der 1. FC Bamberg 01 Meister der Süddeutschen Basketball Oberliga und stieg erstmals in die Bundesliga auf[5].

3. Der Weg des 1. FC Bamberg 01 in die Bundesliga

Für eine junge Sportart wie Basketball war es damals sehr schwer, die Voraussetzungen für eine gute Entwicklung zu schaffen und das nötige öffentliche Interesse zu gewinnen. Doch aus einst kleinen und nur müde belächelten Anfängen entstand eine leistungsstarke Basketballabteilung mit enormen Potential[6]. Eine von Anfang an gezielte Jugendarbeit war das Fundament für die positive Entwicklung im Bamberger Basketballsport. Ein wichtiger Wegpunkt für den Aufstieg an die Spitze war die Saison 1961/62: Dem unter Trainer Papsdorf spielenden 1. FC Bamberg 01 gelang der Sprung von der Landesliga in die Bayernliga. Erstaunlich hierbei war die gute Zusammenarbeit der erwachsenen Spieler und der Jugendspieler Hohmann, Reinwald und M. Metzler, die 1961 erstmals die erste Bayrische Jugendmeisterschaft gewannen. Der Alltag in der Bayernliga wurde den Bambergern aber nicht einfach gemacht: Die beiden Topmannschaften von Würzburg und München setzten den Violetten[7] hart zu und verhinderten einen sofortigen Aufstieg in die nächst höhere Liga. Ein Teil der Spiele in der Bayernliga wurde bereits in der Kennedy Halle gespielt, wie zum Beispiel das Spiel des 1. FC Bamberg 01 gegen Augsburg am 12.10.1968[8].

Unterdessen gab es auch Veränderung in der Personalstruktur des 1. FC Bamberg 01: Aus der eigenen Jugend kamen Hofmann, Dr. Beck, Scholz, Hafenecker, Lorber, Kreller, Reichmann, Voigt, Müller, G. Meinhardt, M. Meinhardt, Pfeifer und Jakob hinzu.

Der Aufstieg in die Oberliga Süd wurde 1968/69 dank einer optimierten Trainingsarbeit, zweier neu verpflichteter Spieler von der US Armee, dem neuen Trainer “Fips“ Hofmann und Coach Uli Witschel erreicht.

Außerdem holten sich die Junioren 1966/67 den Süddeutschen Titel und wurden darüber hinaus in Oberhausen deutscher Vizemeister. Des Weiteren stieg die 2. Mannschaft 1967/68 in die Landesliga auf.

Als entscheidendste Saison der Bamberger Basketballhistorie wird aber die Saison 1969/70 in die Geschichtsbücher eingehen. Basketball war in Bamberg mittlerweile weit mehr als „Lumperei“, wie sie einst vom Städtischen Oberamtsrat Kühnle[9] bezeichnet wurde[10]. Überregionale Zeitungen wie die „Süddeutsche“ oder die „FAZ“ informierten in großen Berichten über den Aufschwung des “Bazillus Basketball“ in der Domstadt. Die Pädagogische Hochschule war keine geeignete Spielstätte mehr und so musste man in die auf amerikanischem Besatzungsgebiet angesiedelte Kennedy Halle ausweichen[11]. Ab dieser Saison trug erstmals die spätere Bamberger Basketballegende Jim Wade in der Süddeutschen Oberliga das lila- weiße Trikot für die Bamberger und begeisterte die stetig wachsende Fangemeinde. In der Vorrunde erreichte man den zweiten Platz, es gab nur zwei Niederlagen - beide ohne Jim Wade.

Die Saison war allerdings noch lange nicht zu Ende: Nach einem unnötigen Spielverlust gegen Augsburg und einem überraschenden Sieg gegen Spitzenreiter Möhringen schrieb der 1. FC Bamberg 01 Geschichte: Am 14.3.1970 sah Basketball Deutschland erstmals nicht Möhringen, sondern Bamberg auf Platz eins der Tabelle. Der FC hatte Blut geleckt und wollte diesen Tabellenplatz auch nicht so schnell wieder hergeben. Der zu schlagende Gegner für das Erreichen des Aufstiegs in die Bundesliga war der Erste der südwestdeutschen Oberliga BC Darmstadt. In zwei mitreißenden Spielen setzte sich der 1. FC Bamberg 01 erfolgreich durch und das Ziel war erreicht: Der 1. FC Bamberg 01 war in der höchsten deutschen Basketballliga angekommen. Das Heimspiel gegen den BC Darmstadt wurde vor über 2000 Zuschauern zu Gunsten der Bamberger entschieden, zum Auswärtsspiel in Darmstadt wurde die Mannschaft von über 500 Basketballfans begleitet.

