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Lesesucht und Lesewut. Der Lesekonsum im Zeitalter der Aufklärung im 19. Jahrhundert

Hausarbeit 2013 14 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die unterschiedlichen Institutionen der Aufklärung und ihr Stellenweer
2.1 Die pragmatischen Institutionen
2.2 Die Geheimbünde
2.3 Die literarischen Institutionen
2.3.1 Universitäten
2.3.2 Private Vereinigungen
2.3.3 Zeitschriften
2.3.4 Lesegesellschaften

3. Die Lesesucht
3.1 Wer von der Lesesucht betroffen war, und warum
3.2 Über die Argumente von Kritikern gegen die Vielleserei
3.3 Einschätzung der "Lesewut"

4. Die Unterstützung der "Lesewut" durch die Institutionen der Aufklärung

Literaturverzeichnis

Quellen:

1. Einleitung

Das Wort „Lesesucht“ oder auch „"Lesewut"“ wird dem Menschen des 21. Jahrhundert nur selten ein Begriff sein. Schließlich wird das Lesen heutzutage in den meisten Fällen sehr geschätzt, wenn nicht gar gefördert. Mehr noch, Menschen, die nicht lesen können, haben oft keinen Zugriff auf gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten. Lesen wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehr und mehr zur wichtigsten Quelle der Wissensaneignung, vor allem zu Zeiten des World-Wide-Web. Da erscheint es reichlich absurd, das Lesen mit solch abfälligen Begriff wie „"Lesewut"“ oder „Lesesucht“ zu betiteln.

Andere Umstände herrschten jedoch im 18. Jahrhundert, zur Zeit der Aufklärung. Als der Buchdruck langsam aber sicher praktikabel wurde, Bücher also nicht mehr langwierig von Hand abgeschrieben werden mussten, konnte man eine riesige Anzahl an Neuveröffentlichungen beobachten. Da es nun viel einfacher war, an ein Buch zu kommen, oder selbst eines zu veröffentlichen, als noch im 17. Jahrhundert, stieg nicht nur die allgemeine Verfügbarkeit, sondern auch die Vielfältigkeit der Bücher.

Nun haben die zeitgenössischen Aufklärer das vermehrte Lesen zuerst begrüßt, schließlich bildet es und hilft, selbst zu denken. Weiterhin waren es die Vertreter der Aufklärung, und vor allem die von ihnen errichteten Institutionen der Aufklärung, die für das vermehrte Lesen verantwortlich waren. Mit der Zeit jedoch kehrte sich ihre Meinung um, auch die Vertreter der Aufklärung kritisierten zunehmend die "Lesewut" der Bürger. Dies geschah aus mehreren Gründen, von denen nicht wenige die Annahme vertraten, dass übermäßiger Bücherkonsum ernsthafte Schäden an Geist und Körper nach sich ziehen würde.

In welchem Maße das Lesen durch die Institutionen der Aufklärung auch gefördert worden war, bereits hier kann man festhalten, dass niemand die Entwicklung des Lesens als Zeitvertreib hat aufhalten können.

Das Hauptthema dieser Hausarbeit wird daher nicht der weitere Verlauf der Lesesucht sein, sondern allgemein das Entstehen dieses Phänomens und besonders dessen Förderung durch die verschiedenen Institutionen der Aufklärung.

Zu diesem Zweck wird in dieser Arbeit zuerst auf die Lesesucht an sich eingegangen. Es wird untersucht, welche Gruppen den Begriff der Lesesucht prägten, auf welche Gruppen der Begriff angewandt wurde, und inwiefern er berechtigt war.

Im zweiten Teil werden die Institutionen der Aufklärung aufgelistet und ihren Funktionen entsprechend nach Wichtigkeit geordnet.

Schließlich wird diese Arbeit herausstellen, inwiefern und in welchem Maße diese Institutionen die sogenannte Lesesucht gefördert haben, beziehungsweise, ob sie überhaupt daran beteiligt waren.

2. Die unterschiedlichen Institutionen der Aufklärung und ihr Stellenwert

Man konnte im Laufe des 18. Jahrhunderts das Entstehen verschiedener Institutionen beobachten, die alle mehr oder weniger zur Aufklärung beigetragen haben. In diesem Kapitel sollen sie, ihr Publikum sowie ihr Stellenwert dargestellt werden.

