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Selbstverstehen durch Narrative Gesprächsführung

Wie entstehen Selbstverstehungsprozesse durch Narrative Gesprächsführung?

Hausarbeit 2016 12 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Wichtigkeit der Narrativen Gesprächsführung

2. Narrative Gesprächsführung

3. Selbstverständnis

4. Verlauf der Narrativen Gesprächsführung
4.1 Das Vorgespräch
4.2 Hauptphase: Die Aufforderung zu erzählen
4.2.1 Die drei Erzählzwänge
4.2.2 Erzählung, Argumentation und Beschreibung
4.3 Nachfragephase
4.4 Verhalten während des Interviews
4.5 Zusammenfassung

5. Entstehung von Selbstverstehungsprozessen

Literaturverzeichnis

1. Einführung in die Wichtigkeit der Narrativen Gesprächsführung

Die Lebenswirklichkeit ist komplex und nicht immer gerecht und fair. Auf der Welt geht es nicht an jedem Ort gleich zu. Es gibt Krisen- und Kriegsgebiete, in denen Menschen Hunger leiden und schmerzliche Erfahrungen sammeln. Im Alltag gibt es traumatische Erlebnisse, es geschehen schmerzliche Scheidungen, Verlust von Angehörigen sowie schmerzliche Situationen. Der Mensch hat ein Bewusstsein und kann nicht immer schwierige Erlebnisse unbeschadet verarbeiten. Menschen können nach einem schrecklichen Erlebnis weiterhin seelisch und psychisch sowie aber auch physisch durch postsomatische Belastungsstörungen leiden. Diese Leiden können negativen Einfluss auf die Gestaltung und Erziehung von Leben haben sowie die Lebensqualität mildern. Umso mehr wichtig ist eine Methode, die es solchen Menschen ermöglicht, mit ihren Erlebnissen ohne langfristiges Leiden klarzukommen und diese aufzuarbeiten. Die narrative Gesprächsführung ist eine Methode mit Klienten und Klientinnen umzugehen, die traumatische Ereignisse erlebt haben. Personen mit traumatischen Erlebnissen haben oft einen Mitteilungsbedürfnis, gehen diese aus Ängsten der Abweisung, Unverständnis, Vorurteile, falschen Vorstellungen von Werten, Tabuisierung nicht nach und leiden demnach stark. Mit der narrativen Gesprächsführung ist es möglich, diese Personen in die Lage zu versetzen, ihre Geschehnisse aufzuarbeiten, diese mit ihrem aktuellen Wissen und Blick aus der Gegenwart zu bewerten und neu zu strukturieren. Die Interviewerin erlangt Wissen über vergangene Geschehnisse und Handlungsverläufe der Klientin und kann so besseres Verständnis ihr gegenüber entwickeln. Mit herkömmlichen Gesprächen und Alltagssituationen wäre dies in dem Umfang sowie Intensivität nicht möglich. In dieser Hausarbeit wird auf die Gleichstellungsklausel verzichtet und nur die weibliche Form verwendet. Die narrative Gesprächsführung bringt die Klientin dazu, umfassend über Vergangenes zu erzählen, wobei die Klientin Wichtiges vom Unwichtigen trennt und selbstbestimmend erzählt. Daraus lässt sich die Relevanzkriterien der Klientin erfahren. Dies ermöglicht der Sozialarbeiterin die Klientin zu helfen. Für die Klientin bringt die narrative Gesprächsführung, somit das narrative Interview die Selbsterfahrung. Die Selbsterfahrung ermöglicht den besseren Umgang mit Vergangenem und zu einer höheren Lebensqualität. Daher ist es mir wichtig in dieser Hausarbeit aufzuzeigen, wie Selbstverstehungsprozesse durch narrative Gesprächsführung entstehen. Einhergehend erläutere ich die Wichtigkeit dieser Selbstverstehungsprozesse und begründe sie. Im Folgenden kläre ich auf, was unter narrative Gesprächsführung und Selbstverständnis zu verstehen ist. Darauffolgend stelle ich den Verlauf der narrativen Gesprächsführung dar und gehe auf die einzelnen Phasen ein. Zusätzlich stelle ich die Unterschiede zwischen Erzählungen, Argumentationen und Beschreibungen dar und die resultierenden Konsequenzen. Daraus werde ich deutlich aufzeigen, wie durch die narrative Gesprächsführung Selbstverstehungsprozesse entstehen und weshalb diese wichtig sind.