3.1. Die Gründe für den Umzug in die Kennedy Halle

Für den Wechsel von der Pädagogischen Hochschule in die Kennedy Halle gab es mehrere nachvollziehbare Gründe, einige davon waren von äußerster Wichtigkeit und machten den Umzug nicht nur nachvollziehbar, sondern notwendig.

Als der 1. FC Bamberg 01 in der Bayernliga gegen den Lokalrivalen MTV Bamberg ein Derby veranstaltete, vollzog sich ein plötzlicher Zuschauerboom und die kleine Halle der pädagogischen Hochschule war mit 500 Basketballfans überfüllt. Dieses Derby wurde von Wolfgang Reichmann als die Initialzündung für die stetig andauernde Basketballeuphorie in Bamberg gesehen[12]. Die Eintrittszahlen explodierten und die Halle der Pädagogischen Hochschule in Bamberg war zu klein für diese Zuschauerkapazität. Deswegen machten sich die Verantwortlichen des 1. FC Bamberg 01 auf die Suche nach einer neuen Spielstätte.

Dies war aber nicht der alleinige Grund. Der neue Austragungsort der Spiele musste auch den damaligen technischen Vorgaben des Verbandes für Spiele in der Süddeutschen Oberliga entsprechen: Gefordert waren eine Mindestgröße des Spielfelds, ein Sicherheitsabstand hinter den Grund- und Seitenlinien und eine elektronische Anzeigetafel mit Ergebnisanzeige und Spieluhr. Die einzige Sporthalle in Bamberg, welche diesen Anforderungen gerecht wurde, war zu diesem Zeitpunkt die Kennedy Halle auf dem amerikanischen Armeegelände.

Es gab nicht nur Probleme mit den Spielfeldgrößen der Bamberger Schul- und Sporthallen, sondern auch mit deren Belegungen: Die Basketballer des 1. FC Bamberg 01 waren nicht die Einzigen, die in den Bamberger Hallen trainieren und spielen wollten. Schulen und andere Vereine erhoben ebenfalls Anspruch auf Trainingszeiten. Diese Probleme wären nur mit einer neuen, den aktuellen Anforderungen entsprechenden, Sporthalle zu lösen gewesen.

Es blieb also nur die Möglichkeit, den Versuch zu starten, die Kennedy Halle für die Basketballspiele in der Süddeutschen Oberliga anzumieten. Infolgedessen richteten Peter Hilfrich[13] und Dr. Gerhard Müller[14] im Frühjahr 1969 ein Schreiben[15] des 1. FC Bamberg 01 an die Stadtverwaltung Bamberg. Sie baten um eine Kontaktaufnahme mit der amerikanischen Standortverwaltung, damit der 1. FC Bamberg 01 seine Basketballspiele in der Süddeutschen Oberliga in der Kennedy Halle austragen kann. Es handelte sich um neun Spiele an Samstagen und einen wöchentlichen Trainingstag.

Die Bemühungen der Stadt Bamberg waren erfolgreich, sie teilte dem 1. FC Bamberg 01 am 24.6.1969 in einem Schreiben[16] mit, dass das Anliegen des Vereins genehmigt werde. Das Beste an der Zusage war, dass die US Standortverwaltung die Kennedy Halle dem 1. FC Bamberg 01 die Kennedy Halle kostenlos zur Verfügung gestellt hat.

3.2. Regelungen zur Nutzung der Kennedy Halle von Seiten der US Standortverwaltung

Die Kennedy Halle lag zwar geographisch gesehen in Bamberg, dennoch war sie ein Teil der Kaserne der US Armee, also ein Staat im Staat, und unterlag somit besonderen Regelungen. Davon waren sowohl Spieler als auch Fans betroffen. Dies galt vor allem für den Zugang zum amerikanischen Gelände und Einschränkungen für Fans in der Kennedy Halle[17].