Die Institutionen können grundsätzlich in drei Gruppen aufgeteilt werden:

- Die literarischen Institutionen
- Die pragmatischen Institutionen
- Die Geheimbünde

Alle diese Gemeinschaften haben die Aufklärung auf ihre Art und Weise vorangetrieben, oder hatten dies zum Ziel. Die neu entstehenden Vereinigungen „etablieren sich […] in Deutschland als Gegengewalt im absolutistischen Staat“[1] und stellen eine neue bürgerliche Öffentlichkeit dar, die zwar kein Gewaltmonopol oder eine Armee besitzt, aber dennoch ungeschriebene Gesetze vorgibt. Daher sind diese Vereinigungen maßgeblich für die weitere literarische Entwicklung in Deutschland.

Erwähnenswert ist außerdem, dass sich die Institutionen auf die Territorialstädte konzentrierten, wobei vor allem Residenz- und Universitätsstädte im protestantischen Norden als Nährboden dienten. Gegründet und getragen wurden die Gesellschaften größtenteils von der neuen Schicht der Bürgerlichen.[2]

Es sind zwei Phasen der bürgerlichen Öffentlichkeit im 18. Jahrhundert zu unterscheiden, von denen die erste in den zwanziger Jahren begann und bis in die Jahrhundertmitte andauerte. Die „kennzeichnenden Institutionen dieser ersten Phase waren die moralischen Wochenschriften, die neuen oder reformierten Universitäten, die 'deutschen Gesellschaften' und die Freimaurerlogen“[3].

Zur Mitte des 18. Jahrhunderts treten andere Zeitschriften an die Stelle der moralischen Wochenschriften. Außerdem bilden sich vermehrt private Vereinigungen, Lesekabinette und Lesezirkel. Auch die pragmatischen Institutionen sowie die Geheimbünde bilden sich vor allem in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

Aus Platzgründen werden die Geheimbünde und die pragmatischen Institutionen in dieser Arbeit nur am Rande angesprochen, da die literarischen Institutionen für die Fragestellung einen weit höheren Stellenwert besitzen.

2.1 Die pragmatischen Institutionen

In den pragmatischen Institutionen stand das praktische Handeln im Vordergrund. Zu den pragmatischen Institutionen gehörten die Akademien, verschiedene landwirtschaftliche Vereinigungen und patriotische Gesellschaften. Ihnen gemeinsam war, „daß sie der Diskussion neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse dienen, die häufig – besonders in den Akademien – mit eigener wissenschaftlicher Arbeit verbunden ist; daß sie außerdem ihre Erkenntnisse in erzieherische Praxis umsetzen“[4].

Während sich die Akademien vor allem mit „Natur- und kameralistischen Staatswissenschaften“[5] beschäftigten und über ihre Arbeit nicht selten eigene Zeitschriften veröffentlichten, waren die landwirtschaftlichen Vereinigungen auch für Nicht-Gelehrte zugänglich. Sowohl die Akademien und die landwirtschaftlichen Vereinigungen waren eng mit dem Staat verknüpft[6]. Anders ist es bei den patriotischen Gesellschaften, die von Privatleuten gegründet wurden und sich mit der „Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Situation“[7] bestimmter Städte beschäftigen. Enge Verbindungen bestehen zwischen den patriotischen Gesellschaften und anderen Institutionen der Öffentlichkeit. So ging zum Beispiel die Lübecker patriotische Gesellschaft aus einer Lesegesellschaft hervor[8].

[...]


[1] Reiner Wild: Stadtkultur, Bildungswesen und Aufklärungsgesellschaften in: Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Band 3: Deutsche Aufklärung bis zur französischen Revolution : 1680 – 1789. Hrsg: Rolf Grimminger / Hans-Joachim Simm. München 1980. S. 114

[2] Vgl.: Ebd. S.131

[3] Ebd. S.131.

[4] Vgl. Reiner Wild: Stadtkultur, Bildungswesen und Aufklärungsgesellschaften in: Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Band 3: Deutsche Aufklärung bis zur französischen Revolution : 1680 – 1789. Hrsg: Rolf Grimminger / Hans-Joachim Simm. München 1980. S.131.

[5] Ebd. S.127.

[6] Vgl. Ebd.

[7] Ebd. S.130.

[8] Ebd. S.130.

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668610309
ISBN (Buch)
9783668610316
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v386859
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,0
Schlagworte
aufklärung lesewut frauen 19. Jahrhundert 1800 institutionen

Autor

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Titel: Lesesucht und Lesewut. Der Lesekonsum im Zeitalter der Aufklärung im 19. Jahrhundert