2. Narrative Gesprächsführung

Die Narrative Gesprächsführung wurde im deutschen Raum von Fritz Schütze in den 1970er Jahren eingeführt. Sie ist für den therapeutischen Bereich, für Beratungskontexte sowie Therapiekontexte vorgesehen und eine qualitative Methode und ein Erhebungsverfahren, welches nicht dem üblichen Frage- und Antwortschema von Interviews folgt (vgl. Loch). Sie ist ein nichtstandardisierte Erhebungsform, die zur Analyse von zum Beispiel Kriegserfahrungen, Krankheitsverlaufen und Ehescheidungen dient. Es gibt auch das narrative Gruppeninterview. Die narrative Gesprächsführung wird durch das narrative Interview geführt, welche die Klientin durch eine Erzählaufforderung in ein Redefluss und Erzählfluss bringen soll, ohne dass die Interviewerin interveniert und mitredet. Man geht davon aus, dass Nachfragen eher den Erzählfluss stören. Oft haben Klientinnen ein Mitteilungsbedürfnis aufgrund ihrer schweren Erlebnisse (vgl. Rosenthal, S.17). Ein sogenanntes erzählendes Interview (vgl. Lexikon). Ratifiziert die Interviewte die Erzählaufforderung nicht, leitet die Aushandlungsphase ein (vgl. Küsters, S.56). Für das Interview spielt das Wissen über die drei Erzählzwänge eine Rolle. Bei dem Interview wird aktives Zuhören angewendet. Die narrative Gesprächsführung greift auf Erzählungen zurück, nicht Argumentationen und Erklärungen, da Erzählungen näher an der Handlung sind, welche in der Vergangenheit stattgefunden haben (vgl. Loch, S.4ff). Der Interviewten wird bloß ein Objektbereich, eine Richtung vorgegeben und die anschließende biographische Erzählung ganz der Interviewten überlassen. Die Interviewte bestimmt den Detaillierungsgrad und den Verlauf des Interviews. Somit ist das Interview weitgehend offen. Für diese Bedingung ist es nötig, dass genügend Zeit für die Erzählung eingeplant und vorhanden ist. Die Erzählungen bauen auf der Erzählkompetenz der Erzählerin auf und gehen entlang ihrer Relevanzstruktur (vgl. Lexikon). Für das Interview ist die Einhaltung und Berücksichtigung der verschiedenen Phasen und Regeln der narrativen Gesprächsführung wichtig. Zum Ende hin wird eine Erzählaufforderung zu einem guten Thema gegeben, um der Klientin aus den negativen Emotionen in ein gutes Wohlbefinden zurück zu bringen.

3. Selbstverständnis

Selbstverständnis ist die kognitive Wahrnehmung und Bewertung der eigenen Handlungen, Gedanken, Vorstellungen, Gefühle, Emotionen, Persönlichkeit (vgl. Wikipedia). Selbstverständnis ist wichtig für die Selbstvergewisserung der eigenen Handlungen und Persönlichkeit, die Integration des Erzählten in die eigene Biographie (vgl. Loch, S.12). Selbstverständnis löst Erinnerungen aus und kann Träume nach dem Gespräch verursachen. Die Person fällt in Selbstreflexion und denkt über sich und seinen Beweggründen, Handlungen und Werten nach. All das kann zu Reinterpretation und Reorganisation der Gesamtsicht auf das Leben und Biographie der Person führen (vgl. Rosenthal, S.12). Dies führt zu einem besseren Umgang mit den Erlebnissen in Krisen, höhere Lebensqualität, Entwicklung von neuen Erkenntnissen. Zudem wird der Umgang mit Vergangenem erlernt. Die Person erfährt sich selbst und lernt sich zu akzeptieren. Das Erzählen von belasteten Erlebnissen verschafft Linderung und die Aufarbeitung dieser. Es wird in der Wissenschaft zwischen Selbstverstehen und Fremdverstehen unterschieden.

