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Konzeption, Analyse und Erstellung eines journalistischen Produkts zum Thema 'Entwicklung und Funktion deutschsprachiger Medien auf Gran Canaria'

Diplomarbeit 2004 157 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Heranführung an das Thema
1.1 Einleitung
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Forschungskontext

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffliche Klärungen und Definitionen
2.1.1 Kommunikation und Medien
2.1.2 Medien und Minderheiten
2.1.3 Tourismus
2.1.4 Die Kanaren als Mischgebiet
2.2 Funktionen deutschsprachiger Medien im fremdsprachigen Ausland

3 Methoden und Material
3.1 Leitfadeninterviews
3.2 Online-Befragung

4 Untersuchungsgegenstand: Deutschsprachige Medien auf den Kanarischen Inseln
4.1 Überblick
4.2 Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes

5 Entwicklung deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln
5.1 Tourismus und Zuwanderung als Grund, Umgebungsrahmen und Funktionsgeber für deutsche Medien auf den Kanaren
5.1.1 Tourismus auf den Kanaren und Gran Canaria
5.1.2 Zuwanderung auf die Kanaren und nach Gran Canaria
5.1.3 Fazit
5.2 Der technische Fortschritt als Funktionsgeber und –begrenzer für deutsche Medien auf den Kanaren
5.2.1 Medienpräsenz aus Deutschland und ihre Auswirkungen als Funktionsbegrenzer
5.2.2 Die Rolle des Internet als Funktionsgeber und –begrenzer
5.2.3 Fazit
5.3 Aktuelle Situation deutscher Medien auf den Kanaren
5.3.1 Auflage, Zielgruppe, Leserschaft
5.3.1.1 Auflage
5.3.1.2 Zielgruppe & Leserschaft
5.3.2 Wirtschaftliche Situation und Konkurrenz
5.3.2.1 Wirtschaftliche Situation
5.3.2.2 Konkurrenz
5.4 Nutzung und Bedeutung der Online-Ausgabe
5.4.1 Basisdaten
5.4.2 Vergleich Print- und Online-Ausgabe
5.4.3 Fazit
5.5 Entwicklungstendenzen für die Zukunft

6 Funktion deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln
6.1 Integrationsfunktion
6.2 Brückenfunktion und Erhalt deutschen Kulturgutes
6.3 Zusammenhalt der deutschen Gemeinde
6.4 Sprachrohr der Deutschen gegenüber dem Gastland

7 Fazit

8 Journalistisches Produkt: Beitrag für den „Globus“

1 Heranführung an das Thema

1.1 Einleitung

Die Kanarischen Inseln stellen seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts eine Mischform als genauso beliebtes Urlaubsziel wie Zuwanderungsgebiet von Deutschen dar. Deshalb hat sich auf den Kanaren in den vergangenen Jahrzehnten eine ebenso bunte wie unüberschaubare deutschsprachige Medien-Landschaft gebildet. Die Wissenschaft hat sich mit diesen Medien, die sich an deutschsprachige Zuwanderer (Residenten[1]) und Urlauber gleichermaßen richten, wenn überhaupt, dann nur am Rande beschäftigt.

Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, die Entwicklung und die Funktion der wichtigsten deutschsprachigen Medien auf den Kanarischen Inseln aufzuzeigen und so eine bestehende Lücke in der Medienforschung wenn nicht zu füllen, so doch anzugehen und thematisch zu besetzen. Die Arbeit kann andere an diesem Themenbereich Interessierte anreizen, sich den deutschsprachigen Medien in anderen Mischgebieten aus Urlaubsziel und Lebensraum[2] anzunähern und diese zu untersuchen.

Die Informationen dieser Arbeit wurden vornehmlich in Leitfadeninterviews mit den Herausgebern, Gründern oder Chefredakteuren der wichtigsten deutschsprachigen Medien auf den Kanarischen Inseln zu Entwicklung und Funktion der jeweiligen Zeitschrift erhoben. Darüber hinaus fließen eigene Erfahrungen aus einer knapp vierjährigen Lebens- und Arbeitsphase auf den Kanarischen Inseln in die Arbeit ein. Die Befragung von Nutzern eines Online-Abonnements soll zudem eine Entwicklungstendenz für die hier untersuchten Medien aufzeigen.

Zur Herleitung wichtiger Funktionen deutschsprachiger Medien im fremdsprachigen Ausland wurde die Literatur zu traditionellen, schon wesentlich länger bestehenden derartigen Medien herangezogen. Eine besondere Rolle kommt dabei der Exil-, Emigranten- und Enklavenpublizistik zu, die sich untereinander in Teilbereichen durchaus annähern und in einzelnen Funktionen und Eigenschaften sogar überschneiden. Grundsätzlich sind sie jedoch als nebeneinander stehende Gattungen der Massenmedien in deutscher Sprache im fremdsprachigen Ausland zu verstehen. Die Publizistik in jüngeren, von Tourismus wie Zuwanderung gleichermassen geprägten Gebieten unterscheidet sich ebenfalls von allen drei genannten Gattungen. Mögliche Gegenüberstellungen können sowohl für die Medienmacher im Ausland als auch für Wissenschaft oder Wirtschaft (hier insbesondere in der Marketing-, PR- und Werbebranche) von Interesse sein.

1.2 Aufbau der Arbeit

Im theoretischen Teil sollen zunächst Begriffe und Definitionen aus den betroffenen Wissenschaftsdisziplinen geklärt werden, die für diese Arbeit von immenser Bedeutung sind. Dabei können schon die ersten Unterscheidungen zu den bisher von der Wissenschaft untersuchten Gruppen und Medien getroffen werden, die zum Teil offensichtlich sind. Grundlage dafür sind sowohl die allgemeinen kommunikationswissenschaftlichen Modelle als auch die Erklärung der Begriffe Minderheiten und Minderheitenmedien mit ihren unterschiedlichen Untergruppen wie Exil-, Emigranten- und Enklavenpublizistik. Die so herauskristallisierten und verallgemeinerten Aufgaben und Funktionen traditioneller, also schon seit mehr als einem halben Jahrhundert existierender deutschsprachiger Medien im Ausland dienen dann dazu, im methodisch-praktischen Teil dieser Arbeit anhand von Leitfadeninterviews mit Chefredakteuren und Herausgebern deutscher Medien auf den Kanaren im Allgemeinen wie der Haupt-Insel Gran Canaria im Besonderen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erarbeiten. Am Anfang steht hier ein Überblick über die deutschsprachige Medienlandschaft auf den Kanarischen Inseln insgesamt sowie die Beschreibung des notwendigerweise eingeschränkten Untersuchungsgegenstandes.

Ein weiterer Aspekt sind die Rahmen- und Randbedingungen, die überhaupt dazu geführt haben, dass sich auf den Kanarischen Inseln eine deutschsprachige Medienlandschaft bilden konnte. Dazu zählen sowohl die Herausbildung und Entwicklung des Tourismus auf den Inseln als auch die Entwicklung deutscher Residentschaft am Kanarischen Archipel. Dieser Themenkomplex unterstützt letztendlich die getroffenen Unterscheidungen zu Machern und Rezipienten der bisher wissenschaftlich untersuchten deutschsprachigen Medien im fremdsdprachigen Ausland.

Zu einer Beschreibung der Entwicklung deutschsprachiger Medien auf den Kanaren bis heute gehört natürlich auch ein Ausblick in die Zukunft. Ein kurzer Abriss über veränderte technische Rahmen- und Randbedingungen wird in diesem Zusammenhang genauso gegeben wie der Versuch einer Prognose durch eine Online-Befragung von Nutzern des Internetangebots der größten deutschsprachigen Zeitschrift auf den Kanarischen Inseln gewagt werden soll.

Schliesslich soll dem Leser mit dieser Arbeit die Möglichkeit gegeben werden, die Funktionen deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln in Gegenüberstellung zu wichtigen Aufgaben und Funktionen deutschsprachiger Medien im fremdsprachigen Ausland allgemein zu sehen. Vielfach wird dies eher eine Beschreibung dessen sein, was deutsche Medien auf den Kanaren eben NICHT sind und NICHT leisten, doch reicht dies zur Unterschiedung und Abgrenzung durchaus aus. Mit der Zusammenfassung ist gleichzeitig eine Grundlage für die Beurteilung ähnlich gelagerter Medien und deren Rezipienten in anderen Mischgebieten aus Urlaubsziel und Lebensraum für Auswanderer aus dem deutschen Sprachraum gegeben.

Das journalistische Produkt soll letztendlich ein Artikel sein, der sich mit seinem Thema sowohl an interessierte Journalisten und Medienfachleute als auch an die Wirtschaft richtet. Der Artikel soll den Journalisten und Medienfachleuten Informationen zu einer bisher unterschätzten Form der deutschsprachigen Presse im Ausland geben. Der Wirtschaft – insbesondere der Werbewirtschaft – kann aufgezeigt werden, dass die hier untersuchten deutschen Medien im fremdsprachigen Ausland einerseits durchaus ernstzunehmen sind und andererseits eine Werbeplattform in einem Umfeld bieten, das so im deutschen Alltag der Bundesrepublik nicht zu finden ist.