Es galten erhöhte Sicherheitsmaßnahmen, beispielsweise gab es für Fans ein striktes Parkverbot auf dem US Gelände. Sonderregelungen diesbezüglich bestanden nur für Spieler, Trainer und Ehrengäste. Zusätzlich hierzu gab es ausnahmslos für jeden, anfangs sogar auch für die Spieler des 1. FC Bamberg 01, Ausweiskontrollen.

Der Konsum von berauschenden Mitteln war von US Seite untersagt, dies bezog sich vor allem auf alkoholische Getränke. Außerdem galt strengstes Rauchverbot in der Halle.

Im Laufe der Zeit schmuggelten viele Fans trotz des Tabus vor allem Bierdosen in die Halle, teilweise wurde auch das Zigarettenverbot missachtet.

Obwohl den Basketballern offiziell wöchentlich zwei fest terminierte Trainingseinheiten zugesagt waren, hatte der US Sport immer Vorrang. Wollten also ein paar Amerikaner gerade Basketball spielen und die Bamberger nicht dabei haben, musste das Training des 1. FC Bamberg 01 ausfallen.

Diese Umstände machten die Zeit in der Kennedy Halle für den 1. FC Bamberg 01 und dessen Fans nicht gerade einfach, aber es war auch ein notwendiges Opfer: Sie bekamen eine sehr große Halle mit der nötigen technischen Ausstattung umsonst, die es ihnen erst ermöglichte, in der süddeutschen Oberliga und später in der Bundesliga zu spielen. Mittlerweile war die Basketballbegeisterung in Bamberg so groß geworden, dass die Fans und auch die Spieler die sicher aus der Sicht der US Standortverwaltung notwendigen Regelungen gerne akzeptierten.

Außerdem gab es auch eine von den Amerikanern sehr konsequent angewandte Regelung für den Einsatz von US Soldaten in der Basketballmannschaft des 1. FC Bamberg 01. Da Jim Wade, der Vorzeigebasketballer der Violetten, hauptberuflich Soldat und nicht Basketballer war, galt für ihn: Die militärische Pflicht hatte ausnahmslos Vorrang. War also während einer Trainingseinheit oder eines Spiels ein Manöver der US Streitkräfte, so musste jeder Soldat, auch Jim Wade, ausrücken.

3.3. Die sportliche Leistung des 1. FC Bamberg 01s in der Kennedy Halle

Saison 1968 /69

Erstmals in der Saison 1968/69 wurden vereinzelt Spiele des 1. FC Bamberg 01 in der Kennedy Halle ausgetragen. In diesem Jahr holten die Bamberger den Titel in der Bayernliga und qualifizierten sich für die Süddeutsche Oberliga. Die einzigen Schönheitsfehler dieser Saison waren zwei deutliche Niederlagen in München.

Saison 1969/70

Die Saison 1969/70 sollte dank des Aufstiegs die Saison werden, an die sich viele Bamberger heute noch erinnern. Durch das gestiegene öffentliche Interesse nahm die Begeisterung für Basketball in Bamberg weiter zu. Über 2000 Zuschauer in der Kennedy Halle feuerten die Mannschaft des 1. FC Bamberg 01 mit Spielertrainer Fritz Hofmann und Coach Pablo Hartmann an. Jim Wade feierte in dieser Saison sein Debüt bei den Bambergern und somit erreichte man schon in der Vorrunde den zweiten Platz. Die einzigen zwei Niederlagen musste man hinnehmen, als Jim Wade nicht zur Verfügung stand. Ab März 1970 schaffte der 1. FC Bamberg 01 den Sprung auf Platz eins der Tabelle, der bis zum Ende der Saison auch gehalten werden konnte. Als erster der Süddeutschen Oberliga qualifizierte sich Bamberg für das Aufstiegsspiel gegen den Meister der Südwestdeutschen Oberliga BC Darmstadt. Die Bamberger gewannen das Heimspiel klar und verloren nur knapp das Rückspiel in Darmstadt. Mit diesem Erfolg stieg der 1. FC Bamberg 01 in die Basketball Bundesliga auf.