4. Verlauf der Narrativen Gesprächsführung

Die Narrative Gesprächsführung ist in vier Phasen unterteilt. Als erstes ist ein Vorgespräch mit dem Interviewten nötig. Darauf folgt die Hauptphase, im Anschluss an die Hauptphase können Nachfragen in der Nachfragephase gestellt werden. Zum Ende hin ist die Phase Interviewabschluss. Die Einhaltung dieser Reihenfolge ist nötig und sinnvoll. Im Nachfolgenden gehe ich auf die verschiedenen Phasen ein, stelle die Notwendigkeit der Einhaltung der Reihenfolge klar und zeige auf welcher Sinn dahinter steckt (vgl. Loch, S.6ff).

4.1 Das Vorgespräch

Das Vorgespräch dient dazu, zur Interviewten oder Klientin Vertrauen aufzubauen. Die Klientin lernt die Interviewerin kennen und baut Sympathie zu dieser auf. Hier ran merken beide, ob ein Fortführend der Therapie und die Einführung in die Hauptphase überhaupt sinnvoll und möglich ist. Das Erzählen von starken und persönlichen Erinnerungen setzen meist ein Vertrauen voraus, eine sichere Basis der Kommunikation, in der die Erzählerin sich sicher fühlt, der anderen ihr Vergangenes, Gedanken näherbringen zu können, ohne dadurch schwerwiegende Nachteile zu befürchten, auf Ablehnung, Missgunst oder negative Reaktionen zu stoßen. Hier sind die sozialen Kompetenzen der Sozialarbeiterin gefragt. Empathie, freundliche Umgangsweise, Einfühlvermögen, aber auch viel Erfahrung und voriges Training sind dafür notwendig. In dem Vorgespräch wird die Abfolge des Gesprächsverlaufs erklärt und der Klientin näher gebracht. Die Klientin wird gefragt, ob ein Aufnahmegerät verwendet werden darf. Ein Aufnahmegerät dient der besseren Aufzeichnung gesagter Dinge und Erstellung wichtiger Fragen, auf die später in der Nachfragephase und in späteren Interviews eingegangen werden kann. Zudem werden die Grundlagen der narrativen Gesprächsführung der Klientin erklärt, dass dieser aufgefordert wird, über Vergangenes, eventuell über eine bestimmte Phase oder Erlebnisse zu erzählen. Dabei wird darauf hingewiesen, dass man selber neugierig, interessiert zuhören und die Klientin aussprechen lassen wird. Es werden noch zeitliche Grenzen gesetzt, wie lange das Gespräch geführt werden kann, so dass im Vorfeld die Klientin über die begrenzte Zeit bewusst ist. Es ist zudem wichtig, der Klientin mitzuteilen, dass alles Gesagte und Erzählte anonym behandelt wird, sowie auch Personalien und Stammdaten.

4.2 Hauptphase: Die Aufforderung zu erzählen

Diese Phase folgt dem Vorgespräch. Sind alle Daten erfasst, die Sozialarbeiterin und die Klientin einig über die Dauer des Gespräches und über die eventuelle Auswahl eines Themas, zum Beispiel Kriegserfahrung, dann kommt es zu einer Erzählaufforderung, einem Erzählstimulus seitens der Sozialarbeiterin an die Klientin. Dabei ist es wichtig, dass die Klientin die Erzählpräambel als solche versteht und nicht anfängt, Argumentationen aufzuführen (vgl. Küsters, S.58). Oft ist es sinnvoll, sich auf eine Lebensphase oder temporär begrenzten Prozessgeschehen zu einigen, um möglichst bei relevanten Inhalten im Verlauf der Erzählung zu bleiben und Selbsterfahrung sowie Verarbeitung, Reinterpretation und Reorganisation zu bewirken, die zu einer höheren Lebensqualität führen. Jedoch ist zu beachten, die erste Erzählaufforderung nicht mit Erinnerungen an eine traumatische Erfahrung zu beginnen, um so möglichst den Einstieg in die Stegreiferzählung zu vereinfachen (vgl. Loch, S.8). Hauptziel der Erzählungen, auch Stegreiferzählungen genannt, ist es eine unbeteiligte und unwissende Person so umfassen wie nötig zu informieren, um bei dieser Verständnis für die Geschichte und Handlungsentscheidungen in ihr zu erwirken (vgl. Küsters, S.22). In diesem Fall ist die unwissende und unbeteiligte Person die Sozialarbeiterin. Um das Informieren und die Verständnis zu bewirken ist es notwendig, dass die Klientin möglichst in ein Erzählfluss gerät, ohne dass die Sozialarbeiterin interveniert. Ein Problem in dieser Phase kann die Aufrechterhaltung der Sprachlosigkeit der Klientin aufgeführt werden, welche aus dem Glauben resultiert, niemals verstanden werden zu können und aufgrund der schwere der traumatischen Erlebnisse nicht in der Lage sein zu können, diese zu erzählen (vgl. Rosenthal, S.16-18). Der Wunsch das Erlebte zu vergessen und sich nicht mit den Schmerzen auseinander setzen zu müssen, begünstigt die Sprachlosigkeit (vgl. Rosenthal, S.17). Oft sind Erlebnisse von der Klientin mit Schuld und Scham besetzt (vgl. Loch, S.4).