1.3 Forschungskontext

Deutschsprachige Medien im fremdsprachigen Ausland haben heutzutage zumindest eines gemein: sie werden in Deutschland so gut wie nicht wahrgenommen. Das betrifft sowohl elektronische als auch Printmedien – gleich welchen Inhalts und welcher Ausrichtung; gleich wo auf dieser Welt sie erscheinen. Von der Wirtschaft werden sie als Werbeträger ebensowenig wahr- wie ernst genommen, von der Wissenschaft bestenfalls am Rande und auch nur dann beachtet, wenn sie ein Konfliktpotenzial in sich bergen oder bereits über eine sehr lange Zeit bestehen[3].

So beschäftigen sich zwar diverse Diplom- und Abschlussarbeiten mit speziellen Gebieten deutschsprachiger Publizistik im fremdsprachigen Ausland[4]. Sie decken jedoch einen Bereich NICHT ab: Den Bereich derjenigen deutschsprachigen Publikationen, die sich in einem Feld bewegen, dass sich eben nicht eindeutig als im weitesten Sinne der Emigranten-, Exil- oder der Enklavenpublizistik zurechnen lässt.

Sabine REINER mit ihrem Buch „Enklavenpublizistik – Insulare Kommunikation ethnischer Minderheiten“[5] und Brigitte BUSCH mit ihrem Werk „Der virtuelle Dorfplatz – Minderheitenmedien, Globalisierung und kulturelle Identität“[6] befassen sich intensiv mit Exil-, Emigranten- und Enklavenpublizistik. Reiner bietet vor allem im theoretischen Teil hervorragende Möglichkeiten zur Abgrenzung an, wenn sie über Publikationen schreibt, die sich an bestimmte Gruppen, bestimmte deutschsprachige Minderheiten im nichtdeutschen Sprachraum richten.[7] Im praktischen Teil bezieht sie sich dabei auf das „Argentinische Tageblatt“ in Buenos Aires. Busch hingegen bringt in ihrem Buch über die slowenischen Minderheitenmedien in Kärnten eher plakative Beispiele für Entwicklung und Funktionen von Medien in Minderheitensprachen bei.

Beide – die eine mit Deutschen in Argentinien, die andere mit Ex-Jugoslawen in Österreich – beschäftigen sich jedoch letztendlich mit schon lange im Gastland existierenden ethnischen Minderheiten – eine Zuordnung, die für die auf den Kanarischen Inseln lebenden deutschsprachigen Residenten so nicht getroffen werden kann[8]. Erst recht nicht in diese Kategorie fallen deutschsprachige Touristen als wichtige Lesergruppe deutschsprachiger Medien in Urlaubsgebieten wie den Kanarischen Inseln.

Marion KAUFMANN deckt in ihrer Diplomarbeit mit dem Titel „Zwischen Assimilation und Isolation – Leserschaft, Funktion und Perspektive deutschsprachiger Presse im Ausland am Beispiel des Echo in Kanada und des Grenz-Echo in Belgien“[9] einen weiteren allgemeinen Teil an Aufgaben und Funktionen deutschsprachiger Medien im fremdsprachigen Ausland ab. Allerdings beklagt auch sie im Grundtenor mit Reiner und Busch ein mangelndes Interesse der Wissenschaft an der deutschsprachigen Auslandspresse:

„In der heutigen Forschung wird der ‚deutschsprachigen Presse im Ausland’ kaum Raum gegeben. In Standard-Werken wie dem Fischer-Lexikon Publizistik Massenkommunikation findet sich kein Eintrag zu diesem Thema.“[10]

Mit der vorliegenden Arbeit, die Entwicklung und Funktion der deutschsprachigen Presse auf Gran Canaria als wichtigster Insel am kanarischen Archipel beschreiben soll, wird also weitgehend Neuland betreten. Sie kann im Fazit eine Zusammenfassung zur Entwicklung und den Funktionen einer von Exil-, Emigranten- oder Enklavenpublizistik abweichenden Form der Minderheitenpublizistik am Beispiel deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln anbieten.

2 Theoretische Grundlagen

Der theoretische Teil dieser Arbeit wird sich in zwei große Gruppen teilen. Als erstes sollen natürlich die verschiedenen in dieser Arbeit verwendeten Begriffe vor allem aus Kommunikations- und sozialwissenschaftlicher Sicht geklärt werden. Nicht zu vermeiden sind auch Begriffe aus dem touristischen Bereich sowie Eigenschöpfungen, deren Sinn ebenfalls im ersten Teil erläutert werden soll.

Der zweite Teil der theoretischen Grundlagen widmet sich hingegen der Erarbeitung wichtiger Funktionen deutschsprachiger Medien im fremdsprachigen Ausland anhand der vorliegenden Literatur. Die in diesem Teil hergeleiteten Funktionen werden schließlich in den Leitfadeninterviews mit den Chefredakteuren, Herausgebern oder Gründern deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln verwendet, um vorhandene – oder eben nicht vorhandene – Funktionen der untersuchten Medien zu evaluieren.

2.1 Begriffliche Klärungen und Definitionen

2.1.1 Kommunikation & Medien

Ist in dieser Arbeit von Medien die Rede, so soll der Begriff im Sinne von Massenmedien verstanden werden. Für eine Zuordnung zu dieser Gattung sind folgende Voraussetzungen wichtig: Massenmedien sprechen auf indirektem Wege ein uneinheitliches Publikumsfeld an und sind beabsichtigterweise öffentlich zugänglich. Sie weisen keine einheitliche Herstellungs- und Verbreitungsweise auf, können also sowohl als Druckerzeugnis als auch als elektronisches Medium daherkommen[11].

In dieser Arbeit werde ich mich ausschließlich mit den im Abschnitt „Untersuchungsgegenstand“ näher bezeichneten Print-Medien beschäftigen. Die Publikationen bezeichnen sich zum Teil selbst als Zeitung oder Magazin. Der Definition nach sind sie jedoch eher dem breiten Feld der Zeitschriften zuzurechnen, da sie nicht die Kriterien der allgemein gültigen Zeitungsdefintion aufweisen. Jürgen WILKE schreibt der Zeitung vier Merkmale zu:

„1. Publizität, also Öffentlichkeit, allgemeine Zugänglichkeit; 2. Aktualität, also auf die Gegenwart bezogen, die gegenwärtige Existenz betreffend, sie beeinflussend, neu und gegenwärtig wichtig; 3. Universalität – kein Thema ist ausgenommen; 4. Periodizität, und zwar nicht begrenzte, sondern unbegrenzte Periodizität, d.h. in regelmäßigen Abständen immer wiederkehrend, angelegt auf fortlaufende Erscheinungsweise.“[12]

Nimmt man die einfachste Unterscheidungsmöglichkeit zwischen Zeitung und Zeitschrift, so verfügt letztere zwar auch über Publizität und Periodizität als Wesensmerkmale. Anders sieht es bei den beiden anderen Merkmalen Universalität und Aktualität aus. Eines oder beide Merkmale können weniger stark ausgeprägt sein oder im Fall der Universalität sogar ganz fehlen.[13]

Bei den untersuchten deutschsprachigen Medien auf den Kanaren handelt es sich durchweg um periodisch erscheinende Druckwerke mit einer unbegrenzten Öffentlichkeit. Sie zielen jedoch nicht auf unbegrenzte Universalität in der Berichterstattung ab, sondern setzen eindeutige Themenschwerpunkte auf lokaler (gemeinde- bzw. inselbezogene Informationen), regionaler (inselübergreifende bzw. die Gesamtheit oder Mehrheit der kanarischen Inseln betreffende Informationen) und nationaler (spanienbezogene Informationen) Ebene.[14] Wird in dieser Arbeit dennoch auch der Begriff Zeitung oder Magazin verwendet, so sind sie den Bezeichnungen der Medien selbst entlehnt und im eben beschriebenen Sinne als Zeitschrift zu verstehen.

2.1.2 Medien & Minderheiten

Die hier untersuchten deutschsprachigen Medien auf den Kanarischen Inseln gehören zu der großen Gruppe der deutschsprachigen Massenmedien im fremdsprachigen Ausland. Die Internationale Medienhilfe Hennef stellt dazu fest, daß es derzeit fast 4.000 derartige Angebote weltweit gibt, die sowohl als Printmedien als auch als elektronische Medien verbreitet werden und denen weit reichende Funktionen zugeschrieben werden:

„Sie fungieren als Brücken zwischen verschiedenen Kulturräumen, fördern durch einzigartige Wirtschaftsinformationen den Außenhandel, ziehen Touristen und Investoren in die deutschsprachigen Staaten, dienen deutschsprachigen Urlaubern im Ausland als Wegweiser, helfen Schülern rund um den Globus beim Erlernen der deutschen Sprache und stellen Bindeglieder zwischen den Angehörigen deutscher Minderheiten dar.“[15]

Im Normalfall richten sich vor allem die schon seit vielen Jahrzehnten bestehenden derartigen Medien an Mitglieder einer deutschen Minderheit im fremdsprachigen Ausland. Die Rede ist dann von Minderheitenmedien, speziell von Exil- oder Emigrantenpublizistik oder nach Sabine Reiner auch von Enklavenpublizistik.

