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Probleme der Begriffsbildung "Religion". Unterschiedliche Terminologien im Hinduismus, Buddhismus, Judentum und Islam

Seminararbeit 2007 13 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung:

Ein Blick in die Geschichte

Der Religionsbegriff“:
Der Hinduismus
Der Buddhismus:
Das Judentum:
Der Islam:

Fazit:

Einleitung:

„Religion ist für uns zunächst einmal umgangssprachlich, all das, was wir als Religion erfahren, es ist eine Sammelbezeichnung für das Christentum mit seinen Werten und Erscheinungsformen sowie Analogieerscheinungen in anderen Kulturen (oder wenigstens Phänomenen, die wir als Analogieerscheinungen empfinden.)[1] Auffällig ist jedoch, dass in anderen Kulturen häufig ein entsprechender Begriff fehlt. Dies ist insofern problematisch, da der Religionsbegriff für die Religionswissenschaft von grundlegender Bedeutung ist, immerhin definiert er den Gegenstandbereich dieser Wissenschaft. Doch seine genauere Bestimmung erweist sich als schwierig. Über 100 Religionsdefinitionen gibt es inzwischen, aber keine konnte sich als allgemein anerkannt durchsetzen. „Von einem allgemein akzeptierten Begriff der Religion kann nicht ausgegangen werden, an die Stelle des Begriffs der Religion tritt eine Pluralität von möglichen Definitionsversuchen, die grundsätzlich unabschließbar zu sein scheinen.“[2] Alle vorgeschlagenen Definitionen erscheinen lückenhaft, da sie Aspekte bestimmter Religionen vernachlässigen und ihre Eignung sich letztlich darauf reduziert, vorhandene religiöse Phänomene zu beschreiben. Ursächlich dafür sind die hohen Anforderungen, die an einen allgemein gültigen akzeptablen Religionsbegriff gestellt werden, der alles, was gemeinhin unter Religion verstanden wird, abdecken soll. Doch die Komplexität und Unterschiedlichkeit der Religionen lässt sich kaum in eine einheitliche Definition pressen. Hinzu kommt, dass „der Religionsbegriff seine Karriere erst unter den Bedingungen der Neuzeit und der Moderne angetreten hat, und somit auch die Geschichte seiner antiken Entstehung und materiellen Verwendung berücksichtigt werden muss, um so der entscheidenden Veränderungen seiner Verwendungsweise gewahr zu werden.“[3]

In meiner Protokollausarbeitung werde ich – in Anlehnung an die Sitzung vom 23.4.2007- thematisieren, worin die Probleme einer Begriffsbildung Religion liegen. Nach einem Überblick über die „historische“ Entwicklung des Religionsbegriffes werde ich auf die unterschiedlichen Terminologien in den einzelnen Religionen Hinduismus, Buddhismus, Judentum und Islam eingehen, die verbunden sind mit einem Religionsverständnis, dass nicht ohne weiteres mit dem westlich-europäischen kompatibel ist. Abschließend werde ich ein kurzes Resümee ziehen, indem ich diskutiere, was diese Problematik für Konsequenzen für den LER-Unterricht haben könnte.

Ein Blick in die Geschichte

Die Theologie als Wissenschaft, die Religionswissenschaft, entstand Mitte des 19. Jahrhunderts und entnahm die Terminologie dem Christentum. „Die Religionswissenschaft leitete ihren Namen von dem lateinischen Wort religio ab, einem Begriff unter dem man im Mittelalter primär Gottesverehrung, d.h. die Ausübung bestimmter Riten verstand.“[4] Bereits im Mittelalter hatten islamische Religionshistoriker erste Versuche unternommen, die einzelnen Religionen zu beschreiben, die eigentliche Geburtsstätte der Religionswissenschaft liegt aber in Westeuropa, geprägt durch einen christlich-europäischen Kontext. Und so verwundert es auch nicht, dass sich die Religionswissenschaft als Produkt der westlich-europäischen Denkkultur auch primär der westlichen Begriffe von Religion bediente.[5] Doch dies war nicht immer ganz unbedenklich. Das Bedürfnis Religionsbegriffe zu definieren, um sich und andere Religionen konzeptualisieren zu können, kann man nicht in allen Religionen beobachten. In verschiedenen Kulturzusammenhängen wurde Religion anders definiert als im christlich-europäischen Kontext bzw. war so gar nicht existent, beispielsweise wurden in Stammesreligionen entsprechende Begrifflichkeiten gar nicht ausgebildet. „Sicherlich gibt es in anderen Kulturen Phänomene, die innerhalb der christlichen Kultur dem Bereich der Religion zugeordnet werden, doch stellt sich die Frage, ob andere Kulturen oder Religionen überhaupt eine Vorstellung von Religion haben.“[6] Im westlich-europäischen Kontext entwickelte sich also ein Religionsverständnis, das so in anderen Kulturen nicht existiert und auf einer völlig anderen begrifflichen Zuordnung basiert. So konnten auch viele entscheidende Aspekte der Religionen nicht durch das christliche Vokabular abgedeckt werden und es mussten teilweise Begriffe aus anderen Religionen entnommen werden, wie zum Beispiel mana (magische Kraft) und tabu (fernhalten von etwas, da es schädliche Einflüsse ausüben kann).