4.2.1 Die drei Erzählzwänge

Durch die drei Zwänge aus der Erzähltheorie ist die Klientin gezwungen sich umfassend und detailliert sowie bewertend mit Vergangenem auseinander zu setzen. Dadurch entstehen tiefe Erinnerungsprozesse (vgl. Loch, S.4ff). Im Nachfolgendem zeige ich die drei Zwänge. Zu einem Gibt es den Gestaltschließungszwang. Die Klientin ist gezwungen, die Erlebnisse so detailliert und zusammenhängend zu erzählen, dass der Gegenüber diese als zusammenhängende Geschichte versteht. Dies bezieht auch mit ein, dass die Klientin gezwungen ist, die begonnene Geschichte auch zu Ende zu erzählen. Im Vorfeld kann die Klientin noch nicht wissen, welche Hintergrundinformationen und Thematisierung notwendig sind, um die Geschichte verständlich zu erzählen. Die Klientin muss sich daher intensiver mit den Erinnerungen auseinander setzen, nachdenken und Prioritäten setzen, welche Informationen wichtig sein könnten und welche wichtig sind, die sie dann erzählt (vgl. Loch, S.4). Der Kondensierungszwang lässt die Klientin aufgrund der begrenzten Zeit für die Erzählung in einem Interview Relevantes von nicht Relevantem für das Verständnis der Erzählung trennen. Dieses Aussortieren von Informationen, das Entscheiden für bestimmte Abschnitte gibt der Sozialarbeiterin Aufschluss über das Relevanzsystem der Klientin. In dem die Klienten auf manche Geschehnisse besonders eingeht, oder Zeitabschnitte und Perioden überspringt sowie Abschnitte kurz anschneidet, lässt sich viel über ihr Denken und Bewusstsein schließen (vgl. Loch, S.4). Der Detaillierungszwang beschreibt einen Zwang, Geschehnisse, Erlebtes so zu erzählen, dass genug Details, kausale Zusammenhänge und Motivationen der Gegenüber vermittelt werden, dass sie sich im Einklang mit ihren Vorstellungen, Erfahrungen von der Welt diese Informationen von der Klientin so verarbeiten, dass sie sich in die Klientinn hineinversetzen und sie verstehen kann (vgl. Loch, S.4). Es reichen nicht nur Ereignisknoten aus, um eine Erzählung vollständig zu verstehen und nachzuvollziehen. Eine Erzählung bringt der Klientin keine Befriedigung und Erleichterung, wenn diese die Sozialarbeiterin nicht versteht. Daher ist sie gezwungen ihre Erlebnisse so zu erzählen, dass die Sozialarbeiterin diese versteht und nachvollziehen kann. Dies geschieht eher unbewusst und automatisiert, bedingt durch das tägliche Leben in der Gesellschaft. Jeder Mensch hat seinen eigenen Horizont, Lebenswirklichkeit und Sicht auf die Dinge sowie andere Erfahrung. Da sind diese drei Zwänge zwangsläufig, wenn sich Menschen sich gegenseitig verstehen wollen.