In der Wissenschaft gibt es mehrere Ansätze, den Begriff Minderheit zu definieren. So ist die Rede von objektiven und subjektiven Kriterien, die eine Gruppe von Individuen gegenüber einer Mehrheit zur Minderheit machen. Marion KAUFMANN hat als weitgehend beste Möglichkeit der Definition des Wortes Minderheit eine Mischform aus zwei objektiven und einem subjektiven Merkmal nach HOFMAN gefunden. Er beschreibt eine Minderheit durch:

„Zahlenmäßige Unterlegenheit gegenüber der ‚Mehrheit’ und nichtdominante Position; Unterscheidbarkeit gegenüber der ‚Mehrheit’ aufgrund ethnischer bzw. nationaler, kultureller, religiöser und sprachlicher Merkmale und das vom gemeinsamen Willen getragene Bestreben, die eigenständige Identität zu wahren.“[16]

Auch Sabine REINER bezieht sich bei der Minderheitendefinition auf eine nicht rein quantitativ existierende Minorität, sondern verweist auf qualitative – kognitive – Minderheiten und deren

„...qualitative, sozial-strukturelle Zuweisungen (...), die in kultureller Identität, Wahrnehmung von ‚Fremdsein’ im Gegensatz zu ‚Vertrautsein’ und ‚Status’ usw. wurzeln...“[17]

Eine wichtige Rolle für die Bezeichnung einer Minderheit im Allgemeinen, somit auch einer deutschen Minderheit im fremdsprachigen Ausland, wird dem „Kulturellen Gedächtnis“ zugeschrieben, über das sich die Minorität gegenüber der Majorität abgrenzen und definieren kann; das somit als Motor zur Herstellung der kollektiven Identität einer Gruppe dient:

„Unter dem Begriff des kulturellen Gedächtnisses fassen wir den jeder Gesellschaft und jeder Epoche eigentümlichen Bestand an Wiedergebrauchs-Texten, -Bildern und -Riten zusammen, in deren ‚Pflege’ sie ihr Selbstbild stabilisiert und vermittelt, ein kollektiv geteiltes Wissen vorzugsweise (aber nicht ausschließlich) über die Vergangenheit, auf das eine Gruppe ihr Bewußtsein von Einheit und Eigenart stützt.“[18]

In dieser Arbeit muss jedoch genau unterschieden werden: Geht man nach den eben aufgeführten Definitionen des Minderheitenbegriffs, so würden die deutschsprachigen Touristen und Residenten NICHT als Minderheit durchgehen. Rein zahlenmäßig sind sie zwar der Mehrheit unterlegen – dies aber nur aufgrund der Sprache. Schon bei den Nationalitäten, erst recht aber bei dem einer Minderheit übereinstimmend zugeschriebenen kulturellen Gedächtnis hören die Gemeinsamkeiten auf. Gerade den deutschsprachigen Residenten geht darüber hinaus scheinbar jeder Wille ab, eine eigenständige (Gruppen-)Identität zu wahren und zu beschützen. Eine deutsche Gemeinde, eine deutsche Gemeinschaft, eine Solidargruppe von Deutschen auf den Kanarischen Inseln kann nicht ausgemacht werden![19] Dass dadurch Funktionen, die die deutschen Minderheitenmedien überall auf der Welt wahrnehmen, auf den Kanarischen Inseln nicht wahrgenommen werden und auch nicht wahrgenommen werden müssen liegt auf der Hand und wird später noch genauer beschrieben.

Dabei bleibt im Allgemeinen festzuhalten, dass von einer „deutschen Gemeinde“ oder „deutschsprachigen Gemeinschaft“ um so eher zu reden ist, je weiter das Gastland von Deutschland entfernt ist und je länger die gemeinsame Migration einer bestimmten Gruppe zurückliegt[20]. Das Vermitteln von Werten und Wissen; das Bewahren von Brauchtümern und Traditionen durch die Minderheitenmedien im Sinne des ‚kulturellen Gedächtnisses’ wird um so wichtiger, je länger die Auswanderung ins Ausland zurückliegt und diese außerdem unter einem bestimmten, meist religiösen oder politischen Druck erfolgt ist, der einen Zusammenhalt untereinander erfordert und die Bildung eines wie auch immer gearteten ideellen Werteverbundes begründet hat[21]. So schreibt auch die Internationale Medienhilfe in ihrer Broschüre „Zukunftsfähiges Zeitungsmanagement bei im fremdsprachigen Ausland erscheinenden deutschsprachigen Zeitungen“:

„Im fremdsprachigen Ausland leben derzeit rund 80 Millionen Deutschstämmige. Etwa 10 Prozent davon beherrschen noch die deutsche Sprache. Von diesem Anteil wiederum nutzen längst nicht alle Menschen die in ihrem Staat existierenden deutschsprachigen Medien. Zur Zeit besteht die Leserschaft der Minderheitenpresse größtenteils aus älteren Personen, die ein besonders großes Interesse an Traditions- und Sprachpflege haben.“[22]

Daß dieser Einschätzung ebenfalls eine Begutachtung der ’traditionellen’ deutschsprachigen Medien im fremdsprachigen Ausland, also der Exil-, Emigranten- und Enklavenpublizistik sowie ihrer Rezipienten zugrunde liegt – und nicht etwa eine Bewertung der Situation deutschsprachiger Medien in den „neuen“ bzw. „jungen“ Mischgebieten (Urlaubs- und Zuzugsregionen wie den Kanarischen Inseln) - soll ebenfalls später näher beleuchtet werden[23].

Exil- und Emigrantenpresse nach herkömmlicher Deutung stellen, wenn auch nicht identische, so doch nahe beieinander liegende, sich umgebende und einander gegenseitig beeinflussende Arten der Minderheitenpublizistik dar. Sabine REINER wagt in ihrem Buch den Versuch, die beiden häufig unklar benutzten Begriffe klarer zu unterscheiden. Nach ihrem Modell verfügt die Publizistik der Emigranten – also der Auswanderer – eher auch über einen Integrations- und Assimilierungscharakter. Die Exil-Publizistik beschränkt sich hingegen auf die Informationsfunktion der Medien über Geschehnisse im Heimat- wie auch im Gastland, da nach ihrem Verständnis ein Exil ein zeitlich begrenzter Aufenthalt in einem Gastland darstellt, was Assimilierung und Integration nicht erforderlich macht. Assimilierung und Integration kennzeichnen also eher die Bestrebungen der Auswanderer und ihrer Medien, da der Aufenthalt der Emigranten im Gastland zeitlich weniger begrenzt zu sehen ist. In Fortführung dieses Gedankenganges schreibt REINER der Exil-Presse nur die Primär-Funktion als Kontakt zur Heimat zu[24].

Reiner entwickelt ihr eigenes Modell der Enklavenpublizistik als neben Exil-, Emmigranten- und auch Alternativpublizistik[25] stehende Gattung von deutschsprachigen Publikationen im fremdsprachigen Ausland, die sich am ehesten an die Gruppe der schon über Generationen im Gastland lebenden Angehörigen der deutschen Kultur und Sprache richtet und die sich unter anderem durch die Art der Berichterstattung sowie ihre Funktion auszeichnet:

„Bevorzugte Beiträge (der Enklavenpublizistik – D.K.) sind Informationen über die Aufrechterhaltung von spezifischen Kulturwerten und Kontakten zum Herkunftsland, aber auch über die Aufrechterhaltung der Enklave innerhalb des Aufnahmelandes. (...) Die Funktion (der Enklavenpublizistik – D.K.) ist primär der Erhalt und die Selbstbeobachtung der Enklave.“[26]

Damit hat die Enklavenpublizistik – zu finden übrigens auch in Deutschland im Falle der größten dort lebenden ethnischen Minderheit und ihren Medien, den Sorben - genauso Gemeinsamkeiten wie Unterschiede aufzuweisen, was ihr Verhältnis zu Exil- als auch Emigrantenpublizistik betrifft. Am wichtigsten scheinen mir auch bei Reiners Modell die gleichwertigen Eigenschaften „sprachlich“ und „kulturell“ bei der näheren Beschreibung des Wortes „Minderheit“ zu sein. Die deutschsprachige Minderheit auf den Kanarischen Inseln kann jedoch wie schon beschrieben nicht als kulturelle, sondern nur als sprachliche Minderheit beschrieben werden.