Saison 1970/71

Wade, Brand, Reichmann, Klinger, W. Vogt, Hempfling, Lorber, P. Müller, Pfeifer, Rabast, Hartmann und Dürr: Unter der Leitung des neuen Coaches, dem US Amerikaner Sergeant Robert Lewis, startete der 1. FC Bamberg 01 in die erste Bundesligasaison. Ziel war es, mindestens den sechsten Tabellenplatz zu erreichen, da nach Abschluss der Saison die letzte vier Mannschaften absteigen mussten.

Gegner des ersten Spiels in der Bundesliga war die Mannschaft des USC München, die mit mehreren Nationalspielern antrat. Es endete mit einem klarem 87:59 Sieg für die Münchner. Nach einer weiteren Heimniederlage gegen Frankfurt holte die Bamberger Mannschaft die ersten Punkte beim TSV 1860 München. Die Entscheidung für den Abstieg fiel nach einer durchwachsenen Saison aber erst im letzten Spiel gegen den USC Mainz: Im Hexenkessel der Kennedy Halle entschieden die Bamberger dieses entscheidende Spiel nach großartiger kämpferischer Leistung für sich und konnten damit den Abstieg verhindern.

Saison 1971/72

Die Mannschaft wurde durch die Neuzugänge Bläsius und F. Meinhardt verstärkt. Im ersten Heimspiel zog sich der MTV Gießen seine erste und einzige Niederlage gegen die überlegenen Bamberger zu. Beim 95:92 Sieg gegen den FC Bayern München stellte Jim Wade des Weiteren einen Bundesligarekord mit 45 Punkten auf, was selbst heute noch als Spitzenwert gilt. Nach Abschluss der Hauptrunde belegte der 1. FC Bamberg 01 den vierten Tabellenplatz und qualifizierte sich damit erstmal für die Endrunde um die deutsche Basketballmeisterschaft. In der Endrunde gab es jeweils zwei Siege gegen den SSV Hagen und zwei Niederlagen gegen den USC München, sowie den TUS Leverkusen. Wie schon in der Vorsaison erreichte man im Pokal das Halbfinale, Pokalsieger wurde der MTV Wolfenbüttel.

Saison 1972/73

Den Posten des Abteilungsleiters hatte ab dieser Saison Fritz Hofmann von seinem Vorgänger Dr. Gerhard Müller übernommen. Für die Mannschaft selbst wurde Ludovit Karpil als Trainer und die beiden Nationalspieler Wolfgang Bunse und Manfred Schitthof sowie die Nachwuchstalente Ullein, Leitherer und Dotter verpflichtet. Die Spieler Dürr, Burkard und Hempfling hatten die Mannschaft nach der Spielzeit 1971/72 verlassen. Die Saison verlief ohne Mängel, man hatte am Schluss wieder die Endrunde, die in zwei Vierergruppen ausgetragen wurde, erreicht. Sie wurde zum Basketballkrimi: Nach zwei Niederlagen beim USC München und Leverkusen folgten die Siege gegen Leverkusen und Hagen in der Kennedy Halle. Danach spielte der 1. FC Bamberg 01 sowohl gegen München (73:73) als auch Hagen (81:81) unentschieden; somit hatten alle vier Mannschaften nach der Endrunde gleich viel Punkte. Der “Rechenschieber“[18] entschied zu Gunsten der Bamberger: Das Halbfinale war erreicht, das aber klar gegen Gießen verloren wurde.

Der Titel des dritten Deutschen Meisters war der krönende Abschluss einer sehr erfolgreichen Saison.

Saison 1973/74

Die Saison begann in einem Trainingslager am Attersee. Die erste Mannschaft bestand mittlerweile aus den Spielern Wade, Brand, Bläsius, Reichmann, Bunse, Schitthof, Leitherer, Pfeifer, Niederstrasser und den Talenten M. Voigt, Mühling und Bauer. Nach einem glanzlosen Start belegte die Mannschaft nach der Vorrunde den vierten Tabellenplatz, obwohl Bunse, einer der wichtigsten Spieler, schon in der Vorrunde seine Basketballkarriere als beendet verkündet und die Mannschaft verlassen hatte. Dennoch erreichten die Violetten nach Abschluss der Hauptrunde den dritten Tabellenplatz. Die Endrunde verlief enttäuschend, Bamberg konnte nur eines von fünf Spielen gewinnen.