4.2.2 Erzählung, Argumentation und Beschreibung

Erzählung steht zu Argumentation und Beschreibung näher der in der Vergangenheit liegenden Situationen. Nur die Erzählung ermöglicht die größtmögliche kontinuierliche Annäherung an das Erlebte. Argumente hingegen dienen der Rechtfertigung sowie Begründung von Handlungen, welche mit Sicht aus der Gegenwart ausgetragen werden und werden lediglich unter sozial erwünschten Aspekten formuliert. Die Argumentation richtet sich stark an die Gesprächspartnerin, wobei die Erzählung sich an das eigene Erlebte richtet (vgl. Rosenthal, S.13). Beschreibungen konzentrieren sich auf routinierte Handlungen, wogegen Erzählungen hingegen auf die Widergabe der damaligen Handlungsabläufe (vgl. Loch, S.5).

4.3 Nachfragephase

Ist die Klientin ihrer Erzählung von alleine zu Ende gekommen, beginnt die Nachfragephase. Für die Nachfragephase sind bis dahin aufgeschriebenen Notizen von großer Bedeutung. Aus ihnen wird zeitlich chronologisch Nachfragen gestellt, um Ungeklärtes und noch offene Fragen zu klären. Auch um eventuelle von der Klientin gelassene Lücken zu schließen oder nicht Erzähltes zu erschließen. Oft reißen Klientinnen sehr belastende oder als kompliziert empfundene Erlebnisse nur kurz an und führen ihre Erzählungen über andere Themen weiter. In der Nachfrage darf auf diese kurz angerissenen Erlebnisse eingegangen und dazu Fragen gestellt werden. Zu Beachten ist, sich darauf nur auf die von der Klientin freiwillig gegebenen Äußerungen zu beschränken und keine Aussagen und Erzählungen zu erzwingen. Nachdruck und Nachhaken liegt im Widerspruch zum narrativen Interview. Wir akzeptieren den Erzählwillen und Offenheit beziehungsweise Geschlossenheit der Klientin. Auch hier drückt sich unser Respekt ihr gegenüber aus. Durch Zwang würde bis dahin wertvolles aufgebautes Vertrauen zerstört werden. Zum Schluss der Nachfragephase ist es von besonderer Bedeutung Themen anzuschneiden, welche die Klientin mit Positiven assoziiert und sie gefühlsmäßig und gedanklich weg von stark Belastetem und Negativem wegbringt. Dazu werden Fragen über positive Ereignisse und Perioden gestellt oder durch Aufzeigen positiver Erkenntnisse ein positiver Erzählstrang vorgelegt. Zu beachten ist für die letzte Phase, vor allem für den Abschnitt die Klientin in guter und positiver Lage zu bringen, genug Zeit einzuplanen (vgl. Küsters, S.61). Die Klientin soll wieder gestärkt aus dem Interview herausgehen und nicht eventuell belastet, deprimiert und mit schlechten Emotionen sowie Gefühlen besetzt sein.