Aber Reiners Modell weist auch Gemeinsamkeiten zu der hier vorkommenden Publizistik in Mischgebieten aus Urlaubs- und Zuwanderungsziel auf. Sie richtet sich beispielsweise ebenso wie Exil-, Emigranten- und Enklavenpublizistik an einen begrenzten Rezipientenkreis (hier die Gruppe aller Deutschsprachigen). Andererseits hat sie aufgrund des fehlenden kulturellen Zusammenhaltes so gut wie keinen „Heimatbezug“. Die Funktion der deutschsprachigen Presse auf den Kanarischen Inseln besteht nach dem Selbstverständnis der Chefredakteure und Herausgeber eben NICHT darin, eine Brückenfunktion zur Heimat darzustellen, sondern vielmehr darin, Informationen regionaler, lokaler und nationaler - in diesem Fall Spanien betreffender - Art an ein Publikum zu vermitteln, das der spanischen Sprache überhaupt nicht oder nur ungenügend mächtig ist[27].

2.1.3 Tourismus

Oft wird in dieser Arbeit auch der Tourismus benannt. Dabei ist der Begriff Tourismus als Bezeichnung für den Massen- und Pauschaltourismus zu verstehen, der sich seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts mit dem bundesdeutschen „Wirtschaftswunder“, den Verbesserungen in der Verkehrsinfrastruktur (insbesondere dem Flugwesen) sowie mit dem Entstehen und der Entwicklung einer zunehmend touristisch geprägten Infrastruktur auf den Kanarischen Inseln gebildet hat.[28]

Im Unterschied zu den Pauschal- oder Massentouristen, die im Regelfall zwischen einer und drei Wochen Urlaub im jeweiligen Zielgebiet verbringen, wird der Begriff der Langzeit-Toruisten und der Überwinterer benutzt. Langzeit-Touristen verbleiben vier bis acht

Wochen, manchmal sogar noch länger, im Zielgebiet. Die Überwinterer hingegen bleiben mehrere Monate und verfügen zu einem nicht geringen Teil über Wohneigentum vor Ort. Andernfalls mieten sie sich meist privat eine Unterkunft. Sie werden deshalb von der Tourismus-Statistik im Regelfall nicht erfasst. Bei den Überwinterern handelt es sich zudem meist um Rentner, während sowohl bei den Langzeit-Touristen als auch bei den Pauschal- oder Massentouristen fast alle Altersschichten vertreten sind.[29]

2.1.4 Die Kanaren als „Mischgebiet“

An dieser Stelle soll auf den schon mehrfach genannten Begriff eines „Mischgebiets aus Urlaubsort und Zuwanderungsziel“ näher eingegangen werden. Derartige Mischgebiete unterscheiden sich von üblichen Exil- und Emigrationszielen genauso wie von Reiners Enklaven durch mehrere Kriterien. Diese wiederum haben einen immensen Einfluss auf das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein von Funktionen der vor Ort vorhandenen deutschsprachigen Medien.

Die von mir als Mischgebiete bezeichneten Gegenden zeichnen sich durch mehrere Faktoren aus:

- sie entstanden erst mit dem Massen- und Pauschaltourismus;
- sie sind darum geprägt von einem sich gegenseitig befruchtenden Potential an Touristen und Residenten;
- die Zuwanderung hierher fand in größerem Rahmen erst durch den Massentourismus statt bzw. wurde durch ihn möglich gemacht, weshalb die von mir so bezeichneten Mischgebiete durchweg jünger als 60 Jahre sind

Erstens mag die Art der Auswahl eine Rolle spielen. Mischgebiete, so meine These, werden vordergründig dann als Zuwanderungsziel ausgewählt, wenn sie eine qualitative Verbesserung des Lebensumfeldes und der Lebensumstände versprechen. Damit sind vor allem immatierielle Dinge wie das Klima, die Lebensqualität oder die subjektiv als abweichend vom Heimatland empfundene Lebensart der Einheimischen gemeint. Materielle, religiöse oder politische Zwänge spielen wenn, dann nur eine marginale Rolle[30]. Sie unterstützen zwar den persönlichen Drang zur Ausreise aus dem deutschen Sprachraum, haben jedoch wenig Einfluss auf den Zielort.

Zweitens bilden sich Mischgebiete nur dort, wo sowohl Touristen als auch Zuwanderer (hier Residenten) aufeinander treffen. Sie befruchten sich gegenseitig auf wirtschaftlicher Basis und bilden einen durch die gemeinsame Sprache verbundenen Leser- und Rezipientenkreis.[31]

Insofern ist auch der zeitliche Aspekt zu berücksichtigen, können sich doch derartige Mischgebiete erst mit der Durchsetzung des Pauschal- und Massentourismus seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts bilden. Wichtige Gründe für ein politisches Exil oder für eine Emigration aus religiösen Gründen wie beispielsweise die beiden Weltkriege fallen damit weg und konnten per se keinen Einfluss auf Zuwanderungsströme in Mischgebiete wie die Kanarischen Inseln haben. Noch weiter zurückliegende Phasen im 18. und 19. Jahrhundert, in denen Deutsche gezielt in andere Länder abgeworben wurden (Argentinien, Brasilien, Kanada), sind erst recht bedeutungslos für das Mischgebiet Kanarische Inseln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Was das für die Funktionen der Medien vor Ort bedeutet, soll im folgenden Abschnitt des theoretischen Abschnitts beleuchtet werden.

2.2 Funktionen deutschsprachiger Medien im fremdsprachigen Ausland

Unter den eben genannten Aspekten und Kennzeichen von Mischgebieten sind die Notwendigkeiten zu betrachten, die sich in traditionellen Exil- und Emigrationsgebieten ergeben haben, in den hier skizzierten Gebieten jedoch nicht bestehen. So ist ein derartiges Merkmal der technische Fortschritt, der es heute vor allem auch in Mischgebieten möglich macht, deutsche Zeitungen am Erscheinungstag oder einem der Folgetage im Gastland zu erwerben. Satelliten-TV, deutsches Radio und natürlich das Internet nehmen weiterhin den Druck, in einem Periodikum im Gastland Informationen aus der deutschsprachigen Heimat veröffentlich zu müssen[32]. Darüber hinaus stellen moderne Transportmittel auch eine schnelle und inzwischen immer billiger werdende Verbindung nach Deutschland dar.

Auch die Touristen und der Tourismus an sich spielen eine wichtige Rolle für die Funktion und Entwicklung von deutschsprachigen Medien in Mischgebieten. Ihr Vorhandensein sichert den Verlagen per se eine große Abnehmerschar, ein gewisses Werbeaufkommen und somit auch das Überleben. Wie später anhand der Leitfadeninterviews genauer beschrieben wird, sind die deutschsprachigen Medien deshalb ausnahmslos auch touristisch ausgerichtet – selbst wenn die eigentliche Zielgruppe eher die deutschsprachigen Residenten sind[33].

3 Methoden und Material

Im wesentlichen wird in dieser Arbeit auf folgende Methoden und Informationsquellen zurückgegriffen:

- Leitfadeninterviews mit den Chefredakteuren und Herausgebern wichtiger deutscher Printmedien auf den Kanarischen Inseln[34].
- Online-Befragung von Nutzern des Online-Abonnements einer deutschsprachigen Publikation auf den Kanarischen Inseln.
- Eigene Erfahrungen aus vierjähriger Tätigkeit für die Zeitschrift „KAKTUS – Das Kanarenmagazin“ sowie aus einjähriger Tätigkeit für einen deutschsprachigen Radiosender auf Lanzarote.
- Basis-Informationen über deutschsprachige Medien im Ausland lieferten die Internationale Medienhilfe (IMH) in Hennef und die inzwischen nicht mehr existierende Internationale Assoziation Deutscher Medien (IADM) in Köln.
- Basis-Informationen zur Entwicklung von Tourismus und Residentschaft auf den Kanarischen Inseln lieferten sowohl die statistische Abteilung der Regierung des Autonomen Gebietes der Kanarischen Inseln (Consejeria de Estadisticas del Gobierno de la Comunidad Autonom de las Islas Canarias) als auch die Archive und Dokumentensammlungen deutschsprachiger Medien auf Gran Canaria und Teneriffa.

3.1 Leitfadeninterviews

Entwicklung und Funktion deutschsprachiger Medien auf den Kanaren lassen sich am besten über das Standardinstrument der Befragung herausfinden. Befragt wurden diejenigen, die diese Medien gegründet haben, sie als Verleger herausgeben oder als Chefredakteur ihre inhaltliche Linie bestimmen. Da es sich bei den Interviews um explorative Interviews handelt, die Antworten also nicht als schlichte „ja-nein-weiß-nicht“-Reaktionen oder einfache Bewertungen einherkommen, wurde bewußt auf das strukturierte Einzelinterview als „hauptsächliche Erhebungsform in der empirischen Sozialforschung“[35] verzichtet. Vielmehr wurde aufgrund der theoretischen Grundlagen und wichtiger Funktionen deutschsprachiger Medien im Ausland im allgemeinen ein thematischer Interview-Leitfaden erarbeitet, mit dem die Befragten in wenig bis teilstrukturierten Einzelinterviews konfrontiert wurden. Das ist insofern legitim, als bei der Absicht der Befragungen eben die Informationsgewinnung im Vordergrund steht. Den Befragten sollte dabei durchaus die Möglichkeit von Eigeninterpretationen der Fragestellung gegeben werden, die in einem voll strukturierten Interview – erst recht mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten – im Sinne einer Messbarkeit der Antworten nachgerade ausgeschlossen werden:

„Ziel und Vorteil von Leitfaden-Gesprächen werden im Allgemeinen darin gesehen, dass durch die offene Gesprächsführung und die Erweiterung von Antwortspielräumen der Bezugsrahmen des Befragten bei der Fragenbeantwortung miterfaßt werden kann, um so einen Einblick in die Relevanzstrukturen und die Erfahrungshintergründe des Befragten zu erlangen.“[36]

Die Gespräche mit den Befragten wurden ausnahmslos auf Tonband aufgezeichnet. Die Transskriptionen der Interviews sind im Anhang zu finden.