Um genauer bestimmen zu können, was unter dem Begriff Religion zu verstehen sei, erfolgte eine Kriteriensuche. Das Kriterium des Gottesglaubens bzw. Gottesverehrung hatte den Religionsbegriff in seiner ganzen Breite nicht ausreichend fassen können. Andere Kriterien zur Begriffsbestimmung waren notwendig und konnten den Anforderungen ebenso wenig gerecht werden, beispielsweise löste auch das Kriterium des „Heiligen“ nicht das grundlegende Problem. Welche Möglichkeiten der Klassifizierung kann es also geben? Der Religionsbegriff kann keine verbindliche Definition liefern, zu unterschiedlich sind die Inhalte, die er abdecken soll. Viel mehr kann man die unterschiedlichen Aspekte/Kriterien beschreiben, die den Religionen innewohnen bzw. zugrunde liegen.

Der Religionsbegriff“:

Man unterscheidet zwischen dem exklusivistischen und komparatistischen Religionsbegriff. Der exklusivistische Religionsbegriff bezieht sich nur auf die eigene Religion, er dient zur Selbstbezeichnung und hat die Funktion der Abgrenzung nach außen. „Demgegenüber sind Begriffe, die dazu dienen, die eigenen Religion und andere Religionen unter einem gemeinsamen Oberbegriff zusammenzufassen, als komparatistische Religionsbegriffe zu bezeichnen.“[7] Manchmal entstehen aber auch Mischformen, zum Beispiel beim Vergleich der eigenen mit einer anderen Religion, da sie in vielen Bereichen auch vergleichbar sind. Im Christentum näherte man sich in manchen Bereichen an andere Religionen an, in diesem Zusammenhang wird dann von falschen Religionen gesprochen, wobei der Religionscharakter aber nicht gänzlich abgesprochen wird.

Religionsbegriffe unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich Exklusivität und Komparativität, sie sind auch in intensionaler und extensionaler Hinsicht verschieden.[8] Begriffe sind verbunden mit unterschiedlichen Aspekten, wobei unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden können. In diesem Zusammenhang kann man im wesentlichen fünf Aspekte (oder im Sinne des amerikanischen Soziologen C. Y. Glock von Dimensionen) sprechen:

1. der theologisch-glaubensmäßige bzw. objektiv-glaubensmäßige Aspekt
2. der emotionale bzw. subjektiv-glaubensmäßige Asepkt
3. der kultisch-rituelle Aspekt
4. der allgemein bzw. ethisch-moralische Verhaltensaspekt
5. der soziologisch-organisatorische Aspekt

Der theologisch-glaubensmäßige Aspekt umfasst die gemeinsamen Glaubensüberzeugungen der Mitglieder einer Religion, die Glaubenssätze, die auch als Basis von Bekenntnisformeln dienen. Er drückt sozusagen aus, was die Anhänger einer Religion glauben sollen.

[...]


[1] Stolz, F.: Grundzüge der Religionswissenschaft, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1988, S.10

[2] Wagner, F.: Was ist Religion, Studien zu ihrem Begriff und Thema in Geschichte und Gegenwart, Verlagshaus Mohn, Gütersloh 1991, 2. Auflage, S.12

[3] Wagner, F.: Was ist Religion, Studien zu ihrem Begriff und Thema in Geschichte und Gegenwart, Verlagshaus Mohn, Gütersloh 1991, 2. Auflage, S.16

[4] Haußig, H. - M.: Der Religionsbegriff in den Religionen, Philo Verlagsgesellschaft, Berlin und Bodenheim b. Mainz, 1999, S.2

[5] vgl. Haußig, H. - M.: Der Religionsbegriff in den Religionen, Philo Verlagsgesellschaft, Berlin und Bodenheim b. Mainz, 1999, S.2

[6] Haußig, H. - M.: Der Religionsbegriff in den Religionen, Philo Verlagsgesellschaft, Berlin und Bodenheim b. Mainz, 1999, S.9

[7] vgl. Haußig, H. - M.: Der Religionsbegriff in den Religionen, Philo Verlagsgesellschaft, Berlin und Bodenheim b. Mainz, 1999, S.31

[8] vgl. Haußig, H. - M.: Der Religionsbegriff in den Religionen, Philo Verlagsgesellschaft, Berlin und Bodenheim b. Mainz, 1999, S.35

Details

Seiten
13
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668608795
ISBN (Buch)
9783668608801
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v386908
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – LER Lebensgestaltung Ethik Religion, philosophische Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
Religionsbegriff Religionsverständnis

Autor

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