4.4 Verhalten während des Interviews

Damit die Klientin in den Erzählfluss gerät und in dieser bleibt, ist es wichtig, bestimmte Regeln und Verhaltensweisen zu beachten. Das narrative Interview muss vor einem professionellen und wichtigen Einsatz zuerst öfters eingeübt und trainiert werden. Nur so kann ausgeschlossen werden, dass die Interviewerin künstlich und nicht Authentisch rüber kommt. Die Klientin würde sofort ins Grübeln kommen und die Therapie könnte ihre Wirkung verlieren, sogar die Sozialarbeiterin nicht ernst genommen werden. Es ist somit wichtig, dass die Interviewerin die Methode beherrscht und sich ihrer Sache sicher ist. Der sichere Umgang ist unabdingbar. Sie muss authentisch, offen und ehrlich rüber kommen. Der Interviewten wird jedoch nicht alle Fakten und Erkenntnisse erklärt. Die Klientin bleibt über die verschiedenen Erzählzwänge und weiteren Theorien und Wissen im Unklaren. Lediglich wie weiter oben angeführt, wird die Vorgehensweise und Ähnliches erklärt. Die Wichtigkeit einer vorurteilslosen Vorgehensweise seitens der Interviewerin gegenüber der Interviewten ist unbestritten. Hierbei spielt Empathie und Verständnis eine Rolle, sowie Einfühlvermögen. Die Erzählungen werden nicht bewertet. Aus dem Grund, weil die Klientin sich nicht verurteilt, verunglimpft, unverstanden und andersartig fühlen möchte. Diese würden bei ihr Unwohlsein auslösen und es ist klar, die Klienten würde die Erzählung abbrechen (vgl. Rosenthal, S.10). Hier sei noch einmal hervorgehoben, die Klientin zum Weiterreden mit Kopfnicken, Blickkontakt und Ähnliches zu unterstützen. In der Praxis zeigt sich, sowohl Erzählungen lang und durchgehend sein als auch mehrere lange und kurze Pausen eintreten können. Die Pausen müssen ertragen und ausgehalten werden. Es entspricht oft unserem Bedürfnis etwas sagen zu wollen, dies jedoch würde den Erzählfluss der Erzählerin stören. Dieses bewusste Aushalten ist nicht einfach und muss antrainiert werden. Übereinstimmend dazu dürfen keine Detaillierungsfragen gestellt werden. Detaillierungsfragen kommen erst in der Nachfragephase vor und müssen bis dahin aufgeschrieben und zurückgehalten werden. Die Nachfragephase wird erst durch das eigene Beenden der Erzählerin eingeleitet. Zur Erleichterung wird kontinuierlich während der Erzählung Notizen gemacht in chronologischer Reihenfolge, möglichst müssen diese Notizen wortgetreu mit dem Gesagten der Klientin sein sowie kurz und knapp (vgl. Loch, S.9). Zur Hilfe dient wie in Punkt Zwei erwähnt die Tonbandaufnahme beziehungsweise Sprachaufzeichnung. Weshalb die Notizen möglichst wortgetreu sein sollen hat folgenden Sinn. Der Klientin fällt es wesentlich leichter Fragen zu hören, die ihrem Habitus, ihrer Alltags entsprechen. Tunlichst sollte man professionelle Begriffe sowie Fachbegriffe vermeiden, wenn diese nicht dem alttäglichen Wortschatz der Klientin entsprechen. Es wird möglichst auf Augenhöhe mit der Klientin gesprochen. Hierin drückt sich dann auch der Respekt der Klientin gegenüber aus. Die Fragen in der Nachfragephase werden anhand der Notizen in der in ihr zeitlichen erwähnten Reihenfolge gestellt. Im narrativen Interview werden die Fragen eher offen formuliert und kommen Erzählaufforderungen nahe. Sie sind keine W-Fragen zum Beispiel Wie?, Wo?, Wieso?, Wehsalb?. Diese sogenannten W-Fragen sind zu vermeiden, da sie Argumentationen produzieren können. Anstelle von W-Fragen kann „Erzähl mir bitte mehr über deine Kindheit“ oder „Sie erwähnten vorhin die Situation XY, können Sie mir diese noch einmal genauer erzählen?“ geäußert werden (vgl. Loch, S.11). Um auch den Erzählfluss beizubehalten, sind nur ausnahmsweise bei sehr langen Pausen und zwischenzeitlich gestoppten Erzählung kurze Nachfragen erlaubt, um den Redefluss aufrechtzuerhalten. Dabei sind die oben genannten Erkenntnisse über die Art der Fragestellung zu beachten. Des Weiteren wird der Klientin geholfen, falls notwendig, die Einzelstücke zu einem Ganzes zu setzen bei ihrem Versuch, ihr Vergangenes zu verbalisieren (vgl. Rosenthal, S.13). Schweift die Klientin zu lange mit der Erzählung zu weit vom für die Therapie wichtigen Inhalten ab, ist eine kurze Intervenieren nötig und wichtig. Es muss aufgepasst werden, dass über das vorher gemeinsam Festgemachte und Beschlossene geredet wird.

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Details

Seiten
12
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668604582
ISBN (Buch)
9783668604599
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v386546
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
2,0
Schlagworte
Narrative Gesprächsführung in Soziale Arbeit

Autor

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