3.2 Online-Befragung

Um Aussagen über das Nutzungsverhalten und die Bewertung des Internetangebotes einer Publikation und daraus resultierende mögliche Tendenzen im Verhältnis der Printausgabe gegenüber der Onlineausgabe zu erhalten, wurden ausschließlich die Nutzer der Internet-Ausgabe mit einem Online-Fragebogen konfrontiert. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass die übergroße Mehrheit der potenziell in diese Zielgruppe gehörenden Rezipienten auch die Print-Ausgaben als Parrallel-Angebot nutzt oder vor dem Online-Abo genutzt hat und somit über Vergleichsmöglichkeiten zwischen beiden Publikationsarten verfügt. Die Methode der Online-Befragung ist am ehesten mit einem stark strukturierten Einzelinterview zu vergleichen, dass als schriftliche Befragung durchgeführt wird.[37]

Die Notwendigkeit bzw. die Vorteile einer derartigen Befragungsmehtode liegen auf der Hand: Nur durch eine schriftliche Befragung über das Online-Angebot selbst konnte ausschließlich die beabsichtigte Nutzergruppe angesprochen werden. Die schriftliche Befragung weist jedoch auch Nachteile auf. So schreiben Schnell, Hill und Esser der schriftlichen Befragung eine höhere Ausfallquote als beim persönlichen Interview und erhebliche Stichprobenverzerrungen als wesentlichste Nachteile dieser Art der Datenerhebung zu.[38]

Weitere Probleme sowie die wichtigsten Ergebnisse der Befragung werden im praktischen Teil abgehandelt.

4 Untersuchungsgegenstand: Deutschsprachige Medien auf den Kanarischen Inseln

4.1 Überblick

Geht man von der weitesten Definition des Begriffs „Medien“ als öffentlich zugängliche Informationsübermittler aus, so ist die Anzahl der auf den Kanarischen Inseln erscheinenden deutschsprachigen Medien schlicht nicht zu benennen. Die Gründe dafür sind folgende:

- ständige Bewegung auf dem Medienmarkt der Kanarischen Inseln – binnen eines Jahres erscheinen pro Insel durchschnittlich zwei Medien neu, zwei andere müssen dafür ihr Erscheinen einstellen[39] ;
- unzählige rein touristische Publikationen der Reiseveranstalter, die kostenlos an die jeweiligen Touristen beim Antritt ihres Urlaubs verteilt werden – so genannte Info-Hefte oder Info-Broschüren;
- gänzlich unübersichtlicher Markt an kostenlosen Anzeigenblättern für Residenten (bspw. „info-tip“ auf Gran Canaria) oder für Touristen (bspw. „GC-news“ auf Gran Canaria), in denen Informationen meist touristischer Natur bestenfalls als Vehikel für den Transport von Werbebotschaften dienen oder nicht vorhanden sind;
- ein unüberschaubares Vorkommen an reinen Werbeheften, die kostenlos an alle Touristen oder eine bestimmte Klientel verteilt werden[40]. Die Bewegung auf diesem Markt ist ebenfalls immens, weil ständig neue Angebote hinzukommen, andere dafür vom Markt verschwinden;
- ständig wechselnde Angebote elektronischer Medien auf den Inseln. Viele von ihnen agieren am Rande der Legalität, was einem seit Jahren angekündigten, aber immernoch nicht verabschiedeten Gesetz zur Lizenzvergabe im Hörfunk geschuldet ist. Ausserdem gibt es neben rein deutschsprachigen Sendern mehr und mehr Mischprogramme (beispielsweise spanisch-englisch-deutsch, deutsch-holländisch etc.pp.). Das bezieht sich auch auf deutschsprachige Fernsehprogramme, die über regionale Fernsehsender wie TV Canarias abgestrahlt werden[41].

An einem Überblick über die deutsche Medienlandschaft auf den Kanarischen Inseln haben sich sowohl das deutsche Konsulat auf Gran Canaria als auch die Macher der Internetseite http://www.press-guide.com versucht. Während das Konsulat 11 Publikationen unterschiedlicher Natur sowie 9 Radiosender und Fernsehprogramme zählt[42], werden auf der Internetseite http://www.press-guide.com/spain2.htm allein 13 Publikationen erwähnt[43]. Auf der Internetseite http://www.press-guide.com/radio.htm erscheinen zahlreiche Angebote aus Hörfunk und Fernsehen, die auf den Kanarischen Inseln produziert und abgestrahlt werden. Durch eigene Recherchen vor Ort können noch weitere Angebote deutschsprachiger elektronischer und Printmedien genannt werden, die weder im Konsulatsbericht noch auf den genannten Internetseiten verzeichnet sind[44].

4.2 Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes

Aufgrund des unübersichtlichen Marktes und um eine vernünftige Grundlage für eine vergleichende Untersuchung zu erhalten, beschränkt sich diese Arbeit auf Presseerzeugnisse, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit gewisse Ansprüche und Gemeinsamkeiten aufweisen – alle anderen bleiben schlicht aussen vor.

So konzentriert sich diese Untersuchung auf Presseerzeugnisse, die folgende Eigenschaften aufweisen:

- Sie werden von Deutschen herausgegeben und produziert.
- Sie sind in deutscher Sprache verfasst und richten sich vornehmlich an eine deutsche Leserschaft.
- Sie haben ihre Redaktion, ihren Verlagssitz und ihren Erscheinungsort auf den Kanarischen Inseln.
- Sie sind auf der Hauptinsel Gran Canaria erhältlich.
- Sie erscheinen periodisch.
- Sie werden nicht kostenlos als reine Anzeigenblätter verteilt.
- Sie sind abonnierbar.
- Sie entsprechen der Definition einer Zeitung oder Zeitschrift.

Legt man die eben genannten Kriterien zugrunde, so zählen folgende Presseerzeugnisse zum Untersuchungsgegenstand:

1. „info Canarias“

Sprache: deutsch

Erscheinungsweise: wöchentlich

Herausgeber: Hartmut Reinhard (D)

Verlags- und Redaktionssitz: 35109 El Tablero / Gran Canaria (ES)

Verbreitungsgebiet: alle kanarischen Inseln (ES)

Kategorie: Zeitschrift, jedoch mit dem Anspruch

größtmöglicher Aktualität

Preis: 2 €

2. „KAKTUS – das Kanarenmagazin“

Sprache: deutsch

Erscheinungsweise: monatlich

Herausgeber: Burkhard Lehde (D)

Verlags- und Redaktionssitz: 35572 Tias / Lanzarote (ES)

Verbreitungsgebiet: Lanzarote, Gran Canaria, Fuerteventura

Kategorie: Zeitschrift, jedoch thematisch universell und im Rahmen der Erscheinungsweise

so aktuell wie eben möglich

Preis: 2 €

3. „Wochenspiegel – die kanarische Inselzeitung“

Sprache: deutsch

Erscheinungsweise: 14-tägig

Herausgeber: Hannelore Lindner (D)

Verlags- und Redaktionssitz: 38400 Pto. de la Cruz / Teneriffa (ES)

Verbreitungsgebiet: alle kanarischen Inseln

Kategorie: Zeitschrift, die sich im Rahmen ihrer Periodizität vor allem dem aktuellen Tagesgeschehen widmet. Gedruckt auf Zeitungspapier.

Preis: 1 €

4. „Canaria Magazin“& „Teneriffa Magazin“

Sprache: deutsch

Erscheinungsweise: 14-tägig

Herausgeber: Ulrich H. Wilbert (D)

Verlags- und Redaktionssitz: 38370 La Mantanza / Teneriffa (ES)

Verbreitungsgebiet: alle kanarischen Inseln

Kategorie: Zeitschrift, die sich thematisch universell gibt und im Rahmen ihrer Erscheinungsweise auf Aktualität Wert legt. Druck auf Zeitungspapier.