Saison 1974/75

Für die weitere Entwicklung der Bundesligamannschaft des 1. FC Bamberg 01 war diese Saison von äußerster Wichtigkeit, weil die Bundesliga Süd und die Bundesliga Nord zu einer Einteiligen zusammengeführt werden sollten. Es musste in dieser Saison unbedingt der vierte Tabellenplatz erreicht werden, um sich für die einteilige Bundesliga automatisch zu qualifizieren.

Vor diesem Hintergrund war die Mannschaft entsprechend motiviert und verschaffte sich nach den Abgängen von Schitthof und Bläsius neuen Rückenwind mit den Neuzugängen Ullein, Rabast, Becker und Krullmann sowie den Nationalspielern Karl Ampt und Hilar Gese. Fritz Hofmann und Rudy Lorber übernahmen als Trainer dieser Mannschaft einen nominell sehr gut besetzten Kader.

Am Ende der Hauptrunde mit sehr spannenden Spielen belegte der 1. FC Bamberg 01 den dritten Tabellenplatz und hatte sich damit für die einteilige Basketball Bundesliga qualifiziert.

In dieser Saison explodierten die Fanzahlen: Neben einer permanent ausverkauften Kennedy Halle musste der 1. FC Bamberg 01 erstmals einen Sonderzug nach Gießen zum Auswärtsspiel, den “Basketball-Express“, einsetzen.

Die Endrunde gestaltete sich schwierig, da die Violetten nach zwei Siegen gegen Essen und vier Niederlagen gegen Leverkusen und Gießen letztendlich nur den dritten Platz belegen konnte.

Den FC plagte diese Saison mehr denn je das Verletzungspech: Wade, Ampt und Voigt konnten ihre Leistung nicht zu 100 Prozent abrufen, weswegen neben Wade noch ein zweiter Amerikaner, Lesley Booker, zum Einsatz kam.[19]

[...]


[1] Quelle: https://www.brosebamberg.de/team/erfolge/, zuletzt aufgerufen am 19.10.17

[2] vgl. Anlage 1: Email der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) vom 13.4.2017

[3] vgl. Anlage 2: Bilder der JFK Halle vom 13.4.2017

[4] Quelle: Mitschnitt aus einem Telefonat mit Fritz Hofmann

[5] vgl. Meyer, Thomas: Legenden Leben länger! In: Hallenzeitung zum Spiel Brose Bamberg gegen Fraport Skyliners Frankfurt am 12.11.2017

[6] Quelle: Hofmann, Fritz: 25 Jahre Basketball 1. FC Bamberg. 1955 - 1980. Bamberg 1980.

[7] “Violette“ = Spieler des 1. FC Bamberg 01, da ihr Trikot violett war.

[8] vgl. Anlage 3: Terminplan für FC Bamberg Saison 1968/69

[9] Quelle: Mitschnitt aus einem Telefonat mit Fritz Hofmann

[10] Quelle: Hofmann, Fritz: 25 Jahre Basketball 1. FC Bamberg. 1955 - 1980. Bamberg 1980.

[11] vgl. Kapitel 3.1 Die Gründe für den Umzug in die Kennedy Halle

[12] Quelle: Mitschnitt aus einem Telefonat mit Fritz Hofmann (damaliger Spielertrainer der

Bayernligamannschaft)

[13] Erster Vorsitzendender des 1. FC Bamberg 01

[14] Basketballabteilungsleiter

[15] vgl. Anlage 4: Schreiben des 1. FC Bamberg 01 an die Stadtverwaltung Bamberg

[16] vgl. Anlage 5: Schreiben der Stadt Bamberg an den 1. FC Bamberg 01

[17] Quelle der Regelungen: Mitschnitt aus einem Telefonat mit Fritz Hofmann

[18] Der Rechenschieber ist ein geflügeltes Wort im Sport für Spiele im direkten Vergleich.

[19] Quelle: Hofmann, Fritz: 25 Jahre Basketball 1. FC Bamberg. 1955 - 1980. Bamberg 1980.

Details

Seiten
35
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668637917
ISBN (Buch)
9783668637924
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v387444
Note
13
Schlagworte
Basketball Bamberg Kennedy Halle

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Titel: Die Zeit des Bamberger Basketballs in der Kennedy Halle