Preis: 1 €

Von den eben genannten vier Medien können jedoch nur die drei Zeitschriften „InfoCanarias“, „Wochenspiegel“ und „KAKTUS“ berücksichtigt werden. Der Herausgeber und Chefredakteur des „Canaria Magazin“ und „Teneriffa Magazin“, Ulrich H. Wilbert, war an einer Zusammenarbeit für diese Abschlussarbeit nicht interessiert. Auf Anfrage liess er durch eine Sekretärin ausrichten, er „bedanke sich für das Interesse, sei aber zu beschäftigt und habe deshalb für ein wie auch immer geartetes Interview keine Zeit – egal ob es im direkten Gespräch, am Telefon oder schriftlich geführt werde“. Die Hintergründe für diese ablehnende Haltung können nur vermutet werden. Erstens scheint das „Canaria Magazin / Teneriffa Magazin“ in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu stecken. Noch während der Recherchen vor Ort schloß der Herausgeber seine Dependance auf Gran Canaria und gibt jetzt statt wie bisher zwei Ausgaben unter den getrennten Titeln „Canaria Magazin“ und „Teneriffa Magazin“ nur noch eine gemeinsame Ausgabe heraus, die beide Titel im Kopf trägt. Zweitens kann das Verhältnis zwischen den Herausgebern und Chefredakteuren der anderen Medien und dem des „Canaria Magazin / Teneriffa Magazin“ selbst bei freundlichster Deutung nur als äußerst gespannt bezeichnet werden. So werden die Herausgeber des Canaria Magazin als unfair bezeichnet und des unlauteren Wettbewerbs bei der Werbeakquise bezichtigt. Darüber hinaus wird die Qualität des Blattes unisono als unterdurchschnittlich bis schlecht eingeschätzt.[45] So scheut sich das Canaria-Magazin im gegenseitigen Konkurrenzkampf auch nicht, andere Herausgeber im Blatt offen auf persönlicher Ebene anzugreifen und in Schmutzkampagnen zu verwickeln.[46]

Folgende Presseerzeugnisse erscheinen ebenfalls auf den Kanarischen Inseln, zählen jedoch nicht zum Untersuchungsgegenstand:

1. „Correo de Valle“

Die Publikation erscheint als lokales Anzeigenblatt zwar periodisch und in deutscher Sprache, ist jedoch ausschließlich auf La Palma erhältlich und beschränkt sich auch im Themenrahmen auf diese Insel.

2. „La Palma 14“

Mit einem 14-tägigen Erscheinungsrhytmus in deutscher Sprache beschäftigt sich die Publikation fast ausschließlich mit dem lokalen Geschehen in La Palma und ist auch nur dort erhältlich.

3. „Fuerte Fan Magazin“

Das Blatt erscheint halbjährlich in deutscher Sprache, beschäftigt sich jedoch ausschließlich mit dem touristischen Geschehen auf Fuerteventura. Es richtet sich als Werbe- und Anzeigenblatt vornehmlich an Touristen auf Fuerteventura und wird auch nur dort vertrieben.

4. „info tip“ / „info sur tour“

In wöchentlichem Wechsel erscheinen die beiden Publikationen im gleichen Verlag. Sie sind jedoch reine Anzeigenblätter, die sich entweder an Residenten (info tip) oder an Touristen (info sur tour) richten und kostenlos verteilt werden. Thematisch inhaltslos.

5. „Der Valle Bote – die Gomera Zeitschrift“

Erscheint nach Lust und Laune der Herausgeber in deutscher Sprache, und ist thematisch unberechenbar ebenfalls nach Lust und Laune der Macher gestaltet. Reines Spass-Produkt.

6. „Hallo Gran Canaria“

Das Blatt erscheint zwar periodisch auf deutsch und ist auf Gran Canaria erhältlich. Es ist allerdings auch zur Kategorie der kostenlosen Anzeigenblätter zu zählen, die sich fast ausschließlich monothematisch mit dem Tourismus beschäftigen.

7. „GC-news“

Das „deutschsprachige Monatsmagazin“ erscheint seit Januar 2004 und ist nur auf Gran Canaria erhältlich. Von den Informationen her ist es monothematisch auf den Tourismus zugeschnitten, darüber hinaus wird es kostenlos als Anzeigenblatt verteilt.

Weitere Publikationen wie „Teneriffa heute“ oder „Kanarische Rundschau“ haben ihr Erscheinen inzwischen eingestellt[47]. Ebenfalls aussen vor bleiben die elektronischen Medien; eine Einbeziehung in diese Untersuchung würde aufgrund der unterschiedlichen Herstellungs- und Verbreitungsweise schlicht den Rahmen der Arbeit sprengen.

5 Entwicklung deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln

Die Entwicklung deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln bis heute hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hauptsächlich beeinflusst wurden Entstehen und Entwicklung einer deutschen Medienlandschaft wie in Abschnitt 3 beschrieben durch die Entwicklung des Tourismus und die Zuwanderung deutsch sprechender Residenten in das Mischgebiet Kanarische Inseln. Erst durch das Vorhandensein einer Leserschaft konnten Ideen zur Gründung von deutschen Zeitschriften reifen und verwirklicht werden. In den folgenden Abschnitten sollen sowohl die Rahmenbedingungen als auch die Gründungsintentionen und die Entwicklung der zu untersuchenden deutschen Zeitschriften bis heute näher beleuchtet werden.

5.1 Tourismus und Zuwanderung als Grund, Umgebungsrahmen und Funktionsgeber für deutsche Medien auf den Kanaren

5.1.1 Tourismus auf den Kanaren und Gran Canaria

Die Kanarischen Inseln in ihrer Gesamtheit waren bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts landwirtschaftlich geprägt. Zwar diente beispielsweise die Inselhauptstadt von Gran Canaria, Las Palmas, auch vorher schon als Urlaubsort vorrangig für Schiffsreisende, doch bereitete erst der Massentourismus nach dem zweiten Weltkrieg den Boden für das Entstehen einer deutschsprachigen Medienlandschaft.

Vor allem das durch die Nähe zum afrikanischen Kontinent bedingte mediterrane Klima machte die Inseln für sonnenhungrige Badeurlauber interessant – nicht umsonst werden die Kanaren auch die „Inseln des ewigen Frühlings“ genannt. Die Temperaturen sinken im Normalfall selbst im Winter nicht unter 10 Grad Nachttemperatur und 19 Grad tagsüber; Regentage gibt es auf den kanarischen Inseln um die 20 im Jahr. Hinzu kommen die landschaftlichen Besonderheiten der einzelnen Inseln: Teneriffa und La Palma präsentieren sich als die grünsten Inseln am Archipel, Lanzarote prahlt mit der Vulkanlandschaft und ihrer durch den Künstler Cesar Manrique erhaltenen Ursprünglichkeit, Fuerteventura lockt mit den kilometerlangen weissen Sandstränden und besten Windverhältnissen für Surfer, El Hierro und La Gomera setzen auf Individualtourismus, Aktivurlaub und die Kleinheit ihrer Inseln - und Gran Canaria schließlich zeigt sich als Miniaturkontinent mit den Dünen von Maspalomas einerseits und einer klimatisch wie geografisch begründeten Mischung aus kargen Bergen, Stauseen, grünen Wäldern und Palmenhainen andererseits.

Die Regierung der kanarischen Inseln und Unternehmer entdeckten um das Jahr 1960 den Tourismus als zukunftsträchtigen Wirtschaftszweig für sich. Der Ausbau des Südteils der Insel Gran Canaria begann beispielsweise im Jahr 1961 mit der Ausschreibung eines Bebauungsplans für die „Costa Canaria – Maspalomas“ – vorher dienten die Strände von Maspalomas nur den Einheimischen als Camping- und Erholungsgebiet. Das erste Hotel als Grundlage für den Massentourismus öffnete im Jahr 1964 seine Pforten.

Seitdem hat sich der Süden Gran Canarias von San Agustin über Playa del Ingles, Campo Internacional bis nach Maspalomas zum größten zusammenhängenden Urlaubsort auf den kanarischen Inseln entwickelt. Andere Orte auf Gran Canaria wie Puerto de Mogan, Puerto Rico oder Arguinegin zogen nach und entwickelten ihre eigene Art des Tourismus, der je nach Lage mehr auf Aktiv-Urlaub, Wellness, höhere Standards oder Timesharing ausgerichtet ist.

War Gran Canaria als erste Insel am Archipel, die auf den Tourismus als Wirtschaftsfaktor setzte, in einer Vorreiter-Rolle, so zogen die anderen Inseln schnell nach - einzig Teneriffa mag sich in etwa parrallel zu Gran Canaria entwickelt haben. Alle Inseln gaben schließlich bis dahin landwirtschaftlich oder überhaupt nicht genutzte Flächen für die Bebauung durch Hotels und ähnliche Anlagen frei und verbesserten rasant ihre touristische und verkehrsmäßige Infrastruktur.

Schon seit Beginn des Pauschal- und Massentourismus auf Gran Canaria stellten Touristen aus Deutschland und dem deutschen Sprachraum[48] neben den englischsprachigen Urlaubern die Hauptgruppe der Pauschal- und Massentouristen.[49] Bis vor kurzem machten die deutsch sprechenden Touristen jeweils mehr als ein Drittel des Gesamtaufkommens an Touristen auf Gran Canaria aus. Das änderte sich erst mit dem Einbruch in der Tourismusbranche ab der Jahrtausendwende.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Touristenaufkommen auf Gran Canaria nach Herkunft[50]

Dabei sind die Zahlen der Insel Gran Canaria im Großen und Ganzen auf die Kanarischen Inseln allgemein übertragbar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Touristenaufkommen auf den Kanarischen Inseln nach Herkunft[51]

Auch unter Berücksichtigung der aktuellen touristischen Monatszahlen scheint sich letztlich der Trend zu manifestieren, dass etwa ein Drittel aller Kanaren-Toruisten aus dem deutschen Sprachraum kommt, die überwiegende Anzahl von ihnen aus Deutschland. Sie bilden damit einen soliden Stamm an Käufern und Lesern deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln. Selbst wenn die Medien selbst davon ausgehen, dass sie am intensivsten von den deutschsprachigen Residenten und Überwinterern gelesen werden, so machen die Touristen prozentual den Hauptteil der Käufer deutscher Zeitschriften auf den Kanaren aus. So sagt der Gründer, Chefredakteur und Herausgeber von „KAKTUS – Das Kanarenmagazin“, Burkhard Lehde:

„Die überwiegenden KAKTUSSE – ja, das heisst hier KAKTUSSE und nicht KAKTEEN – werden von Touristen gekauft, aber nur deswegen weil die Touristen wesentlich mehr sind als die Residenten. Vom Prozentsatz her – also wie viele Residenten gibt es, wie viele davon lesen KAKTUS, wie viele Touristen gibt es und wie viele davon lesen KAKTUS – sieht es anders aus, da lesen weitaus mehr Residenten den KAKTUS. Zahlenmässig gesehen werden aber 70 Prozent von Touristen gelesen und 30 Prozent von Residenten.“[52]

Das ist prinzipiell auch auf die anderen wichtigen deutschsprachigen Medien übertragbar. Nur ein ganz geringer Teil der Auflage verkauft sich über Abonnements – die meisten Zeitungen werden von deutschen Residenten und deutschen Touristen am Kiosk erworben.

5.1.2 Zuwanderung auf die Kanaren und Gran Canaria

Neben der Konsumentenfunktion besetzen die Touristen auch die Rolle als potenzielle Rekrutierungsgruppe für Langzeittouristen, Überwinterer und schließlich Residenten. Neben vielen Wiederkehreren, die Jahr für Jahr auf Gran Canaria und den anderen Inseln Urlaub machen, wechseln die Pauschal- und Massentouristen mit steigendem Alter, steigendem Einkommen und einer immer höher werdenden Unzufriedenheit in ihrem Heimatland zum Teil über die Zwischenstationen Langzeit-Tourist und Überwinterer in die Gruppe der Residenten. Sie bilden damit den Kern der eigentlichen Zielgruppe deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln. Hartmut Reinhard, der Herausgeber von InfoCanarias, sagt dazu:

„Ich hab als meine Zielgruppe immer die Immobilienbesitzer angesehen und nicht die 25-jährigen Teenis, die nachts in die Disko gehen und tagsüber am Strand liegen, sondern ich hab immer nur als Zielgruppe gehabt alle die, die wirtschaftliche Interessen hier haben, sprich ein Apartment oder einen Bungalow. (...) und da habe ich mir gedacht, die Immobilienbesitzer sind den Winter über hier und im Sommer ist keiner hier, die sind ein halbes Jahr nicht da, und die haben keine Ahnung ob in der Zwischenzeit ihr Haus oder das ihres Nachbarn abgebrannt ist oder eingebrochen wurde ist oder sonstwas passiert ist. Die müssen eine Information darüber kriegen, die müssen jede Woche lesen können, was is da unten passiert. Und das war die Grundidee für „info Canarias.“[53]

[...]


[1] Der Begriff Residenten ist dem Spanischen entlehnt. Er kennzeichnet zugewanderte Ausländer, die sich mit Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis auf den Kanarischen Inseln aufhalten. Eine Pflicht zur Meldung besteht zwar vor allem für Rentner, aber auch für Langzeit-Touristen und Überwinterer nicht mehr. Dennoch hat sich der Begriff durchgesetzt und soll in dieser Arbeit parrallel und als Synonym für den Begriff „Zuwanderer aus dem deutschen Sprachraum, insbesondere Deutschland“ verwendet werden.

[2] Definition des Begriffs „Mischgebiet“ im Abschnitt „Begriffliche Klärung und Definitionen“

[3] telefonische Informationen von Björn Akstinat, Internationale Medienhilfe (IMH) in Köln, sowie von Dr. Harro Hess, ehemaliges Vorstandsmitglied der inzwischen aufgelösten Internationalen Assoziation deutscher Medien (IADM) e.V., Dezember 2003/Januar 2004

[4] Derartige Arbeiten erschienen zum Beispiel zur Situation deutschsprachiger Medien in Brasilien, Namibia oder New York; zur deutschsprachigen Presse Osteuropas allgemein oder auch zu deutschsprachigen Medien in Kanada und Belgien im Vergleich.

[5] Reiner, Sabine: Enklavenpublizistik: Insulare Kommunikation ethnischer Minderheiten. Eine systemtheoretische Analyse mit einer Untersuchung des Argentinischen Tageblatts, Münster: Agenda-Verlag, 1995

[6] Busch, Brigitte: Der virtuelle Dorfplatz: Minderheitenmedien, Globalisierung und kulturelle Identität. Klagenfurt: Drava, 1999

[7] Einzelheiten im Abschnitt „Begriffliche Klärung und Defintionen“

[8] Weitergehende Ausführungen dazu sind im Abschnitt „Begriffliche Klärung und Definition“ zu finden, außerdem im praktischen Teil dieser Arbeit

[9] Kaufmann, Marion: Zwischen Assimilation und Isolation: Leserschaft, Funktion und Perspektive deutschsprachiger Presse im Ausland am Beispiel des Echo in Kanada und des Grenz-Echo in Belgien. Diplomarbeit im Studiengang Germanistik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, vorgelegt 2003

[10] Kaufmann 2003, S. 20

[11] vgl. Burkart, Roland: Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Wien, Köln, Weimar 1995, S 162 ff.

[12] Wilke 1999, in: Noelle-Neumann, Schulz, Wilke [Hg.] 2003, Seite 460

[13] vgl. Günther Kieslich: „Zur Definition einer Zeitschrift“, in: Publizistik 10/1965, Seite 314 ff., auch Wilke 1999, in: Noelle-Neumann, Schulz, Wilke [Hg] 2003, Seite 469

[14] Einzelheiten und nähere Ausführungen dazu sind im Abschnitt „Funktion deutschsprachiger Medien auf den Kanaren“ zu finden.

[15] Webseite der Internationalen Medienhilfe, Download (http://www.imh-deutschland.de/page/index.php?rubrik=0003, siehe Anhang)

[16] Hofmann 2002, Seite 556. Zitiert nach: Kaufmann 2003, Seite 12

[17] Reiner 1995, Seite 17

[18] Assmann 1988, Seite 16f., Zitiert nach Reiner 1995, Seite 17

[19] vgl. dazu die Interviews mit den Herausgebern und Chefredakteuren deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln. Nach übereinstimmender Aussage kann die Gesamtheit der auf den Inseln lebenden Deutschen NUR und AUSSCHLIESSLICH über die Sprache als Gruppe und Minderheit definiert werden – ansonsten gibt es keine Gemeinsamkeiten zwischen den auf den Inseln lebenden Deutschen, Österreichern und Schweizern. So kann hier auch nur aufgrund der deutschen Sprache von einer deutschen (insofern deutschsprachigen) Minderheit gesprochen werden.

[20] Im Gegensatz zu den Kanaren kann man von deutschen Gemeinden im Ausland beispielsweise im Falle von Argentinien, Chile, Brasilien oder auch Rumänien reden. Vgl. dazu auch das Interview mit dem Konsul der Bundesrepublik Deutschland auf den Kanarischen Inseln, Arnulf Braun, sowie die Aussagen in den Interviews mit den Chefredakteuren und Herausgebern deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln.

[21] Gemeint sind hier Auswanderungswellen beispielsweise der Mennoniten nach Kanada aufgrund eines religiösen Drucks oder im Zuge der beiden Weltkriege aufgrund eines politischen Drucks, vgl. auch die Interviews mit dem Konsul der Bundesrepublik Deutschland auf den Kanarischen Inseln, Arnulf Braun, sowie Interviews mit den Chefredakteuren und Herausgebern deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln.

[22] Akstinat 1997, Seite 10 (Internationale Medienhilfe: „Zukunftsfähiges Zeitungsmanagement bei im fremdsprachigen Ausland erscheinenden deutschsprachigen Zeitungen“, IMH Hennef 1997)

[23] siehe Abschnitt zur Entwicklung deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln

[24] vgl. Reiner 1997, Seite 27 ff.

[25] Auf die Alternativpublizistik als Form der Protest-Publizistik soll in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen werden, weil sie sich zu weit vom Kernpunkt der deutschsprachigen Presse im Ausland mit ihren Eigenschaften und Funktionen entfernt und somit nicht der Klarheit und dem Verständnis dienen würde.

[26] Reiner 1997, Seite 28 f.

[27] Darauf wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch näher einzugehen sein, wenn die Funktionen und die Entwicklung der deutschsprachigen Presse auf den Kanarischen Inseln näher beleuchtet wird. Insbesondere wird begründet, warum Informationen aus und über Deutschland weder beabsichtigt noch notwendig sind.

[28] Unbestritten bleibt, dass es auch vorher schon Reisende, Urlauber und Touristen gegeben hat. Erst mit dem Massentourismus und einer touristischen Infrastruktur in den Urlaubsgebieten bildeten sich jedoch Strukturen heraus, die auch deutschsprachige Medien notwendig machten. Näher eingegangen wird darauf im Abschnitt zur Entwicklung deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln und den Rahmenbedingungen.

[29] Mit diesen Angaben berufe ich mich auf eigene Erfahrungen, die ich im Bereich des Tourismus auf den Kanarischen Inseln zwischen 1996 und 2000 sammeln konnte. Eine Bestätigung meiner Beobachtungen lieferte mir der Chef der Agentur „Viajes Canarias Europa“, German BRAUNS. Seine Agentur ist neben „Viajes Paukner“, die ihre Existenz inzwischen einstellen musste, die älteste Agentur zur Betreuung von Pauschalreisenden aus Deutschland auf den Kanarischen Inseln. Viajes Paukner und Viajes Canarias Europa betreuten in den vergangenen Jahrzehnten fast alle Reisenden von namhaften Reiseveranstaltern in Deutschland. Erst durch die Konzentration auf dem Tourismus-Markt mit eindeutiger Tendenz zur TUI einerseits und zur Neckermann-Gruppe andererseits verloren beide Agenturen an Bedeutung.

[30] Hier soll nur der Standpunkt der deutschen bzw. deutschsprachigen Zuwanderer analysiert werden. Dass die Kanarischen Inseln ebenso das Ziel illegaler Einwanderer vom afrikanischen Kontinent sind ist unbestritten, spielt jedoch in einer Arbeit über deutschsprachige Medien auf den Kanarischen Inseln keine Rolle.

[31] siehe auch „Entwicklung deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln“ später in dieser Arbeit

[32] Das Phänomen, daß Informationen aus Deutschland für die deutschsprachigen Medien auf den Kanarischen Inseln und ihre Rezipienten NIE eine Rolle gespielt haben, wird später genauer beleuchtet.

[33] vgl. Leitfadeninternviews mit den Chefredakteuren und Herausgebern deutschsprachiger Medien auf den Kanarischen Inseln

[34] auf die notwendige Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes wird später in dieser Arbeit ausführlich einzugehen sein.

[35] vgl. Schnell, Hill, Esser 1999, Seite 301

[36] vgl. Schnell, Hill, Esser 1999, Seite 355

[37] vgl. Schnell, Hill, Esser 1999, Seite 301 & 335

[38] vgl. Schnell, Hill, Esser 1999, Seite 336

[39] Eigene Beobachtungen aus einem vierjährigen Aufenthalt auf Lanzarote und Fuerteventura. Im Jahr 1998 kam beispielsweise auf Lanzarote die deutschsprachige Zeitschrift „Magma“ auf den Markt, musste aber ihr Erscheinen bereits im Folgejahr wieder einstellen. Eine deutsche Wochenzeitung mit dem Titel „Deutsche Inselzeitung“ brachte nur drei Ausgaben auf den Markt und wurde dann wieder eingestellt. Aktuelle Beispiele stellen auch „Teneriffa Magazin“ und „Canaria Magazin“ dar. Die Wochenzeitungen für Gran Canaria und Teneriffa erscheinen bereits seit vier Jahren, mussten inzwischen jedoch ihren Redaktionsstab verkleinern und im Jahr 2004 für zwei Monate das Erscheinen einstellen.

[40] Als Beispiel dafür mag eine Landkarte herhalten, die von dem Einkaufszentrum FARO 2 in Maspalomas kostenlos verteilt wird. Darauf sind zwar alle Hotels im Ort verzeichnet, jedoch keine anderen Einkaufszentren oder Geschäfte. Ein anderes Beispiel ist der kostenlose Pocket-Guide „canarias gay-way“ oder das Heft „GAYumbo“, die sich nur an Homosexuelle wenden und ausschließlich für einschlägige Lokale im Einkaufszentrum YUMBO in Playa del Ingles werben.

[41] Aktuelles Beispiel: Die deutschsprachige Fernsehsendung „Haben Sie ein Problem?“, die einmal wöchentlich auf TV Canarias abgestrahlt wird. Sie existiert seit Februar 2004 und zeichnet sich technisch wie inhaltlich durch Dilletantismus und Unprofessionalität aus. Allen Prognosen zufolge wird diese Sendereihe noch vor Bewertung dieser Arbeit eingestellt sein. Eine andere Sendung mit dem Titel „boulevard canarias“ stellte den Sendebetrieb nach nur zwei Ausgaben ebenfalls im Februar 2004 ein und soll nun per DVD bzw. VHS vertrieben werden. Hier hatten sich nach Angaben der Macher weder die technischen Möglichkeiten zur professionellen Umsetzung noch die erwünschten Werbeeinnahmen manifestiert (siehe IC 671, S. 23 oder www.boulevard-canarias.com)

[42] O.V.: Deutschsprachige Medien auf den Kanarischen Inseln, Stand Juni 2003, Konsulat der Bundesrepublik Deutschland, Las Palmas de Gran Canaria, (siehe Anhang)

[43] http://www.press-guide.com/spain2.htm, Download am 02. Februar 2004, (siehe Anhang)

[44] http://www.press-guide.com/radio.htm, Download am 02. Februar 2004, (siehe Anhang)

[45] Diese Bemerkungen haben die von mir befragten Chefredakteure und Herausgeber deutscher Medien auf den Kanarischen Inseln ausserhalb der Leitfadeninterviews getätigt. In den Leitfadeninterviews selbst tauchen wenn, dann nur indirekte Bemerkungen ohne Namensnennung des „Canaria Magazin – Teneriffa Magazin“ auf.

[46] So titelt die Zeitschrift in ihrer Ausgabe 4. Jahrgang, Nr. 66 vom 28. Februar bis 05. März 2004 auf Seite 1 in Bezug auf den Herausgeber einer anderen deutschsprachigen Zeitschrift: „Frauenschützer oder Vergewaltiger?“. Im weiteren wird der Verleger aufgrund einer mehr als zwielichtigen Anzeige detailliert als Vergewaltiger und Schläger bezeichnet. Nach deutschem wie spanischen Medienrecht ist dies nicht erlaubt; der Verfasser des Artikels und der Herausgeber sind inzwischen mit entsprechenden Anzeigen wegen Verleumdung und Rufschädigung belegt worden und befinden sich nur noch gegen Kaution in sechsstelliger Höhe auf freiem Fuß.

[47] Quellen für die Einordnung der jeweiligen Publikationen: www.press-guide.com - Deutschsprachige Zeitschriften in Spanien, Kanaren; eigene Recherchen; Interviews mit den Herausgebern bzw. Chefredakteuren; Angaben im Impressum der diversen Publikationen, Liste des Konsulats der Bundesrepublik Deutschland in Las Palmas de Gran Canaria vom Juni 2003

[48] gemeint sind hier Deutschland, Österreich und die Schweiz. Holland wurde hier nicht berücksichtigt, obwohl deutsche Sprachkenntnisse bei vielen Holländern vorausgesetzt werden können.

[49] Quelle: German BRAUNS, Chef der Reiseagentur „Viajes Canarias Europa“ sowie unisono die befragten Herausgeber und Chefredakteure deutscher Medien. Detaillierte Zahlen aus den Anfangsjahren des Massentourismus konnten nicht recherchiert werden – selbst die statistische Abteilung der Inselregierung und der Regierung des Autonomen Gebietes der Kanarischen Inseln konnte dazu keine Angaben machen! Sichere Zahlen konnten erst ab dem Jahr 1990 von der Inselregierung sowie aus den Archiven von „info Canarias“ recherchiert werden.

[50] Einzelheiten siehe Tabelle zur Tourismus-Entwicklung im Anhang

[51] Einzelheiten siehe Tabelle zur Tourismus-Entwicklung im Anhang

[52] vgl. Interview mit dem Herausgeber von „KAKTUS – Das Kanarenmagazin“, Burkhard Lehde am 10. Februar 2004

[53] vgl. Interview mit dem Herausgeber von „InfoCanarias“, Hartmut Reinhard am 07. Februar 2004

Details

Seiten
157
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638377096
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v38725
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft
Note
2,7
Schlagworte
Konzeption Analyse Erstellung Produkts Thema Entwicklung Funktion Medien Gran Canaria

Autor

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Titel: Konzeption, Analyse und Erstellung eines journalistischen Produkts zum Thema 'Entwicklung und Funktion deutschsprachiger Medien auf Gran Canaria'